Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
verunrechtfertigen bis verunstalten (Bd. 25, Sp. 2035 bis 2041)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunrechtfertigen, v., vereinzelt: dasz der unterthan sich nicht verunrechtfertigt Fr. L. Jahn 2, 225.

[Bd. 25, Sp. 2036]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) verunreinen, v., seit dem späteren 13. jahrh. belegt, Lexer 3, 281; sehr oft bei Diefenbach (s. u., ferner 286c, 296c, 313b, 425c); im 16. jahrh. allmählich durch verunreinigen verdrängt: schon die bibelausgabe von 1534 ersetzt verunreynet 4. Moses 5, 28 durch verunreiniget; für verunreynen 3. Mos. 15, 31 ist 1541 verunreinigen eingetreten. in den frühnhd. wb. nicht so häufig wie jenes (voc. 1482, gemma gemmarum, Apherdianus, Faber, s. u.), seit Corvinus (1646) nicht mehr gebucht, nicht bei Adelung und Campe. im 18. u. 19. jahrh. gelegentlich in versen (Göthe, Heine s. u. I 4 b β, Rückert, s. u. I 1, 4 a) und in poetisch stilisierter prosa: Göthe s. u. I 4 b α; diese augen, die mein herz verunreinet haben Schiller 2, 295 G.; der klare quell der gesetzlichkeit war ja mit schlamm verunreint Droysen Äschylus werke 25. auch mundartlich selten gebucht: schweiz. id. 6, 990 (nur ältere belege, doch s. u. II), schwäb. Fischer 2, 1395. im gebrauch mit verunreinigen völlig identisch, s. dieses.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunreinigen, v. , Diefenbach 130c, 228c, 297a, 300a, 303a, 446a, nov. gl. 112b, 128b. in den frühnhd. wb. häufig, z. theil neben verunreinen: gemma gemmarum, Faber (s. u.), z. theil allein gebucht: voc. inc. teut.; Alberus (s. u.); Frisius 245a; Maaler (s. u.); Calepinus XI ling. 256a; 320a; 323a; 734a. später allgemein; Adelung, Campe. mundartlich schweiz. id. 6, 990; schwäb. Fischer 2, 1396; obers. Müller - Fraureuth 2, 618.
in bedeutung und gebrauch besteht zwischen verunreinen und verunreinigen kein unterschied, daher werden beide wörter gemeinsam besprochen; die belege für verunreinen stehen zuerst.
nur transitive verwendung, unrein machen, kommt vor. weit überwiegend ist die grundbedeutung rein, sauber, frei von schmutz, seltener unvermischt, frei von nicht zugehörigen bestandtheilen, s. u. III. zum theil sind wohl beide bedeutungen nebeneinander im bewusztsein. vereinzelt ist die grundbedeutung so abgeblaszt, dasz nur noch 'entstellen' in ganz allgemeinem sinne übrig bleibt: nicht einmal unaustilgbare narben verunreinigen dem auge des physiognomen ein gesicht Lavater physiognom. fragm. 4, 205.
I. beschmutzen, beflecken: attaminare, fedare, inquinare coinquinare, polluere Diefenbach glossar.; defedare, defecare, coinquinare, convicere nov. gl.; inquinare, maculare, deturpare, inficere; infectus, verunreynet, befleckt gemma gemmarum; inquinare, polluere, obscenare voc. 1482; ich verunreinige, befleck, besudel, bestencker Alberus l l 1b; foedare, lutare, maculare, coinquinare Maaler; maculare Apherdianus; conspurcare, contaminare Faber.
1) körperlich: das antlütze, daz vil schonre was denne aller menschen antlütze, daz wart gehalslekt unde wart mit speichelun verunreint Pfeiffers Germania 7, 334 (predigten, 13. jahrh.?); aber der raigel helt seinen aftern gegen dem habich und verunrainet in mit seim mist Konrad v. Megenberg b. d. natur 168, 20 Pf.; er nistet in unrainikait und verunraint auch sein aigen nest 228, 1; das sind schendliche unfleter, die ir eigen nest verunreinen Luther 34, 1, 75 W., ebenso sein eigen nest verunreinigen Friedrich Wilhelms sprichwörterregister bb 2 nr. 16; Möser (1842) 3, 121;

denn das du (die fliege) alle ding beschmeist,
verunreinst, verderbst, wie du weist
H. Sachs 9, 149 K.;

wenns (das kind) schon die gantze nacht solt weynen
oder sich zehen mal verunreinen
Waldis Esopus 1, 131 Kurz;

weil es (das kind) die windeln verunreinigt Salzmann ameisenbüchlein 43; ähnlich: sich verunreinigen 'einen wind fahren lassen' Müller-Fraureuth 2, 618; wann sie nur ein spülwasser auszschutten, geschahe es der mas, das dem guten herren sein laden damit verunreiniget und besprenzt ward Wickram 2, 126 B.; der spiegel, dessen oberfläche verunreinigt wird J. G. Forster sämtl. schr. 9, 311. die luft verunreinigen:

[Bd. 25, Sp. 2037]


er (der drache) wont, dâ verunraint er den luft mit seim âtem Konrad v. Megenberg b. d. natur 269, 18 Pf.;

nicht duften darf dein mund von rauchgetränkes duft,
damit nicht schon dein hauch verunreint seine (des brahmanen)
luft
Rückert 8, 506;

übertragen: haben sie (die unzüchtigen weiber) den luft mit hürischem gesang verunreiniget Ambach vom zusaufen B 4a.
2) eine mittelstellung zwischen eigentlichem und bildlichem gebrauch nehmen die wendungen ein die hände in blut verunreinen Arigo decamerone 147; 247; 486 lit. v.; Fischart flöhhatz e 2; buch der liebe 120d, verunreinigen Montanus 217 B.; Lindener rastbüchlein 29 lit. v.; mit blut verunreinigen Spangenberg ausgew. dicht. 149; griech. dramen 2, 111 lit. v.; an dir verunreinige ich mein schwert nicht Herder 16, 280 S. übertragen: sich den mund auch nur mit nachgesuchten lästerungen verunreinigen Göthe 38, 270 W.
3) durch geschlechtlichen verkehr verunreinigen: incestari, -e, Diefenbach; incestare, schänden Corvinus; he vorunreinde gude vruwen und juncfruwen, geistlik und wertlik chron. d. d. st. (Magdeburg) 7, 93; welcher mit seines vatters weib sich verunrainigt hett büchlin das der hailig apostel Petrus gen Rom nicht kommen c 1a; ihr ehebette ... verunreinigen und beflecken mit ehebruch oder hurerey Luther 34, 1, 74 W.; solche leute, die ... ihren leib ... mit hurenlieb verunreinigen Schupp (1663) 1, 197.
4) übertragen:
a) die verunreinigung betrifft denjenigen, der eine handlung ausübt, eine eigenschaft bethätigt:
α) reflexiv: aber inwendig sint si vol unkäusch mit gir und treibent ir unfuor mit küssen, mit unzimlichen reden und mit mærlein und verunrainent sich lesterleich und pœsleich Konrad v. Megenberg b. d. natur 250, 19 Pf.; da widder sie (die mönche) ... sich von in (ihren angehörigen) söndern, und eben damit sie wollen am reinisten sein, sich fur gott aufs schentlichste verunreinen Luther 32, 327 W.;

habt ihr in der sünden pfuhle,
draus ihr jetzt zurücke
kehret, habt ihr in der schule
des verraths, der tücke
euch verunreint?
Rückert 1, 127;

ein unrein hertz verunreiniget und versündigt sich in allen dingen Luther 17, 1, 111 W.; dasz eine nonne den Terenz studierte, damit sich andere durch die lesung desselben nicht verunreinigen M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 2, 87. sich durch berührung, umgang mit andern v.: das du in eim frembden land bist? das du dich verunreinigst unter den todten Luther bibel 5, 144 Bindseil; kein kastenunterschied, ..., keine furcht, sich durch andre zu verunreinigen Ritter erdkunde 3, 734.
β) passivisch:

si selbe (die Juden) wol behûten
daz si sich icht dâ mûten
in daz râthûs ze wandern,
daz si mit enander
wurden icht verunreint
von snôden sachen und vermeint
Joh. v. Frankenstein kreuziger 5823;

und meynen, wenn sy fleisch essen, sie werden verunreynet Luther 10, 3, 26 W.;

sie (die Juden) gingen, um zum fest verunreint nicht zu werden,
ins richthaus nicht hinein, sie standen vor dem haus
Rückert 11, 174.


γ) activ: seele, gewissen v.: ir ... solt nicht euer seelen verunreinigen an irgend einem kriechenden thier, das auf erden schleicht Luther bibel 1, 229 Bindseil; wir würden gewisz unser gewissen verunreinigen Schleiermacher I 12, 109.
δ) eine handlung, eigenschaft verunreinigt den, der sie ausübt, bethätigt; wie unrain die gedancken des menschen sein, mügen sy in nit verunrainen, so die

[Bd. 25, Sp. 2038]


vernuft nit darein verwilligt A. v. Eyb spiegel der sitten 25a; wie aussm hertz ausgeen pœs gednck, eepruch, hererey und mer andere stuck, die den menschen verunrainigen Berthold v. Chiemsee 370; so sieht nun Aristoteles auch die leidenschaften an als etwas den menschen verunreinigendes Solger vorlesungen über ästhetik 16. ebenso das object einer handlung: was zum mund eingeet, das verunrain nit den menschen Berthold v. Chiemsee 530, ähnlich H. Sachs 22, 19 G. und mit verunreinigen: Luther bibel 6, 37 Bindseil; Nas antipap. eins u. hundert 2, h 1b; Sachs 22, 70; Arnim 9, 206 Grimm. für den menschen selbst stehn auch hier ähnliche begriffe wie oben γ: alle sunden wundent di seele, di unkusze virunreinet lib und seele heilige regel 6, 32 Priebsch; nie hat der gedanke mitzuwirken meine seele verunreinigt Kotzebue dram. w. 35, 133.
b) die verunreinigung wirkt nach auszen.
α) auf menschen: durch verführung, böses beispiel: dise frucht (die hoffart) ist denn warlich ain same des teüffels. dadurch manig hertz verunraint wirt Tauler sermones (1508) 47b;

solche (irrlehrer und sünder) er meyden soll auf erd,
das er nit mit verunraint werd
H. Sachs 1, 372 K.;

so du wenest, dich hab got beraten, so hat dich verunrainiget der teüfel A. v. Eyb deutsche schr. 2, 81; schon hat der heidnische sauerteig dich verunreinigt Kotzebue dram. w. 3, 77. durch umgang und berührung: durch seine gegenwart, und dasz im heiligthum das böse übel ihn ergriff, sind wir verunreint Göthe 39, 375 W.; dasz die frau in manchen beziehungen als unrein und verunreinigend gilt Ratzel völkerkunde 2, 275.
β) auf geistige, meist religiöse werthe: profanare Diefenbach, Faber; dise verunreinen den namen der gantzen dryfaltigkeit Geiler v. Keisersberg pater noster f 5b; das keyn befleckung der ketzerey odder argwohn in dem römischen reiche unsern heyligen glauben verunreyne bei Luther 15, 256 W.; alle dergleichen flecken, wie beflecken, wie verunreinigen sie deine religion Lavater verm. schr. 2, 363. besonders von heiligthümern, heiligen stätten: wie sie das gotshauss mit irem sündtlichen leben verunreint hette Montanus 414 B.;

dein geist verunreint dieses paradies
Göthe 10, 160 W.;

wie verödet
und verunreint jetzt die stätte,
wo am boden noch die lichtspur
von dem fusze der propheten
Heine 1, 446 E.;

daz bild der göttin nehmlich sey durch Orests raserey verunreinigt Schiller 6, 262 G.
weltlich: das die red eyne speis des gemütes und der seelen ist, welche speyse der menschen bosheyt pflegt zu verunreynigen Fischart 3, 310 H.; dasz der miszbrauch die den helden gebührende ehre bey den meisten völckern sehr verunreinigt ... hätte Lohenstein Arminius 1, 342a; sie dichten, um leidenschaften zu empören, oder gar zu verunreinigen Herder 24, 373 S.; weil mir die heilige idee der kunst verunreinigt war Gutzkow ges. w. 4, 69. auf örtliches bezogen: falschú lere, mit der alles land wurdi verunreinet mit kezerlichem unflat Seuse 68 Bihlmeyer; die ungeheuer, die sie (die erde) durch ihre laster verunreinigen Fr. Th. v. Schubert verm. schr. 4, 153.
II. in älterer zeit oft mit krankheitsstoff oder gift v., anstecken, vergiften; inficere Diefenbach, gemma gemmarum; intoxicare voc. inc. teut.; sich v., inficere se, venenari Dentzler; mundartlich Fischer, schweiz. id. 6, 990 (di vischwaiden vergiften und v.), hierher auch sich veruneinen, vergiften, von thieren 1, 276. die (schlange) verunraint daz wazzer mit ihr vergift Konrad v. Megenberg b. d. natur 274, 32 Pf.; da kam eines nachtes ein vergifter wurm und verunreinet im sein beyn heil. leben i. d. winterteil 95a; wenn sich die schafe oder lämmer nach ostern von der neuen weyde verunreinigen viehbüchlein 58; daz er (der speichel) alles verunreiniget, was

[Bd. 25, Sp. 2039]


er anrieret. die leftzen entpfingend eyssen darvon, und warden die backen geletzet und verwundet Murner bei Hutten 5, 409 Böcking. auch in diesem sinne von der luft: dasz ... letstlich der luft (durch eine seuche) in diser stat verunraint werden möchte chron. d. d. städte (Augsburg 1563) 33, 221. bildlich: also auch diese geistliche lepra vergiftet die seel und verunreynet sie vor gottes augen Luther 9, 557 W.
III. zur grundbedeutung rein, frei von fremden bestandtheilen:
1) körperlich: dasz er nichts nimpt, dasz dem goldt zuwider ist, oder dasselbige verunreine oder verlezte Ercker erzt u. bergwerksarten 81b; verunreyniget wein Sebiz feldbau 414; (der bergteer) ist ... oft mit erde und sand verunreiniget Zappe mineral. handlex. 1, 121; reines oder wenig verunreinigtes kupfer K. E. v. Bär reden u. versch. aufs. 3, 315. ungewöhnlicher: der homogenen, nie zu homogenisierenden lichter nicht zu gedenken, welche sich einander verwirren, verunreinigen, in einander greifen, sich stören Göthe II 2, 107 W.
2) von geistigem, namentlich von der sprache: dass wir unser reine muttersprache auss fremdgierigkeit nicht sollen verunreinen Harsdörfer frauenzimmergesprechspiele 3, 309; es wird aber nicht allein die teutsche sprache ... durch die vielfaltigen frömbden wörter verunreiniget Schottel haubtsprache 144; wenn nämlich die schriftsprache eines volkes auch noch so sehr verunreiniget wäre Kinderling reinigkeit d. deutsch. spr. 6. von andern geistigen werthen: je mehr die göttliche güte rein, und je weniger selbige von einigem eigennutze verunreiniget ist d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 805; aber im verlauf der zeit verunreinigt sich die christliche lehre, ketzereien mischen sich ein Göthe 41, 1, 176 W.; während doch das wahrhafte durch das unmittelbar sinnliche verunreinigt und versteckt wird Hegel 10, 1, 13.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunreinigung, f. , inquinamentum voc. 1482 kk 1a; Hulsius-Ravellus 359b, Adelung, Campe.
a) zu verunreinigen I, beschmutzung, befleckung: beschädigung oder verunreinigung der wagen verkehrsordn. für d. eisenbahnen Deutschlands § 23; v. von flüssen Hoyer-Kreuter technol. wb. 1, 813. übertragen: sintemal er ohne eigene verunreinigung mit Ismenen keine gemeinschaft mehr unterhalten könte Lohenstein Arminius 2, 524b; mit einem von ihnen zu sprechen, soll mir verunreinigung sein Wieland Lucian 1, 90; diese v. des glaubens Hegel 1, 105; eine art v. und entweihung des kunstwerkes O. Ludwig ges. schr. 5, 43.
b) zu verunreinigen II, verunreinigung durch infection, ansteckung: zu dem vergifften erbgrindt und andern dergleichen schädtlichsten verunreinigungen desz haupts Wirsung artzneybuch 57a.
c) zu verunreinigen III, beimischung von nicht zugehörigem: v. der fettsäure Muspratt chemie 1, 1269 Stohm. u. Kerl. übertragen: mit ihrer (der sprache) bereicherung ist auch die v. fast unzertrennlich verknüpft Kinderling reinigkeit d. deutsch. spr. 4.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunruhen, v. , im älteren nhd. neben verunruhigen im gebrauch, aber bald durch dieses verdrängt. daneben verunrugen Luther 50, 422 W., verunrügen 15, 725 W., verunrüwen variante (s. u. 5). — verunruhigen, v. , seit dem 16. jahrh. in gebrauch, im 17. und zu anfang des 18. häufig, später selten, gebucht bei Schöpper g 6a, Orsäus 116, Corvinus 27, 690, Duez le vrai guidon 77, Reyher, Ludwig, Rädlein, Spanutius 134; 338; 349, Aler, Frisch, Krünitz, Adelung; veraltet Campe. mundartlich schweiz. id. 6, 1910; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet). nebenformen verunrwigen Schöpper, Fischart (s. u.), verunrugigt Schütz hist. rer. pruss. 1, g 4c.
der gebrauch, mit verunruhen völlig identisch, entspricht beunruhigen, in unruhe versetzen:
1) durch angriff, feindseligkeit: verunrhwiget und angegriffen Fischart geschichtsklitt. 332 ndr.; die seeräuber verunruhigen unsere küste Ludwig teutsch-engl. lex. 2148.

[Bd. 25, Sp. 2040]



2) durch stiften von unfrieden, zwietracht:

dann welches schreit ausz seinem stand,
dasselb zerreist das menschlich band,
schafft unwill und grosz miszverstand
und verunrühigt statt und land
Fischart 1, 400 H.;

mancherley ubersatz und widersprechens, dardurch oft gantze nachbarschaften verunruhiget ... werden Hohberg georg. cur. 1, 37.
3) durch belästigung, ruhestörung: bitte also mich mit dergleichen ferners nicht zu verunruhen Harsdörfer d. teutsche secretarius 1, 377; indem e. excell. mit gegenwärtiger aufwartung bey später abendzeit verunruhiget wird Chr. Weise polit. redner (1677) 57; gib achtung, ..., dasz mich keine fliege verunruhige d. grünend. jugend überflüssige gedanken 203 ndr.; sie ... schlugen thüren auf und thüren zu, wodurch der eigenthümer in seinen vier pfählen verunruhigt und aus dem schlafe gestört wurde Musäus volksmärchen 4, 113 H.
4) durch körperliche beschwerden: durch gewisse schmertzen stillende arztneyen die galle zu corrigieren, welche sie in den mesenterio concentriret hat und das miltz unaufhörlich verunruhiget ollapatrida 265 Wiener ndr.; damit der leib von denenselben (den winden) nicht also verunruhiget werde mediz. maulaffe 304.
5) am häufigsten geistig und seelisch in unruhe versetzen: damit seines herzen freude und crocodilissche rachgir nicht bemühet und verunruget würde Luther 50, 422 W.; durch welliche (sünden) die gewissen beflegket, betrübet und verunrüget wirt 15, 725 W.;

noch creatur noch gott kan dich in unruh bringen,
du selbst verunruhst dich (o thorheit!) mit den dingen
Angelus Silesius cherub. wandersmann 43 ndr.;

selsame gelüst, wollüst, einbildungen, won, forcht, verwirrung, begirden, lib, hasz, neid, miszgonst, angst und andere dergleichen anfechtungen und laster, die selten oder gar nimmer das gemüt in rechter rhue lasen, sonder on aufhör umbtreiben, verwickeln und verunruigen Fischart 3, 96 H.; frey von reue und scham, zwey sehr wiedrigen affecten, die den menschen nicht wenig verunruhigen Chr. Wolff gedancken v. d. menschen thun u. lassen 158. specieller, in sorge versetzen: wi sehr mich dises schreiben verunruhiget Zesen Rosemund 37 ndr.; ängstige dich nicht, dasz ich böse bin, mein liebling, über das ausbleiben von briefen; ich bin nur verunruhigt Bismarck briefe an braut und gattin 202.
verunruhigung, f., selten gebraucht: anfechtung, bekömmernus und verunrhuigung des gemüts Fischart 3, 295 H.; an verunruhigung der religionsverwandten ein herczliches gefallen tragen acta publica 1, 245 Palm.
verunsaubern, verunsäubern, v.; die unumgelautete form von frühnhd. zeit (Schöpper synonyma e 1a; Calepinus XI ling. 264a; 734a) bis ins 19. jahrh. (Tieck) in concurrenz mit der umgelauteten: voc. 1482 kk 1b; Pinicianus q 6d; Frisius 318b; 1052a; 1227a; Maaler 436c; Apherdianus 191; Campe. veraltet Fischer schwäb. wb. 2, 1396. gleichbedeutend mit verunreinigen: wann du ein klar und hell wasser verunsauberst Lonicerus berichtbüchlin i 1a; soll mein haus oder meine wohnung mit dem geruche von bären oder stieren verunsaubert werden...! Tieck 12, 219. übertragen: an dir verunreinige ich mein schwert nicht, sagte Hutten zu dem berüchtigten Hoogstraten. ... ebenso sollte Semler in ansehung Piderits denken: an dir verunsaubere ich meine feder nicht allg. deutsche bibliothek 30, 306. entstellen: auf das du nit deine klare augen und das zarte angesicht mit wainen verunsauberst Scheidenraisser Odyssea 18b. übertragen: reiner und verunsäuberter glaube Bierbaum prinz Kuckuck 3, 494. — dazu verunsauberung: ein helles spiegelglasz ohne v. Treuer Dädalus 1, 324.
verunschicken, v., 'durch ungeschicklichkeit, auch fahrlässigkeit verderben, zu schanden werden lassen, durch zufall verlieren, aus den händen kommen lassen' schweiz.

[Bd. 25, Sp. 2041]


id. 8, 500; schwäb. Fischer 2, 1396 (veraltet): verzeih mir, ... wenn ich was verunschicke Auerbach 1, 96; einen deutschen edelmann, ..., welcher bis gegen sein fünfzigstes jahr hin sein leben so weit verunschickt hatte, dasz er den boden unter den füszen verlor Keller nachgel. schr. 181. — verunschönen, v. , vereinzelt: die prinzessin liesse ..., damit es (das säulenwerk) nicht von den vorbeigehenden verunschönet würde, ein eisern verguldtes gitter herumführen Birken Teutonia 26. — verunseligen, v. , vereinzelt: die menschen schwächend oder verunseligend durch die beängstigenden gewissenszweifel Meyern hinterl. kl. schr. 3, 256. — verunsichern, v.
a) unsicher machen schweiz. id. 7, 179; die streifende rotten haben das gantze land verunsichert Schottel haubtspr. 648; weil er die gantze see ... mit seiner flotte ... verunsicherte Happel akad. roman 404.
dazu verunsicherung: verunsicherungen der straszen acta publ. 6, 195 Palm.
b) als unsicher hinstellen: Procacci giebt dies märchen selbst nicht für wahrheit aus und verunsichert es mit einem: man sagt Wieland bei Campe.
verunsichtbaren, v.: wenn der graf nicht das geheimnisz besasz, sich selbst nebst seiner reisegesellschaft zu verunsichtbaren. ... er verunsichtbarte die flüchtige karawane durch die finsternisz eines dunkeln kellers Musäus volksmärchen 1, 119 H.; gott war von ewigher dies centrum und hat ... könige zu stellvertretern des verunsichtbarten centrums gemacht v. Löben lotosblätter 1, 249. — verunsittlichen, v. : rechtliche oder unrechtliche, sittliche oder verunsittlichende qualificationen Meyern hinterl. kl. schr. 1, 101.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
verunstalten, v. , entstellen, in älterer zeit selten (Murner, s. u. 1, Neumark, s. u. 5), gewöhnlich erst seit dem 18. jahrh., auch in den wörterbüchern erst später gebucht (Krünitz 218, 475; Stosch 3, 174, Adelung, Campe). daneben in älterer zeit verungestalten (Fischart, Abraham a s. Clara, s. u. 1 a, 2) und das part. prät. verungestaltet (Sebiz, s. u. 4 b, Lohenstein, s. u. 1 a, Diederich v. Stade, s. u. 5), später verunstaltet.
1) menschen, auch thiere verunstalten
a) körperliche schäden, krankheit, wunden, leiden, alter: böse rüde, blatern und andere, die ein leib verunstalten Murner bei Hutten 5, 404 Böcking; sintemal ich (das podagra) die gestalt des menschlichen leibs verungestalte Fischart 3, 95 H.; eine durch zeit und kummer verungestaltete gefangene Lohenstein Arminius 1, 240a; die leiche ... ist viel zu zerfetzt und verunstaltet gewesen, als dasz sie hätte kenntbar seyn können Lessing 8, 151 M.; dasz eine tiefe narbe sein jugendliches angesicht verunstalte Holtei erz. schr. 16, 223; ein ... verunstaltetes thier Roszmäszler der wald 27.
b) kleidung: was sie vollends verunstaltete, war ihre tracht, die nicht häszlicher sein konnte J. G. Forster sämtl. schr. 2, 298.
c) miene, gesichtsausdruck: mit einer verdrieszlichkeit ..., die ihr sonst schönes gesicht so verunstaltet Hermes Sophiens reise 1, 221.
2) selten ist die bedeutung umgestalten, in eine andere, häszlichere gestalt verwandeln: o Wien! du bist kurz vorhero eine schöne Rahel gewest, siehe, wie dich gott kan so geschwind in eine schändliche Lia verungestalten Abraham a s. Clara merks Wien 116.
3) beschmutzen, beschädigen, unbrauchbar machen: sie verunstaltete das papier zuletzt mit einem dintenfleck Göthe 20, 26 W.; sie (die Magindianer) verunstalten die schönen musselinentücher von Pulikat mit häszlichen kleksen J. G. Forster sämtl. schr. 4, 255; erteilung einer neuen urkunde gegen aushändigung der beschädigten oder verunstalteten handelsgesetzbuch § 229.
4) die natur, landschaft, anlagen v.
a) natürliche einwirkungen: flecken verunstalteten den reinen blauen himmel Jacobi 6, 508; bey den schlechten wegen und

[Bd. 25, Sp. 2042]


der, durch schnee und wasser, verunstalteten gegend Göthe IV 16, 40 W.
b) gewöhnlicher menschliche werke: so statt und land mit ungeschickten gebäuen ... verungestaltet wird Sebiz feldbau 34; deine hütte ... verunstaltet den schloszpark Kotzebue dram. w. 11, 202; bauwerke, angeblich festungen ..., welche vorläufig die landschaft verunstalten Steub drei sommer in Tirol 1, 22.
5) nach geistigem, sittlichem, ästhetischem werth beeinträchtigen, geringwerthiger machen: weil ich ... mir den namen Lessings nicht gern durch einen flecken v. wollte Herder 16, 494 S.; beide orden lehrten die unsterblichkeit der seele, verunstalteten aber diese schöne lehre durch träume der seelenwanderung Stolberg ges. w. 10, 11. besonders von der sprache: warum denn soll unsere ... muttersprache ... von den neuerlichen sprachverderbern mit so ungeräumten lehrsätzen und wunderpossirlicher orthographisterey verwirret und verunstaltet werden? Neumark neuspross. teutsch. palmbaum 99; wer sind die, die noch heutzutage unsere sprache verunstalten, die sie verderben? Fr. L. Jahn 2, 1039 E. von sprache im sinne von stil: nur dasz sie (die sprache der heil. schrift) ... Wieland ... durch affectirte tiefsinnigkeiten, durch profane allusionen, verunstaltet hat Lessing 8, 18 M. von schrift und orthographie: die orthographie gewaltig verunstalten d. neueste a. d. anmuth. gelehrs. 1, 184; die römische schrift mit neuen barbarischen zügen zu verunstalten Adelung umständl. lehrgebäude 2, 633. von literarischen erzeugnissen: unterdesz haben ... einige trefliche leute ihre sonst gelahrte schriften damit (mit ableitung deutscher wörter aus dem griechischen) verderbet oder verungestaltet Diederich v. Stade erläuter- und erklärung 6; schade! dasz die letzen zween auftritte dieses schöne gedicht v. Gottschedin briefe 3, 160; dasz junge leute, so oft sie nachahmen, ihr eigenes werck mehr verunstalten als verschönern Ramler einl. i. d. schön. wissensch. 4, 221; wenn mitten in einer tragischen rede sich ein provincialismus eindrängt, so wird die schönste dichtung verunstaltet Göthe 40, 139 W.
6) etwas anders darstellen, wiedergeben, als es in wahrheit ist oder sein sollte: einen menschen im bilde: damit ... Apelles selbst das äuszere eines Alexanders nicht v. möchte Hippel lebensläufe in aufsteig. linie 1, 101; Ludwigs bild musz hinweg, der mahler hat ihn verunstaltet Meisl theatral. quodlibet 1, 188. namen: wie sie (die einbildungskraft) ..., um halbgekannte personen, länder und städte zu bezeichnen, neue wunderliche namen erfand oder die echten seltsam verunstaltete Göthe 41, 1, 180 W.; ich lasse mich auf deutung der völker nicht gern ein, da ihre namen von den Griechen gar zu sehr verunstaltet werden K. E. v. Bär red. u. versch. aufs. 3, 106. oft geradezu verfälschen: gemisbrauchte und verunstaltete wahrheiten Cramer d. nord. aufseher 1, 271; die reine wahrheit meiner erzählung dadurch (durch die aufnahme unverbürgter nachrichten) verunstalten Pfeffel pros. versuche 2, 2; ich (Mirabeau) glaube .... eine besondere rechenschaft von meiner meinung geben zu müssen, die man verunstaltet Dahlmann franz. revol. 322. literarisches durch zusätze oder änderungen v.: dasz jeder poet es für erlaubt gehalten, zusäzze und veränderungen zu machen, und die folgenden zeitalter endlich alles verunstaltet Herder 1, 445 S.; einigemal mag Opitz falsch gelesen haben, dann aber auch die alte hs. selbst den text verunstalten Jac. Grimm kl. schr. 6, 210.

 

verunreinigen
I.  beschmutzen, beflecken: attaminare, fedare, inquinare coinquinare, polluere Diefenbach glossar.; defedare, defecare, coinquinare, convicere nov. gl.; inquinare, maculare, deturpare, inficere; infectus, verunreynet, befleckt gemma gemmarum; inquinare, polluere, obscenare voc. 1482; ich verunreinige, befleck, besudel, bestencker Alberus l l 1b; foedare, lutare, maculare,
1)  körperlich: das antlütze, daz vil schonre was denne aller menschen antlütze, daz wart gehalslekt unde wart mit speichelun verunreint Pfeiffers Germania 7, 334 (predigten, 13. jahrh.?); aber der raigel helt seinen aftern gegen dem habich und verunrainet in mit seim mist Konrad v.
2)  eine mittelstellung zwischen eigentlichem und bildlichem gebrauch nehmen die wendungen ein die hände in blut verunreinen Arigo
3)  durch geschlechtlichen verkehr verunreinigen: incestari, -e, Diefenbach; incestare, schänden Corvinus; he vorunreinde gude vruwen und juncfruwen, geistlik und wertlik chron. d. d. st. (Magdeburg) 7, 93; welcher mit seines vatters weib sich verunrainigt hett büchlin das der
4)  übertragen:
a)  die verunreinigung betrifft denjenigen, der eine handlung ausübt, eine eigenschaft bethätigt:
α)  reflexiv: aber inwendig sint si vol unkäusch mit gir und treibent ir unfuor mit küssen, mit unzimlichen reden und mit mærlein und verunrainent sich lesterleich und pœsleich Konrad v. Megenberg
β)  passivisch: si selbe (die Juden) wol behûten daz si sich icht mûten in daz râthûs ze wandern, daz si mit enander wurden icht verunreint von snôden sachen und vermeint
γ)  activ: seele, gewissen v.: ir ... solt nicht euer seelen verunreinigen an irgend einem kriechenden thier, das auf erden schleicht Luther
δ)  eine handlung, eigenschaft verunreinigt den, der sie ausübt, bethätigt; wie unrain die gedancken des menschen sein, mügen sy in nit verunrainen, so die vernuft nit darein verwilligt A. v. Eyb
b)  die verunreinigung wirkt nach auszen.
α)  auf menschen: durch verführung, böses beispiel: dise frucht (die hoffart) ist denn warlich ain same des teüffels. dadurch manig hertz verunraint wirt Tauler
β)  auf geistige, meist religiöse werthe: profanare Diefenbach, Faber; dise verunreinen den namen der gantzen dryfaltigkeit Geiler v. Keisersberg pater noster f 5b; das keyn befleckung der ketzerey odder argwohn in dem römischen reiche unsern heyligen glauben verunreyne bei Luther
II.  in älterer zeit oft mit krankheitsstoff oder gift v., anstecken, vergiften; inficere Diefenbach, gemma gemmarum; intoxicare voc. inc. teut.; sich v., inficere se, venenari Dentzler; mundartlich Fischer,
III.  zur grundbedeutung rein, frei von fremden bestandtheilen:
1)  körperlich: dasz er nichts nimpt, dasz dem goldt zuwider ist, oder dasselbige verunreine oder verlezte Ercker
2)  von geistigem, namentlich von der sprache: dass wir unser reine muttersprache auss fremdgierigkeit nicht sollen verunreinen Harsdörfer
 
verunreinigung
a)  zu verunreinigen I, beschmutzung, befleckung: beschädigung oder verunreinigung der wagen verkehrsordn. für d. eisenbahnen Deutschlands § 23; v. von flüssen Hoyer-Kreuter
b)  zu verunreinigen II, verunreinigung durch infection, ansteckung: zu dem vergifften erbgrindt und andern dergleichen schädtlichsten verunreinigungen desz haupts Wirsung
c)  zu verunreinigen III, beimischung von nicht zugehörigem: v. der fettsäure Muspratt
 
verunruhigen
1)  durch angriff, feindseligkeit: verunrhwiget und angegriffen Fischart
2)  durch stiften von unfrieden, zwietracht: dann welches schreit ausz seinem stand, dasselb zerreist das menschlich band, schafft unwill und grosz miszverstand und verunrühigt statt und land Fischart 1, 400 H.; mancherley ubersatz und
3)  durch belästigung, ruhestörung: bitte also mich mit dergleichen ferners nicht zu verunruhen Harsdörfer
4)  durch körperliche beschwerden: durch gewisse schmertzen stillende arztneyen die galle zu corrigieren, welche sie in den mesenterio concentriret hat und das miltz unaufhörlich verunruhiget ollapatrida 265 Wiener ndr.; damit der leib von denenselben (den winden) nicht also verunruhiget werde mediz. maulaffe 304.
5)  am häufigsten geistig und seelisch in unruhe versetzen: damit seines herzen freude und crocodilissche rachgir nicht bemühet und verunruget würde Luther 50, 422 W.; durch welliche (sünden) die gewissen beflegket, betrübet und verunrüget wirt 15, 725 W.; noch
 
verunsichern
a)  unsicher machen schweiz. id. 7, 179; die streifende rotten haben das gantze land verunsichert Schottel
b)  als unsicher hinstellen: Procacci giebt dies märchen selbst nicht für wahrheit aus und verunsichert es mit einem: man sagt Wieland bei Campe. verunsichtbaren, v.: wenn der graf nicht das geheimnisz besasz, sich selbst nebst seiner reisegesellschaft zu verunsichtbaren. ... er verunsichtbarte die
 
verunstalten
1)  menschen, auch thiere verunstalten
a)  körperliche schäden, krankheit, wunden, leiden, alter: böse rüde, blatern und andere, die ein leib verunstalten Murner bei Hutten 5, 404 Böcking; sintemal ich (das podagra) die gestalt des menschlichen leibs verungestalte Fischart 3, 95 H.; eine durch
b)  kleidung: was sie vollends verunstaltete, war ihre tracht, die nicht häszlicher sein konnte J. G. Forster
c)  miene, gesichtsausdruck: mit einer verdrieszlichkeit ..., die ihr sonst schönes gesicht so verunstaltet Hermes
2)  selten ist die bedeutung umgestalten, in eine andere, häszlichere gestalt verwandeln: o Wien! du bist kurz vorhero eine schöne Rahel gewest, siehe, wie dich gott kan so geschwind in eine schändliche Lia verungestalten Abraham a s. Clara
3)  beschmutzen, beschädigen, unbrauchbar machen: sie verunstaltete das papier zuletzt mit einem dintenfleck Göthe 20, 26 W.; sie (die Magindianer) verunstalten die schönen musselinentücher von Pulikat mit häszlichen kleksen J. G. Forster
4)  die natur, landschaft, anlagen v.
a)  natürliche einwirkungen: flecken verunstalteten den reinen blauen himmel Jacobi 6, 508; bey den schlechten wegen und der, durch schnee und wasser, verunstalteten gegend Göthe IV 16, 40 W.
b)  gewöhnlicher menschliche werke: so statt und land mit ungeschickten gebäuen ... verungestaltet wird Sebiz
5)  nach geistigem, sittlichem, ästhetischem werth beeinträchtigen, geringwerthiger machen: weil ich ... mir den namen Lessings nicht gern durch einen flecken v. wollte Herder 16, 494 S.; beide orden lehrten die unsterblichkeit der seele, verunstalteten aber diese schöne lehre durch träume der seelenwanderung Stolberg
6)  etwas anders darstellen, wiedergeben, als es in wahrheit ist oder sein sollte: einen menschen im bilde: damit ... Apelles selbst das äuszere eines Alexanders nicht v. möchte Hippel