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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
überdampfen bis überdem (Bd. 23, Sp. 154 bis 157)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdampfen, v. , untrennbare verb., in bedeutung 3) trennbar:
1) mit dampf bedecken:

wann du den sündenrest in feuerpechpfuhl tauchen
und überdampfen wirst
A. Scultetus bei
Lessing 11, 194.


2) durch starken geruch andere gerüche überwinden: der lohgerber gegen uns über überdampft alle wohlgerüche der luft Bettine br. 1, 21.
3) absolut: dampfend über etwas hinaus gelangen: so sind die meisten kleinen leute, das herz ist ihnen so nahe am kopf, dasz es in den kopf überkocht oder überdampft Arnim 1, 99.
4) verdeutschung für destillieren Sanders handwb. 728.
 
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überdas, adv. , praeterea, zusammenrückung aus der präp. über und dem acc. das (s. o. über c. acc. 15, b); seit dem ende des 18. jahrh. durch überdies mehr und mehr verdrängt. vgl. Heynatz antib. 2, 487.
1) praeterea voc. theut. (1482) h h 7b; über das, nit allein hilfft er ihn, sondern erredtet sie auch Luther 8, 234, 2 Weim.; er befleiszt sich auch der reinlichkeit, besitzt noch überdas eine grosze dienstfertigkeit und lebhaftigkeit Schiller 1, 18.
2) interea: das rosz ... gieng ein wenig zum waldt hinein weyden, über dasz so kamen dar 25 oder mehr bawrenknecht Älst Heymonskinder (1604) 73.
3) trotzdem: wir wollen ouch, dasz nîmant melze noch brûwe, er schulle zên mark vorschozzen, tût erz überdaz, sô hât er daz bîr verlorn gegen deme râte eidgeschosz in Zeitz (a. 1322) 1, 38 Bech; wer ouch den andern über

[Bd. 23, Sp. 155]


das und sy mit einandern in friden stundent, von dem leben zu dem tod brächte weisth. 1, 18 (vor 1506).
 
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überdauern, v., über etwas hinaus bestand haben, überleben, überstehen. untrennbare verb.; mhd. übertûren Lexer 2, 1613; mnd. overduren Schiller-Lübben 3, 256; nl. overduren. seit dem 18. jahrh. allgemein: das junge darf in einem ei die böse jahrszeit überdauern, bis eine freundlichere sonne es aufweckt Herder 13, 107; der gewaltige baum überdauert das schicksal vieler geschlechter Roszmäszler der wald 544;

ein so erzwungnes werk
wird seines schöpfers geist nicht überdauern
Schiller 5, 314;

ich bin mein schatten, der mich überdauert
Lenau neue ged. 19;

häufig nähert sich überdauern der bedeutung überwinden: die jugendkraft der gräfin überdauerte den angriff der krankheit Laube 2, 169; mir is so gottselendig, ich weisz net, wie ich dös überdauer' Anzengruber 8, 50; die erinnerung gemeinschaftlich überdauerter gefahr Mommsen röm. gesch. 2, 221;

er wird sein hart geschick nicht überdauern,
und hofft er dies, es ist ein eitles wähnen
Lenau 29 Barthel;

absolut 'überwintern': das obst überdauert, eine fremde pflanze überdauert in einem klima Krünitz 192, 210.
 
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überdeck, n., s. DWB oberdeck th. 7, sp. 1083.
 
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überdecke, f., obstragulum Diefenbach nov. gl. 268b; coperta Kramer (1678) 1067a; integumentum Dentzler clavis ling. lat. 294a; den tabernackel und seine dach und die überdeck erste deutsche bibel 2 Mos. 35, 11 (vulgata: operimentum); ein heft mit rosenfarbener überdecke Hauff 2, 133, 16;

teppich und überdeck
das sind oft ir (der ritter) futterseck
Hätzlerin liederbuch 285;

(der schiffer) zoge von dem schild die überdeck' herab
D. v. d. Werder Roland (1636) 163.


 
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überdecken, v. , obtegere. trennbare (s. u. 2) und untrennbare verbindung. mhd. überdecken Lexer 2, 1611; mnd. overdecken Schiller-Lübben 3, 255; nl. overdekken, dän.-norweg. overdække aus mnd. entlehnt. part. überdacht mhd. wb. 1, 296b und Lexer a. a. o., überdackt, vereinzelt bis ins 18. jahrh. (vgl. Steinbach 1, 240); überdeckt seit dem 16. jahrh. allgemein.
1) obducere Diefenbach 386b; coprire Kramer (1678) 1067a; und was der hut also wyt unden, das er 3 pfärd wol überdeckt hette Richental chron. d. Constanzer conzils 26; scham überdeckt mein angesicht Zürch. bibel ps. 68, 8; zu dieser zeit, da die tiefste barbarei alles überdeckte W. v. Humboldt 1, 82;

der Spanier hat mit unzal schiffen
gantz überdeckt desz möres tieffen
Fischart verzeichnusz etc. 353 Kurz;

solches das kind so sehr erschröckte,
das es bald seine wängelein
mit haissen zehern überdöckte
Weckherlin ged. 1, 157;

reflexiv: weil die Cimbern mit ihren ... schilden sich ... überdeckten, that der ungestüme hagel ... wenig schaden Lohenstein Arminius 2, 896; bey dem höchsten barometerstande hat sich heute frühmorgens gar bald der himmel überdeckt Göthe IV 42, 247, 16 Weim.; plötzlich überdeckte sich ihr antlitz mit purpurglut Ebner-Eschenbach 3, 121; part. überdecket, überdeckt: nun was die grub allenthalben mit kleinem gereysz und strow überdecket Wickram 3, 60, 19; das zimmer war rings umb mit teppichen überdeckt Prätorius anthropod. plut. 1, 383; das ist die schönst kirchen ..., die haist zu sant Sophia und ist alle mit pley überteckt Schiltberger reisebuch 47, 2; er war ... mit einer löwenhaut überdecket Lohenstein Arminius 2, 444b; die gegend unten ... war mit bunten zelten, unermeszlich blitzenden reihen, und lust und schallen überdeckt Eichendorff 2, 311;

die brust ist blos, doch überdeckt mit wunden
Gryphius trauersp. 576;

noch war das weite feld mit schatten überdecket
Warnecke poet. vers. (1704) 385;

[Bd. 23, Sp. 156]


in attribut. verwendung: ein ... mit reben und ölbäumen überdecktes thal Lohenstein Arminius 1, 551a; ein überdecktes behältnisz Herder 13, 92; der mit kränzen überdeckte sarg Fontane I 4, 385.
mit dem nebensinn der häufung, überlastung:

mit jamer bin ich überdacht Alsfelder passionssp. 191, 6103;

wie kömpt es dasz der herr von allem ort' und ecken
die tochter Zion doch hat wollen überdecken
mit seinem starken grimm?
Opitz opera (1690) 3, 33;

die blöden hertzen sind erschreckt,
mit furcht und angst gantz überdeckt Fischer-Tümpel kirchenl. 1, 325;

die sünden überdecken mich
Günther ged. (1735) 16;

mit neuer wohlthat überdeckt mein herr
die alten stets
Tieck schr. 3, 224;

verdecken: (da Vinci's abendmahl) ward durch ungeschickte restauration völlig überdeckt und verdorben Göthe IV 29, 250, 5 Weim.; o ihr antichristische hirten des neuen ordens, die ihr das leyden Christi mit falscher heucheley ... überdecket Böhme schr. (1620) 3, 267; wenn wir die empfindungen für vaterland verloren, und den verlust derselben mit anstand und artigkeit überdeckt haben, so läszt sich das erklären Herder 3, 38; die eifrige unterhaltung an der abendtafel überdeckte die bewegung, welche in allen nachzitterte Freytag 5, 319.
2) ich deck über, consterno Alberus (1540) s, iiija; oben darauffdecken Maaler (1561) 442a; einen mantel auf was überdecken Steinbach 1, 240; ein tischtuch überdecken, es über einen tisch ausbreiten Krünitz 192, 210; part. übergedackt Steinbach a. a. o.; übergedeckt Heynatz antib. 2, 485; er hat nichts überzudecken, he hath nothing to cover himself withall Ludwig teutsch-engl. wb. 1784.
die pfellen ... die engel von hymel brachten, da er verschied, und im die überdeckten summer teil der heyligen leben (1472) 40b; do tet man ein pot, das niemant kein samat und kein gulden tuch noch kein seiden tuch (über den sarg) solt über tecken städtechron. 2, 14; wenn man den jungen kindern ein zubereite gegerbte eselhaut überdeckt, macht dasz sie im schlaf nicht erschrecken Heyden Plinius 227; so decket er (der teufel) der sünden ein solches fein gleissendes wohlgeschmücktes röcklein über, und gibt dem menschen ein, er sey heilig Böhme schr. 6, 166; Siddy fuhr behende umher, deckte die serviette über, strich sie eifrig zurecht Freytag handschr. 2, 94.
 
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überdeckung, f. , bedeckung.
1) obductio Diefenbach 386b; opertura Steinbach 1, 240; nd. overdeckinge epibotum Diefenbach-Wülcker 879; überdeckung des Cäsar von den feindlichen pfeilen Lohenstein Arminius 1, 962; auszerdem (wird) ... mittelst überdeckung des cylinders das ... stauben vermieden Muspratt chemie 1, 1296.
2) überlappung Stenzel seem. 432a.
3) überdeckung des notenumlaufs durch barvorrat, z. b. Alten handbuch für heer und flotte 1, 819.
 
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überdehnen, v. , untrennbare verbindung.
1) zu lange, zu sehr dehnen, z. b. eine saite, dann in der musik einen ton; hierzu überdehnung, f.: überdehnung des vorhergehenden tactes Kögel literaturgesch. 1, 1, 86.
2) bedecken, mhd.:

daz der anger und die wasen
mit gift wären überdent
Heinrich v. Neustadt Apollon. 9009.

nhd. erhielt sich diese bedeutung nicht, wohl aber nl., vgl. woordenb. 11, 1650. als trennbare verbindung wagt Solger folgende verwendung:

um die Gäa
breitet' er liebend sich aus, voll lüsternheit übergedehnet
Solger schr. 2, 738, 8.


 
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überdeich, m., fachausdruck beim wasserbau: der halbkreisförmige damm bei der durchbruchstelle des deiches Benzler 2, 238; Krünitz 192, 211.
 
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überdeichen, v., nl. overdijken. den deich höher machen als der des nachbarn ist und dadurch diesen schädigen Jacobsson 4, 465a.

[Bd. 23, Sp. 157]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) überdem, adv. , zusammenrückung aus über präp. und dem.
1) temporal: eo tempore, unterdessen: und überdem kamen seine jünger Joh. 4, 27 (vulgata: continuo); m'r han grad van em geschwätzt, iwerdem isch er kumm Follmann lothr. ma. 262a; lux. ma. 194a (der wortaccent liegt auf der letzten silbe).
2) praeterea, nach auszerdem gebildet und seit dem 18. jahrh. ganz allgemein (wortaccent theils auf erster silbe, theils auf letzter); in neuerer zeit durch überdies im gebrauche beschränkt (Heynatz antib. 2, 486, dagegen Bergmann idiot. d. deutschen spr. in Liefl. etc. 243): überdem hatte er ein groszes schwerdt volksbuch v. geh. Siegfried 73 neudr.; und es ist auch überdem gefährlich Gottsched schaubühne 1, 437; (den unbemittelten kranken) werden überdem auch noch die arzneymittel ... als almosen gereicht Matthisson 2, 188; das warme getränk, das sie ohne maas in sich schlürfen und das sie überdem noch mit zusammenziehenden kalischen salzen würzen Herder 13, 216; denn überdem, dasz mein oheim sehr freygebig ist, hat er ... selbst noch die trefflichsten kenntnisse maler Müller 3, 46; sorgen habe ich nicht, überdem bin ich gern an dem orte Iffland theatr. werke 2, 65; zugleich bietet man 200 rh. besoldung und freie wohnung an. überdem erhält derselbe 200 rh. auf berechnung Göthe IV 16, 185 Weim.; da überdem der wille meines vaters mir eine andere lebensbahn anweist, so Keller 6, 204; überdem aber spielt überall eine empfindlichkeit gegen Ruszland mit Bismarck gedank. u. erinnergn. 1, 124 volksausg.

 

überdampfen
1)  mit dampf bedecken: wann du den sündenrest in feuerpechpfuhl tauchen und überdampfen wirst A. Scultetus bei Lessing 11, 194.
2)  durch starken geruch andere gerüche überwinden: der lohgerber gegen uns über überdampft alle wohlgerüche der luft Bettine
3)  absolut: dampfend über etwas hinaus gelangen: so sind die meisten kleinen leute, das herz ist ihnen so nahe am kopf, dasz es in den kopf überkocht oder überdampft Arnim 1, 99.
4)  verdeutschung für destillieren Sanders
 
überdas
1)  praeterea voc. theut. (1482) h h 7b; über das, nit allein hilfft er ihn, sondern erredtet sie auch Luther 8, 234, 2 Weim.; er befleiszt sich auch der reinlichkeit, besitzt noch überdas eine grosze dienstfertigkeit und lebhaftigkeit Schiller 1, 18
2)  interea: das rosz ... gieng ein wenig zum waldt hinein weyden, über dasz so kamen dar 25 oder mehr bawrenknecht Älst
3)  trotzdem: wir wollen ouch, dasz nîmant melze noch brûwe, er schulle zên mark vorschozzen, tût erz überdaz, hât er daz bîr verlorn gegen deme râte eidgeschosz in Zeitz (a. 1322) 1, 38 Bech; wer ouch den andern über das und
 
überdecken
1)  obducere Diefenbach 386b; coprire Kramer (1678) 1067a; und was der hut also wyt unden, das er 3 pfärd wol überdeckt hette Richental
2)  ich deck über, consterno Alberus (1540) s, iiija; oben darauffdecken Maaler (1561) 442a; einen mantel auf was überdecken Steinbach 1, 240; ein tischtuch überdecken, es über einen tisch ausbreiten Krünitz 192,
 
überdeckung
1)  obductio Diefenbach 386b; opertura Steinbach 1, 240; nd. overdeckinge epibotum Diefenbach-Wülcker 879; überdeckung des Cäsar von den feindlichen pfeilen Lohenstein
2)  überlappung Stenzel
3)  überdeckung des notenumlaufs durch barvorrat, z. b. Alten
 
überdehnen
1)  zu lange, zu sehr dehnen, z. b. eine saite, dann in der musik einen ton; hierzu überdehnung, f.: überdehnung des vorhergehenden tactes Kögel
2)  bedecken, mhd.: daz der anger und die wasen mit gift wären überdent Heinrich v. Neustadt
 
überdem
1)  temporal: eo tempore, unterdessen: und überdem kamen seine jünger
2)  praeterea, nach auszerdem gebildet und seit dem 18. jahrh. ganz allgemein (wortaccent theils auf erster silbe, theils auf letzter); in neuerer zeit durch überdies im gebrauche beschränkt (Heynatz