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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tugenddrache bis tugendfähig (Bd. 22, Sp. 1638 bis 1639)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tugenddrache, m., von frauen und männern, 'moralisch engstirniger sittenrichter': das traurige darin (in Kotzebues Ubaldo) ist ein alter feldherr und erzieher des jungen königs (ein rechter tugenddrache), der am ende des letzten actes sich ohne noth ersticht Zelter in: Göthe u. Zelter briefwechsel (1833) 1, 364; graf Ulrich ... nahm sich vor, von dem alten tugend-drachen keine nähere explikation zu erzwingen Holtei erzähl. schr. (1861) 8, 213; sie ist ein wahrer tugenddrache B. Auerbach landhaus am Rhein (1871) 2, 97. —
 
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tugenddragoner, m., wie tugenddrache:

die tugenddragoner, die aus kreischenden kehlen
nur immer auf ihre keuschheit pochen,
und meinen, sie dürfen uns tüchtig quälen,
weil sie die treue nicht gebrochen
Kotzebue sämtl. dram. w. (1828) 25, 181;

es gibt tugenddragoner, die ... auf jeden autor einhauen, der leidenschaften schildert Holtei erz. schr. (1861) 22, 62.
 
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tugenddurstig, adj., 'nach tugend begierig': diser Arnolph war ein vierschröter wolgestalter mann ... fröudigs und tugenddurstiges gemüts Stumpf Schweizerchron. (1606) 241a; ich würde sogar ... jährlich ein einweihfest, ein vorfest der krönung ... begehen lassen, wo ihm die heiligkeit seiner zukunft ... vor das junge tugenddurstige auge träte J. Paul w. 55, 191 Hempel.
 
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tugendedel, adj., 'edel, gut durch tugend', auch in der anrede; 17. u. 18. jh.: hocherleuchtete, blut-, mut- und tugendedle helden J. Rist d. friedewünsch. Teutschld. (1648) 3; dein tugendädles ehgemahl Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 245;

das Teutsche fliesset linde,
und schärffet den verstand; es lehret, ehret, weist,
was tugend-edel ist, was man zu hofe preist
J. Helwig Ormund (1666) () () 5b;

angesehen es (das glück) ihn mit einem geschlecht- und tugendädlen ehschatz beschenket Q. Kuhlmann geschichtherold (1673) 384;

ein tugendedler geist wird erstlich aufgeweckt,
den kein geräusche mehr von seinen lusten schreckt
Chr. Fr. Hunold d. europ. höfe liebes- u. heldengesch. (1709) 221.


 
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tugendehre, f., 'durch tugend erworbene ehre': tugendehr debitus virtuti honor Schottel haubtsprache (1663) 444; ein phlegmatiker ist ein rechter honnét homme, und trachtet in allen der wahren tugend-ehre Chr. Thomasius v. d. kunst vernünfft. u. tugendhafft zu lieben (1692) a 5a;

konntest du beflecken alter tugendehre glanz?
Fr. Schlegel s. w. (1846) 9, 224.


 
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tugendeifer, m., 'begeisterung, eifer für die tugend': so wurde die princessin durch innerlichen tugend-eyffer dergestalt zu hefftigem zorne bewegt, dasz sie solches unverschämte ansinnen mit diesen harten worten beantwortete Ziegler asiat. Banise (1689) 696; (er) behauptete, dasz er mit dem ruf seiner bosheit viel weniger schädlich sey, als ich es durch diesen tugendeifer gewesen S. v. Laroche frl. v. Sternheim (1731) 2, 14; ich sehe auch wohl, dasz diese übermenschliche höhe der tugend eine kraft

[Bd. 22, Sp. 1639]


der seele erfordert, die sich ohne das glühen des tugendeifers, ohne einen hohen grad von inbrunst der menschenliebe nicht denken läszt J. A. Eberhard Amyntor (1782) 228. der bedeutung 'tugendstolz' sich nähernd: o, die erde trägt immer noch mehr gute menschen, als wirs uns in unserm zweydeutigen tugendeifer einzubilden pflegen Ulr. Bräker s. schr. (1789) 2, 186. —
 
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tugendeifrig, adj., zum vorigen: (unsere voreltern haben) auffrichtiger, redlicher, sittsamer und tugendeifferiger unter einander gelebt, als die Römer und Griechen J. W. Zinkgref apophthegmata (1628) vorr. 2a; die tugend-eifrige Felisane Ph. v. Zesen Ibrahim (1645) vorr. 5a; dem von allen löblichen und tugendeiferigen gemütern hochgeliebten und hochgelobten gemeinen nutzen Harsdörffer t. secretarius (1656) 1, a 3a; in der tat machte sich Karl manchmal insgeheim den vorwurf, dasz er den tugendeifrigen Edmund wohl gnädig, nicht aber freundlich genug behandle W. H. Riehl gesch. aus alter zeit (1863) 2, 127.
 
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tugenderbe, m., 'erbe, nachahmer der tugend früher lebender menschen': worzu dienet der vorfahren titul, wann wir nit zugleich ihre tugend-erben seyn? der älteste und beste adel ist die tugend G. Ph. Harsdörffer t. secretarius 2 (1659) vorrede ):( ):( 6a;

musz deine Rahel sterben,
so lebt ihr ebenbild in ihren tugenderben
J. G. Neukirch anfangsgründe (1724) 711.


 
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tugendergeben, part. adj., attribut für tugendhafte menschen: dan einer tugendergebenen frauen wird gewisz das dantzen erleyden, wann sie mit der geometri oder erdmessung und auszirklung des weltkreyses umbgehet J. Fischart w. 3, 178 Hauffen; durch ein- und annehmung vieler vornehmen und tugendergebenen gemühter, wahrer liebhaber guter satzungen, vornehmlich aber unserer teutschen sprache Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 32;

achtet, ihr tugend-ergebenen sinnen,
miszgunst nur flüchtigen, nichtigen tand
C. Knittel poet. sinnenfr. (1677) 32.


 
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tugendfackel, f., 'wegweiser zur tugend': solte aber ... ein funcken der schönheit ... an mir zu erblicken sein: so ist solcher vielmehr von den göttern als eine tugendfackel, nicht aber als ein irrwisch geiler lüste angezündet worden H. A. Ziegler asiat. Banise (1689) 584; tugendfakkel dieser stadt (von einer frau gesagt) Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 331.
 
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tugendfähig, adj., 'zur tugend fähig, geschickt': die tugendfähigen gemüter F. Arber Ignatius Loiola (1591) 20; ich wil ... etlicher tugendfähigen weibspersonen tugendmessige verrichtungen und löbliche thaten ... zeigen Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 2, 25; darum ist eben hieran am allermeisten gelegen, wie diese bei allen menschen sich hervorgegebene hertzneigungen ... an sich untadelhaft und tugendfähig gemacht werden Schottel ethica (1669) 135. —