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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trüffel bis trüffelsucher (Bd. 22, Sp. 1243 bis 1245)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trüffel, f. ,
1) eine nahe unter der erdoberfläche wachsende schwarzbraune schwammgattung von mittlerer oder kleiner kartoffelgrösze (tuber, z. b. tuber melanosporum, tuber aestivum), s. Holl dtsche pflanzennamen 384b, Hartig forstl. convers.-lex. (1836) 849. im laufe des 18. jahrhunderts entlehnt aus französischem neben gewöhnlichem truffe stehendem truffle, s. Littré 2, 2, 2372b, zu dessen herkunft Gamillscheg 8 72a; Meyer-Lübke 8966. bei Amaranthes (1715) 2045 noch in frz. form: truffes oder truffles ..., von etlichen erdmorgeln, erdschwämme, auch grieblinge oder erdnüsse genennet; eingedeutscht: vor die ortolans und trüffel danck ich gahr sehr (1725) Friedrich Wilhelm I. an Leopold v. Dessau 303 Krauske; trüffel (pl.) Frisch (1741) 2, 391c. andere entlehnungen aus dem frz. sind engl. truffle und mnl., nl. truffel; dän.-norw. trøffel und schwed. tryffel entstammen dem deutschen, s. Falk-Torp 2, 1294 und Hellquist 1013b. stark flektierter plural wie oben bei Friedrich Wilhelm I. und Frisch begegnet später nur vereinzelt, z. b. bei Gaudy s. w. 24, 87; das übliche ist schwache flexion: die trüffeln Voss s. u.; Herder 7, 124 S.; Göthe IV 29, 259 W.; G. Keller ges. w. 5, 18; Brehm tierl. 3, 516 P.-L. entrundet: die triffeln C. v. Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 19; Döbel jägerpract. (1754) 1, 122. mit u: truffel J. Möser s. w. 4, 43; truffeln allg. dtsche bibl. 89, 376. mundartlich ist das wort nur fürs elsäss. als troffeln verzeichnet, s. Martin-Lienhart 2, 743. umgangssprachlich verdrängt

[Bd. 22, Sp. 1244]


es die alteinheimischen bezeichnungen erdnusz teil 3, 775 (dazu ahd. gll. 3, 49, 42; 199, 8 St.-S. u. ö.; Diefenbach gl. 600b; Fechner volksthüml. pflanzennamen [1871] 4); erdmorchel ebda; erdschwamm teil 3, 780; vgl. auch älteres ertwurz(e) ahd. gll. 3, 49, 43; 513, 55 u. ö.; Diefenbach a. a. o.; s. auch oben Amaranthes. die trüffeln gelten als besondere leckerbissen:

... und zeigt der schlafenden ein mahl
von austern, trüffeln und kapaunen
Thümmel s. w. (1853) 8, 163;

(ein) capaun, und mit trüffeln gefüllt Nicolai Seb. Nothanker 1, 59; rebhühnerfricassés mit farcirten trüffeln W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1853) 1, 21; zu der besonderen art des trüffelsuchens vgl. DWB trüffeljäger und DWB trüffelhund:

so lasz ich nie nach trüffeln jäger reisen
J. J. Schwabe belustig. (1741) 6, 156;

... die trüffeln,
die ich, dem spürer (= spürhund) zum trotz,
ausstöberte tief aus dem erdgrund
Voss s. ged. (1802) 2, 226;

sprichwörtlich: gärtners hund friszt nicht trüffeln und läszt sie nicht von anderen fressen Düringsfeld sprichw. 1, 397; s. ferner Wander 4, 1340.
2) trüffel begegnet in Ostpreuszen auch als bezeichnung der ähnlich aussehenden kartoffel in der form trüffel und triffel, s. Frischbier preusz. wb. 414b und Fischer Samland 92b. dieselbe erscheinung findet sich bei dem französischen und dem entsprechenden ital. wort, sieh darüber Spitzer in: wörter und sachen 4, 154 f.; vgl. auch die herkunft von kartoffel teil 5, 244.
 
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trüffeleiche, f., quercus sessiliflora Frischbier preusz. wb. 413b; s. träufeleiche, ferner die unter trufeiche verzeichneten worte.
 
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trüffelgeher, m., dasselbe wie der dem trüffelhunde folgende trüffelsucher: diese hunde thun sonst nichts, als dasz der triffelgeher mit ihnen in fette auen ausgehet C. v. Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 19; H. W. Döbel jägerpractica (1754) 1, 123. —
 
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trüffelhund, m.: 'eine art abgerichteter hunde, welche die trüffeln nach ihrem geruche aufspüren' Voigtel wb. (1793) 3, 430a; Oken allg. naturgesch. 3, 111; s. bereits Frisch (1741) 2, 391c. häufig in vergleichen: so hat unsereiner vorher tausend winkelzüge wie ein trüffelhund auf der glatten fläche umher zu spüren Zelter an Göthe 5, 351 Riemer; die wahrheit erschnüffeln wie ein guter trüffelhund Bettine dies buch gehört d. könig (1843) 1, 241; ich suche an einem kunstwerk wie ein trüffelhund herum Stifter briefe 2, 88 J. Aprent; wie spürhund auch auf personen übertragen: wer einen trüffelhund sucht, musz sich unumgänglich an sie wenden, wenn er wünscht, wohl bedient zu sein Musäus physiogn. reisen (1778) 1, 63; als schimpfname vgl. W. Alexis ruhe ist d. erste bürgerpflicht (1852) 1, 269. —
 
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trüffeljagd, f.: die trüffeln aufzusuchen und aus der erde zu fördern, wird trüffelsuche oder trüffeljagd genannt Behlen forst- u. jagdkde (1840) 6, 95; Voigtel wb. (1793) 3, 430a. —
 
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trüffeljäger, m., der dem trüffelhunde folgende trüffelsucher: (die trüffelhunde,) die da, wo sich trüffeln befinden, die erde aufkratzen und den trüffelsucher — uneigentlich trüffeljäger genannt — anweisen, wo er nachgraben soll Hartig forstl. convers.-lex. (1836) 849; Zincke allgem. ökon. lex. (1744) 2968; Behlen 6, 95. —
 
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trüffelmücke, f., s. Oken 3, 110.
 
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trüffeln, vb., zu trüffel, vgl. frz. truffer garnir de truffes Littré 2, 2, 2372b: der caviar, die getrüffelten puten, der feine rothwein und der viele sekt J. Stinde Buchholzens in Italien (1888) 153.
 
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trüffelpastete, f.: die tafel war mit trüffelpasteten, austern und andern leckerbissen bedeckt Tieck schr. (1828) 17, 77; es gibt leute, für welche der seltene genusz der freien ... waldnatur eine feinschmeckerei geworden ist, eine poetische trüffelpastete W. H. Riehl Eisele u. Beisele (1848) 64; Fontane ges. w. I 1,

[Bd. 22, Sp. 1245]


198. —
 
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trüffelsuche, f., s. auch unter trüffeljagd: in Frankreich ... werden schweine zur trüffelsuche abgerichtet Brehm tierl. 3, 523 P.-L.
 
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trüffelsucher, m., s. unter gleichbedeutendem trüffeljäger und Zincke 2968. —