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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
seint bis seitab (Bd. 16, Sp. 369 bis 378)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seint, s. sint.
 
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seintemal, s. sintemal.
 
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seinwel, s. sinwel.
 
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seiren, s.seuern.
 
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seisen, s. DWB sausen oben theil 8, 1930.
 
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seisen, verb. seemännisch zwei aneinanderliegende taue mit einem dünneren, seising genannten zusammenbinden, befestigen. Bobrik 635b. ten Doornkaat Koolman 3, 170b. ein lehnwort, das ndl. seizen, dän. seise, schwed. seisa, engl. seize, seise, dem das frz. saisir zu grunde liegt, das seinerseits wahrscheinlich auf ahd. sazjan zurückgeht (Diez4 279). ebenda.
 
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seising, subst. zum vorigen, seemännisch ein dünnes tau, womit das seisen geschieht. Bobrik 635b. ten Doornkaat Koolman 3, 170b. plur. seisings (ebenda) und seisingen (nur bei Bobrik). ndl. seizing, dän. schwed. seising, engl. seizing, seising.
 
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seisze, s. DWB sense.
 
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seit, m. n. name eines kleiderstoffes, mhd. seit (mlat. sagetum, ital. sagetta, franz. sayette, zu lat. saga, sagum) mhd. wb. 2, 2, 242a. Lexer mhd. handwb. 2, 859. Schm. 2, 335. Schultz höf. leben2 1, 356. Weinhold frauen2 2, 245; vgl. oben kirsei 4, b, theil 5, sp. 850.

[Bd. 16, Sp. 370]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) seit, präp. und conj.
I. mhd. sît mhd. wb. 2, 2, 320b. Lexer mhd. handwb. 2, 941, ahd. sîd Graff 6, 155; mhd. sît, ahd. sîd bedeutet als adverb 'später'; mit dem dativ verbunden 'nach' (eigentlich 'später als etwas'), als conj. 'nachdem' oder 'weil'. der comparative sinn des wortes tritt besonders in der präpositionalen verwendung hervor, daher ist es zu verbinden mit got. seiþs in þanaseiþs, weiter, noch, das ein comparativ-adverbium ist zu seiþus spät. im altnord. entspricht dem got. seiþs das adverb. síðr, das die bedeutung 'weniger, minder' angenommen hat oder als conj. im sinne von quominus gebraucht wird. daneben findet sich ein adverb. síð im sinne von 'spät' (compar. síðarr, superl. síðast); dieses síð ist das als adverb. fungierende altn. neutrum des adjectivs, dessen positiv im altn. untergegangen ist (compar. síðari, superl. síðastr, auch im ags. fehlt die positive form des adj., comp. síþra, superl. síþest, síþmest, im hochd. ist nur der comp. belegt, ahd. sîdero Graff 6, 157), vgl. got. seiþu. der form nach könnte auch mhd. sît als ein acc. neutrius aufgefaszt (wie vruo, früh, forn, ehemals) und mit got. seiþu, altn. síð verbunden werden, jedenfalls ist die möglichkeit nicht abzuweisen, dasz im westgermanischen comparativ und positiv zusammengefallen sind. die verwendung als präposition weist auf den comparativ, ebenso die conjunction. ags. síþ erscheint wie nord. síð im sinne von 'spät' (tó síþ, zu spät), daneben aber wird es wie ahd. sîd, mhd. sît gebraucht; als präposition mit dem instrumentalis in sioððan, seoððan, sieððan, siððan, syððan, postea, postquam (aus síððon mit verkürzung des í; vgl. Sievers ags. gramm. § 107, anm. 5), vereinzelt mit dem dativ in síþþam (Guthlac 107) und als conjunct. (Bosworth-Toller s. v.). alts. sîð ist nur als adv. belegt.
ahd. sîd, das nicht mehr als comparativ gefühlt wird, wird selbst wieder gesteigert: sîdor, posterius, mhd. sider Graff 6, 157. mhd. wb. 2, 2, 322a. Lexer mhd. hdwb. 2, 906; für das mhd. ist durch reichliche reime kürze des stammvocals gesichert; das in späteren zeugnissen auftretende seider könnte an sich eine von seit beeinfluszte neubildung sein (vgl. seint neben sint); beachtenswert sind aber die mundartlich bewahrten formen mit î; die kürzung ist wol so zu erklären, dasz -der wie eine doppelconsonanz wirkte (etwa wie -ter in blatter, futter, natter, ritter und ähnliches); alts. engl. sîðor, fries. sether (Richthofen 1008a). mnd. seder, sedder, sedert, sodder, sudder Schiller-Lübben 4, 165a, nld. sedert. während die neuere schriftsprache den comp. aufgegeben hat, bewahren ihn hoch- und nd. mundarten z. th. erweitert oder entstellt oder in composition, in manchen gegenden ist er völlig an die stelle von seit getreten: sĭder Schm. 2, 338; deseider, seiderher 337, sider Schmid 494; sider, sitter, sidig, siderie Stalder 2, 373; sĭder, sĭdert, sĭderie Hunziker 241; sider, sidert, siderta, sederther, sebert, seberther, siderthe Tobler 423b; sîder, sîderie Seiler 268b; sittar Bühler Davos 1, 154; sîder, zitter (Elsasz) Frommanns zeitschrift 5, 117, 35; sîder, sîdert, dersîder, dersîdert, seider, derseider, seiderher Schöpf 672, vgl. Schm. 2, 337. 338; sedar cimbr. wb. 230b; sîder, seider, dersîder, derseider Lexer 233; sida Castelli 255; sider (Tirol) Frommanns zeitschrift 3, 90; jesider (unterdessen) Schmid 494; sida, dasida, daseida Neubauer Egerl. mundart 101b; sieder Vilmar 383; sitter Reinwald 1, 151; sidder (Fichtelgebirge) Frommanns zeitschr. 2, 554. Keller idiot. des thür. waldgebirges 42; sieder Berndt 286; sîder, dersîder Schröer 206b; sedert, seder Strodtmann 209; seder, sedert, sēr, sider brem. wb. 4, 731; sedder Dähnert 419a, sider 423b; sedder, süder, södert Schütze 4, 88; sîer, sîr Schambach 191b; sidder, sodder Woeste 236a; sedert, szört Stürenburg 242b; sēdert ten Doornkaat Koolman 3, 168a; sedder her Dähnert 419a.
ein superl. seiderst ist belegt d. städtechr. 5, 396, anmerk. 1. vom comparativ sider aus ist der kurze stammvocal in einigen mundarten auch auf den positiv übertragen worden, vgl. Schm. 2, 338. Hunziker 241. Stalder 2, 373. Tobler 423b. dagegen sîd Schöpf 672, ebenso nd. sǐd, sît oder st ten Doornkaat Koolman 3, 179b. Schambach 191b.
über die nebenformen sint (so in Luthers bibelübersetzung), seint neben seit, sinter neben sider, seider, seiter s. unten sint.
II. gebrauch.
1) seit als adverbium und präposition.
a) das adverbium ist von der schriftsprache aufgegeben, mundartlich aber hier und da erhalten. es bedeutet sowol 'später' wie 'von einem in der vergangenheit liegenden zeitpunkte ab continuirlich' (seitdem, seither):

that thu nio sîð aftar thiussô sundig ni werðes. Heliand 3895;

zi wihtu iʒ sid ni hilfit.
Otfrid 2, 17, 9;

[Bd. 16, Sp. 371]



sît sturbens jâmerlîchevon zweier edelen frouwen nît. Nibel. 6, 4;

ich lobet eʒ und leisteʒ sît. Iwein 382;

got schuof ein engel, der sît wart
ein tiuvel.
Freidank 6, 3;

ich bin der si meinet
mit triuwen — mirʒ nieman verkêre —
sît von mînen kintlîchen jâren.
Marner IV, 36;

der vor des vil wînes hate
der muste waʒʒer koufen sît. pass. 3, 33;

der bischof wart bâbest sît.
Lamprecht v. Regensburg s. Franc. 3573;

doch das sie seidt
bleib unverheyrat mitler zeidt (hier 'von einem in der gegenwart liegenden zeitpuncte ab').
H. Sachs 14, 189, 27 Keller-Götze;

ich hab aber seit nie erfahrn,
ob er leb, und wie es ihm geht. 16, 66, 27;

das mich seyt keynes mans gelüst. 4, 364, 15;

desz schwancks lacht noch seid jederman. fabeln u. schwänke 280, 136 neudr.;

nu haben wir ewern botten seid (seither, bis jetzt) bey uns aufgehalten. d. städtechron. 2, 36, 15; auch sagt man bey uns, daʒ sich derselb gefangen etliche seid awszgeteydingt und schaczen haben lassen. 51, 4; doch hat man groszen arkwon auf ainen weber, der ist seit nimmer in die stat kommen. 5, 71, 1; dasselb unser vaters haus hat seit kauft ain huefschmit. 122, 12; des wart sit nieme gedaht. 8, 40, 14; vereinzelt so in neuerer sprache:

(Amor) warf den zaum mir zierlich ums genicke,
daran ich seit, wohin er lenkt, gegangen.
Rückert ges. ged. 2, 319 (1839);

mundartlich: segentach sait, segnet euch dem nach. cimbr. wörterb. 225a.
formelhafte gegenüberstellung: êr enti sîd Graff 6, 155 (vgl. sîth noch êr Heliand 734 und die von Sievers s. 438 gegebenen stellen aus der ags. poesie; altn. síð ok snemma, ár ok síð);

beidiu dô unde sît. Iwein 3916;

weder dâ vor noch sît. 1139;

sît noch ê. 6514;

weder ê noch sît,
vor unde nâch, zu keiner zît.
H. v. Freiberg Tristan 1287;

ich gehôrt nie mê
weder sît noch ê.
Ottokar reimchron. 17336.


b) seit als präposition; in der ausgebildeten nhd. schriftsprache der regel nach mit dem dativ.
α) mit dem dativ (vergl. seitdem, seit dem male, seitemal, seitmal): syd dem anfang der wält. Maaler 379a; sid Romuli zeyten. 373b; seit der zeit. Schottel 765; seit dem friedensschlusz. Stieler 2622; seit menschen gedäncken. Steinbach 2, 575; seit dem letzten krieg. Frisch 2, 261b; sid der zit. Hunziker 241; sîd drê mânden. ten Doornkaat Koolman 3, 179a; seit meinen kinderjahren; seit kurzem, langem; seit ostern;

sid tho thesen thingonfuar krist zen heimingon.
Otfrid 2, 14, 1;

kein ouge mich dâ nie gesach
sîd denselben ziten. Parz. 461, 7;

sît keiser Fridrichs zîten.
Ottokar reimchr. 38;

seit lieben langen jahren.
Hölty 23 Halm;

seit jener stunde verzehrt sich mein leib.
Heine 1, 103 Elster;

in besonderer anwendung:

nun sollt' ich, seit so manchen jahren,
die wirkung frohen thuns erfahren (nach so vielen jahren).
Göthe 41, 276;

seit eilf monathen so gut als verbannt. Schiller räuber 2, 1; freierer gebrauch: ist die tragödie bey den Franzosen seit ihrem groszen Corneille so viel vollkommener geworden. Lessing 7, 205; das werk war auf- und ausgebaut, und die kranzrede auf dem dachsattel hatte Fibel schon seit der ersten mauer an, mehrmals an sich gehalten. J. Paul leben Fibels 90;

der glückliche, dem, seit dem flügelkleide,
kein seufzer aus dem busen drang.
Gotter 1, 323 (1787).


β) vereinzelt mit dem acc.: seine person ist melancholisch schon seit drey tage. Klinger theater 4, 163; sid drei tage. Hunziker 241.
γ) mit dem genitiv, in jetziger sprache wol nur in den wendungen: seit alters, seit morgens;

sît des tages daʒ ich sach
die hant von der diu schrift geschach. Parz. 645, 5;

[Bd. 16, Sp. 372]


seit dessen das jhr fürst Archombrotus ausz Sicilien anheime gelanget. Opitz Argenis 2, 180; seit des ungewitters. Opitz bei Adelung. seit meines hierseyns (wenn es sich um einen terminus a quo handelt, zeit meines hierseyns, wenn die länge der dauer bestimmt werden soll). Adelung.
δ) mhd. mit dem instrumental:

dâ sol ich mîme hêrrenwerben ein ander wîp,
sîd diu ist derstorbender schœnen Helchen lîp. Nibel. 1109, 2.


ε) mit zeitadverbien verbunden: seit vorgestern. Frisch 2, 261b; wie nüchtern! wie nüchtern! werden mir die exegeten seit heute und gestern zurufen. Lessing 10, 111; seit lange; für uns ungewöhnlich: seit ziemlich lange. Hugo beytr. z. kenntnisz civilistischer bücher 3, xiii; seit wann, bei Adelung und Campe seit wenn, ebenso: Schwarz. Roller ist gehangen, noch vier andere mit, — Razmann. Roller? schwere noth! seit wenn (später geändert in wann), — woher weist dus? Schiller räuber 2, 3.
c) seit als conjunction; in der neueren sprache ist der gebrauch verkümmert, da er sich fast stets auf zeitliche anwendung beschränkt; in älterer sprache jedoch kann sît auch causale bedeutung (die freilich nicht überall von der zeitlichen sich scheiden läszt) haben, sogar im sinne von 'wenn auch, obgleich' stehen; in neuerer sprache steht nach seit stets der indicativ (bei umschriebenen formen fehlt oft das verb. finitum), in älterer auch der conjunctiv.
α) zeitlich: seit ich in diese stadt kommen. Kramer deutschit. dict. (1702) 2, 761a; sid er ghort het. Hunziker 241. Adelung kennt diesen gebrauch nur in der 'höhern schreibart', sonst soll seit dem oder seit dem dasz üblich sein; ähnliche bemerkung bei Campe. jetzt ist uns seit auch in der umgangssprache in diesem sinne durchaus geläufig:

ther touf uns allen thihit;thaʒ waʒar theist giwihit,
sid druhtin krist quam uns heiminti iʒ mit sinen liden rein.
Otfrid 1, 26, 2;

doch solt dû gedenken wol
obe ich ie getræte
fuoʒ von miner stæte,
sît dû mich dir dienen bæte.
Walther 60, 12;

recht streichmasz wöll wir trincken ab,
lang ich dich nit gesehen hab.
seyt wir am nächsten wasen vol,
was weins wir öszten waistu wol.
Schwartzenberg (1535) 144d;

bin auch nit frölich worden sider,
seit er ist zogen an Reinstram.
H. Sachs 16, 62, 16 Keller-Götze;

wie mir, seit ich dich gefunden,
Lina, meine zeit entschlüpft.
Gotter 1, 164 (1787);

denn seit ich nicht dich mehr habe,
losch die freud' ihr lämpchen aus.
Göckingk 3, 188 (1782);

seit du mir die bibel gegeben,
les' ich so häufig darin.
Hölty 41 Halm;

seit ich ihn gesehen,
glaub' ich blind zu sein.
Chamisso 1, 191 Koch;

dasz mich, seyt es zu regnen angefangen, noch niemand zur herberg eingenommen. Simplic. 2, 201, 15 Kurz; ich bin ein bischen vorlaut gewesen seit du weg bist. Schiller räuber 4, 5; ich habe mich selbst verloren, seit ich dort war. ebenda.
β) in causaler anwendung, mit dem ind. präs. oder umschriebenem perf. (doch s. unten Notker ps. 90, 14):

'sît du niht wilt erwinden',sprach frou Siglint,
'sô hilf ich dir der reise'. Nibel. 64, 1;

wer mac ir danne widerstân,
sît ir got selb ist undertân?
L. von Regensburg tochter Syon 3183;

sidt wir die warheit
mercken und die listigkeit,
die dw falschlich fur nimbst,
seidt dw uns in gespotte stimst,
daʒ die ding war sind. Salomon und Markolf 1572 (
Bobertag narrenb.);

der student sprach: das sol do sein,
seidt du mich nit will lassen ein. pfarrer von Kalenberg 104;

und seit ir mich tut fragen,
so will ich euch auch sagen. Teuerdank 25, 47;

seit du die bist,
gen der ich list
nit brauchen sol.
Gödeke-Tittmann liederb. s. 21, 23;

jr sprecht, die lieb sey leides vol.
das selbig glaub ich nit gar wol,
seit thurnieren, tantzen und sprîngen,
all seitenspiel, hoffieren, singen
und was man kürtzweil mag gepflegen,
geschicht als von der liebe wegen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 4, 97 neudr.;

[Bd. 16, Sp. 373]



bawer was hilfft dein fliehen dich,
seidt mein pfeil ist so schnelliglich? 16, 86;

seyt ich bin gleich als gt, als du. 24, 80;

was einem solcher böser stück
zustehnt, heiszen sies grosz gelück,
seid es nicht erger worden ist. 17, 254, 5 Keller - Götze;

sîd du god mîn starchi bist. Notker ps. 42, 2; sid er mir getrueta, ih lôso in. 90, 14; daʒ uns von dir sere wundert sunderlich seit du daʒ on unsern willen und gehaisze getan hast. d. städtechr. 1, 144, 9; (es) si eine üppige froge ob men froget, warumb es got wolte also haben, sit er alleine sol wissen umb sine heimelichen wunder. 8, 239, 12; doch seid ir nit anders wölt. 15, 465, 31; sid da ain bistumb ist und dem rich zu gehörtt. Richental concil 19; sid ich der bin, der das weltlich schwert innhaltet. 80; das will ich gar gern thon, seit es dir lieb ist. Tristrant u. Isalde 42, 7. vgl. Frommanns zeitschrift 6, 255, 76 (Vorarlberg).
γ) mit dem conjunctiv: sîd daʒ sô sî, daʒ ih ze ubelen mih nehafta. Notker ps. 25, 9;

wir suln den kochen râten,
sît eʒ in alsô hôhe stê
daʒ si sich niht versûmen.
Walther 17, 12;

sît eʒ dir aber sî geseit,
so tuoʒ durch dîne sælekeit.
K. von Würzburg Engelh. 6043.


δ) oft wird auch der nachsatz in älterer sprache mit sît eingeleitet, wenn der zugehörige nebensatz mit sît beginnt (vergl. unten ε):

sid er tharinne badota,then brunnen reinota:
sid wacheta allen mannonthiu salida in then undon.
Otfrid 1, 26, 3;

wand sît man si gevangen nam,
sît het man si âne zart.
Ottokar reimchr. 4692.

ähnlich ist es, wenn in neuerer sprache ein seitdem am beginn des nachsatzes das seit des vorhergehenden nebensatzes aufnimmt (vgl. auch unten 2, b): seit du auf dem steine beym brunnen mir das frühlingslied sangest, seitdem habe ich dich nicht gesehn. Geszner bei Adelung. seit nur im nachsatze: ista roch, sait ista veur. cimbr. wb. 225a.
ε) sehr gewöhnlich ist in älterer sprache die jetzt aufgegebene verbindung seit dasz (zeitlich oder causal): das ist yetz der sibend monat syd das sy z dir kommen ist. Maaler 397a; seit dasz menschen gewesen. Frisch 2, 261b;

sit daʒ Kriemhildeze wîbe gewan
Sîfrit mîn sune. Nibel. 698, 2;

sît daʒ nieman âne fröide touc,
sô wolte ouch ich vil gerne fröide hân.
Walther 99, 13;

sît daʒ diu wunne âne endes zît
wert in dem himelrîche.
L. v. Regensburg tochter Syon 662;

sît daʒ in der bâbest luot,
daʒ er der goteshiuser guot
het beroubet und verbrant.
Ottokar reimchr. 5531;

seid dasz die seeschlacht ward
bei Actium verspielt.
Lohenstein Cleop. 51 (2, 623).

seit im nachsatze wiederholt (vgl. δ):

sît daʒ diu minneclîche minne alsô verdarp,
sît sanc ouch ich ein teil unminneclîche.
Walther 48, 14;

seit dasz die liebliche Korelle
nicht hier gewesen ist zur stelle,
seit hat man gantz von keiner lust ...
in dieser gegend nichts gewust.
Fleming 444 (1666).


2) zusammenrückungen.
a) seitdem als adverbium und als conjunction functionierend (ein ags. síþ ðam ist unter I erwähnt). nd. sîd-dêm ten Doornkaat Koolman 3, 179a.
α) als adverbium: seitdem hab ich ihn nicht mehr gesehen. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 760c;

seitdem ungehemmet ging
meines seufzers odemzug.
Rückert poet. werke (1882) 11, 412.


β) als conjunction; Adelung meint, dasz seitdem oder seitdem dasz die gewöhnliche ausdrucksweise sei: 'wenn der zeitpunct, auf welchen sich seit beziehet, ein ganzer satz ist, so wird dem nebenworte noch das fürwort dem zugesellet, so dasz dasz ausdrücklich folgt, oder auch wegbleibt, welches letztere oft der wohlklang erfordert .. das dem wird von der höheren schreibart oft mit nachdruck weggelassen'. er ist mein freund, seit dem dasz ich ihn kenne, 'oder besser', seit dem ich ihn kenne. ebenda; seit dem sie ins land kommen. Steinbach 2, 575.
b) seither, seithero; sidhär, post illa Maaler 373c; sidher Hunziker 241; nd. sîd - her ten Doornkaat Koolman 3, 179b; es findet vielfache berührung von seither und dem comparativ seiter (seider) statt, vgl. unten 3. sieder, quod nihil aliud est,

[Bd. 16, Sp. 374]


quam seither, sive seiter. Stieler 2622; 'seiter, ist zusammengesetzt von seit her': ich hab ihn seither, oder seiter nicht gesehen. Frisch 2, 261b; 'um einiges nachdrucks willen sprechen es einige als seither, oder seithero aus, für bisher, bishero, und formiren ein neues adj. daraus, seitherig, wie bisherig, welches aber vielen nicht ansteht'. ebenda; Adelung (unter seither) bezweifelt überhaupt die zusammensetzung mit seit und nimmt entstellung aus zeither an, ebenso sei besser zeitherig zu schreiben. deutlich ist seither für seiter eingetreten, wenn es als proposition gebraucht wird: seither einigen tagen. Adelung (als ungewöhnlich bezeichnet). seither, seithero, sive zeither, hactenus Stieler 828. in älterer sprache ist nicht überall zu entscheiden, ob seither oder der comparativ gemeint ist, deshalb vergleiche man unten 3: bin sidhar inn Brettannia gewessen die zyt vertriben. Morgant der riese 133, 15 Bachmann; also das es forthin da weder holtz noch roszmucken hat, sonder die gantze gegene ist seyther zu einer feinen ebene worden. Fischart Garg. 147b (1594, seidher 1590);

des wâren sîd her, daʒ ist wâr,
diu vrouwe und ir geselle,
und al diu welt vünf tûsent jâr
mit jâmer in der helle. minnes. 1, 85a Hagen;

da ist mein Sophroni erfrorn
und ist seidther aussetzig worn.
H. Sachs 14, 193, 8 Keller - Götze.

als conjunction (wol ebenfalls für seiter, seider eingetreten), allein oder mit dasz, im nachsatze wird bisweilen seither wieder aufgenommen (vgl. oben 1, c, δ): du bist zwar aus England kommen wie ein schaf, aber seither dich der geitz besessen in Franckreich zu einem fuchs, ja gar zu einem wolff worden. Simpl. 2, 158, 28 Kurz;

seither dasz unser stadt verschantzet und bewehret,
seither ist unser land verwüstet und verheret.
Logau 1, 23, 75;

seither wir haben disz, was gott kan, künnen wollen, ...
seither ist unser frey in dienstbarkeit verkehret. 41, 57;

seither desz krieges arg, das gute fast vertrieben,
so ist uns, wahrer freund, disz einig überblieben. 189, 98;

seither der geilheit nest ward so mit band verbunden,
seither ward arge brunst nie frey- und offner funden. 3, 165, 59;

der falschheit ist gelegt der lauff,
seither politisch-seyn kam auff. 200, 53.

seithero: er hat noch seithero nichts gegessen. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 760c; darvor und seithero. tirol. weisth. 1, 25, 2; die weil sich aber seithero darinnen allerlei ir- und unainigkait zwischen inen den älblern zuegetragen. steir. und kärnt. taidinge 13, 21; ich habe seithero der sache vielmal nachgedacht. Simpl. 1, 35, 23 Kurz; auffallend als präposition (unter einwirkung des comp. seiter, seider): ungeferlich seidhero absterben desz in gott ruchenten gefürsten alten grafengeschlechtes. steir. u. kärnt. taid. 10, 7; vgl.: seithero wan gehestu mit um? Philander 2, 878 (1650).
c) seitmal, seitemal (vergl. mhd. wb. 2, 22a. Dief.-Wülcker 852); zusammengerückt aus seit dem male, seitmals aus seit des males (vgl. oben 1, b, γ); sintemal, seintmal u. s. w. s. unter DWB sint; seit dem mal, seittemal, seitmal, exquo, quando quidem Schm. 2, 337; für die in älterer sprache vielfach schwankenden formen sind im folgenden belege gegeben. die neuere entwickelte sprache kennt wol seit ein mal, aber nicht mehr die conj. seitmal, seitemal, seite malen (doch s. unten die stelle aus Tieck), während sintemal, sintemalen wenigstens in alterthümelnder rede noch gebraucht werden.
α) adverbia:

sit mal sîe (die kost) wol fugete
dem lantgrauen. Ludwigs kreuzf. 6079;

swie grôʒen schaden daʒ bistum
sît der mâl (mâlen var.) enphie dâvon.
Ottokar reimchron. 8414;

Johannes von Lichtenberg der sitmols bischof wart. d. städtechron. 8, 138, 8; wie nichts weniger seitsmalen nun lang her so vilfältige nit allain ordinarj, sondern extraordinarj über topplsteuren und anlagen und noch unaufherlich condinuiren. tirol. weisth. 3, 319, 13; sein doch seitmals allerlai mengl für und eingefallen. 4, 458, 7; ebenso seitermals, s. unten 3, b.
β) gebrauch der conjunctionen, ursprünglich zeitlich, später überwiegend in causaler bedeutung, wie die conj. seit auch durch dasz oder und verstärkt:

sît dem mâle, sprach der ander,
ich der lieben stæte ervant
an dem minneclîchen wîbe,
dô gienc mîner sælden schibe,
rehte als ich eʒ wünschen wolt. minnes. 3, 441a Hagen;

[Bd. 16, Sp. 375]



wer sol auch für uns wicken mäen,
seit mal daʒ mir alle auf stelzen gen? fastn. sp. 420, 20;

seit ain mal das ich köden schol. 610, 11;

seit ain mal das ich aich sol kallen. 612, 2;

seytmal doch nu selberst er
vor uns allen hat verjechen. tirol. passionssp. 393, 1524;

seidtmalln ir mich weldt greiffen ann,
so last meine junger unbelaidigt gan. 383, 1190;

ach got! was sol ich singe heur
seitmal es ist worden so teur?
Uhland volksl.2 559 (279, 1);

dan seitenmahl jhr stoltz und boszheit all-vermessen
(verwerfend alle klag),
dein armes volck, o herr, numehr gantz auffgefressen.
Weckherlin ged. 326 (1648);

seitenmahl wan die mayestet
der gravitetischen geberden,
die frey auff deiner stirnen steht,
solt nu von mir gesungen werden. 374;

seitdemmol dasz der torwarter fur in gesworn hab. d. städtechr. 9, 1041, 34; sit dem mal dasz min muter bi uch wonent wasz und noch bi uch wonent ist. 1043, 41; seytemal es ausz verhencknus gottes layder dohin kommen. 22, 428, 32; seitemallen man die obrigkait nit jedes orts sogleich in eil gehaben oder erlangen kann. tirol. weisth. 1, 23, 32; seit mallen niemant da wär. 138, 16; seitemallen ich den stab mit recht und urtheil diss land- und nachrecht zu besizen bekommen. Salzb. taid. 10, 21; seidmal und jr euch gericht habend auf die fart. Wilhelm von Österreich (1481) 3b; seydtenmal das man hierz bedarf aines ledigen gemtes. Tauler pred. (1508) 19b; seittenmal nn schwer unnd kummerlich ist z entscheiden zwüschen lasteren und tugenden. Keisersberg seelenp. (1510) vorr. 5a; sittenml nn alle ding gott gehorsam sind. 19c; seiten mal so es mir durch gottes weg durch die beicht ist für kumen. Pauli schimpf u. ernst 195 Österley; seydten male das jr gott Machmet jr so vil hett lassen tödten. Pontus u. Sidonia g 6a (1498); seitmal wir wissen, dasz .. Luther briefe 2, 546; won sy meinttend, seitmals und Renwartt den allersterckosten überwunden hatt, so möcht ir keiner genesen. volksbücher 189, 5 Bachmann-Singer; sitmals die töchtern Zion hochmtig sind worden. Züricher bibel (1531) Jes. cap. 3; seitmals er ein grosz und mächtigs volck sol werden. Gen. 18; sitmal iez z unsern ziten solich vil trüg und verkleidet wölf umb laufen. Schade sat. u. pasqu. 3, 4, 35; seitenmal alles was dem menschen angeboren unnd nitt new geboren ist, msz vertilcket unnd getödt werden. Franck chronica (1531) 463b; seitenmal ich wol weysz dʒ man in disen alten schlauch, den newen wein nit fasset. weltb. 155a (1542); seytenmal alweg Josephus under allen history-schreibern ein grosz auctoritet unnd glauben gehapt. Hedio übers. des Josephus (1531) vorr.; sitmals aber sie anderer gestalt erlaubtnus nit bekomen, muesten sie damit benüegig und zufriden sein. Zimm. chron.2 1, 492, 31; seitemal du eben das selbs tst. Sachs dial. 68, 4 Köhler; seitenmal er im dritten monat nach der empfängnusz das blut .. subtilichiert und vercondensirt. Fischart groszm. (kloster 8, 605); seit einmal der mensch sonderlich zu eim geselligen, leutseligen, selhafften lebwesen ist geschaffen. Garg. 65a; seitemal die sünd im gerechten urtheil gottes so greulich ist. bienenk. 95a; nur vergönnt mir, mich ebenfalls niederzulassen, seitemalen einen weiten weg a cavallo zu pferde, wie man sagt, hieher gemacht. Tieck novellenkr. 1, 34.
3) der comparativ, mhd. sîder, sider, nhd. seider, seiter, sider wird wie seit als adverbium, präposition und conjunction gebraucht. während die schriftsprache den comparativ aufgegeben hat, lebt er in den mundarten fort (die belege sind oben unter dem formalen gegeben). schon oben ist bemerkt, dasz seiter und seither sich vielfach berührten, zum theil sogar identificirt wurden. neben sîder, sider steht sinder wie sint neben sît (vgl. Weinhold 90a).
a) als adverbium, später, darauf oder auch bisher, seitdem; in älterer nhd. sprache ist nicht überall zu entscheiden, ob der comparativ oder seither anzusetzen ist:

ni wirdit thing, ih sagen thir thaʒ,êr noch sidor sulichaz.
Otfrid 5, 20, 16 (u. öfters. vgl.
Graff 6, 157);

er was ir vil vremde,dem si wart sider undertân. Nibel. 47, 4;

si wart dâ vil gewalticund sider verre bekant. Gudrun 14, 4;

beidiu vor des und ouch sider. Wigalois 9172;

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dô ditz alleʒ geschach,
ein rîcher burger sider sprach. Wiener meerf. 157;

daʒ nie dehein vogelîn
baʒ würde vergolten vor noch sider. sperwœre 211;

nu wer dich paʒ denne sider (als bisher).
H. v. Neustadt Apoll. 7552;

den gerret nimmer sider
diu hitze noch daʒ kalte.
H. v. Krolewitz vaterunser 770;

daʒ in ouch geschach sedir
an ire kunfte zite. Brun v. Schonebeck 420;

dô vôrde he de rôden sodder (: nedder)
tô Môab in dat kôninkrîke. von dem holte des h. cruzes 400;

leven gesellen, nu kome ik wedder
unde hebbe in deme paradiso sedder (seit ich euch zuletzt ansprach)
ein spêl gemaket, dat nicht en docht. sündenf. 1021 (vgl. unten
H. Sachs 14, 134, 1);

des wurden eme die cardinale so gram,
dat hei nei seder
under si weder
endorste kumen noch enquam. d. städtechron. 12, 198, 6223 (
Hagen chron. von Köln);

seder bleif zo Colne sent Peters staf. 26, 150;

ouch beval her mir da weder
dich zcue eynem kinde sedir.
Mone altd. schauspiele 1, 1260,

das beschach in der alten e
und sider seltan me. teufels netz 12526;

seider (von da ab, in folge dessen) ich kain lieb zu im trug. fastn. sp. 737, 7;

ich hab weder vor noch sider
nie wirs zeit gehet. Zimm. chron.2 1, 604, 28;

dürchleuchtiger könig, ich kumb wider,
bin auff der genszbruck gwesen sieder (seitdem er zuletzt
mit dem könige gesprochen).
H. Sachs 14, 134, 1 Keller-Götze;

mein freundt, wo bist du gewest sider
so lang? 166, 1;

bin auch nie frölich worden sider,
seit er ist zogen an Reinstram. 16, 62, 15;

des künigs fürschlag der ward sider
der statt Mileto kunth gethan
worden. 342, 2;

ich bin nicht frölich worden sider. 17, 20, 2;

wil uber ein stund zwo kommen wider,
ob leibeigen knecht kömen sider (verblaszt: mehr, noch, vgl. die folgende stelle). 20, 118, 27;

so ich desz fuchsz thu recht bedencken,
ist er nicht gröszer gewesen sider,
dann bey uns hie ist ein schafwider. 21, 214, 24;

so wart die stat gepawet wider
teglichen und gemeret sider. 22, 483, 2;

es hat mich wol geantet sider,
der Reichhart wert nit warten lenger. 23, 94, 2;

von der zeit an und sider,
das jr mir habt die gülden geben.
B. Waldis Esop 4, 82, 104 Kurz;

wir armen können doch nicht weiter,
ich hab alles einbüszet seyder. Bayerns mundarten 1, 174a;

echte kindere ne mach de unechte man seder mer nicht gewinnen. Sachsensp. 1, 38, 3; sedder quam her zu strite wedder graven Karle. deutsche chron. 2, 1, 284, 20; se wart sodder heten Kolne. 89, 2; ee daʒ der pund gemaht ward und auch syder. d. städtechron. 1, 161, 33; sie haben uns und die unsern darüber mit raub, mord und prand sidher mer und mer beschedigt. 2, 73, 17; den ich seider gezogen han und gen schuel han laszen gan. 5, 140, 11; ist seider auch ain pfeifer worden. 126, 19; es wuechs sider groszer unrat und grosze unfreuntschaft darausz. 201, 18; de synd sodder betalet. 6, 145, 6; wu se sedder vorghan is unde vorgheyt. 364, 18; herr ir wissent wol, dasz ich iemer sider hie obenan bi uch bin gesin. 9, 1041, 27; seider gat man alle jar auf den tag mit ainer procesz umb die kirchen. 22, 459, 5; von den grafen von Escheloch und von allen herrn, die seider gewesen seind zu Tyrol. tirol. weisth. 2, 177, 13; so hat auch der Teuchler und sider ettlicher hamermeister mer einem erbergen ratte mussen sweren. Tucher baumeisterb. 216, 33; kain nation, kain herr, kain fürst künig kaiser under der sonnen hat sider nie bei einander so vil tapfer ernstlich leut gehabt. Aventin chron. 1, 338, 23; hab jhn seider offtmals mahnen lassen. Hennenberger preusz. landtafel (1595) 82.
durch her (hero) verstärkt (vgl. seither): seider-, siderher Schm. 2, 337. 338; das er (der ölberg) also verfallen, verwildet

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oder verwachsen ist, von regen und ungewitter syderhar. Keisersberg post. 1, 3a; es ist dir auch seiter hero so gnueg gesagt. Villinger chron. 137; es sind sider her erst grosze feulen und schedliche löcher in sie gefallen. Schade sat. u. pasqu. 2, 255, 34; also hat siderher immer der Schweitzer nam und macht aufgenomen. Aventin bair. chron. 2, 435, 8; diese zusammenrückung wird auch wie eine conj. gebraucht, s. unten c.
b) im präpositionalen verhältnis, in gleicher weise wie seit (s. oben 1, b), gewöhnlich mit dem dativ, vereinzelt mit dem genitiv oder acc., auch in verbindung mit zeitadverbien: sieder Martini. Schottel 765; sieder mehr als sechs monaten. Stieler 2622; seiter den letzten kriegen. Kramer deutsch - ital. dict. (1702) 2, 760c; seiter einigen tagen. Campe (unter seither); sider des kriegs. Schm. 2, 338; sida drai schdundn. Castelli 255; sîder göster. Lexer 233; sider wann. Schmid 494; sedar benne (seit wann). cimbr. wb. 230a; sider den, seit denn, sintemal Schm. 2, 338 (vgl. unter c); sidern sunntag. Hügel 149a; sida da letztn zeit. Neubauer Egerl. mundart 101b; seder pinxsten, seer der tied. brem. wb. 4, 731; sedert de leste acht dagen. ten Doornkaat Koolman 3, 168a;

ik hebbe ût gewesen sedder
der tît, dattu my sendest ût. sündenfall 1531,

wir suchten sieder dem uns willigst einzustellen.
A. Gryphius (1698) 1, 558;

binnen vierteinnachten seder der tiet, dat he komen is to lande. Sachsensp. 3, 34, 1; koninge waren under den Joden sider Saule want an des templis testorunge vifhundert unde vier unde negentich jar. d. chron. 2, 1, 76, 10; sider dem mâle, daʒ unser herre .. sie erlôste. Leyser pred. 71, 36 (vgl. oben sît dem mâle), ebenso mit dem genitiv (vgl. ebenda): nu haben dy fursten unde herrn sedirmols ire stete unde undirsessene zcu Magdeburg rechte uszgesaczt. Magdeburger fragen 1, 1, 1 Behrend; seider der nehsten rechnung. d. städtechr. 1, 128, 19; seider des aufpruchs. 2, 49, 24; seider keyser Ludwigs zeiten. 3, 305, 6; seider der niderlag. 5, 192, 1; sodder der schicht. 6, 148, 5; sedder der tied. 7, 42, 7; sider dem dage und der zit, daʒ schöffel und amman überein koment. 9, 940, 7; sodder der veide. 16, 544, 28; sider sant Endris tag. 25, 123, 20; anders: sider a die 17. nofember. 183, 20 (vgl.: sider von Christi geburt her. Aventinus bair. chron. 1, 26, 8); seider anegang. bibel von 1483 (Joh. 6, 65); seydher der welt anfang. Franck weltb. 225b; seider der zeit hatt er eyn gehorsam weib gehabt. Agricola sprichw. (1534) 457; sider Arrius zeiten. Sachs 22, 25, 26 Keller-Götze; seither der zeit der sindflusz. Fischart groszm. (kloster 8, 579); seyter Christi unsers herrn. Albertinus seelengejaidt 21, 14 Liliencron; was ich seyter demselben verabsaumt hatte. Simpl. 4, 22, 9 Kurz; sider foosznach seens zwee johre. A. Gryphius Dornrose 75 Palm; seyder gestern. El. Charlotte v. Orleans 21. apr. 1707 (nr. 358 Holland); seiter wenn denn? Lenz 1, 305.
c) wie seit wird auch der comparativ als conj. gebraucht, zunächst zeitlich, dann auch causal (beachtenswert ist die ausgebildete verwendung von sîðor im Heliand): seiter ich hier bin. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 761a;

than wârun wit nû atsamnaantsiunta wintrô
gibenkeon endi gibeddeon,sîðor ik sie mi te brûdi gekôs. Hel. 147;

seider ich nu erchenne wol
die armuet und die trüebsal,
so lob ich mer die toten chint,
wann die, die do lebentig sint.
Vintler bl. der tugent 413;

sie haben gar viel unglück, sidr
ihr orden gewährt, hin und widr
angerichtet.
Opel - Cohn 16, 23;

wer aber her kommen ist, seider die zunfft angevangen sind. d. städtechron. 4, 147, 3; item nun will ich schreiben ain tail der geschicht, die beschechen sind hie in diser stat Augspurg, seider ich her kommen pin. 5, 144, 2; 300 M fl, die der kaiser dem kunig von Franckreich schuldig ist gewesen, sider sie vor Paden in dem nächsten krieg send gelegen. 25, 69, 2; sider das concilium in ir land und gewalt wär gelait, das sy dann die wal in kain weg nit iren wöltind. Richental const. conc. 121 Buck; mir zweifelt auch nit, du werdest noch ein weis man, seider yetz so vil verstandes in dir ist. Tristrant u. Isalde 184, 14 Pfaff; sider herr Hanns Coler paumeister gewest ist. Tucher baumeisterb. 47, 4; sider sich die pebst mit iren anhengern von der gehorsam der kaiser .. underzogen. Aventinus werke 1, 213, 6; ich pin sider auf dem Narka gewesen und zue Salzpurg, auch in disen vier jaren her, sider

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ich im latein die chronica verfertigt hab, der kriechischen und hebreischen sprach pas erinnert worden. bair. chron. 1, 222, 2; dasz seidher man auff die gutschen gefallen, man keine rechte reutpferd mehr inn Teutschland ziehe. Fischart Garg. 178a; dasz seiter die räusch und das äquivociern entstanden, finde man kein vollsüffer und lügner mehr. Opel-Cohn 383; sedar so vel zait, sedar ich pin kent, da che son venuto. cimbr. wb. 230a.
seiderher: seyderher sie auffkommen, entsteht ein grosze glockenverfolgung. Fischart Garg. 154a.
seidher der zeit: seidher der zeit ich deinen sohn Gabriotten zu ritter geschlagen. buch d. liebe 245d.
seidher und:

seidher und sie gestorben sind.
Ayrer 519, 7 Keller.


seider dem: seyder dem aber die inspectores nur dem nach gehen, was sie contentiret. unw. doctor 559.
seider dasz:

wente sodder dat de konnynk synen vrede
kundygen unde uthropen dede. Reinke de Vos 275;

o weh, o weh mir armen
seither dasz gott mich schuf. wunderhorn 1, 302 Boxberger;

sodder dat de rad anhoff sek to arbeydende ut oren schaden unde schulden. d. städtechr. 6, 134, 10; seder dat se sek mit os sönden to dem ersten male. 296, anm. 1; sedder dat de hilge likam sunte Viti van Franken to Sassen quam, sedder der tid. 7, 42, 6; seiter dasz solches geschehen. Kramer deutschital. dict. (1702) 2, 760c; dasida, dasz si g'heirat hobm. Neubauer Egerl. mundart 101b.
 
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seitab, adv. zur seite weg: seitab, seorsim, juxta, secundum; seit ab gehen, deflectere, decedere, subducere sese. Stieler 2; seitabbaden 77; seitab-, seitwärts-, nebenhinsehen 2027; seitablauffen Kramer deutsch-it. dict. (1702) 2, 762a; in der bühnensprache: er gehet seitab, seitwärts ab, zur seite Campe. Lessing räth, dies wort in der bühnensprache für franz. à part (bei seite, zur seite, für sich) zu brauchen, besonders substantiviert: dieses nebenwort wäre bey den schauspielen nicht unbequem anstatt des à part zu brauchen; besonders da, wo man es in ein hauptwort verwandelt. also liesze sich das erste seitab, das zweyte seitab, bey jedem seitab, schicklicher sagen, als: das erste bey seite etc. Lessing 5, 342; dasz diese scene grösztentheils aus reden bestehen müsse, die jedes seitab führet, ist leicht zu erachten ... das seitab fängt mit neuem feuer an. 7, 279; Hortense kömmt dazu und giebt durch ein seitab zu verstehen, dasz sie den Pamphilus ebenso sehr hasse, als sie den Alceste liebe. 4, 394; in allgemeiner verwendung: immer glaubt herr Klotz, mir auf den fersen zu seyn. aber immer, wenn ich mich, auf sein zurufen, nach ihm umwende, sehe ich ihn, ganz seitab, in einer staubwolke, auf einem wege einherziehen, den ich nie hetreten habe. 8, 213;

setz' alles leid seit ab,
und dancke bey der lust dem himmel, der sie gab.
Fleming (1666) 37;

die liebe die ein christ zum christen billich trägt,
die ist durchausz entraubt, die ist seitab gelegt.
Logau 1, 58, 33;

die tugend fleugt seitab, die alten laster weichen
der neuen teuffeley. 1, 45, 77;

zu zeiten pflegt er dann mit sich seîtab zu ziehn
dem seines meisters ruhm in sichres ohr er lege. 3, 217;

wie ich den weg,
seit ab bald rechts, bald links, zu nehmen bin
genöthigt worden.
Lessing Nathan 1, 1;

dasz alle brave bürgersleut',
wie von einer angesteckten leichen,
von dir, du metze, seitab weichen.
Göthe 12, 197;

lieb' ist nicht liebe,
wenn sie vermengt mit rücksicht, die seitab
vom wahren ziel sich wendet. Shakespeare könig Lear 1, 1;

gewisz dann fragt er mich,
warum so seitab kalt man auf ihn sah. Troilus und Cressida 3, 3;

'Jesus Maria!' — er setzt seitab,
da langt vom sattel es überzwerg.
A. v. Droste - Hülshoff 1, 272.

 

seit
I.  mhd. sît mhd. wb. 2, 2, 320b. Lexer
II.  gebrauch.
1)  seit als adverbium und präposition.
a)  das adverbium ist von der schriftsprache aufgegeben, mundartlich aber hier und da erhalten. es bedeutet sowol 'später' wie 'von einem in der vergangenheit liegenden zeitpunkte ab continuirlich' (seitdem, seither): that thu nio sîð aftar thiussô sundig ni werðes.
b)  seit als präposition; in der ausgebildeten nhd. schriftsprache der regel nach mit dem dativ.
α)  mit dem dativ (vergl. seitdem, seit dem male, seitemal, seitmal): syd dem anfang der wält. Maaler 379a; sid Romuli zeyten. 373b; seit der zeit. Schottel 765; seit dem friedensschlusz. Stieler 2622; seit menschen gedäncken.
β)  vereinzelt mit dem acc.: seine person ist melancholisch schon seit drey tage. Klinger
γ)  mit dem genitiv, in jetziger sprache wol nur in den wendungen: seit alters, seit morgens; sît des tages daʒ ich sach die hant von der diu schrift geschach.
δ)  mhd. mit dem instrumental: sol ich mîme hêrrenwerben ein ander wîp, sîd diu ist derstorbender schœnen Helchen lîp.
ε)  mit zeitadverbien verbunden: seit vorgestern. Frisch 2, 261b; wie nüchtern! wie nüchtern! werden mir die exegeten seit heute und gestern zurufen. Lessing 10, 111; seit lange; für uns ungewöhnlich: seit ziemlich lange. Hugo
c)  seit als conjunction; in der neueren sprache ist der gebrauch verkümmert, da er sich fast stets auf zeitliche anwendung beschränkt; in älterer sprache jedoch kann sît auch causale bedeutung (die freilich nicht überall von der zeitlichen sich scheiden läszt) haben, sogar im sinne von
α)  zeitlich: seit ich in diese stadt kommen. Kramer
β)  in causaler anwendung, mit dem ind. präs. oder umschriebenem perf. (doch s. unten Notker
γ)  mit dem conjunctiv: sîd daʒ sî, daʒ ih ze ubelen mih nehafta. Notker
δ)  oft wird auch der nachsatz in älterer sprache mit sît eingeleitet, wenn der zugehörige nebensatz mit sît beginnt (vergl. unten ε): sid er tharinne badota,then brunnen reinota: sid wacheta allen mannonthiu salida in then undon.
ε)  sehr gewöhnlich ist in älterer sprache die jetzt aufgegebene verbindung seit dasz (zeitlich oder causal): das ist yetz der sibend monat syd das sy z dir kommen ist. Maaler 397a; seit dasz menschen gewesen. Frisch 2, 261b;
2)  zusammenrückungen.
a)  seitdem als adverbium und als conjunction functionierend (ein ags. síþ ðam ist unter I erwähnt). nd. sîd-dêm ten Doornkaat Koolman 3, 179a.
α)  als adverbium: seitdem hab ich ihn nicht mehr gesehen. Kramer
β)  als conjunction; Adelung meint, dasz seitdem oder seitdem dasz die gewöhnliche ausdrucksweise sei: 'wenn der zeitpunct, auf welchen sich seit beziehet, ein ganzer satz ist, so wird dem nebenworte noch das fürwort dem zugesellet, so dasz dasz ausdrücklich folgt, oder
b)  seither, seithero; sidhär, post illa Maaler 373c; sidher Hunziker 241; nd. sîd - her ten Doornkaat Koolman 3, 179b; es findet vielfache berührung von seither und dem comparativ seiter (seider) statt, vgl.
c)  seitmal, seitemal (vergl. mhd. wb. 2, 22a. Dief.-Wülcker 852); zusammengerückt aus seit dem male, seitmals aus seit des males (vgl. oben 1, b, γ); sintemal, seintmal u. s. w. s. unter sint;
α)  adverbia: sit mal sîe (die kost) wol fugete dem lantgrauen.
β)  gebrauch der conjunctionen, ursprünglich zeitlich, später überwiegend in causaler bedeutung, wie die conj. seit auch durch dasz oder und verstärkt: sît dem mâle, sprach der ander, ich der lieben stæte ervant an dem minneclîchen wîbe,
3)  der comparativ, mhd. sîder, sider, nhd. seider, seiter, sider wird wie seit als adverbium, präposition und conjunction gebraucht. während die schriftsprache den comparativ aufgegeben hat, lebt er in den mundarten fort (die belege sind oben unter dem formalen gegeben). schon oben ist
a)  als adverbium, später, darauf oder auch bisher, seitdem; in älterer nhd. sprache ist nicht überall zu entscheiden, ob der comparativ oder seither anzusetzen ist: ni wirdit thing, ih sagen thir thaʒ,êr noch sidor sulichaz. Otfrid 5, 20, 16 (u.
b)  im präpositionalen verhältnis, in gleicher weise wie seit (s. oben 1, b), gewöhnlich mit dem dativ, vereinzelt mit dem genitiv oder acc., auch in verbindung mit zeitadverbien: sieder Martini. Schottel 765; sieder mehr als sechs monaten. Stieler 2622;
c)  wie seit wird auch der comparativ als conj. gebraucht, zunächst zeitlich, dann auch causal (beachtenswert ist die ausgebildete verwendung von sîðor im Heliand): seiter ich hier bin. Kramer