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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
sein bis seinerlei (Bd. 16, Sp. 334 bis 366)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) sein, n. , der substantivierte infinitiv des verbs. über die form vgl. dieses I, 3, n.
1) die bedeutung ist eine ganz allgemeine, vergl.: aber bei gewissen worten, wie da sind recht, freiheit, das gute, das seyn (dieser nichtssagende infinitiv der kopula) u. a. m. wird dem deutschen ganz schwindlich. Schopenhauer parerga u. paral. 2, s. 203. — dabei haben sich die beiden infinitive sein und wesen, die im mhd. noch gleichbedeutend gebraucht werden, im nhd. in der regel in der weise geschieden, dasz wesen (s. das.) eine mehr substantielle bedeutung hat und auf das 'wesentliche', das notwendige und bleibende in einem dinge geht, während das sein mehr abstract die thatsache, dasz ein ding ist, oder die art, wie es ist, bezeichnet, vergl. Grimm gramm. 3, 537. so werden beide entgegengesetzt: unsere evangelisch - lutherische kirche krankt mehr am äuszern sein, als am innern wesen. Jahn 1, 213 Euler; ohne unterscheidung zusammengestellt: unser ganzes wesen und seyn ist ausstellung. Göthe 22, 163. eine grosze rolle spielt der unterschied bei den nachkantischen philosophen: das interesse der philosophie ist ..., gott von diesem mit dem wesen identischen seyn, in das vom wesen verschiedene, in das ausdrückliche, wirkliche seyn hinauszuführen ... will man dieses mit dem wesen identische seyn das nothwendige seyn nennen, so ist nichts dagegen einzuwenden. Schelling 2, 2, 32, vgl. s. 438. Hegel theilt seine 'objective logik' ein in die lehre vom seyn (werke 3) und die lehre vom wesen (4); die wahrheit des seyns ist das wesen. das seyn ist das unmittelbare ... erst indem das wissen sich aus dem unmittelbaren seyn erinnert, durch diese vermittelung findet es das wesen. — die sprache hat im zeitwort: seyn, das wesen in der vergangenen zeit: gewesen, behalten; denn das wesen ist das vergangene, aber zeitlos vergangene seyn. 4, 1 f.; reines sein: so soll auch reines seyn nichts heiszen, als das seyn überhaupt; seyn, sonst nichts, ohne alle weitere bestimmung und erfüllung. 3, 62.
2) sein zunächst als ausdruck der bloszen existenz, so mit dem gegensatz nichtsein:

seyn oder nichtseyn, das ist hier die frage. Shakesp. Hamlet 2, 3.

ferner dem aufhören entgegengesetzt: noch war seine krankheit nicht todesgefährlich .. wie ich abends fünf uhr zurückkam, war schon der streit der natur zwischen seyn und aufhören angefangen, und mein armer freund im hinscheiden. Forster briefw. 2, 661 (vgl. unten 4). — etwas, das nicht ist, ins sein rufen:

du rufest meine träume bald ins sein.
Chamisso 2, 15 Koch (d. Raphaels letztes gebet).

andre beziehungen: aber bestimmtheit eines reinen thun, als solchen, giebt kein seyn, sondern ein sollen. Fichte sittenl.

[Bd. 16, Sp. 335]


64; die objective beschaffenheit eines ich ist keinesweges ein seyn oder bestehen; denn dadurch würde es zu seinem entgegengesetzten, dem dinge. sein wesen ist absolute thätigkeit. 131.
3) sein wird dem schein entgegengesetzt, vgl. DWB sein, verb II, 18, a: (klosterbrüder) sind (jetzt) dem teüfel kein schleck, sunder teglich brot, in unreformierten klöstren, und auch in reformierten imm schein, aber nitt imm sein. Keisersberg hellisch löw a 5a;

Duplus ist ein spiegelmann; was man siht, das hat kein seyn,
siht zwar wie ein biedermann, gibet aber so nur schein.
Logau 2, 196, 2;

grüszt mir die undinen,
und bittet sie um ihrer fluthen schein.
durch weiberkünste, schwer zu kennen,
verstehen sie vom seyn den schein zu trennen,
und jeder schwört das sey das seyn.
Göthe 41, 281.

sprichwörtlich: sein ist über schein. Simrock sprichw. 9471. — ferner dem sagen: dann wie das ja und nein, also ist auch das sagen und seyn unterschieden. Simpl. 1, 30 Keller. (dem traum, s. Chamisso unter 2.) daher das wahre sein (hier vom künftigen leben):

da fing der fromme greis, mit mehr gerührtem ton
als sonst, zu reden an von diesem erdenleben
als einem traum, und vom hinüberschweben
ins wahre seyn.
Wieland 23, 141 (Oberon 9, 29).


4) sein besonders in bezug auf lebende wesen (vgl. sein, verb., II, 2, d), dann häufig in die bedeutung 'leben' übergehend, so mhd.: ist mîn leben gotes wesen, sô muoʒ daʒ gotes sîn mîn sîn unde gotes istikeit mîn istikeit. Eckhart 204, 20 f.;

wir wêren alle tôt geslagen ...
wêr der lantgrâve nicht gewesen,
vor uns alle er sich bôt
durch unser wesen (damit wir am leben blieben) in den tôt. Ludwigs kreuzfahrt 3672.

nhd.:

du mein künftiges seyn, wie jauchz' ich dir entgegen?
Klopstock 1, 150.


5) dabei geht sein gewöhnlich auf die art, wie einer ist, auf seine lebens- und handlungsweise: es ist denn doch ein ander seyn (in Italien). Göthe 27, 157; ja, er faszte selbst den verwegnen gedanken, den erforschen zu wollen, dessen seyn uns so unbegreiflich, und dessen wirken uns so klar ist. Klinger 3, 6;

mein schrey-pult war das knie. solch arm seyn ist bey mir.
Fleming 113;

o dichter schweig: zum lob der kleinen myriaden,
die sich in diesen meeren baden,
und deren sein noch keines aug durchdrang,
ist todtes nichts dein feurigster gesang.
Schiller 1, 30;

so zieh'n sie (die kosacken), fremden schalles,
und ihres seins und thuns
ist nichts wie hier, und alles
ganz anders als bei uns.
Rückert (1882) 1, 64.


6) in andern fällen nähert sich sein einer mehr concreten, substantiellen bedeutung (ähnlich wie leben oder wesen):

leichtflieszendes leben,
unseres seyns urkraft, sie unauflösbar dem tode,
folgt' ihr aus dem leichname nach.
Klopstock 4, 56 (Mess. 7, 214);

diese leidenschaft
gedacht' ich zu bekämpfen, stritt und stritt
mit meinem tiefsten seyn, zerstörte frech
mein eignes selbst.
Göthe 9, 237 (Tasso 5, 4);

dies blatt soll leben,
wenn meines seins atome längst zerstreut.
Grillparzer5 2, 84;

das holde fieber, das man leben nennt,
es kehrt zurück, der dunkle born des seins
entläszt auf's neu die innern strömungen.
Hebbel (1891) 1, 88 (Genoveva 1, 2);

so auch:

dich einzig nur dachten alle gedanken,
du warst mein eigenstes, mein einzig sein.
Tieck 1, 410.


7) so auch in einem ganz allgemeinen, umfassenden sinne, ohne dasz ein bestimmtes subject dazu gedacht wird: in deme êwigen unwandelbêren sînde dâ enist niht dan got in gote. Eckhart 377, 27;

o du erster des seyns! welchen himmlischen weg
hat geführt deinen sohn des todes labyrinth!
Klopstock 6, 256 (Mess. 20);

kein wesen kann zu nichts zerfallen,
das ew'ge regt sich fort in allen,
am seyn erhalte dich beglückt!
das seyn ist ewig, denn gesetze
bewahren die lebend'gen schätze
aus welchen sich das all geschmückt.
Göthe 22, 261;

[Bd. 16, Sp. 336]



mir schien ein schönes, reiches recht
und eine ernste pflicht das leben;
der nerv, der pulsschlag alles seins,
die seele, die die welt bewegte.
Leuthold ged.4 143.


8) sehr häufig sind zusammensetzungen mit sein.
a) so schon mhd.: daʒ hât ein mitesîn und ein îngefloʒʒenheit mit den engeln in engelischer nâtûre. Eckhart 253, 33;

waʒ frumt di vrouwen mîn
alsô mîn wunderlich hie sîn.
Liechtenstein 338, 30.

häufiger sind indessen losere fügungen mit adverbialen bestimmungen, worin die verbale natur des infinitivs deutlicher als jetzt hervortritt:

mîn wesen was von dann unlanc. 19, 12;

den dûhte bitter unde sûre
bî sînem wîbe daʒ wesen.
Stricker bloch 3.


b) nhd. ist die zusammensetzungsmöglichkeit bei sein unbeschränkt. so verbindet es sich mit substantiven, gewöhnlich im sinne des subjects, z. b.: wie gern hätte ich mein menschseyn drum gegeben, mit jenem sturmwinde die wolken zu zerreiszen! Göthe 16, 152. doch auch in anderm sinne, wie erdensein, sein auf der erde:

und müszt' ich drum zurück ins erden-sein.
Fouqué dram. dicht. 1, 98.

häufig und unbeschränkt verwendbar sind die losen verbindungen mit adjectiven u. ähnl., wie: ja das böseseyn kömt an uns bauern nicht. Weise comöd. pr. 120; das gefühl des erhabenen ist ein gemischtes gefühl. es ist eine zusammensetzung von wehseyn, das sich in seinem höchsten grad als ein schauer äuszert, und von frohseyn. Schiller 10, 218;

da galt geschwindseyn und entschlossenheit! 14, 406 (Tell 5, 1);

es lieget das todsein
in solcher stuten natur.
Chamisso 1, 259 Koch (Rol. ein roszkamm).

einige, wie bewusztsein, sind einheitlicher und fester verschmolzen.
c) die ältesten, üblichsten und festesten composita sind die mit kurzen adverbien, besonders ortsausdrücken, wie dasein, beisein, hiersein, ferner zugegen-, zusammen-, beisammensein, siehe daselbst: kurz die residentin gewann bei allem, wessen ihn heute das wegsein seiner Beata beraubte. J. Paul mumien 3, 18;

die waren zweiffels frey ausz dieser zwölffen zahl
die mit Marien sohn gegangen überall
als derer beysein er am nechsten ihm erlesen.
Opitz 4, 343.

ferner besonders nichtsein, n., s. Shakespeare unter 2, und theil 7, 727 f. ähnlich:

kein sohn
des morgennimmerseyns soll diesen mund berühren.
Schiller 1, 334.

anderes:

ob in der tiefe der nacht des einsamempfundenen urseyns
dir aus dem dunkel hervor sprühet der funke des lichts.
W. v. Humboldt 1, 381.


 
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sein, m. falschheit, betrug; nur aus Brun von Schonebeck zu belegen, s. das glossar; z. b.:

wen ich wil al sunder seine
mit uch bliben immir vort. 8544;

dar in sal kunterfeit noch sein
zugemenget sin noch kluter. 12060.


 
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sein, seiner, gen. m. n. des ungeschlechtigen pronomens dritter person.
1) die historisch berechtigte form ist sein, dessen vorstufen got. seina, ahd. mhd. sîn darstellen. sîn begegnet auch in den altndfränk. psalmen und im altnord. das alts. und das ags. mit seiner fortsetzung, dem engl., ebenso das fries. entbehren überhaupt dieser pronominalform. die neunord. sprachen, das schwed. und das dän. haben sie gleich jenen eingebüszt. die fortsetzung des altndfränk., das mndl., bietet die erweiterte form sîns (sijns Franck mndl. gramm. § 215), die sich nndl. als zîns (zijns) erhält. seltener daneben nndl. zîner (zijner). gramm. 12, 782. 4, 331. vielleicht unter einflusz des mndl. und des hd. erscheint auch in der fortsetzung des alts., dem mnd., eine erweiterte form auf s sînes, daneben die im hd. bis heute erhaltene erweiterung sîner. gramm. 4, 330, zusammengezogen sîr:

ik en kôp syr nicht! Theoph. 468 Hoffmann.

auch das historisch berechtigte sîn tritt mnd. auf, wol gleichfalls durch einflusz des hd. Lübben mnd. gramm. § 76: so mut he sin (der richter des erben) warden mit dem erve. Sachsensp. 1, 1, 28 Homeyer. für das nnd. können sîn, sîner gelten. Nerger gramm. des mecklenb. dial. § 242 bezeichnet sîner als äuszerst selten, fast nur nach der präposition wegen, causa im gebrauch, aber auch da durch sîntwegen zurückgedrängt. eine ausgedehntere verwendung nach hd. vorbild ist in gehobener sprache denkbar.

[Bd. 16, Sp. 337]


auf hd. sprachgebiet begegnet die erweiterung auf s schon in ahd. zeit: gilîh ist rîhhi himilo treseuue giborganemo in accare, thaʒ thie iʒ findit man gibirgit inti bî gifehen sînes gengit enti furcoufit ellu thiu her habet inti coufit accar then. Tat. 77, 1 (Matth. 13, 44. in der vorlage: pre gaudio illius). mhd. erhält sie sich. Weinhold mhd. gramm. § 475: Ottocar 121 Seemüller (diese stelle s. unter 5, a);

ir deweder sines (reflexiv) vergaʒ.
Herbort v. Fritzlar 2526 (nach
Weinhold a. a. o. durch den schreiber gesetzt);

si sprâchen alle so man gicht,
si enwusten sînes nicht.
Brun v. Schonebeck 569 (700) Fischer.

häufiger erscheint sie ahd. und mhd. verbunden mit selbes (sieh unter 5, c), und Weinhold mhd. gramm. § 471 vermutet in dieser verbindung den anlasz zur entwicklung dieser form. selp ist darnach hier als subst. zu fassen und die pronominalform auf s eigentlich der gen. des possessivpronomens. zweifelnd erwähnt diese möglichkeit J. Grimm gramm. 4, 356. 357. denkbar ist auch falsche analogie nach dem possessiv auszerhalb dieser verbindung. nhd. ist die form erloschen. die nebenform sîner, sinre scheint gleichfalls schon im ahd. zu begegnen, mhd. häufiger. Weinhold mhd. gramm. § 475: in herzin siner, cordis sui. Graff 6, 4 (wegen der syntactischen verbindung zweifelhaft);

sy was synre vrô. Karlmeinet 212, 10;

der do trostet alle die,
die siner wollen gern! Alsf. passionssp. 2081 Grein.

sie setzt sich nhd. als seiner fort und ist in gewöhnlicher rede heute sogar üblicher als sein, das mundartlich anscheinend zu sen abgeschwächt wird. Schm.2 2, 287. schweiz. hat sich die vollere form sinere erhalten. Frommann ztschr. 4, 14. Weinhold mhd. gramm. § 471 nimmt für mîner und damit für die entsprechenden bildungen der 2. und 3. pers. sing. gleichfalls beeinflussung durch das possessiv an. möglich ist auch einflusz der entsprechenden genitivformen unser, euer. dafür scheint die folgende stelle zu sprechen, wo eine eigenthümliche pluralische verwendung vorliegt, die ganz der von unser, euer entspricht:

er chan ains nachts gehaissen mer
wenn seiner drei gelaisten.
Suchenwirt 28, 75.

die fügung ist auch heute noch denkbar und nur unter anwendung der gleichen form (vgl. unten 4, f). später erst wird die nebenform sînen üblich, die sich in frühnhd. quellen als seinen, alemann. sinen fortsetzt, heute aber auf mundartlichen gebrauch beschränkt ist, so noch am Monte Rosa sinen. Weinhold alemann. gramm. § 414: do er (der bischof) von schulden kam, do wart er also geneme unde liep dem lande und der stat, pfaffen und leien, den richen und den armen, daʒ sü sinen keinen wandel gertent. d. städtechron. 8, 93, 6 (Straszburg, Closener); wen ich priester wurde sölte ich sinen (eines freundes) ingedenk sin. Th. Platter 9 Boos; da antwurtend im (dem erzbischof) die cardinæl, ziehe du vorhin, so wollend wir nacher kommen; und spottetend sinen. Tschudi chron. 1, 76a; der künig lag zu Hagnow, was gar erschrocken, und hette gern der fürsten und stetten hülff gehept, do woltend si sich sinen nit beladen. 131a; da lasset das gemeyn gebett für jhn thun, gedenckt seinen uber tisch. Garg. 107 neudr.; welchs als es dem könig angesagt ward, lies er jhn nicht in die statt, sondern hiesz jhn vor der statt auff dem bollwerck seinen warten. 339;

da trauret manches gecken weib,
hat seinen nit vil genoszen.
Uhland volksl.2 390 (nr. 185), 42 (von 1525);

wie wol ich vil gesündet han,
so hat mich doch gott nie verlan
und dänk doch sinen selten. 706 (nr. 347), 10 (druck von 1564).

diese erweiterung läszt sich als eine gen.-form schwacher flexion nach analogie von seines auffassen. möglich ist auch einflusz der mhd. verbindung von sînen wegen, wo sînen wol eigentlich dat. plur. des possess. ist. vgl. seinetwegen und zur formellen entwicklung überhaupt du 2 oben theil 2, 1484 und ich III, 1 oben theil 4, 2, 2029.
2) sein entspricht seiner bildung nach den genitiven der ersten und zweiten pers. sing. und hat wie diese ein im stamme übereinstimmendes, im deutschen in unflectierter form gleichlautendes possessivpronomen zur seite. für sein verhältnis zu diesem gilt daher das unter mein 1, oben theil 6, 1912 angeführte. nach Streitberg urgerm. gramm. § 183 liegt in got. meina u. s. w. eine (nicht näher bestimmbare) form des possessivpronomens got. meins u. s. w. vor. jedenfalls haben beide pronominalformen die

[Bd. 16, Sp. 338]


engste etymologische beziehung und stellen in ihrer bildungsart auf eina eine im grunde einheitliche neubildung zu einer indogermanischen basis dar. Scherer z. gesch. d. d. sprache2 378. diese basis, die auch deutlich in dem zugehörigen, im deutschen eine zeitlang überall durch den dativ des geschlechtigen pronomens vertretenen, heute in reflexivem gebrauch durch den acc. ersetzten dat. got. sis und im acc. sich hervortritt, erscheint auszerhalb des germanischen in den sinnentsprechenden formen ksl. sebě, s, lat. sibi, sē, zd. hē, šē, hōi. Feist in Paul und Braunes beiträgen 15, 548. sie hat eine vielleicht ältere form mit inlautendem w neben sich, *sewo, *swo, die in ahd. alts. swās, ags. swǽs, eigen, altfries. swēs, verwandt, altnord. sváss, traut, lieb, got. swēs, eigen, altpreusz. swais, lit. gen. sâvo, sein, ksl. svojĭ, altlat. sovos, lat. suus, gr. ἑός, skr. svá-, eigen, erkennbar ist. Feist a. a. o. Uhlenbeck etym. wb. d. got. spr. 139. vgl. auch Fick etym. wb.4 1, 140. 339. 578.
3) das ungeschlechtige pronomen der dritten pers. sing. ist eigentlich reflexiv, hat demgemäsz ursprünglich für alle genera und numeri geltung und kann zunächst, wie bis heute die entsprechenden bildungen der ersten und zweiten person, nur auf personen anwendung finden. diese verhältnisse liegen rein im got. und altnord. vor. für den gen. seina führt E. Schulze got. glossar 299a nur die folgende stelle an, die für die pluralische anwendbarkeit beweisend ist: galeikai sind barnam þaim in garunsai sitandam jah wopjandam seina misso. Luc. 7, 32 (griech. προσφωνοῦσιν ἀλλήλοις. der gebrauch des refl. im got. läszt sich rechtfertigen, wenn man die gesamtheit der rufer als object betrachtet). im deutschen, von dem das ndl. in dieser entwicklung abhängig erscheint, hat der acc. sein altes functionsgebiet bewahrt und dazu die fähigkeit der beziehung auf unpersönliches gewonnen. er hat auch, nachdem der alte dativ durch formen des geschlechtigen pronomens verdrängt war, diese formen seinerseits verdrängt. das functionsgebiet des gen. erscheint schon ahd. auf unpersönlichen und unreflexiven gebrauch ausgedehnt. für das n. ist in beiden beziehungen die unter 1 angeführte stelle Tat. 77, 1 beweisend, für das m. folgende: doh ich mînen uuîngarton bevolehan habe den uuînzurnelon, also du zelist, dîe sîn hûoten. Williram 146, 2. das gilt aber nur für das m. und n. sing., wo in nicht reflexivem gebrauch noch mhd. auch der gen. des geschlechtigen pronom. gilt (und zwar nicht blosz im n., wie gramm. 4, 327 ausgeführt ist, denn es als gen. m. kommt noch bei Hartmann v. Aue vor. vergl. Weinhold mhd. gr. § 476) und auch demonstratives thes stehen kann, so bei Isidor; für den pl. und den sing. des fem. hat der gen. seine anwendbarkeit selbst in reflexivem gebrauch schon ahd. eingebüszt. er ist hier durch die entsprechenden formen des geschlechtigen pronomens (irâ, iro) verdrängt. vergl.:

thie jungoron iro ziloton,in koufe in muas thô holêtun.
Otfrid 2, 14, 11.

durch belege läszt sich das für das ahd. nicht ausreichend erweisen, doch ist es durch den berechtigten schlusz von dem analogen verhältnis beim possessivpronomen schon für diese zeit sicher. mhd. bleiben im allgemeinen die verhältnisse wie im ahd., nur dasz das neutrale sîn in nicht reflexivem gebrauch an ausdehnung gewinnt. das genitivische es und des besteht hier daneben fort. im früheren nhd. ist sein in dieser anwendung gleichfalls noch sehr häufig (belege unten). noch im 17. jh. wird es so gebraucht:

ein guter reiner trunk schmekt ja so wohl aus holtz',
und gar aus bloosser hand, als aus dem theuren golde,
desz mancher mehr verthut, als er sein hat zu solde.
Fleming 92.

heute ist solche anwendung, soweit sie unpersönliches angeht, durchaus veraltet. unverstandenes neutrales genitivisches es ist erhalten (vgl. oben theil 3, 1126 ff.), im übrigen tritt ersatz durch das aus des entwickelte dessen, desselben, davon, daran u. ä. ein. mundarten kennen ein sen auch als n. in partit. gebrauch, das vielleicht hierher gehört (s. oben 1). in bezug auf personen ist neutrales genitivisches sein dagegen noch so anwendbar. die folgende fügung erscheint z. b. auch heute möglich: ein hungerndes kind stand am wege. niemand erbarmte sich sein, obgleich auch da wol anderes vorgezogen würde. der gen. des m. wird auch in nichtreflexivem gebrauch vorzugsweise auf personen bezogen, aber daneben nicht selten auf unpersönliches, z. b.:

schön, wie du, o holdinn, blüht der garten,
den des dichters phantasie dir schafft.
sein als gärtner treu und hold zu warten,
sehnet sich des herzens ganze kraft.
Bürger 79b.

üblicher ist auch hier dessen, desselben. bemerkenswert ist, dasz sich sein in der alten ausdehnung auf fem. und plur. zum theil

[Bd. 16, Sp. 339]


mundartlich erhält. Schm.2 2, 290. der nicht reflexive gebrauch überwiegt bei sein in neuerer sprache so stark, dasz es in reflexiver anwendung am liebsten vermieden oder durch selbst verstärkt wird. vergl. unten 5, c und zu der ganzen ausführung gramm. 4, 317 ff.
4) sein erscheint vorzugsweise abhängig von verben. selbst wo ein abhängigkeitsverhältnis zu einem nomen besteht, wird dies in der regel durch vorwiegen verbalen sinnes in diesem oder durch eine verbindung desselben mit einem verb ermöglicht. die allgemeine bedeutung von sein läszt sich als partitiv in weitestem sinne bezeichnen; es steht wo es sich um eine antheilnahme handelt. ob es auch je allgemein rein attributiv in unmittelbarer partitiver verbindung mit einem subst. stehen konnte, was heute durchaus unmöglich ist, läszt sich aus den vorliegenden belegen nicht erkennen. es würde sich dabei hauptsächlich um einen freieren gebrauch, beziehung auf unpersönliches handeln, denn ein attributivpartitives verhältnis zu einer person hat selten statt. man konnte und kann noch sagen: du wirst sein ein theil (s. unten 4, c, γ), vielleicht aber war früher auch möglich: du gibest mir ein stücke sîn; ein stücke sîn wart mir gegeben (z. b. des vorhandenen fleisches). das wäre ein fall, wo unmittelbare attributiv partitive abhängigkeit von einem subst. vorläge. in verbindungen wie der vater sein, die brüder sein, wo sein nachgestellt wird und unflectiert bleibt, liegt nach gr. 4, 339. 340 das unflectierte possessivpronomen vor, wofür spricht, dasz ahd. (bis auf besondere fälle) und got. (abgesehen vom acc. sing. neutr.) bei sein wie in der ersten und zweiten person im allgemeinen keine unflectierten formen im obliquen casus voran- oder nachgestellt erscheinen. gr. 4, 470. 474 (in den altndrfrkr. psalmen schon: geuuîit ist namo mancrefti sîn an êuuon, benedictum nomen majestatis ejus in aeternum. 72, 19). nur in der verbindung mit selb, ohd. mhd. sîn selbes, die sich bis in die neueste zeit erhalten hat (s. unten 5, c), got. allerdings unbezeugt ist, wird gramm. 4, 355 sîn auch in fällen gleich den obigen als gen. gefaszt. vergl. dagegen die unter 1 erwähnte andre auffassung Weinholds. zur folgenden zusammenstellung vgl. bezüglich der eintheilung es gen. oben th. 3, 1126 ff. und Erdmann-Mensing grundzüge d. d. syntax 2, § 205 ff.
a) rein verbale verbindungen.
α) sein als object.
αα) bei verben, die ein freundliches oder feindliches streben, berühren, theilhaben, beschäftigtsein bezeichnen, so bei ahd. farên: Herodias farêta sîn (Johannes) inti uuolta inan arslahan. Tat. 79, 2; sîn (Christus) fârendo irsluog si (synagoga Judaeorum) sih selbun. Notker ps. 7, 16. bei ahd. kostôn, korôn: inti gieng thô ein fon thên buohhârin, êuuâ lêrâri, costônti sîn (Christus). Tat. 128, 1;

ther tiufel sîn (Christus) ni korati,furi man er nan ni habêti.
Otfrid 2, 4, 101.

bei ahd. wisôn: in arbêiten uuîsotost du sîn (gott das herz). Notker ps. 16, 3. bei veraltetem beiten, älterem bîten:

er wolt ze velde rîten
und sîn dâ ûʒe bîten
unz erm sîn harnasch bræhte nâch.
Hartmann v. Aue Iwein 956;

sagt im, sein herr beitet sein. Teuerdank 23, 21

Notker 79, 2 (d. stelle s. unten bei langen); (einer) schray den metzger an, das er sin baitet und in mit im liesz. Tünger facet. (1486) nr. 9 (s. 90 Keller). bei harren: als er ihn (Jacob den Joseph) nimmer unter seinen kindern fand — und vergebens sein harrte. Schiller räuber schausp. 2, 2;

kalt wird sonst
sein (Apollos) fürstenblick
über dich vorübergleiten,
neidgetroffen
auf der ceder kraft verweilen,
die zu grünen
sein nicht harrt.
Göthe 2, 72.

bei warten, pflegen: nu wasz ein seer reicher pfaff im dorff, der lag gar hartt an dem podegram und hat zween starcker junger knecht, die seiner warten mszten. Wickram rollw. 105, 15 Kurz; mich dünkt vater! wir wollen es (das reh) unsrer jüngsten für eigen lassen: aber Melboe, unsre liebvolle, darf sein warten und pflegen und also auch ihre freude mit daran genieszen. Fr. Müller 1, 12. Bürger 79b (die stelle s. unter 3);

diu frouwe was ir gastes geil.
dô bôt si im sin trinken dar
und phlac sîn wol.
Wolfram Parz. 33, 14;

und wil sîn (neutrum) unser trehten
nâch rehtem gerihte pflegn,
sô sît ir schiere gelegn.
Hartmann Iwein 5014.

bei hüten Williram 146, 2 (die stelle sieh unter 3); aber wan er (unser nächster) ein mensch ist, der gevallen mac, so süle

[Bd. 16, Sp. 340]


wir sîn hüeten, daʒ wir im keine ursache geben des valles. myst. 1, 339, 27. bei schonen: daʒ wir .. schônen sîn (unsres nächsten) mit worten unde mit werken unde mit gebærden. 1, 339, 34;

doch schone seiner wenn du mit ihm sprichst.
Göthe 9, 39.

bei walten:

joh wialt sîn (des Judas) ubar alselbo ther diufal.
Otfrid 4, 12, 40;

vil schône wart gewalten
sîn und der künegîn.
Hartmann Erec 7205.

bei bekommen: wie möcht wir sein (m.) bechomen. gesta Romanorum 156 Keller. bei genieszen:

thia worolt minnôta er sô fram,
bi thia sô sant er herasunthen sînan einogon sun,
thaʒ si sih bithâhti,ginâda sîna suahti,
joh ouch thes gifliʒʒi,thaʒ si iamer sîn ginuʒʒi.
Otfrid 2, 12, 74;

nu wol uff, ir leben gesellen,
helffet mer den tisch bestellen
und loszet uch des nit vordrisszen
mer woln sin alsampt genisszen. Alsfeld. passionssp. 897 Grein.

neben einem accusativ, bei bitten:

ich enwil des nicht enpern
und bit iuch sîn (darum).
Heinr. v. Freiberg Trist. 2382.

so auch bei unpersönlichen verben wie lüsten, veraltetem langen in ähnlichem sinne: lâ dich sîn (gottes) lusten. unde ube dih sîn lustet. sih selben gibet er dir. Notker ps. 36, 4; so chît der sîn bîtet den sîn langet, der dirigens ist (gottes). 79, 2. ebenso bei reflexiven, veraltetem sich nieten: daʒ ih in (gott) selben sêhe. unde mih sîn niêten muôʒʒe. 26, 4. sich unterwinden:

si giengen dâ si funden
Parzivâln den wunden
von eime sper, daʒ bleib doch ganz.
sîn underwant sich Gurnemanz (seiner nahm sich G hülfreich an).
Wolfram Parz. 165, 8


ββ) bei verben, die eine geistes- oder gemütsthätigkeit bezeichnen, so bei gedenken: und sind (heiszen) denkbrot drumb, das sie damit gottes gedenken und von im predigen sollen gleich wie Christus uns befilhet, das wir sein gedenken, das ist seinen tod verkündigen und predigen sollen. Luther gl. zu 3 Mos. 24, 7 (Binds. 7, 488). bei glauben neutrales sîn in einer gr. 4, 328 angeführten stelle, heute veraltet. bei mhd. geruochen:

geruochet sîn (neutr.) unser trehten.
Hartmann Iwein 4773 (lesart, im text geruochets).

bei vergessen: die herrische gewohnheit jungen männern meines alters in herzens- und geistesnöthen beizustehen, liesz mich sein (des jungen mannes) doch nicht ganz vergessen. Göthe 30, 218. bei achten: die selbige niderlegung, maint man, dasz dem hertzogen alweg zwen man an ain umbkam gen den auf der stet tail (dasz er doppelt so viel leute verlor wie die städter), aber er achtet sein nit. d. städtechron. 25, 338, 21 (Augsburg, v. 1462);

(Judas:) Jhesus hot der junger viel,
dasz hie nicht enachtet min;
also wenig wel ich achten sinn. Alsfeld. passionssp. 3157 Grein;

wer wollt' ihn (den knaben) nicht mit fröhlichkeit betrachten,
und nur der vater schien nicht sein zu achten.
Göthe 13, 186;

Zawisch. hörst du, freund Milota? (was Seyfried spricht).
Milota. wer achtet sein?
Grillparzer 5 (1887), 45.

bei ahd. ginâdôn:

iʒ irgangi (irreal) thannezi beʒiremo thinge,
got ginâdoti sîn.
Otfrid 2, 6, 46.

neben einem acc., so in unpersönlichen fügungen gleich den folgenden: so leîd ist mir diser lîb, so irdriûʒʒit mih sîn .. daʒ ih dârinne humanę consolationis neruocho. Notker ps. 76, 3; euer leiblicher vater dort — mich jammerte sein. Schiller räuber schausp. 4, 5;

'mich wundert sin' gedâchte Isôt
'daʒ der gevüege Tristan
nicht zu vrouwenliebe kan ...'
Heinrich v. Freiberg Trist. 3718.

bei reflexiven verben, wie sich erbarmen: auch sol dein auge seiner (des götzendieners) nicht schonen, und solt dich seiner nicht erbarmen. 5 Mos. 13, 8. sich freuen: dir aber ist er (Christus) ein herr, dir zu gut geboren ... darumb darffestu dich ja nichtt fürchten, sondern solt dich sein frewen, und trösten auffs aller höhest. Luther 6, 71a;

sus lebet er also minneclich
mit ir, daʒ sîn vrouten sich
der herzoge und die herzogîn.
Heinrich v. Freiberg Trist. 1124.

[Bd. 16, Sp. 341]


sich schämen, mhd. geschamen:

ir sît mit im (Iwein) gêret
und endurft iuch sîn niemer geschamen.
Hartmann Iwein 2105 (lesart, im text endurft iuchs niemer geschamen);

wer sich seiner (Amors) schämt, der musz erst leiden.
Göthe 1, 290.


γγ) bei verben der rede, so ahd. bei furlougnen: thie mîn furlougnit fora mannun ..., furlougnu ich sîn fora mînemo fater. Tat. 44, 21. bei spotten: und wenn (als) der pur in dem markt beharret .., spottet sin der knecht noch mer. Tünger facet. (1486) nr. 12 (s. 94) Keller. mhd. bei sweren:

jâ, frouwe: ich hân sîn (neutr.) gesworn.
Wirnt v. Gravenberg Wig. 156, 14 (lesart, im text: ich hâns gesworn).

bei dem den begriff der rede verneinenden (ge)schweigen:

kommet is den luden widder under die hende,
so geswigen sie sin nummer me. Alsfeld. passionssp. 7437 Grein.

neben einem acc., z. b. bei danken:

ich wil euch sein (neutr.) danken.
Boner bei
Schmeller2 2, 289.


δδ) bei verben der trennung, des bedürfens, entbehrens: auch öffnen wür gegen den Axambern, das wür recht haben, holz zu schlagen in dem Senders, als die march sagent, als vil wür sein betürfen zu unsern heusern oder zu ander unser notdurft. tir. weisth. 1, 258, 16 (v. 1660);

wir inmogen sin (des heil. Maternus) noch neit enbeiren. d. städtechron. 12, 25, 106 (Köln,
Hagen).


β) in freierem abhängigkeitsverhältnis zu einem verb, causal bei sterben: solt ich mir selber allso umbermeder gewalt an thn, ich müst seyn sterben. Keisersberg seelenp. 161b.
b) der gen. steht auch, besonders in älterer sprache bei verben, die ein schöpfen aus einem vorrat bezeichnen. fügungen wie sîn nemen, eʒʒen erscheinen in älterer sprache möglich. belege dafür liegen nicht vor. wol aber sind fälle bezeugt, in denen das partitive verhältnis durch zusätze näher bestimmt wird, so dasz sein zu diesen in nähere abhängigkeit tritt. derartige zusätze sind quantitativer art, so viel: (sie) prachten auch vil geltz und clainet mit in das closter, das sie darnach wider msten geben, doch wurd sein vil verstollen. d. städtechron. 25, 330, 29 (Augsburg, v. 1462); alda wechszt kein reisz, sein wirt aber vil dahin bracht. Franck weltb. 204a. so erscheint nun sein auch allgemeiner in verbalen fügungen neben solchen zusätzen, sowol bei verben, die zu den unter a erwähnten klassen gehören, als bei andern; so bei lützel, viel, alles: ih tuon sîn îe doch selbo alliʒ âna uuara. Williram 146, 2;

ze swie getâner stunt
ein heiden wart wunt,
sîn wær lutzel oder vil,
den warf man an dem zil
in den graben nider.
Ottokar 48993 Seemüller

(in dieser stelle liegt vielleicht beziehung von sîn auf einen plur. begriff vor. es kann gemeint sein: ob der heiden wenig oder viel waren. doch erscheint auch beziehung auf den begriff der verwundung möglich). ähnlich bei mhd. swaʒ:

sus entworhter in (der löwe den ritter) dô,
wand er in gar zevuorte,
swaʒ er sîn beruorte.
Hartmann Iwein 5384.

daran schlieszt sich ein in älterer sprache ganz gewöhnlicher allgemeiner gebrauch in verbindung mit nicht, ahd. ni-wiht (auch die verbindung mit dem positiven icht, ahd. wiht ist natürlich möglich). eine wirklich partitive bedeutung, wie sie diese anwendung eigentlich voraussetzt, kann meist erkannt werden (nicht immer), wo sîn neutral ist: ich waiʒʒ sein nicht. gesta Roman. 88 Keller; er süll im sein nicht (er sei ihm nichts der art schuldig). quelle bei Schm.2 2, 289; und das liecht leuchtet in der vinsternus und die vinsternus begreifft sein nicht. quelle ebenda;

lieber thu sein nit.
H. Sachs ebenda.

alter spruch:

tritt mich nicht,
ich leid sein nicht.
Schmeller2 2, 289.

eine art neutraler beziehung kann gesehen werden in den folgenden stellen: do quam aber der tufel in eines werltlichen jungelinges glichnisse vor in geloufen und besach in von dem houbete uncz an die vuʒe und sprach: ist erʒ? er ist sin nicht? d. veter buoch 63, 19; ich pin sein nicht (ich bin es nicht). quelle bei Schm.2 2, 289;

dô'r sîn niht was (als es nicht der heil. Franciscus war, sondern ein andrer), daʒ was in swære.
Lamprecht v. Regensburg Franc. 2642.

in bezug auf personen liegt viel seltener ein verhältnis vor, das wirklich partitiv gefaszt werden kann (so in der unten angeführten

[Bd. 16, Sp. 342]


stelle Otfrid 1, 27, 53), es entwickelt sich hier schon ahd. ein durchaus freier gebrauch: des nahtes an mînemo bette uorderota ih minen uuine, ih uorderota in unte neuant sîn nîet. Williram 48, 2; ob ich sag, daʒ ich sein nit enwaiʒʒ (Christus von gott), ich wurde euch geleich ein lugner. wan ich waiʒʒ in, und ich behut seine wort. codex Tepl. Joh. 8, 55; da verlögnet er (Petrus) des herren tz dreyen malen. er sprach: ich hab sein nie gekannt. Keisersberg pred. (1510) 65c (Matth. 26, 72, 74. bei Luther: ich kenne des menschen nicht); so ich würde sagen, ich kenne sein nicht, so würde ich ein lügener, gleich wie jr seid. aber ich kenne jn, und halte sein wort. Joh. 8, 55;

wiht ni wiʒut ir sîn (von Christus).
Otfrid 1, 27, 53;

wie tiurer clagte
daʒ er sîn niht erkande!
wand er sich niht ennande.
Hartmann Iwein 5695.


c) verbindungen, in denen abhängigkeit von einem substantiv statt hat.
α) zunächst sind hier fälle zu verzeichnen, wo das subst. mit einem verb einen einheitlichen begriff bilden, der einem der unter a verzeichneten verben dem sinne nach gleich oder nahe kommt. so deutlich bei dem früh erstarrten wara (wahrnehmen): nim sîn uuara. quelle bei Graff 6, 5;

dô ich aver im (dem mann) nâher quam
und ich sîn rehte war genâm.
Hartmann Iwein 422.

(auch bei gewahr werden, vgl. d, α:

ouch wurden sî sîn (Iweins) gewar. 6221;

biʒ morgen sul wir rîten dar,
daʒ sîn nieman werde gewar,
war hin wir kumen od wâ wir sîn.
Heinrich v. Freiberg Trist. 6024;

da flogen jm die kranchen auff (auf den weizen)
und antvögel ein grosser hauff,
frassen jm auff den samen gar,
zuletzt wardt sein der bawr gewar.
Waldis Esop 1, 80, 8 Kurz).

so aber auch in fügungen gleich den folgenden: habe sîn (des kranken) suorgen. Tat. 128, 9; sein sind auch czeuge. quelle v. 1358 bei Weinhold bair. gramm. § 359; doch so bitt ich euch, mir meiner red verzeihen, denn ich sein von Rosamunda gantz keinen befelch gehabt hab. buch d. liebe 239b; ich hette sein (n.) ein grosz gefallen. 242a; so sullent Meltner geben alleʒ daʒ dilleholtz, daʒ man darzu bedarf als oft sein not ist. tir. weisth. 4, 192, 21;

sag im, er hât sîn iemer danc,
und daʒ eʒ im lange vrumt,
ob er morgen wider kumt.
Hartmann Iwein 2138 (lesart, im text hâts).

eigenartiger: Gabriotto ... zu der jungfrawen sprach: Philomena, seyt ihr auch des spiels in dem schach bericht? ja sicher sprach Philomena, habt jr sein lust zu ziehen? buch der liebe 242a (sein hat da wol als nähere bestimmung zu lust haben und zu ziehen zu gelten).
β) daran schlieszen sich fälle, wo das wort als unmittelbare objective ergänzung eines verbalsubst. erscheint: also befahl auch Christus seinen aposteln, dasz sie der gantzen welt das evangelium predigen solten, damit sie dardurch zu der seligmachenden erkäntnüsz seiner möchten gebracht werden. Sperling Nicodemus quaerens 2 (1719), 87. so auch noch später. hier berührt sich der genitiv eng mit dem possessivpronomen. bisweilen auch neben einem substantiv, das nicht als eigentliches verbalsubstantiv gelten kann, das aber doch einer art objectiven ergänzung fähig ist: konnte in aller welt mehr das menschengeschöpf geehrt, und gleichsam vergöttert werden, als durch prägung zum bilde seiner (gottes)! Herder 6, 249 Suphan.
γ) auch den unter b erwähnten fällen entsprechend steht sein in verbindung mit einem lebendigen subst., nicht nur bei dem erstarrten (ni-)wicht und dem nicht mehr als subst. empfundenen viel, aber auch hier wie dort in der regel nicht in unmittelbarer beziehung zu dem nominalbegriff, sondern so, dasz das subst. als eine art prädicativer ergänzung erscheint, so bei theil:

dô er den sâmen sâte,
sîn viel ein teil ûf herten stein.
Rudolf v. Ems Barlaam 41, 13;

gedenk' an gott zur stunde, da der pfeil
des todes schwirrt, und du wirst sein ein theil.
Geibel 3 (1888), 94.

ähnlich bei rein prädicativem verhältnis des subst.:

des tages wâren sîn zwei jâr
daʒ sîn wîp was genesen.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 35, 31.

[Bd. 16, Sp. 343]



d) in abhängigkeitsverhältnis zu einem adj.
α) als objective ergänzung in fügungen, wo das adj. in verbindung mit einem verb einem der unter a erwähnten verben im sinne gleich oder nahe kommt: uuaʒ ist der mennischo. daʒ dû (gott) sîn gebugtig pist? Notker ps. 8, 5; sîn (gottes) bin ih lobesam und guôllih, nals mîn selbes. 33, 3; ich pin sein (n.) berait. gesta Roman. 91; am letsten da man yederman gab und kainer da was, der sin als notdurfftig were und der als gyrlich warttet, als ich, zerran die ustailung an mir. Tünger facet. (1486) 38 (s. 128 Keller); und sol auch albeg vierzehen tag vor der eleichen täding ain vorrecht geboten werden, und ob sich das über die benante zeit verzüg, so stet es after des an den gerichtsleuten, ob si sein gehorsam wellen sein oder nit. tir. weisth. 4, 402, 18 (16. jahrh.); jhr solt sein auch, sprach Rosamunda, sicher und on allen zweifel seyn, dasz jhr mir nicht allein vor dem ritter liebet, sondern vor allen mannen auf erden. buch der liebe 239d;

(er) wil sein gewaltig sein. quelle bei
Kehrein gramm. des 15.—17. jh. 1, § 330.


β) dem unter 4, a, β erwähnten sterben mit gen. gemäsz:

want mer hatten gebrochen din gebott
und musten sin ewiglichen wesen toid. Alsfeld. passionssp. 7187 Grein.

bei dem prädicativen wert, würdig früher natürlich auch neutral, in der folgenden stelle dabei mit genug verbunden, was zu γ überleitet: es begib(t) sich aber zuo zyten, das eer und gewalt an etlich lüt raichen, so sin nicht genuog wirdig sin. Tünger facet. (1486) 54 (s. 155 Keller).
γ) den unter 4, b erwähnten fügungen entsprechend partitiv neben prädicativ gebrauchten adj. wie genug: sein ist genug. quelle bei Schm.2 2, 289. freier: sein ist lanch, daʒ si auf gestanden sint. gesta Roman. 157.
e) in abhängigkeitsverhältnis zu adverbien und präpositionen. auch diese wörter gewinnen die rectionsfähigkeit ja eigentlich erst im anschlusz an ein verb. so bei innen in verbindung mit werden: so wirt man sein (neutr.) nicht ynn. gesta Romanor. 156 Keller; so wil ich euch verborgenlich, in meiner jungfrauwen kammer und gemach bringen, also, dasz sein kein mensch innen werden sol. buch der liebe 241c. aber auch allgemeiner, so bei ahd. ûʒʒan: alliu thuruh thaʒ (das wort gottes) wurdun gitân inti ûʒʒan sîn ni uuas uuiht gitânes thaʒ thar gitân uuas. Tat. 1, 2. bei mhd. (ni)wan, auszer:

ob ander nieman lebetewan dîn unde sîn,
sô möhten im diu rîchewol wesen undertân. Nib. 759, 2.

bei neben:

Blœdelîn der hêre,
der erbeizte nider neben sîn. Biterolf 10421.

im bair.-österr. noch heute neben seiner wie neben meiner, deiner. Schm.2 1, 1713. Frommann zeitschr. 2, 90, 10. 3, 392. 6, 339. aus älterer sprache ist neben auch in anderen fügungen mit dem gen. bezeugt oben theil 7, 491. 492. bei hinter: so ain man stirbt und ain eeliche hausfraw hinter sein verlasst. tirol. weisth. 4, 660, 26; ir auch zwei kinder, die er eelichen bei ir uberkumen, hinder sein gelassen. Chmel urk. Max. 22; mich wundert sehr, dasz niemand öffentlich sich an den d. Ettner macht, und alle so heimtückisch hinter seiner reden. unvors. hebamme 356. noch heute so bair.-österr. Schm.2 1, 1137. Frommann zeitschr. 6, 252. in älterer sprache erscheint hinter auch sonst mit gen., wofür das erstarrte hinterrücks einen beweis liefert. vergl. hinter oben theil 4, 2, 1496. bei vor: sondern zumahlen wann es arme und mühselige weibespersonen trifft, .. gehet man mit ihnen um, als hätte man eine kuh oder hündin vor seiner. unvors. hebamme 379;

der alte vuorte vor sîn
einen schaft hurnîn
geneiget harte sêre. Biterolf 879;

dô sluoc des elteren hant
ûf den helm stähelîn,
daʒ der junge vor sîn
strûhte nider in daʒ bluot. 3644;

dann das war îm sein höchste pein,
den helden zu sehen vor sein
frisch, wolmügend und auch gesund. Teuerdank 71, 100 Gödeke.

noch heute so bair.-österr. Schm.2 1, 846. vgl. vor des ebenda. vor tages Lexer mhd. hdwb. 3, 458. bei zwischen:

diu sippe diu ist ûʒ gezelt
zwischen iu unde sîn. Dietrichs flucht 2807.

auffällig erscheint hier der dat. iu neben sîn. ebenso steht der dat. in der folgenden stelle:

diu si p pe diu ist ûʒ gezelt
zwischen mir und mînem neven. 3852.

[Bd. 16, Sp. 344]


auch zwischen erscheint aber in älterer sprache neben andern pron. und subst. mit gen. vgl. mhd. wb. 3, 955. Schm.2 2, 1184. aus solcher anwendung folgt also nicht, dasz der gen. sein etwa zur vertretung eines andern casus dienen könnte, sondern nur, dasz er in diesen verbindungen sehr beliebt war (was natürlich ebenso für mein und dein gilt). in der umgangssprache, nicht gerade in der schriftsprache, bis heute üblich ist die verbindung wegen seiner (wie meiner, deiner) im sinne des eigentlich schriftgemäszen seinetwegen. schon in älterer sprache begegnet: von seiner wegen. Rothe dür. chron. 648 (die stelle s. unter seinetwegen). in der form seinetwegen, die aus seinentwegen, (von) sînen wegen entstellt ist, liegt wahrscheinlich das possessivpronomen vor. sieh dies. in der gleichfalls der umgangssprache angehörigen, aber selteneren form seinerhalb kann seiner gen. oder possessivpron. sein. schon ahd. begegnet mîn halb, dîn halb Graff 4, 885, wo man mîn, dîn als gen. nehmen könnte, besonders unter berücksichtigung der folgenden stelle:

sî, druhtîn, io ther segan sin (des kreuzes)in allen anahalbon
mîn.
Otfrid 5, 3, 3.

das gewöhnlichere seinethalben und seinetwillen ist wie seinetwegen aufzufassen. s. diese.
f) rein attributiv-partitiv kann sich ein abhängigkeitsverhältnis zu einem zahlwort gestalten. mhd. ist bezeugt:

er erfrüre, wærn sîn eines drî.
Wolfram Parz. 4495.

der zusatz eines scheint diese noch prädicativ zu fassende fügung nicht zu bedingen. rein attributiv erscheint seiner so in der unter 1 angeführten stelle Suchenwirt 28, 75, und auch in neuerer sprache läszt sich sagen: seiner drei hätten das kaum gekonnt. den ausgangspunkt dieser fügung bilden die analogen verbindungen mit unser, euer, wo ein wirklich partitives verhältnis statthaben kann.
5) sein in paratactischer verbindung mit andern wörtern. hier greift das gebrauchsgebiet deutlich in das sonst dem possessivpronomen vorbehaltene über.
a) mit subst. oder adj.:

die pfaffen mohten niht geheln,
daʒ si sîns tôtes heten haʒ (ihn noch als toten haszten).
Ottokar 121 Seemüller.

oben theil 3, 1191 unter euer 3 ist bemerkt, dasz verbindungen möglich sind wie in mein des schreibers gegenwart, wo mein als gen. zu fassen sei. das läszt sich natürlich auch auf sein beziehen.
b) mit ein: in partitivem abhängigkeitsverhältnis zu einem zahlwort (die stelle sieh oben unter 4, f). in abhängigkeitsverhältnis zu einem subst.:

wand sîn eines manheit
diu tetes (sie) unstetelîchen
an einen vurt entwîchen.
Hartmann Iwein 3730.


c) mit selb, zur hervorhebung reflexiver bedeutung. die alte dabei übliche gen.-form selbes, selbs wird nhd. wie sonst auch hier allmählich zu selbst umgebildet. die form selber erscheint hier schon früher, s. β, αα. vgl. gramm. 4, 355 ff. über Weinholds abweichende auffassung der form sînes selbes s. oben 1.
α) im gebrauchsumfange des alleinstehenden genitivischen sein. noch in neuerer sprache üblich.
αα) abhängig von verben, nach 4, a, α: er hat sein selbs vergässen. Maaler 369c;

Reinhart sîn selbes niht vergaʒ. Reinhart 941;

der narren büchlin billich lysszt.
wer wis ist, und syn selbs vergiszt.
Brant narrensch. 58, 7 Zarncke.


ββ) abhängig von verbalsubst. (gen. object.), nach 4, c, β: Spalding ist auch mir nie in der welt mehr als pfaffe erschienen, als in der ehrenerklärung sein selbst gegen jugendbriefe. Herder in Mercks briefs. 2, 34 (vielleicht hier gen. subst., dann nach β gehörig); ein lobredner sein selbst. derselbe bei Campe; dies erste menschengedicht war gesang sein selbst (wol auf menschen bezüglich). derselbe ebenda; alles was man gute gesellschaft nennt, besteht in einer immer wachsenden verneinung sein selbst. Göthe 6, 144.
γγ) abhängig von adj., nach 4, d: und als er morndes den handel geoffnet, sagt er, er het gnuog erfaren, das ain mensch, so von zorn brunn, sin selbs nit mächtig wer. Tünger facet. (1486) 53 (s. 153 Keller);

sînes selbes ist er gîre.
Lamprecht Alex. 1620 (Straszb. handschr., in der Vorauer handschr. sîn selbes).


δδ) abhängig von präp., vgl. 4, f: seiner selbst wegen. auch noch jetzt um seiner selbst willen, obgleich sein in um seinetwillen

[Bd. 16, Sp. 345]


possessiv ist: dasz ein jüngling, wie du, schutz und beförderung nicht zu erkaufen braucht, und diejenigen verachtet, die ihn nicht um sein selbstwillen begünstigen. Gotter 3, 47; der fürst ist freund, und (bildlich) pflückt dann erst die herrliche früchte von dem, nur um sein selbst willen gepflanzten baume (sein selbst geht auf baum, das reflexive verhältnis wird durch das part. gepflanzt vermittelt). Schiller 1, 34.
β) in freierem gebrauch das possessivpron. vertretend, in neuerer zeit im allgemeinen durch sein eigen ersetzt, wo sein possessivpron. ist. doch vergl. unten ββ.
αα) in attributivem, possessivem abhängigkeitverhältnis zu einem subst.: bidhiu huuanda ir (Christus) in siin selbes sculdrom siin cruci druoc. Isidor 23, 2 Hench; von sines mannes manne nimt die herre anevelle alse an sines selves gude, die wile die kindere beide binnen iren jaren sin. Sachsensp. 2, 1, 58, 1 Homeyer; er wolt jn (Isaak) mitt sein selbs hand gott dem herren uf geopffert haben. Keisersberg seelenp. 18a; ohne dasz er (Karl v. Burgund) alle seine gaben, macht und reichtumb allein ausz sein selbs geschicklichkeit und kräften zu haben vermeinet. Kirchhof wendunm. 3, 58; mit sein selbst hand, das ist, mit seinem eyde. Schottel 544;

in sînes selbes brustiist herza filu festi.
Otfrid Ludw. 15;

thaʒ hôh er (gott) iuo wirdimit sînes selbes huldi. Sal. 35;

thaʒ sînes selben guatithaʒ eina was gimuati,
in sulicheru nôtier uns ginâdôti. 5, 1, 5;

mit sînes selbes hanten
hber in (der kaiser den Roland) von der erde. Rolandslied 257, 14;

dâ von ir velschent aller meist
daʒ wort, daʒ unser herre sprach,
der mit sîn selbes munde jach
'ich bin ein got alleine'.
Konrad v. Würzburg Silvester 2884.

es findet sich auch selb dem folgenden subst. in der flexion angeglichen:

mit sein selber hand.
H. Sachs bei
Kehrein gramm. des 15.—17. jahrh. 3, § 115.

ebenso erweist sich sein zuweilen durch übereinstimmung seiner flexion mit der des subst. offenbar als possessivpron. vgl. dies. fälle gleich den folgenden vermitteln den übergang dazu: ein jglicher aber prüfe sein selbs werck. Galat. 6, 4;

ni sant er nan (gott Christus) zi wârubi niheinigeru fâru,
thaʒ thiu sîn selbes guatithia worolt pînôti.
Otfrid 2, 12, 76;

(er) sante, als sî in bat,
sîn selbes tohter an ir stat.
Hartmann Iwein 5774;

o wahrer pelican, der seine todten jungen
durch sein selbst blut belebt.
Fleming 12.


ββ) prädicativ, so in der fügung sein selbst, selber sein, sich selbst angehören, verfügung über sich selbst haben: so aber der mann thut, was die frau will, so ist er unsinnig, dann er ist sein selbst nimmer und entlehnet vernunft. Paracelsus (1590) 9, 20. bair. er, sie ist sein selber, ist nicht im dienst, lebt von eigenen mitteln, selbständig. Schm.2 2, 290. sprichwörtlich: wer sein selbst kan seyn, der diene kain (sc. kaim, keinem). Lehmann bei Wander 4, 535, 77; wer sein selbst sein kann, diene keinem. Simrock 74, 1623; wer sein selbst ist, der ist des teufels knecht. 448, 9492.
6) sein kann wie jeder gen. vor und hinter dem wort stehen, von dem es abhängt. ist die person oder sache genannt, worauf es geht, so steht es sinngemäsz hinter der bezeichnung derselben. nur ausnahmsweise hat das umgekehrte statt, steht es vordeutend: Heinrich v. Freiberg Trist. 3718 (die stelle sieh unter 4, a, ββ).
 
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sein, pron. poss. suus, ejus.
1) got. seins, altnord. sînn, schwed. dän. sîn; ags. sîn, engl. aufgegeben; altfries. sîn, neufries. sijn, altndrfrk. sîn, mndl. sijn, nndl. zijn; alts. mnd. nnd. sîn; ahd. mhd. sîn. über die formale beziehung zum gen. sein und die weitere etymologische verwandtschaft sieh 2 des vorigen.
2) das wort zeigt im ostgerman. nur die starke flexion eines adj., noch schwed. dän. ist das n. als sitt, sit streng vom m. und f. unterschieden. im westgerm. gewinnt die flexionslose form an ausdehnung und bildet sich auszerdem schwache adjectiv-flexion heraus.
3) gekürzte formen des starken gen. und dat., die mhd. mehrfach erscheinen (gen. sîns, sîs für sînes, dat. sîme für sîneme, sînem. mhd. wb. 2, 2, 292b) begegnen noch in quellen des 16. jh.: item der prophet Samuel, trotzet auch also gegen seim volck.

[Bd. 16, Sp. 346]


Luther 6, 53b; von der gnade und recht, so ein fürst, gegen seim gesinde, und unterthan ubet. 138a;

in al seim willen er erzogen wart. Homulus 311;

seins predigens hab ich verdrus.
Ayrer 329, 19 Keller;

weil dem könig auch sein verderbn
erfolgt durch seins sohns ubelthat. 347, 11;

der seim soltzen weib folgen thut. 360, 17.

besonders liebt das alemannische diese verkürzungen: werffent ir in ab, so ist er dester ehe todt und sint ier an sim tott schuldig. Th. Platter 74 Boos; Oporinus aber hat sins vatters zunfft zum himell. 89; damit er sim bruder zum bistumb gehelffen möcht. Tschudi 1, 118a; (der kaiser) schickt sin sun Heinrich ... hinusz in Tütschland. 118b; do fur abt Cunrat von St. Gallen, geborner von Busznang zu ime (könig Heinrich) und empfieng sins gottszhusz fürstliche regalia und fryheiten durch fürmundung hertzog Ludwigs von Beiern, sins innerlichen ratgäben. 120a;

ouch was er täglich sinnt und macht
usz mtwill und sim öden pracht,
das msz mit gwalt den fürgang han.
Ruf Tellensp. 72, 399 Bächtold.

es hat sie auch bis heute bewahrt. sîm, sîs (mit ausfall des n) sind dort heute die gewöhnlichen formen. Frommanns zeitschr. 4, 14b. aleman. gesellt sich dazu noch eine verkürzung sîr für seiner. ebenda, die auf demselben sprachgebiet schon im 14. jh. begegnet: so mag er .. dem amman den stecken uss sir hand nemen. weisth. 1, 241 (Ermetingen, Thurgau). die form begegnet übrigens auch mnd.:

wan godes sôn kumt mit syr klage
over alle sunderlude. Theophilus 563 Hoffmann.


4) stellung des pron. und gebrauch der flexion.
a) in attributiver verbindung mit einem subst. oder substantivisch gebrauchten wort andrer art steht sein heute wie alle andern pronomina gewöhnlich ohne artikel vor diesem in starker flexion. der nom. m. und nom. acc. n. zeigt keine flexion: sein vater, seine mutter, sein kind, sein schönstes, sein alles. im got., wo ja überhaupt noch kein artikel vorhanden ist, kann das wort vor und hinter dem subst. stehen, doch scheint die letztere stellung bevorzugt zu werden. ahd. ist sie auch ohne artikel oder anderes coordiniertes pronomen noch möglich, gehört aber eigentlich wol mehr der dichterischen sprache an. gramm. 4, 474;

thu bist forsago sîn.
Otfrid 1, 10, 19;

ther hôrit wort sînaʒ. 3, 18, 7;

jr wollet ouh in wâr mînwerdan jungoron sîn. 20, 127;

thaʒ wir io muaʒin blidewesen skalkâ sîne. 142.

mhd. nur sehr selten noch so:

ganz unde sterker baʒ
wirt im valz und ecke sîn.
Wolfram Parz. 254, 13;

nu daʒ der hêrre Riwalîn
wol unt nâch grôʒen êren sîn
wol driu jâr ritter was gewesen.
Gottfried Trist. 334.

nhd. höchstens noch im volkslied und ihm ähnlicher dichtung nach zwei subst. (der ersten der beiden zuletzt angeführten stellen entsprechend). der fall der anrede, wo die stellung bei mein und unser möglich ist, fällt bei sein natürlich weg. der nom. acc. n. zeigt ahd. sowol in der stellung hinter dem subst. (s. oben Otfrid 3, 18, 7) als auch besonders in der vor dem subst. ohne artikel häufig flexion: bithiu uuanta sînaʒ folc heilaʒ tuot fon iro sunton. Tat. 5, 8;

sô man thuruh nôtsînaʒ korn reinôt.
Otfrid 1, 1, 28;

ther ni thuingit sînaʒ muat. 2, 12, 91;

die flexion erhält sich hier im alemannischen:

(Alexander) hat sich heimlich zu gerist,
verendren lassen synes kleid.
Murner geuchm. 523 Uhl.

noch heute schweizerisch durchaus üblich. es heiszt schweiz. sis chalb, sis müli (mäulchen). Frommanns zeitschr. 4, 14b. gramm. 4, 496. der nom. m. erscheint ahd. gleichfalls nicht nur in der stellung hinter dem subst.:

mahtig druhtîn,wîh namo sinêr.
Otfrid 1, 7, 9,

sondern auch in der vor diesem ohne artikel flectiert, aber seltener:

bi thiu, thaʒ sîner scîmoni meldo dâti sîno.
Otfrid 2, 12, 93,

gelegentlich wol auch später, vgl. mîner sin. minnes. 1, 150 Hagen. andrerseits ist die flexionslose form, die got. nur für den nom. acc. n. neben der auf -ata ausgehenden gilt, schon ahd. für den nom. m. durchgedrungen und im mhd. auch für den nom.

[Bd. 16, Sp. 347]


acc. n. schon die regelmäszige. auch der nom. fem. erscheint selbst voranstehend ahd. ohne flexion (sîn ist die lautliche entsprechung des got. seina): siin restin scal uuesan ærliihhu. Isidor 43, 17 Hench; sîn muoter bihielt allu thisu uuort in irâ herzen. Tat. 12, 9; so ist sîn uuinstra unter mînemo hôibete unte sîn zeseuua umbegrîffet mih. Williram 32, 2 Seemüller. mhd. ist auch der acc. f. flectionslos bezeugt:

er hete sîn rede vür ein spil.
Hartmann Iwein 6282.

daneben:

(gott) ruoche iu durch sîne güete
iuwer swæreʒ ungemüete
vil schiere verkêren
ze vreuden unde ze êren. 5537.

ebenso ist aus frühnd. quellen der nom. und acc. f. häufig voranstehend als flexionslos zu erweisen: ob inen not brot, win oder gelt würd, sölt inen sin hilff alzit berait sin. Tünger facet. (1486) 21 (104 Keller); (der bauer) legt im sin sach für. 107; sein sach darthun und sich verantworten, causam dicere. Maaler 369c;

dasz hie uns sîn gnade vorlihe. Alsf. pass. 105 Grein;

dasz sijn missetad musz vorstehen (aufhören). 4240.

heute noch so mundartlich. auch der acc. m. erscheint mhd. und frühnhd. vor dem subst. bisweilen als sîn, sein (hier wol verkürzt aus sînen, seinen):

sîn hanen er her ûʒ nam.
Stricker Amis 974;

ouch lieʒ er niht hie heim
herzog Ludwigen sîn oheim.
Ottokar 2844 Seemüller;

so haben sie sein sohn erschlagen.
Ayrer 351, 12 Keller;

sein eigen willen haben, sui iuris esse. Maaler 369c. heute gleichfalls nur mundartlich. sonst ist in der stellung vor dem subst. flexionslose form selten:

ze sîn (contrahiert aus sînen?) gevangen er dô sprach.
Wolfram Parz. 388, 16;

das imperium hot hie uff sin schulder getragen. Alsfeld. pass. 4705 Grein.

nachgestellt kann sein schon ahd. auch im nom. plur. die flexion entbehren (s. oben Otfrid 3, 20, 127), mhd. in der seltenen anwendung ohne artikel oder andres coordiniertes pron. auch im obliquen casus (sieh oben Gottfried Trist. 334). später notwendig immer so.
b) über die verbindung des sein und der andern possessiva mit dem bestimmten artikel sieh der 32 oben theil 2, 991 ff.
α) es ist dort ausgeführt, dasz bei einem subst. ahd. und mhd. das possessiv zwischen artikel und subst. stehen kann, was mhd. seltener ist als ahd., dasz daneben schon ahd. die stellung des possessivs hinter dem subst. bezeugt ist, die mhd. die gewöhnliche und nhd., wo heute diese verbindung nur dichterisch in wiederaufnahme älteren brauches üblich ist, die einzige wird. unter f sind dort belege dafür gegeben, dasz noch frühnhd. das poss. zuweilen zwischen artikel und subst. erscheint. andre belege für sein mögen hier folgen:

(der phönix) macht aus dem allen ein nest
und schwingt darob das sein gefider
an heisser sonnen, hin und wider.
H. Sachs 1 (1558), 76a;

ains tages inn eim alten fuchs
grosz rew der seinen sünd erwuchs. 482a;

wenn ihr euch von dem seinen weg abwendet.
Lobwasser ps. 2;

die seinen pfeil er richtet zu,
dasz er mein feind vernichten thu. 7.

neben starker flexion, die mhd. noch bei voran- und nachstellung des possessivs möglich ist:

der künic bat in bringenund die sîne man. Nib. 83, 3;

den ouch die trahte sîne
verwurren in der minne
sins herzen küniginne.
Gottfried Trist. 870,

begegnet mhd. in beiden stellungen auch schwache:

diu mînen wort muoʒ er mir lân
durch den vil liehten tegel gân
der kamênischen sinne. 4889;

(er) bat in,
daʒ er frô wolde sîn,
und grôʒlich dem herren sînen
danchte, Sâlatînen. Ludwigs kreuzf. 7974.

die frühnhd. belege für das poss. zwischen artikel und subst. zeigen gleichfalls noch beide flexionsarten. s. diese oben. bei nachgestelltem poss. überwiegt die flexionslose form im mhd. und gilt allein im nhd. belege aus frühnhd. zeit oben a. a. o., aus neuerer:

[Bd. 16, Sp. 348]


sagt' ich ihm nicht voraus
der Circe listen, des Cyclopen graus?
das zaudern sein, der seinen leichten sinn,
und was nicht alles! bracht ihm das gewinn?
Göthe 41, 162;

schlieszt er (der in die sonne sieht) das auge sein,
schwarz und klein,
sieht er zwei pünktelein
überall vor sich.
Grillparzer5 1, 167.


β) wie a. a. o. unter d bemerkt ist, steht, wenn das possessiv sich auf ein vorangegangenes, aber nicht wiederholtes subst. bezieht, entweder das poss. ohne artikel in der starken form: eine verurtheilung wie seine war. Klopstock bei Campe, wobei der nom. m. die form auf -er, der nom. acc. n. die auf -es, -s zeigt: mein vater ist tot, aber seiner lebt noch; wem gehört dieser schirm? das ist seiner;

eh' ihr noch warmes blut vom antlitz abgeflossen:
kam seines durch mein schwerdt aus seiner brust geschossen.
A. Gryphius 1 (1698), 204, 261;

oder mit artikel in der schwachen (in alter zeit auch anders), welcher gebrauch mhd. der regelmäszige zu sein scheint und heute als gewählter gilt: dein vater ist todt, aber der seine lebt noch. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760b;

si brâchen ûf im alle ir sper:
daʒ sîn behielt aber er.
Hartmann Iwein 5322;

swie kleine ich nuo gesagen kan
daʒ mînes siechtuomes sî,
sô sprichet einer hie bî,
der sîne sî noch kleiner,
sô sprichet aber einer,
der sîn sî zwir als kleine.
Stricker Amis 873. 875.

über einen besondern fall der zurückbeziehung bei sein, wo es mit einem genitiv verbunden wird und nur ohne artikel und in starker flexion erscheint, s. unten.
γ) bei substantivischer geltung des pron. kann der artikel wie bei den übrigen poss. auch bei sein heute gewöhnlich nicht fehlen. vgl. oben a. a. o. für die alte sprache gilt das nicht unbedingt:

swâ sîne wâren kumberhaft,
die lôste er mit sîner kraft. Mai u. Beaflor 116, 5,

wo wol gemeint ist: leute von ihm, und auch für die neuere zeit kann als ausnahme die familiäre anwendung von seiner, seine für sein herr, seine frau und das plur. seine für seine leute gelten. für die flexion gilt dasselbe wie für die vorige anwendung, doch begegnet in besonderem sinne auch in neuerer sprache das sein, s. unten.
c) mit dem unbestimmten artikel wird sein wie andre possessiva nur in älterer sprache paratactisch verbunden. es folgt ihm und zeigt durchgängig starke flexion. belege oben theil 3 unter ein 19. in neuerer sprache kann es nur mit dem begleitenden subst. genitivisch oder mit von und dat. construiert von dem als zahlwort empfundenen einer abhängen: einer seiner freunde, von seinen freunden, oder bei gleicher auffassung von einer diesem vorausgehen (familiär): sein einer sohn. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 760b. ähnlich verhält es sich in verbindung mit kein. vgl. oben theil 5, 490 kein 20, a. mhd.:

wan er künde nie gewan,
noch dehein sîn schifman.
Wolfram Parz. 17, 2;

alsô daʒ dehein ôre nie
dehein sîn untât vernam. 160, 13.

heute nur: keiner seiner freunde oder von seinen freunden.
d) sein bei pluralischen zahlwörtern:

dâ der keiser Frederîch
gaf twein sînen sonen swert.
Heinr. v. Veldeke En. 13231 Behagel;

daneben:

got müeʒ eʒ ze rehte scheiden
durch die sîne namen drî.
Walther 16, 32.

heute: seine zwei söhne, wenn es nur zwei sind, sonst zwei seiner söhne, von seinen söhnen.
e) bei beide liebt die ältere sprache sein wie ein adj. in starker flexion folgen zu lassen, die neuere stellt es lieber mit starker flexion voran. vgl. DWB beide 3 oben theil 1, 1362.
f) sein bei ander und subst.: so gibet er mir .. intellectum sacrarum scripturarum unte andera sîne dona. Williram 32, 7 Seemüller; dô unsir trehtin von deme grabe irstuont, unde dir unde anderen sînen boton daʒ hieʒ chundin, daʒ er zi Galilea in daʒ lant fuore. altd. leseb.2 277, 4 Wackernagel; wann dieser ye vester uff siner maynung beharret und im ze wartzaichen ander sine nachgepuren und fründe nemen kunt. Tünger facet. (1486) 32 (119 Keller); als dersellb von andern sinen mittgeferten ein förmlich schreyen und rffen hort. Wickram rollwagenb. 11, 13 Kurz;

[Bd. 16, Sp. 349]


daʒ her anderiu sîniu werch sach rehte gên. Annolied 42 Rödiger;

sîme liebsten got Mahmeten
und andern goten sînen,
den lieʒ er dicke erschînen
mit opfer mange êre.
Wolfram Willehalm 9, 9.

heute nur: sein andrer freund, wenn er nur zwei freunde hat, sonst ein andrer von seinen freunden. ebenso pluralisch seine andern freunde, alle, sonst: andre von seinen freunden.
g) sein bei manch und subst.:

man jach daʒ manec sîn rotte
wol striten.
Wolfram Willehalm 35, 30;

doch fuor dâ manec sîn genôʒ
mit manegem sunderringe grôʒ. 214, 3.

heute: mancher, manche von seinen genossen.
h) sein bei all in verbindung mit einem subst.: thô gilaupta her inti al sîn hûs. Tatian 55, 8; elliu sîne uuerch scuntent unsih ad spem et desiderium caelestium. Williram 92, 10 Seemüller; also stuond er uff mit allem sinem gesind, den dieb ze suochen. Tünger facet. (1486) 13 (95 Keller); kann ich ein nationalstück in alle seinem leben geben? Herder 6, 56 Suphan;

pfaffen unde münichesi belîben bat,
und alleʒ sîn gesinde,daʒ des heldes pflac. Nib. 998, 3;

ouch wurden ir mit dienstesîder undertân
al des küneges mâgeund alle sîne man. 1325, 2;

daʒ aller sîn smerze
von disem kumber gar verswant.
Wolfram Parz. 584. 16.

diese stellung und flexionsart von sein ist heute die gewöhnliche. es kann aber all auch hinter das subst. treten: seine freunde alle. ohne subst. alle die seinen oder die seinen alle, mhd.:

er sluoc unde stach,
und die sîne alle,
daʒ jene mit maneges valle
muosen unstatlîchen
von dem vurte entwîchen.
Hartmann Iwein 3739.


i) sein bei allerlei: da .. keys. may. bey jhm (einem bischof) zu tisch asse, und under allerley seinen reden jhn auch dessen erinnerte, sein ampt hinfüro ohn alles ansehen der personen fleissig und trewlich zu verrichten. Zincgref apophthegmata 1, 6. heute nicht mehr üblich.
k) wie gewöhnlich bei all steht sein in verbindung mit demonstrativen (und subst.) in starker flexion hinter diesen: so sol er fur seine schuld dieser seiner sunde die er gethan hat, dem herrn bringen von der herd, ein schaf oder zigenmutter, zum sündopffer. 3 Mos. 5, 6; gedencke mein gott des Tobia und Saneballat, nach diesen seinen wercken auch des propheten Noadja und der andern propheten, die mich wollten abschrecken. Neh. 6, 14; dann ich schätze mich nicht besser, als mein knän war, welcher diese seine wohnung an einem sehr lustigen ort, nemlich im Spessart (allwo die wölffe einander gute nacht geben) liegen hatte. Simplic. 1, 12, 6 Kurz. ebenso in älterer sprache bei solch, wo es heute kaum noch üblich ist: in solchen seinen nöten kam im z gedancken. Wickram rollwagenb. 7, 12 Kurz.
l) über sein bei selb s. unten.
m) in verbindung mit adjectiven oder adjectivisch gebrauchten particip. steht sein heute gewöhnlich in starker flexion voran, ebenso schon früher oft, auch flexionslos: do er imo selbemo mahelta mit demo uuidemen sînes hêiligen bluotes dîe ecclesiam. Williram 53, 13;

mir ist sîn hôhiu fuor wol kunt.
Walther 20, 13;

do erzeicte aver Keiî
sîn alte gewonheit.
Hartmann Iwein 109;

ouch tragent sî in vür iuch hin,
sîne liebe gesellen. 1247;

diu versûmde riuwe
und sîn grôziu triuwe
sînes stæten muotes ...
die benâmen sîme lîbe
beide vreude und den sin. 3210;

si hete sîn dienst wol gedolt,
ich wæn durch sîniu fremdiu mâl.
Wolfram Parz. 774, 7;

sîn himelisch figûre
ist von dir worden irdisch.
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 1002.

das adj. zeigt dabei zum theil andre formen als heute, wo gilt: sein lieber vater, seine liebe frau, sein liebes (lieb) kind, sonst lieben. es kann auch, heute wie früher, das adjectiv mit artikel verbunden hinter das subst. treten:

[Bd. 16, Sp. 350]


zuo des sales want
sînen schilt den guotenleint er von der hant. Nibel. 1771, 2;

sînen sun den jungenmuose er von den starken grîfen vliesen. Kudrun 55, 4.

aber auch ohne artikel, flectiert:

unz daʒ siʒ (das schwert) mit zangenûʒ sînen vingern langen
muosen klœʒen dem man. klage 845,

unflectiert:

wan daʒ grôʒ jâmer under sluoc
die hœhe an sîner freude breit.
Wolfram Parz. 84, 17.

in letzterer art dichterisch noch heute möglich. weiter kann sein hinter das subst. treten, ohne zutritt des artikels vor dem adj.:

wanti si sâgin schînin
sô brete scarin sîni. Annolied 426 Rödiger.

mit zutritt desselben, schwach flectiert:

doe sprac Ênêas
als vele sô hem lief was
met vrouwen Lâwînen.
der lieven gemâlen sînen.
Heinr. v. Veldeke En. 12950 Behagel,

unflectiert:

der hêrre sande vor hin în
den kluogen meisterknappen sîn.
Wolfram Parz. 59, 30;

dar ûʒ sach man dâ flieʒen
bech und manic brünnelîn,
daʒ mit dem süeʒen fluʒʒe sîn
die wisen kunden erfiuhten.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 1153.

und diese letzte fügung erscheint dichterisch gleichfalls noch heute möglich. auszerdem begegnet eine fügung, bei der sein hinter dem adj. und vor dem subst. steht. die flexion von sein ist hier die starke. diese verbindung hält sich nhd. ziemlich lange, ist aber heute vergessen: desêm wîhem sînem manungum. Keron. gloss. 33; er hatt got lieb von gantzem seinem hertzen. Keisersberg granatapfel bei Kehrein gramm. des 15.—17. jh. 3, § 112; bemelter sein vatter. Hug rhetorik (1528) ebenda; ja so wäre nicht an warer seiner urstend zuzweiffelen. Spee güld. tugendb. 108; dasz diese seine standhafftigkeit mit nichten ausz eignen seinen kräfften hergesprossen seye. 114; sondern noch darzu bey hoher seiner ungnad befohlen. 192;

mit naʒʒen sînen ougen
flêget er got tougen,
daʒ in der tievel niene bekorte. kaiserchron. 14344 Schröder;

mit starken sînen handenlief er Albrîchen an. Nib. 466, 1;

der begunde sagen ein mære,
von grôʒer sîner swære,
von cleiner sîner vrümekheit.
Hartmann Iw. 94. 95;

länger beliebt als beim eigentlichen adj. blieb diese fügung anscheinend beim part. prät., wo sie zum ersatz eines verbalsubstantivs mit genitiv dienen konnte: dasz sein herr und meister Christus nach vollbrachtem seinem ampt auff erden .. zu den himmlen herrlich auffgefaren wäre. Spee güld. tugendb. 111; der aquitanische krieg war der erste, welchen Carolus M. nach angetretener seiner regierung führen muste. Hahn histor. (1721) 1, 20; Ludwig der fromme fand nach angetretener seiner regierung viel auszubessern. 72. heute ist in diesen fällen auch sein vor dem particip unmöglich.
n) attributiv mit sein verbundene oblique casus verändern im allgemeinen seine flexion nicht. s. unten.
o) unflectiert bleibt sein meist in den fügungen sein werden, sein, bleiben, gehören, s. unten.
p) steigerung ist der bedeutung gemäsz selten: die bildende natur hasset abstracta: sie gab nie éinem alles und jedem das seinige auf die seineste weise. Herder 8, 80 Suphan.
5) bedeutung.
a) gleich dem gen. des ungeschlechtigen pronomens der dritten person sing. gilt das zugehörige possessiv zunächst nur in reflexiver anwendung und bezieht sich innerhalb dieser auf jedes genus und jeden numerus. so ist der gebrauch im gotischen. beispiele für fem. und plur.: Marja bisvarb fôtuns is skufta seinamma. Joh. 12, 3; lêt thans dauthans urfilhan seinans dauthans. Luc. 9, 60 (wie die letzte stelle zeigt, gleich unserm sich auch bei liegendem verb). dasselbe verhältnis liegt im altnord. vor und ist in den neunord. sprachen ziemlich rein bewahrt. nur tritt im dänischen fast immer ein andres pronomen ein (gen. pl. deres), wenn der casus rectus im pl. steht. im nicht reflexiven gebrauch stehen got. und nordisch genitive des geschlechtigen pronomens dritter person (oder demonstrativs). auch ags. kann sich sîn auf alle genera und numeri beziehen und wird meist nur reflexiv gebraucht. daneben greifen genitive des geschlechtigen pronomens in sein gebiet über und haben es im

[Bd. 16, Sp. 351]


heutigen engl. völlig verdrängt. vgl. Sievers ags. gramm.3 § 335. as. verhält es sich bezüglich der reflexiven anwendung ähnlich wie im ags., doch hat hier schon nicht mehr beziehung auf fem. und plur. statt. vgl. Gallée as. gramm. § 242. die spätere entwicklung verläuft wie im hd., ebenso im ndl. die entwicklung im hochdeutschen entspricht der des gen. sein. schon ahd. erscheint es auf unreflexiven gebrauch ausgedehnt: antlingôta thô sîn muoter inti quad. Tatian 4, 11;

unz er nan (gott den könig Ludwig) gileitta,sîn rîchi mo gibreitta.
Otfrid Ludw. 55;

sum quad, er (Christus) dâti widar got,joh er firbrâchi sîn gibot. 3, 20, 61.

andrerseits wird es aber nicht mehr auf ein fem. oder einen plur. bezogen, auch nicht in reflexiver anwendung. auch da tritt der gen. des geschlechtigen pronomens ein, irâ, iro: bithiu uuanta Elisabeth uuas unberenti inti beidu fram gigiengun in iro tagun. Tat. 2, 2; mîn quena fram ist gigangan in irâ tagun. 8. spuren der alten ausdehnung des possessivs sein auf fem. und plur. finden sich aber noch später:

ir (der göttinnen) iegeliche mir sîne gift bôt.
Herbort v. Fritzlar troj. krieg 2202;

ein muoter ir fruht gebirt:
diu fruht sinr muoter muoter wirt.
Wolfram Parz. 659, 24;

juncherren suln von Gâwein
hœren, Clîes, Êrec, Îwein,
und suln rihten sîn jugent
gar nâch Gâweins reiner tugent.
Thomasin v. Zircläre w. gast 1043;

iedoch hat auch warheit sein zeit.
Rollenhagen froschm. (1595) A 4b;

das öchslein und das eselein
erkhanten gott den herren sein. quelle bei
Schmeller2 2, 290;

die zyt hat sin ende. 4. bibelübers. Daniel 8, 19 bei Kehrein gramm. des 15.—17. jahrh. 3, § 107; die sun get uff und get under und keret wider zu siner stat. pred. 1, 5 ebenda; das alle ding zu seinen zeiten gehalten werden möchten. Hug rhetorik (1528) bei Kehrein a. a. o.; sintemal ja die Helena die eynig krigsbraut mit seinen zwen prüdern Castor und Pollux ausz eim ey geschloffen ist. Garg. (1575) cap. 28 (später iren); wo stercke und krafft one weissheit, und die weissheit der krefft als seiner diener beraubt ist. Fronsperger kriegsb. 1, 108b; welliche person die were, die bei der nacht oder bei dem tag sein vich nit für den gemainen hirten treiben und allain die egerten, rain und halbm etzen wolte oder wurde. tirol. weisth. 2, 306, 2 (v. 1624); da kan zu gewöhnlicher rechter zeit nicht ein jedes reportirt, noch rath gehalten, vielweniger die sachen reifflich erwogen, expedirt, und eine jede an seinen ort gebracht werden. Schuppius 105; eine jegliche rede hat seine maasz und ziel. pers. rosenth. 4, 7; wenn die erste verdauung nicht seine richtigkeit hat. Ettner unw. doctor 791; hiermit liesz sich der kerl besänfftigen, steckte die klinge wider an seinen ort. 955; damit man diese wahrheit in aller seiner stärke empfinde, so wird man mir erlauben, ein verhasztes exempel anzuführen. Lessing 4, 119; sie hängt und schwebt frei, und ohne unterstützung, wie seines orts die sonne und der mond, in dem unermeszlichen raum des weltalls. Hebel schatzkästlein 4. in sprichwörtlichen wendungen: sein thor kent ein jede kuh. Garg. 50b; untreu aber schlug seinen eignen herrn. Schweinichen 3, 162;

also traf untreu sein herren. Teuerdank 69, 64;

untrew sein eigen herren trifft.
Rollenhagen froschm. (1595) L 7a.

in der letzten wendung kann untreu allerdings als männlicher eigenname gefaszt werden. doch begegnet daneben:

das untrew jren herrn schlug.
H. Sachs 2 (1570), 2, 38d.

es scheint immerhin, als ob sich solche anwendung besonders lange in festen verbindungen hält, wo sie zum theil auf secundärer übertragung beruhen kann. vgl. DWB an seinen ort, seines orts in den oben angeführten stellen Schuppius 105. Ettner unw. doct. 791. Hebel schatzkästlein 4. andere der angeführten stellen beweisen aber freiere und ursprüngliche anwendung, und mundartlich hat sein die alte fähigkeit der beziehung auf plur. und fem. bis heute bewahrt, so im bair., wo man noch sagt: die schwester liebt seinen bruder, die kinder lieben seine eltern. Weinhold bair. gramm. § 362. mundartlich begegnet in gewissen redensarten auch durchaus secundäre ausdehnung von sein auf andere personen als die dritte. osnabr.: du bist je all sin leven en kloken fent ewesen. gramm. 4, 340; ik bin ju sin leven na noch nich

[Bd. 16, Sp. 352]


dorbi egannen. ebenda. im übrigen gelten die verhältnisse, wie sie schon ahd. vorliegen. nicht reflexive beziehung ist neben reflexiver möglich. auf fem. und plur. wird sein nicht bezogen, da steht das schon mhd. aus den gen. irâ, iro entwickelte pronomen ihr. die fähigkeit der beziehung auf unpersönliches, die dem possessiv seinem ursprünglich reflexiven character gemäsz eigentlich fremd ist, hat es wol schon lange, doch wird es so auch heute nicht so allgemein gebraucht wie in beziehung auf personen. in nicht reflexiver anwendung tritt, wo zweideutigkeit entstehen kann, dessen ein, die fortsetzung des mhd. schon so gebrauchten des: der knabe ging mit seinem freunde und dessen vater. reflexive beziehung wurde früher durch verbindung mit selb verstärkt, heute ist dafür eigen eingetreten. vgl. unten und zu der ganzen ausführung gramm. 4, 338 ff.
b) sein begleitet vorzugsweise substantive und wörter, die sie vertreten können. als seine eigentliche bedeutung erscheint die rein possessive, es drückt dann aber auch andere beziehungen der wörter aus, die es begleitet, soweit sie sonst der genitiv bezeichnen kann. nur in partitiver anwendung vermag es dem gen. nicht ganz zu folgen. hier kann der gen. sein ergänzend eintreten. mit dem gen. sein, der der eigentliche begleiter von verben ist, also die andern functionen eines gen. hat, berührt es sich in der anwendung bei verbalsubstantiven. fälle, in denen sein nachgestallt erscheint, können bisweilen zweifelhaft sein, ebenso sein in verbindung mit selb, wo der gen. wol tief in das gebiet eingreift, das sonst dem poss. vorbehalten ist. im allgemeinen darf das unflectierte sein bei substantiven nicht als genitiv gelten. vgl. dazu 4 und 5, c des vorigen.
c) die reichste bedeutungsentfaltung zeigt das poss. sein in attributiver verbindung mit substantiven oder deren vertretern.
α) es geht zunächst auf wirkliches eigenthum: der kuning lêitota mih in sînen uuînkellare. Williram 30, 1 Seemüller; ih geron, daʒ mîn uuine kume in sînen garton. 73, 1; der gerechte erbarmet sich seins viehs. spr. Sal. 12, 10;

man musz got rechnung geben,
wie man sin gut gebrucht in disem leben. Homulus 144;

da fand er sein schlösselein oben;
doch diener und habe zerstoben.
Göthe 1, 195;


β) so auch auf beherrschtes, eine beziehung, die sich freier gestalten kann: gehe hin ein und rede mit Pharao dem könige in Egypten, das er die kinder Israel aus seinem lande lasse. 2 Mos. 6, 11;

und als er kam zu sterben,
zählt' er seine städt' im reich.
Göthe 1, 187;

klein ist unter den fürsten Germaniens freilich der meine;
kurz und schmal ist sein land, mäszig nur, was er vermag. 357.

von personen, die eines andern eigenthum sind, von ihm beherrscht werden, zu ihm im verhältnis der dienstbarkeit, abhängigkeit stehen: genesis saghet huueo Abrahames chibot uuas zi sinemu chnehte. Isidor 33, 4 Hench; bithiu uuanta her (gott) giscouuôta ôdmuoti sînero thiuuî (Maria). Tatian 4, 5; thes bigihu ih fora mînemo fater, thie in himile ist, inti fora sînen engilun. 44, 21; thô gihalâtero menigî mit sînen iungoron quad (Christus) in. 90, 5; mare rubrum, dâ Pharao unte ale sîn here inne irtrank. Williram 15, 5 Seemüller; swelk herre en gut liet sime manne. Sachsensp. 2, 1, lehnrecht art. 7, § 1 Homeyer; her Hanns von Wildenstain, abt des gotshusz in der Richenow, satzt im für, sine münch zuo andacht und gaistlichait ziehen. Tünger facet. (1486) 24 (109 Keller); las dich nicht gelüsten deines nehesten weibs, noch seines knechts, noch seiner magd. 2 Mos. 20, 17;

in jenem sale wîtenhân ich in (den könig) gesehen
bî den sînen helden. Nib. 79, 3;

hat der alte hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
und nun sollen seine geister
auch nach meinem willen leben.
Göthe 1, 237.


γ) dann aber auch umgekehrt auf den herrschenden, gebietenden, bestimmenden in solchem verhältnis gehend: agricola, der .. sînemo hêrren uuirke. Williram 145, 6 Seemüller; selig ist der knecht, welchen sein herr findet also thun, wenn er kompt. Luc. 12, 43;

sîner meister gebot
im sô gar ze herzen kam.
Rudolf v. Ems Barl. 25, 4;

den (Judas) wel ich dar zu brengen gar trode,
dasz hie sinen meinster sal vorraden. Alsf. pass. 194;

(der schiffer) vertrauet, scheiternd oder landend,
seinen göttern.
Göthe 2, 76;

[Bd. 16, Sp. 353]



in froschpfuhl all das volk verbannt
das seinen meister je verkannt. 13, 131.

bei unpersönlichem subject des verhältnisses: da erinnert sich der star seines herrn sprichwort. Coler hausb. 479.
δ) zum ausdruck verwandtschaftlicher zugehörigkeit: fater meinida dhar sînan sun. Isidor 18, 21; sînerâ sipheâ ni uuirdit endi. 22, 15; inti Zarachîas sîn fater uuard gifullit heilages geistes. Tatian 4, 14; (Simeon) quod zi Mariun sînero (des Johannes) muoter. 7, 7; andere electi sint filii dei unte sîne brûodera per adoptionis gratiam. Williram 28, 15 Seemüller; seine (des Moses) schwester stund von ferne. 2 Mos. 2, 4; Jacob hatte der söhne zwölf, aber um seinen Joseph hat er blutige thränen geweint. Schiller räuber schausp. 2, 2;

dô wuohs in Niderlandeneins rîchen küneges kint
(des vater hieʒ Sigemunt,sîn muoter Sigelint). Nib. 20, 2;

er sach einen sînen mâkgevallen in daʒ bluot. 1953, 2;

sölch was sîn underwinden,
daʒ ein vater sînen kinden,
der sich triwe kunde nieten,
möhteʒ in niht paʒ erbieten.
Wolfram Parz. 165, 10;

sîn (meines vaters) wîp, von der ich wart geborn,
durh minne ein sterben nâch im kôs. 750, 24;

Abraham vorcht synr frowen ee
dann er ye km gon Gerare.
Brant narrensch. 33, 85;

es ist der vater mit seinem kind.
Göthe 1, 183.

sin fro un min kinner! spaszhafte gesundheit an einen verehlichten. Schütze 4, 103.
ε) zum ausdruck freundlicher beziehung, freundlicher genossenschaft: und da David gen Ziklag kam, sandte er des raubs den eltesten in Juda seinen freunden. 1 Sam. 30, 26; z letzt sagt einer seiner gesellen: 'o mein lieber compani, du versprichst seer grosse ding ..' Wickram rollwagenb. 12, 5 Kurz;

fürsten, die gesellen sîn (des Galoes),
tuont herzenlîche ir klagen schîn.
Wolfram Parz. 91, 29;

glücklich, wenn ein deutscher mann
seinem freunde vetter Micheln
guten abend bieten kann.
Göthe 1, 163.

auf wirt und gast bezogen:

Parzival zem wirte sîn
sprach.
Wolfram Parz. 460, 1;

als gegen seinen gast das herz am stärksten quoll.
Göthe 13, 187.


ζ) auch allgemeiner auf zusammengehörigkeit: sein landsmann, amtsgenosse. dahin gehört die verbindung mit dem substantivierten ahd. gelîcho, mhd. gelîche, wie die flexion ausweist, obgleich hier sîn ursprünglich vielleicht der gen. des personalpron. gewesen ist:

quâdun iogilîchotheiz wâri sîn gilîcho.
Otfrid 3, 20, 36;

diu schrift niender rüeret,
sît dehein bischof wesen begunde,
daʒ ie iemen sînen (des Servatius) gelîchen erfunde. Servatius 610;

dâ von wart er gelobet baʒ
danne kein sîn gelîche.
Ulrich v. Zazikhoven Lanz. 136;

und dô der arme Heinrich
allrêrst verstuont sich
daʒ er der werlte widerstuont,
als alle sîne gelîchen tuont.
Hartmann a. Heinr. 136.

entsprechend frähnhd.:

ain ritter an des künges hof,
wa findt man sein geleichen? hist. volksl. herausg. von
Liliencron nr. 107, 45 (15. jahrh.).

noch Luther bietet sein gleiche: hast du nicht acht gehabt auff meinen knecht Hiob? denn es ist sein gleiche nicht im lande. Hiob 1, 8. erhalten nur im gen. seines gleichen, auch als ein wort geschrieben, der allgemeinere geltung gewinnt von fügungen aus, wo er berechtigt ist, wie in der folgenden stelle: sich legt der nebel gern zuo den waʒʒern und zuo den fäuhten steten, dar umb, daʒ er auch fäuht ist, dar umb fräut er sich der gesellschaft seins geleichen. Megenberg 95, 30 oder in der häufigen verbindung mit nicht: wiltu das selbige (das schwert Goliaths), so nims hin, denn es ist hie kein anders denn das. David sprach, es ist seins gleichen nit, gib mirs. 1 Sam. 21, 9; er (Hiskia) vertrawete dem herrn dem gott Israel, das nach jm seines gleichen nicht war unter allen königen Juda, noch vor jm gewesen. 2 könige 18, 5. allgemeiner: ein jglich thier helt sich zu seines gleichen, so sol ein mensch sich gesellen zu seines gleichen. Syrach 13, 19. 20; denn wo sein (des wolerzogenen kindes) vater stirbt, so ist's als were er nicht gestorben, denn er hat seines gleichen hinder sich

[Bd. 16, Sp. 354]


gelassen. 30, 4; es entstand ein enthusiasmus ohne seinesgleichen. Herder briefe zu beförderung d. humanität 8, 97. man faszt nun die verbindung so auf, als ob dabei ein subst. wie mann, leute u. dergl. ausgefallen wäre und sagt auch ein mann, leute seinesgleichen u. s. f. die anwendbarkeit auf unpersönliches zeigt die oben angeführte stelle 1 Sam. 21, 9. vgl. meinesgleichen oben theil 6, 1915. J. Paul wagt die bildung seines ungleichen: er (ein fürst) hat schon von seines gleichen her keinen andern ton gewohnt als den geselligsten, der nichts stärker fürchtet, als sich oder andere zu verstimmen, wie vielmehr folglich von seines ungleichen! freiheitbüchl. 131.
η) aber auch zum ausdruck feindlicher beziehung: ih habo uernomen, daʒ mîn sponsus erlôibet habet sînen unte mînen uîenton, daʒ sie mih besûochen. Williram 73, 4 Seemüller; doch waʒ er (der bischof) sinen vienden gar harte. d. städtechron. 8, 93, 6 (Straszburg, Closener); jm (Juda) müsse wider seine feinde geholffen werden. 5 Mos. 33, 7;

sie wolden in gote irsterben,
oder den sig erwerben
an sînen vienden mit craft. Ludwigs kreuzf. 2336.


θ) in bezug auf den körper und körpertheile einer person, von der die rede ist: huuer uuac himilâ sîneru folmu. Isidor 19, 10 Hench; mit zuuêm (flügeln) dhecchidon sîn (gottes) antlutti enti mit zuuêm dhecchidon sîne fuoʒssi. 20, 7. 8; gioffonôta sih thô sliumo sîn mund inti sîn zunga. Tatian 4, 12; cusser mih mit demo cusse sînes mundes. Williram 1, 1 Seemüller; sîne ôigen sint samo tûbon bî den rinnenten bachen. 89, 1; sîn bûch ist helphenbêinin. 93, 1; der uuîn, den du mêinest, der zimet mînemo trûte zetrinkene unte sînen lefson unte sînen zenen ze itdrukkene. 124, 2. 3; alle ende der erde sein in seiner (gottes) hand. bibel von 1483 284b (ps. 94, 4); den selben (einem gehenkten abgehauenen) schenkel er darnach, so er bettlet, an stat sins rechten schenkels .. schicklich kunt fügen. Tünger facet. (1486) 2 (79 Keller); da huob der gepur erst uff sine ougen gen himel. 14 (96 Keller); seine beine sind wie marmelseulen, gegründet auff gülden füssen. seine gestalt ist wie Libanon, ausserwelt wie cedern. seine kele ist süsse und gantz lieblich. hohel. 5, 14—16; als er (der reiche) nu in der helle und in der qual war, hub er seine augen auff, und sahe Abraham von fernen, und Lazarum in seinem schos. Luc. 16, 23;

sîn ougen er dâ wenkenzuo den gesten lie. Nib. 85, 2;

von vilze truoc er eînen huot
und zwêne schuohe rinderîn,
die wâren zuo den beinen sîn
mit riemen dâ gebunden.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 1658;

die stund', da sie (die geliebte) verschieden war,
wird bang dem buben, graus't sein haar.
Göthe 1, 131;

in seinen armen das kind war todt. 184;

und das mädchen steht gefangen,
und sie weint zum erstenmal;
sinkt zu seinen (des gottes) füszen nieder. 253;

ein glockenklang erschallt in seinen ohren. 13, 178;

soll er wirklich seinen augen trauen? 191.

ähnlich, wenn sein in verbindung mit einem substantivischen begriff die rückbeziehung auf etwas unpersönliches vermittelt, von dem dieser begriff ein theil ist: du solt auch einen tisch machen von foern holtz .. und solt vier gülden ringe dran machen, an die vier ort an seinen vier füssen. 2 Mos. 25, 26;

ich schnitt in seine (des baumes) rinde
so manches liebe wort.
W. Müller 1 (1837), 129.


ι) ebenso in bezug auf das innere, geist, seele, gemüt: guot man fon guotemo treseuue sînes herzen frambringit guot. Tat. 41, 5; under den was ein münch, der siner sel hail basz betrachtet. Tünger facet. (1486) 8 (88 Keller); das haben wir an unserm bruder verschuldet, das wir sahen die angst seiner seelen, da er uns flehet, und wir wolten jn nicht erhören. 1 Mos. 42, 21; er glaubte, die pflichten der freundschaft und der tugend verböthen ihm, ihnen sein herz zu entdecken. Cronegk 1, 82;

swer an rehte güete
wendet sîn gemüete.
Hartmann Iwein 2;

sein geist war ganz dahin gebannt.
Göthe 13, 128;

wir nahmen keinen auf, den, jung an jahren
sein herz zu früh der welt entsagen hiesz. 182.


κ) von eigenschaften und fähigkeiten: arquâmun thô alle thie inan gihôrtun ubar sînan uuîstuom. Tatian 12, 5; welcher ist unter euch, ob er schon darumb sorget, der da künde eine elle lang seiner grösse zusetzen? Luc. 12, 25; wenn nu hie

[Bd. 16, Sp. 355]


ein zenkischer sophist seine spitzige klugheit zu beweisen sich aufmecht. Luther 3, 79b;

sîn manlîchiu kraft
behielt den prîs in heidenschaft.
Wolfram Parz. 15, 15.

bei unpersönlichem träger der eigenschaft: vierecket sol es (das schild) sein und zwifach, eine hand breit sol seine lenge sein, und eine handbreit seine breite. 2 Mos. 28, 16.
λ) von körperlichen und geistigen zuständen, von bethätigung, äuszerung der in rede stehenden person, wobei sein oft das subject eines in dem subst. liegenden verbalbegriffs bezeichnet: chimanacfaldit uuirdhit siin chibot. Isidor 22, 14 Hench; huuanda ni uuardh ir ęr Dauides dode nibu after sînemu dôde chiforadodot zi aruuehhane. 39, 2; dicco gehîeʒʒer mir sîne cuonft per prophetas. Williram 1, 2 Seemüller; sîne sprunge tet er durh mînen uuillon. 35, 5; an den er die (tugend) uindet, unter den ist sîn uuesan. 46, 10; mîn uuamba erbibeneta ze sînemo anagriffe. 79, 2; daʒ ih ze sîner frûintschefte nîene quam ullis praecedentibus meritis, sunter okkeret gratuita gratia illius. 97, 6; gott, der da reich ist von barmhertzigkeit, durch seine grosse liebe, da mit er uns geliebet hat. Ephes. 2, 4; da waren gar wenig, so z dem rechten schiffmann rüfften, welcher mit seinem betröuwen wind und meer augenblicklich stillen kundt. Wickram rollwagenbuch 11, 18 Kurz;

waʒ hulfe in dan sîn vrechiu ger?
Wolfram v. Eschenbach Parz. 32, 6;

wan daʒ grôʒ jâmer under sluoc
die hœhe an sîner freude breit,
sîn minne wære ir vil bereit. 84, 17;

des twang in art und sîn gelust. 118, 27;

unerlœset pfandes
stuont sîn ellenthafteʒ lebn. 344, 25;

wie unser her Jhesus Crist
noch Johanni kommen ist
und sines predigens begann. Alsfeld. passionssp. 67 Grein;

uber die vögel sein zorn ergrimmt.
B. Waldis Esop 1, 80, 9 Kurz;

dem schöpfern selbs für sein getrewe gunst,
für sein endlose lieb, mit aller lieb, trew, kunst
solt du (seele) mein lebenlang lobsingen.
Weckherlin 303;

der könig, dem das lied gefiel,
liesz, ihn zu ehren für sein spiel,
eine goldne kette reichen.
Göthe 1, 178;

seiner umarmung gedenket sie gern. 274;

wo einer fiel, seh' jeder seinen fall. 13, 137;

ein jeder soll nach seiner lust genieszen. 177;

und so ist uns sein ganz gewisses scheiden
geheimniszvoll und voller bittren leiden. 181;

was ist der mensch, warum kann er sein leben
umsonst, und nicht für einen bessern geben? 182;

doch eben ward sein reden unterbrochen. 187;

hoch ist sein schritt, fest ist sein tritt. 47, 61.

in beziehung auf persönlich gedachtes:

der morgen kam: es scheuchten seine tritte
den leisen schlaf, der mich gelind umfing. 1, 3;

auf unpersönliches: Konrad v. Würzburg troj. krieg 1152 (die stelle s. oben unter 4, m);

hier sieht er einen feuerfarbnen drachen,
der seinen durst in wilden flammen stillt.
Göthe 13, 189.


μ) von dem, was durch die in rede stehende person hervorgebracht ist, was von ihr herrührt: gotes gheist ist sprehhendi dhurah mich, endi siin uuort ferit dhurah mîna zungun. Isidor 14, 10 Hench; das were on sin schuld beschehen. Tünger facet. (1486) 54 (155 Keller); erkennet heute ... seine (gottes) zeichen und werck, die er gethan hat unter den Egyptern. 5 Mos. 11, 3;

si widerwürkent sîniu (gottes) werc und felschent sîniu wort.
Walther 33, 27;

seine wort' und werke
merkt' ich.
Göthe 1, 237;

wie ihr's mögt in seinen schriften lesen. 13, 127.

in beziehung auf unpersönliches:

ich träumt' in seinem (des lindenbaums) schatten
so manchen süszen traum.
W. Müller 1 (1837), 129.


ν) aber auch von dem, was auf die in rede stehende person wirkt, sich auf sie erstreckt, so dasz sein das object eines in dem substantiv liegenden verbalbegriffs bezeichnet: ih uuil ioh den gedingon an in haban, daʒ ih mîne mûoter Synagogam, diu mih êrest ze gelôiben brâhta, mit sînero helfo abo noh

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uuidere ze sînemo gelôiben bringe. Williram 48, 39 Seemüller; ih besueron iuuih, iunkfrouuon ze Hierusalem, ob ir mînen uuine uindet, daʒ ir imo kundet, daʒ ih sînero minnon siechon. 85, 3; ich wil den herrn loben alle zeit, sein lob sol jmerdar in meinem munde sein. ps. 34, 2;

nâch sînem willen ich gerne var
durch sîne liebe, swar er wil.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 225, 24;

darumb auch jhr geschöpff, des meers, der lufft und erden,
bewöget durch den flug, das schwimmen und den gang,
die jhr ausz staub gemacht zu staub solt wider werden,
erklinget sein gesang (singt gottes lob).
Weckherlin 305;

ihr grosse wunder-thier, jhr schröcklich böse drachen,
und jhr land-gleiche fisch, verlasset den abgrund,
mit meer verschlingendem, meer-auszgiessendem rachen,
sein lob zu machen kund. ebenda;

der Houdart, den ich mir zum muster nie erlesen,
ist nicht so grosz, auch nicht so klein geweser,
als Fontenell' und Rousseau ihn gemacht.
sein tadel wird noch itzt von vielen nachgeschrieben,
die blosz die kunst des mitbejahens üben,
und lachen, wenn ein andrer lacht.
Hagedorn 1, 104;

diesz
hat alles zwischen uns verändert; hat
mit eins ein seil mir umgeworfen, das
mich seinem dienst' auf ewig fesselt.
Lessing 2, 252;

wir hören dann aus seinem eignen munde,
wie wunderbar die vorsicht ihn geführt:
wir merken auf, damit die sichre kunde
im kleinsten auch die nachwelt nicht verliert;
auch sorgen wir, dasz einer fleiszig schreibe,
und sein gedächtnisz rein und wahrhaft bleibe.
Göthe 13, 183;

ich hab' in seinem dienst mir was erworben.
Schiller Piccolom. 4, 4.

ganz gewöhnlich so bei den verbalsubstantiven auf -ung, soweit sie zu verben gehören, die eines persönlichen objects fähig sind: seine ermordung, verherrlichung, erniedrigung, vergewaltigung.
ξ) ebenso ist das verhältnis, wenn das substantiv ein nomen agentis eines objectiver ergänzung fähigen verbs ist: sein ankläger, der ihn anklagt; sein verräter, der ihn verrät: Eurylas sagte weiter, gleichwohl hätte sich dieser rechtschaffene kerle über ihn beschwert, als were er sein verräther gewesen. Weise erzn. 101 neudruck. ähnlich dann auch sonst, wo das subst. eine person nach einer thätigkeit bezeichnet und gemeint ist, dasz ihr thun die in rede stehende person trifft, angeht: sve kampliken grüten wille enen sinen genot, die mut bidden den richtere, dat he sik underwinden mute enes sines vredebrekers to rechte, den he dar se. Sachsenspiegel 1, 1, 63, 1 Homeyer; unnd wo einer so arm were, sein dieb nicht mocht richten, wenn er den beschreit hat fur sin diep unnd eines gantzen landes ðieb, so sal die gemein den richten lassen. weisth. 3, 593 (Franken, von 1500);

der mit ausgespannten armen
unser wartet,
die sich ach! vergebens öffnen,
seine sehnenden zu fassen.
Göthe 2, 56;

er sprach zu seiner verwunderten also. 40, 305.


ο) allgemein von dem, was als zu der in rede stehenden person oder sache gehörig, ihr zukommend, sie angehend, berührend, mit ihr in beziehung stehend bezeichnet werden soll.
αα) sein name: endi uuirdit siin namo chinemnit uundarliih. Isidor 22, 11 Hench; der herr wird seinen (des götzendieners) namen austilgen unter dem himel. 5 Mos. 29, 20; lobe den herrn meine seele, und was in mir ist, seinen heiligen namen. ps. 103, 2. in beziehung auf unpersönliches: und ðer mensch gab einem jglichen vieh, und vogel unter dem himel, und thier auff dem felde, seinen namen. 1 Mos. 2, 20;

(du sollst) frummkeit und tugend bieder preisen,
das böse mit seinem namen heiszen.
Göthe 13, 127.


ββ) seine kleidung, nicht so häufig in der bedeutung: die kleidung die er besitzt, die sein eigenthum ist, als: die er trägt: Jacob zureis seine kleider. 1 Mos. 37, 34;

wenn der uralte
heilige vater ...
segnende blitze
über die erde sä't,
küss' ich den letzten
saum seines kleides.
Göthe 2, 84;

in seiner werkstatt sonntags früh
steht unser theurer meister hie,
sein schmutzig schurzfell abgelegt,
einen saubern feyerwamms er trägt. 13, 125.

sprichwörtlich: einem ieden narren gefällt seine kappe. Steinbach 2, 575.

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γγ) von örtlichen bestimmingen: siin hôhsetli scal uuesan festista untazs in euun. Isidor 38, 2 Hench; dô der kuning gesaʒ ûffe sînemo stûole. Williram 19, 1 Seemüller; daʒ bette veri Salomonis, daʒ ist Ecclesia; in iro rouuet er, also der man in sînemo bette. 51, 7; Abraham keret wider hin an seinen ort. 1 Mos. 18, 33; diser red lachten alle umbstender und auch der artzet, nam urlob und zoch seins weges wider z hausz. Wickram rollw. 107, 26 Kurz; er mag seine wege (im gemeinen leben seiner wege) gehen. Adelung;

als stünd' in seiner capelle
der würdige pfaffe schon da.
Göthe 1, 104;

so rennet nun alles in vollem galopp
und kührt sich im saale sein plätzchen. 197;

der künstler freuet sich seiner
werkstatt, wenn sie um ihn immer ein pantheon scheint. 274;

denn ein gott hat
jedem seine bahn
vorgezeichnet. 2, 64;

wer nie die kummervollen nächte
auf seinem bette weinend sasz. 122;

ein jeder steht betäubt an seinem ort. 13, 136;

hier, wo sich jeder seines weges treibt. 139.

vgl. auch seinerseits. in beziehung auf unpersönliches, thiere

das maulthier sucht im nebel seinen weg. 1, 177;

sächliches: das messer sy üwer, doch mit dem underschaid, das es nicht dester minder da an siner stat belib hangen! Tünger facet. (1486) 25 (111 Keller); stecke dein schwert an seinen ort. Matth. 26, 52; er warf das papier an seinen ort. Weise erzn. 57 neudruck;

du hast das firmament an seinem ort erhöht.
Haller 4 Hirzel.

freier, etwas an seinen ort stellen, an seinem ort gestellt sein lassen, wie 'dahin gestellt sein lassen': ob es aber mir zur seligkeit und gesundheit gereichet, stelle ich an seinen ort. Schweinichen 1, 64; ich lasse dieses an seinem orte gestellet seyn. Schuppius 96; ob dieses von euch oder den druckern nicht in acht genommen sey, das stelle ich an seinen ort. 796.
δδ) von zeitlichen bestimmungen: seine zeit, seine tage, die zeit, wo er lebt, die er zur verfügung hat: seine tage sind gezählt; seine zeit ist gemessen. adverbial: Hainrich Hämmerly, by sinen zyten gaistlicher rechten gar ain gelarter man. Tünger facet. (1486) 7 (87 Keller); er was in seinen tagen nit vil gewandret. Wickram rollw. 120, 6 Kurz; sein tage hat er nicht so oft nach den sennen gesehn, als neuerdings. Göthe 11, 7; sein tage dann formelhaft auch in allgemeinerer anwendung: wo ist sein tag je erhört worden, dasz der lehrjung das handwerck besser verstehe als der lehrmeister? Simpl. 1, 417, 14 Kurz; wenn ich auf schläge was gegeben hätte, wäre sein tage nichts aus mir geworden. Göthe 8, 242:

ein helt ward sein tag nie so stark (wie er). fastn. sp. 279, 20 Keller;

doch ach mit allen specereyen
werd' ich sein tag kein mädchen mehr erfreun.
Göthe 1, 164.

vgl. auch seine, seiner lebtage oben theil 7, 470. zu seiner zeit geht auch auf die zeit, über die einer die gröszte verfügbarkeit hat, mit der er den engsten zusammenhang hat, zu der er blüht: der alte sagte, zu seiner zeit sei das anders gewesen. in beziehung auf unpersönliches: der ist wie ein bawm gepflantzet an den wasserbechen, der seine frucht bringet zu seiner zeit. ps. 1, 3; ein wort geredt zu seiner zeit, ist wie ein gülden epffel in silbern schalen. sprüche Sal. 25, 11; ein jglichs hat seine zeit, und alles fürnemen unter dem himel hat seine stund. pred. Sal. 3, 1. sprichwörtlich: alles zu seiner zeit. Stieler 2001. adverbial auch seiner zeit: ich habe dir das seiner zeit erzählt; ich werde dich seiner zeit daran erinnern.
εε) von dem, was als gegenstand einer thätigkeit oder eines interesses erscheint: sîn muos uuas heuuiskrekco inti uuildi honag. Tatian 13, 11;

wer nie sein brod mit thränen asz.
Göthe 2, 122;

man steht am fenster, trinkt sein gläschen aus. 12, 51;

er hat endlich gelegenheit bekommen, sein Italien mit leiblichen augen zu sehen. so natürlich auch von personen: der dichter läszt seinen helden viel wunderbares erleben; er kennt seinen Goethe; seinen Homer studiren, ist überhaupt eine redensart, bei der mich alle mal ein heimlicher unwille anwandelt, sie ist das rechte losungswort der galanten, prächtigen, denen im herzen nichts über einen musenalmanach

[Bd. 16, Sp. 358]


geht. seinen Homer? ja, ich glaube fast', was mancher studirt, ist sein Homer: der gesprächige erfahrungsvolle alte, verstellt und verzerrt durch das brechende mittel des stockigen, unerfahrnen krafthasen, der ihn studirt: und so hat freilich jeder den seinigen. Lichtenberg 4, 199.
ζζ) von der thätigkeit selbst, sofern sie als in besonderer beziehung zum ausübenden stehend, seiner art, seinem interesse entsprechend bezeichnet werden soll: er hat nur seinen scherz mit dir treiben wollen. Adelung, aber auch sofern sie in solcher beziehung steht zu dem, auf den sie sich richtet: er wird schon seine schläge bekommen.
ηη) so dann auch sonst zum ausdruck eines solchen verhältnisses: sein recht ist das einem zukommende recht; sein theil der ihm zukommende theil. man sagt nd. von einem trinker, der genug hat: he hett sin deel, von einem der zuviel hat: he hett en bitjen meer as sin deel. Schütze 4, 103. etwas hat seine ordnung, seine richtigkeit, die gebührende. in älterer sprache: er kleidet sich auf sein ungerisch, utitur vestitu patriae suae Ungariae. Frisch 2, 261a. verblaszter, doch so, dasz die zugehörigkeit besonders betont erscheint: da hatt ich neben meinem hausz einen graben, der, wie wenig, seine acht schuh breit war, wo wir buben uns in die wette bemühten hinüber zu springen. Schiller räuber schausp. 1, 2; ein baum, der .. seine dreyhundert jahre dauert, ist wohl der verehrung werth. Göthe 27, 76; das ist seine drei thaler wert; das kostet seine hundert thaler. ähnlich: er war ein so guter stiller mensch, der mich ernähren half, seine schöne hand schrieb. Göthe 16, 137. auch in beziehung auf sächliches zugehörigkeit hervorhebend: ein prang-bett mit seinen schönen vorhängen. Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 760b; ein güldner becher mit seinem deckel. Frisch 2, 261a.
6) im eigentlich prädicativen gebrauch, wo nicht ein vorhergegangenes subst. zu ergänzen ist (wie: das ist nicht mein hut, das ist seiner) und sein in der regel unflectiert erscheint (in älterer sprache und mundartlich auch in schwacher flexion, als seine), herrscht streng possessive bedeutung vor: das haus ist nicht sein, aedes, quas possidet, non sunt ejus. Stieler 2001; auf geistige aneignung deutend:

er hätt' ein auge treu und klug,
und wär auch liebevoll genug,
zu schauen manches klar und rein,
und wieder alles zu machen sein.
Göthe 13, 125.

so auch meist in bezug auf personen den begriff des eigenthums scharf betonend, in geistigem sinne:

wer auch nur eine seele
sein nennt auf dem erdenrund.
Schiller 4, 1;

auf etwas persönlich gedachtes gehend:

jeder heiszt dich (die wahrheit) sein.
Göthe 1, 5.

geschlechtliche hingabe bezeichnend: Julia .. da lächelte er und antwortete: sei nur erst mein, und du wirst klar sehen! ich ward sein! ich ward es erst nach den heiligsten schwüren, von denen gott selbst wohl nicht geglaubt hat, dasz sie gebrochen werden könnten, aber ich ward's! Hebbel 2 (1891), 197. sein sein mit zurückbeziehung auf das subject, die volle verfügbarkeit über sich haben, herr über sich sein, in bezug auf selbständigkeit in der lebensstellung, unabhängigkeit, sprichwörtlich: wer sein kan seyn, der diene keinem. Sutor (1716) bei Wander 4, 524;

ehe denn er diente einem herren;
wolt er ein schelm und böszwicht sein.
wer sein könt sein, der diente keim.
Rollenhagen froschm. (1595) X 6b;

aber auch in rein geistigem sinne, herr über sich sein: doch auch im gröszten schmerz noch sein. Gellert bei Adelung; in flectierter form:

ein geist musz in der lust der sichern freyheit leeben,
der etwas freyes thun, und an den tag soll geeben.
musz still' und seine seyn.
Fleming 96.

ähnlich in der regel von einer eigenschaft, bethätigung, obliegenheit u. dgl., so dasz die person nicht blosz als subject derselben bezeichnet, sondern hervorgehoben werden soll, dasz gerade ihr und nicht einer andern das ausgesagte eigen ist: ich halte mich an den gewissenhaften mann, von dem sie (die angeredete) abhängen. sein ist die verantwortung. Gotter 3 (1802), 103. ebenso mit besonderem nachdruck in wendungen wie: er hat einen kopf, der sein ist, ist eigensinnig. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760b.
über die verbindung sein gehören s. oben theil 4, 1, 2, 2508 ff., wo belege gegeben sind: recht im gegentheil geht Egmont einen freien schritt, als wenn die welt sein gehörte. Göthe

[Bd. 16, Sp. 359]


Egmont 1, 2 handschrift (im druck ihm gehörte). vgl. Weim. ausgabe 9, 348.
7) in rein substantivischer anwendung geht der plur. ahd. thie sîne, mhd. die sîne, seltener unflectiert die sîn oder mit schwacher flexion die sînen auf personen und bezeichnet meist solche, die sich in abhängigkeitsverhältnis zu der in rede stehenden person befinden:

mir (Porus) ne geswîchen di mîne
ih tribin (Alexander) und di sîne
wider heim ze lande.
Lamprecht Alexander 4211 Straszb. handschr.;

dô reit darzuo mit schalle
Artûs mit den sînen.
Wolfram Parz. 764, 25;

Anfortas und die sîn
noch vor jâmer dolten pîn. 787, 1;

dô sich der starke Titurelmohte gerüeren,
er getorste wol sich selbenunt die sîne in sturme gefüeren. Titurel 1, 2;

die man hieʒ die sîne (leute des königs),
die prüef ich alsus mit der zal. Willeh. 10, 10;

ein vürste niemer kan genesen
wellent im die sîne vient gewesen.
Freidank 72, 10;

daʒ (was der könig that) was al der sînen spot.
Rud. v. Ems Bartaam 44, 18.

wir gebrauchen die seinen nicht oft in dieser art. der ausdruck schlieszt für uns eine innigere beziehung in sich, die wir in solcher anwendung nicht erkennen. wol ist es noch allgemein üblich in bezug auf das verhältnis der menschen zu gott, Christus, das ja auch als abhängigkeitsverhältnis gefaszt werden kann. so auch schon mhd.: unde dô er (Christus) als reineclîche geborn wart von mîner frouwen sant Marîen, daʒ wart er dar umbe, daʒ er erlœsen wolte die sînen, die sô lange gebiten und in so lange an geruofet heten und ouch die dâ sît geborn solten werden, daʒ sîn wir kristenliute. Berthold v. Regensburg 1, 291, 24;

er (gott) heiʒʒet dir (Pharao) sagendaʒ negeturren wir verdagen:
du habest dir die dîneunde læʒʒest im die sîne. exodus 132, 5 Diemer;

den sîn half er (gott den juden gegen Pharao) ûʒer nôt. Rolandslied 204, 17;

Jesus will die seinen decken,
wenn kanonen schrecken. wunderhorn 1, 173 Boxberger (um 1700).

sprichwörtlich: gott verlesset die seinen nicht. Agricola sprichw. (1534) 99; ähnlich:

dann gott läpt noch, das sag ich dir,
er hat die synen nie verlan.
Birck Susanna 269 Geszler.

gott gibt's den seinen im schlafe, nach ps. 127, 2: denn seinen freunden gibt er's schlafend. Büchmann gefl. w. (1880) 20. von den jüngern Christi:

er (Christus) after thiu gidougno,nales ofono thô,
fuar thara mit then sinenzen stetin filu wîhen.
Otfrid 3, 15, 36.

von denen, die dem teufel ergeben sind:

er (der teufel) thâr niheina stigillani firliaʒ ouh unfirslagana,
then ingang ouh ni rîne,ni sî ekordi thie sîne,
thier in themo êristen manmit sînen luginon giwan. 2, 4, 10.

seltener geht der ausdruck mhd. auf zugehörigkeit, verbundensein in allgemeinem sinne:

wider zuo den sînenkom Îrinc wol gesunt. Nib. 1991, 1;

wande er die sînen sach
fürhteclîche entwîchen.
Hartmann Erec 2643.

nhd. geht es in der regel auf zugehörigkeit, und zwar meist auf familienzugehörigkeit, im älteren nhd. gelegentlich noch unflectiert:

nun ist beschlossen von der gemein,
dasz der könig und all die sein
nimmermehr gehn Rom sollen kommen.
Ayrer 347, 1 Keller;

er wollte den seinen die schlimme nachricht vorenthalten (dabei kann er irgend ein männliches familienglied bezeichnen). sprichwörtlich: einem jeden sind die seinen lieb. Petri 2 (1605) T 4a. in gleichem sinne wie die sîne begegnet ahd. mhd. auch einfaches sîne:

in sînes (könig Ludwigs) selbes brustiist herza filu festi;
managfalto guati:bi thiu ist sinen er gimuati.
Otfrid Ludw. 16;

gibot thô druhtin sînen (Christus seinen jüngern)thaʒ wola sie thes giîlen,
thie liuti thes firwâsin,thie brosmun thâr gilâsin. 3, 6, 45;

(Alexander) sprah zô sînen ubir al.
Lamprecht Alex. 2780 Straszb. handschr.

und so gilt nhd. seine im volksmunde noch für seine leute, angehörigen. der sîne ist mhd. bezeugt in der bedeutung 'ebenbürtiger kämpfer':

[Bd. 16, Sp. 360]


dô sluoc der hêrre Sîfrit (im kampfe mit Liudgast)daʒ al daʒ velt erdôʒ.
dô stoup ûʒ dem helme,sam von brenden grôʒ,
die viwerrôte vankenvon des heldes hant.
ir ietweder den sînenan dem andern vant. Nib. 185, 4;

ieglîcher den sinen nam,
als es vil wol rittern zam.
Heinrich v. d. Türlin krone 27000.

auszerdem erscheint es in unpersönlicher anwendung verhüllend für penis:

sî hete den sînen in der hant. gesammtabent. 2, 80, 212 Hagen.

nhd. gilt der seine lediglich in persönlichem gebrauch und bezeichnet ein enges ergebenheitsverhältnis: will er das durchsetzen, so bin ich der seine, so darf er dabei über mich verfügen, auf meine hülfe rechnen. die seine kann ebenso gebraucht werden, geht aber besonders auf hingabe oder verbundensein in liebe:

nun begrüsz' ich sie sogleich,
sie die einzig eine.
jeder denke ritterlich
sich dabei die seine.
Göthe 1, 135;

sie ward die seine, gab sich ihm in liebe hin, heiratete ihn. einfaches seiner, seine bezeichnet im volksmund auch den herrn, die herrin, seine daneben die geliebte, die gattin.
8) das rein substantivische das seine, mhd. regelmäszig mit starker flexion daʒ sîn (daʒ sîne, vom eignen haus in einer quelle des 14. jahrh. bei Lexer mhd. handwb. 3, nachtr. 365), gelegentlich im obliquen casus unflectiert, so auch noch frühnhd., kann heute wie früher das eigenthum in concretem sinne bezeichnen, das seyn, sein eigen gt, suum Maaler 369c: heft em (dem herrn) ok sin man des sinen wat to borge dan. Sachsenspiegel (richtsteig lehnrechts) 2, 1, s. 412 Homeyer; szo einer das sin vorloren unnd dem diebe uff frischen fusse nach volgt, das sin widder erbringet, so fern ess das sin were, der solt sich billich widder halden zu dem sin. weisth. 3, 593 (Franken, von 1500); das sein haben und behalten, suum tenere. Maaler 369c; ausz dem seinen gäben, von seinem gelt auszgäben, seinem seckel die riemen ziehen, de domo numerare. ebenda; eim anderen das sein verthn, conficere argentum alicuius. ebenda; einen umb das sein bringen, dasselbe. ebenda;

daʒ er im land und burge gebe
und al daʒ er des sînes wolte. Rolandsl. 278, 15;

der bôt im des sînes
ze gebenne swaʒ er wolde,
daʒ er vride haben solde.
Wolfram Parz. 658, 12;

in und umb und uff dem sin
sig hertzog Lüpolt erschlagen,
das tund die herren ennert Rhin
von den eidgnossen sagen. histor. volkslieder herausg. von
Liliencron 1, nr. 34, 54;

wer Cresus arm, und wis gesyn,
er hett behalten wol das syn.
Brant narrensch. 83. 93 Zarncke;

Avar stirbt, und vermacht dem hospital das seine,
damit sein erbe nicht verstellte thränen weine.
Lessing 1, 27.

sprichwörtlich: ein yeder wartte des seinen, und lauffe nicht ferne. Agricola sprichw. (1534) 141; wer das sein nit kündig helt zurath, der wirt nit reich, sein wirt nit rath. Franck sprichw. 2 (1541), 52a; das sein ist nit sein, er sparts einem andern. 112b. das seine in freierer syntactischer fügung wie 'eigenthum': erwerbung durch die that eines anderen, zu der ich diesen nach rechtsgesetzen bestimme, ist also jederzeit von dem seinen des anderen abgeleitet. Kant 5, 76; der act der vereinigten willkühr zweier personen, wodurch überhaupt das seine des einen auf den anderen übergeht, ist der vertrag. 77. ähnlich: das seine ist allezeit das feine, suum cuique pulchrum. Stieler 2001. daneben zeigt das seine die bedeutung des einem zukommenden, gebührenden:

ir sult vil rehte nemen war,
daʒ ir dem keiser gebt daʒ sîn.
Ottocar 471 Seemüller;

ebenso in der verbindung jedem das seine, übertragung von suum cuique. vgl. Büchmann gefl. w. (1880) 280. so auch in bezug auf handlungen, das seine thun, wozu man verpflichtet ist, was von einem erwartet werden kann, sprichwörtlich: jeder soll das seine thun, so wird es wol im hause stan. Lehmann bei Wander 4, 525, 17 (eigentlich wol verse mit dem reime thōn [dōn]: stōn), in beziehung auf unpersönliches, schwäbisch: der wein thut das sein (wol auch als verse gedacht), macht beredt, offenherzig, mutig. Schmidt 622. noch anders, wie 'sein vortheil, ruhm':

ther fon imo (sich) saget waʒ:ther suachit io thaʒ sinaʒ,
wilit thes gigâhenthaʒ sînaʒ io gihôhen.
Otfrid 3, 16, 19.

[Bd. 16, Sp. 361]


selten begegnet in rein substantivischem gebrauch stark flectiertes sein ohne artikel: wer mit seinem, obs gleich geringe ist, vor lieb nimmt. Witzenbürger 3, 185;

er (der teufel) wolta in alawârithaʒ er (Christus) ouh sîn wâri;
thô ni ward imo ther sand,ouh wiht thar sînes ni fand.
Otfrid 2, 4, 16.


9) auch in neuerer sprache begegnet eine neutrale substantivische verbindung, die sein ohne flexion zeigt, aber in besonderem sinne. es bezeichnet das, was den namen 'sein' hat, das ganze einer zugehörigkeit:

o denk! o denke
wem du gehörest!
wie es uns kränke,
wie du zerstörest
das schön errungene
mein, dein und sein.
Göthe 41, 235.


10) besondere verbindungen.
a) einem von einem folgenden subst. abhängigen gen. der eigenheit wird sein ebenso wie ihr (vgl. dies oben theil 4, 2, 2053) heute nur in volksmäsziger sprache, früher aber auch in der schriftsprache pleonastisch oder nachdrücklich beigefügt: des löners sin tag. 4. bibelübers. Hiob 14, 6 bei Kehrein gr. des 15.—17. jh. 3, § 110; die kinder bedeuten eines jeden menschen seinen nechsten. Arnd christenth. (1610) 298; in eines artztes sein stambuch. Fleming 273; mit Solanders seiner keuschheit. polit. stockfisch 118; des Esau sein hasz ist ein grosse sünd gewest: des Cain sein neyd ist ein grosse sünd gewest: des Aman sein hoffart ist ein grosse sünd gewest: des Achan sein diebstal ist ein grosse sünd gewest; aber noch eine grössere sünd ist die undanckbarkeit deren kinder gegen jhre eltern. Abr. a S. Clara Judas 1, 101; (sie) fuhren auf des ambtmanns sein gut. Ettner unw. doctor 132; wenig tage nach des herrn grafen seiner abreise, fing sie auf unser bitten an, starb mein gemahl an dem zurückgetretenen podagra. Gellert 4 (1775), 406; wer des Regnard seine unvermuthete wiederkunft gelesen hat, der hat von diesem stücke (Mostellaria) eine glückliche nachahmung gelesen. Lessing 3, 26; (ihr) bringt ja des teufels sein gepäck! Göthe 8, 149;

hie (Christus) werte uns des keisers sinen zins zu geben. Alsf. passionssp. 3685 Grein;

yr di gots seine gut' erkent,
lobsingt ym.
Melissus ps. L 8b;

ist disz ein grimmes wesen
desz Priamus sein kindt zum opffer zu erlesen
dem sohne Peleus?
Opitz 1, 218, 302;

es ist noch edler blut, Polyxena, als du.
so das verhengnisz sucht: es wil auch von uns haben
den enckel Priamus, des Hectors seinen knaben,
den man von höchsten thurn' herunter stürtzen soll. 222, 402;

des Grotij gemüthe,
des Heinsius sein geist bewohnen dein geblüthe.
P. Fleming 47;

der äuglein milder plitz,
gott Amors sein geschütz,
und die korallen-lippen
sind meine feste klippen,
und starcker ritter-sitz. 504;

o dasz nicht an dich (eine fichte) setze
noch Mulcibers sein grimm ..!
Logau 1, 193;

Pygmalions sein bild und beispiel lehrt:
dasz lieb' auch helffenbein beseelt macht und verliebt.
Lohenstein Sophon. 1, 523;

kam Curions sein kopf, ob schon sein vater war
des ersten keysers hertz, nicht auf sein rach-altar? Cleopatra 1, 301;

Proc. wenn hat Augustus nicht das bündnüsz steif erfüllt?
Anton. als er des Lepidus sein theil für sich behielt. 790;

zu Rom lag noch kein stein, es glam noch kein altar,
als ich (Athen) schon Griechenlands sein augen-apffel war. Armin. 2, 442b;

ich (ein reitknecht) habe leider nichts gethan,
als meines herrn sein vieh getreu in acht genommen.
Gellert 1 (1775), 260;

kellermeister.
(den becher) der auf des Friedrichs seine königskrönung
vom meiser Wîlhelm ist verfertigt worden.
Schiller Piccolom. 4, 5;

bedienter.
ich mach' mir an des Illo seinem stuhl
deszwegen auch zu thun, so viel ich kann. ebenda.

ebenso bei pronominalem genitiv: sitte by dem stene des syn name is Esel. bücher der könige 43 Merzdorf; de drudðe kif der heiden de was darynne wart gheslaghen Goliath des sin sper was ghestalt also ene schotspole der wevere. 112; di schritte aines tgentsamen mannes seint bestettet vom herren: nt er hat lst an des seinem wege. Melissus ps. Q 4b; dessen

[Bd. 16, Sp. 362]


(des alten) sein weisses haar solte nebenst der Argenis weissen antlitze den schnee selber beschämet haben, wann jhn der himmel mit grossen flocken herab wirfft. Opitz Arg. 2, 228; worin nämlich jeder seine glückseligkeit zu setzen habe, kommt auf jedes sein besonderes gefühl der lust und unlust an. Kant 4, 124;

doch wird gott yn (den gerechten) gelifert nit begêben
in des (des gottlosen) — sein' hand.
Melissus ps. P 7b.

selten folgt sein nicht unmittelbar auf den genitiv: sälig ist das volck des der herr ist sein got. 4. bibelübersetzung ps. 33, 12 bei Kehrein gramm. des 15.—17. jh. 3, § 110; sanctus Joannes spricht. er ist der do noch mir zkünfftig ist, und vor mir gemacht ist, des ich nit wirdig bin syn schchriemen uff zthn. Keisersberg bilgersch. 50a; (ich) ritte vor desz herrn, der mir das geld auszahlen solte, sein haus. Ettner unw. doct. 402;

dem hern ich dæs wiel mein' lebtagen
um sein' gerechtikait dank sagen,
nt des aller-höchsten hirob
seim hailgen namen singen lob.
Melissus ps. C 3a.

statt des genitivs erscheint auch der dativ. in fällen gleich den folgenden kann daher der casus zweifelhaft sein: der herr hatte Samuel seinen ohren offenbart einen tag zuvor, ehe denn Saul kam, und gesaget ... 1 Sam. 9, 15;

nu sihe ich rôt von bluoteHagnen sîn gewant. Nib. 1992, 3;

o we! der (winter) zervuert uns ie
meien sîniu wunneklîchen kleider. minnes. 1, 160b Hagen;

auch hab' ich üm Parnassen
und sein gelehrtes volk mich offte finden lassen.
hab' allen fleîsz gethan üm Phöbus seine gunst.
Fleming 96;

drum ist dir (einer fichte) euch verehret
zum zeichen deiner trew das jmmer grüne kleid
das seinen schmuck behält, das nimmer nie bestreit
noch Boreas sein eisz, noch Sirius sein brennen.
Logau 1, 191.

den anlasz zum freieren gebrauch des dativs in solcher art bieten fälle, wo er zwar vor sein steht, aber eigentlich von einem verb abhängt, wo sich dann secundär ein näheres verhältnis zwischen dem dativ und sein entwickeln kann: der Herculi sîniu rinder ferstal. Notker Boeth. 211a; Amon der het dem Absolon sein schwester geschwecht. Keisersberg granatapf. f 5a; von stund an, ward dem Alexander sein hertz getroffen. gg 5c; einer schendet dem andern sein weib. Hesek. 33, 26; nit lang darnach fiel aber ein pestelentz in und starb d. Hervagio sin corrector Jacobus Rberus. Platter 83 Boos; und starb dero zit dem abt sin bruder. Tschudi 1, 191b;

dû uuart demo Balderes volonsîn vuoʒ birenkit. 2. Merseburger zauberspruch 2 (
Müllenhoff-Scherer denkm.3 1, 16);

wanana ist iʒ, frô mîn,thaʒ ih es wirdig bin,
thaʒ ih druhtinesinan sun souge?
Otfrid 1, 5, 36;

darunder was ein schlangen (geschütz) lang,
draus traf einer dem held sein pferd
durch den hals. Teuerdank 80, 43 Gödeke;

man wird richten ein armen sclaven
der hat eim ritter sein tochter bschlaffen.
H. Sachs 2 (1570), 3, 94c.

daran schlieszt sich dann eine freiere rein attributive verwendung des dativs in verbindung mit sein: denn gegen dem seine weisheit ist die seinige kinderpossen. Lessing 3, 41;

gott grüsz mir dem wirt sein freulein!
das löset meine pfant. volksl.2 448 (nr. 212), 9 Uhland;

da ist dem kerl sein platz zu beten.
es thut mir in den augen weh,
wenn ich dem narren seinen herrgott seh.
Göthe 13, 82;

so ging es auch, wie's jeder schaut,
dem könig von Garba seiner braut. 56, 63.

mundartlich ist besonders diese dativische fügung heute verbreitet, wobei allerdings oft der dativ wegen seiner formellen angleichung an den accussativ nicht mehr genau als solcher zu erkennen ist: 'n vater sei~ haus. Lexer kärnt. wb. 230; min vaoder sîn hôt. Danneil 192a; düssen sîn bôk. ebenda; denn sîn glas. ebenda; wek sîn stäwel iss dat? ebenda (brem. wen sin). bei personen ist dies überhaupt die gewöhnliche art mundartlicher gen.-bildung (bei fem. natürlich ihr), bei sachen tritt statt dessen meist von ein: de brêd von den gaorn iss dürttig (30) schritt. ebenda. im anschlusz an solchen gebrauch sagt man nd. auch dem et siin is, dem es zugehört. Dähnert 423b: genögt dem gerichte dar nicht an, so mag sich jenne, dem de diek sien ist, vorwillkören up dem dieke to bliewen so lange, dat he em gemaket heft, so schall he sünder bräcke bliefen. weisth. 4, 705, 21 (land Hadeln, von 1439). man sagt sogar: dat 's min

[Bd. 16, Sp. 363]


sin, gehört mir, als scherzhafte antwort auf die frage wen sin is dit, dat? Schütze 4, 103, aber anscheinend auch allgemeiner. Danneil 192a.
b) bisweilen steht sein wie ihr (vgl. dies theil 4, 2, 2053) hinter einem zugehörigen genitiv ohne ein folgendes subst. in starker flexion (nom. m. -er, n. -s), wenn nämlich ein vorhergehendes subst. zu ergänzen ist. auch diese verbindung gehörte früher der schriftsprache an und ist heute auf volksmäszige sprache beschränkt. schriftgemäsz ist heute hier das demonstrativ, das dann vor den gen. tritt: mit anbrechenden tage machte ich ein grab neben des don Cyrillo seinem. Felsenburg 1, 206; da, nimm meinen ring, verwahre ihn, und gieb mir des majors seinen dafür. Lessing 1, 573; eine so poetische einbildungskraft, als des Thomsons seine war, konnte also keine andre, als die grausesten und schrecklichsten bilder (für die schilderung des winters) darbieten. 4, 161; er verglich ihre eigene erzählung mit des Hippias seiner. Wieland 2, 215; er (Alcibiades) sprach über diesen gegenstand wie ein zweyter Socrates, und affektierte ... eine strenge, welche in dem munde dieses weisen mannes vielleicht ehrwürdig gewesen wäre, aber in des Alcibiades seinem lächerlich war. 3, 347; er (der alte) reichte ihm die hand, drückte des Emirs seine mit einer kraft, welche diesen in erstaunen setzte. 6, 89; er erzählt, als er den sechsten april 1735 unweit der factorey zu Joar spazieren gegangen, hätte er von einem thiere, dessen rumpf vermuthlich von einem löwen aufgezehrt worden, einen fuss gefunden, der dem fuss eines bavians ziemlich gleich gesehen, und mit haaren eines zolles lang bedeckt, hingegen so dick als eines mannes seiner gewesen sey. 14, 195; ihre weiber sind angenehm, zärtlich und lebhaft (sagt der p. Labat, dessen von La Rüe gezogene nachrichten in vielen stücken mit Moore's seinen ziemlich zusammen stimmen). 319; eure (Wielands) Alceste mag gut seyn ... ich bin darüber weggegangen, wie man von einer verstimmten cither wegweicht. des Euripides seine hab' ich doch ganz ausgehört, mich manchmal drüber gefreut und auch drüber gelächelt. Göthe 33, 275; bei den Römern durfte man nicht einmal seine statue höher als des kaisers seine stellen. J. Paul aus des teuf. pap. 2, 47; entzückt sah Julienne es an, wenn sie etwa ... plötzlich und mit unbefangener freude mit ihrer feingeformten hand zu des jünglings seiner zurückkehrte, dem ihr händedruck nichts kleineres war als eine zärtliche umarmung. Tit. 4, 158; neue regierungen fahren mit den pferden von Aurora's wagen, welche flügel hatten; den rossen an Phöbus seinem, die den längern weg zu ziehen haben, mangeln sie. dämmerungen 22; da die schönheiten dieses urdichters (Göthes) so wie Raphaels seine, so schwer das rechte gelehrte auge finden: so ist es ein glück für die literatur, dasz man sie unaufhörlich kopiert, um sie einigermaszen zu entschleiern. vorsch. der ästh. 3, 113. ebenso nach dem genitiv eines pronomens: da der römische stuhl keine hölzernen beine weiter hat, als dessen seine, der sich auf ihn setzt. biogr. belust. 1, 153; so z. b. ist einmal aus dem ei eines fisches ein ophidier, ein ander mal aus dieses seinem ein saurier, zugleich aber aus dieses seinem ein chelonier hervorgegangen. Schopenhauer parerga u. paral. 2, 122. auch hier kann natürlich wie bei folgendem subst. der dat. statt des gen. stehen. in der folgenden stelle liegt vielleicht ein dativ vor, der in näherer beziehung zum verb steht: Morholdt der kam jhm (Tristan) entgegen gefahren, der hefft sein schiff an, und stiesz herr Tristanten seines ferr hindan. buch der liebe 80c. in volksthümlicher sprache heiszt es dann auch: mein hut ist schöner als dem seiner u. ähnl.
c) der unter a erwähnten verbindung nahe kommt es, wenn zu sein mit folgendem zugehörigen subst. nachdrücklich ein nachgestellter gen. hinzugefügt wird, der die durch sein angezogene person noch einmal deutlicher bezeichnet, ein seltener gebrauch: sîn êrstiʒ werch Adâmes was ein hbhaft sunde. spec. eccl. 9 Kelle; sîn sêle des sæligen wîssagen erkande vil wol, daʒ diu gotes wunder nieman mak ergrunden. 28;

sîn schar, des künec Aropatîn,
mit koste geflôret muoste sîn
mit maneger sunderzierde.
Wolfram Willeh. 382, 17;

(Adam) blickte zur erde nieder, aus welcher ihn gott einst aufschuf;
aber in der sein gebein, des gerichteten, in der verfluchten,
auch verwest war.
Klopstock 4, 236 (Mess. 10, 792);

ruhet nicht hier sein gebein auch,
Sauls? 5, 71 (Mess. 11, 1054).

[Bd. 16, Sp. 364]


bisweilen erscheint hier sein geradezu vordeutend, ebenso im folgenden falle, wo es für des steht:

daʒ machten sîne ræte,
der ouch vroun Êven verriet,
daʒ sî von gotes gebote schiet.
Hartmann Greg. 1788.


d) zum zwecke nachdrücklicher hervorhebung wird vereinzelt auch die person, auf die sein geht, auszerhalb der syntactischen fügung im nom. vorangestellt:

der künec von Kukûmerlant,
al rôt von golde ûf sîner hant
stuont ein kopf vil wol ergrabn.
Wolfram Parz. 145, 29;

von Steinahe Blîkêr
diu sîniu wort sint lussam.
Gottfried Trist. 119, 13 Maszmann.


e) die durch sein ausgedrückte beziehung wird wol durch nebensätze noch hervorgehoben. vgl. gramm. 4, 350, wo zahlreiche belege aus mhd. zeit gegeben sind, unter andern die folgenden:

daʒ mugent ir kiesen, ob ir welt,
bî sînem ampte des er pflac.
Hartmann Iwein 2571;

eʒ ist mir sô umb in gewant,
daʒ er mir müese gestân
ze mîme kumber den ich hân. 4732;

sîn hôher muot der ist gelegen
und sîn gewalt den er begie.
Wirnt v. Gravenberg Wigal. 219, 33.


f) die mhd. sprache verwendet das subst. lîp mit einem possessiv statt eines einfachen personal- oder demonstrativpronomens:

got haʒʒe iemer sînen lîp
der âne danc deheinen man,
der selbe wol gesprechen kan,
ze schœnem wîbe ziehe,
der sî sô sêre vliehe.
Hartmann Iwein 2262;

nû durch wen möhte ein vrumer man
gerner wirden sînen lîp
danne durch sîn biderbeʒ wip? 2861;

diu verlust des guotes,
der jâmer nâch dem wîbe,
die benâmen sîme lîbe
beide vreude unde den sin. 3215.

dieser brauch ist heute erloschen, es können aber noch hand, fusz, mund u. dergleichen heute wie in älterer sprache ähnlich gebraucht werden:

dô greif si zuo der sîten,dâ si den porten vant,
und wold in hân gebunden:dô werteʒ sô sîn hant,
daʒ ir diu lit erkrachten,dar zuo al der lip. Nib. 625, 2;

sô wil ich mich legen
für iuwer füeʒenider an daʒ gras. 915, 3;

sin munt der botschefte ein wer
wurde, swenner kæme zir.
Wolfram Parz. 58, 18;

kühner:

bî der küneginne rîche
saʒ sîn munt gar âne wort,
nâhe aldâ, niht verre dort. 188, 21.


g) sein vor titeln: seine majestät. Gottsched sprachk. 280, gewöhnlich geschrieben se. majestät. Adelung, pluralisch: seine gnaden. Gottsched a. a. o.: als .. her Otto, bischoff, do ze mal erwelter ze Costentz, min genediger herre, in alle schlosz rait, die lüt sinen genaden underwürfflich in aid ze nemen. Tünger facet. (1486) 29 (115. Keller), aber auch singularisch: ich darf mich nicht vor seiner gnaden so sehen lassen. Schiller kab. u. l. 1, 3, pluralisch nach Gottsched seine wohlgebohrnen, hochgebohrnen, hochwohlgebohrnen (sc. gnaden), heute seine (geschrieben se.), flectiert seiner (sr.) wolgeboren u. s. f., auch nach demselben seine durchlauchten (sc. gnaden), sonst auch se. durchlaucht. Adelung, und früher. vgl. DWB durchlaucht oben theil 2, 1638.
h) dem veralteten gebrauch von er in der anrede entsprechend, der auf der wiederaufnahme eines titels, einer ehrenden bezeichnung mittelst des pronomens beruht (vgl. DWB er 10 oben th. 3, 698 ff.), wird auch sein in älterer sprache in bezug auf die zweite person gebraucht: seine frau, uxor tua. Stieler 2001; sein son ist da, filius tuus adest. ebenda; nach seinem gefallen, pro lubitu tuo, ebenda; ich ehre sein (tuam) hausz. Frisch 2, 261a; (präsident zu Wurm:) dasz er sich seinen nebenbuler gern vom hals geschafft hätte, glaub ich ihm herzlich gern. Schiller kab. u. liebe 1, 5. als grusz sein diener mein herr. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 760b, sein diener! salve! dominum meum salvere jubeo. Frisch 2, 260b: Just (kehrt sich um und will gehen). sein diener! der wirt (hält ihn). nicht doch, herr Just! Just. nun gut; nicht sein diener! Lessing 1, 510; ironisch:

'ihr denket, ich sey der herr abt von St. Gallen' —
'ganz recht! und das kann von der wahrheit nicht fallen'. —
'sein diener, herr kaiser! euch trüget eur sinn:
denn wiszt, dasz ich Bendix, sein schäfer, nur bin!'
Bürger 67b.

[Bd. 16, Sp. 365]



i) sein in der alten, die bedeutung verstärkenden verbindung mit selb ist, soweit es hier formen aufweist, die für den gen. des personalpronomens vorkommen, unter 5 des vorigen nach gr. 4, 355 als gen. aufgefaszt worden. es begegnen aber auch fälle, wo sein in verbindung mit selb sich durch die flexion klar als possessiv erweist, was schon für das got. belegt werden kann. gewöhnlich steht selb dabei im gen., got. silbins, ahd. mhd. selbes, nhd. selbs und dann mit verstärkung des auslauts selbst, wobei die auffassung als gen. verschwindet: sein silbins leik frijoþ, saei seina quen frijoþ. Ephes. 5, 28 (der genitiv lautet gotisch seina); umbi dhen druhtin nerrendo Christ sîneru selbes stimnu urchundida. Isidor 19, 2 Hench; so seine (des Hebräers, der sich einem fremdling verkauft hat) selbs hand so viel erwirbt, so sol er sich lösen. 3 Mos. 25, 49; seine selbst schuld. Lennep landsiedelr. 2, 6 a (von 1571). es kann aber auch, wenigstens ahd., dabei selb formelle congruenz mit dem subst. zeigen:

sîd thô thesen thingonfuar Krist zen heimingon,
in selbaʒ gewi sînaʒ.
Otfrid 2, 14, 2.

bisweilen tritt zu selb in solchen verbindungen zu weiterer verstärkung noch eigen hinzu:

er zah (zog) mit seim selbs aigen her.
Beheim bei
Kehrein gramm. des 15.—17. jh. 3, § 116.

nhd. entwickelt sich ein adj. selbsteigen und dies kann natürlich noch wie jedes andere mit sein verbunden werden. es erscheint als verstärktes eigen, das in der verwendung mit sein sonst selb ganz verdrängt hat. sein eigen begegnet übrigens auch schon in alter zeit: daʒ er dâ eʒʒe sînes êigenen obeʒes. Williram 73, 2; es lasse die erde auffgehen gras und kraut, das sich besame, und fruchtbare bewme, da ein jglicher nach seiner art frucht trage, und habe seinen eigen samen bey jm selbs. 1 Mos. 1, 11; er ging zu jm hin ab mit eim stecken, und nam jm den spies aus der hand, und erwürget jn mit seim eigen spies. 1 chron. 12, 23; Paulus aber bleib zwey jar in seinem eigen gedinge. apostelgesch. 28, 30; doch dieweil sein eigen neffe hiran keinen gefallen tragen könte, ward er von demselben gefangen, und listiglich umbgebracht. Micrälius altes Pommern 1, 180; es ist seine eigene hand. Stieler 2001; sein eigener herr sein wollen. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 760b;

sîner eigen kinde
was er sô vlîʒec niht sô sîn.
Gottfried Trist. 56, 27 Maszmann;

nu wart im daʒ reine wîp
liep alsame sîn eigen lîp.
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 30, 36;

wir hören dann aus seinem eignen munde,
wie wunderbar die vorsicht ihn geführt.
Göthe 13, 183;

was es (das herz) gewollt, was es verlor,
es bleibt zuletzt sein eigner thor. 47, 89;

(ich) bin des Friedlands knecht, so bald es ihm
gefallen wird, sein eigner herr zu seyn.
Schiller Piccolom. 4, 4.

sein eigen erscheint auch wie sein selbst prädicativisch, auf concretes eigenthum gehend:

wer mir den becher kann wieder zeigen,
er mag ihn behalten, er ist sein eigen.
Schiller 11, 220;

freier:

doch wenn ein mann von allen lebensproben
die sauerste besteht, sich selbst bezwingt;
dann kann man ihn mit freuden andern zeigen,
und sagen: das ist er, das ist sein eigen (was er ist, ist sein werk, gehört ihm wirklich).
Göthe 13, 184.


 
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sein, adj., mundartlich, sain, träge, saumselig Höfer 3, 58, langsam, spät, träge, traurig, kränklich. Schm.2 2, 286, soan, langsam. cimbr. wb. 234a, mhd. seine, sein, seim, langsam, träge, klein, gering, kurz, adverbial auch: kaum. Lexer mhd. handwb. 2, 858. 859, ahd. seine (unde sûmich). Graff 6, 239; ags. sne Bosworth - Toller 811; altnord. neuisländ. seinn Cleasby-Vigfusson 520b, schwed. sen, dän. seen; got. zu erschlieszen aus sainjan, säumen, sich verspäten. 1 Tim. 3, 15; vom schwed.-lapp. übernommen als saines. Thomsen einfl. der germ. spr. auf d. finn.-lapp. 168. verglichen wird lat. segnis gramm. 13, 184, auch serus, sanskr. sâyas, ende, abend und innerhalb des germ. got. seiþus, spät und seit. Schade2 2, 751. als zusammensetzung mit lang hat vielleicht das oben theil 6, 179 unter langsam erwähnte mhd. lancseine, -seime, -seim, ahd. *langseini, langseimi zu gelten. eine weiterbildung sainlich bietet Oswald v. Wolkenstein 65, 2, 8. fraglich ist, ob in der folgenden stelle eine weiterbildung vorliegt: sänig, wercklos und verdrieszlich.

[Bd. 16, Sp. 366]


quelle von 1586 bei Schm.2 2, 286. verbale ableitungen sind das oben erwähnte got. sainjan, altnord. seina, to delay, slacken. Cleasby-Vigfusson 520a, mhd. seinen, verspäten, versäumen, aufschieben, aufhalten, hindern. Lexer mhd. handwb. 2, 859, mundartlich: faul, schläfrig sprechen, singen, beten Schmid 490; sainlen, sauneln, saundeln, langsam sein im thun und sprechen. Schm.2 2, 286, soandlen, soanln, saundln, zögern, langsam, träge thun. Schöpf 577 (vergl. dazu auch säumeln 1 oben theil 8, 1910), davon die sainel, unausrichtsame person. Schm.2 2, 286, die soandl, der soandler. Schöpf 577 (daneben oberpfälz. seineln, schnurren, einen laut von sich geben wie die katze, wenn sie sich gütlich thut, oder schmeichelnd um etwas herumstreicht, schmeicheln; sich seineln, sich gütlich thun Schm.2 2, 286, vielleicht ein anderes wort, doch zeigt schmeichen, schmeicheln einen ähnlichen bedeutungsübergang, wobei allerdings die bedeutung 'schnurren' zurücktreten müszte. dazu seinerla, lockruf für katzen. Baierns mundarten 2, 267); altnord. neuisländ. seinka, to delay, slacken. Cleasby - Vigfusson 520b, deutsch mundartlich seinken, sich träge daher schleppen Schm.2 2, 286; soanzeln, im reden langsam, faul sein. Schöpf 577, daneben in gleichem sinne sienzeln ebenda, säinzeln Schm.2 2, 286. 316, seanzln, im reden mit der zunge anstoszen. Castelli 254, davon der säinzler, die säinzel. Schm.2 2, 286 (auch in weiter abliegender bedeutung ungestüm nach etwas verlangen, weinerlich bitten [von kindern]. Schöpf 673).
 
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sein, n. seemännisch für signal, plur. seinen Bobrik 635, das holländ. sein, zeichen. dazu seinbrief, signalbrief, signalbuch, worin die bedeutungen der signale verzeichnet sind. 639.
 
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seinen, gen., s. DWB sein, gen. 1.
 
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seinen, seineln, verb., s. sein, adj.
 
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seiner, gen., s. DWB sein, gen. 1.
 
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seinerei, f. das sein (esse), scherzhafte bildung: ich bitt' euch, wozu ist man denn eigentlich? wozu braucht es denn eigentlich die seinerei, die existirerei? als, damit wesen seien, welche das wesen wissen? Vischer auch einer 1 (1879), 277.
 
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seinerlei, seiner art, gebildet wie deinerlei, meinerlei, s. diese oben theil 2, 912 und 6, 1935. in einer anwendung, die den genitivischen ursprung des ausdrucks deutlich zeigt: (quid est filius, est vivens ex vivente ejusdem speciei). ein sun ist nichts anders dan ein ding, das da lebet seinerlei .. ich kan die species nit basz tütschen, dan seinerlei. Keisersberg evang. (1522) 14a (in andrer vollständigerer fassung: ein sun ist nit anders dann ein ding das da lebt von einem lebendigen seinerley. derselbe bei Scherz-Oberlin 1472). prädicativ: wan du ein liecht von dem andern anzündest, warumb heiszt das liecht nit des andern liechts sun, es ist doch seinerlei, sie sein beide feuer, es ist darumb, das feuer lebt nit. ebenda. dem heute herrschenden gebrauch entsprechend, voranstehend, attributiv:

zu etwas grossem noch wird Sordalus wol werden,
dann seinerley geburt ist nicht gemein auff erden.
es ist jhm selbst bewust (man denckt jhm auch sehr dran),
die mutter hat jhn bracht und hatte keinen mann.
Logau 1, 186, 79.

 

sein
1)  die bedeutung ist eine ganz allgemeine, vergl.: aber bei gewissen worten, wie da sind recht, freiheit, das gute, das seyn (dieser nichtssagende infinitiv der kopula) u. a. m. wird dem deutschen ganz schwindlich. Schopenhauer
2)  sein zunächst als ausdruck der bloszen existenz, so mit dem gegensatz nichtsein: seyn oder nichtseyn, das ist hier die frage.
3)  sein wird dem schein entgegengesetzt, vgl. sein, verb II, 18, a: (klosterbrüder) sind (jetzt) dem teüfel kein schleck, sunder teglich brot, in unreformierten klöstren, und auch in reformierten imm schein, aber nitt imm sein. Keisersberg
4)  sein besonders in bezug auf lebende wesen (vgl. sein, verb., II, 2, d), dann häufig in die bedeutung 'leben' übergehend, so mhd.: ist mîn leben gotes wesen, muoʒ daʒ gotes sîn mîn sîn unde gotes istikeit mîn istikeit.
5)  dabei geht sein gewöhnlich auf die art, wie einer ist, auf seine lebens- und handlungsweise: es ist denn doch ein ander seyn (in Italien). Göthe 27, 157; ja, er faszte selbst den verwegnen gedanken, den erforschen zu wollen, dessen seyn uns
6)  in andern fällen nähert sich sein einer mehr concreten, substantiellen bedeutung (ähnlich wie leben oder wesen): leichtflieszendes leben, unseres seyns urkraft, sie unauflösbar dem tode, folgt' ihr aus dem leichname nach. Klopstock 4, 56
7)  so auch in einem ganz allgemeinen, umfassenden sinne, ohne dasz ein bestimmtes subject dazu gedacht wird: in deme êwigen unwandelbêren sînde enist niht dan got in gote. Eckhart 377, 27; o du erster des seyns! welchen himmlischen weg
8)  sehr häufig sind zusammensetzungen mit sein.
a)  so schon mhd.: daʒ hât ein mitesîn und ein îngefloʒʒenheit mit den engeln in engelischer nâtûre. Eckhart 253, 33; waʒ frumt di vrouwen mîn alsô mîn wunderlich hie sîn. Liechtenstein 338, 30. häufiger sind
b)  nhd. ist die zusammensetzungsmöglichkeit bei sein unbeschränkt. so verbindet es sich mit substantiven, gewöhnlich im sinne des subjects, z. b.: wie gern hätte ich mein menschseyn drum gegeben, mit jenem sturmwinde die wolken zu zerreiszen! Göthe 16, 152. doch auch in anderm sinne,
c)  die ältesten, üblichsten und festesten composita sind die mit kurzen adverbien, besonders ortsausdrücken, wie dasein, beisein, hiersein, ferner zugegen-, zusammen-, beisammensein, siehe daselbst: kurz die residentin gewann bei allem, wessen ihn heute das wegsein seiner Beata beraubte. J. Paul
 
sein
1)  die historisch berechtigte form ist sein, dessen vorstufen got. seina, ahd. mhd. sîn darstellen. sîn begegnet auch in den altndfränk. psalmen und im altnord. das alts. und das ags. mit seiner fortsetzung, dem engl., ebenso das fries. entbehren überhaupt dieser pronominalform. die neunord. sprachen,
2)  sein entspricht seiner bildung nach den genitiven der ersten und zweiten pers. sing. und hat wie diese ein im stamme übereinstimmendes, im deutschen in unflectierter form gleichlautendes possessivpronomen zur seite. für sein verhältnis zu diesem gilt daher das unter mein 1, oben theil 6, 1912 angeführte.
3)  das ungeschlechtige pronomen der dritten pers. sing. ist eigentlich reflexiv, hat demgemäsz ursprünglich für alle genera und numeri geltung und kann zunächst, wie bis heute die entsprechenden bildungen der ersten und zweiten person, nur auf personen anwendung finden. diese verhältnisse liegen rein im got. und altnord. vor. für
4)  sein erscheint vorzugsweise abhängig von verben. selbst wo ein abhängigkeitsverhältnis zu einem nomen besteht, wird dies in der regel durch vorwiegen verbalen sinnes in diesem oder durch eine verbindung desselben mit einem verb ermöglicht. die allgemeine bedeutung von sein läszt sich als partitiv in weitestem sinne bezeichnen;
a)  rein verbale verbindungen.
α)  sein als object.
αα)  bei verben, die ein freundliches oder feindliches streben, berühren, theilhaben, beschäftigtsein bezeichnen, so bei ahd. farên: Herodias farêta sîn (Johannes) inti uuolta inan arslahan. Tat. 79, 2; sîn (Christus) fârendo irsluog si (synagoga Judaeorum) sih selbun. Notker
ββ)  bei verben, die eine geistes- oder gemütsthätigkeit bezeichnen, so bei gedenken: und sind (heiszen) denkbrot drumb, das sie damit gottes gedenken und von im predigen sollen gleich wie Christus uns befilhet, das wir sein gedenken, das ist seinen tod verkündigen und predigen sollen. Luther
γγ)  bei verben der rede, so ahd. bei furlougnen: thie mîn furlougnit fora mannun ..., furlougnu ich sîn fora mînemo fater. Tat. 44, 21. bei spotten: und wenn (als) der pur in dem markt beharret .., spottet sin der knecht noch mer. Tünger
δδ)  bei verben der trennung, des bedürfens, entbehrens: auch öffnen wür gegen den Axambern, das wür recht haben, holz zu schlagen in dem Senders, als die march sagent, als vil wür sein betürfen zu unsern heusern oder zu ander unser notdurft. tir. weisth. 1, 258, 16 (v.
β)  in freierem abhängigkeitsverhältnis zu einem verb, causal bei sterben: solt ich mir selber allso umbermeder gewalt an thn, ich müst seyn sterben. Keisersberg
b)  der gen. steht auch, besonders in älterer sprache bei verben, die ein schöpfen aus einem vorrat bezeichnen. fügungen wie sîn nemen, eʒʒen erscheinen in älterer sprache möglich. belege dafür liegen nicht vor. wol aber sind fälle bezeugt, in denen das partitive verhältnis durch zusätze näher bestimmt wird,
c)  verbindungen, in denen abhängigkeit von einem substantiv statt hat.
α)  zunächst sind hier fälle zu verzeichnen, wo das subst. mit einem verb einen einheitlichen begriff bilden, der einem der unter a verzeichneten verben dem sinne nach gleich oder nahe kommt. so deutlich bei dem früh erstarrten wara (wahrnehmen): nim sîn uuara. quelle bei Graff 6,
β)  daran schlieszen sich fälle, wo das wort als unmittelbare objective ergänzung eines verbalsubst. erscheint: also befahl auch Christus seinen aposteln, dasz sie der gantzen welt das evangelium predigen solten, damit sie dardurch zu der seligmachenden erkäntnüsz seiner möchten gebracht werden. Sperling
γ)  auch den unter b erwähnten fällen entsprechend steht sein in verbindung mit einem lebendigen subst., nicht nur bei dem erstarrten (ni-)wicht und dem nicht mehr als subst. empfundenen viel, aber auch hier wie dort in der regel nicht in unmittelbarer beziehung zu dem
d)  in abhängigkeitsverhältnis zu einem adj.
α)  als objective ergänzung in fügungen, wo das adj. in verbindung mit einem verb einem der unter a erwähnten verben im sinne gleich oder nahe kommt: uuaʒ ist der mennischo. daʒ (gott) sîn gebugtig pist? Notker
β)  dem unter 4, a, β erwähnten sterben mit gen. gemäsz: want mer hatten gebrochen din gebott und musten sin ewiglichen wesen toid.
γ)  den unter 4, b erwähnten fügungen entsprechend partitiv neben prädicativ gebrauchten adj. wie genug: sein ist genug. quelle bei Schm.2 2, 289. freier: sein ist lanch, daʒ si auf gestanden sint. gesta Roman. 157.
e)  in abhängigkeitsverhältnis zu adverbien und präpositionen. auch diese wörter gewinnen die rectionsfähigkeit ja eigentlich erst im anschlusz an ein verb. so bei innen in verbindung mit werden: so wirt man sein (neutr.) nicht ynn. gesta Romanor. 156 Keller; so wil ich euch verborgenlich,
f)  rein attributiv-partitiv kann sich ein abhängigkeitsverhältnis zu einem zahlwort gestalten. mhd. ist bezeugt: er erfrüre, wærn sîn eines drî. Wolfram
5)  sein in paratactischer verbindung mit andern wörtern. hier greift das gebrauchsgebiet deutlich in das sonst dem possessivpronomen vorbehaltene über.
a)  mit subst. oder adj.: die pfaffen mohten niht geheln, daʒ si sîns tôtes heten haʒ (ihn noch als toten haszten). Ottokar 121 Seemüller. oben theil 3, 1191 unter euer 3 ist bemerkt,
b)  mit ein: in partitivem abhängigkeitsverhältnis zu einem zahlwort (die stelle sieh oben unter 4, f). in abhängigkeitsverhältnis zu einem subst.: wand sîn eines manheit diu tetes (sie) unstetelîchen an einen vurt entwîchen.
c)  mit selb, zur hervorhebung reflexiver bedeutung. die alte dabei übliche gen.-form selbes, selbs wird nhd. wie sonst auch hier allmählich zu selbst umgebildet. die form selber erscheint hier schon früher, s. β, αα. vgl. gramm. 4, 355
α)  im gebrauchsumfange des alleinstehenden genitivischen sein. noch in neuerer sprache üblich.
αα)  abhängig von verben, nach 4, a, α: er hat sein selbs vergässen. Maaler 369c; Reinhart sîn selbes niht vergaʒ.
ββ)  abhängig von verbalsubst. (gen. object.), nach 4, c, β: Spalding ist auch mir nie in der welt mehr als pfaffe erschienen, als in der ehrenerklärung sein selbst gegen jugendbriefe. Herder in Mercks
γγ)  abhängig von adj., nach 4, d: und als er morndes den handel geoffnet, sagt er, er het gnuog erfaren, das ain mensch, so von zorn brunn, sin selbs nit mächtig wer. Tünger
δδ)  abhängig von präp., vgl. 4, f: seiner selbst wegen. auch noch jetzt um seiner selbst willen, obgleich sein in um seinetwillen possessiv ist: dasz ein jüngling, wie du, schutz und beförderung nicht zu erkaufen braucht, und diejenigen verachtet, die
β)  in freierem gebrauch das possessivpron. vertretend, in neuerer zeit im allgemeinen durch sein eigen ersetzt, wo sein possessivpron. ist. doch vergl. unten ββ.
αα)  in attributivem, possessivem abhängigkeitverhältnis zu einem subst.: bidhiu huuanda ir (Christus) in siin selbes sculdrom siin cruci druoc. Isidor 23, 2 Hench; von sines mannes manne nimt die herre anevelle alse an sines selves gude, die wile die kindere beide binnen iren jaren sin.
ββ)  prädicativ, so in der fügung sein selbst, selber sein, sich selbst angehören, verfügung über sich selbst haben: so aber der mann thut, was die frau will, so ist er unsinnig, dann er ist sein selbst nimmer und entlehnet vernunft. Paracelsus (1590) 9, 20.
6)  sein kann wie jeder gen. vor und hinter dem wort stehen, von dem es abhängt. ist die person oder sache genannt, worauf es geht, so steht es sinngemäsz hinter der bezeichnung derselben. nur ausnahmsweise hat das umgekehrte statt, steht es vordeutend: Heinrich v. Freiberg
 
sein
1)  got. seins, altnord. sînn, schwed. dän. sîn; ags. sîn, engl. aufgegeben; altfries. sîn, neufries. sijn, altndrfrk. sîn, mndl. sijn, nndl. zijn; alts. mnd. nnd. sîn; ahd. mhd. sîn. über die formale beziehung zum gen. sein und
2)  das wort zeigt im ostgerman. nur die starke flexion eines adj., noch schwed. dän. ist das n. als sitt, sit streng vom m. und f. unterschieden. im westgerm. gewinnt die flexionslose form an ausdehnung und bildet sich auszerdem schwache adjectiv-flexion heraus.
3)  gekürzte formen des starken gen. und dat., die mhd. mehrfach erscheinen (gen. sîns, sîs für sînes, dat. sîme für sîneme, sînem. mhd. wb. 2, 2, 292b) begegnen noch in quellen des 16. jh.: item der prophet Samuel, trotzet auch
4)  stellung des pron. und gebrauch der flexion.
a)  in attributiver verbindung mit einem subst. oder substantivisch gebrauchten wort andrer art steht sein heute wie alle andern pronomina gewöhnlich ohne artikel vor diesem in starker flexion. der nom. m. und nom. acc. n. zeigt keine flexion: sein vater, seine mutter, sein kind, sein schönstes, sein alles.
b)  über die verbindung des sein und der andern possessiva mit dem bestimmten artikel sieh der 32 oben theil 2, 991 ff.
α)  es ist dort ausgeführt, dasz bei einem subst. ahd. und mhd. das possessiv zwischen artikel und subst. stehen kann, was mhd. seltener ist als ahd., dasz daneben schon ahd. die stellung des possessivs hinter dem subst. bezeugt ist, die mhd. die gewöhnliche und nhd., wo heute diese verbindung
β)  wie a. a. o. unter d bemerkt ist, steht, wenn das possessiv sich auf ein vorangegangenes, aber nicht wiederholtes subst. bezieht, entweder das poss. ohne artikel in der starken form: eine verurtheilung wie seine war. Klopstock bei Campe, wobei der nom. m. die form
γ)  bei substantivischer geltung des pron. kann der artikel wie bei den übrigen poss. auch bei sein heute gewöhnlich nicht fehlen. vgl. oben a. a. o. für die alte sprache gilt das nicht unbedingt: swâ sîne wâren kumberhaft, die lôste er mit
c)  mit dem unbestimmten artikel wird sein wie andre possessiva nur in älterer sprache paratactisch verbunden. es folgt ihm und zeigt durchgängig starke flexion. belege oben theil 3 unter ein 19. in neuerer sprache kann es nur mit dem begleitenden subst. genitivisch oder mit von
d)  sein bei pluralischen zahlwörtern: der keiser Frederîch gaf twein sînen sonen swert. Heinr. v. Veldeke
e)  bei beide liebt die ältere sprache sein wie ein adj. in starker flexion folgen zu lassen, die neuere stellt es lieber mit starker flexion voran. vgl. beide 3 oben theil 1, 1362.
f)  sein bei ander und subst.: so gibet er mir .. intellectum sacrarum scripturarum unte andera sîne dona. Williram 32, 7 Seemüller; unsir trehtin von deme grabe irstuont, unde dir unde anderen sînen boton daʒ hieʒ chundin, daʒ er zi Galilea in daʒ lant
g)  sein bei manch und subst.: man jach daʒ manec sîn rotte wol striten. Wolfram
h)  sein bei all in verbindung mit einem subst.: thô gilaupta her inti al sîn hûs. Tatian 55, 8; elliu sîne uuerch scuntent unsih ad spem et desiderium caelestium. Williram 92, 10 Seemüller; also stuond er uff mit allem sinem gesind, den dieb ze
i)  sein bei allerlei: da .. keys. may. bey jhm (einem bischof) zu tisch asse, und under allerley seinen reden jhn auch dessen erinnerte, sein ampt hinfüro ohn alles ansehen der personen fleissig und trewlich zu verrichten. Zincgref
k)  wie gewöhnlich bei all steht sein in verbindung mit demonstrativen (und subst.) in starker flexion hinter diesen: so sol er fur seine schuld dieser seiner sunde die er gethan hat, dem herrn bringen von der herd, ein schaf oder zigenmutter, zum sündopffer.
l)  über sein bei selb s. unten.
m)  in verbindung mit adjectiven oder adjectivisch gebrauchten particip. steht sein heute gewöhnlich in starker flexion voran, ebenso schon früher oft, auch flexionslos: do er imo selbemo mahelta mit demo uuidemen sînes hêiligen bluotes dîe ecclesiam. Williram 53, 13; mir ist
n)  attributiv mit sein verbundene oblique casus verändern im allgemeinen seine flexion nicht. s. unten.
o)  unflectiert bleibt sein meist in den fügungen sein werden, sein, bleiben, gehören, s. unten.
p)  steigerung ist der bedeutung gemäsz selten: die bildende natur hasset abstracta: sie gab nie éinem alles und jedem das seinige auf die seineste weise. Herder 8, 80 Suphan.
5)  bedeutung.
a)  gleich dem gen. des ungeschlechtigen pronomens der dritten person sing. gilt das zugehörige possessiv zunächst nur in reflexiver anwendung und bezieht sich innerhalb dieser auf jedes genus und jeden numerus. so ist der gebrauch im gotischen. beispiele für fem. und plur.: Marja bisvarb fôtuns is skufta seinamma.
b)  sein begleitet vorzugsweise substantive und wörter, die sie vertreten können. als seine eigentliche bedeutung erscheint die rein possessive, es drückt dann aber auch andere beziehungen der wörter aus, die es begleitet, soweit sie sonst der genitiv bezeichnen kann. nur in partitiver anwendung vermag es dem gen. nicht ganz
c)  die reichste bedeutungsentfaltung zeigt das poss. sein in attributiver verbindung mit substantiven oder deren vertretern.
α)  es geht zunächst auf wirkliches eigenthum: der kuning lêitota mih in sînen uuînkellare. Williram 30, 1 Seemüller; ih geron, daʒ mîn uuine kume in sînen garton. 73, 1; der gerechte erbarmet sich seins viehs.
β)  so auch auf beherrschtes, eine beziehung, die sich freier gestalten kann: gehe hin ein und rede mit Pharao dem könige in Egypten, das er die kinder Israel aus seinem lande lasse. 2
γ)  dann aber auch umgekehrt auf den herrschenden, gebietenden, bestimmenden in solchem verhältnis gehend: agricola, der .. sînemo hêrren uuirke. Williram 145, 6 Seemüller; selig ist der knecht, welchen sein herr findet also thun, wenn er kompt.
δ)  zum ausdruck verwandtschaftlicher zugehörigkeit: fater meinida dhar sînan sun. Isidor 18, 21; sînerâ sipheâ ni uuirdit endi. 22, 15; inti Zarachîas sîn fater uuard gifullit heilages geistes. Tatian 4, 14; (Simeon) quod zi Mariun sînero (des Johannes) muoter. 7, 7; andere electi
ε)  zum ausdruck freundlicher beziehung, freundlicher genossenschaft: und da David gen Ziklag kam, sandte er des raubs den eltesten in Juda seinen freunden.
ζ)  auch allgemeiner auf zusammengehörigkeit: sein landsmann, amtsgenosse. dahin gehört die verbindung mit dem substantivierten ahd. gelîcho, mhd. gelîche, wie die flexion ausweist, obgleich hier sîn ursprünglich vielleicht der gen. des personalpron. gewesen ist: quâdun iogilîchotheiz wâri sîn gilîcho.
η)  aber auch zum ausdruck feindlicher beziehung: ih habo uernomen, daʒ mîn sponsus erlôibet habet sînen unte mînen uîenton, daʒ sie mih besûochen. Williram 73, 4 Seemüller; doch waʒ er (der bischof) sinen vienden gar harte. d. städtechron. 8, 93, 6 (Straszburg,
θ)  in bezug auf den körper und körpertheile einer person, von der die rede ist: huuer uuac himilâ sîneru folmu. Isidor 19, 10 Hench; mit zuuêm (flügeln) dhecchidon sîn (gottes) antlutti enti mit zuuêm dhecchidon sîne fuoʒssi. 20, 7. 8; gioffonôta sih thô
ι)  ebenso in bezug auf das innere, geist, seele, gemüt: guot man fon guotemo treseuue sînes herzen frambringit guot. Tat. 41, 5; under den was ein münch, der siner sel hail basz betrachtet. Tünger
κ)  von eigenschaften und fähigkeiten: arquâmun thô alle thie inan gihôrtun ubar sînan uuîstuom. Tatian 12, 5; welcher ist unter euch, ob er schon darumb sorget, der da künde eine elle lang seiner grösse zusetzen?
λ)  von körperlichen und geistigen zuständen, von bethätigung, äuszerung der in rede stehenden person, wobei sein oft das subject eines in dem subst. liegenden verbalbegriffs bezeichnet: chimanacfaldit uuirdhit siin chibot. Isidor 22, 14 Hench; huuanda ni uuardh ir ęr Dauides dode nibu after sînemu dôde chiforadodot
μ)  von dem, was durch die in rede stehende person hervorgebracht ist, was von ihr herrührt: gotes gheist ist sprehhendi dhurah mich, endi siin uuort ferit dhurah mîna zungun. Isidor 14, 10 Hench; das were on sin schuld beschehen. Tünger
ν)  aber auch von dem, was auf die in rede stehende person wirkt, sich auf sie erstreckt, so dasz sein das object eines in dem substantiv liegenden verbalbegriffs bezeichnet: ih uuil ioh den gedingon an in haban, daʒ ih mîne mûoter Synagogam, diu mih êrest ze gelôiben brâhta,
ξ)  ebenso ist das verhältnis, wenn das substantiv ein nomen agentis eines objectiver ergänzung fähigen verbs ist: sein ankläger, der ihn anklagt; sein verräter, der ihn verrät: Eurylas sagte weiter, gleichwohl hätte sich dieser rechtschaffene kerle über ihn beschwert, als were er sein verräther gewesen. Weise
ο)  allgemein von dem, was als zu der in rede stehenden person oder sache gehörig, ihr zukommend, sie angehend, berührend, mit ihr in beziehung stehend bezeichnet werden soll.
αα)  sein name: endi uuirdit siin namo chinemnit uundarliih. Isidor 22, 11 Hench; der herr wird seinen (des götzendieners) namen austilgen unter dem himel.
ββ)  seine kleidung, nicht so häufig in der bedeutung: die kleidung die er besitzt, die sein eigenthum ist, als: die er trägt: Jacob zureis seine kleider.
γγ)  von örtlichen bestimmingen: siin hôhsetli scal uuesan festista untazs in euun. Isidor 38, 2 Hench; der kuning gesaʒ ûffe sînemo stûole. Williram 19, 1 Seemüller; daʒ bette veri Salomonis, daʒ ist Ecclesia; in iro rouuet er, also der man in sînemo bette.
δδ)  von zeitlichen bestimmungen: seine zeit, seine tage, die zeit, wo er lebt, die er zur verfügung hat: seine tage sind gezählt; seine zeit ist gemessen. adverbial: Hainrich Hämmerly, by sinen zyten gaistlicher rechten gar ain gelarter man. Tünger
εε)  von dem, was als gegenstand einer thätigkeit oder eines interesses erscheint: sîn muos uuas heuuiskrekco inti uuildi honag. Tatian 13, 11; wer nie sein brod mit thränen asz. Göthe 2, 122; man steht am fenster,
ζζ)  von der thätigkeit selbst, sofern sie als in besonderer beziehung zum ausübenden stehend, seiner art, seinem interesse entsprechend bezeichnet werden soll: er hat nur seinen scherz mit dir treiben wollen. Adelung, aber auch sofern sie in solcher beziehung steht zu dem, auf den sie sich richtet:
ηη)  so dann auch sonst zum ausdruck eines solchen verhältnisses: sein recht ist das einem zukommende recht; sein theil der ihm zukommende theil. man sagt nd. von einem trinker, der genug hat: he hett sin deel, von einem der zuviel hat: he hett en bitjen meer
6)  im eigentlich prädicativen gebrauch, wo nicht ein vorhergegangenes subst. zu ergänzen ist (wie: das ist nicht mein hut, das ist seiner) und sein in der regel unflectiert erscheint (in älterer sprache und mundartlich auch in schwacher flexion, als seine), herrscht streng possessive bedeutung
7)  in rein substantivischer anwendung geht der plur. ahd. thie sîne, mhd. die sîne, seltener unflectiert die sîn oder mit schwacher flexion die sînen auf personen und bezeichnet meist solche, die sich in abhängigkeitsverhältnis zu der in rede stehenden person befinden:
8)  das rein substantivische das seine, mhd. regelmäszig mit starker flexion daʒ sîn (daʒ sîne, vom eignen haus in einer quelle des 14. jahrh. bei Lexer
9)  auch in neuerer sprache begegnet eine neutrale substantivische verbindung, die sein ohne flexion zeigt, aber in besonderem sinne. es bezeichnet das, was den namen 'sein' hat, das ganze einer zugehörigkeit: o denk! o denke wem du gehörest!
10)  besondere verbindungen.
a)  einem von einem folgenden subst. abhängigen gen. der eigenheit wird sein ebenso wie ihr (vgl. dies oben theil 4, 2, 2053) heute nur in volksmäsziger sprache, früher aber auch in der schriftsprache pleonastisch oder nachdrücklich beigefügt: des löners sin tag. 4. bibelübers.
b)  bisweilen steht sein wie ihr (vgl. dies theil 4, 2, 2053) hinter einem zugehörigen genitiv ohne ein folgendes subst. in starker flexion (nom. m. -er, n. -s), wenn nämlich ein vorhergehendes subst. zu ergänzen ist. auch diese verbindung
c)  der unter a erwähnten verbindung nahe kommt es, wenn zu sein mit folgendem zugehörigen subst. nachdrücklich ein nachgestellter gen. hinzugefügt wird, der die durch sein angezogene person noch einmal deutlicher bezeichnet, ein seltener gebrauch: sîn êrstiʒ werch Adâmes was ein hbhaft sunde. spec. eccl. 9
d)  zum zwecke nachdrücklicher hervorhebung wird vereinzelt auch die person, auf die sein geht, auszerhalb der syntactischen fügung im nom. vorangestellt: der künec von Kukûmerlant, al rôt von golde ûf sîner hant stuont ein kopf vil wol ergrabn.
e)  die durch sein ausgedrückte beziehung wird wol durch nebensätze noch hervorgehoben. vgl. gramm. 4, 350, wo zahlreiche belege aus mhd. zeit gegeben sind, unter andern die folgenden: daʒ mugent ir kiesen, ob ir welt, sînem ampte des er pflac.
f)  die mhd. sprache verwendet das subst. lîp mit einem possessiv statt eines einfachen personal- oder demonstrativpronomens: got haʒʒe iemer sînen lîp der âne danc deheinen man, der selbe wol gesprechen kan, ze schœnem wîbe ziehe,
g)  sein vor titeln: seine majestät. Gottsched
h)  dem veralteten gebrauch von er in der anrede entsprechend, der auf der wiederaufnahme eines titels, einer ehrenden bezeichnung mittelst des pronomens beruht (vgl.er 10 oben th. 3, 698 ff.), wird auch sein in älterer sprache in bezug auf
i)  sein in der alten, die bedeutung verstärkenden verbindung mit selb ist, soweit es hier formen aufweist, die für den gen. des personalpronomens vorkommen, unter 5 des vorigen nach gr. 4, 355 als gen. aufgefaszt worden. es begegnen aber auch fälle, wo sein in verbindung