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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schöffenmeister bis schöffenurtheil (Bd. 15, Sp. 1445 bis 1447)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöffenmeister, m. erster und oberster schöffe Campe, magister scabinorum Haltaus 1644, mhd. scheffenmeister Lexer handwb. 2, 681: Hugo Juldin schöffen-meister und andere viel schöffen. Straszb. quelle von 1230 (?) bei Haltaus a. a. o.; diese nachgeschriben scheffen daselbis mit namen Fritze Quaader scheffinmeystere, Conrad Fintschart u. s. w. Grimm weisth. 3, 422 (Selbold in der Wetterau 1407). nach Wallraf 75 schöffen, die ausgedient hatten (?): die geweldige ind verdeynde schöppenmeistere. urk. von 1401 s. ebenda.
 
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schöffenörterung, f., bez. schöppenörterung, responsa prudentum Stieler 1396.
 
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schöffenpferd, n. das beste pferd eines dorfschöffen, das bei dessen tode dem gerichtsherrn anheimfällt Adelung. Krünitz 147, 734.

[Bd. 15, Sp. 1446]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöffenrecht, n.: schöpfen-recht, jus tribunalis, als churfürst Friedrich II. bestätigt denen zu Brandenburg ihr schöpfen-recht, dasz sie nemlich den schöpfen-stuhl, collegium juris consultorum, behalten sollen. Frisch 2, 220a; es ist auch bey den germanischen völkern die ansicht gewesen, auf welcher die rechtsbücher einzeler völker, die schöffen rechte .. beruhten. Hugo encycl. (1835) 29.
 
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schöffenschreiber, m. bez. schöppenschreiber, schreiber in einem schöffengerichte Adelung: actuarius .. ein notarius oder gerichtschreiber, schöpffenschreiber. Corvinus fons latin. 1, 25b.
 
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schöffenschrift, f. für schöffenurtheil, mhd. schephenschrift:

swaʒ ein herre spricht iâ ode niht,
daʒ sol gar sîn schephen schrift. der wälsche gast 2124.


 
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schöffensiegel, n.: so han wir scheffen vurg. unser iecklich sin scheffen segel an desen brief gehancgen. Grimm weisth. 2, 710 (Zülpich 1375); und diese dinghe zu gantzer steitgheide ind zo urkunde so haint wir scheffen vurss. unsen gemein scheffen siegel an diesen brief gehangen. 3, 7 (Deutz 1386); dafür auch schöffeningesiegel: des tzo urkuonde der wairhait hain wir scheffen vurg. unse scheffen ingesigel an desen breiff gehangen. 2, 512 (Niederwerth 1, 469).
 
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schöffenstube, f. stube, in der sich die schöffen versammeln, gerichtsstube, auch das schöffengericht selbst Adelung; schöpfen-stube, f. camera de' scabini per tener sessione Kramer dict. 2, 641a; von der gerichtssitzung: ob sichs zutrüge, dasz die schöppenstube ausgerufen und der freitag oder montag auf einen heiligen tag und fest käme, wird nichts weniger auf folgenden sonnabend oder dienstag die schöppenstube gehalten werden. Breslauer gerichtsordn. vom jahre 1591, 2.
 
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schöffenstuhl, m. stuhl, sitz eines schöffen; auch dasselbe wie DWB schöffengericht, vgl. dazu schöffenbank, schöffenstube; ferner ein juristisches collegium, dessen beisitzer den namen schöffen führen Adelung; scheffenstuhl Alberus dict. rr 4b, schöpfenstuhl, scabinatus Stieler 1715, eine bestellte gesellschafft von rechtsgelehrten, die schwersten sachen zu entscheiden, collegium juris consultorum, quod responsa juridica dat Frisch 2, 220a; mhd. scheffenstuol Lexer handwb. 2, 682. Scherz - Oberlin 1433. Haltaus 1645. Wallraf 76 (scheffenstoil), vgl. noch Wander 1460.
1) stuhl des einzelnen schöffen: hevet he scepen stul dar, he is dar ok dingplichtich. die 's scepenen stules dar aver nicht ne hevet, de sal des hogesten richteres ding suken, svar he wonehaft is. dissen stul ervet die vader uppe sinen eldesten sone. Sachsenspiegel 3, 26, 2. 3 (auf dem bilde ist der schöffenstuhl vierbeinig ohne lehne); item fragete der scholteisz die scheffene, wa ein scheffen odir me abegingen und andere an der staid gekoren worden, die den scheffenstule mit den andern gesellen nit besitzen wolden, wie man die dringen salde, daʒ sie recht wisten mit andern yren gesellen? Grimm weisth. 2, 216 (Bacharach 1386); auch wart gewist, das niman nit in den scheffenstoil ensolle besitzen, es en were dan sache, das er hette und besege ... etliche der hobsgude. 6, 643 § 3; wanne auch ein schöffen zu Franckfurt stürbe, oder seinen schöffenstul uffliesze. urk. von 1366 bei Haltaus 1645; wann der erwürdige .. herr Cune ertzbischoff von Trier von sinen besundern gnaden den scheffenstuel zu Trier, der yme neulichs von dode herrn Stepfens Wuchs ledig ist worden, mir hait gegeben, und mich darin gesetzet. urkunde von 1372 ebenda;

da sprach ein greis mit silberhaar,
vom schöppenstuhl emporgerichtet.
Voss 6, 64.

der schöffe legt seinen eid ab auf den schöffenstuhl: uf ihre eyd, so sie auf den ehegenannten schöffenstuhl gethan. Grimm weisth. 3, 418; vgl.: und ermante die scheffen obgenant ir eyde, die sye dem scheffenstule und dem gericht getan hetten. 477.
2) die gerichtsbehörde oder das collegium der schöffen eines gerichts: in welchs herrn teyl des entbrech, in demselben teil sol der herr nemen, das der schöpffenstul bestalt wurde. Grimm weisth. 3, 579; den die unsern meinen, das die schöppen, die itzt den schöppenstuel uff dem berge, der darumb 'uff dem berge' heist, das die von dem berge das gerichte vor dem Rohlande inne gehabt und nicht die vom tal, sondern, so die geschlechte von dem berge verstorben sindt, haben sich die vom tale des schöppenstuls unterwunden, und haben so das gerichte vor dem Rohlande und auch des tals gerichte alle beyde innen, wiewol die unsern meinten .. man solte billich aus innungen und gemeinheit auch in den schöppenstuel kiesen. Spittendorf 82; was ein schöppenstuhl

[Bd. 15, Sp. 1447]


so gerichtet hat, das richtet ein anderer umgekehrt; und derselbe ein andermal ebenso. Bode Montaigne 4, 65; der schöppenstuhl, der in groszem ansehn weit umher steht, ist mit lauter leuten besetzt die der römischen rechte unkundig sind. Göthe 42, 45 (Gottfr. v. Berl. 1); übertragen auf wissenschaftliche streitigkeiten: ich musz daher meinen nachfahren hinterlassen die sache dereinst vor ein competentes gericht zu bringen, weil ich den gleichzeitigen schöppenstuhl durchaus nicht anerkenne. 60, 26.
 
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schöffenthum, n. amt und würde eines schöffen, mhd. scheffeltuom und scheffentuom Lexer handwb. 2, 681 f.: die durch unse ehegen. scheffen in vurziden zu deme scheffendumb gekommen seint. quelle von 1448 bei Haltaus 1644; dy scal nyemand afsetten, die wyle sie leben, de scolen blyven by dem scependom. ebenda (vom jahre 1445);

want vischer sich do annamen
heirscheffe und zo scheffendoime quamen.
Gottfr. Hagen boich van Colne 1307.


 
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schöffenurtheil, n., vgl. zeitschrift für d. alterthum 18, 309 ff.: schöffenurtheil kann niemand vernichten. Wander 4, 313;

it solde in ovel zemen,
solden si eiman nemen
ain (ohne) scheffenurdel den lif. d. städtechron. 12, 244 (weverslaicht 55).