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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schobergrün bis schochen (Bd. 15, Sp. 1428 bis 1429)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schobergrün, n. Schweinfurter grün, der bekannte grüne färbstoff Karmarsch-Heeren3 7, 779.
 
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schöberlein, n.
1) kleiner schober, bicarella, mucchietto Kramer dict. 2, 636a; in Nürnberg ein haufen von 10 bündeln stroh, s. DWB schober 2: sind schöberlein, die man in der eil, die reihe setzt, wann es regnen will, dasz nicht alles nasz wird, parvi foeni acervi. Frisch 2, 218a.
2) in Österreich schöberl (bez. schöbarl Castelli 249, schöbela Schröer 288b) ein gericht von mehl, semmel und eiern Jacobsson 7, 267a. Krünitz 147, 598. Schm. 2, 362. Klein 2, 138, mehlspeise in der suppe. idiot. Austriac. 114. Hügel 143b.
3) eine schlechte weiberhaube Castelli 249.
 
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schöberlich, adj. haufenweise, gehäuft:

die schüsseln hochschöberlich beschwert.
Scherffer Grobian. 16,

s. Frommann 4, 184. Drechsler W. Scherffer 236.
 
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schöberling, m. name verschiedener pilzarten: der korallenschwamm, clavaria coralloides Nemnich; die bärenpfote, clavaria botrytis oder corallodes Pritzel-Jessen 459; der zungenschwamm, fistulina hepatica 460; der bock, eichhase, ziegenbart, polyporus umbellatus 464, vgl. Oken 3, 134, boletus ramosissimus Nemnich.
 
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schobern, verb. in schober setzen, zusammenhäufen. ableitung von schober, s. daselbst. mhd. schoberen, auch schuberen, schibern Lexer handwb. 2, 765 und nachtr. 361. mundartlich besonders bair. schobern, schöbern, schubern, schübern Schm. 2, 362, und österr. als schobern Klein 2, 138. Schröer 204a und schöbern Castelli 249. Schöpf 642: schobern, it. verb. compos. aufschobern, aufeinander- è zusammen schobern, bicare, biccare, abbicar, ammucchiare, it. accatastare; das heu etc. schobern Kramer dict. 2, 636a f.; ich schobere in struem colligo, geschobert coacervatus Steinbach 2, 484; schobern, aufschobern, conferre in metas, acervare foenum Frisch 2, 218a, vgl. noch Krünitz 147, 598; heu schobern:

der (bauer) het ein gabeln in der hant
und schoberte sîn höuwe dâ.
Grimm Reinhart 328, 1013;

ein bauer könte wohl so dencken,
dasz Griethe, welche starck und klein,
zum schobern und zum flegel-schwencken
nicht allzuflüchtig würde seyn.
Picander 2, 427;

mäher und harkerin drüben, um schwad' und geschobertes grummet.
Voss 2, 219;

doch in des mittags gluthen, vom emsigen rechen gewendet,
duftiger als es geblüht, dampft das geschoberte heu.
Rückert (1882) 2, 504;

im bilde, obscön:

schubren half ich ir das gras.
O. v. Wolkenstein 64, 2, 11.

einen schober schobern: wann die haar (ungekämmt) einem heuschober gleich seind, welchen der sturmwind geschobert hat. Abraham a S. Clara werke 14, 452; im Zillerthal frucht schöbern, getreide in hohen haufen an der luft trocknen Schm. 2, 362; von andern dingen, aufhäufen, gehäuft anfüllen: das öl, das aus den brustbeinen der heiligen jungfrau Walpurga tropft, wird in einer goldenen schale aufgefangen, und läuft in derselben nie über, sondern es schobert sich. ebenda;

eʒ was geschubert über einander
funf hûfen von fuoter.
Ottokar reimchron. 7747;

scherzhaft:

wohl von mandeln und beerenseim
ward hier etwas erobert,
wann die nachbarin uns geheim
voll den teller geschobert.
Voss 5, 48.

ebenso beschobern:

du sollst den teller auch mit essen hoch beschobern.
Scherffer Grob. 131, s.
Drechsler s. 236.

übertragen (im mhd.).

ir wart des jâmers fuoder
geschubert und gehouft.
Ottokar reimchron. 1161;

zusammenziehen, reducieren:

seyd all mein jâr z ainem tag
geschwbert sein, die ich ye hab verzert.
Osw. v. Wolkenstein 113, 1, 12.


 
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schoberung, f., aufschoberung, abbicamento, ammucchiamento etc. Kramer dict. 2, 636b.

[Bd. 15, Sp. 1429]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schobhut, m., nebenform zu schaubhut, s. daselbst (theil 8, 2301), strohhut, besonders der grosze frauenstrohhut Jacobsson 4, 34b. öcon. lex.2 2638 f. Krünitz 147, 598; schlechter, unförmlich groszer hut Albrecht 206a: weil der schobhut steckt (zeichen des marktanfangs). schles. verkaufsurkunde von 1608, s. zeitschr. für d. phil. 20, 488.
 
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schoblatte, f. für schaublatte, eine gerade stange, wie sie auf die sparren eines daches genagelt werden, um die ziegel, schindeln oder schaube zu halten, woraus das dach gebildet wird Krünitz 65, 547.
 
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schoch, interjection, so schon mhd. schoch, auch schohô mhd. wb. 2, 2, 178:

dô quam zuo sich her Îsengrîn.
er sprach 'schôch, ich hân arbeit'. Reinh. 597;

als zuruf an den falken:

und schrai laute nach dem valken:
iu schoch! iu schoho! ob ers horen rchte. d. minne-falkner 79;

mein lder warff ich umbe,
und schrai laute: iu schoho! 96.

meist zum ausdruck der hitze oder kälte: schoch, wie heisz! Garg. 244a;

wer frowen glust will hengen noch (nachgeben),
den frürt gar dick, so er spricht schoch.
Brant narrensch. 82, 59;

frend mirs (die priester) hin zum lwen loch,
da würt aim haisz, dem andern schoch.
Birk Beel (1539) D 2a.

vgl. ferner schuch, schu, z. b.:

schuch! clamat nudus in frigore,
cui gelu riget in pectore. Carm. bur. 234, 12;

ferner Grimm gramm. 3, 298 und Zarnckes anmerk. zu Brant a. a. o.so jetzt noch in süddeutschen mundarten, alemannisch schoch, bezeichnung des schauerns vor kälte, erweitert schocheli Seiler 262b. Schmid 475:

schocheli schoch, wie schnatteret iez und briegget (weint) mi chiimli (keimlein).
Hebel 1, 156 (d. habermus).

ferner bair. Schm. 2, 364. — kärntn. tschô! als zuruf an kühe (um sie zu locken) Lexer 224 vergleicht sich der stelle aus dem minnefalkner.
 
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schoch, m. n.
1) nebenform zu schach (s. daselbst theil 8, 1956 ff.): schoch, idem quod schach Scherz-Oberlin 1427: wer also hoffet sich an dem letsten zu bekeren ist gleich einem der in dem schoch zuicht mit einem der es wol kan und er es aber ubel kan und laszt im alle seine stein nemmen. Keisersberg menschl. baum (1525) 122, s. ebenda;

do sprach er, o du veyle statt,
wie werstu so bald schoch und matt.
Brant narrensch. 46, 54.

dazu auch schochzabel, schochzabelspil Scherz - Oberlin a. a. o.
2) schoch, m. heuhaufe, s. DWB schochen.
3) schoch, n., nebenform zu schock, vgl. daselbst Frisch 2, 218b.
4) schoch, eine art jetzt ungebräuchlicher schiffe. Frisch 2, 218b: manig galey und choch, das ist, lange schiffe, galeen, und vornen und hinten rundliche schiffe, als cochleas, und manig grosser schoch. quelle s. ebenda. vergl. mhd. schohe, der untere schiffsraum:

er barc sich in des schiffes schohen. erlösung 1550 Bartsch.


 
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schochen, n.
1) aufgeschichteter heuhaufen, heuschober, nebenform zu schock, vgl. daselbst; mhd. schoche Lexer handwb. 2, 765, auch als schoch: glossus .. schoch Dief. nov. gloss. 195b; schochen oder tristen (der) meta foeni Maaler 360b. Frisch 2, 218b; schoch, m. un tas de foin, meta foeni. neues dict. (Genf 1695) 316; wenn man die matten höwet, so sol (man) machen einen schochen. Grimm weisth. 4, 480; item die obgeschriben flecken ôn Reckow soellen jaerlich zwen schochen hoeu machen. 5, 219; dann fuhren sie selig hinaus in's feld, tummelten sich auf der wiese, sammelten das heu auf schochen (dazu die anm.: haufen, nur beim heu gebräuchlich). Auerbach schriften 1, 243. — besonders in alemannischen mundarten, schweizerisch schochen Stalder 2, 346, schoche, plur. schöche Hunziker 229. Seiler 262b, schocha Tobler 397b. Bühler Davos 1, 133, bair. schochen Schmeller 2, 364, schwäb. schoch haufen Schmid 475, dazu schöchle, schöchlen, s. daselbst.
2) fusz, bein, meist im plur., mundartliches wort, kaum mit dem verb. alts. skakan (Hel. 2708), ags. sceacan, zittern, fliehen,

[Bd. 15, Sp. 1430]


hinweggehen, gehen zusammenhängend; rheinfränk. schochen beine Frommann 2, 552, 56. 6, 280, 59. Schmeller 2, 364, fürderschochen vorderfüsze Frommann 3, 48, 18; nd. meist schake, s. daselbst theil 8, 2054, schoken Strodtmann 203, westfälisch schoken, m. Woeste 230a, sonst auch schuoke. — schocke: ick gha ouck na nenes gemeynen menschen gange, de schockn sunt mick soo licht im eyrse, ofse von dannenholt edreyt sunt. nd. baurenkomöd. 21 Jellinghaus.
3) in der gaunersprache schochen nachbar Avé - Lallemant 4, 597.