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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnurenstein bis schnurgerade (Bd. 15, Sp. 1408 bis 1409)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnurenstein, m. die kettenkoralle, tubipora catenulata Nemnich.
 
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schnürer, m. der schnürt, non solum est textor limbolarius, funarius, alias ein schnrmacher, bortenwircker, et bändermacher, verum etiam coactor, exactor, constringens, et vorax, gulo, phago, mando .. porro schnürer exponitur lictor, viator, lorarius Stieler 1908. lacciatore, allacciatore, met. boia che impicca Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b.
 
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schnürerin, f. zum vorigen, limbolaria .., comotria, serva, quae herae suae crines componit Stieler 1908.
 
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schnüreweise, adv.:

mir wie perlen runden lieblich verse sich,
die ich schnüreweis verschenke, süszberauscht.
Platen 74b.


 
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schnürfasz, n. das mit rotbolus gefüllte fäszchen der zimmerleute, das zum färben der rötel- oder richtschnur dient Hertel 219. vgl. DWB schnüren 4.
 
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schnurfeder, f. eine gattung der strahlpolypen, funicularia quadrangularis Oken 5, 124.
 
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schnurfen, verb.
1) krümmen, sich krümmen, schrumpfen, welken, verwandt mit dem gleichbedeutenden starken mhd. snerfen, ahd. snerfan Graff 6, 850. 851, älterer sprache und heutigen oberdeutschen mundarten angehörig Schm.2 2, 582. Höfer 3, 109. Lexer kärnt. wb. 224. Schöpf 642. Castelli 249. Hügel 143b, reflexiv: diese (adern) biegen und schnurfen sich in einander und kuglen sich übereinander zum obern teil. Celsus übersetzt von Khüffner (1531) 125b. dazu als deminutiv oder frequentativ schnurfeln Schm.2 2, 582, intransitiv: wer kain wunder das hirn schnurfflet eim zsammen, wie ein alter strumpff. Schwabe tintenf. 75. schnurfling, m. unansehnliche person Schm.2 2, 582. auch schnorfen Lexer kärnt. wörterb. 224 und mit affricata schnurpfen Schmeller2 2, 583: die drossel und der schlund schnurpfen und dorren ein. Conradinus ungerisch sucht (1574) 189;

[Bd. 15, Sp. 1409]


(der pelz) ist zam geschnurpft an manchem ent.
H. Sachs fastn. sp. 6, 128, 224 neudruck.

dazu schnürpflein, das unterbundene ende an säcken, würsten u. dergl. Schm.2 2, 583. in besonderem sinne schweizerisch es schnürpft si, es zieht sich schrumpfend zusammen, geht mit genauer not Hunziker 229. ebenda ist schnurpfen, schnürpfen mit weiten stichen zusammenheften (zusammenziehen), grob, ungeschickt nähen Stalder 2, 345. Hunziker 229, auch schnörpfen(-a) Tobler 396a. dazu schnörpferi, näherin ebenda, schnurpf, grobe naht, auch narbe, besonders blatternarbe Stalder 2, 345. Hunziker 229 und dementsprechend geschnurpft, schnurpfig, blatternarbig, schnurpfli, schelte für einen blatternarbigen Stalder 2, 345. mit anderem suffix schnurpsen, schrumpfen Frommanns zeitschr. 2, 29.
2) mit schnarfen als bezeichnung eines knarrenden, knirschenden geräusches, einer weiterbildung von schnarren, deren zusammenhang mit snerfen zweifelhaft ist (s. DWB schnarfen oben sp. 1184), sind augenscheinlich die folgenden ausdrücke verwandt: md. schnurpen, in etwas sprödes, frisches beiszen, sodasz es knarrt oder knirscht, dazu in frequentativem sinne schnurpeln, wovon schnurpler, und mit anderem suffix schnurpsen, das auch 'schnarchen' bedeutet Hertel thür. sprachsch. 219, schnurpsen, mit den zähnen knirschen Anton 4, 8, auch vom knirschen des schnees Jecht 98b, daneben schnorpsen Albrecht 205b. Göpfert 45. vielleicht hängt mit dieser anwendung schnorps, gewinn, auch name eines kartenspiels (sechsundsechzig) Albrecht 205 zusammen (eigentlich bisz, bissen?), dem das verbum schnurpsen in gleichem gebrauche zur seite steht. in anders gewendeter bedeutung schnürpfa, luft hörbar durch die nase einziehen, den nasenschleim aufziehen Bühler Davos 1, 124, häufiger schnurfeln Schm.2 2, 582. Hintner 224. Lexer kärnt. wb. 224. Frischbier 2, 308b, auch 'durch die nase reden' Lexer 224. dazu schnurfler, geschnurfle Hintner 224. in ähnlichem sinne schnürpsen, seufzen, stille weinen (schluchzen) Pfister 2. ergänzungsh. 35.
 
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schnurfeuer, n. eine art von feuerwerk, das an einer schnur fortgeleitet wird Adelung. Jacobsson 4, 33b, ignis artificialis in funiculo decurrens Frisch 2, 217c, couratins, fusées courantes sur une corde Eggers kriegslex. 2 (1757), 833.
 
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schnurfolge, f. in der baukunst gerade, der ausgespannten schnur, richtschnur folgende richtung, richtung nach der schnur, alignement Jacobsson 4, 33b (vgl. DWB schnur 4): nach der schnurfolge erbauet. ebenda.
 
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schnurförmig, adj. wie eine schnur geformt Campe.
 
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schnurgerade, adj. gerade wie eine ausgespannte schnur, als ob es nach der schnur gerichtet wäre Adelung ('in der vertraulichen sprechart'), schnur-gerad, dritto à filo Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 635a, ad amussim factus, ad perpendiculum erectus Frisch 2, 217c.
1) in sinnlicher anwendung: ein schnur-gerader weg, strada dritta à filo Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 635a; eine schnurgerade säul, colonna dritta à piombo. ebenda; schmollend .. schlug ich einen längern umweg durch schnurgerade gassen .. ein. Thümmel reise 10 (1805), 329; vom gebäude her, neben der schnurgeraden chaussee, flieszt zu beiden seiten lebendiges wasser dem kommenden entgegen. Göthe 27, 86; der abstand der schnurgeraden zeilen von einander und vom rande des bogens war in allen der gleiche. Ludwig 1 (1891), 234. adverbial: dannen schün- und schnurgerad auf die mitte der heche des Praitenstains. tirol. weisth. 1, 35, 5 (17. jh.); schnurgerad von oben herab, dritto à piombo Kramer 2, 635c;

und lief in vollem trab,
querfeldein, schnurgerade,
zum nächsten meergestade.
Bürger 22b;

Turin.
schnurgrad laufende gassen und höchst kunstlose gebäude;
doch es erfreuen von fern Alpen und ewiger schnee.
Platen 141a.


2) unsinnlich: seine (Spinozas) politischen grundsätze waren so strack, so schnurgerade, dasz sie der damaligen zeit gewisz nicht eingehen konnten. Herder z. phil. u. gesch. 9, 107. adverbial meist in der verbindung schnur-gerad zuwider, drittamente contrario Kramer 2, 635a und ähnlichen, vergl. schnurstracks: wann dieses zu besorgen, so kan ein printz auch wohl den unwürdigen verzeihen: dafern es nicht schnurgerad, dem gebotte gottes entgegen laufft. Butschky Pathmos 853; sey also so gut und verfertige etwas anders das wider die intoleranz unserer censur nicht so schnurgerade anrennt. Schiller 1, 196; dieser denkart gemäsz liesz er (Adrian VI.) sich in der der instruction, die er seinem legaten nach

[Bd. 15, Sp. 1410]


Deutschland mitgab, zu zugeständnissen verleiten, die noch bey keinem pabste erhört gewesen waren, und den grundsätzen dieses hofes schnurgerade zuwiderliefen. 10, 436; würde es denn aber auch nicht unvereinbar mit dem interesse des standes gewesen seyn, unter solchen umständen solche stimmen zuzulassen, so hätte es doch dem geist der aristokratie schnurgrade widersprochen. Niebuhr röm. gesch.3 1, 371.