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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnürbrett bis schnürer (Bd. 15, Sp. 1404 bis 1408)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnürbrett, n. 1) bei den buchbindern brett zum schnüren der bücher Jacobsson 7, 266a. 2) in der weberei harnischbrett, gallirbrett Karmarsch-Heeren3 7, 778.
 
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schnürbrust, f. zum schnüren eingerichtete brustbekleidung des weiblichen geschlechts, corset, brustschnur, quod frequentius efferunt eine schnürbrust, mamillare Stieler 1907, busto da donna da esser lacciato dinanzi ò dietro Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b, fibulatorium, ometis Steinbach 1, 212, pectorale muliebre, schnür-leib Frisch 2, 217c, schnür-brust, schnürleib, schnür-mieder, auch gorgentine genannt, ist ein .. mit eitel dicht an einander geschobenen fischbein-stäblein durchsteifftes und belegtes brust-stücke .., worinnen das frauenzimmer ihren leib zusammen zu schnüren und zu befestigen pfleget. frauenz.-lex. (1715) 1753. bei Adelung vom schnürleib als mehr gesteift und an der brust mehr gewölbt unterschieden; Lessing schreibt schnierbrust; da kombt etwan eines seidenkramers jung, der bringt etwas der frauen zur schnürbrust, dem mann etwas zu ausz-staffierung eines kleides. Schuppius 203; er (Lelio) ist besser gewachsen und schlanker, ob er gleich keine schnierbrust trägt. Lessing 1, 378; kein nackend hälsgen mehr, nicht mehr ohne schnürbrust, dasz es mir ordentlich lächerlich tuht. Göthe briefe 1, 133 Weim. ausgabe; der hofmeister ... umkleidete mich mit einer entsetzlichen schnürbrust. Arnim 2, 154;

mit einer schnürbrust war des Putzes brust bedecket.
Zachariä 106 (renomm. 6, 61);

den matten damen ward schnürbrust und saal zu enge. 259 (schnupft. 3, 346);

in eine kleine fliege, —
siehst du, was ich erfand! —
verwandle dich (Amor), und fliege
auf ihrer schnürbrust rand.
Bürger 5a;

drauf leg' ich ihr die schnürbrust an. 18b;

auch ward ihr in die länge
die schnürbrust mächtig enge. 22a;

(er) hub, um brust und hüften,
die schnürbrust an zu lüften. 23a.

im bilde: ich soll meinen leib pressen in eine schnürbrust und meinen willen schnüren in gesetze. Schiller räuber schauspiel 1, 2.
 
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schnurbuch, n. mit einer schnur der controle wegen durchstochenes buch mit fortlaufender seitenzahl Sallmann 84b.
 
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schnurbund, m., bei Oken 5, 445 eine schneckenart der gattung spaltschnecken, trochus conulus.
 
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schnurcheln, verb., nebenform zu schnarcheln, s. dieses oben sp. 1178.
 
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schnürchen, n., demin. zu schnur: heute noch kann ich es spüren, wie sie mich dauerte, als sie mir einen alten fingerhut von ihrem pfleger, an einem gelben schnürchen hängend, übermachte. Mörike 2 (1878), 69; Sali kniete nieder und nahm so gut er es verstand, das masz (zum schuh), indem er den zierlichen fusz der länge und breite nach umspannte mit dem schnürchen und sorgfältig knoten in dasselbe knüpfte. Keller 4 (1894), 126. bildlich etwas an einem schnürchen haben, fertigkeit darin besitzen Adelung, häufiger

[Bd. 15, Sp. 1405]


am schnürchen haben, gut im gedächtnis haben, von Adelung auf den gebrauch der schnur zum aufreihen zurückgeführt (vgl. DWB schnur 5, besonders die dort angeführte stelle Kant 10, 193), wobei in Borchardt-Wustmanns sprichtwörtlichen redensarten (1894) 423, 1057 an den rosenkranz erinnert wird, aber auch an die anwendung der schnur zur handhabung der puppen im puppenspiele gemahnend (vgl. DWB schnur 3, c): ich aber, der ich den könig Oedipus (des Sophokles) am schnürchen hatte, scheiterte ganz am Euripides. Grillparzer (1887) 15, 26. ähnlich: die die freyen künste in denen trivial schulen wohl begriffen, auch ihre cursus auff denen academien absolviret und die discurs und dictata ihrer lehrer an einem schnürgen herzusagen wissen. Thomasius von nachahmung der Franzosen 24, 25 Sauer; so dasz ich mich jetzt übe, sie (die geschichten) unveränderlich in einem singenden sylbenfall an einem schnürchen weg zu recitiren. Göthe 16, 73; ich kann die rede aufs schnürchen. Immermann 3, 22 Boxberger; etwas geht wie am schnürchen. deutlicher knüpft die wendung einen am schnürchen haben, in der gewalt, im gehorsam, an die handhabung der puppen an: die (kinder) hat man nicht immer so am schnürchen, dasz sie nur schreien, wenn's dich nicht stört. Göthe 7, 125. von der angelschnur (s. DWB schnur 3, d) scheint das folgende bild genommen zu sein:

drauf kam ein graf mit band und stern
und klopfte (als freier) an das thürchen.
die mutter sprach: den goldnen herrn
den lasz mir nicht vom schnürchen.
Ludwig (1891) 1, 25.


 
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schnureben, adj., dasselbe wie schnurgerade, ad amussim exaequatus Frisch 2, 217c: item, da man stöllen entgegen lenget, und uber sich unter die tagschecht brichet, das es schnureben soll zutreffen, und eine wasserseige und brunne bleiben, und först und sole an beiden orten zutreffen sol. Mathesius Sar. 143a.
 
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schnüreisen, n. werkzeug, womit die haut, die zu pergament verarbeitet werden soll, in den rahmen ausgespannt und angeschnürt wird. Jacobsson 4, 33a.
 
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schnüren, verb. vincire, vinculo adstringere, denominativ zu schnur, mhd. snüeren, prät. snuorte Lexer mhd. handwb. 2, 1044, ahd. *snuorjan (belegt dero fersnuorton, defixorum) Graff 6, 849. vgl. mnd. snôren Schiller-Lübben 4, 279a, nnd. snren brem. wb. 4, 898. Woeste 246b. Schambach 200b. Danneil 200a. ten Doornkaat Koolman 3, 248a, mndl. snoeren, stringere, contrahere funiculo Kilian, ebenso nndl., darnach als mischform bei Schottel 1406: schnoeren, schnoren, filo trajicere, fädemen, enfiler. in bestimmtem intransitiven gebrauch (s. unten 9) begegnet schnuren, das sich durch die umlautlosigkeit des stammvocals als eine andere bildung zu schnur darstellt.
die allgemeine bedeutung von schnüren ist 'eine schnur handhaben, mit einer schnur behandeln'.
1) mit einer schnur umwinden, zusammenziehen.
a) allgemein, zur befestigung:

die selben (bauernsöhne) ouch vil baʒ snüeren
kunden ir salzsecke,
denn si die îsnîn flecke
ûf diu wambîs kunden tuon.
Ottokar 26184 Seemüller;

der bote schnürt den mantelsack und das reff. Göthe 21, 12. wie hier die vorbereitung zum fortgehen bezeichnet wird, so auch in den verbindungen sein bündel, den ranzen schnüren, die häufig den allgemeineren sinn des anschickens zur wanderschaft, abreise gewinnen: der alte hatte also sein bündel in wenig augenblicken geschnürt, und zog .. in der nehmlichen viertelstunde ab. Wieland 8, 294; er konnte mir zu jeder zeit das consilium abeundi ertheilen, und ich muszte dann auf der stelle den ranzen schnüren. H. Heine 10, 176; sobald aber die wiesen grün wurden und die wege gangbar, sagten sie (die gesellen): es ist doch sauerkraut! und schnürten ihr bündel. Keller 4 (1894), 216; heute noch schnürst du deinen ranzen. Ludwig 1 (1891), 158;

wer's mit der welt nicht lustig nehmen will,
der mag nur [gleich] sein bündel schnüren.
Göthe 15, 2, 219 Weim. ausg.;

Piran vernahm es mit verdrusz,
dasz wieder den bündel er schnüren musz.
Rückert Firdosi 2, 376;

und sein bündel schnürt er wieder.
Lenau 1, 381 Koch.

etwas auf, an, in etwas anderes schnüren: den mantelsack auf das pferd Adelung; einen rock in eine decke;

reich' uns des erzes kraft
spitzig, nach hinten breit,
dasz wir es schnüren fest
an unsrer stäbe schaft.
Göthe 40, 385.

[Bd. 15, Sp. 1406]


einen strick, faden um etwas schnüren. bildliche wendungen: kain wort sol nymer mer usz deinem munde kommen, es sey dann vor gesigelt und geschniert in der vernunfft, das alle umbstend gehalten werden, die dartz gehörn. Keisersberg pred. (1510) 51b; wüszt' ich nur zu schreiben, ein buch zu schnüren, eine dedication zu wenden, einen narren recht von seinem verdienste trunken zu machen, mich bei den weibern einzuschmeicheln. Göthe 36, 130;

ich möchte dieses buch wohl gern zusammen schürzen,
dasz es den andern wäre gleich geschnürt.
allein wie willst du wort und blatt verkürzen,
wenn liebeswahnsinn dich ins weite führt? 5, 173;

als des geschickes dunkle hand,
was sie vor eurem (der künstler) auge schnürte,
vor eurem aug' nicht auseinander band.
Schiller 6, 272.


b) von tracht und kleidung, das haar schnüren: diu ander ûʒsetzikeit diu ist an der leien hâre, die ir hâr windent unde snüerent. Berth. v. Regensburg 1, 114, 25. kleider: die schnürbrust lockerer schnüren. Adelung; es ist itzo die mode, schnallen an den beinkleidern zu tragen, womit man sie nach belieben weiter und enger schnürt. Schiller räub. schausp. 1, 1;

er (der henker) stund in seinen geschnürten schuhen
bis zu den enkeln in dem blute.
Liliencron hist. volksl. 1, 213 (nr. 44), 25.

die glieder, einen, sich in ein kleid, eine rüstung schnüren: ich liesz ihn in seinen harnisch schnüren. Hauff 6, 93;

worinne gieng sie ihm entgegen?
in einem seiden hemdlein wol genäjet,
das war so fein,
darinn gieng sie geschnüret,
das wacker megdelein.
Uhland volksl.2 143 (nr. 88), 5;

denn jetzund kan ich stündlich sein
bey der hertzallerliebsten mein,
umb deren gunst und lieb ich han
dise weibskleider geleget an,
mich darein geschnüret und gesteckt.
Ayrer 967, 13 Keller;

in rauhes erz sollst du die glieder schnüren.
Schiller jungfrau prolog 4.

ähnlich in den folgenden bildlichen wendungen: ich soll meinen leib pressen in eine schnürbrust, und meinen willen schnüren in gesetze. Schiller räuber schausp. 1, 2;

in seufzer wird die schöne brust geschnürt.
Uhland (1864) 458.

eine, sich schnüren, prägnant, vom schnüren der brüste, zusammenziehen der schnürbrust, contrahere pectorale muliebre Frisch 2, 217c: das weib hat sich geschnüret. Schottel 1407; sich lockerer, sich fester schnüren. Adelung;

ich werde mich nicht erst dir zu gefallen schnüren.
Günther 1102;

das fräulein war geschnürt.
Lessing 1, 210;

und herr Pygmalion fieng an ...
sie anzukleiden, sie zu schnüren —
(nicht schnüren, wie man itzo spricht;
so schnüren that man damals nicht;
man wuszte sich wohl sonst zu zieren!)
ich wollte sagen: sie zu gürten.
Crome im Göttinger musenalm. auf 1771 88 (188) Redlich;

freilich geh' ich nie geschnüret,
noch gepudert und frisiret.
Voss 2, 109.

daher bildlich ein geschnürter styl, 'bei den neueren kunstrichtern, eine art des gezwungenen styl, der gleichsam so steif wie ein geschnürtes frauenzimmer' Adelung. ähnlich geschnürte tugend, wie in eine schnürbrust eingeengte:

auch meine sorge für deine jugend,
recht geschnürt- und gequetschte tugend
erreicht nun hier das höchste ziel. der junge
Göthe 3, 496.


c) fesselnd und folternd: hände auf den rücken schnüren, manus post terga illigare, vincire Stieler 1908, zusammen schnüren:

die furstin clar und reyn
hies mich von dannen füern,
die hend zu samen schnüern,
als ob ich wer verteylt. der spiegel in Holland und Kellers meister Altswert 182, 28.

einen schnüren, fesseln, binden:

der hencker in do snûrte,
an ein seil er in do bant. Dioclet. 2368;

herre Jhesus, loisz din obel sehen!
unser wille sail doch geschehen
und wel dich nu zu recht snoren
und mit dir den reien furen. Alsf. passionssp. 5348.

[Bd. 15, Sp. 1407]


mit näheren bestimmungen:

du leszt dich wol zu diesen schnuren
und dich mit andern narren furen. fastn. sp. 233, 7 Keller;

am brunn dort schnürt ihn feste, dem wurfgeschosz ein ziel.
Ludwig (1891) 1, 126;

auf die folter schnüren, bildlich:

das leben ist ein joch,
das uns mehr drückt als zieret, ach ungemach!
und auf die folter schnüret.
Günther 106.

dichterisch heiszt es auch bande schnüren einen, halten ihn gefesselt, bildlich:

mancher wähnt sich frei, und siehet
nicht die bande, die ihn schnüren.
Rückert (1841) 331.

einen schnüren weiter von einer art des folterns, wobei schnüre um die arme gelegt und zusammengezogen wurden Adelung, primum gradum tormentorum adhibere; funiculo torquere Frisch 2, 217b. das schnüren mit vollen banden ist nach Adelung der höchste grad dieser tortur. schnüren heisset auch pendere, brancher, henken, mit dem strikke umbringen. er ist geschnürt, suspensus est, estre pendu Schottel 1407. Avé-Lallemant gaunerth. 4, 602.
d) im anschlusz daran, wie mit einer schnur zusammenziehen, zusammenpressen, einengen: unglüklicher alter mann — traue der schlange (Fiesko) nicht. sieben farben ringen auf ihrem spiegelnden rüken — du nahst — und jählings schnürt dich der tödtliche wirbel. Schiller Fiesko 5, 1. krampf, angst, schreck, schmerz schnürt einen, einem die kehle, die brust zusammen: kann ich diesen krampf nicht abschütteln, der mich so schnürt? Mörike maler Nolten (1890) 2, 43;

der reue schmerz schnürt heftig ihm die kehle,
er bringt kein wort aus stummbewegtem munde.
Lenau 2, 145 Koch.

ähnlich, mit auslassung des objects:

die welt ist kalt und rauh,
ihr anhauch schnürt zusammen.
Rückert (1881) 1, 491.


e) ein thier männliches geschlechtes schnüren, castriren Adelung, hämmeln öcon. lex. (1744) 2635.
2) auf eine schnur reihen, vgl. DWB schnur 5. perlen, corallen etc. schnüren, filare, filzare perle, coralli Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b, tobaksblätter (obersächs.) Adelung.
3) mit einer schnur besetzen, von kleidungsstücken: dy manne trugen jopen forne uffene mittenander unnd wisse adder von gewande kostliche brost tuchere unnd uber her gesnuret mit syden snuren adder mit breiten senckeln. Stolle Erf. chron. Haupts zeitschr. 8, 319;

der treit eine hûben, diu ist innerthalp gesnüeret,
und sint ûʒen vogelîn mit sîden ûf genât.
Neidhart 86, 7 Haupt;

der rothe latz erhebt den gewölbeten busen
schön geschnürt.
Göthe 40, 284.

eine wage schnüren, mit schnüren versehen Adelung. Jacobsson 4, 33a.
4) mit der schnur messen, mit der richtschnur zeichnen, vgl. DWB schnur 6. bey den zimmerleuten, amussis linea notare, bey den maurern, ad perpendiculum exaequare Frisch 2, 217b. Jacobsson 4, 33a: den einen heiszet er (der meister den knecht) ein holtz absegen. dem andren befihlt er eines zeschnieren, dem dritten zbehouwen. Keisersberg seelenpar. (1510) 55c; der ein astronomus ist, und versteht die artzney nicht, dem ist eben als ein zimmerman, der nichts kan dann zimmern, aber nicht schnüren. Paracelsus 1 (1616), 371 A. in bildlichen wendungen:

ob er mir etwaʒ
zeiget dar an ich ze laʒ
bin gewesen und vergaʒ
der mâʒe und eʒ unrehte maʒ,
so snüer ich gern ein anderʒ baʒ.
Konr. v. Fuszesbrunn kindh. Jesu 102, 70;

sin (des rechts) art so gesnüeret
ist, swâ gewalt mit rehte vert, reht wird wol gevüeret,
swenn aber daʒ reht vert mit gewalt, sân ist sîn name verworden.
Frauenlob 96, 4;

man kan die rede nu anders snüeren
und in manege kluppen spalten.
Hugo v. Trimberg renner 21702.


5) mit der schnur, die sie zum messen brauchen, pflegen die bauhandwerker auch besichtiger des baus zu schnüren, sie durch vorhalten derselben zur auslösung mit einem trinkgelde zu veranlassen, vgl. in die schnur nehmen, kriegen unter schnur 6, extenso funiculo retinere, et impedire aliquem donec quid nummorum solvat Frisch 2, 217c. Adelung. Frischbier 2, 308b.

[Bd. 15, Sp. 1408]



6) von hier oder von 1, c aus hat sich wol die in niederer sprache weit verbreitete bedeutung 'prellen, einen durch list um sein geld bringen', meist vom übertheuern der gastwirte, entwickelt. Kluge studentenspr. 123 (belege von 1721. 1747. 1764). Adelung ('im gemeinen leben üblich'). Klein 2, 137 (Baiern, Pfalz, Jülich und Berg). Höfer 3, 109. Schöpf 642. Hügel 143b. Hunziker 229. Spiesz 224. Albrecht 205b.
7) die bedeutung 'leiten', die in folgender stelle vorliegt, setzt entweder eine verwendung des wortes als 'leiten mit, an der schnur' voraus oder knüpft an schnur, richtschnur, an (s. dieses 6):

ir begirde âne luge
suochte der demuot luoder
mit menger tugende ruoder
die ir herzen schif fuorten
und eʒ so ebin snuorten
ab disem wilden mere
zuo dem himelschen here.
Hugo v. Langenstein Martina 149, 57;

daran schlieszt sich ein mhd. gebrauch als 'sich begeben, sich wenden':

mit der gesiht er snuorte
hin und lieʒ eʒ also sîn. Reinfried von Braunschweig 3934;

zuo dem frônen gotes grabe
der bote eben snuorte. 23445;

hin für den künc er snuorte
mit sîner reise snelle. 26183.


8) von schnur 6 geht sicher ein waidmännischer gebrauch aus, schnüren heiszt wenn ein wolf stets den trab lauft und mit den hintern klauen jedesmal accurat in die fördersten tritte eintritt. Flemming vollk. jäger (1749) 110, schnüren thun die wölfe, füchse, wilden katzen und dergleichen indem sie im trabe mit dem hintern laufte allermal wieder in den tritt treten, den sie mit dem vordern gemacht haben und also alle tritte in gerader linie fort setzen. Heppe jagdlust (1784) 3, 804. Behlen 5, 546: denn sie (die füchse) schnüren so gerade, wie der wolff, weil sie meistentheils traben. Döbel jägerpr. 1, 39b, auch schnuren öcon. lex. (1744) 2638. Eggers kriegslex. 2 (1757), 833. Adelung.
9) dasselbe gilt für das bergmännische intransitive mit einander schnüren, markscheiden, angrenzen Veith 426 (mit belegen vom ausgange des 17. jahrh. an), wann die zechen im bergwerk neben einander liegen, vicini sunt in fodinarum meatibus Frisch 2, 217b. Adelung. Jacobsson 4, 33a. auch mit anderem schnüren: in beyseyn derer mit dem feld schnürenden gewercken. quelle von 1698 bei Veith 426.
10) in der forstsprache heiszt schnüren, dasz ein zu beschlagender holzstamm sich auf zwei entgegengesetzten seiten nach der schnur in gerader linie behauen läszt Behlen 5, 546.
 
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schnurenstein, m. die kettenkoralle, tubipora catenulata Nemnich.
 
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schnürer, m. der schnürt, non solum est textor limbolarius, funarius, alias ein schnrmacher, bortenwircker, et bändermacher, verum etiam coactor, exactor, constringens, et vorax, gulo, phago, mando .. porro schnürer exponitur lictor, viator, lorarius Stieler 1908. lacciatore, allacciatore, met. boia che impicca Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b.