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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnuff bis schnuller (Bd. 15, Sp. 1385 bis 1386)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnuff, m. (vergl. DWB schnuffeln, DWB schnüffeln, DWB schnuffen, schnüffen), die nase; dann auch die witterung in einer sache (vgl. nd. versnuff krigen, witterung, wind von einem dinge bekommen brem. wb. 4, 908), die art und weise, um einen zu hintergehen, anzuführen Schmidt 205. Kehrein 1, 364; niederd. snüff, schnauze, nase; die vorderspitze an schuhen oder pantoffeln (hier als fem. bezeichnet) Richey 275; vgl. Schütze 4, 147. Danneil 200a. ten Doornkaat Koolman 3, 249a. Müller-Weitz Aachener mundart 219.
 
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schnüffel, m. einer der überall herumsucht, sich in alles mischt, alles wissen will Albrecht 205b; schnüffel, naseweiser bursche Hertel sprachsch. 219, grober kerl ebenda, vgl. Frischbier 2, 308a; bei Woeste 247b im sinne von nase, vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 250a. schnufel, f. nase und maul des hundes, rindes, pferdes u. s. w., verächtlich des menschen Schm. 2, 573, vgl. Frischbier a. a. o. s. schnüffeln.
 
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schnüffelei, f., zu schnüffeln gebildet, das herumsuchen, herumstänkern.
 
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schnüffelhans, -jochen, m., wie schnüffel, m. und schnüffler, s. nd. korrespondenzbl. 9, 88a; vgl. die bildungen mit Michel, Trine u. ähnl.
 
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schnuffeln, schnüffeln, verb. wiederholt den geruch in die nase ziehen und dadurch wittern und spüren, in übertragener anwendung vom menschen, spüren, suchen, untersuchen, durchstöbern, in spöttischen sinne oder auch mit stärkerer miszbilligung der kleinlichen neugierde oder der bösen absicht (verwandt mit schnauben, in nächster beziehung stehend zu niederd. snuff, snüff nase und snuffen, verb.). das wort ist aus dem nd. in die schriftsprache gedrungen, die unumgelautete form des wortes begegnet häufig bei Göthe, ist aber in neuerer zeit nicht mehr schriftgemäsz. schnuffeln wird in einzelnen gegenden der bedeutung nach von schnüffeln geschieden und bezeichnet z. b. in Hessen, aber auch sonst ein 'anderen unangenehmes schnieben in der nase, ein aufziehen des rotzes' (Pfister 264), während schnüffeln den schriftgemäszen sinn hat; nld. snoffelen, snuffelen, nictere, subolere, naribus spirare, odorare, indagare canum more, sagire Kilian; nd. snüffeln, durch die nase schnauben, den rotz in die höhe ziehen; von thieren, wittern, beriechen; übertragen auf menschen wie in der schriftsprache Danneil 200b. Schambach 200b. Woeste 247b; he snüffelt alle böker dör Richey 275. Schütze 4, 147. Dähnert 439b, ebenso md., vgl. Spiesz 224 und oberd. Frommanns zeitschr. 4, 251, 32 (Vorarlberg), vgl. 3, 303; daneben schnüfla, atmen, schnaufen, zu schnūfa gebildet. ebenda und 3, 213, 4, s. Schm. 2, 573. die lexicographen verzeichnen schnüffeln, wie es scheint, für die hochd. schriftsprache erst im 18. jahrh., vgl. Weigand4 2, 623; bei Frisch 2, 217a ohne umlaut schnuffeln, be-, herumschnuffeln. bei Adelung schnuffeln und schnüffeln, das wort werde aber nur in 'niederen sprecharten' gehört: etwas beschnüffeln, es auf solche art beriechen, wie die hunde, alles durchschnuffeln, es auf eine unanständige art durchsuchen; lauter blumen des groszen haufens. Campe bezeichnet schnuffeln, schnüffeln als ein niedriges, aber deshalb noch nicht verwerfliches wort und führt die bekannte Fauststelle an (s. unten). beschnuffeln begegnet schon im 16. jahrh.: die

[Bd. 15, Sp. 1386]


gifftspinne, .. wann sie des menschen haut, nur mit dem maul beschnuffelt. Frölich Stobäus 352. von thieren: der hund schnüffelt auf der fährte, am erlegten wilde, durchschnüffelt das gebüsch. ebenso in eigentlicher bedeutung:

Lurian. nun was schnüffelst du, Pux?
Pux. mir strömt ein geruch in die nüstern.
Voss 2, 259 (idyll. 15, 76);

komm herunter, näschen, herunter; wenn du kannst, schnüffl' ein bischen. Fr. Müller 1, 169; in freierem gebrauche: sah er, dasz ich eine oder die andere nur mit der hand berührte: gleich dazwischen geschnüffelt, ey, ey, ey, was gibts denn da. 2, 56; an meinen bildern müszt ihr nicht schnuffeln, die farben sind ungesund. Göthe 56, 145; die vielen kinder, die da herum faullenzen ... die schnüffeln und betteln überall. Arnim kronenw. 1, 399;

die frau hat gar einen feinen geruch,
schnuffelt immer im gebetbuch.
Göthe 12, 145;

wie mancher miszwillige schnuffelt und wittert
um das von der muse verliehne gedicht. 56, 105;

ein demagogenriechernashornangesicht
... ein immerwährend schnüffelndes.
Platen 273;

mein freund, du schnüffelst mir zu viel herum
und spionirst, merk' ich, nach allen seiten.
Grillparzer 7, 47.

nd. snüffeln bedeutet auch tabak schnupfen, vgl. Danneil 200b. Schambach 200b, ferner näseln, s. ten Doornkaat Koolman 3, 250a; selten so in der schriftsprache, vgl. Weigand4 2, 623; er schnüffelt so, dasz man ihn nicht verstehen kann. Campe; (sie drückte die brille) auf die gequetschte nase, dasz sie im sprechen einen schrecklich schnüffelnden ton bekam. die deputirten! näselte sie. Gutzkow ritter v. geist 5, 465. in der bedeutung von unsauber essen bei Hertel sprachsch. 219.
 
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schnüffelnase, f.: unter den feuchtnasen riechen diejenigen am ausgezeichnetsten, deren geruchswerkzeuge noch besonders beweglich oder zu echten schnüffelnasen umgewandelt sind. Brehm illustr. thierl. 1, 25.
 
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schnuffen, verb. (vgl. das vorhergehende wort), nur mundartlich erhalten: schnuffen, heftig atmen Spiesz 224. alles ausschnuffen, beschnuffen, beschnuffeln wollen. Kramer deutschitalien. diction. (1702) 2, 634b. schnüffen: kychende oder schnüffende. Terentius (1499) 156b; zu schnuffen wird weiterhin schnuffern gebildet.
 
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schnuffler, schnüffler, m., zu schnuffeln, schnüffeln gebildet, s. dieses; nd. et is een rechten snüffeler, ein rechter spürhund Richey 275; een oll snüffler, ein alter kerl, der noch den mädchen nachgehet Dähnert 439b; snüffler, späher Woeste 247b, vgl. Schütze 4, 147. Danneil 200b. Schambach 200b; schnuffler, ein neugieriger Frommanns zeitschr. 3, 103 (fränk.-henneb.). besonders auch als schimpfwort Frischbier 2, 308a. von einem hunde:

marsch, wächter! was riechst du am packen?
warte des eigenen amts, du schnüffeler!
Voss 2, 178 (idyllen 11, 54).


 
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schnüffze, f. schnauze:

wann das blut durch seine (des pferdes) schnüffze keimt.
D. v. Czepko handschriftlich.


 
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schnullen, verb. saugen (vgl. DWB nullen, DWB nollen th. 7, sp. 879. 980), zunächst von kindern, daher schnuller, das saugläppchen; dann auch in allgemeinerer anwendung; eine person abschnullen, abküssen, zerküssen Schm. 2, 576, vgl. Schmid 475. Sartorius 112. Klein prov.-wb. 2, 137. Pfister erg. 1, 23; mit lust essen Hertel sprachschatz 219. schnullen, harnen (von kindern) Albrecht 20, in gleicher bedeutung auch nullen. in der Pfalz für tabak rauchen Klein prov.-wb. 2, 137 (vom saugen an der pfeife, die hie und da schnuller heiszt). schnullen, schmutzige redensarten führen Kehrein 1, 364 (schnudeln?).
 
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schnuller, m. saugläppchen Schmeller 2, 576. Schmid 409. Sartorius 112. Klein prov.-wb. 2, 138: (der artigste junge,) der jemals kindsbrey gegessen und an einem schnuller gesuckelt hätte. Wieland 15, 157; schnuller, tabakspfeife Hartmann-Abele volksschausp. 597 (s. DWB schnullen). schnuller bezeichnet im hessischen penis Vilmar 364, vgl. DWB schnullen, harnen. Pfister erg. 2, 34 bezeugt für schnuller die bedeutung kaulquappe.