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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnorgeln bis schnörkelwerk (Bd. 15, Sp. 1378 bis 1379)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnorgeln, verb. (vgl. DWB schnurkeln, schnürkeln), nach Frisch 2, 216c in Nürnberg im sinne von 'durch die nase reden und das r nicht recht aussprechen können'. schnorgeln, schnörgeln, schnurgeln, durch die nase laut atmen; mit der nase den rotz hochziehen Frischbier 2, 307b; snörgeln vom tone den eine unreine tabakspfeife beim rauchen hervorbringt Woeste 246b.
 
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schnörkel, m. gewundene linie, verzierung in gewundenen linien; bei Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634a schnorchel, schnörchel, schnörckel; mit schnörcheln zieren, volutare; Günther hat schnorckel:

der greisz, dem ein soldat die schnorckelcirckel störet. 646.

Adelung bezeichnet als mundartliche nebenformen schnerkel und schnirkel. besonders die form schnirkel ist in älterer sprache viel gebräuchlich (s. oben schnirkel); mit verdunklung des vocals schnürkel, niederd. snürkel Woeste 247a; schnürkl, schnarkl machen, verworrene linien ziehen, kritzeln Schöpf 642. Frisch 2, 215c schreibt schnerkel. schnörkel hängt wahrscheinlich mit ahd. bisnerhan, gisnerhan, verstricken, binden, flechten, snarahha strick und netzwerk zusammen und geht auf schnerkel, schnerchel zurück; das wort ist aus dem oberdeutschen in die schriftsprache eingedrungen. in eigentlicher bedeutung: nach Jacobsson 4, 30b bezeichnet man mit schnörkel die voluten der jonischen, korinthischen und zusammengesetzten säulenordnungen, dann überhaupt eine schneckenförmige biegung 7, 265a, bei Adelung schnecken- oder schlangenlinie. in allgemeinerer anwendung von jeder gewundene linien oder formen zeigenden verzierung. im stile des 18. jahrh.:

seht nur das haus da drüben, das neue! wie prächtig in grünen
feldern die stuckatur der weiszen schnörkel sich ausnimmt.
Göthe 40, 262;

auch den eichenen schrank mit geflügelten köpfen und schnörkeln.
Voss 2, 274.

gothische verzierungen:

den gothischen zierrat ergreift nun der wicht
und klettert von zinne zu zinnen ...
es ruckt sich von schnörkel zu schnörkel hinan. 1, 230;

wie jeder schnörkel dort am dom für sich
besteht, und doch das ganze zieren hilft.
Grabbe 2, 413 (Heinrich VI 3, 1);

der münster stand bei grünen bäumen
mit schnörkeln und steinrosensäumen.
Immermann 13, 181 Boxberger.

leicht in tadelndem sinne, indem das unruhige, launsiche, gehäufte oder überkünstliche der verzierung hervorgehoben wird; so bei Adelung und Campe: auf anlasz einiger abenteuerlichen schnörkel (der altdeutschen baukunst). im bilde: die ersten grundlinien ..., denen man jederzeit nachgegangen ist und ferner nachgehen wird, man mag sie nun durch noch so viel laubwerk und schnörkel verzieren und verstecken, als man immer will. Kant 2, 465. verzierungen an der schrift: er schlosz seinen brief mit einem zierlichen schnörkel, schnörkel an buchstaben u. ähnl.;

wie auf dem ŭ fortan der theure schnörkel zu sparen?
auf die antwort sind dreiszig dukaten gesetzt.
Schiller 11, 135;

in gleicher anwendung auf die gartenkunst, s. gartenschnörkel th. 4, sp. 1413. schnörkel mit dem schlittschuh beschreiben u. ähnl.; verzierungen in der musik: mit trillern und allerhand schnörkeln überladen. ohne tadelnden sinn: in dem tone, wie das volk selber singt, treuherzig und selbst mit den kleinen schnörkeln verziert, die jenes anzuhängen pflegt. Keller 3, 213. der freiere und übertragene gebrauch des wortes ist der neueren sprache geläufig. mit beziehung auf künstliche form der dichtung: die schnörkel seiner (Hariris) makamen. Rückert poet. werke (1882) 11, 221; in dergleichen versen läszt sich der dichter zum gelehrten kunstgeschmacke seiner zeit herbei, doch tut er es weislich nur in solchem beiwerk der beschreibungen, wo ein schnörkel, eine arabeske sich auch wol ausnimmt. Firdosi 1, 310. gebiet der sitte: ebenso führt er in sein gesellschaftliches betragen und in seine sitten schnörkel und verzierungen ein. Schiller briefe 3, 392 Jonas; in besonderer anwendung: meine augenbrauen müssen während der ganzen zeit des gezwungenen aufenthalts nicht aus jenem wehmüthigen schnörkel, meine mundwinkel nicht aus jenem gekniffenen faltenwurf gekommen seyn, mit dem man nach dem genusz von in der sonne lauwarm gewordenen rothwein

[Bd. 15, Sp. 1379]


sein gesicht zu drappiren pflegt. Gaudy 19, 31; mundwinkel mit angewöhntem, eisernen schnörkel. Keller 6, 119.
 
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schnörkelbeet, n. gartenbeet mit gewundenem umrisz. Campe.
 
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schnörkelchen, n.: die linien beym anfange gefallen mir nicht, und ich hatte ausdrücklich alle schnörkelchen, von was für art sie auch sind, verbeten. Lessing 13, 621.
 
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schnörkelcirkel, m., s. DWB schnörkel zu anfang.
 
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schnörkelei, f. stets in tadelnder bedeutung, im verbalen sinne: unterlasz alle schnörkelei (alles gesuchte verzieren) beim schreiben, singen; auch von den verzierungen selbst: die schnörkeleien der schrift. übertragen: menschen, welche etwas besseres und tieferes ahnen und wünschen, werden sich, wie ich glaube, mehr und mehr aller lächerlichen äuszerlichkeiten enthalten ... je weiter sie aber noch davon entfernt sind, desto mehr klammern sie sich an solche schnörkeleien. Keller 1, 208.
 
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schnörkelhaft, adj. zu schnörkel gebildet, meist in tadelndem sinne, sodasz das krause, unruhige, übertriebene, verworrene der gewundenen formengebung oder linienführung hervorgehoben wird. im eigentlichen sinne:

verbrännt gestein, bemodert, widrig,
spitzbögig, schnörkelhaftest, niedrig.
Göthe 41, 108;

als ich kurz vorher einige schnörkelhafte spiegelrahmen getadelt .. hatte. 25, 225; eine schnörkelhafte uhr. Keller 1, 59; freier: in einem etwas schnörkelhaften stile gebaut. Gutzkow ritter v. geist 1, 277; übertragen: zu dem schnörkelhaften inhalt seiner vorträge (über heraldik). Freytag handschr. 2, 177.
 
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schnörkelig, adj. wie das vorhergehende wort.
 
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schnörkeln, verb. in gewundenen linien, formen ziehen oder gestalten, meist in tadelndem sinne zur bezeichnung eines unschönen übermaszes, der geschmacklosigkeit, einer gewissen verworrenheit (vgl. verschnörkeln). Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634a bietet die formen schnorcheln, schnörcheln, schnörckeln, vergl. oben unter schnörkel. Voss hat schnirkeln (s. unten), nd. snürkeln Woeste 247a. mit dem acc.: ornamente, buchstaben schnörkeln u. ähnl. übertragen: andre schwitzen am drehbret, wollen neue verfassungen und sitten schnörkeln. Fr. Müller 2, 21. viel gebraucht wird das part. geschnörkelt: seltsam geschnörkelte marmorvasen. Göthe 28, 116; jene geschnörkelten giebel. 44, 148; geschnörkelte beete, initialen u. s. w. übertragen: geschnörkelte komplimente, geschnörkelte sprache, melodie und ähnl.; sich schnorcheln, schnörcheln, schnörckeln, sich winden bei Kramer a. a. o. an etwas schnörkeln:

hier schnörkelt kein gärtner
kunstmäszig am hain.
Salis ged. (1821) 69.

intransitiv, sich seltsam winden, gewundene formen zeigen:

muckt lieber, steif und nett,
durch schnirkelndes bosket.
Voss 5, 233.


 
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schnörkelschrift, f.: zuverlässig hatte der schreiber des briefes nicht geahnt, welche aufregung seine verblichene schnörkelschrift unter späten enkeln hervorbringen würde. Freytag handschr. 2, 302.
 
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schnörkelwerk, n.: Schoppe horchte mit einem fatalen kräusel- und schnörkelwerke auf dem gesichte zu. J. Paul Titan 1, 20; was sonst im stück vorgeht und schlechterdings nicht passen will, ist lediglich symbolisch, änigmatisch und pure ironie, auch allenfalls nur schnörkelwerk, nur blauer dunst. Mörike maler Nolten (1890) 1, 203.