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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnodder bis schnoder (Bd. 15, Sp. 1370 bis 1375)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnodder, m. gleichbedeutend mit schnoder, schnuder, rotz:

so trück die nasz, ein mal, zwey, drey,
bisz dir die hand vol schnodder sey. Grobian. 908 neudruck.

so nd. Danneil 200a. Dähnert 439a, vgl. auch Frischbier 2, 307a; md. und oberd. schnoder, schnuder, schnotter, schnutter. neben snodder ist im nd. snodde und snotte, snot, snut gebräuchlich brem. wb. 4, 899. Dähnert 439a. Schambach 201a. Woeste 246b. ten Doornkaat Koolman 3, 248a; et hängt an e wand wie schnodderlang (rätsel = spinngewebe). zeitschr. f. d. phil. 11, 359.
 
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schnoddern, verb. vom vorhergehenden abgeleitet, vorlaut, frech schwatzen, in der umgangssprache norddeutscher gebiete.
 
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schnoddrig, adj. zu schnodder gehörig, rotzig, besonders in seiner übertragenen anwendung in die umgangssprache Norddeutschlands eindringend: nd. ene snoddrige näse, eine nase voller schleim Dähnert 439a; een snotterigen junge, ene snotterige deren, junge, mädchen mit rotziger nase. een snotterigen dook, schmutziges tuch, rotzlappe brem. wb. 4, 899; in übertragener anwendung im sinne von überklug, vorlaut, dreist ten Doornkaat Koolman 3, 248b, vgl. Frischbier 2, 307a. Jecht 98a. Hertel sprachsch. 218. Albrecht 205a; kum mi nich so snoddrig, komm mir nicht so frech Danneil 200a; schnoddriger kerl, vorlauter, dreister mensch; schnoddrige redensarten, spitze, freche, herausfordernde redensarten, bisweilen in gemildertem sinne.
 
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schnöde, adj. dürftig, verächtlich, schlecht, wertlos, verachtung zeigend, höhnisch; mhd. snœde, meist in passivem sinne mhd. wb. 2, 2, 452b. Lexer mhd. handwb. 2, 1041; im ahd. ist das adj. nicht bezeugt, mnd. snode, verächtlich, schlecht Schiller-Lübben 4, 277a, neund. snöde Richey 274, snöde, snöe brem. wb. 4, 895, sn, snoi Woeste 246b, snöæd Schambach 200b, snöje, sni ten Doornkaat Koolman 3, 247a, mnld. snode, nnld. snood, schlecht, böse, altnord. snauðr, entblöszt, armselig, dürftig, gering, arm; vergl. sneyða, berauben. vielleicht bezieht sich das adj. ursprünglich auf beraubung und plünderung. auf einen alten starken verbaltypus (urgerman. sneuðan) weist schwäb. alem. beschnotten, abgemessen, knapp, spärlich (Schm. 2, 590), das 'grammatischen wechsel' zeigt; altnord. snoðinn, kahl wird verglichen (Kluge etymol. wb.5 334a); mhd. snœde erscheint bisweilen im sinne von dünnhaarig, s. mhd. wb. und Lexer a. a. o.

[Bd. 15, Sp. 1371]


und vergl. zeitschr. für d. alterth. 7, 186. Birlinger 401a. im älteren nhd. häufig verkürzt: schnöd sein, vilere, evilere, evilescere Dasypodius, schnöd, greüwlich, bösz, ungeschaffen, turpis, teter Maaler 360a; schnöd, bösz Hulsius dict. (1616) 287b; schnöd, vilis, improbus Schottel 1406; ebenso noch bei Stieler 1905 und Frisch 2, 216c; dagegen schnöde bei Corvinus fons latin. (1660) 629 und bei Steinbach 2, 482; in oberd. mundarten aber schnöd Schmeller 2, 572. Schmid 475. Höfer 3, 108. Stalder 2, 343. Lexer 224: dasz diese frohherzigen .. wesen inwendig schnöd und philisterhaft beschaffen seien. Keller sinnged. 72.
die passive bedeutung ist die ursprüngliche und herrscht nicht blosz in der mhd. periode, sondern noch tief ins nhd. hinein vor, sich vielfach verschlimmernd und auf das sittliche gebiet übergreifend (vgl. die entwickelung von schlecht); die active anwendung des wortes, schon im mhd. bezeugt, hat sich doch wesentlich erst in neuerer zeit entwickelt, während die ältere bedeutung des wortes mehr und mehr verkümmerte und sich nur in bestimmten verbindungen hielt (schnöder undank, schnöder lohn, um schnödes gold, schnöde welt u. ähnl.).
1) in passiver anwendung; zunächst dürftig, armselig, dann niedrig, verächtlich, elend, häszlich, ferner auch vom sittlichen standpuncte aus verwerflich, verdammenswert: malus, boszarcz vel snede Dief. 345b, pravus, snode 451a, turpis, schnode, schnöd 603a, vilis, snde, schnude, schnede, schnod, schnoed, sned, schned 619b, vilere, schnod, snoede werden, wesen 619a.
a) auf personen bezogen; zunächst niedrig an stand, armselig in der lebenshaltung, dann verächtlich, unwürdig, verachtet, verworfen: schnöder mensch, homo contemtus, despectus, de coeno emersus, sordidus, futilis Stieler 1905. zwei stellen in Luthers bibelübersetzung sind charakteristische beispiele für diese bedeutungsentwicklung: ach herr, sihe doch und schaw, wie schnöde ich worden bin. klagel. Jerem. 1, 11 (quoniam facta sum vilis. vulg.); in sittlichem sinne: ein mensch, der ein grewel und schnöde ist, der unrecht seufft wie wasser. Hiob 15, 16 (abominabilis et inutilis). niedrig an stand, dürftig an lebenshaltung, womit nach mittelalterlicher auffassung sich leicht eine unedle gesinnung verbindet: altn. fáir eru vinir hins snauða. sprichwort;

er machte iuch hie ze ritter
ûʒ einem snœden knehte.
Konr. v. Würzburg Engelh. 3897;

ze snœde enist ir (der minne), noch zekrank
kein mensche ûf al der erden ...
si mîdet durch in unde lât
den tiursten von dem lande. troj. krieg 2276:

di snode an die furstinne,
di freche an di geduldegen ...
sturmete alse sere. Elisabeth 5096;

ist ainer arm, so ist er snöd. lieders. 3, 422, 57;

das mir (ein ritter spricht) die schnöden dorfman
als die kachelöfennider schlan. fastn. sp. 415, 25;

so hast du dir Gwischardo den schnedesten (di vilissima condizione) an unserem hof z eynem liebhaber erwelet. Steinhöwel decam. 250 Keller; von einem schnöden und schantlichen volcke. 6; es geschicht offt dʒ ain mechtiger herre ainen schöden diener hat und doch durch jn verkündet seinen underthonen grosze ding z tn. granatapf. D 3c; die grosz zu werden suchen, erbarmen sich über die geringere, und halten sich vor die schnödesten in aller welt. pers. baumg. 4, 26. vereinzelt in ähnlicher anwendung noch in neuerer sprache: gestern lief hier schnödes gesindel umher. Grabbe 2, 402 Blumenthal: im kärntischen heiszt das letzte kind einer ehe schneadele Lexer 224. allgemeiner im sinne von verächtlich, unwert, verworfen, häufig näher bestimmt durch gegensatz, verknüpfung mit sinnverwandten oder ergänzenden ausdrücken und ähnl.: der schnödest under allen bben. Maaler 360b;

du solt den snœden vremede sin, der vromen solt du vâren. minnes. 2, 94b Hagen;

sît daʒ die snœden vür die biderben trâten
an vürsten rât. 3, 91b;

nit wysz, sunder jn torheyt schnöd.
Brant narrenschiff 38, 52;

wie schnöd, schamlosz, vermessen,
wie ellend bin ich doch.
Weckherlin 332;

die demut senket sich in solchen abgrund ein:
dasz sie sich schnöder schätzt als alle teufel sein.
A. Silesius cher. wandersmann 135, 262 neudr.;

wer sich den teuffel läst erschlagen und ermorden,
der ist ein todter hund des schnödsten schinders worden. 155, 49;

mensch lästu dich dein fleisch beherschn und nehmen ein,
so musz wol deine seel die schnödste dirne seyn. 155, 51;

[Bd. 15, Sp. 1372]


dar z schätzet er sich z schnöd und unwürdig, als einen sünder. Keisersberg seelenp. 105c; die urteilen dich gleich ein narren unfruchtbar ler und schnöd. narrensch. 137b; der macht sich selbs fast schnöd und unwirdig, der sich wirdig schetzt groszer ding. Cyrill spec. sap. 27; ich hab euch felschlichen, als eyn untrewer schnöder könig, der ich bin verraten. Aimon m 4b; es ist kein schnöders und verhässeters geschöpff in der welt, als ein zanck-erreger. persian. baumg. 7, 21; so bistu schlimmer als ein thier, und lebet kein schnöder geschöpffe als du. 9, 20. schnödes weib, schnöde frau im sinne von meretrix, scortum: ein schnöde frow (meretrix) und ein mter desz gesinds (mater familias) in einem husz. Terenz (1499) 116b; welcher maszen auch die schnöden frawen zum theil usz der stadt gepracht werden mögen. quelle des 16. jahrh. bei Schmid 475, vgl. Scherz-Oberlin 1426. aber auch in weiterem sinne: wiewol der fuhrmann die pferdt abgewandt wolt haben, nötet in das schnöd weyb (Tullia) über den todten cörper ihres vatters .. zfahren. Kirchhof wendunm. 1, 23 Österley. vom teufel:

nun erfahr ich, schnöder feind,
wie dus habst mit mir gemeint.
P. Gerhardt 233 Gödeke;

von einer ungetreuen geliebten:

und sehe ...
an einem rosenbusch im gras
die schnöde, die dem häszlichsten mohren,
den je der Gambia geboren,
vertraulich kosend im schoosze sasz.
Wieland 18, 262.

schön tritt die alte bedeutung des adj. noch bei Göthe in folgender stelle hervor: was half dem unglücklichen, dem schnöden fürsten vom geblüte sich den namen Gleichheit zu geben. 18, 89 Weim. ausgabe (mädchen von Oberkirch). in scheltender sprache:

du rechte, bose, snode wicht.
G. von Minden 54, 49;

du schnoder Heinz, das sei dein lon. fastn. sp. 153, 5;

seh einer dem schnoden merwolf zu. 173, 15;

so pist du ein schnoder lasterpalk ...
du fleckpolster, du schnoder sack. 255, 6;

ich wolt den schnöden schalk empor
pei sein har gezogen han. 414, 27;

o du snode judige schar. Alsf. passionssp. 6348;

o wie ein schnöder jud du bist.
P. Gengenbach 115, 1433 Gödeke;

schm dich du schnöder teufels knecht.
Schwartzenberg (1535) 116a;

du schnöder narr, verfluchet sey dein leben.
Weckherlin 750 (1648);

ir schnöden Delphici, ir wellent den got nicht eeren. Steinhöwel Esop 74 Österley; lassent diesen ritter, jr schnöden bben. Aimon n 5a; ausdrücke wie schnöder bube sind auch der neueren sprache geläufig.
b) auf unpersönliches bezogen, dürftig, armselig, dem wertvollen, kostbaren entgegengesetzt: nein dink is so snode, it en sy wol bede wêrt. Tunnicius 868; beide snode ind koestlichen dinge. d. städtechron. 14, 693, 7; er git ein kostlichers umb ein nochgültigers und schnöders. Keisersberg post. 3, 16a; wann etwas köstlichs ist, so würt es aufgehebt, was schnöd unnd unflätig, findt man am weg. Franck mor. enc. 62b; von gerät, kleidung u. ähnl.:

der hauszrath ist rusig und schnödt.
H. Sachs fastn. sp. 2, 144, 84 neudruck;

ûf die vart an mînem lîp ein snœd gewant. minnes. 3, 293b Hagen;

(er liesz sich machen)
eine gugelen dar an (an den rock)
ûʒ snœdem tuoche, daʒ was grâ.
H. v. Freiberg Tristan 5135;

mit gesenkter demut
was Bernhardus also gut,
daʒ er minnete snode kleit. pass. 401, 89 Köpke;

si want ein snodiʒ sloiir
wider umme ir houbet. Elisabeth 2444;

als Juvenalis schreibt das selten undter schnöden und dünnen kleydern das ist undter den armen werde weiszheit und wolreden gefunden. Albrecht v. Eybe 13b; darumb ein yettlicher frommer mennsch, er sey in der welt, oder in einem orden, der soll sich schnödes gewandes gebrauchen. Keisersberg seelenparad. 39b; Teutschen haben etwan in groben sitten gelebt, sich zerrissener schnöder kleidung gebrauchet. Elucidarius (Frankf. 4°. s. a.) D 4b; den armen menschen, ... dye snoede kleider an hadden. seelentrost 13a; geringwertig:

[Bd. 15, Sp. 1373]


sô habe iuwer ieglicher bereit
ein kleinôt von sîner vrouwen,
daʒ wul wir alle schouwen:
wes denne daʒ snodeste sî,
der habe den schaden dâbî. ges. abent. 3, 578, 47.

das unscheinbare gefäsz dem kostbaren inhalte gegenübergestellt: merkten nit, daʒ etwan schnöde vas balsam in inen haltent. Steinhöwel Esop. 70 Österley. eine mächtige stadt wird schnöde, verliert ihre bevölkerung und ihren reichthum: ettwann gar eyn mechtige statt gewesen, aber yetz also schnöd, kaum siben hütten armer fischer habende. Franck weltb. 167b. an wert und gehalt hinter dem zurückbleibend, was man zu verlangen berechtigt ist: oft eyn becker snode brot backet, de geve der stad 9 sch. Schiller-Lübben 4, 277a; villum, snder win Dief. 619b; was aber schnöde und untüchtig war (an vieh), das verbanneten sie. 1 Sam. 15, 9; nach Schambach 200b wird mageres land snöæd genannt. hier wird sogar das wort im sinne von krank bezeugt: sei seiet enmâl snöæd ût, sie sehen einmal krank, leidend aus. schnödes geld, minderwertiges, schlechtes geld. snode unde quat gelt. quelle bei Schiller-Lübben 4, 277a; we ock sulver, gelt, balliun edder brunswickische pennige hir uthvorde unde snode pagimente dar wedder vor halede. d. städtechron. 16, 412, 20; aber auch in der bedeutung von 'kleines geld' Höfer 3, 108; vielleicht so in folgender stelle: das schnöd gelt wird viel kauffmansschätz bey jhnen (den armen leuten) verhindern. Fischart groszm. (kloster 8, 585). unedles metall dem edlen gegenübergestellt:

schnödes kupfer adelt ihr zu gold.
Schiller 1, 343.

allgemeiner im sinne von verächtlich, wobei meist eine vergleichung mit wertvollem stattfindet; so besonders in idealistisch-christlicher vorstellung, die dem irdischen das ewige, dem vergänglichen leib die seele, dem äuszeren das innere gegenüberstellt (formeln der neueren sprache schnödes gold, schnöder reichthum); ferner kann eine mehr oder minder starke sittliche verurtheilung stattfinden (schnöder geiz, schnöde wollust, schnöder verrat u. ä.):

unde geven eme (dem teufel) to grotem unheile
um snode have lyf unde seile. Theophilus 749;

das der mensch recht betracht
aus was snöden materjen er ist gemacht.
Vintler blum. der tugent 5697;

verkaufft umb schnödes gelt
durch Judas, seiner jünger ein. bergreihen 21, 30 neudruck;

die sel die ligt gefangen
imm täglich-sterbend schnöden leib.
Rompler v. Löwenhalt 41;

die welt liebt ihren kot und stank,
hält viel von schnöden dingen.
P. Gerhardt 190, 83 Gödeke;

für leid, creutz, noth und tod, die dir, o liebes kind,
in dieser schnöden welt zu dulden etwa sind,
ist Jesu Christi blut dein aller-bestes heil.
Logau 1, 219, 6;

o schnöde sorg um pracht und herrligkeit. 225, 30;

allein was ist diesz schnöde leben,
die kurze wallfahrt? mühe, pein.
Hagedorn 2, 108;

vergebens bot ihm mit Sirenenlippen
die wollust ihre schnöden süszigkeiten.
Wieland suppl. 4, 220;

und ist doch die schön ein schnöde und kurze wollust. A. v. Eyb 7b; alle andere künst sind eitel, ungewisz, schnöd, der seelen gift. Franck lob d. göttl. worts 155b; (der h. geist) bereite uns also hier in dieser schnöden zeitligkeit, wie er uns dort haben will in der beständigen ewigkeit. Schuppius 218; warumb bemühen wir uns so sehr umb das schnöde reichthumb. Weise kl. leute (1679) 154. freier:

o graf, was ist für lieb' und treu'
all all dein rothes gold?
all all dein land und leut und burg
ist mir ein schnöder sold.
Bürger 85b.

der sinn des adj. verschärft sich leicht bis zu den begriffen von verwerflich, verworfen, sündhaft mit der nebenbedeutung des niedrigen, besonders in älterer sprache; schlimm, böse, niedrig: (eine jungfrau spricht) enrure mich nicht zu keinen snôden dingen. myst. 1, 246, 29; ein ungeschickte lychtfertigkeit des vatters und schnöde nachlessikeit. Terenz (1499) 107a; hättestu bey nacht keine schnöde wercke verübet. pers. baumg. 9, 21; schnöde wollüsten. Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 633b; wie? er sollte eine so inbrünstige liebe mit so schnödem undank erwiedern? Wieland 2, 246 (Agathon 9, 6); ein so schnödes unrecht geschah dem einzigen, offenbar über alle seine zeitgenossen erhabenen manne. Göthe 24, 72;

[Bd. 15, Sp. 1374]


wann snöde gedenk die geben
sicherleich ain snödes leben.
Vintler blum. der tugent 7060;

zur rache schnöder that und ungezählter schuld.
Logau 1, 231, 66;

es ist der schnöde geitz ein ursprung aller sünden.
Rist poet. lustg. F 6a;

die schnöde liebe ist blind
und schafft nur hertzeleid. Parnasz 458;

sein (des fürsten) liebling ...
verscherzte seine huld durch schnöden hochverrath.
Hagedorn 2, 6;

was edle seelen wollust nennen,
vermischt mit schnöden lüsten nicht. 3, 95;

ein schönes, keusches, liebetreues weib,
umlagert von der schnöden wohllust brut.
Bürger 82b;

(wann) das gewissen schläft, und ohne rüge
schnöder üppigkeit ihr spiel erlaubt. 99a;

die schnödeste weise zu handeln
zeigt ihr.
Voss Odyssee 4, 694;

möcht' ich den menschen doch nie in dieser schnöden verirrung
wiedersehn! das wüthende thier ist ein besserer anblick.
Göthe 40, 293.

gemildert: den schnöden ruhm, eine schlechte sache mittelmäszig vertheidigt zu haben. Lichtenberg 3, 165;

da ich die treusten diener
um schnöden vortheils willen undankbar,
und meinen sohn dem tod geopfert sehe.
Schiller 13, 421 (Turandot 3, 5);

also fahr' ich mit der gerte
in das schnöde distelwesen.
Göthe 47, 268;

schlimm, unheilvoll: eyn schnöde stund was, in deren keyser Carles sn Loher erschlagen wardt. Aimon c 1b; milder: (wir) waren im begriff einen schnöden irrthum zu begehen. Göthe 56, 190. schnöde, niedrig im socialen sinne (vgl. oben unter a): eines schnöden geschlächts und handtwercks, sordido loco natus Maaler 360a; aber ein schnöder dienst und darzu ein harter dienst, das ist vil. wan einer dem andern ein sprachhusz seubert, das heiszt ein schnöder dienst. Keisersberg evang. (1517) 50a; heiszen mich nit semliche schnöde werck (den stall misten), es wer mir ein schand. Pauli schimpf 225 Österley; freier: so wolten wir lieber éinmal alle den tod kiesen, denn also unser lebelang in schnöder dienstbarkeit ... bedruckt werden. Schütze Preuszen (1599) 199;

(wer) auf die hertzen baut, die er in noth geschützt,
die er aus schnödem staub in höchsten ruhm gesetzet.
A. Gryphius 1, 24;

freyes Deutschland schäm dich doch dieser schnöden knechterey.
Logau 1, 212, 83;

schnöder gewinst, quaestus sordidus et infamis Stieler 1905; entehrender, schmachvoller tod: er wölt euch eyns schnöden todts thn tdten. Aimon m 5a; häszlich:

indessen kömpt sein weib,
die nicht nach bisem reucht, und ihren schnöden leib,
wie falscher wahr geschieht, vollauf an allen enden
hat prächtig auszgebutzt.
Opitz 1, 138.

ekelhaft: und, dasz wir das letzte sagen, durch ein schnödes, unheilbares körperliches übel gepeinigt und zur verzweiflung gebracht. Göthe 6, 207. ähnlich:

wär ein so schnödes gift bey Julchen eingerissen.
Hagedorn 2, 96.

auch die studentensprache braucht das wort: ich habe heute schnödes pech, schauderhaftes unglück.
c) in adverbialer anwendung: er musz schnöd (ärmlich) leben. Stalder 2, 343; auf die kleidung bezogen: wiewol disz meidtlin schnöde angethan war, schein doch die schöne unter dem kleyd, wie der mon durch finstere wolcken. buch der liebe 199d. verächtlich:

wer zur hälfte seinen lauf
vollbracht, versteht sich auf den kauf
der zeit zu gut, als dasz er schnöde
sie mit dem alten klingklang (den romanen) tödte.
Gotter 1, 454.

stärker:

psz (bös) schnd gewunnen wcher gt.
Schwartzenberg 122b (1535);

unschuldig blut so schnöde zur erde vergossen. Fr. Müller 3, 364; elend, unglücklich: dasz die reise meines gewesenen prinzen so schnöde geendt sei, werden sie vielleicht schon aus den zeitungen wissen. Merck briefs. 2, 37.
2) geringschätzung, verachtung, gehässigkeit, unfreundlichkeit zeigend. diese bedeutung erscheint zwar schon in älterer sprache, tritt aber hier gegenüber der unter 1 entwickelten zurück, während in neuerer sprache das verhältnis umgekehrt ist. gehässig, schnöd, unfreundtlich, feindselig. Henisch 1425, 64. auf personen bezogen; eigenthümlich im sinne von grimmig:

[Bd. 15, Sp. 1375]


so kranc noch so blode,
so kune noch so snode.
Herbort troj. krieg 4294;

boshaft, bissig:

weiber, die man wacker nennt, sind gemeinlich schnöde:
weiber, die man from benennt, sind gemeinlich blöde.
Logau 3, 113, 70;

sei doch nicht so schnöde; die schnöde welt, die mitleidlos und boshaft urtheilende. vom munde:

vervluochet sî der snœde munt,
der minne sô wil krenken. minnes. 3, 454a Hagen.

besonders häufig ist natürlich die beziehung auf sprache, wort, anrede, antwort u. s. w.: schnöde antwort, responsio aspera, absurda, superba, anceps Stieler 1905. schnöde worte zulegen, einem schändliche namen geben, imponere nomina ignominiosa Frisch 2, 216c (hier wirkt noch die passivische bedeutung ein, die stärker noch in den beiden ersten der im folgenden angeführten stellen hervortritt, vgl. auch Ködiz leben des heiligen Ludwig 20, 14); nd. en'n snöæe wôre gêwen. Schambach 200b;

er wert ouch snœdeʒ klaffen.
Suchenwirt 30, 231;

und spart dabei solche schnode wort. fastn. sp. 255, 32;

er hat gemeldet, wie mit schnöden worten
von euch gewiesen ihr so kron' als reich.
Grillparzer 5, 67;

in reyen unde in spele scal nement snode wort noch nenerhande rime spreken de jemende in sine ere gan. d. städtechron. 16, 100, 35; aber der keyser gab jm schnöde antwurt. Aimon d 3b; sehen sie, dergleichen schnöde fragen thut sie mir alle tage. Iffland 6, 8 (aussteuer 1, 4); gedicht:

die uns verdencken überal
mit snödem ticht in schandental.
Osw. v. Wolkenstein 29, 2, 22.

adverbial: einen schnöde behandeln, jemandem schnöde begegnen und ähnl.: Philinen begegnete man noch schnöder. Göthe 19, 48;

warum willst du das junge blut
so schnöde von dir entfernen? 4, 315.

übertragen:

rauhe lüfte hauchen schnöde,
da sich eilig schon der winter naht.
Platen 24.

nd. en snöæd wind. Schambach 200b.
3) im nd. nimmt das wort den sinn von witzig, schlau, verschmitzt, behende an, vgl. Richey 274. brem. wb. 4, 895. 896. verschlimmert: spröde, unlustig zu antworten Schütze 4, 155.
 
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schnöde, f., zum vorhergehenden adj. gebildet, nach 2: im folgenden akt behandelt er diesen .. mit solcher härte und schnöde. Schopenhauer parerga u. paral. 2, 197.
 
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schnöde, schnöte, f. carex acuta, das spitzige riedgras Nemnich, schnöte Oken 3, 430. Pritzel-Jessen 81; anscheinend hängt das wort ursprünglich mit schneiden zusammen, vgl. snitgras, snyde grasse, snyyd grais, carex Dief. 101b, snetegras Lexer mhd. handwb. 2, 1038.
 
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schnödeherzig, adj.: snodeherzig, pravicors voc. von 1420 bei Schröer 203b.
 
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schnodel, m. unreinigkeit der nase, rotz: reuma, snodele Dief. 497b; denn der wil des rotzleffels rotz und schnodel haben. Luther 6, 22a; da ist er vol rotz, schnodels, schweren, eiter, mists, unflats und stancks. 8, 299a; vgl. DWB schnudel und DWB schnauden.
 
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schnodeln, verb. durch die verstopfte nase atmen Schm. 2, 572. Lexer mhd. handwb. 2, 1042; s. DWB schnudeln.
 
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schnoden, verb., neben schnuden und schnauden bei Stieler 1906.
 
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schnoder, m. (vergl. schnuder und schnodder), rotz: schnoder vel schnoppen, reuma Dief. 497b; schnoder in der nasen, mucus Dasypodius, vgl. Stieler 1906. Tobler 395b (hier eine menge derber ausdrücke schnoderbueb, -fresser, rotziger kerl, schnoderfetza, schnupftuch u. ähnl.).

 

schnöde
1)  in passiver anwendung; zunächst dürftig, armselig, dann niedrig, verächtlich, elend, häszlich, ferner auch vom sittlichen standpuncte aus verwerflich, verdammenswert: malus, boszarcz vel snede Dief. 345b, pravus, snode 451a, turpis, schnode, schnöd 603a, vilis, snde, schnude, schnede,
a)  auf personen bezogen; zunächst niedrig an stand, armselig in der lebenshaltung, dann verächtlich, unwürdig, verachtet, verworfen: schnöder mensch, homo contemtus, despectus, de coeno emersus, sordidus, futilis Stieler 1905. zwei stellen in Luthers bibelübersetzung sind charakteristische beispiele für diese bedeutungsentwicklung: ach herr,
b)  auf unpersönliches bezogen, dürftig, armselig, dem wertvollen, kostbaren entgegengesetzt: nein dink is so snode, it en sy wol bede wêrt. Tunnicius 868; beide snode ind koestlichen dinge. d. städtechron. 14, 693, 7; er git ein kostlichers umb ein nochgültigers und schnöders. Keisersberg
c)  in adverbialer anwendung: er musz schnöd (ärmlich) leben. Stalder 2, 343; auf die kleidung bezogen: wiewol disz meidtlin schnöde angethan war, schein doch die schöne unter dem kleyd, wie der mon durch finstere wolcken. buch der liebe 199d.
2)  geringschätzung, verachtung, gehässigkeit, unfreundlichkeit zeigend. diese bedeutung erscheint zwar schon in älterer sprache, tritt aber hier gegenüber der unter 1 entwickelten zurück, während in neuerer sprache das verhältnis umgekehrt ist. gehässig, schnöd, unfreundtlich, feindselig. Henisch 1425, 64. auf personen bezogen; eigenthümlich im sinne
3)  im nd. nimmt das wort den sinn von witzig, schlau, verschmitzt, behende an, vgl. Richey 274. brem. wb. 4, 895. 896. verschlimmert: spröde, unlustig zu antworten Schütze 4, 155.