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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schniedel bis schniffen (Bd. 15, Sp. 1330 bis 1332)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniedel, m. bei den köhlern die zweite reihe scheite in einem kohlenmeiler Adelung.ein älteres snidel belegt Scherz-Oberlin 1515 aus einer schrift 'de Leronis Belial contra Christum' s. 46: din silber ist dir zu snidel worden (Jes. 1, 22: argentum tuum versum est in scoriam).
 
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schniefeln, verb., s. schniffeln.
 
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schniegel, m.
1) schnecke:

so krümmet er sich wie ein igel,
kroch in einander wie ein schniegel.
Rollenhagen froschm. Cc 6a.

sonst im deutschen in diesem sinne nicht bekannt, vergl. indes altn. snigill, schwed. snigel, dän. snegl.
2) der dompfaff oder gimpel, loxia pyrrhula Nemnich: vom gümpel, blut-fincken, thumpfaffen, rothschlegel, oder auch schnigel genannt. Döbel 1, 56; vergl. auch Heppe wohlred. jäger 151a.
3) mundartlich auch für 'putz, schmuck', so schon bei Wachter 1453 für den Meisznischen dialekt bezeugt.
4) der sich viel putzt, stutzer, geck:

dasz wann ein solcher schniegel
sich itzt verliebt in spiegel
sieht wie ein gelber diegel. polit. colica 310.

[Bd. 15, Sp. 1331]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schniegelfleckchen, n.: schniegel-fleckgen ist eine spitzfindige benennung desjenigen frauenzimmers, so den gantzen tag vor dem spiegel stehet, sich aus selbst-liebe darinnen unaufhörlich betrachtet und hier und dar etwas an sich zu zupffen und auszubessern suchet. s. Schultz alltagsleben s. 91, vgl. Weigand 2, 619.
 
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schniegeln, verb. übertrieben sorgfältig und zierlich, stutzerhaft putzen. das wort ist in den ältern dialekten nicht bezeugt und daher eine sichere etymologie nicht zu geben; es stammt wol, wie schniegel, aus dem obersächsischen dialekt, vgl. Wachter 1453. Weigand 2, 619. belegt seit dem 17. jahrh., s. Gombert beitr. 2, 15. von den wörterbüchern verzeichnet es zuerst Steinbach 2, 476 in der eingeengten bedeutung 'kämmen': ich schniegele (putze scil. die haare) como. s. auch Kluge5 333b. Albrecht 205a: lieszen uns also alle beyde heraus schniegeln und putzen, wie man sagt, (wie) die ochsen. Felsenburg 4, 416;

es sind nur etwann funfftzig jahr,
dasz bey uns jungen leuten
kein solch geziere war,
als wie sich jetzt die mädgen schniegeln.
Menantes allern. art 371;

besonders im particip: geschniegelt, comtus Steinbach a. a. o.; auch war die bekleidung für den geschniegelten alten Niederländer allzu nachlässig. Arnim kronenw. 1, 368; eine nette geschniegelte person. Nicolai Sebaldus 2, 137; gar mancher ist schön und geschniegelt und beträgt sich doch kaum wie ein mensch. Eichendorff2 6, 466 (Lucanor 19); Robespierre selbst ist ebenfalls auf dem bilde zu sehen, auffallend durch seine sorgfältige toilette und sein geschniegeltes wesen. H. Heine 4, 36 Elster; übertragen: der mann (Börne), der sich in seiner anständigen, geschniegelten schreibart immer selbst inspizierte und kontrollierte. 7, 72; gern in verbindung mit dem reimwort gebügelt: er ist immer geschniegelt und gebügelt. Albrecht 205a; nur kein damaliges geschniegeltes, gebügeltes, ganz in schönpflästerchen gekleidetes Leipziger subjekt sollen sie mir verschreiben, nicht einmal den vorigen Gellert selber. J. Paul Levana 2, 25.
 
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schniepe, f.
1) am untern Main und Rhein, stirnband, schmaler streif, rand Schm. 2, 578, der auf ahd. snuaba, vitta Graff 6, 838 verweist.
2) nach Kehrein 1, 362 dagegen ein spitz zulaufendes stück am brusttheil eines frauenkleides, zu nd. schnibbe, s. schnippe.
3) unklar in folgender stelle, wo es von einer schlachtordnung gesagt wird:

hinden und vornen eingezogn,
auch mit einer schniepen gebogn.
Fronsperger kriegsb. 3, 76b.


 
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schniepel, m. in mundartlicher und besonders burschikoser redeweise.
1) frack, leibrock, vielleicht von den spitz zulaufenden schöszen, vgl. DWB schniepe, DWB schnippe, DWB schnippel, s. Kluge stud. sprache 123a (belegt 1831). Albrecht 205a. Schuller 59. Hertel sprachsch. 218. Jecht 98a. Frischbier 2, 305a, schnippel Schm. 2, 578. Kehrein 1, 363, nd. snipel ten Doornkaat Koolman 3, 245a. Mi 83a. wol von schnippe abgeleitet, sodasz die schreibung schnippel eigentlich die richtige ist.
2) dann auch: stutzer, elegant, eleganter ladenschwengel; s. Kluge a. a. o. Albrecht a. a. o. Schuller a. a. o.: er (der Italiener) spielte den paino, was wir bei uns den schniepel nennen würden. Gaudy ausgew. erz. 73.
 
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schniepeln, verb. den frack anziehen, sich festlich kleiden, fein angezogen sein, vgl. DWB schniepel 1. Kluge stud. sprache 123a. Frischbier 2, 305a.
 
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schnieren, verb.
1) nebenform zu schlieren (3), vgl. das. sp. 690: schlieren saxon. vox est, et notat: voracem esse, voraciter ingurgitare se, quod et aliâ dialectô dicunt schnieren. der kerl kan über die masze schnieren, immoderate et avide vorat, profundae et sordidae gulae est. Stieler 1851; dazu auch schnierer, m. und schnierung, f., neben schlierer und schlierung ebenda.
2) als nebenform zu schnüren, s. daselbst.
3) österreichisch schniarn, übervortheilen, prellen, vom wirte Castelli 248 (zu 2?).
 
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schniffeln, verb., ältere nebenform zu schnüffeln (? vgl. daselbst): schniffelen, geschniffelt, reprehendere, cavillari, carpere, taxare, indigne culpare, proprie gravedine laborare, naribus sibilare. er schniefelt grausam über ihn, inscite et maligne vellicat eum. was schniefelstu? quid ringeris? cur tam destrictam censuram agis? Stieler 1896; dazu ich beschniffele (besehe

[Bd. 15, Sp. 1332]


vorwitziger weise) curiosius lustro, it. reprehendo aliquid indignius Steinbach 2, 476; über die ableitung bemerkt Wachter 1453: schniffeln, derivatur a schnebbe nasus, tantumque significat, quantum potest, 1) rhonchissare, per nares sibilare. 2) culpare, reprehendere, quia nasus est symbolum indignationis. 3) illudere, naso suspendere, quia nasus est typus irrisionis. 4) indagare, scrutari, ducta similitudine a canibus odorisequis. ... Belgae eodem sensu dicunt schnuffelen. Kramer 2, 632b leitet es dagegen richtig von schnauben ab. so jetzt noch mundartlich, besonders md. Klein 2, 135. Albrecht 205a. Jecht 98a: sintemahl er sehr schnifelt und durch die nasen redet propter defectum naturalem. Kirchhof wendunm. 2, 157 Österley (2, 108; dafür weiter unten schnupffelt); nachdem man einige zeit elektrisirt hatte, wurde der mann befragt ... ob er etwas röche. der mann schniffelte etwas umher, und sagte endlich: ja. als man ihn fragte, was es wäre, schniffelte er wieder mit der antwort: das wisse er nicht. Lichtenberg 5, 311. — dazu schniffel, m. vorwitziger mensch. Jecht a. a. o. ferner: schniffeler, m. tadler, nörgler; schniffelung, die, et das schniffeln, objurgatio, vituperatio, culpa, insectatio, it. sectura, animadversio u. s. w.; schniffelicht, et schnifflerisch, censorius, severus, rigidus, objurgatorius Stieler 1897.
 
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schniffen, s. schnipfen bez. schnippen.

 

schniegel
1)  schnecke: so krümmet er sich wie ein igel, kroch in einander wie ein schniegel. Rollenhagen
2)  der dompfaff oder gimpel, loxia pyrrhula Nemnich: vom gümpel, blut-fincken, thumpfaffen, rothschlegel, oder auch schnigel genannt. Döbel 1, 56; vergl. auch Heppe
3)  mundartlich auch für 'putz, schmuck', so schon bei Wachter 1453 für den Meisznischen dialekt bezeugt.
4)  der sich viel putzt, stutzer, geck: dasz wann ein solcher schniegel sich itzt verliebt in spiegel sieht wie ein gelber diegel.
 
schniepe
1)  am untern Main und Rhein, stirnband, schmaler streif, rand Schm. 2, 578, der auf ahd. snuaba, vitta Graff 6, 838 verweist.
2)  nach Kehrein 1, 362 dagegen ein spitz zulaufendes stück am brusttheil eines frauenkleides, zu nd. schnibbe, s. schnippe.
3)  unklar in folgender stelle, wo es von einer schlachtordnung gesagt wird: hinden und vornen eingezogn, auch mit einer schniepen gebogn. Fronsperger
 
schniepel
1)  frack, leibrock, vielleicht von den spitz zulaufenden schöszen, vgl. schniepe, schnippe, schnippel, s. Kluge
2)  dann auch: stutzer, elegant, eleganter ladenschwengel; s. Kluge
 
schnieren
1)  nebenform zu schlieren (3), vgl. das. sp. 690: schlieren saxon. vox est, et notat: voracem esse, voraciter ingurgitare se, quod et aliâ dialectô dicunt schnieren. der kerl kan über die masze schnieren, immoderate et avide vorat, profundae et sordidae gulae est. Stieler 1851
2)  als nebenform zu schnüren, s. daselbst.
3)  österreichisch schniarn, übervortheilen, prellen, vom wirte Castelli 248 (zu 2?).