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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnauz bis schnauzenassel (Bd. 15, Sp. 1209 bis 1212)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnauz, m., nebenform zu schnauze; im sinne von daselbst 3, a an einer lampe: den leuchter .. und seine lampen mit seinen schneutzen. 4 Mos. 4, 9; bei den zwo gülden schneutzen des gülden leuchters. Sacharja 4, 12; eine lampe .. mit sieben schnäuzen zu so viel dochten auf jeder seite. Winckelmann 2, 74.
 
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schnauz, m. schnurrbart, kürzung von schnauzbart, zuerst bei Campe erwähnt, mundartlich namentlich oberdeutsch verbreitet, so schweizerisch Stalder 2, 341; der schnauz, plur. schneuz, schnurrbart Seiler 259b; in Vorarlberg schnautz und schnûtz Fromm. 3, 301; im bairischen sprachgebiete: der schnauz, neben schnauzbart Schm.2 2, 590; in Kärnthen der schnautz Lexer 223; von schriftstellern mit mundartlicher färbung gebraucht: spazierende herren lachten ungeniert, und einige mit schnäuzen traten ganz nahe hinzu, stützten sich mit beiden händen, wenn nicht die eine den schnauz drehte, auf ihre stöcke. J. Gotthelf Uli der knecht 276; jetzt sei er oberst und habe einen schnauz, den er unter dem kinn knüpfen könne. bauernspiegel cap. 27; für den träger eines schnurrbartes, mann: Elisi aber war ... in beständigen zweifeln begriffen, ob es mit diesem oder jenem schnauz es nicht noch besser gemacht und ob es nicht hätte warten sollen. Uli der knecht 289. schnauz, mundartlich auch schwarzer strich im gesicht von rusz, kohlen Seiler 259b.
 
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schnauzbär, m. bezeichnung des bären wegen seiner groszen schnauze: der schnauzbär kümmerte sich wenig um diese drohung. Musäus 3, 17.
 
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schnauzbart, m. schnurrbart; ursprünglich als derbe bezeichnung des bartes um die oberlippe gebildet und empfunden: schnautzbart nennt man im spott den bart der oberlippe, superioris labri barba, vulg. mystax. Frisch 2, 212b; später unbefangen gebraucht, besonders von dem starken soldatischen barte: so sasz die wurst auf der nase des guten weibes fest .. und hieng zu beiden seiten hinab wie ein husaren-schnauzbart. Hebel 2, 62; damit der nebenbackenbart mit dem schnauzbart bleibt. F. Müller 3, 229; kleiner, scharfer mund, schwarzer schnauzbart. Bettina briefe 2, 181; du wirst dir den schnautzbart in die höhe streichen. Arnim 1, 46; seine breiten augenbrauen

[Bd. 15, Sp. 1210]


hatte er sich zu einer schmalen linie abrasirt, eben so seinen schnauzbart. 2, 162; ihr hättet gar zu gern einen schnauzbart an eurem mund. Eichendorff 2, 559; ein schwarzer schnauzbart teilte es (das gesicht) in zwei fast gleiche teile. O. Ludwig 2, 47; er .. wichste seinen grauen schnauzbart. 429; da .. seine nase sich lang über den fränkischen schnauzbart gegen das spitze kinn dehnte. Freytag werke 9, 46.
 
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schnauzbärtig, adj. mit einem schnurrbart versehen: den schnauzbärtigen soldaten in seiner uniform erkannte niemand wieder. Freytag neue bilder (1862) 351.
 
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schnäuzchen, n. kleine, zierliche schnauze: das schnäuzchen einer maus; kosend von menschen: dem kinde das schnäuzchen wischen; wenn sie in der ganzen weiten welt ein paar augen oder eine nase oder ein kleines schnäutzchen finden, die ihr besser lieszen als ihre eigenen. Wieland 11, 323; für das ganze gesicht, wie lärvchen (th. 6, 207):

nun fand ich endlich, dasz eine fee,
mit der mein vater tändeley
vor zeiten getrieben, an all dem wehe
mehr als mein schnäutzchen ursach sey. 21, 48;

redensart das schnäuzchen in etwas stecken (ähnlicher gebrauch von mäulchen th. 6, 1799):

nun hatte des fräuleins zofe
die art von vielen mädchen bey hofe,
die gern in alles, sonderlich
in herzenssachen, ihr schnäutzchen stecken. 80;

zärtliche anrede, besonders an zierliche junge mädchen: hast du nichts als das, mein schnäutzchen? rief er, als sie ihm ihr anliegen eröffnet hatte. 11, 202;

liebstes schneutzgen, gute nacht.
Chr. Weise überfl. gedanken F 5.

schnäuzchen an dingen: schnäutzgen an einer lampe, myxus Steinbach 2, 474; schnäutzgen der jungen kinder, mamma artificialis infantum ebenda.
 
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schnauze, f. hervortretendes maul, besonders an thieren. zufrühest wort der niederdeutschen dialecte, mnd. snût, snûte Schiller-Lübben 4, 280b; niederl. snuyte, nasus, rostrum, proboscis, promuscis, manus elephanti Kilian; mittelengl. snoute, neuengl. snout nase, schnauze, rüssel, röhre; wol mit der ursprünglichen, nachher erweiterten und anders gewendeten bedeutung der triefnase, da das wort mit ags. snyting (sternutatio vel sternutamentum, snytingc vel fneosung Wright-Wülcker 1, 162, 39), und dem mhd. sniuzen (vgl. unten schneuzen) eng zusammenhängt. vom niederdeutschen sprachgebiete her ist das wort in das hochdeutsche, nachweislich seit dem 16. jh., eingedrungen, zunächst in der völlig entsprechenden form schnausze, wie sie Luther gewöhnlich auszerhalb der bibel braucht (belege unten 1, b. 3, a); dann aber in andenken an ein älteres gleichbedeutendes hochdeutsches schnotz und schnotze (proboscis schnotzen, russel o. nass eines helffants Dief. 460c; die schnotzen der wilden thieren, ferini vultus, der schnotz eines helffants, proboscis, manus, hirtzen schnotzen, rostra cervorum Maaler 360a) in der mischform schnauze, die sich allein festgesetzt hat. der form schnausze entsprechend gewährt mundartlich das rheinfränkische noch schnüsze Fromm. 2, 551, 16, westerwäld. schnüsz, maul, dickes maul, rüssel Kehrein 364, thüring. schnûszn schnauze Hertwig 27a.
bedeutung.
1) schnauze im eigentlichen sinne.
a) an thieren, besonders säugethieren: proboscis, das forderteyl an der unvernünfftigen thier nasen, die schnautz Alb.; die schnautz et schnautzen, rictus, os bestiarum Stieler 1906; schnauze, das herausragende maul einiger thiere, als an hunden, wölfen, fuchsen u. a. m., rostrum, os, nasus, die schnauze am elephanten, proboscis Frisch 2, 212b; so bei schweinen: alde swyne hebben harde snuten, os vetulis durum porcis et stercore foetet. Tunnicius 822; zu der zeit, wo das schwein eine güldne schnauze haben (d. h. durch sein wühlen den boden säubern und bessern) soll. Möser patr. phant. 3, 202; die anhängsel und profilstücke eines frisch geschlachteten schweines, die ohren die schnauze und den ringelschwanz. G. Keller werke 3, 225; bei hunden: hundeschnauze, rostrum canis Stieler 1906; dasz der maler auf einmal den schaum natürlich an der schnautze des hundes hängen .. sah. Thümmel 9, 210; (gebetbuch) auf das ein schwarzer hund mit glühenden augen die schnautze gelegt hatte. Bettine tageb. 161; bei andern thieren, fuchs-, bären-, katzenschnauze; ein junger edelmarder mit zartem pelze sasz auf meiner brust, und beschnüffelte mit den feinen hastigen athemstöszen seiner spitzen kühlen schnauze meine nase. G. Keller werke 1, 179;

[Bd. 15, Sp. 1211]


immittelst sah der fuchs des führers (eines marders) rüssel an,
und sieh, es guckt auf allen seiten
das zahnfleisch durch die schnauze vor.
Lichtwer fab. 4, 4;

(wie ein) zum anfall entschlossener hungernder leu,
von unmuth verzehrt,
bluttriefend die schnauze, nach beute begehrt.
Leuthold gedichte (1879) 274;

seltener von fischen: als wenn mir ein fisch seine schnautze zugereckt hätte. ehe eines mannes 107; eine schimmernde forelle .. welche mit ihrer schnauze ängstlich an den abschlieszenden steinen herumtastete. G. Keller werke 1, 209.
b) in grober rede auch von menschen: schnauze, verächtlich von einem menschen. Frisch 2, 212b; besonders in feststehenden redensarten: ein jglicher boret jm ein loch, wo jm seine schnausze hin stund. Luther 3, 337a; einen über, auf die schnauze schlagen, hauen, dasz er nicht ferner widerreden darf: nu weiset er (Jesus) sie je unfreundlich abe, und schlegt sie über die schnauszen. 4, 451b; ebenso hette ich .. jm wol mit einer solchen antwort über die schnauszen zu hawen gewuszt. 533a; also müst jr euch warlich wider jn (den teufel) setzen lernen, und nicht gestatten, wie er euch gedanken mache .. darumb nicht besser denn flugs im ersten auf die schnauszen geschlagen. 6, 206b; und werde ich von dir unbillich, wie ich mit warheit erweisen will, uber die schnautzen gehauen. Kirchhof wendunm. 214a; auch in ganz sinnlicher bedeutung: einem eins auf die schnauze geben, os percutere alicui. Frisch 2, 212b; die schnauze einziehen, nicht mehr prahlen: das sie forthin die schnauze werden einziehen müssen. Nigrinus widerleg. der 1. cent. Y 4b; sich die schnauze verbrennen (vgl. DWB das maul verbrennen th. 6, 1788):

so wunderts mich, warum so viele dutzend rennen,
und sich, wer weisz was sonst? die schnautzen offt verbrennen?
Günther 469;

die schnauze in etwas haben, hängen, eigentlich, in speise oder trank: da der unflat die schnauze drüber (über dem essen) gehabt hat. Göthe 14, 302; uneigentlich: seine schnauze in alles stecken, fourrer ou mettre son nez par tout Rädlein 793b; er hängt seine schnauze in alles, hat seine schnauze in allem, dreinredend; die schnauze hoch tragen, wie sonst die nase (th. 7, 400): er trägt seine schnauze gar hoch, intolerandae superbiae est, magnum spirat, erectae nimis cervicis est. Stieler 1906; grobe aufforderung, gröber als das maul halten (th. 6, 1792): halt deine schnauze, tace, opprime os. ebenda.
c) in liebkosender rede, vgl. DWB schnäuzchen.
2) schnauze, für den träger der schnauze; in grober rede: er ist eine grobe schnauze, eine schandschnauze;

ihr sollt erfahren, was es heiszt: spectakel
der obrigkeit verhalten, grobe schnauzen!
Immermann 16, 434;

in liebkosendem sinne, vgl. DWB schnäuzchen.
3) schnauze, von schnauzen ähnlichen dingen;
a) dochtrohr an lampen. Jacobsson 7, 258a: fünf leuchter zur rechten hand, und fünf leuchter zur linken, fur dem chor von lauterem golde, mit gülden blumen, lampen und schnautzen. 1 kön. 7, 49; und die blumen an den lampen, und die schnautzen waren gülden. 2 chron. 4, 21; zwo gülden schnauszen oder röhren. Luther 4, 264b; zwo gülden nasen oder schnauszen. 265a.
b) ausgusz eines gefäszes: schnautze der kanne, zinnerne röhre einer kaffeekanne. Jacobsson 4, 16a; das gefäsz mit einer spitzigen schnauze. Winckelmann 2, 75; an einer wagschale: lege ich auf die schnautzen der wagschalen auch so viel desz kleinen gewichts. Thurneisser probier. der harnen 85; an einer dachrinne: es ist ganz begreiflich, wenn sonach die schnauze einer renne für einen kragstein, das gesimse einer feuermauer für ein stück des architrabs genommen .. werden. Lessing 10, 235.
c) schnauze am destillierhelm: darnach begibt sichs oft, das die helm nicht allwegen rechte schnauzen haben. Erker 69b.
d) schnauze beim schlosser, eiserne schiene wie eine rinne gestaltet, unter die enden der federn gelegt, damit diese durch ihr reiben nicht die theile abscheuern, worauf sie liegen. Jacobsson 7, 258a.
 
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schnauzen, verb. in mehreren bedeutungen.
1) transitiv, mit schnauze versehen (nach schnauze 3); umlautend: eine kanne, einen topf schnäuzen, eine schnauze dran machen. Campe; im unumgelauteten partizip, nach schnauze 1, a:

es schmeckt nach lauter ewigkeit, so nimmermehr zerrinnt.
das dreigeschnautzte höllenthier kein ende ja gewint.
Schottel 898.


2) intransitiv, eine schnauze machen, den mund vorstrecken, wodurch er ähnlichkeit mit einer schnauze bekommt. Campe.
3) schnauzen, in grober rede, zornig und laut anfahren; unter

[Bd. 15, Sp. 1212]


anschnauzen th. 1, 447 zu schnauen, anschnauen gestellt, und als dessen frequentativ aufgefaszt, was grammatisch möglich ist; jedenfalls lehnt das sprachgefühl das jung bezeugte wort (erst bei Stieler 1906 die bildungen anschnauzen, beschnauzen, überschnauzen, während er das einfache schnauzen als nicht gebraucht erklärt) an schnauze 1, b an: ich schnautze, irascor, stomachor Steinbach 2, 474; der meister ist grob und schnauzt furchtbar in der werkstatt herum, sagte ein gesell; man kann nicht an allen orten sein, schnauzte der wirth. J. Gotthelf schuldenb. 382;

wären unfreundlich, grob und liederlich,
schnauzten und bissen sich unbrüderlich.
Göthe 13, 71.


4) schnauzen als nebenform zu schneuzen: ich schnautze, mungo, emungo, die nase schnautzen, nares emungere Steinbach 2, 474.
 
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schnäuzen, s. DWB schneuzen.
 
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schnauzenaffe, m. affengattung mit hervortretender schnauze.
 
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schnauzenassel, f. asselart mit langer schnauze. Oken 5, 611.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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