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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nachzotten bis nackarsch (Bd. 13, Sp. 237 bis 243)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nachzotten, n.: darzu muszte sie eine magd in und wider ausz der kirch geleiten. sintemal sie nun noch zur zeit nicht mehr als eine magd hetten .. bat er sie .. mit dem nachzotten, bisz sie sich besser eingesetzet und mehr gesindes haben würden, noch bleiben zu lassen. Kirchhof wendunm. (1602) 4, 345.
 
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nachzotter, m. nachtreter, anhänger: wan der mensch hat widersagt dem bösen geist und allen seinen nachzottern; wen du z den hexen lauffest, so würstu brüchlich an got dem heren. Keisersberg emeis 46a.
 
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nachzucht, f.
1) nachwuchs von pflanzen oder thieren und die erzielung desselben: nachzucht der tanne (s. nachziehen 2, d), der hunde u. s. w.
2) letzte zucht; die letzten jungen der bienen vor dem winter. Jacobsson 3, 120a.
 
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nachzucken, verb. nachbebend zucken: damit es (das herz) noch ein wenig geistig-munter schlage, nicht in einem winterschlaf nachzucke. J. Paul freiheitb. 106; und wenn die enkel derer, die den frieden erlebten, von dieser zeit

[Bd. 13, Sp. 238]


lesen .., so fühlen sie noch heut den schmerz in sich nachzucken wie damals die lebenden. Freytag ahnen 6, 305.
 
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nachzug, m. gegensatz zu vorzug.
1) den nachzug haben, nicht die erste, sondern eine ihr nachstehende stelle in einem zuge einnehmen. Luther 5, 266.
2) das nachziehen, nachwehen: der nachzug der luft. Kant 9, 86.
3) gesammtheit der nachziehenden, nachfolgenden, comitatus Aler 1441b:

den er hinter sich liesz im äuszersten nachzug (inter extremos).
Voss Hor. sat. 1, 1, 116;

als Göthe und sein nachzug das wort des meisters (Lessing) schlag auf schlag in that umsetzten. Danzel-Guhrauer Lessing (1880) 2, 54. besonders:
4) der nachtrab eines heeres, agmen novissimum. Frischlin nomencl. 471. Stieler 2643; nachzug, die kriegsknechte, so hinden nach ziehen, l'arrieregarde. Frisch teutsch-franz. wb. 256b; der kreuzbezeichnete nachzug (das aus kreuzfahrern bestehende zweite heer, hilfsheer) so in Apulien gewesen. Fischart bienenk. 128a;

den nachzug (hetten si) ins vortraben verwandt.
Liliencron volksl. 466, 73 (v. j. 1537);

wann ein tail den vorzug drei tag hete, muest er dann drei tag den nachzug haben. Baumann quellen 1, 547. 561; hier kam unser regiment nicht einmal zum treffen, weil es sich in dem nachzug befande. Simpl. 2, 81, 28 K.; Cotys aber fiel mit seiner reiterei in den nachzug ein, erlegte etlich tausend. Lohenstein Armin. 2, 122b;

er führte die scharen vom nachzug.
Pyrker Tunisias 12, 223;

ein heer,
von dem sich der nachzug über .. hinzog,
der vortrab das zwieland schon .. bedeckte.
Rückert Hamasa 1, 38.


5) nachforderung: unser rest und nachzug, so uns .. noch unbezalt usstat. Diefenbach-Wülcker 775 (v. j. 1542).
6) nachtheil, schaden, gegensatz zu vortheil: es sollte weder der stadt Solothurn einiger vortheil, noch auch der stadt Bern der geringste nachzug deswegen zu gemessen werden. Stettler ann. helv. 1, 426 (bei Frisch 2, 485a).
 
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nachzügeln, verb. nachziehend (im nachzuge, als nachzug oder nachzügler) folgen, besonders im verkleinernd verächtlichen sinne: ein vermächtnis (die zahmen Xenien), das Göthe für die nachzügelnden dichter als rath und warnung hinterliesz. Gervinus deutsche dichtung 5 (1874), 805; es ist mit des menschen gemüth wie mit dem meere. hat der sturm auch ausgetobt, so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und untereinmal schäumt wieder ein nachzügelnder wellensturz gewaltig auf und jagt die möwen vom fels. Scheffel Ekkeh. 352.
 
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nachzügler, m. einer der nachzügelt, besonders ein hinter dem heerzuge zurückbleibender soldat, marodeur: aber wie ich auch sprang, ich ereilte niemanden, keinen einzigen nachzügler. Gotthelf erz. 2, 240; nachzügler und troszknechte. Göthe 24, 155. 30, 12. 114; und gab ihnen rath und regel, wie sie sich gegen nachzügler zu verhalten hatten. 30, 112. 119; sie lauerten den nachzüglern der regimenter ... in gebirgspässen auf. Freytag bilder (1867) 3, 112; französische nachzügler. J. Paul leben Fibels 7; übertragen: der krieg, sowie sein nachzügler und reim, der sieg. doppelwörter 13.
 
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nachzürnen, verb.
1) nachtragend zürnen: ein wort über das nachzürnen! .. giftig aber ist jeder nachwinter des nachzürnens. J. Paul Levana 1, 123.
2) zürnend nacheilen:

schon zürnt' er (der auerochs) der ferse der flüchtigen nach.
Klopstock 9, 194.


 
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nack, s. DWB nackt.
 
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nack, nacke, nacken, m. cervix. das wort, welches auszer dem gothischen in allen germanischen dialekten vorkommt, hat ursprünglich gutturalen anlaut, der aber schon im ahd. abzufallen beginnt: ahd. (nur in glossen) hnach und nach, plur. nachâ Graff 4, 1126. Steinmeyer-Sievers 1, 32, 35, mhd. nac und schwach nacke; altn. hnakki und hnakkr; alts. nacco, nd. nacke, nakke; ags. hnecca, engl. neck Leo 295, 11; altfries. hnekka, nekke, neufries. necke Richthofen 820a; nhd. nack und nacke bis ins 16. jahrh., in welchem aber bereits der nun herschende nominativ nacken erscheint (gemma 1508 r vb, neben nack e ic. Maaler 301b); Stieler 1346 setzt noch nack, nacke und nacken an, Aler 1441b und Steinbach 2, 99 nack

[Bd. 13, Sp. 239]


(doch nur für schabernack) und nacken, Frisch 2, 5a nacke und nacken, Hederich blosz nacken. die bairisch-österreichischen mundarten (in schwäbisch-alemannischen idiotiken fehlt das wort) gebrauchen dafür das collective genäcke: das gnáck Schm. 2, 1720 Fromm. Höfer 1, 303. Schöpf 457; das nágge ginágge, negge ginegge Lexer kärnt. wb. 195. 197; das nacke Hintner Deferegger dialekt 174. — Die etymologie des wortes ist noch unsicher. Diefenbach 2, 572 und Leo ags. glossar 295 stellen es zu goth. hneivan, ahd. hnîgan, hnikjan, ags. hnîgan, hnægjan, hnäccan, altn. hnîga, hneigja, hnekkja; nack est a nicken et neigen sagt schon Stieler, vgl. auch Frisch 2, 5b. zu beachten ist bair. der nacken (neben knacken und knuecken Schm. 2, 1720. 1347 f. Fromm.) der knochen, dessen collectiv genäcke (gnáck) also die knochigen theile des halses, die halswirbelbeine bedeuten würde; aber auch bair.-österr. der nock, kleiner hügel (Schm. 1, 1723 Fromm. Lexer 178. Hintner 173) könnte in betracht kommen, da ahd. hnach auch durch cacumen glossirt wird (vgl. DWB nack II, 1). Bedeutung.
I. Im eigentlichen sinne, der hintere theil des halses, das hinterhaupt, cervix, occiput Dief. gl. 115c. 392a; apostela, nack voc. 1482 x 1b; knoch hinden am nack, nucha q 8b; der nacken, das hinderteil desz haupts. Maaler 301b.
1) nacken des menschlichen körpers: mhd.

durchʒ ouge in sneit daʒ gabylôt
und durch den nac. Parz. 155, 10;

und hienc an sînem nacke
ein grâwer mantel.
Konrad troj. krieg 1654;

dâ wirt iu ein ûf den nac. wachtelmäre (Wackernagels leseb. 1153, 25);

dâ hât geluste gezogen
den nacken vür diu ougen. Tristan 17797;

nhd. ich schlüeg im mit der kunkel mein
auf seinen nack. fastn. sp. 485, 31;

wie rast die windsbraut durch die luft!
mit welchen schlägen trifft sie meinen nacken!
Göthe 12, 206;

bluten lasz den nacken! lasz ihn, vater! 40, 399;

(sie nimmt) das hifthorn von dem nacken.
Schiller 3, 171;

ihr haar im nacken reizet mich
zu hundert kleinen thorenspielen.
Bürger (1778) 115;

nicht sorgend, dasz ..
des feuers glut ein haar dir seng am nacken.
Rückert (1847) 146;

an seinem (Amors) nacken hing ein kleiner köcher.
Gerstenberg verm. schriften 2, 14;

ein klein aber streitsüchtig bürschchen, den hut hinten im nacken. Gotthelf schulmeister (1859) 1, 16.
2) nacken des thierischen körpers: mhd. sînes rosses nac. Karlmeinet 83, 42; nhd. brüllend vor schmerz und wuth ... schüttelte der stier den blutigen, von der pike weit aufgerissenen nacken. Brehm thierl. 2, 681; ein tritt des mannes seitwärts und dicht neben ihm ist der nacken des stieres und begraben bis an das heft im nacken des thieres der degen. W. Wackernagel Sevilla 144; ich will hörner auf deine (des schafes) stirne pflanzen und stärke deinem nacken geben. Lessing 1, 149;

also schüttelten sie (die rosse) bis zum abend das joch an den nacken.
Voss Od. (1781) 15, 183;

mit gebrüll auf ihren (der giraffe) nacken
springt der löwe.
Freiligrath (1870) 1, 151;

sie (herde von elennthieren) schüttelte den nacken wie zum hohne
und stürmte fort, verdoppelnd ihre schnelle. 1, 177;

der (fuchs) plötzlich alle seine kraft
verrätherisch zusammenrafft,
um unsern springer (das eichhorn) bei dem nacken
mit scharfen krallen anzupacken.
Pfeffel 1, 23;

aus seinem gezelte geht lachend
das gelbe täubchen, und kratzt mit röthlichen füszen den nacken.
E. v. Kleist (1771) 2, 15;

sobald die brandung
tosen hört der edle sohn des Harun,
läszt er los des fisches (delphins) riesigen nacken.
Platen (1847) 4, 290.


3) wie hals sich zum begriffe von nacken verengert, erweitert sich auch nacken zum begriffe von hals (äuszerlich oder innerlich), wie auch engl. neck nacken und hals bezeichnet: mhd.

unde beiʒ im abe den nac. wachtelmäre (Wackernagels leseb. 1156, 10);

nhd. ach got, soll ich die valschen zungen
aus dem nacke (var. nacken) manigen reiszen.
H. Vintler 2394;

er heiszt in die zung zum nack ausz reiszen. fastn. sp. 181 21;

[Bd. 13, Sp. 240]



ich denk, wenn man ein funden hat
an solcher lästerlichen that,
das man in frt an galgen naus
zoh im die zung zm nack haraus.
G. Wickram bilger J 3, bl. 31;

wie sie meinen nacken umklammerte. Gerstenberg verm. schriften 2, 56;

(sie) fällt entzückt der amme um den nacken.
Wieland Oberon 5, 11;

er ists, der ..
seinen nacken selbst der straf entgegen bieget. 5, 36 (vorher: er dreht seinen langen hals);

wenn ich nie mit schlanken armen
mich um deinen nacken stricke.
Platen (1847) 1, 35.


4) am menschen wird wie bei hals hervorgehoben
a) die härte, starrheit des nackens, die ihn tauglich macht eine last zu tragen, widerstand zu leisten, daher auch als zeichen von starrsinn, verstocktheit, trotz, stolz: denn ich weis, das du hart bist, und dein nack ist ein eisern ader. Jes. 48, 4 (vgl. Schuppius 284); werden an meinen namen gedenken, und sich von irem harten nacken und von iren sünden keren. Baruch 2, 33; so gehorchten sie nicht, sondern herteten iren nacken, wie der nacke irer veter. 2 kön. 17, 14; die Venediger ... welcher hörten (harten) nack ... der keiser nicht lenger geduldende. S. Frank chron. 216a;

närrisch hirn, harter nacke dient für manchen klugen man,
denn sie machen durch ihr wüten, dasz er was erwerben kan.
Logau 3, 2, 48;

und beugete gewaltsam
der jugend starren nacken.
Schiller 14, 41 (braut v. Mess. 1, 7);

der starre nacken ist daher auch der trotzige (die trotzigen nacken Freytag ahnen 1, 505), er hebt sich, schlägt zurück, wird zum zeichen des hochmuts, trotzes, der widersetzlichkeit aufrecht getragen:

dasz sie den nacken
mir lernen beugen, den sie aufrecht tragen.
Schiller 14, 396 (Tell 4, 3);

er streichelte und koszte den nacken, der gegen ihn störrig zurück schlug. 2, 77 (räuber, schausp. 2, 2); von allen seiten heben sich die nacken der groszen gegen unsern könig. Freytag ahnen 2, 109; viel lieber ist mir der gast, der den kopf hinten im nacken trägt. 1, 100;

da warf er in den nacken stolz
sein .. haupt zurück.
Freiligrath (1870) 1, 74.


b) gegensatz ist der durch das alter oder eine last gekrümmte oder zum zeichen der andacht, demut, unterwürfigkeit gebeugte nacken (vergl. auch unter 6): sein (des greisen) nacken war krumm und gebückt und seine stimme keuchend. Engel 1, 16;

wiewohl der jahre bürde
den nacken sanft gekrümmt.
Wieland Oberon 8, 14;

und von des Niles wogen
froh kehrten sie (Josephs brüder) zurück, den nacken krumm gebogen
von des Ägypters gelbem korn.
Freiligrath (1870) 2, 207;

züchtig mit gebeugtem nacken
treten fromm wir zum altar.
Platen nachlasz 1, 9;

ich beuge nun den willgen nacken. (1847) 2, 340;

die vätter müssen selbs den nacken bucken (sich unterwerfen). Fischart bienenk. 34b; als unsere gauleute zuerst den nacken beugten vor des königs rother binde. Freytag ahnen 1, 70; heute wandelt der streitsüchtige mann demüthig hinter dem fremden. wahrlich viele nacken weisz dieser mann zu beugen. 1, 396; der zum zeichen der unterwürfigkeit, des gehorsams gebeugte nacken ist daher auch DWB gefügig: jetzt aber möchte ich lieber .. über gefügige nacken blicken. 1, 83.
c) der nacken des weibes ist voll, gewölbt, gerundet:

ich lobe mir .. den vollen busen und nacken.
Wieland 4, 4;

die augen schlieszend ..
sinn ich nur nach, wie glänzend deine haare,
und wie vollendet sich dein nacken ründet.
Dahn ged. 1, 307.


d) die farbe des nackens ist weisz und besonders wird dieselbe am nacken des weibes gepriesen: mhd.

sînen wîʒen nacken
mûste er dâ lâʒen strîchen. pass. 62, 22 Hahn;

diu kel und ir nac
als ein volwîʒer swan. Flore 6902;

und was ir neckel (var. nac) ..
sleht unde wîʒ alsam ein snê.
Konrad troj. kr. 7507;

nhd. ein mund, der küssen winkt, ein lilie nhals und nacken.
Wieland 10, 127;

[Bd. 13, Sp. 241]


schultern und nacken muszten nicht minder weisz glänzen und glatt und wolgebildet sich herabsenken. Weinhold die deutschen frauen 1, 227. vgl.alabaster-, lilien-, marmornacken.
e) der blosze nacken, vgl. Weinhold d. d. frauen 2, 322: mhd.

blôʒer nac und gelbe kitel
locken mangen valschen pitel. Renner 12536;

diu ir swarzen nack vil hôhe blecken lât (kahl trägt).
Walther 111, 20;

nhd. brannte nicht in dem kusse, den er auf meinen entblöszten nacken drückte, die ganze fackel der liebe? Gerstenberg verm. schriften 1, 128.
f) mit haar bewachsen: haariger nacken. Fischart Garg. 19a.
5) das brechen (intransitiv und transitiv) des nackens wird wie das brechen des halses als tödtliche verletzung hervorgehoben:

er stürzte sich grade vom dache hinunter, der nacken
brach aus seinem gelenk, und die seele fuhr in die tiefe.
Voss Od. (1781) 10, 559. 11, 64

der irrt, der einen tag
dem nachsieht, dem er bald den nacken brechen mag.
Gryphius 1, 14;

und der soll mir zuvor den nacken brechen (mich tödten),
der mehr verlangt!
Wieland Oberon 5, 62;

du falscher bösewicht,
der lachend mir den nacken bricht.
Pfeffel 1, 23;

der gefährlichen brut den nacken brechen. Heinse Ardinghello 1, 114.
6) am nacken wird durch enthauptung die todesstrafe vollzogen (den kopf von dem nacken trennen. Steinbach 2, 99), weshalb er auch zum symbole des lebens wird (vgl. DWB hals I, 5, g):

schon zuckt nach jedem nacken
die schärfe, die nach meinem zückt.
Göthe 12, 246;

Mortimer. weg über meinen nacken schreitet er,
mein fall musz ihm die rettungsbrücke bauen.
Schiller 12, 521 (M. Stuart 4, 4).


7) nacken wie hals dienen zum tragen von lasten oder eines joches, das ihm aufgelegt, unter das oder in das er gebeugt wird (vgl. 4, b).
a) auf den nacken legen, nehmen, packen; auf dem nacken tragen:

Abraham legt dem Isaac
das holtz zu tragen auf sein nack.
H. Sachs 1, 186, 17 K.;

name darauf seinen bottenspiesz auf den nacken und wurde ein bott. Schuppius 786; die frau packte ihr kind auf den nacken und lief was sie laufen konnte. Stillings jugend (1780) 48; durch den wald herab sprachen die kohlenbrenner, die quersäcke auf den nacken (tragend), und freuten sich der wahren ruhe. jünglingsjahre 32.
b) das auf dem nacken lastende joch des zugthieres wird angewendet auf den menschen als zeichen der willenlosen unterwürfigkeit, der fremden herschaft (vgl. DWB hals I, 7):

wie die feige welt ins joch den nacken strecket.
Haller 38;

der nie in fremdem joch den steifen nacken schmieget. 89;

die protestantischen einwohner Regensburgs .. hatten ihren nacken mit widerwillen unter das bayrische joch gebeugt. Schiller 8, 321;

es herrschte noch im lande
des vaters macht, und beugete gewaltsam
der jugend starren nacken in das joch. 14, 41 (braut v. Mess. 1, 7).


8) daraus leiten sich ab verschiedene redensarten, die etwas beschwerendes (sache oder person) ausdrücken, das der mensch auf sich nimmt oder das wider seinen willen auf ihm ruht, ihn unterdrückt, bedrängt, belästigt.
a) auf den nacken nehmen:

nun so will ich fasten hernach,
mich demüthigen in dem sack
und die busz nehmen auf den nack.
H. Sachs 10, 415, 5 K.


b) auf dem nacken haben: schon jahre auf dem nacken haben, schon bei jahren sein u. dgl.; beispiele, die ein paar jahrtausende auf dem nacken haben, sind nicht immer die schicklichsten. Siegfr. v. Lindenberg 2, 84; da er nun doch einmal den beschwerlichen menschen auf dem nacken haben musz (ihn nicht los werden kann). Wieland Hor. sat. 1, 276.
c) auf dem nacken sein: es ist eine rechte noth, seitdem die groszen herren auf das incognito gefallen sind .. sonst wurden sie monate lang voraus angekündigt .. jetzo, ehe man sichs versieht, sind sie einem auf dem nacken (erscheinen plötzlich zu ungelegener zeit). Göthe 14, 4.
d) auf dem nacken lasten, liegen: eine besatzung .., die dem bürger auf dem nacken lastet. Göthe 8, 227; wo aber

[Bd. 13, Sp. 242]


rettung für euch, denen der feind auf dem nacken liegt? Schiller 8, 188.
e) an dem nacken hangen:

die (erinnerung) wie eine bürde
zuweilen noch an ihrem nacken hing.
Wieland Oberon 6, 30.


f) auf dem nacken sitzen: kein grämlicher sultan sasz ihnen (unsern auf den gebirgen in unschuld lebenden vätern) auf den nacken. Klinger 6, 96.
g) auf den nacken sitzen, setzen:

so ist die fast der fasnacht auf den nack gesessen,
damit sie die fasnacht hat zu schaden pracht. fastn. sp. 629, 22;

warum diesen blutsaugenden teufel mir auf den nacken sezen? Schiller 3, 445 (kabale u. liebe 3, 6).
h) auf den nacken schicken:

warum ihr diesz gewitter
mir auf den nacken schickt.
Wieland Klelia 5, 334.


i) auf den nacken wünschen:

ain pös jar auf iren nack! fastn. sp. 502, 1.


9) auf den nacken treten, den fusz auf den nacken setzen, auf dem nacken stehn als sieger zum zeichen der unterdrückung: so muoste sich der keiser (Valerianus) nider biegen uf hende und füesze, so drat ime denne der künig (Sapor) uf sînen rücken und nag also uf einen schemel, daʒ er deste bas uf daʒ pfert keme. Königshofen 356, 4;

do stund er'm uf dem nacken (setzte ihm als sieger den fusz auf den nacken).
Liliencron volksl. 94, 9 u. anm.;

er lebt im arm des glücks, das bis der tag vergeht,
vielleicht verrätherisch ihm auf dem nacken steht.
Uz 2, 37;

der schenke setzte leichten fusz auf unsre nacken siegreich.
Platen (1847) 2, 37.


10) einem oder einen in den nacken schlagen, sich ihm bemerkbar machen, bei ihm wieder zum vorschein kommen: der alte Lutheraner würde mich noch zu oft in den nacken schlagen. Lessing 10, 201.
11) er hat es hinder dem nacken, versutissimus est Stieler 1346. besonders den schelm (schalk) im nacken haben, tragen, versteckt listig zu einem schlimmen oder neckischen streiche sein: er hat den schelm im nacken, ist hinterlistig, handelt betrüglich. Hennig preusz. wb. 167;

es ruht und wächst der theure sohn,
seht nur die rothen vollen backen;
doch glaubet mir, er hatte schon
den schelmen faustendick im nacken.
Göthe 3, 324 H.;

(der knabe) hat blaue augen, gelbes haar,
und schelm im nacken immerdar.
Claudius 3, 16;

wer den schelm trug im nacken.
Freiligrath (1870) 2, 200.


12) den nacken, im nacken kratzen, zum zeichen der verlegenheit, des betrogenseins: der ein kratzt uf dem kopf, der ander kratzt den nacken. Eulensp. 87 s. 127; nur der vater bekam das kratzen (jucken) im nacken. Freytag bilder (1860) 1, 245.
13) im nacken, hinter einem, zurück:

den Dänen trieb des ritters sporn,
die peitsche den Polacken;
und Hochburg blieb im nacken.
Bürger 53b.


14) den nacken weisen, den rücken kehren, sich abwenden von:

der Griechen heer, obschon bedrängt von Mars
... wies der schlacht
in rückflucht nach den schiffen dennoch nicht
den nacken.
Bürger 166b.

mhd. den nac, nacken kêren:

sælde keret mir den nac. minnesinger 2, 223a;

den armen kêrt er sînen nac.
Helbling 1, 52;

so kêrt er triuwen und êren den nac. Renner 7173;

dem kêrent die heiligen den nac. 23282.


II. In übertragenem sinne.
1) ahd. wird hnach auch durch testa capitis und durch cacumen glossirt. die erste bedeutung hat es noch in der nd. redensart van hakken bet tom nakken, von der fuszsohle bis zum scheitel, von unten bis oben. brem. wb. 3, 215; die zweite in den unterrhein. felsennamen Hinternack, Rabennack, Wolfsnack u. s. w. (Kehrein volksspr. in Nassau 1, 289). vgl. nock.
2) bergmännisch versteht man unter nacken den obersten theil verschiedener werkzeuge und geräthe. Richter berg- und hüttenlexicon 2, 72.
3) nach Adelung bedeutet nacken auch das hinaufgeschlagene nackenhaar, franz. chignon.

[Bd. 13, Sp. 243]



4) in poetisch belebender rede wird vom nacken der eiche, des berges u. dgl. gesprochen:

die eiche, wann im wald gesträuch
und espe zittern, vor keinem ungestüm
den stolzen nacken beugt.
Uz 2, 52;

(Merkur) wirft dann von des berges nacken
mit ganzem leib sich in den ocean.
Schiller 6, 397;

mit riesgem nacken an den himmel stemmen
die berge sich.
Freiligrath (1870) 1, 175.


 
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nackarsch , m. für nacktarsch.
1) anus nudus, nudatus, pannosus Stieler 57; kölnisch nackaasch höhnisch: armer teufel. Hönig 117a. vgl. kahlarsch.
2) die herbstzeitlose, weil sie nackt (ohne grüne blätter) hervorsproszt. Kehrein volksspr. in Nassau 1, 289.