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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nachtroth bis nachtsack (Bd. 13, Sp. 210 bis 212)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nachtroth, n. röthlicher glanz der mondhellen nacht: und hinein in die welt .. möcht ich mich auch stürzen, so oft ich in das nachtroth dort schaue. J. Paul Titan 2, 157.
 
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nachtröthe, f.: er sah nach der nachtröthe (nordlicht), welche vom norden her so hell schien, wie er sie noch niemals geschaut. Freytag ahnen 1, 511.
 
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nachtrotten, verb. trottend nachfolgen: er .. trottete der alten, die ihm den weg wies, nach. Zingerle hausmärchen 2, 28.
 
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nachtruf, m. nächtlicher ruf: aus der ferne klang mahnend ein nachtruf von männerstimmen. Freytag ahnen 1, 212.
 
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nachtruhe , f. mhd. nahtruowe, md. nachtrûe, nachtrû.
1) nächtliche ruhe, stille, nox tranquilla Stieler 1635; wenn er ihnen nüchternheit, zucht und nachtruhe empfahl. Freytag ahnen 5, 113.
2) die ruhe, der schlaf während der nacht: mhd.

dâ mit die bruoder schieden alle dô von dan
und lieʒen dô die herren die nahtruowe hân. Wolfdietrich D V, 122, 4;

nhd. so ander weiber ir nachtrue haben,
so hat er ein schinden und schaben
und zeucht mich umb die ganze nacht. fastn. sp. 241, 19;

also solt man straffen solch knaben,
so lieszens die leut ir nachtru haben. 1159, 23;

wo er sein nachtruh haben (schlafen) solte? Bocc. 1, 51a; darumb seind dise zwen wünsche gerichtet, dasz sie gott vor dem gähen todt bewaren wölle im schlaff und irer nachtrhe. Agricola sprichw. nr. 547; so hab ich mein nachtrug an der thure solicher apoteken. Schade sat. 3, 36, 17;

wann nach vielen plagen
die nachtruh uns befällt, die glieder uns erquickt.
S. Dach 266 Öst.;

gott, meiner augen liecht und zier,
für diese nachtruh dank ich dir. Mayntzisch gesangbuch vom j. 1661:

heut scheints komm ich wieder einmal um meine nachtruh. H. L. Wagner Voltaire 12, 5 neudruck; die abmüdende bewegung des tages hatte ihm die süszeste nachtruhe verdient. Göthe 21, 149;

mir sandtest du ganze
heere gewappneter flöhe daher, todfeinde der nachtruh.
Platen (1847) 2, 225;

zur nachtruh hätt ich weiches laub gestreut,
in meinen schoosz sein liebes haupt genommen.
Immermann 3, 213;

wie war die nachtruhe, vetter? Freytag ahnen 1, 156; da ging in manchem hause .. die nachtruhe verloren. 4, 125; übertragen:

sonne, zier der erde,
die du zu der nachtruh schreitest.
Opitz (1645) 3, 71.


 
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nachtrunde, f. nd. nachtronde, nächtlicher rundgang besonders zur inspicirung der wachtposten. Kramer 1, 211a.
 
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nachtrunk, m. das nachtrinken und nachgetrunkene: auch bei den aller getreuesten untersassen der römischen kirchen also das befunden worden notwendig sein, das ein papst denen, so nach dem gratias eins trinken, ablasz verleihe,

[Bd. 13, Sp. 211]


auf daʒ der nemlich den guten zechbrüdern das gratias zu sprechen mit eim guten starken zug nachtrunks eingedenk machte. Fischart bienenk. 196b; die jungen bursche, welche das hochzeitgefolge gemacht hatten, waren nämlich in irgend einem kruge versammelt gewesen, um einen nachtrunk zu halten. Immermann Münchh. 4, 147.
 
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nachts , adverbialer genetiv von nacht (s. oben sp. 145).
1) bei nacht, in der nacht.
a) in verbindung mit tages: ahd. tages unde nahtes, nahtes inti tages (Graff 2, 1019), mhd. tages unde nahtes; nhd. das wolt ihr uns tags und nachts nit verhalten. Baumann quell. 2, 74; der sie tags so nachts unaufhörlich plage. Simplic. 2, 144, 19 K.; er solte der handelschaft .. so tags so nachts emsig vorstehen. 247, 19;

es teilet Mumm sein reich mit seinem lieben weibe,
tags liegt sie ihm im haar, nachts er ihr auf dem leibe.
Logau 1, 5, 5.


b) allein stehend: ahd. inti nam then kneht inti sîne muoter nahtes (nocte). Tatian 9, 3; thie quam zi imo nahtes. 119, 1; mhd.

daʒ im ein unsippiu maget
nahtes alsô nâhen lac. Iwein 6575;

(er) kunde ein teil
umbe verholne geschicht
an dem gestirne nahtes sehen. Tristan 14247;

nhd. nachtes städtechron. 3, 356, 25; von nachtes hofieren. S. Brant narrensch. 62 überschrift; der nachts voller bier .. sich hätt uf ain bett gelegt. Zimm. chron. 4, 244, 8;

in träumen seh ich dich auch nachts nicht mehr entfliehn.
Götz 1, 51;

gespenstern gleich, die nachts um gräber schleichen.
Gotter 1, 423;

nachts, wann gute geister schweifen.
Göthe 4, 389;

den Roszberg hatt' ich nachts zuvor erstiegen.
Schiller 14, 405 (Tell 5, 1);

nachts um die zwölfte stunde
verläszt der tambour sein grab.
Zedlitz Erlachs volksl. 5, 341.


c) mit einem artikel oder pronomen, nach analogie von des tages, eines tages, desselben tages, morgens u. s. w.
α) des nachts, in der nacht: ahd. des nahtes Willeram 3, 1; mhd.

si trûte noch des nahtes
den sînen wætlîchen lîp. Nibel. 1455, 4;

nhd. wenn ich des nachtes bei ir lag. fastn. sp. 852, 12;

die mit den soldnern des nachtes umbritten. städtechr. 3, 383, 22; wan die jung burger des nachtes unzuchtig waren. 358, 26; des nachts wird mein gebein durchboret allenthalben. Hiob 30, 17; des nachts verschmacht ich fur frost. 1 Mos. 31, 40;

des nachtes treumet mir von geld.
Ringwald tr. Eck. (1602) G 2a;

des nachtes da schlemmt er so viel er vermag.
Logau 1, 7, 56;

die jungfern, die sich gern am tage zierlich schmücken,
die liegen gerne blosz des nachtes auf dem rücken. 1, 5, 32;

gehet den tag durch spatziren, des nachtes brennet er licht. Schuppius 551; weil ich viel des nachtes studierte. 630; die leute blieben des nachts da bei ihm. persian. baumg. 2, 13; sie hatten nicht einen augenblick des nachts geschlaffen. 4, 13; milde götter seid ihr, die gutthätig des nachts erscheinen. Geszner 2, 168;

er bringt sie aus der ruh
und stört sie oft des nachts im ersten schlafe.
Hagedorn 2, 156;

was der sündige mensch bei tage denkt und wünscht, davon träumt er des nachts. Klinger 3, 8; ich kam des nachts und lehnt mein ohr an. d. j. Göthe 2, 167 (Götz); das weisz ich, dasz es zwei uhr des nachts war, als ich zu bette kam. werke 16, 37; weil ich des nachts nicht schlafen kann. an Zelter 561 (4, 376); bald darauf dacht er .. des nachts auf seiner matratze ganze stunden lang daran. Wieland 8, 20; die verschwornen giengen nur des nachts heraus. Schiller 4, 151;

wol nicht ums ganze erdenrund
möcht ich ..
des nachts mehr in den spiegel schauen. 1, 275;

das sind die gletscher, die des nachts so donnern. 14, 351 (Tell 3, 3);

desselben nachtz. städtechr. 4, 88, 26 (v. j. 1388).
β) eines nachts, in einer nacht: mhd.

dô si eines nahtes bî dem künege lac. Nibel. 1340, 1;

daʒ im von wirte selch gemach
eines nahtes nie geschach. Iwein 978;

nhd. eins nachtes lag ich und durch-son,
wie auf erdrich so mancher man
hat gunst, gewalt, freud, ehr und gut.
H. Sachs 4, 157, 2 K.;

[Bd. 13, Sp. 212]



kanst mir nicht helfen in ihr hausz
eins nachts heimlich in ihr schlaffkamer? 12, 46, 3;

es fuget sich, dasz sie eines nachts in ein dorf kamen. Bocc. 1, 50b; eines nachts wachte ich mit einem heftigen blutsturz auf. Göthe 25, 183;

eins nachts ging ich vorüber deinem häuschen.
Rückert 2, 373.

negativ, keines nachts, in keiner nacht: da gieng Zosimas in den wald und nam im zu einer busz, das er ging so er beldest mocht, und leget sich keines nachts nie nider. summerteil der heiligen leben (Nürnberg 1475) 3d.
d) mit einer präposition.
α) am nachts, bei nacht: am nachtz sind die pauren wider von Oberensonthofen gezogen. Baumann quell. 1, 485.
β) bis nachts, bis in die nacht: der feurige jüngling, der bis nachts arbeitet. J. Paul unsichtb. loge 1, 41.
γ) vor (für) nachts, vor anbruch der nacht: doch das ir vor nachtes wider usz der stat reittent. städtechron. 5, 380, 31; mein herr vor nachts nicht zu hause kömmt. Felsenburg 1, 40. 4, 44;

wer mit ihres leibes gaben
noch für nachtes sich wil laben.
Logau 1, 1, 89.


δ) zu nachts, zur nacht- oder abendzeit:

kamen zu nachtes für das hausz
bösz buben.
H. Sachs 10, 216, 20 K.;

wer am tag gutes thut,
hat zu nachts die träum auch gut. Simpl. 2, 287 K.;

wann sie einen zu nachts antreffen. Fronsperger 3, 151a; ze nachtes. städtechron. 4, 386b; contrahiert znachts, schnachts:

die burger znachts drinn uberfallen.
Schmelzl zug 7a;

der sagt des tags vil von sachen,
wie er schnachts oft auch wol machen. fastn. sp. 771, 27;

schnachts, schnachtz Schm. 1, 1716 Fromm.; kärnt. tschnachts, abends oder nachts Lexer 195.
2) abends, vergl. 1, d, δ: des nachtes zu dem garausz von der arbeit geen. Tucher baumeisterb. 60, 14. 61, 9;

drumb komb morgen nachts für ihr haus,
wenn die uhr hat achte geschlagen.
J. Ayrer 2067, 28 K.;

nachts bei licht im warmen zimmer
blättert ihr im bilderbuch.
Rückert (1847) 571.


 
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nächts, adv. bair. wie nächten, vergangenen abend Schm. 1, 1717 Fromm.
 
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nachtsache, f. sache für die nacht, nachtzeug: er wollte sich ausziehen und öffnete seinen mantelsack; mit seinen nachtsachen brachte er zugleich den schleier des geistes hervor, den Mignon eingepackt hatte. Göthe 20, 9.
 
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nachtsack, m. kleiner reisesack für das nachtzeug: er sah keinen nachtsack, in welchem er sorgfältigst seinen toilettenapparat mitgenommen. Gotthelf erz. 3, 26.