Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätenartig bis gratialdorf (Bd. 8, Sp. 2051 bis 2053)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätenartig, adj., zu 1gräte A 1 'fischgräte': der unterschnabel (des pelikans) besteht ... aus zwei sehr dünnen, niedrigen, blosz hinten etwas höhern, auszerordentlich biegsamen, grätenartigen knochenarmen Naumann vögel (1822) 11, 154; vgl. Brehm tierl. 5, 473 P.-L.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätenfisch, m., in der zoologie des frühen 19. jhs. als klassifizierende benennung im gegensatz zu knorpelfisch, für welch letzteres nicht mehr gebräuchliches wort heute die bezeichnung knochenfisch eintritt: dann theilt er sie in knorpel- und grätenfische Oken allg. naturgesch. (1839) 4, 485; in den fischen, die den regelmäszigen oder grätenfischen näher stehen Vischer ästhetik (1846) 2, 131. in anderer bedeutung vereinzelt schon: der grätenfisch ... ein fisch, der gräten hat, besonders, der viele gräten hat Campe 2 (1808) 444b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätenförmig, adj., was grätenartig (s. d.): die zungenkernstücke ... articuliren mit dem länglichen körper des zungenbeins, an dem dann jederseits die dünnen, gräthenförmigen ... hörner des zungenbeins eingelenkt sind (bei gewissen vogelarten) Naumann vögel (1822) 1, 30; vgl. Oken allg. naturgesch. (1839) 5, 79. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätenkürasz, m., s. ob. 1gräte B 2 e. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätenlos, adj., 'frei von (fisch)gräten': wegen seines (des häslings) fast grätenlosen, im sommer fetten und wohlschmeckenden fleisches Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 395; vgl. bereits Campe 2 (1808) 444b. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grätenreich, adj., im ggs. zum vorigen: eine kleine grätenreiche fischart, von den Berlinern stäkerlinge genannt Parthey jugenderinner. (1871) 1, 46; vgl. Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 383.

[Bd. 8, Sp. 2052]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gratförmig, adj. zu 1grat B 2 b α im älteren sprachgebrauch der anatomie: von der mittel-gegend des schlüsselbeins, von der obersten achsel, und dem grat-förmigen fortsatz des schulterblats Woyt thes. pharm.-chir. (1696) 140.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratgewölbe, n., im anschlusz an 1grat B 2 e 'ein kreuzgewölbe, dessen construction aus der durchschneidung zweier tonnengewölbe über einem quadratischen raume zu erklären ist, wodurch vier sphärische dreiecke entstehen, welche in scharfen kanten, graten ... aneinander stoszen' Otte archäol. wb. (1877) 92. das wort ist zufrühest im 16. jh. nachgewiesen: muster vnnd fisierungen ... an kreutz, grat, ruch vnd ander dergleichen gewelben Fronsperger bauw ordn. (1564) 96b; ebda 2a; soll er von wegen dess mäurer-handwercks auch prob thun und ein grat-gewölb von grund auss machen (1655) bei Fischer schwäb. 3, 804. dann erst wieder seit dem späten 19. jh. belegbar, vgl. Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 1, 491a: gratgewölbe und rippengewölbe, spitzbogen und rundbogen werden (in der deutschen gotik) unbekümmert gemischt Dehio gesch. d. dt. kunst (1919) 1, 221.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
grathobel, m., zunächst in der schreibung gradhobel (s. u. Noel-Chomel, der allgem. grad für grat schreibt, vgl. ob. im kopf von 1grat); Campe 2 (1808) verweist von gradhobel 438b auf grathobel 444b. vielleicht war es eine solche d-schreibung, die den Duden (1949) 198c veranlaszte, unter fälschlicher beziehung auf gerade, geradhobel als regelform anzusetzen (vgl. die umgekehrte verwechslung s. v. grateisen). das wort ist aber zu 1grat 'fugleiste' (s. d. B 4 c) gebildet: 'grathobel ein hobel, dessen eisen nicht nur unten, sondern auch an der einen seite eine schneide hat ... und zum einhobeln schwalbenschwanzförmiger vertiefungen ... benutzt wird' Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 160. vgl. schon: jedoch variieren dieselben (die leistenhobel) in nachfolgenden gattungen, als dem kehl- sims- grad- grund- nut- oder nath-hobel ... mit diesem grad-hobel wird der grad an die einschiebe-leisten gestoszen Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 5, 477; grathobel Prechtl technol. encycl. (1830) 7, 511. vgl. noch schweizer. grathobel schweiz. id. 2, 822 s. v. gräten 2.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratial, n. entsprechend der neulat. bildung gratiale, im deutschen seit dem ausgehenden 17. jh. belegbar. gelegentlich in der schreibung grazial, vgl. Musäus volksmärchen 2, 111 Hempel; Jagemann (1799) 542. 1) 'vergütung, entgelt, honorar': dasz er (der arzt) sicher auf ein schönes gratial rechnen könnte Thümmel reise (1791) 7, 21; beide (buchhändler) meinen auch, dasz jetzt zwei louisdor schon ein ansehnliches gratial sei Görres ges. br. (1858) 2, 511; der papierformen-schneider, welcher Leibgebern silhouettirte, und statt des erhofften gratials mit gleichem schwarzbildnis, mit seinem eignen, ... beschenkt wurde Gaudy s. w. (1844) 24, 88. im frühesten beleg, im zusammenhang eines bildes, geradezu soviel wie 'zinsen':

das leben, das du hast, ist nur ein capital,
der himmel, der es lehnt, verlangt ein gratial.
die seelen werden nur auf zinsen angelegt,
je mehr man kinder hat, je mehr man zinsen trägt
Hoffmannswaldau u. a. Deutschen ged. (1697) 6, 18.

2) 'dankgeschenk, erkenntlichkeit, dank': gevatter-essen ... heisset diejenige gasterey oder mahlzeit, so der kindtauffen-vater nebst seiner frau, an etlichen orten, wo man keine gevatterstücken (marzipan, backwerk) herum schicket, denen gevattern, so das neugebohrne kindlein aus der tauffe gehoben, statt des gratials giebet Amaranthes frauenz.-lex. 666;

und weil zu ihrer quaal
in magen nichts mehr ging, liesz ich zum gratial,
von meinem hofchirurg sie insgesamt clystiren spukereien d. teufels (1788) 19;

gratial ... ein dankgeschenk, eine belohnung, erkenntlichkeit, auch spöttisch: zum gratial noch vorwürfe bekommen Heinsius wb. d. dt. spr. (1818) 2, 522a; ein poetisches

[Bd. 8, Sp. 2053]


genie, ... welches sich im Erbherzog festkneipte, und welches wir honoratioren von Bützow vermittelst einer kollekte auslöseten und weiter spedierten, hat uns diesen vers ... als gratial zurückgelassen (1869) W. Raabe s. w. I 6, 350. 3) 'trinkgeld': dasz der bibliotheksdiener jeden morgen um 9 uhr zu mir käme, die früher empfangenen bücher abholte und meine neuern zettel empfinge. ich will bey meiner abreise (von Jena) recht gern diese bemühung mit einem kleinen gratial anerkennen Göthe IV 20, 326 W.; gratial eine erkenntlichkeitsbezeichnung. man sagt auch eine erkenntlichkeit schlechtweg; und in bezug auf geringe leute trinkgeld und biergeld Campe verdeutschungswb. (1801) 389. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gratialdorf, n.: 'gratialgüter und gratialdörfer sind solche güter und dörfer im Ermlande und in Westpreuszen, welche eigentlich zu den domainen gehören, von der landesherrschaft aber jemanden auf lebenslang unter gewissen bedingungen geschenkt worden sind, nach dessen tode aber der landesherrschaft wieder anheim fallen' Goldbeck topogr. d. königr. Preuszen (1785) 1, 66. —