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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
graszins bis gratzacken (Bd. 8, Sp. 2021 bis 2036)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) graszins, m., grase-zinsen Zincke allg. öcon. lex. (1744) 118, weidegeld; vgl. DWB grasgeld, -pfennig: ex his tribus villis mutatus est census in tres libras denariorum et insuper dimidum talentum in festo sancti Georgii quod vocatur graszins (Passau 13. jh.) in: dt. rechtswb. 4, 1078; graszins in officio Weiborn (1333) mon. Boica 36, 1, 325; (es soll niemand mehr vieh, als er während des winters mit eigenem futter halten kann,) auf dem gemainen pluembbesuech aufzukern oder umb ainen benannten graszins aufzunemben nicht befuegt sein (1676) österr. weist. 2, 157, 18; (das vieh ist) auf die sommerweide aufzutreiben, und von ieden rosz ... ein gulden, von einem stück rindvieh aber dreissig kreizer graszins in die gemeindscassa zu erlegen (18. jh.) österr. weist. 2, 151, 26.
 
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gräszlich, adj. das wort ist im 14. jh. aus mnd. greselîk 'schaudererregend, gräszlich' (vgl. Schiller-Lübben

[Bd. 8, Sp. 2022]


2, 144b; s. v. 1grieselich teil 4, 1, 6, sp. 265) ins ober- und mitteldeutsche zunächst entlehnt, dann fälschlich als ableitung zu graz (s. o. s. v. grasz) 'wütend, zornig' gefaszt (so u. a. noch von Kluge-Götze etym. wb. 17267b) und diesem entsprechend lautlich umgedeutet worden. etymologisch gehört aber mnd. greselîk zusammen mit ae. grislîc (vgl. Bosworth-Toller 490b; suppl. 488a), engl. grisly, afries. grislic (vgl. Richthofen 787), mnl. greselîk (vgl. Verwijs-Verdam 2, 2131), griselijc (ebda 2148), mnd. grisliken (vgl. Schiller-Lübben 2, 149b), ahd. grîsenlîh Notker 1, 122, 30 P., nhd. grieselich (vgl. teil 4, 1, 6, sp. 265) und den entsprechenden verben ae. grîsan, stv. 'schaudern, fürchten' (vgl. Bosworth-Toller 490b), engl. to grise, mnl. mnd. grîsen, stv. 'schaudern' (vgl. Verwijs-Verdam 2, 2148; Schiller-Lübben 6, 144b), mnl. mnd. gresen, swv., nhd. gresen (vgl. s. v. gräsen) zur germ. wz. gris- (vgl. Falk-Torp 144), welche vielleicht (vgl. Walde-Pokorny 1, 646 f.) weiterbildung zur idg. wz. *ghrei- ist. zu ahd. graslihho subtiliter vgl. ob. s. v. grasz. der prozesz der umwandlung und umdeutung von greselîk zu gräszlich, wofür die obd. hochsprache den anstosz gegeben zu haben scheint, läszt sich an der schreibung des wortes verfolgen. der stammsilbenvokal ist in auszernd. belegen des 14. jhs. als -e- bezeugt (gresselich Tauler pred. 209, 7 Vetter; grêzlîchir Nicolaus v. Jeroschin kron. v. Pruzinl. 18 471 Strehlke), noch überwiegend als -e- vom 15. bis 17. jh.; ä-formen finden sich zufrühest obd.: gräszlich Hätzlerin 246a. seit dem 18. jh. ist die ä-schreibung allgemein, vereinzeltes greszlich noch bei Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 94. neben -e- und -ä- steht in älteren, vorzüglich obd. quellen seltenes -a-, so buch d. liebe 193, 1, zuletzt bei F. Würtz wundtartzney (1624) 459. für sich bleibt eine (wenn überhaupt hierher gehörig, falsche) nd. form grasselick in einem fläm. Wolkenstein-gedicht (25, 1 Schatz), wo für den vokal anlehnung an hd. grasz, adj., erwogen werden könnte.der dental findet sich im 14. jh. obd. einmal als -ss-: gresselich Tauler pred. 209, 7 Vetter, das 15. jh. schreibt noch vorwiegend -s-, seit dem 16. jh. herrscht bereits -sz-schreibung vor, die zufrühest schon im liederb. d. Hätzlerin 246a anzutreffen ist; doch haben im 16. jh. namentlich Luther und Fischart noch meist -s-, im 17. jh. u. a. Schottel (vgl. haubtspr. [1663] 367). späteste literarische -s-schreibungen sind aus dem 18. jh. anzuführen: gräslich Lindenborn Diogenes (1742) 1, 131; Hippel lebensläufe (1778) 2, 361. seit dem 19. jh. herrscht -sz- ausschlieszlich. eine grundsätzliche verbindung von -a- und -sz-, -e- und -s-schreibung besteht nicht. in den mundarten ist das hochsprachlichvolksetymologische gräszlich nicht recht heimisch geworden. als halbmundartlich verzeichnet es Fischer schwäb. 3, 801 (zu alem. graeslik statt mundartgerechtem graesli vgl. PBB 13, 237), in rhein. wb. 2, 1363, Fischer Samland 108, Müller-Fraureuth obersächs. 1, 436b stammt das wort wohl aus der hd. umgangssprache. das alte mnd. greselîk lebt in einigen nd. maa. fort: greslik, gressek Doornkaat-Koolman 1, 680b, greslik Schambach Göttingen 68b. das schlesw.-holst. hat statt dessen gresig (vgl. Mensing 2, 477, s. auch s. v. gräsig), das nordfries. griszlick (vgl. PBB 45, 10), das wfries. gryslik frysk wurdboek 1, 151, das westfäl. grisselik (vgl. Woeste-N. 85b), das rhein. greislich und griselig (vgl. rhein. wb. 2, 1390 u. 1416) in fortsetzung oben aufgeführter schwesterformen von mnd. greselîk.
1) 'wütend, zornig, drohend, wild', in (etymologisch ungerechtfertigtem) anschlusz an die bedeutung von grasz (s. d. 1) als bezeichnung einer affekthaltung: so koment etliche mit den grúwelichsten worten und geberden, als si finden, als gresselich und als zornig und bitten umb ein klein ding Tauler pred. 209, 7 Vetter; das volk ist alczu greslich den vremdin lutin: wen si eynen voen, so beschaczin si yn, und mak her des gutis nicht gebin noch di beschaczunge, so totin si yn (mitte 15. jh.) md. Marco Polo 52, 10 Tscharner; wie greszlich sie (die welt) ymer widder yhn (den christen) wütet und tobet Luther 17, 1, 308 W. gern auf den blick eines menschen bezogen:

[Bd. 8, Sp. 2023]


er sahe so gräszlich drein, und machte so grausame und bedrohliche minen, dasz sich keiner an ihn reiben dorffte Grimmelshausen Simpl. 228 Scholte. nur vereinzelt in jüngerem gebrauch nachklingend, wie unter gräszlichkeit 1: und wehe dem, der ihm (Wilhelm) etwa in einer Neronischen stimmung in die quere kam, der wurde gewisz mit so einem gräszlichen blick ... zurückgeschröckt, dasz für dieszmal wenigstens ruhe ward Göthe I 51, 36 W. vielleicht schon von 2 a her bestimmt: Zawisch, nicht so gräszlich schauen — was willst du? — — ich fürchte mich Aug. Sperl d. söhne d. h. Budiwoj (1927) 382. auch mit der bedeutungsnuance 'herausfordernd, übermütig, trotzig': da wandte sich Theagenes ein wenig nach der seyten zu dem Ormeno (seinem von ihm im wettlauf besiegten nebenbuhler), sahe jhn frech vnnd greszlich an buch d. liebe (1587) 194c.
2) sonst im anschlusz an die bedeutung 'grauenhaft, schrecklich, abscheulich' von mnd. greselik.
a) meist liegen hier die vorstellungen eines an einem sachverhalt haftenden objektiven merkmals und einer dadurch ausgelösten subjektiven wirkung als zwei aspekte ein und derselben sache mehr oder minder unlöslich ineinander.
α) am häufigsten im bereich physischen und existentiellen grauens. das bedeutungsmoment 'grauen, entsetzen, abscheu erregend' als einer subjektiven wirkung kann besonders hier deutlich vorwiegen, namentlich in der beziehung auf visuelle eindrücke und in wendungen wie gräszlich aussehen, gräszlicher anblick u. ä.: der greuliche rise Polyphemus ... hat ein kerln, den er gefressen, mit den schenckeln noch zum maul heraus zottend gehabt, vnd so greszlich ausgesehen, das jhnen alle haar gen berg gestanden Faust 131 Petsch; ey, sprach der müller, in was gestalt du wilt, doch das es nicht gar erschrecklich oder greszlich anzusehen sey B. Hertzog schiltwache (o. j.) K 1a; sie (Mignon) fuhr auf, und fiel auch sogleich wie an allen gelenken gebrochen vor ihm (Wilhelm) nieder. es war ein gräszlicher anblick Göthe I 21, 228 W. und sonst von der wirkung optischer eindrücke: eyn leopart is gar eyn greyslich deyr an zo siene pilgerf. d. ritters von Harff 79 Groote; Zorndorf und alle dörfer in der runde waren in brand gesteckt, wodurch der anblick des schlachtfeldes noch gräszlicher hervortrat Ranke s. w. (1867) 30, 330. selten auf geistige eindrücke und erkenntnisse übertragen: dem ... einsichtigen aber bleibt es gräszlich, eine ganze ... generation unwiederbringlich im verderben zu sehen (1823) Göthe IV 37, 190 W. hierher vielleicht noch eine vereinzelte ältere anwendung auf gott, wenn nicht mehr von 1 a her empfunden: god ist grot vnde greselik (magnus et terribilis) (ps. 88, 8) Halberstädter bibel (1522) bei Schiller-Lübben 2, 144b. auch auf gehörseindrücke bezogen, sofern diese beim hörenden auf bestimmte seelische voraussetzungen treffen: ein solcher schrecklicher anblick ... wie am berge Sinay, da das volck Israel das gesetz empfienge, da ein gros, dicke und finster wetter war ..., und der posaunenhall greslich lautet (1540) Luther 48, 127 W.; mit jedem schritt ... fürchterlich näher die verfluchte maschine (der galgen), wo ich einlogiert werden sollte ..., und die lauernden schindersknechte, und die gräszliche musik — noch raunt sie in meinen ohren Schiller 2, 93 G.; das gräszliche zischeln und flüstern im ohr, das ich 1915 kennenlernte, wenn die garbe der maschinengewehre über den liegenden hinfegte Klemperer l. t. i. (1949) 271. im übrigen ist, neben dem subjektiven moment und mit ihm zusammen, die vorstellung von gräszlich als einer objektiven eigenschaft fühlbarer mitgegeben. so im bereich des akustischen:

dâ beiz er (ein hetzhund) în mit grimme
in grêzlîchir stimme
vast allumme gnarrinde (nagend)
und doch dî wîle zarrinde
des vleischis von dem lîbe gnûc
Nicolaus v. Jeroschin kronike v. Pruzinlant 18 471 Strehlke;

wenn die hunde so ungewöhnlich und gräszlich heulen; so stirbet gemeiniglich gerne einer aus dem hause J. Prätorius philosophia colus (1662) 94;

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doch hör' ich aus der ferne hier und da
ihr (der furien) gräszliches gelächter
Göthe I 10, 49 W.

gräszliches geschrei, gebrüll u. ä. in fester verbindung, manchmal freilich mit flieszendem übergang zu 3 a: die räuber stürmeten mit greszlichem geschrey ... herzu Bucholtz Herkuliskus (1665) 120; vgl. Ziegler asiat. Banise (1689) 662; in gräszlichem gebrülle stieg der meer-löwe vor allen herauf maler Müller w. (1811) 1, 46; ein gräszlicher schrei ertönte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 127. vor allem in gegenständlicher zuordnung verstärkt sich das objektive bedeutungsmoment; so in der typischen und kennzeichnenden anwendung auf ungestaltete, miszgestaltete, maszlose erscheinungen im naturhaften bereich, z. t. β nahe: syn (des kindes) hovet was van grezeliker forme. dat anghesichte von vor to was eyme hunde lik, men van achter to was id schapen alze en krade edder padde (Lübeck z. j. 1412) städtechron. 28, 58; also das die erzte ... mit dem brennen die leute (die die krätze hatten) zu heilen sich vnterstunden, darmit sie viel fürnemer leut am gesichte greszlich verstelleten Rätel Curaei chron. (1607) 217;

... das ungeheuer (die Skylla) hat ...
... sechs häls' unglaublicher läng', auf jeglichem halse
einen gräszlichen kopf, mit dreifachen reihen gespizter
dicht geschloszener zähne voll schwarzes todes bewaffnet
J. H. Voss Odyssee 219 B.; vgl. 157;

damals trat kein gräszliches gerippe
vor das bett des sterbenden
Schiller 6, 24 G.;

aber wie mochte das aussehen, wie gräszlich dies: ein mann mit einem stierkopf Ina Seidel labyrinth (1922) 13. als substantiviertes neutrum gern in begrifflicher bestimmung oder phänomenologischer benennung, seit dem späten 18. jh.: mit dem schrecklichen scheinet sich das eckelhafte noch inniger vermischen zu können. was wir das gräszliche nennen, ist nichts als ein eckelhaftes schreckliche Lessing 9, 150 L.-M.; das gräszliche ... ist dasjenige, dessen anblick ein schauderndes zusammenziehen der haut und eine krampfhafte bewegung der glieder erregt, dergleichen der im höchsten grade heftige, sinnliche naturabscheu des ekels und des grausens zu wirken pflegen Eberhard synonymik 2 (1797) 152; er häuft die geister- und gespensterscenen, schwelgt mehr im gräszlichen Scherer lit.-gesch. 325.
β) die schon unter α oft spürbar mitklingende bedeutung 'abscheulich, ekelhaft, grotesk häszlich' kann sich schon früh in rein ästhetischem sinn und gebrauch verselbständigen, wobei wiederum subjektive und objektive merkmale sich durchdringen, im ganzen aber, deutlicher als unter α, der charakter einer dem gegenstand anhaftenden eigenschaftsbezeichnung stärker hervortritt:

dan von dem hassen kompt je häszlich
vnd sicht bey thiern vnd menschen gräszlich;
aber die schöne ist ein schein,
den jederman halt werd vnd rein
Fischart w. 1, 363 Hauffen;

heute peszlich, morgen gebreslich und greslich, heute roht, morgen todt Joh. Pomarius gr. postilla (1588) 2, 246a;

es stritten ihrer zwey, ob schön, ob Glauca heszlich?
gemahlet ist sie schön; natürlich ist sie greszlich
Logau sinnged. 485 lit. ver.;

die zwietracht, die mit gräsz'lichem gestank,
im eig'nen schwarzen gift erstickt, zu boden sank poesie d. Nieders. (1721) 1, 11 Weichmann;

man unterschied sie (die nixfrauen v. d. gewöhnlichen) allein an den groszen und gräszlichen augen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 39;

ein ehrenmann, fürwahr! doch etwas — unschön,
beinahe möcht' ich's lieber gräszlich nennen
Grillparzer s. w. I 3, 256 Sauer;

er (ein taubstummer) ist auch recht gutmütig und freundlich, aber ungebildet und unangenehm durch seine gräszliche sprache und die grimassen, wodurch er das unverständliche zu ersetzen sucht (1837) A. v. Droste-

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Hülshoff br. 1, 187 Schulte-K.; polka, française, ja selbst polka-masurka werden (natürlich in gräszlicher übersetzung ins plumpe) von den bayerischen bauern gestampft Böhme gesch. d. tanzes (1886) 187.
γ) im religiösen und sittlichen bereich. auch hier sowohl im sinne von 'abscheu erregend, das (religiöse oder sittliche) empfinden verletzend' wie namentlich in der objektiven kennzeichnung einer schändlichen gesinnung oder eines bösen, lasterhaften verhaltens. seit dem 16. jh.: turpitudo peccati, das szo ein solch greszlich, grauszam dingk ist umb die sunde und ein solcher unlust (1519) Egranus pred. 15 Buchwald; noch ist hie kein bischoff noch geistlicher, der ein threnen liesze für solche gresliche, hellische lesterung Christi Luther 30, 2, 289 W.; für solcher greszlichen vnd heszlichen sünde hüte sich jeder getauffter christ Casp. Julius Susanna u. Daniel (1610) (?) 3a; er suchte rath bei einer hexe, und entleibte sich selbst. gräsliche folgen der gottlosigkeit und des aberglaubens J. M. v. Loen d. einz. wahre religion (1750) 474; Aristoteles sagt: man musz keinen ganz guten mann, ohne alle sein verschulden, in der tragödie unglücklich werden lassen; denn so was sey gräszlich Lessing 10, 131 L.-M.; schauderhaft gräszlich, empörend, war die scene, welche sich jetzt (nach der eroberung von Magdeburg) der menschlichkeit darstellte Schiller 8, 176 G.; es entsprangen gräszliche gedanken gegen den, der das schicksal der menschen leitet, aus diesen betrachtungen Klinger w. (1809) 3, 137; in den geschlechtern germanischer volkskönige begegnet man nicht selten bei den frauen einer gräszlichen verbindung von ehrgeiz, rachsucht und blutgier Ranke w. (1867) 14, 21; die Enneberger ... hatten keine entschuldigung für das gräszliche verbrechen Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 350. hierher wohl auch in der geläufigen beziehung auf fluch und verwünschung: dieser (der seiltänzer), der sich jetzt nur auf die waffen seines mundes reducirt sah, fing gräszlich zu drohen und zu fluchen an Göthe I 21, 161 W.; mit noch gräszlichern flüchen rief er endlich Klinger w. (1809) 3, 157; endlich auf betrug ertappt, betheuerte er seine wahrhaftigkeit mit gräszlichen verwünschungen J. H. Voss antisymb. (1824) 1, 103. substantiviert. selten in persönlicher beziehung:

das sagst du mir zaubrische, gräszliche
Grillparzer s. w. 5, 190 Sauer.

häufiger als neutrum, in begrifflichem gebrauch:

die hirten
will ich zusammen rufen im gebirg,
dort unter'm freien himmelsdache ...
das ungeheuer gräszliche erzählen
Schiller 14, 301, G.;

das nenn' ich einen gehörigen rassenhasz! ... etwas gräszliches wahrhaftig und dummes obendrein M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 110.
b) allgemein 'furchtbar, schrecklich, grausam, entsetzlich', und hier nun lediglich als eine irgendwelche erscheinungen, zustände, vorgänge oder dinge kennzeichnende eigenschaft. das übergewicht dieses mindestens seit dem 16. jh. möglichen gebrauchs liegt in jüngerer sprache, vgl. aber schon in nicht ganz eindeutiger verwendung: durch waz sache so ein greslichis orteil von des kunigis antlicze were uzgegangen (die weisen von Babylon zu töten) Cl. Cranc prophetenübers. 274 Ziesemer (Dan. 2, 15);

ein schrecklich, greszlich end er (Herodes) nam
vnd brent jtzt in der hellen flamm
Nic. Herman sonntags-evangelia 41 Wolkan;

nebenst der gar greszlichen see (dem Arendsee i. d. Altmark), die aber in einer nacht anno 815 sol entstanden seyn (und dabei, der sage nach, ein schlosz mit fast allen bewohnern verschlungen hat) Prätorius anthrop. pluton. (1666) 1, 106; (die gefallenen engel) waren vor bestürtzung über ihrer gräszlichen veränderung gantz auszer sich selbst Bodmer crit. schr. (1741) 1, 20; das ist meines mörders stimme, rief eine fürchterliche gestalt, die auf

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einmal in unsrer mitte stand, mit bluttriefendem kleid und entstellt von gräszlichen wunden Schiller 4, 248 G.; von dem gräszlichen abenteuer, das er mit der ersten (geliebten) erlebt, erzählt man folgendes Göthe I 41, 1, 190 W.; an jeder straszenkreuzung entging er nur mit mühe dem gräszlichen tode durch das rad W. Raabe hungerpastor (1864) 2, 68; eine vollständig verödete, kalte und vom gräszlichsten schmutze erfüllte wohnung Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 173. in der kennzeichnung eines inneren zustandes (der angst, des grauens u. ä.) und seiner äuszerungen schon beinahe mit blosz steigernder, intensivierender funktion (s. 3 b): todt lag es (das kind) da, und ich neben ihm in wüthender gräszlicher verzweiflung Göthe I 11, 151 W.; 'mein kind! mein kind!' flüsterte sie (eine mutter am sterbebett ihres kindes) in gräszlicher angst den doktor ansehend W. Raabe s. w. I 1, 127 Klemm. substantiviert: das tragisch gräszliche seines todes mag dichtung ... seyn Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 243; und er wuszte, was es gräszliches um den krieg bedeutet Klemperer l. t. i. (1949) 268.
3) in einem 2 gegenüber gemilderten und abgeschwächten, manchmal auch leicht ironischen sinne, analog der z. b. bei schrecklich, furchtbar u. a. noch sehr viel ausgeprägteren gleichen erscheinung.
a) soviel wie 'greulich, schlimm, böse, unangenehm', immer noch stark affekthaltig, aber durchweg in ungewichtigeren beziehungen als unter 2; häufiger erst seit dem 18. jh., modern sehr geläufig: (er) gab dem Prahlhanszky gelegenheit die gräszlichsten dinge in seiner vertheidigung anzuführen, wodurch er verleitet worden wäre (von einer frau, die in wirklichkeit er verführt hat) Gottsched d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 230; er breitete gräszliche gerüchte von meiner heterodoxie aus Nicolai Sebaldus Nothanker (1773) 2, 61; er roch gräszlich nach pflaster Knigge roman m. lebens (1781) 1, 213; der gebrauch des Kreuzbrunnens, der mir so nöthig ist, wurde durch die gräszliche witterung gestört, ja umgekehrt Göthe IV 33, 133 W.; ein wahrhaft gräszliches gemisch kluger und toller ... bestimmungen Thibaut bürgerl. recht (1814) 417; als ein geistlicher gräszliche worte über unsere tote sagte ... schien es mir als wäre besser kein wort über sie gesagt worden Binding erlebtes leben (1928) 231; kannst du dir vorstellen, dasz er (der vater) nun bald alt sein wird?' diese frage schien Annunziata sehr zu entrüsten: 'was für gräszliche gedanken du hast!' Werfel geschw. v. Neapel (1931) 21. auf eine subjektive empfindung bezogen, aber einen geringeren grad anzeigend als unter 2 a: mir ist nichts jräszlicher, als immer meine visage sehen Fontane ges. w. (1905) I 5, 23. auch als persönlich moralisch charakterisierendes wort hat gräszlich hier, 2 gegenüber, geringeres gewicht: diese sonntagsspaziergänger sind gräszliche leute Weigand d. löffelstelze (1919) 214; die tante Amalie war zwar im traum so dicht an sein bett getreten, dasz Lieven in gelinder verzweiflung dachte: wenn sich nur nicht das gräszliche frauenzimmer auf mein bett setzt A. Seghers d. toten bleiben jung (1950) 36. vgl. umgangssprachlich ein gräszlicher mensch, ein gräszlicher kerl. in der beziehung auf hörbares und auf gehörseindrücke komplexer, mit flieszender grenze teils zu 2 a α oder β, teils zu dem blosz noch verstärkenden gebrauch 3 b, besonders in den festen verbindungen gräszliches geheul, geschrei u. ä.: sie ... endlich dieses fest mit gräszlichen gehäule beschlossen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 4, 2, 315; kömmt ihnen (den wacholderdrosseln) einer derselben (der sperber) nahe, so entfliehen sie mit gräszlichem geschrei Naumann vögel (1822) 2, 1, 308; den andern morgen um sechs uhr ward an ihrer kammerthür ein gräszliches gepolter gemacht Miller Siegwart (1777) 1, 226.
b) im sinne von 'sehr, überaus' und 'grosz, stark' zu blosz (aber stark) steigernder funktion entleert. bereits in frühen ansätzen, aber vorwiegend in jüngerem gebrauch, und hier eher der umgangssprache als gehobener redeweise angehörig.zunächst nur in negativ wertendem zusammenhang und dem gebrauch 2 noch näher:

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doch sült ir nit so gräszlich clagen
vnd an mt so gar verzagen liederb. d. Hätzlerin 246a Haltaus;

se worpen en in eine unreine kule,
wente he stanck greseliken vule (1498) Reinke de vos 59 Prien;

nun bekäme zwar der schlusz folge; aber nun wird er auch der gräszlichste unsinn Herder 5, 145 S.; gräszlich stupid, nicht wahr? Pückler briefw. (1873) 1, 284; der aber, an stärke, wie ich leider zu spät bemerkte, mir weit überlegen, packte mich, ohrfeigte mich gräszlich ab E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 182 Griseb.; (der kofferträger) setzt den ... koffer ... auf den boden ab und ... schnauft gräszlich W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 8; zudem langweilten ihn die karten von jeher gräszlich Ina Seidel labyrinth (1922) 29; 'wenn mein mann hier nur nicht so gräszlich unbeliebt wäre', meinte die künstlerin H. Mann d. blaue engel (1950) 206. in der sehr viel selteneren, aber schon verhältnismäszig frühen anwendung auf neutrale gröszen oder auf positive werte, vgl. dazu Paul prinzipien d. sprachgesch. 592: es wúerde die sach der heyligen religion z Costnitz (Konstanz) und in ander weg greslich gefierdert werden (, wenn der als tüchtig und gelehrt bekannte herr v. Lunda bischof würde) (1537) G. Blarer br. u. akten 1, 319 H. Günter; wann ihr nicht an meiner (der amme) brust gesogen hättet, meinet ihr dann, dasz ich euch so gräszlich lieben würde (1711) ollapatr. 327 Wiener ndr.; wenn du nun zum könig kommst, der die wunderschöne prinzessin verlangt, so sag ihm: hier wäre sie. darauf wird gräszliche freude sein kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 267; gräszlich vill ... 'sehr viel' rhein. wb. 2, 1363.
 
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gräszlichkeit, f. , anscheinend wie gräszlich (s. d.) eine ursprünglich nd. bildung, da gleich diesem zufrühest im 15. jh., als mnd. greselicheit (s. u.), belegbar. für den vokal begegnet -e-schreibung noch bis ins 18., daneben -ä-schreibung seit dem 17. jh., für den inlautenden dental -s-schreibung bis ins 17., daneben -sz-schreibung seit dem 16. jh.
1) 'wut, wildheit, grausamkeit, bösartigkeit', als menschliche eigenschaften in genauer entsprechung zu gräszlich 1; vor allem in älterer lexikalischer tradition: atrocitas greselicheyt (nd. 1417) Diefenbach n. gl. 40b; (nd. 15. jh.) derselbe, gl. 58a; gräszlichkeit torvitas Reyher thes. (1686) g 6c; gräszlichkeit ..., idem qvod greulichkeit, immanitas belluina, diritas, ferocia Stieler stammb. (1691) 698; Steinbach (1734) 1, 638. aber auch literarisch: als er heftig entrstet auf des kysers bsheit, und weder lateinische noch griechsche wrter ... bequem genug findend, um den zuhreren die abscheulichsten greslichkeiten vorzustellen, hat er es mit teutschen worten gethan, da er sagt: quid de Tiberio dicam ... ein abgefeimter, ehrloser, zunichteter bösewicht Schottel haubtspr. (1663) 65; die greuligkeit, greszligkeit unnd grausamkeit der so vermeynten riesen, oder tyrannen Prätorius anthrop. pluton. (1666) 2, 209;

es sey so frevelhaft, wie unnatürlich,
dasz solche gräszlichkeit (immanity) und blutger zwist
bey den bekennern eines glaubens herrscht Shakespeare (1797) 7, 322.


2) 'was grauenvoll, schrecklich, abscheulich ist und grauen, schrecken, abscheu erregt'. beide bedeutungsaspekte, ein objektiver und ein auf subjektive wirkung zielender, liegen wie unter gräszlich 2 a ineinander.
a) auf gegenstände, vorgänge und zustände bezogen, die den bereich des physischen, des existentiellen daseins berühren, vgl. DWB gräszlich 2 a α: denke ouer de greselicheit der pyne (Lübeck 1485) bei Schiller-Lübben 2, 144b; denn keiner von euch allen, er declamire so gut er will, kann Lenoren ... aufs erstemal in ihrem geist declamiren ... daher sollt ihrs von mir selbst das erstemal in aller seiner gräszlichkeit vernehmen (1773) Bürger br. 1, 132 Strodtmann; das licht schien nur gekommen zu sein, die gräszlichkeit der todesarten zu beleuchten, welche die nacht mitleidsvoll hatte verbergen wollen

[Bd. 8, Sp. 2028]


Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 20, 10. sehr allgemein: dar (in der hölle) ys neyne schickenisse (ordnung), men dat daer ewige greselicheit (horror) binnen wonet Hiob 10, 22 (Lübecker bibel 1494) bei Schiller-Lübben 2, 144b. mit der zu gräszlich 2 a β gehörenden vorstellung des grauenvoll häszlichen, ästhetischen abscheu erregenden verknüpft:

das haupt (der furie) ...
verhüllt die gräszlichkeit durch ein gekräuselt haar
Pietsch geb. schr. (1740) 177;

eben so wird auch die kunst diejenigen bilder, durch welche sie den tod andeuten könnte, aber wegen ihrer gräszlichkeit nicht andeuten mag, darum nicht gänzlich aus ihrem gebiethe verweisen Lessing 11, 44 L.-M.
b) sittlich abscheuliche handlungen, auch das böse schlechthin charakterisierend, vgl. DWB gräszlich 2 a γ; im ersten beleg von a nicht sicher zu trennen: se bunden eme to islikeme vote en perd und togen de perde entweg unde reten den prestere mydden entwei. also de anderen prestere de grezelicheit segen (sahen) ... bei Schiller-Lübben 2, 144b; die gräszlichkeit desz ersten befehls (zum muttermord) erwägend A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 433; die gräszlichkeit ihrer absicht Ayrenhoff s. w. (1814) 2, 371; Shakspeare dagegen führt uns in Lear z. b. das böse in seiner ganzen gräszlichkeit vor Hegel w. (1832) 10, 1, 285.
3) in der blosz objektiven kennzeichnung von gegenständen und gegebenheiten, entsprechend gräszlich 2 b:

da wurd ihr bildnisz kaum an einem ort geschaut,
vor dessen gräszlichkeit nicht jedermann gegraut
Drollinger ged. (1743) 289.

gern in pluralischer verwendung verselbständigt: pest, hungersnoth und andre gräszlichkeiten Jean Paul w. 1, 242 Hempel; es wimmelt bekanntlich in diesem stück (Schillers 'räubern') von rohheiten, nacktheiten und gräszlichkeiten R. Haym ges. aufsätze (1903) 59; schonend würde sie ihm das schreckliche beibringen, ohne all die verdächtigungen und gräszlichkeiten, in denen Löb Scheftel geschwelgt hatte Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 486.
4) von 3 her in gemilderter bedeutung für etwas schlimmes, unangenehmes, häszliches, wie gräszlich 3 a, aber beschränkten gebrauchs: eine person, welche in sich alle reize der drei Macbethschen hexen vereinigt, Schwebemeiers gattin ist's, und die gräszlichkeit der erscheinung vernichtet den gemahl sofort vollständig W. Raabe s. w. I 5, 146 Klemm. auch hier gern pluralisch: je länger die verbündeten (ein kreis junger mädchen) über ihr schicksal nachdachten, desto schrecklicher waren die aussichten; denn immer noch fielen ihnen neue gräszlichkeiten ein, die in dem (verlorenen) buche standen G. Freytag ges. w. (1886) 4, 201; der wind machte es, dasz sich diese beiden torfkähne (geflickte filzschuhe) in ihren ganzen gräszlichkeiten präsentierten Fontane ges. w. (1920) II 4, 304.
 
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gräszling, m., in der schreibung gräsling, grässling, häufiger greszling (s. 1greszling teil 4, 1, 6, sp. 197) und gröszling (s. 1gröszling ebda sp. 555). zu grasz, n. (s. d.) mit zugehörigkeitssuffix -ling gebildet: zugleich auch (wird angeordnet), das kainer die stämb, stecken und hagrangen oder sonsten junge gräsling zu zaunholz gebrauche (17. jh.) österr. weist. 2, 38; 16; grassling, m. (Ötztal) dürres bäumlein Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 250; grässling 'aus dem stamme eines kleinen tannenbäumchens gewonnener zaunstecken, latte' Fischer schwäb. 3, 801; 'gipfelreis eines jungen waldbäumchens' ebda. vgl. daneben noch grässing.
 
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gräszling, m. 1) name des fisches gobio fluviatilis, des gründlings, gleich 3greszling (s. d. 1) und 2gröszling (s. d.) nebenform zu kreszling (s. d.), vgl. auch grässe. bei Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207 auch als gräsig verzeichnet. hauptsächlich in lexikalischer bezeugung: gräszling gobbio Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 405a; gräsling, gräsig cyprinus gobio Nemnich a. a. o.; gräszling,

[Bd. 8, Sp. 2029]


gräsling eine im oberdeutschen übliche benennung des gründlinges, cyprinus gobio Linn. Krünitz encycl. 19 (1780) 693; der gräsling, bachkressen oder gründling (cobitis gobio) Oken allg. naturgesch. (1839) 6, 293. 2) wie 3greszling 2 im schweizer., vor allem im Bodenseegebiet, für andere fische nur, sofern sie im ersten jahr stehen. so für die äsche, thymallus vulgaris. als nachtrag zu 3greszling 2: thymalus ... ein aesch oder aschen ... nomen pro aetate his piscis mutat. nostri primo anno nominant kresling vel gresling, anno secundo ein knab, ein iser oder iserlein. tertio ein aesch Bas. Faber thes. (1587) 1044a. daneben für den ukelei, alburnus alburnus, vgl. grässling schweiz. id. 3, 852 s. v. kressling. doch scheinen hier die formen gräsing, grasing, grasig üblicher (s. gräsing). gegen die erwägung, die benennung dieser erstjährigen fische volksetymologisch von gras (s. gras-kompositionstypen 5) herzuleiten und die hierher gehörigen formen als gräsling (s. d.) zu deuten, spricht die tatsache, dasz neben den mit g- anlautenden formen auch die k-formen kreszling, kresse erscheinen (sieh schweiz. id. 3, 852; Fischer schwäb. 4, 730). vielleicht liegt nur verwechslung mit 1 vor, 'weil der grosze hauf sie (die äschen) in diesem alter von den gründlingen nicht unterscheiden kann' Krünitz a. a. o.
 
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gräszling, m., nebenform zu kreszling (s. d.) als einem namen verschiedener eszbarer pilze: namentlich sind viele schwämme und pilze vermittels (der endung) ling bezeichnet worden, wie ... gräszling Köne pflanzenn. 17; gresseling tricholoma militare (Fr.) (niederösterr.) in: zs. f. dt. wortf. 5, 272.
 
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grat, m. , spätahd. grat (in der glosse spina rgbein vel grat [13. jh.] ahd. gl. 3, 354, 5 St.-S.), mhd. grât neben noch seltenem græte, f. (s. 1gräte), mnd. grat, m. aber nur vereinzelt (bis op den grait knagen [1420] bei Wallraf altdt. hist. dipl. wb. 30; s. auch Lasch-Borchling 1, 2, 152) neben geläufigerem grade, f. (s. 1gräte); mnl. graet, m., nl. graat, m., jünger ausschlieszlich f. (wohl unter einflusz von mnd. grade, f., hd. gräte, f.). sehr seltenes engl. grate (s. Murray s. v. grate3) ist entlehnt. ursprüngliche germ. parallelen fehlen; germ. *grē-, idg. *ghrē-, erweiterung der wz. *gher- 'hervorstechen', vgl. DWB grasz sowie Walde-Pokorny 1, 606; Pokorny 440. zur gleichen idg. wz. stellen sich auszergerm. mit reduktionsstufe russ. grot, poln.grot, tschech. hrot 'pfeilspitze, wurfspiesz', s. Berneker slav. et. wb. 1, 354; Vasmer russ. et. wb. 1, 311. — der lautstand des wortes weist vereinzelt metathese des -r- auf: fisz gart (obd. 1421) Diefenbach n. gl. 274b. der dental begegnet inlautend nur selten als -d- statt -t-, so omd. im 16. und 17. jh.: des grades (1504) Hedwigslegende H 1a; grade (acc. pl.) Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 641; mundartl. im rhein. wb. 2, 1363. stärker schwankt die schreibung des dentals im auslaut des wortes: vom 15. bis 17. jh. ist -d hier überall häufig und begegnet vereinzelt auch jünger noch: Brockes ird. vergn. 7 (1746) 466; Noel Chomel öcon. lex. (1750) 5, 477; Heckscher volksk. d. prov. Hannover 1 (1930) 780. daneben treten im gleichen zeitraum obd., seltener md. auslautsformen mit -tt und -dt auf, während eine -th-schreibung in- und auslautend vor allem dem 18. und 19. jh. zugehört, vereinzelt aber auch schon früher erscheint. vokalschwankungen entsprechen den mundartlich bedingten voraussetzungen.die flexion des wortes zeigt seit alters im d. sg. apokopiertes grat neben seltenerem grate, in älterer sprache erscheinen auch im n. acc. pl. häufig apokopierte formen. zu den umgelauteten pluralformen, die der mask. i-deklination des wortes entsprechen, treten seit dem 16. jh. umlautlose: die grad (acc. pl.) Luther 46, 385 W.; bewaffnete grade Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) 641; sie behaupten in jüngerer und jüngster zeit den vorrang, wo die alten umlautformen eher der mundart zukommen, vgl. schweiz. id. 2, 820; Fischer schwäb. 3, 801; rhein. wb. 2, 1363 oder unter ihrem einflusz stehen, z. b.: die zacken und gräte (der berge) E. Zahn schattenhalb (1904) 344; oben in den gräten Federer berge u. menschen (1911) 474. — namentlich

[Bd. 8, Sp. 2030]


für die ältere sprache ist in vielen fällen nicht mit sicherheit, sondern nur (auf grund zeitlicher und regionaler kriterien oder manchmal auch der bedeutung) mit einiger wahrscheinlichkeit zu entscheiden, ob der jeweilige nachweis zu grat, m. oder zu gräte, f. zu stellen ist. lautgleichheit gilt für den d. pl. beider wörter, sie besteht ferner zwischen dem n. acc. pl. des m. und dem n. acc. sg. des f.; besonders erschwert wird die scheidung der wörter darüber hinaus durch die tatsache, dasz auch die (relativ häufigen) nachweise des n. acc. pl. vor dem frühen 16. jh. nicht eindeutig sind, weil mindestens bis zu dieser zeit, und gelegentlich vielleicht auch jünger noch, gräte, f. starke flexion des pl. zeigt, und daher auch hier beide wörter gleichlauten (vgl. die bemerkung im kopf von gräte). durchaus zweifelhafte fälle sind zu grat als der primären, bis zum 16. jh. offensichtlich vorherrschenden bildung gestellt.
A. für etwas spitz und hart hervorstechendes, der wurzelbedeutung des wortes entsprechend. eigentlich und gegenständlich, aber auch in unmittelbarem anschlusz daran bildlich u. redensartlich gebraucht.
1) zufrühest als 'fischgräte', in dieser bedeutung aber literarisch nur bis ins 17. jh., lexikalisch bis ins frühe 18. jh., mundartlich z. t. noch lebendig; im übrigen durch jüngeres gräte (s. d. A 1) verdrängt.
a) auf den fisch im eigentlichen sinn bezogen. im frühesten beleg als kollektiver sg., für die gräte als ein charakteristikum des fisches:

uiske unde allez mer wnder.
ob dem mere si uehtent,
uil lute si brahtent.
so wirt des luzel rat,
swaz flozen unde grat hat
Frau Ava jüngstes gericht bei
Diemer dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 284, 7.

meist konkret für die einzelne gräte:

des rîches dinc vil ebene stât,
wan daz im stecket noch ein grât
— er weiz wol wâ — enzwischen sînen zanden
Reinmar v. Zweter 140, 11 Roethe;

vgl. noch 128, 3 (wenn nicht zu gräte, f.); passional 170, 72 K.; man ... gab im fisch, da er die ass, da kam im ein grat zwerchs inn die kelen winterteil d. heiligen leben (1471) 146a; die patres essen die fisch unnd die fratres die grett B. Stanberger ein dial. zw. einem prior, leienbruder u. bettler (o. j.) B 3b; aber wenn arme leut ... gestolen wildpret vnd fisch vmb ein geringes gelt annemen, da bleyben einem gemeiniglich die gredt vnnd beinlein im halse bestecken Joh. Mathesius ausgew. w. 2, 129 Lösche; grat, m. gräte plur. arresta, resta, spina di pesce ... es ist mir ein grat in hals kommen Kramer t.-ital. 1 (1700) 557a; Wachter gl. (1737) 609. mundartlich ist die bedeutung für grat noch lebendig, vgl. schweiz. id. 2, 1363; Fischer schwäb. 3, 802; Woeste-N. westfäl. 83b. daneben nicht selten in kollektivem sg. für alle gräten, das ganze grätenskelett des fisches (s. auch unten 3 c): wenn aber ein jeder fisch gnug, und auf sein statt gesotten habe, erlernet man dabey, wenn sich der grad vom fisch schelet (ca. 1660) fischbüchlein 143;

ein grosser fisch on allen gradt (1557)
Waldis Esopus 2, 244 Kurz.


b) von den knochen des in älterer zeit als 'fisch' beurteilten wals (s. auch unten 3 c): es bwen auch veil leüt ... jre heüser auss diser grossen walfischen grdt und bein Seb. Münster cosm. (1550) 990.
c) von grätenähnlichen stützorganen gewisser tiere, besonders der schlangen, in der sprache der älteren naturwissenschaft: etleich würm sint ân füez, iedoch habent si pain in irm leib oder græt, sam die slangen habent, und die selben slingent auf der erd von ainer stat zuo der andern ... aber anderlai würm sint, die kain pain oder kainen grât in irm leib habent und habent auch niht füez Megenberg b. d. natur 287 Pf.; die schlang ceraste, hat kein gradt im leib, sonder wie der drach hat sie geknürpsel

[Bd. 8, Sp. 2031]


(Albertus Magnus de animalibus 25, 21 Stadler: cereastes est serpens carens spinis in corpore, kartillagines habens pro spinis. dazu ebda 25, 1: ossa enim [serpentes] non habent sed spinas sicut pisces) Heyden Plinius (1565) 140; erschlag ... ein natter ... seud dann den graat wol ausz, drr jhn, vnd mache jhn zu pulver Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 35; (eine grosze, giftige schlange) wird daselbst todt gefunden, mit spannen langen und finger dicken grthen, und einem kopf in grsse eines fuchs-kopfes Chr. Lehmann histor. schaupl. (1699) 615.
d) im anschlusz an a häufig in redensartlichem und bildlichem gebrauch.
α) vor allem in der vom mhd. bis ins älternhd. oft bezeugten redensart nicht fisch bis auf den grat sein 'nicht echt sein' (bei Lexer 3, 1073 falsch gedeutet), in der das durchweg singularische grat kollektiv zu fassen ist (s. oben a):

lîp, lâ die minne diu dich lât,
und habe die stæten minne wert:
mich dunket, der dû hâst gegert,
diu sî niht visch unz an den grât
Walther v. d. Vogelweide 67, 31 Kraus;

wenne alliu klœster sint gemacht
durch reinez leben und süeze andâht:
swelch münich der zweier niht enhât,
der ist niht visch biz an den grât
Hugo v. Trimberg renner 3034 Ehrismann;

an euch hab ich gefunden feyhl.
mein bundt mit euch ein ende hat:
ir seid nicht visch bisz auff den grad
Waldis Esopus 1, 302 Kurz;

vnter den euangelischen ist auch eine solche mixtur vnd nicht alles reiner fisch bisz auff den grad, oder alles golt, was da von aussen schön scheint vnd gleist Dan. Schaller theolog. heroldt (1604) 244; Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Ss 1a. singulär in positiver wendung:

dû (Christus) bist ein visch unz ûf den grât:
dîn süeze wandels niht enhât
Gottfried v. Straszburg Marienpreis 65, 11 Wolff.

vereinzelt in anderer syntaktischer fügung: Vlnspiegel ... sprach z der frawen. welche fraw vil vor der thüren stat, vnd welche vil weisses in den augen hat, hetten sie zeit vnd stat, das wer nit alles visch vff dem grad Eulenspiegel 67 ndr.
β) in der redensart keinen, nicht einen grat fangen, überkommen u. ä. 'nichts fangen' steht grat als (wertlosester) teil für das ganze (des fisches). noch deutlich im vorstellungsbereich des fischfangs:

swaz ich mit minem angel
gevische in ir (der herren) wage,
swie vil ich ir hilfe lage,
von in gevah ich nymmer grat
Johann v. Würzburg Wilhelm von Oesterreich 19 487 Regel;

in diser reusz fæchst nit ainen grât (sagt die spröde zu ihm) (1464) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1016;

als sich die jnger bey der nacht,
zu fischen hatten naus gemacht ...
gieng jnen aber nicht von stat,
vnd vberkamen keinen grat
Ringwaldt evangelia (o. j.) D 7b.

unter verlust des sinnlichen ausgangspunktes:

ich hab gehört vil red gelatt (liebeswerbungen),
noch mer geschliffer, dann die dein,
das glaub mir vff die triue mein,
die nye erwurben ainen grat liederb. d. Hätzlerin 136b Haltaus;

mundartlich: kene grat 'rein nichts' rhein. wb. 2, 1364.
γ) auf das mhd. beschränkt bleibt ein lebhafter, mannigfach variierter bildlicher und redensartlicher gebrauch, in dem grât für etwas unangenehmes, fehlerhaftes, gefährliches steht, von der tatsache aus, dasz die gräten den ungenieszbaren teil des fisches darstellen und leicht im halse stecken bleiben. z. t. wird die bildhafte vorstellung noch deutlich empfunden:

[Bd. 8, Sp. 2032]


ez waren ander grete die ern in fremde kele het gestecket j. Titurel 2403, 2 Hahn; vgl. 2900, 4; 241, 4 mit var. Wolf; vielleicht auch 6203, 2 Hahn;

owê dîn (der welt) visch hât græte,
valsch kupfer gît dîn valwez golt meisterl. d. Kolmarer hs. 478, 7;
Suchenwirt 21, 65 Pr.

auf ein abstraktum bezogen:

mensche, swen din wille dich verkrieget in unvlæte,
schaffe, daz dir biht mit riuwen zükke uz sünden græte
meister-Rumelant in: minnesinger 3, 63b v. d. Hagen;

(dasz du) verslunten hast der sunden grat passional 321, 40 K.

von der vorstellung aus, dasz die gräte in etwas anderem verborgen steckt, das dadurch entwertet, verfälscht oder gefährlich wird:

dez ewigen todes grat
in dem pheffer (der verlockung zur sünde) ist verborgen.
si mugen sich wol dar an erworgen kl. mhd. erzählgn. 25, 48 Leitzmann; vgl. jg. Titurel 3858, 2 Hahn.

so (der) êre græte geradezu 'schande':

gein ritterlicher hende bevt ih min hant svnder eren grete,
daz vns die (d. i. die gräten) nicht pris darvnder wurgen j. Titurel 2981, 2 Hahn; vgl. 2983, 2;

so haben die herren etleich rät,
die selben die sein eren grät,
wann si raten auf alefanz
Vintler pluomen der tugent 6645 Zingerle.

in der prägnanten formel sunder, âne græte soviel wie 'ohne falsch':

sin hohez herze gab im dise rete.
daz ander werde minne. daz dritte richeit, daz ergie sunder grete j. Titurel 1285, 3 Hahn;

swer inneclîchen liep hât stæte
den zarten süezen got ân alle græte
Frauenlob 363, 2 Ettmüller.

hierher vielleicht auch, wenn grat hier nicht lediglich eine das adjektivattribut substantivierende funktion hat und zu grad (s. d. II B 3 c α) gehört:

beide mutes und der stat
vereint si worn an valschen grat
Tilo v. Kulm von siben ingesigelen 5504 K.

manchmal verwischt sich die grenze zu dem anders, in der vorstellung 'schärfe' verwurzelten bildgebrauch unter B 4 a:

ouch nicht wesen gantz noch stete
uwer wort vol valscher grete md. Hiob 9264 Karsten; vgl. 11 488;

die fumfte (gabe) geist des rates,
der nicht in im hat grates
Tilo v. Kulm von siben ingesigelen 5750 K.


δ) das den vorstellungen von γ verwandte sprichwort kein fisch ohne grat prägt sich erst nhd. aus: es sey kein fisch ohne graat, vnd kein mensch ohne mängel Zinkgref apophthegmata (1628) 304; ohne dorn kein ros, in nasser schôss kein fisch ohn grot wird g'fischet (1678) in: schweiz. id. 2, 820; ebda auch modern mundartlich.
2) 'stachel, spitze, dorn' besonders an pflanzlichen gebilden, in deutlichem, aber unhäufigem gebrauch.
a) 'granne' an der kornähre:

des ackers geil
wil sie (die gerste) sin. darnach ein teil
hat der halm herwe grete ...
der vlegel danne drumet (zerschlägt)
abe die grete stichel (die spitzen grannen) Daniel 2311 Hübner;

was süllen ihm (gott) die grät, so die creatur den waitz hinhat (14. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 802; arista grad Aventin gramm. (1517) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1016 (dort zu gräte, f. gestellt); grât, m., ährengranne Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 250.
b) von anderen dorn- oder grannenartigen pflanzenteilen. im ersten beleg eigentlich, aber im rahmen eines bildes:

[Bd. 8, Sp. 2033]


ich mein swâ vriunt gein vriunde minne spart unt vînde si sich gît.
hie mischt sich minne süez mit distels græten (: ræten)
Reinmar v. Zweter 49, 7 Roethe (vielleicht zu gräte, f.);

gräte von flachs oder hanff lische ò gramolature di lino, ò canapo, arêtes ou tillûres de lin ou de chanvre Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 405a;

ihrer (der kräuter) samenbehälter gestalten und stacheln und gräte
Bodmer d. Noah (1752) 219.

möglicherweise noch hierher ein mhd. beleg, in dem man grat als 'stachel, dorn' interpretieren mag, wenn man erwägt, dasz die hier summarisch vereinfachende beziehung auf Matth. 7, 3—5 den dort gegebenen gegensatz von festuca und trabs auszer acht läszt:

dw geschrift spricht: 'du solt den grat
aus dein selbs augen raten,
e du redest von den laten!'
der Teichner 1, 29, 66 Niewöhner.


c) in der forstsprache speziell für die dünneren, spitzen zweige, auch die späne gefällter bäume, meist in synonymer verbindung mit afterschlag; gewöhnlich als pl. grät(e), grat(e). zufrühest in einer württemberg. forstordnung von 1614, deren belege Fischer schwäb. 3, 803 wohl zu unrecht als 'baumstumpen' glossiert: dasz fürter niemandt ... einig brennholtz nit hawe, dann von den ligenden affterschlagen, vnnd gar kein frisch stendig holtz zum brennen hawe oder felle. es wer dann, dasz kein affterschlagen vnd grät mehr vorhanden ... so fern dann die affterschlagen vnnd grät also auffgehawen, vnd die wäld gesäubert seind (1614) in: samml. württemb. geseze 16, 1, 266 Reyscher; als man auch in etlichen wälden viel verdorbener gret durch das unordenlich hawen befindt, die zum theil gute segblöcker hetten geben (1614) ebda 254. dann in lexikalischer tradition durchstehend: 'gräte heiszen bey den arbeitern in dem wald das holz und die äste die von dem bau-holz und andern gefällten bäumen abgehauen werden, s. affter-schlag, rami et partes tenuiores arboris quae abscinduntur Frisch t.-lat. (1741) 1, 368 s. v. grat, m.; im forstwesen werden die späne, kleine äste u. s. f. welche beym fällen oder bearbeiten des holzes abgehen, der afterschlag, von einigen die grathe oder gräthe genannt Adelung versuch 2 (1775) 780 s. v. grat, m.; Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518; vgl. noch grât, m., baumnadel Schatz wb. d. Tirol. maa. 1, 250. besteht eine beziehung zu bedeutungsverwandtem gretz, m. (s. d. 1)?
d) eine bei Fischer schwäb. 3, 802 f. und gelegentlich auch sonst angenommene bedeutung 'zugespitztes instrument' findet allenfalls eine stütze in erste dt. bibel 5, 54 lit. ver., wo grat ein stimulus übersetzt, dies aber in einem sachzusammenhang, der eher an die bedeutung 'schärfe, schneide' (s. u. DWB B 4 b) denken läszt, so dasz der bedeutungsansatz 'spitzes instrument' als ganz unsicher zu gelten hat (vgl. dazu noch unter 1grätig 1 b): dor umb die gescherpfften der seche vnd der hawen vnd der gabeln vnd der acksten die warn also breyt zeschlichten vntz z dem grate (retusœ itaque erant acies vomerum et ligonum et tridentum et securium, usque ad stimulum corrigendum) (1. Sam. 13, 21) erste dt. bibel 5, 54 lit. ver. auch eine reihe mhd. bildlicher belege, die von der vorstellung 'stachel, spitze' her deutbar wären, fügen sich doch eher den im eigentlichen gebrauch fester verwurzelten bedeutungen 'fischgräte' (s. ob. 1 d γ) oder 'schneidendes instrument' (s. unten B 4 a) ein, soweit sie nicht überhaupt zu grad 'stufe' gehören (vgl. s. v. grad II B 3 c β).
3) 'rückgrat'. zunächst an stelle dieses erst seit dem 15. jh. belegbaren, bis über 1800 hinaus maskulinum bleibenden wortes, das freilich in jungem sprachgebrauch das ältere, seit dem 13. jh. bezeugte simplex grat ebenso verdrängt wie die gleichfalls älteren synonyma rückenbein, rückendorn und rückenknochen (s. überall dort), vgl. s. v. rückgrat. eigentlich der durch die 'dornartigen' fortsätze fühlbar markierte teil der wirbelsäule, meist aber diese als ganzes bezeichnend. wenn auch die vorstellung des langgestreckten (und kantigen) verlaufs eher in B ihren

[Bd. 8, Sp. 2034]


ansatzpunkt haben könnte (s. u. DWB B 2 b) und in jüngerem gebrauch eher von da her empfunden wird, scheint doch ursprünglich einfache lehnübersetzung von lat. spina vorzuliegen, das neben 'dorn' und 'fischgräte' die bedeutung 'rückgrat' hatte. dem grat vorauf liegt das seit dem 9. jh. in glossen vielfach bezeugte ahd. ruckibein, neben ihm steht das auch die ausgangsvorstellung von grat besonders deutlich charakterisierende rucksdorn, vgl. Konrad v. Megenberg b. d. nat. 131 Pf.; dazu 24; 261.
a) beim menschen. literarisch bis ins 17. jh., darüber hinaus bis etwa 1800 noch lexikalisch verzeichnet und in lebender mundart, vgl. z. b. Lexer kärnt. 122; Fischer schwäb. 3, 802; Gangler luxemb. 190; Frischbier preusz. 1, 248: spina rgbein vel grat (13. jh.) ahd. gl. 3, 354, 5 St.-S.;

valtzone (krummsäbel) wart geswenket, des manic lip enpfant hindvrch zv grate j. Titurel 4222, 4 Hahn;

ietweders teil des grates oder des rucken von dem haubt bisz z dem arszbürtzel Hier. Braunschweig chirurgia (1497) 72a; wann alle sennen gond von dem hirn von inen selber, oder durch den grot wachszen sye in dem fleisch Gersdorff wundarzney (1517) 2a; denn in des haupts hindertheil berühet des hinderhirns aller edelste cammer mit sampt dem anfang und ursprung des marcks im grath unnd ganntzen rucken J. B. Porta physiognomy (1601) 83; der grat, der rückgrat spina del dosso, schiena Kramer t.-ital. 1 (1700) 557a; Krünitz encycl. 19 (1780) 693; grat ou grath ... der rückgrat; l'épine du dos Schwan nouv. dict. 1 (1783) 786a. vereinzelt, wenn auch offenbar nicht ursprünglich, prägnant für den einzelnen wirbel: (ist die quetschung) aber in den vndern grätten (d. h. im unteren teil des rückgrats), so geschicht ehs den fuchssen (d. h. ist es tödlich) Hier. Braunschweig chirurgia (1539) 91d; vgl. 104a.
b) daneben beim pferd, seltener beim rind und allenfalls beim schaf, anscheinend aber nicht bei anderen verwandten tieren; über 1600 hinaus nur noch lexikalisch und in spuren mundartlich nachweisbar:

als ein penselstrich er (der strich) gienc
zwischen den ôren dan,
vil ebene über die man,
engegen den goffen über den grât,
unz dâ daz phärt ende hât
Hartmann v. Aue Erec 7319 Haupt;

Konrad v. Würzburg Engelh. 2548 Gereke; wann sich ein rosz vberspringt, ... so lasz mit einem scheermesser die haar abscheren vom grad an bisz auff die nieren M. Seutter hippiatria (1599) 331. fraglich, ob im sinne von 'die wirbel und das an ihnen sitzende fleisch' hierher: das übrige, weniger wertvolle fleisch des rindes wie hächszen, grätt (Augsburg 1435) städtechron. 5, 168 anm. (im glossar anders gedeutet). offenbar mehr von der unter B 2 a gegebenen vorstellung her: der grat des rückens, sonderlich der pferde, so nicht gar fett sind, und des rindviehes, spina dorsi Frisch t.-lat. (1741) 1, 368a; grath die oberste in die länge gehende schärfe eines dinges ... z. b. der obertheil des rückens an dem rindviehe, magern pferden Adelung wb. 2 (1811) 785. wohl in diesen zusammenhang gehörig: grat ... name einer kuh mit weiszem streifen am rückgrat schweiz. id. 2, 820; vgl. ferner gratbraten 'rückenstück vom kalb, schaf, hammel. auf der speisekarte wird unterschieden brust-, schlegel-, gratbraten' (Augsburg) Fischer schwäb. 6, 2065.
c) in enger sachbeziehung zu 1 a und mit dem dortigen gebrauch gekreuzt auch vom rückgrat der fische, insoweit dieses die hauptgräte darstellt: nym ein hecht bereyt in schn vnd ldig (löse) im den grat ab vnd mit würtzen abgesoten kuchemaistrey (1493) t. 2, cap. 22; warumb sterben die fische bald, nach dem jnen der gradt entgentzet (verletzt) ist? antwort. dieweil der rückgradt in den fischen an stat des hertzens ist problemata Aristotelis (1568) G 4a; spina der grat, ruckgrade (bei den fischen) Junius nomencl. (1577) 49b. entsprechend 1 b vom rückgrat des wal'fisches': so worent die schiben von dem grote

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als dicke, als min beine oben umb E. Windecke denkwürdigkeiten 90 Altmann.
d) von a her in redensartlichen präpositionalwendungen, mhd. unz, biz ûf den grât, nhd. (bis) auf den grat 'völlig, ganz und gar'; vgl. die analoge wendung bis auf die knochen, der sich Luther in vereinzelt pluralischem bis auf die grat noch stärker nähert, ohne dasz daraus für grat eine allgemeine bedeutung 'knochen' gefolgert werden dürfte: rapientes pellem ab ipsis et carnem eorum ab ossibus ... er schint ßie bis auff die grat (1524) Luther 13, 314 W. vom mhd. bis ins 17. jh. sehr geläufig, mundartlich in resten weiterlebend. der sinnliche ausgangspunkt 'bis auf, bis an das rückgrat' tritt gelegentlich noch ganz deutlich heraus:

daz im (einem menschen) daz verch biz ûf den grât
wart schiere endecket unde enbart (entblöszt)
und im daz bein enblœzet wart
Konrad v. Würzburg Trojanerkr. 38 520 Keller;

daz iuwer lip niht triuwen hat, ...
ach, daz derret mich biz uf den grat minnesinger 3, 468p v. d. Hagen;

sie wolden ihn bis op den grait knagen (1420) Wallraf altdt. hist. dipl. wb. 30; er ist schwindsüchtig bis auf den grat fin' alla spina del dorso Kramer t.-it. 1 (1700) 557a. meist in formelhafter verbalverbindung. besonders bis auf den grat schinden mit noch spürbarer beziehung auf das körperliche bei Luther: (sie) schinden eynen ... bisz auff den grat, nehmen hyn auch das marck (1524) 13, 274 W.; vgl. 15, 36; 49, 350; br. 3, 633; der arm mann wird geschunden bis auff den gradt Joh. Agricola sprichw. (1534) 272;

kommt er bey fürsten auff, was weisz er nicht zu finden,
das arme bürger-volk bisz auff den grat zu schinden
J. Rachel sat. ged. 72 ndr.

in doppelgliedriger verbalverbindung:

unde schintten unde schraptin
das folck biss uff den grait (1483)
Wigand Gerstenberg chron. 464 Diemar;

als mst yderman deiner gnaden leben, schindest und schabst bis auff den grat Luther 30, 1, 168 W. bis auf den grat aussaugen: wücherern und geitzhelsen, welche die leute aussaugen und schinden bis auff den grat ebda 28, 638; br. 9, 362; viele extorquirn das geld von jhren underthanen, auff mancherlei art und weise, und saugen sie ausz bisz auff den grat J. Betulejus discurs v. d. höchsten gut (1615) 133. mit der erweiterten, von 'rückgrat' her nicht mehr verständlichen fassung bis auf den letzten (äuszersten, höchsten) grad schinden, aussaugen treten diese verbindungen in den bereich des wortes grad als eines abstrakten intensitätsbegriffes hinüber (vgl. s. v. grad II C 1 c β). unsinnlicher bis auf den grad schätzen:

und (die herzöge) schätzend ir lüt bisz uf den grat d. teufels netz 7599 Barack;

Hutten op. 4, 667 Böcking;

denn so du wurdest hingenommen,
so wurd gewisz ein erger kommen,
der vns wurd schtzen auff den grad
Waldis Esopus 127 Kurz.

anders mehr gelegentlich. schon früh in ganz unsinnlichem gebrauch:

wan si (die untugend) der reinen sele wat
gehonet wol vntz vf den grat
Hugo v. Langenstein Martina 23, 92 Keller.

vereinzelt mit anderer präposition: was aber die andern aufrührer und teufelskinder anlangt, sollten die teutschen fürsten sie ab dem grat ausrotten und vertilgen (1581) bei N. Frischlin dt. dichtgn. 214 Strausz. jüngere mundart kennt die alten fügungen noch, gestaltet sie aber teilweise zu neuen redensarten um: bis auf den grat verderben, einen ausziehen u. dgl., d. i. bis aufs äuszerste, ganz und gar verderben usw. Crecelius oberhess. 432; ärgerlich bis en de gröt rhein. wb. 2, 1363; et geit em an e grâd es greift ihn scharf an Frischbier preusz. 1, 248; aber auch, wieder ganz in die körperliche vorstellung zurücklenkend:

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hei ös gôt bî grâd er ist wohlgenährt ebda; in ähnlichem sinne: de hät gröt en und do es grot an rhein. wb. 2, 1363.
4) fraglich, ob als übertragener gebrauch an 3 'rückgrat' anknüpfend eine sonst ganz isolierte bedeutung 'achse' bei Kepler: graat, axlini axis (1616) op. omnia 5, 611c Frisch; entlich so sie (die wellen oder walger [d. i. wohl 'zylinder']) gerad abwärtz gespalten wurde, es wäre durch den mittlern graat oder auff einer seitten, so gewinnt der schnitt ein rechtlinische gerechte oder ablenge vierung, nach dem die wellen lang oder kurtz ebda 524; vgl. dazu Tropfke gesch. d. elementarmathem. (1924) 7, 30.
B. für schmal oder scharfkantig verlaufende gebilde verschiedenster art, besonders sofern sie durch zwei abfallende flächen entstehen. z. t. schon mhd., aber etwas später als in der bedeutung A 1.
1) vornehmlich 'schmale kammlinie eines berges, kante eines felsens'. zunächst obd., seit dem 19. jh. allgemein, speziell aber in der sprache alpiner touristik. in genauer definition, auf die aber der gewöhnliche sprachgebrauch nicht einzuschränken ist: der gebirgskamm wird durch das zusammenlaufen der beiden seiten des gebirgs gebildet, und stellt sich als eine linie dar, welche wir uns über die höchsten puncte des gebirges gezogen denken. man nennt ihn auch gebirgsrücken. schneiden sich aber die seiten scharf in eine kante, so erscheint er als graht Oken naturgesch. (1839) 1, 548.
a) eigentlich. im frühesten beleg im zusammenhang einer allegorie:

er muoz sich üeben ûf dem plân
der tugenden, und muoz erbeit hân,
ê daz er ûf den hôhen grât
müg komen, dâ der boum ûf stât
Ulrich Boner d. edelstein 4, 25 Pfeiffer;

wann si faren mit irem vich über den grat hinz auf an das joch, so phenten wir si umb drei kreizer (1474) österr. weist. 3, 301; sye fürten jn bisz z dem grot, bühel oder abstürtze des bergs ... do sye jn nun uff den grot des berges brochtent Keisersberg post. (1522) 2, 57; dorsum ... der rugk oder grat eines bergs, ein buck an einem berg Frisius dict. (1556) 449a; von diesem schlos steigt man in gemeltem velsichtem grod ein guten buxenschus her hinauff zu einem andern und festern schlos M. Quad teutscher nation herrligk. (1609) 54;

hier und dar steht ihr (der erde) rücken mit hohen gräten erhaben
Bodmer d. Noah (1752) 76;

jetzo auf den schroffen zinken
hängt sie (die gazelle), auf dem höchsten grat,
wo die felsen jäh versinken,
und verschwunden ist der pfad
Schiller 11, 403 G.;

sie (die felswände und 'flühen') sprachen von damals, da die erde barst und sich bog und aus ihrem gequälten leibe in stöhnender werdenot gipfel und grate hervortrieb H. Hesse ges. dicht. (1952) 1, 219 Suhrkamp; von hier aus: wie er auf einem buckligen grat des säckegebirges, gebückt, aber fast laufend, vorwärtsschritt V. Klemperer l. t. i. (1949) 93.
in der alpinen literatur in einer fülle von zusammensetzungen wie grateinschnitt Barth Kalkalpen (1874) 406, -gestalt ebda 397, -gipfel ebda 45, -höhe ebda 9, -kletterei jahrb. d. Schweizer Alpenclubs (1898) 42, -rücken ebda 169, -turm ebda 38, -wanderung Barth a. a. o. 480, -zacken ebda 382 u. a.
b) in der alliterierenden rechtsformel grund und grat, die schwäb. und alem. vom 14. bis zum 17. jh. weit verbreitet ist. zusammenfassend für die erdfläche oder für den grundbesitz in berg und tal, für das, 'was liegt und steht', in lat. urkundensprache in plano et in monte, s. dazu mit zahlreichen nachweisen schweiz. id. 2, 773 s. v. grund; Fischer schwäb. 3, 802, vgl. ferner s. v. grund teil 4, 1, 6, sp. 702, wo der aus Schmeller-Fr. 1, 1004 zitierte beleg nicht dem bair., sondern einer Züricher chron.

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(hs. 1462) zuzuweisen ist. nur einmal läszt sich die formel auszerhalb des schwäb.-alem. nachweisen, in luxemb. grundt und graeth (1542) luxemb. weisth. 398 Hardt (vom hg. sicher zu unrecht grat hier als 'unfruchtbarer bunter mergel' gedeutet). gelegentlich auch mit pluralischer fassung des zweiten formelgliedes: grund vnd grete (schweiz. 1306) geschichtsfreund 13 (1857) 216; mit grunde und gräten (1345) in: schweiz. id. 2, 773. oft umschreibt die formel, unter verblassen ihres ursprünglichen sinnes, nur noch den liegenden besitz an 'grund und boden' überhaupt: grunt und grat (1301) rechtsalterth. 41, 8; min acher, min matte, holz, vnd velt, getwing vnd ban, vnd grund vnd grete, vnd alles min guot (schweiz. 1306) geschichtsfreund 13 (1857) 216; grund vnd grat des hertzogen, vnd der lüten erb vnd eigen (schweiz. 1303?) weisth. (1840) 1, 166; es sind och die gietter ze Konow grund vnt graut, holz vnd feld des gotshus ze Schennis vnd der husgenosen vnd der bursami erblechen (schweiz. 1461) ebda 52; das grund und grath ihr beiden eigen ist (Oberelsasz 1486) ebda 654; mit grund und grat (1621) bei Fischer schwäb. 3, 802. als titel eines werkes über die bergwelt im spiegel der schweizerdeutschen Alpenmundarten P. Zinsli grund und grat [1946]. die altschweizer. formel alldieweyl grund und grat stat zur umschreibung ewiger bündnisdauer (s. schweizer. id. a. a. o.) erscheint in historisierendem schrifttum auch jünger noch: dieser (rhätische) bund sollte gelten, so lange grund und gratt stehen H. Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 37, 129; Scheffel ges. w. (1907) 3, 87.
c) bildlicher gebrauch erst in moderner poetischer sprache. soviel wie 'höhe, höhenweg': aber ich hab es weit zu alledem und werde mehrmals hinunter müssen und wieder hinauf, eh ich den ausblick habe und den weg auf dem grat Rilke br. 1907 —14 (1933) 50; Heiri (Heinrich), sagt sie, und ihre stimme geht auf dem süszesten grat der liebe, nun musz unser haus bald fertig sein (für den neugeborenen sohn) W. Schäfer erz. schr. (1918) 4, 158. schmaler grat umschreibend für einen gefährlichen lebensweg, eine innerlich gefährdete daseinsform: aber auf dem schmalen grat, über den mein leben jetzt führt, kann ich keine anderen begleiter mitnehmen Ina Seidel labyrinth (1922) 289; das dasein des moralischen wesens ist ein wandeln dicht am abgrund hin. und jede entfernung vom abgrunde ist preisgabe des moralischen wesens, also genau genommen ein zweiter abgrund. ein schmaler grat zwischen beiden bleibt dem sittlich guten als weg N. Hartmann ethik (21935) 347.
2) für andere kamm- und kantenartige gebilde, im bereich des organischen oder des gegenständlichen.
a) bei bestimmten tieren, und hier die vorstellung des scharfen, schneidenden (s. u. 4) oft mit einschlieszend. besonders, und schon früh, von den zwei auf dem rücken ansetzenden, auf dem schwanz sich vereinigenden schuppenkämmen des krokodils:

der kokodrille hat so scharfe grete,
daz er ir zwelfe in einem kiel verderbet j. Titurel 3834, 2 Hahn; vgl. 3833, 3;

die crocodill-eidechsen ... haben ... harte kielschuppen, einen zusammengedrückten schwanz mit einem hohen grath von starken schuppen, wie die crocodille Oken naturgesch. 6 (1836) 622. daneben älter gern bei ähnlich vorgestellten fabeltieren, beim drachen, lindwurm u. dgl.:

von dem houbet hin ze tal
stuont ûf im (dem lindwurm) ein scharfer grât,
als der kokodrille hât,
dâ er die kiele kliubet mite
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 5038 K.; vgl. gradt Wigaloys (1493) b 6b;

der grat was ir (dem weibl. lindwurm) herte und uzermasen smal,
er schneit also ein barte über den rücken hin zu tal
Wolfdietrich 1674, 1 Holtzmann; vgl. 1635, 1;

der crper (des krokodilartigen fabeltiers) ziemlich groß vnd lang, ... vnd vom hupt an biß in den schwantz einen starcken scharpffen grad, gleich den crocodilen buch d.

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liebe (1587) 388c. gelegentlich die bedeutung 'rückgrat' (s. ob. A 3) mit umfassend: z letst richt Regulus z etlich hantwerck die steyn wurffen, jn (einen drachen) damit z temmen. also gerieth eyn wurff, der brach jm den gradt auff dem rücken, das er nit mehr sich schlingen mocht Carbach Livius (1551) 98a. in sachlich unzutreffender vorstellung vom delphin:

doch hat es (das krokodil) ainen waichen pauch.
derhalben in der fisch delphin auch
von unden auf mit scharpfem grat
aufschneid und überwint in glat
H. Sachs 23, 346 lit. ver.

selten bei anderen tieren: die drongo (eine vogelart) ... haben einen breiten gebogenen schnabel mit starkem grath und borsten an der wurzel Oken naturgesch. 7, 1 (1837) 110.
b) im fachsprachlichen gebrauch der anatomie, seit etwa 1700.
α) in direkter benennung bestimmter knochen oder knochenteile. wie unter A 3 'rückgrat' lat. spina entsprechend und auf gewisse 'fortsätze' angewandt, deren gestalt aber weniger dorn- oder stachelartig, als vielmehr länglich kantig ist. für den hauptfortsatz des schulterblattes, die spina scapulae: es hat ferner ein iedes schulterblatt drey fortsätze (processus): der erste ist sehr grosz und ungleich, und läuft hinten mit einem erhabenen rande über das oberste und breiteste stück dieses knochens. er wird der graat (spina scapulae) genennet, und ist unter allen der längste J. J. Hecker betrachtg. d. menschl. körpers (1734) 196. (s. auch den beleg von 1696 unter gratförmig). für die vordere scharfe kante des schienbeins (früher spina tibiae, heute crista anterior): in der anatomie ... (neben rückgrat und schulterblattfortsatz) auch der vordere scharfe theil des schienbeines ... in welchen sämmtlichen fällen auch (statt die gräthe) der grath üblich ist Krünitz encycl. 19 (1780) 693.
β) als bezeichnung für kantige knochenformen überhaupt: durch den grat des siebbeins und durch die siebfläche werden obgedachte beide kammern ... gebildet ... der grat oder der rücken des siebbeins, welcher unten mit dem osse sphenoideo verbunden ist, setzt sich an das innere knochenblatt des stirnbeins an Göthe II 8, 191 W.; zwischen den schenkeln des gewölbes, dem grathe des grenzstreifes und dem inneren ... vorsprunge des sehhügels Sömmering menschl. körper (1839) 4, 194 anm. 2; der entgegengesetzte untere rand der knochenplatte (am schläfenbein) stellt einen scharfen grat dar, crista tympanica Rauber-Kopsch lehrb. u. atlas d. anatomie (151939) 1, 201.
c) botanisch für die kanten an stielen oder stengeln der pflanzen, z. t. der bezeichnung kante ausdrücklich vorgezogen. für das frühe 19. jh., bei grätlein (s. d.) in der vergleichbaren (oder zu 3 gehörigen?) anwendung auf streifen am stengel bereits für das 16. jh. bezeugt: acies die kante, schneide, der grath, der körperwinkel, welcher durch zwei zusammenstoszende seiten eines stengels, stielartigen theils usw. gebildet wird Bischoff wb. d. botanik (1857) 2a; nach Link haben die pflanzenstengel keine kanten, sondern grate Röhling flora (1823) 1, 40.
d) für kanten an gebäudedächern, hier freilich nicht immer mit eindeutiger ausgangsvorstellung.
α) vom first als oberster dachkante. so wohl schon in gelegentlicher lexikalischer verzeichnung des frühen 17. jhs. für den firstbalken: graat der oberste balck desz dachs, nach der lenge gelegt Henisch teutsche spr. (1616) 1718; columen graat, oberster balck ... le support et appuy du toict N. Frischlin nomenclator triling. (1616) 444a. mit berufung auf Frischlin noch bei Frisch t.-lat. (1741) 968 und Adelung wb. 2 (1811) 785; vgl. auch gratziegel (s. d.). im übrigen scheint die bedeutung 'dachfirst' eher als eine übertragung von 1 'berggrat' her empfunden zu werden: von der burg obristen grate oder schneeschmelze (1752) schweiz. id. 2, 821; vgl. dazu die an 1 b angelehnte formel in gründen und gröden (1805) zur umschreibung der ganzen bedachung ebda 773 s. v. grund 4. das gilt besonders für

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jüngeren poetischen gebrauch: als ich später zum erstenmal rittlings auf dem obersten grate unseres hohen, ungeheuerlichen daches sasz und die ganze ausgebreitete pracht des sees übersah G. Keller ges. w. (1889) 1, 33;

bis zu des daches goldenem grate
Rilke ges. w. (1927) 2, 184.

im eigentlichen sachgebrauch heute neben first nicht mehr üblich, doch vgl. noch schwäb. grôd, m., 'dachfirst' bei Ph. Wagner ma. v. Reutlingen (1889) 75 schulprogr.
β) in jüngerem fachsprachlichen gebrauch für die kante im schnitt zweier walmdachflächen: 'grat ... ausspringende kante zweier zusammenstoszender dachflächen, dafern sie nicht waagrecht liegt, wo sie dann first ... heiszt' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518; die grate (des vierflächigen walmdaches), mit vielen schrägen zacken besetzt, sehen wie gestreckte wirbelsäulen aus Carossa rumän. tageb. (1926) 38 (s. noch unten gratbalken, gratsparren, gratstichbalken).
e) grat als 'ausspringende kante zweier sich treffender gewölbeflächen' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518. so bereits im späten 16. jh., dazu in der komposition gratgewölbe (s. d.) für 1564 u. 1655 nachweisbar:

das gwlbe (der kapelle) oben schn vergldt,
fein an die grt gehawen schilt,
der wrtembergischen acht anen
thun dich die wappen da gemahnen
Nic. Frischlin 7 bücher v. d. fürstl. württ. hochzeit (1578) 25.

modern terminologisch: entscheidend für diesen eindruck (des kreuzgewölbes) sind besonders die grate, in denen die gewölbekappen zusammenstoszen Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91; Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 157.
f) vereinzelt noch in anderen gegenständlichen anwendungen: 'grat ... kante, deren anschlieszende flächen sich nach beiden seiten abdachen, z. b. die mittellinie eines dolches mit dreieckigem oder rautenförmigem querschnitt' Hardenberg eisen- u. stahlwarenindustrie (1940) 105; die fast metallischen grate über den augen (der Maria vom Naumburger lettner) hat man an einer ganz anderen stelle gesehen — in Bamberg vor allem bei dem reiter Pinder d. Naumburger dom (1925) 30.
3) schmale, fortlaufende erhöhung, schmaler streifen; in verschiedenen sachbereichen.
a) in der sprache der tuchweber 'die diagonale linie einer gewebebindung (köper)' Meyer gr. konvers.-lex. 8 (1908) 245b, von der vorstellung eines schmalen, erhabenen, rippen- und streifenartigen verlaufs her (nicht an die bedeutung 'fischgräte' anknüpfend, wie sie, mit ganz anderer vorstellung, der speziellen bezeichnung fischgrätenmuster zugrundeliegt, s. auch unten grätisch), vgl.: köperbindung ist sehr leicht zu erkennen durch die erhabenen schrägen linien, grate genannt, die dadurch entstehen, dasz der bindungspunkt bei jedem schusz um je einen kettfaden nach rechts oder links weiterschreitet Knauer u. Stieger-Voelkel handweberei (o. j.) 34: bristet (es) dem gebende der lengi oder der breti umb ein vierdenteil einer elne und mere, das gebende alles sol man enmitten durch den grat zersniden (1336) Züricher stadtb. 1, 85 Zeller-Werdmüller; weli linwat entweders mauls nit wert ist und darz ze schmal ist, die sol man durch den grat schniden (Isny 1395) württ. gesch.-quellen 18, 142 Müller; wer die orn an dem tch abhowet, daz tch sol man durch den grât howen vnd das halbtail verbrennen (14./15. jh.) mittheil. z. vaterl. gesch. d. St. Galler hist. ver. 4 (1865) 67; durch den grât snîden ebda. weiter: vierschifftig barchatt ..., die iren nerffen und graatt oder bildung schön gehabtt hatt (1584) bei Fischer schwäb. 6, 2065; es sollen nun fürohin kein anderer grath gemacht werden ... dann der rechten vierschifftigen gerath wie von alter her ... dann man an denen tuechen keinen andern gratt haben will dann den recht vierschifftigen gratt (1650) ebda; auf'n grat gewebenes tuch 'geripptes tuch' (modern) ebda (s. noch 2gräten, vb.; 2grätisch, adj.). undurchsichtig

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ist die beziehung zu zwar bedeutungsverwandtem, aber als bildung von grat her schwer erklärbarem gradel, m. (s. d.), das auszerdem jünger zu sein scheint und deutlich im bair.-österr. beheimatet ist. in dem gleichen östl. raum begegnet schlieszlich auch das zum wortschatz der tuchweber gehörige gret, n. (s. d.), das ebenfalls nach genus und bildung mit grat (oder auch gräte, f.) schwer zusammenzubringen ist, zumal es in seiner allgemeineren bedeutung 'model, muster, bild' sich nicht mit diesem zu decken scheint. in älteren ostobd. mundartwbb. erscheinen die bildungen gradel und gret neben einem hier sonst nicht bezeugten grad, alle anscheinend bedeutungsgleich gebraucht, doch bleiben ihre gegenseitigen beziehungen wie die ihnen zugesprochenen bedeutungen unsicher, vgl. z. b.: 'der grädelzeug; ein weberzeug, welcher in den grad gearbeitet worden ist, oder wie man es an anderen orten nennt, in das gret, in das bild ... grad, model, bild, nennet man, wenn der zeug eine erhobene figur hat, besonders mit gleichförmigen linien' Höfer etym. wb. (1815) 1, 312; gradl ... ein weberzeug, welcher in dem grad bearbeitet ist, oder in das gret, in das bild Castelli ma. in Österreich (1847) 146; Schöpf Tirol 204 s. v. grâdl; s. noch grattlisch s. v. 2grätisch. sachlich sicher unzutreffend in einer gelegentlichen gleichsetzung von grat und grund (s. d. sp. 730): grad (kannefaszweber) die scheinbare richtung der kettenfäden des kannefasses, dieser mag leinwandsartig, gekiepert oder gerippt seyn. grad ist also hier eben das, was bey andern webern grund heiszt Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 144a. oder sind auch die obigen wendungen in den (dem) grad arbeiten, in das gret wirken im sinne von 'grund' aufzufassen? vgl. noch schweizer. grätli 'vertiefter teil an häkel- und stickarbeiten' schweiz. id. 2, 821? — eine noch andere webtechnische bezeichnungsweise s. unter 1gräte B 3 a.
b) im 17. und 18. jh. gelegentlich für die hauptrippe eines pflanzenblattes, mit anderer bedeutung und ausgangsvorstellung als der jüngere botanische fachgebrauch oben 2 c: mein cammerad ... wise mir an denen bletern fornen an den spitzen ein ding wie ein scharffer dorn, wann man selbiges abbricht und am grad desz blats hinzeugt, ... so verbleibt an dem selbigen spitzigen dorn ein faden hangen Grimmelshausen Simplic. continuatio 99 Scholte; von einem ... blatt ..., welches längst dem grate durchgeschnitten worden discourse d. mahlern (1721) 1, S 3b. hierher wohl auch in vergleichbarer anwendung als bezeichnung für die fäden der bohne: hillus ein grat ut in piscibus vel faba (obd. 1502) Diefenbach n. gl. 203b. vgl. dazu schweizer. grätlen 'die faden von den hülsen ziehen' schweiz. id. 2, 822 u. bonengrat 'grenze zwischen den hälften einer schote', syn. faden ebda 821 (s. auch gräte B 3 b).
c) für schmal und niedrig verlaufende erhebungen natürlicher oder künstlicher art, besonders für bodenerhebungen: so die wasser vallen ..., gewint sy (die insel) z obrost gen Costentz z ainen trucknen grat, uff dem die menschen mit trucknem fs in und us wandlen mugen Oheim chron. v. Reichenau 25 lit. ver.; vgl. in ähnlicher bedeutung rhein wb. 2, 1364. sonst nur jünger belegbar: die steine wurden immer mehr zusammengedrängt und bildeten schon einen ordentlichen grat auf der ganzen länge des ackers G. Keller ges. w. (1889) 4, 83; man beginnt die ersten furchen in der mitte (des zu pflügenden ackerstückes) und setzt sie nach beiden seiten fort (rundplögen), so dasz in der mitte ein grad, die middelbrügge entsteht Heckscher volkskde d. prov. Hannover 1 (1930) 780; vgl. Fischer schwäb. 3, 802. mundartlich noch in weiteren bedeutungen wie 'streifenähnliche erhöhung auf feldern, rain, anhöhe' ebda; 'steinige stelle im acker' rhein. wb. 2, 1364; Fischer a. a. o.; 'schwaden gemähten grases auf der wiese' rhein. wb. a. a. o.; 'längliche künstliche erhöhung, z. b. aufschichtung ausgegrabener kartoffeln' schweiz. id. 2, 821.
4) in anderen gegenständlichen anwendungen so, dasz der unter 1 und 2 mehr oder weniger schon mitgegebene gesichtspunkt schneidender schärfe vorherrscht.

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a) im mhd. nicht selten für ein nicht näher zu bestimmendes scharf schneidendes, messerartiges instrument. wohl hierher und angesichts des sinnzusammenhangs nicht zur bedeutung 'fischgräte':

swer gît dem trunken manne wîn
unde dem derz vieber hât
wazzer und dem kinde den grât
und dem tobenden daz swert
Thomasin v. Zirklaria d. wälsche gast 14 614 Rückert.

auch die vergleichende formel snîden sam (als) ein grât setzt konkret gegenständlichen gebrauch voraus:

sîn liegen snîdet sam ein grât
swer dich ie guot genande
Hartmann v. Aue büchlein 1768 Haupt-Martin;

zwei mezzer snîdende als ein grât
Wolfram v. Eschenbach Parzival 234, 17;

ir tzung di sneidet als ein grat
Peter Suchenwirt 23, 81 Primisser; vgl. 12, 61;

ir (der ameisen) zend scharff als ein gratt Seifrits Alexander 6629 Gereke.

hierher wohl auch andere bildliche wendungen, die in einer an sich naheliegenden vorstellung 'spitze, stachel' bei grat keine tragfähige grundlage haben (s. ob. A 2 d), dann eher noch von grad (s. d. II B 3 c β) her deutbar wären:

din (gottes) gewaldes scharfer grat,
den si (die Juden auf dem zug durch die wüste) reizeten dicke uf sich passional 3, 2 Köpke;

des êwigen tôdes grât
der Stricker bei
Lexer 1, 1073;

minne, wende noch ires zornes grat ...
in wiplich suße milde d. minneburg 1598 Pyritz.


b) technisch 'der meist dünne und scharfe werkstoffrand an einem werkstück, der beim gieszen, bei der umformung ... oder der spannenden formung (z. b. messerschleifen) entsteht' d. gr. Brockhaus 5 (1954) 20b. seit dem 16. jh. geläufig, soviel wie 'scharte, faden': (achte darauf,) dasz die löchlein rein vnd gerad hindurch (durch das metallstück) gemacht, vnd mit einem klein subtilen wetzsteins stifftlein auszglettet werden, dasz kein grat daran bleibe L. Ercker beschreib. (1580) 36b; hiebey (beim schröpfen des fuszes) (ist zu beachten) ... dasz die fliethe (das schneideinstrument) rein gehalten werden, und nicht etwan risse, so die bader einen grad nennen, an der schärffe habe Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 382/383; 'grath ... die falsche schärfe an schneidenden werkzeugen, welche sich beym schleifen an der schneide umlegt, und auf dem wetzsteine abgewetzet wird' Adelung vers. 2 (1775) 781; Hardenberg eisen- u. stahlwarenindustrie (1940) 105; da beim stechen das kupfer an den rändern der striche und punkte in gewissem grade zusammengedrückt und in form einer fadenähnlichen, rauhen erhöhung (grath) aufgeworfen wird Prechtl technol. encycl. (1830) 9, 76; bei nicht ... gleichmäsziger endständigkeit würde die eine walze einen grat in die andere einschleifen Muspratt chemie (1888) 2, 85. anders, aber in vergleichbarer anwendung: wenn beim fällen eines baums der sägeschnitt nicht genau auf den axthieb der entgegengesetzten seite trifft, entsteht dort ein grat Fischer schwäb. 3, 803; dazu das kompositum gratblock ebda 6, 2065. jünger namentlich auf gegossene werkstücke bezogen: grat (am buchstaben) Hellwig wb. d. buch- u. papiergewerbes (1917) 40a; 'grat ... vorstehende kante einer gusznaht, bei thon und gips auch formnaht' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518; die geformten stücke läszt man ... abtrocknen um ... wenn die masse steif geworden ist, ... die ... grate abzunehmen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 409. mundartlich verbreitet von der scharte an schneidenden instrumenten, an messern, sensen u. ä., vgl. z. b. Schmeller-Fr. bair. 1, 1016; rhein. wb. 2, 1364; Woeste westf. 83b; Mensing schlesw.-holst. 2, 460 (hier als n. verzeichnet).
c) für ein fugstück mit scharf schneidenden rändern, das, einer entsprechenden nute eingepaszt, zwei teile eines

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gefüges verbindet. vom 17. bis in die erste hälfte des 19. jhs. belegbar, in junger mundart noch bei Fischer schwäb. 3, 803; schweiz. id. 2, 821; rhein. wb. 2, 1364: so man wil ein tafelspil darausz (aus zwei spielen) machen, nimbt man das piquier bretlin, vnd steckt zu desselben lincken hand in den faltz oder gerinnen ainen eisinen doppelt schneidenden graad, und scheubt also ein täfelin an das ander hinan, das das piquir und das mühlenspil beysamen ... so man die bretlen wider auszainander zeücht, musz man gemach thun auf das man durch das eilen den eisinen graad nit abwürge (1617) Ph. Hainhofer in: quellenschr. f. kunstgesch. u. kunsttechnik 6, 318 (bei Fischer schwäb. 3, 802 unrichtig gedeutet); vgl. 296; 'grath ... eben diesen namen führet bey den tischlern die schärfe an den einschiebeleisten' Adelung vers. 2 (1775) 781; man sagt von zwei holzstücken, sie seyen auf den grath mit einander verbunden, wenn das eine mit einer schrägwandigen, nach innen sich erweiternden furche versehen ist, in welche eine gleichgestaltete hervorragung des andern stücks eingeschoben wird Prechtl technol. encycl. (1830) 7, 510; vgl. 12, 121; Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518.