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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldreif bis goldrot (Bd. 8, Sp. 825 bis 826)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldreif, adj., von reifen, goldgelben früchten:

vor schrecken warf ich euch die schüsseln
goldreifer früchte — an den kopf
Nietzsche w. (1895) 8, 357;

feurig war die sonne hinterm acker gesunken, die goldreifen ähren tief bestrahlend Clara Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 300.
 
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goldrein, adj., 'rein, lauter wie gold'. von der christlichen kirche und lehre: wenn die römische kirche goltrein were vnd jrem vrsprunge auffs gleichförmigste nahe, so würdet yr sie doch schabernacken Georg Witzel v. d. christl. kirchen (1534) p 2a; unser gott erhalt sein kleines heufflein in demut und einfalt bey der gepeuteleten und goldreinen lehre Mathesius ausg. w. 3, 247 Lösche. vom charakter des menschen: sie stellen sich, als sein sie gar goldrein, als haben sie nie kein waszer getrübt J. T. Müller d. symb. bücher d. ev.-luth. kirche (1882) 230; oft ist ein weib zu ihr (der freundschaft) ... goldreiner, als eine reihe ... unreiner männerseelen Herder 15, 311 S.; sein eigenes, metallstarkes, goldreines männerherz Stifter s. w. 3 (1911) 120. als 'rein, lauter, klar' auch in andern anwendungen: seine sonate erinnere ich mich von ihm selbst gehört zu haben ... er spielte sie höchst fertig, ... und goldrein Robert Schumann ges. schr. (1854) 3, 185; bei goldreinem dunkelblauen himmel Fr. v. Gentz schr. 1, 186 Schl.
 
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goldreinette, f., name einer goldgelben apfelsorte: grosze goldreinette Metzger pflanzenkde (1841) 740; die goldreinetten mit ihrem samtenen glanz! Holtei erz. schr. (1861) 5, 31. vgl.goldrenette Fischer schwäb. 3, 742.
 
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goldring, m., schmuckring aus gold als stirnreif, fingerring, armreif u. ä.: taranâh legeta si ûfen iro houbet magedlichen goldring (diadema virginale), ter meist clanzta fone dero scôni Notker 1, 786, 6 P.; im mhd. nicht

[Bd. 8, Sp. 826]


belegbar, doch vgl. unten goldringlein: seine hände (sind) goldringe mit türkisen besezzt, sein leib glänzend elfenbein geschmückt mit sapphiren Göthe I 37, 307 W.; nach beyliegendem ringe wünscht unterzeichneter einen starken goldring zu besitzen ebda IV 25, 146;

und der könig nahm stolz Karin gar auf seine knie,
gab goldringe ihr und wälder und land
E. M. Arndt w. 6, 140 R.-M.;

übergabe von grundstücken geschah im mittelalter auch per annulum aureum; ... übergabe von burg und land durch einen goldring Jac. Grimm dtsche rechtsaltert.4 1, 246; einen zweitheiligen mit einer demantenen bärentatze gezierten goldring Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 468; ihm stand der athem still, als er jetzt seinen goldring aus der tasche zog Storm s. w. (1898) 7, 199; die rote hand, die feuer an die scheunen legte, die die goldringe von den fingern unserer toten zog Fontane ges. w. (1905) I 1, 37; sie war zart ..., mit ... rubinen und goldringen in den feinen ohrmuscheln M. Dauthendey Lingam (1923) 96. —
 
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goldringer, m., mundartlich für den goldringträger, den goldfinger; vgl. schweiz. id. 6, 1101; Frischbier pr. 1, 245. —
 
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goldringlein, n., dim. zu goldring, besonders in poetischer verwendung, vgl. schon:

wo sint die golt ringelin?
wo sint die guldin vingerlin?
Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 91 S.;

was zog er ihr abe vom finger?
ein rothes goldringelein volkslied bei
Herder 25, 147 S.;

vgl. Göthe I 38, 241 W.; Mittler dtsche volkslieder (1865) 92; sie bezahlen ihn mit einem goldringlein, dem letzten, das sich noch gefunden hat Rosegger I. N. R. I. (1904) 268. —
 
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goldrolle, f., rolle aus goldenen münzen: der konrektor, der sich gegenwärtig an die reihe der millionäre anschlosz, hielt die kurze goldrolle wie einen zepter in der hand Jean Paul w. 3, 94 Hempel; sie ... öffnete den secretär, griff nach einer goldrolle, schlosz wieder zu und trug den schlüssel zurück Hebbel w. 2, 44 Werner; dasz du das glück nach der zahl der goldrollen bemessen solltest, für so inferior halte ich dich nicht (1876) Fontane familienbriefe 1, 240. doppelsinnig: o goldrollen, goldrollen, nach euch streben alle schauspieler dieser welt S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 180.
 
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goldröschen, n., name der pflanze helianthemum chamaecistus Miller; goldröschen Nemnich polyglottenlex. (1793) 1, 1051; sonnenröschen, gemeines ... goldgünsel, goldröschen, güldengünsel etc. Holl pflanzenn. (1833) 349b; Pritzel-Jessen volksn. d. pfl. 178; s. auch goldrose 1 und goldröslein. —
 
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goldrosef. 1) dass. wie goldröschen, auch kirschisop genannt, vgl. Campe 2, 421. 2) goldene oder vergoldete schmuckrose:

wie die flitterkränze schweben
und die flimmernden goldrosen
zittern auf der jungfraun särgen
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 240;

zur ansicht für den erzherzog hatte man eine goldrose in bereitschaft Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 232; so wird den doctorfrauen ... verboten ..., sich mit ... goldrosen und kleinodien zu behängen K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 6, 678. —
 
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goldrösel, n., name der pflanze statice armeria L. (gemeint ist armeria alpina um Fusch [Salzburg], s. Jirasen bot. provincial-nomenclatur [1806] 22), auch gemeine grasnelke, bergnelke, brustkraut etc., vgl. Holl pflanzenn. (1833) 134b; Pritzel-Jessen volksn. d. pfl. 39.
 
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goldrot, adj., farbtönung von rot, durch glanz oder schimmer metallisch wirkendes rot. im ahd. und mhd. auch 'rot von gold', 'reich mit gold geschmückt': sîn lachen geuuormôt aber filo harto goldrôt (auro plurimo rutilatum) Notker 1, 755, 12 P.;

vil goltrôter setle si fuorten in daz lant Nibelungen 267, 1 L.

[Bd. 8, Sp. 827]


vom golde selbst:

zwelf bouge goltrôt könig Rother 2034 Bahder;

aber die kronen sind goldroth —
gold bedeutet blut
Fouqué altsächs. bilders. (1818) 1, 37;

Möringer aber zog ein goldrothes fingerlein von seiner hand br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 139. von haut, federn u. ä.: blaue und goldrothe schmetterlinge wiegten sich in den blüten Tieck schr. (1828) 4, 369;

seither sah ich den falken
so schön und herrlich fliegen,
auf goldrotem gefieder
sah ich ihn sich wiegen
G. Keller ges. w. (1889) 6, 110 (nach alrôt guldin minnes. frühlg. 9, 9);

dann gürtet er sein goldroth pferd
Strachwitz ged. (1850) 251.

von pflanzen und früchten: brustbeerlein ist eine kernfrucht ... im anfang ist sie grün und wenn sie zeitig worden, wird sie goldroth allg. haush.-lex. (1749) 1, 273; hellgelbe zitronen und goldrothe pomeranzen Chr. v. Schmid ges. schr. (1858) 9, 101; ich ... schlich wegseits in den kieferschachen hinein, der mit seinen goldrothen stämmen so dämmerig und kühl dastand Rosegger schr. II 15, 300; die silberstämmigen bäume ... hielten auf millionen zweiglein die goldroten knospen ins licht Hermann Stehr d. heiligenhof (1918) 1, 226. von schein und wirkung des sonnenlichts: die sonne malte ... ihre goldrothe tafel an das ofenmäuerlein Rosegger schr. II 1, 34; als tauchten die wagen aus der sonne empor, so schien es; feinem gespinst gleich hoben sich die speichen der räder gegen die goldrote scheibe Clara Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 65. als subst. adj.: das flammende goldrot des abends Sperl d. fahrt n. d. alten urkunde 9182. —