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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gokellicht bis goldabflusz (Bd. 8, Sp. 676 bis 710)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gokellicht, n., s. gaukellicht teil 4, 1, 1, 1552, gaulicht ebda sp. 1572 und gaukeln 2 b ebda sp. 1557, vgl. ferner unten go(l)licht.

[Bd. 8, Sp. 677]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gokeln, gökeln, vb., mit feuer oder licht spielen, mundartliche nebenform zu gaukeln, vgl. teil 4, 1, 1, sp. 1557 unter 2 b sowie kockeln, köckeln teil 5, sp. 1566:

weisze hände kränken nimmer,
aber als die dummheit dümmer
ist es, gokeln noch im schimmer
eines lichts
W. Alexis Isegrim 1 (1854) 153;

das wort lebt vor allem im östlichen mitteldeutschen und niederdeutschen, vgl. Müller-Fraureuth 1, 428; Albrecht Leipziger ma. 124; in der form kôkeln bei Karl Bischoff studien zur dialektgeographie ... in Calbe u. Zerbst 39; H. Meyer d. echte Berliner 9102; Teuchert aus d. neumärk. wortschatze in: zs. f. dtsche maa. (1909) 133; Frischbier preusz. wb. 2, 536; gokeln, gökeln dagegen bei Bernd Posen 77; Weinhold schles. wb. 28; Knothe schles. ma. in Nordböhmen 260. weiter südlich als gokeln, gakeln bei Weise Altenburger ma. 77; Pasch Altenburg 85; gökeln, gäkeln Reinwald henneberg. idiot. 1, 52; gâkeln ('fränkisch') bei Frommann d. dtschen maa. 2, 190; gackeln, göckelen Schmid schwäb. 215.
 
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goksch, m., hahn, s. o. gockel 1, sp. 661.
 
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gol, adj., 'bitter, ranzig, verdorben' von geruch und geschmack. die herkunft des mundartlich verbreiteten wortes ist dunkel.
zufrühest in Oberhessen verzeichnet, vgl. DWB gol 'bitter' bei Estor teutsche rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1409; heute umgangssprachlich üblich in Hessen und im Rheinland: gôl, goul, gôel ranzig, widrig von geruch und geschmack, auch von abgestandenen flüssigkeiten Crecelius Oberhessen 1, 429; bitterschmeckend (für Oberhessen, Schwalm, Haungrund) Vilmar Kurhessen 132; gohl Kehrein Nassau 1, 168; gol (Siegerland, rip., berg., Aachen, südndfrk. bis z. Ürdinger linie) im rhein. wb. 2, 1295; gol bitterschmeckend Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 93; jol ranzig, verdorben Rovenhagen Aachener ma. 46a; gool ranzig, vom speck Leithäuser Barmer ma. 61. vereinzelt auch im flämischen (doch nicht im niederländischen) belegt: gool bitter, gallig Schuermans vlaamsch idiot. 159.
daneben steht golig, gaulig vom schlechten körperlichen befinden, besonders in der Schweiz, vgl. golig4 im schweiz. id. 2, 216; gaulig Stalder schweiz. id. 1, 430; göhlig, gohlig, gaulig Tobler Appenzell. sprachschatz 232; ebenso im rhein. wb. golig übel, besonders nach übermäszigem alkoholgenusz, neben 'bitterschmeckend' 2, 1295. vgl. hierzu gaulig teil 4, 1, 1, 1573 und galsterig ebda sp. 1209 sowie rhein. gölschig leicht süsz, aber widerlich, bitter, ranzig schmeckend rhein. wb. 2, 1295.
 
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gol, subst., grober steinschutt, mundartlich in der Schweiz, besonders in flurnamen schweiz. id. 2, 216. ebenso golete, f., ebda; Stalder schweiz. id. 1, 464; Buck flurnamen 86.
 
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göl, gol, goll, goli, m., mundartlich in der Schweiz, Tirol und Kärnten 'narr, dummkopf' schweiz. id. 2, 213; Hintner Defregger dial. 70, vgl. DWB gölen gaffen: bis doch nit e göhl, sagte die meisterin Gotthelf s. w. 4, 193 Hunziker (spätere umarbeitung bis doch gescheit). 'mutwilliger possentreiber' schweiz. id. 2, 214; Lexer kärnt. 118, nach dem schweiz. id. 2, 214 anm. zu gellen. mundartliche weiterbildungen: göldi groszer, einfältiger bursche Tschumpert bündn. 613, guleflabes täppischer mensch Schön Saarbrücken 90b, freszgolles nimmersatt rhein. wb. 2, 1304. vgl. noch: gölsüchtig stupidus Schmidt id. Bern. 33. — ferner goli spielzeug schweiz. id. 2, 215 und gigeliman-golis machen lauten spasz treiben a. a. o. 216.
 
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golammer, m. u. f., s. DWB gaulammer, teil 4, 1, 1, 1572 und goldammer.
 
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golander, m., ein vogelname, nebenform zu galander (s. d.) und Suolahti die deutschen vogelnamen (1909) 101. vgl. der golander überschrift aus dem vogelgespräch (15. jh.) Germania 6, 97; golander fraudula voc. inc. teut. (1471) k 1a; voc. primo ponens dict. theut. (Hüpfuff 1515) k 2b; golander alcedo ispida (d. i. eisvogel) Nemnich wb. 200; golander eisvogel Jagemann dizionario (1799) 534; golonder eisvogel Schaffer dt.-frz. wb. (1834) 1, 751.

[Bd. 8, Sp. 678]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) golatsche, m., radförmiges gebäck, bes. im südostdt., aus slav. kolač, (poln. kołacz, tschech. koláč, sorb. kolač, russ. kalač, sloven., serbokr., bulg. kolač): kolo rad, s. Berneker 1, 541. golatschen im Wiener dialekt Jacob 71a; Hügel 69a; literarisch: Hohberg landleben (1682) 1, 203a; Abr. a s. Clara etwas. f. alle 2 (1711) 244; synkopiert infolge anfangsbetonung goltschen, gultschn, goulscht Knothe nordböhm. 261; gooltschen Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. 2, 77a, vgl. dagegen klotsch s. hier unten; golasche Fischer schwäb. 2, 736. weiter verbreitet mit tenuis-anlaut (vgl. teil 2, 629) kollatsch in Ostpreuszen Frischbier 1, 403b; Posen Bernd 138; Pommern Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 73, hier auch synkopiert klatsch, klotsch a. a. o. 151. kollatschen, pl., Hoffmann poln. lehnw. i. d. schles. ma., s. z. f. dt. maa. (1910) 200; aus dem russ. baltisch kalatsche Hupel 104, Gutzeit 2, 6 f., Kiparsky fremdes im baltendt. (1936) 156. in der literatursprache (collatschen neben golatschen s. o.) Hohberg landleben (1682) 1, 203a; Holtei charpie (1866) 2, 19; Göthe I 4, 288 W.; Ponten die väter zogen aus (1939) 207; kolasche 'brei' in Siebenbürgen Schröer ungr. 249; Kramer Bistritz 70. die lautung kalatschen in Bayern Schmeller-Fr. 1, 1233 und schweiz. id. 3, 209, vgl. das aus dem poln. entlehnte altpreusz. kalso vlade (= 'fladen', ein gebäck) Elbinger voc. um 1400 in Marienburg abgeschrieben Trautmann altpreusz. sprachdenkm. 351. vereinzelter dentalanlaut in Rügen und Pommern tollatsch Dähnert plattdt. 490; Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 74; 275.
vor Hohberg (1682 s. o.) schon in urkunden 1445, bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 77a, golaczer 'kuchenbäcker' bereits im Olmützer stadtbuch, s. Jelinek mhd. 327.
in der literatursprache bekannt als speziell böhmisches gebäck: ausser dasz die Böhmen ihre collatschen oben mit geriebenen käsz und eyren und butter besprengen Hohberg landleben (1682) 1, 203a; oder seind ihm (dem verlorenen sohn) die böhmische golatschen eingefallen ... oder pommerische knackwürst Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 244; freund Klutschek sasz mit seinen kindern vor einem tisch kolatschen und wuchteln (in Prag am Wenzelstag) Holtei charpie (1866) 2, 19;

so manche kollatschen man früh und spat
bei dem Churfürsten gebacken hat (Engelhäuser bäuerinnen an hzg. Karl August, Karlsbad 1786)
Göthe I 4, 228 W.;

vgl. auch: russische frauenspersonen ... boten kuchen, piroggen und kolatschen an Jos. Ponten die väter zogen aus (1939) 207; mundartlich: 'flaches, rundes eiergebäck, lange, schmale zopfsemmel, die man zu einem kranz biegt und mit den enden aneinander fügt' Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. 2, 77a; kleine runde kuchen Hoffmann poln. lehnw. i. d. schles. ma., z. f. dt. maa. (1910) 200; schlechtes, nicht ausgebackenes backwerk, gewöhnlich rund Bernd Posen 138; kleine kuchen Jacob wien. 71a; mit verschiedenartigem mus gefülltes gebäck Hügel Wien. 69a; als backwerk auch sonst im obd.: kalatschen art backwerk (daneben 'sache von geringer bedeutung') Schmeller-Fr. bair. 1, 1233; in Lindau Fischer schwäb. 2, 736; in Basel schweiz. id. 3, 211; im preusz. semmel, weiszbrot, salzfladen Frischbier 1, 403b (als bezeichnung für brot dient z. b. auch im ostslav. kolatsch, s. Zelenin russ. volkskunde [1927] 111); brei Schröer ungr. 249; 250. mit besonderer bedeutung als festgebäck: als osterbrot Knothe nordböhm. 261; zur weihnachtszeit Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 73.
aus lat. collatio und coena collatitia herzuleiten ist klotsch, klatsch und kollatsch, das in Pommern und Ostpreuszen erscheint in der bedeutung 'festessen', vgl. Kaiser a. a. o. 151 und Hennig 130 ('weil bisweilen gute freunde ihre speisen zusammentragen und miteinander verzehren'); vgl. bei den Lausitzer Wenden als tauffest kolancija, kolacyja aus collatio Schneeweis feste u. volksbräuche der Lausitzer Wenden (1931) 16 und dän. kalas (kallas, kalads, galads), kollas, kollats ordbog over

[Bd. 8, Sp. 679]


det danske sprog 9, 1084; 10, 1044f.; sowie schwed. kalas (älter collatzie, collatie 1535, collatz 1541, collas 1607, s. ordbok över svenska sprket k 85 ff.) 'schmaus', 'festmahl' über mnd. collatie, s. Hellqvist svensk etym. ordbok 2434. von kirchenlat. collatio 'imbisz, frugales essen in der fastenzeit' stammt schweizer. kollatz imbisz (dagegen kalatsch gebäck) schweiz. id. 3, 209, vgl.kollatzen, vb., 'einen imbisz nehmen', bei Fischer schwäb. 4, 579, Schmeller-Fr. bair. 1, 1237, s. ferner teil 2, 629. ein anderes collatio in enne kleene golazche, auch kollatsch herumtollende kinderschar Müller-Fraureuth obersächs. 2, 77a.
von golatsch 'gebäck' abgeleitet: es ist von alders zu Olomuncz gewonheit gewesen und ein aussetczung, das sunderliche pecken gewesen sein, die die golaczer geheissen haben und ir sunderliche czech (zunft) hatten, die do scheibelat prot puchen und gancz rucken wolgesmach Olmützer stadtbuch bei Jelinek mhd. 327. in der komposition: golatscheng'sicht ein bausbackiges, rundes und gutgefärbtes gesicht Hügel Wien 69. übertragen: steifer, schwerfälliger, täppischer mensch, einer der kolač iszt, daher Wende Müller-Fraureuth obersächs. 1, 429a.
in einer frühen literarischen bezeugung aus Böhmen (weistum von 1584) eine ablösung: und wenn er nach genugsamer erkantnus zum erben wirdt zugelassen, so mus er dann auch solches vermeint erbtheil umb ein golatschen ablösen. da in aber der gedecht(?) zu schwer sein, so soll er solches ablösen umb den dritten pfennig bei Schlesinger weist. 2, 305 mitt. d. vereins f. gesch. d. dt. in Böhmen (1884) 22. Röszler gesch. d. rechts in Österr. xxx leitet es von collatio ab, dt. rechtswb. 4, 988 stellt es zu golatsch gebäck. ungeklärt in der Tschernowitzer ruge aus einer hs. d. 17. jh.: auch danken wir dem erbarn rath zu Commotau, dasz sie uns rat und hulfe thun, was wir recht haben als diejenigen, die mit den in kolazsch (collatio?) setzen, was die von Commothau in kolazsch recht haben, das haben wir zu Tschernowitz auch recht bei Röszler a. a. o. xxxi, in der älteren fassung von 1544: ... die mit ihn in scholetzsch sitzen, wass die von Commothau in scholetzs recht haben ... (scultetia?), vgl. dazu Schlesinger a. a. o. 22.
 
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gold, n. , aurum. herkunft und form.
1) gemeingerm. wort, got. gulþ (gen. gulpþis), ahd. gold (golth, colt), mhd. golt (gen. goldes), nhd. gold; as. afries. ags. engl. gold, aisl. gull und goll, dän. guld, schwed. guld (auch gull), mnl. gout (gaut, golt, goyt), nl. goud. urgerm. < *gulþa- aus vorgerm. *hto-, ein aktivisches verbaladjektiv zur weitverzweigten wurzel idg. hel- (hlē-, hlə-), s. Walde-P. 1, 624; vgl. andere verwandte unter galle, gelb, glanz, glas, glatt, glau, glüh u. s. w.; im ablautsverhältnis stehen aslav. zlato (aus *holto-), russ. zóloto, poln. złoto und lett. zèlts (aus *helto-) 'gold' (lit. getas 'gelb' gehört zur wurzel ghel-). urverwandt sind ai. hári 'blond, gelb, goldgelb, grüngelb, falb', híranya (n.) 'gold, geld', av. zaray- 'gelb, gelblich, goldfarben', zaraita 'gelb, fahlgelb', zaranya- (n.) 'gold'. aus dem germ. entlehnt finn. kulta, estn. kuld, lapp. golle 'gold'.
2) unorganisches u als stammvokal tritt in älterer zeit öfter im md. auf: gult parad. an. intell. 129, 30 Str., gulde (v. j. 1375) Erfurter urk. 2, 530, guldes Joh. Rothe lob d. keuschheit 3506 Neum., philargia liebe des guldes (15. jh., md.) Diefenbach gl. 234c, gult Alsfeld. passionssp. 7590 Gr.; mundartlich im obd., vgl. schweizer. veraltet guld Staub-Tobler 2, 224, oberpfälz. guld Schmeller-Fr. 1, 895, elsäss. Martin-Lienhart 1, 213 u. s. w.
3) für den seltenen plural, im 16. jh. als golde Murner narrenbeschwör. 48 ndr., aber golder L. Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 52b, gölder ebda 41b, goldt ebda 88a belegt, ist in neuerer sprache die umschreibung goldsorten bei der unterscheidung mehrerer arten gold (z. b. feingold, dukatengold) üblich, vgl. unten I A 4. bedeutung und gebrauch.
ob die grundbedeutung von vorgerm. (idg.) *hto- auf die eigenschaft des 'glänzens' oder die 'gelbe farbe' zurückgeht, ist unerweislich; auch spräche für letzteres kaum skr.

[Bd. 8, Sp. 680]


hári 'gelb', híranya 'gold', denn farb- und andere optische vorstellungen sind in früher sprachstufe selten zu trennen, vgl. z. b. weisz teil 14, 1, sp. 1179f.
I. als bezeichnung des edelmetalls und daraus hergestellter gegenstände.
um die wende der steinzeit zur älteren bronzezeit bereits von den Urgermanen als tauschware gegen bernstein u. s. w. vorab wohl aus Siebenbürgen und den Ostalpen eingeführt und vom heimischen kunsthandwerk zu schmuck und gerät (s. unten I C) verarbeitet (s. auch unten I B 2 und goldschmied), wurde gold neben kupfer und bronze früh das eigentliche schmuckmaterial der Germanen; in der völkerwanderungszeit spielte das gold in der vorstellungswelt der germanischen stämme als inbegriff von reichtum (s. unten I D 3) und machtfülle eine bedeutsame rolle, wie sie sich poetisch in den jüngeren nachfahren alter lieddichtung, Beowulf, Widsið, deutscher heldenepik, in der edda und der nordischen skaldenpoesie und auch in den volksmärchen späterhin noch widerspiegelt; das silber (in der Wikingerzeit das charakteristische wertmetall des germanischen nordens) tritt daher wie in der älteren dichtung so auch in der volksphantasie stark in den hintergrund und steht zumeist nur neben dem gold als wertmesser (s. unten gold und silber sp. 693 sowie silber teil 10, 1, sp. 976). zur sachgeschichte vgl. O. Schrader sprachvergleichung u. urgeschichte3 2, 1 die metalle (1906) 29ff., M. Ebert reallex. d. vorgesch. 4, 2 (1926) 376ff., Hoops reallex. d. german. altertumskde 2 (1913/15) 265ff., M. Rosenberg gesch. d. goldschmiedekunst (1908).
A. gold als rohstoff, besonders in typischen vorstellungen und festen sprachlichen verbindungen, die sich auf seine natur, seine herkunft und gewinnung beziehen.
1) physikalische natur und charakteristische eigenschaften seiner erscheinungsform. gold gilt in älterer naturkunde als das der sonne zugehörige und durch ihre strahlen wachsende metall, vgl. O. Schrader sprachvergl. u. urgesch.3 2, 12 anm. 1:

daz golt wechsit von der sunnen
Joh. Rothe rittersp. 1588 Neum.;

das himmlische feur, das von der sonnen einfleuszt ...; ist bey uns ein kaltes, starrendes und gefrorens feur und disz ist der leib desz golds Paracelsus opera (1616) 1, 930;

und sey das gold vor andern all,
im feuer bewerth, das höchst metall,
durch gottes willen mich regirt,
der sonnenschein auch mich gebiert (1567)
M. Fachs probierbüchl. (21622) 184.


a) farbbestimmungen; in alter verbindung rotes gold, vgl. ahd. goldrot, adj., auro rutilatum Notker 1, 755, 12 P., ags. reád gold bei Bosworth-Toller 484b, an. gull rautt Vlundarkviða 5, 3 sowie bei Cleasby-Vigfusson 220a:

dû rouchvaz undi dû cherzistal:
daz rôti golt was iz al d. lob Salomos 130 bei
Waag kl. dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (1916) 31;

... allez ir gewant
was von rôteme golde Nibelungenlied 72, 3 L.;

Artûs was im vil bereit,
er gap im rîcher koste solt,
lieht gesteine und rôtez golt
Wolfram Parzival 335, 28;

dort niden in jenem holtze
leit sich ein mülen stoltz,
sie malet uns alle morgen
das silber, das rote gold Ambraser liederbuch 64 lit. ver.;

lieber son, behalte mir
... disz klein kästlein mit rotem gold
Hans Sachs 21, 27 K.-G.;

doch kan ihn weder rothes gold
noch bruders blut erbäten
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 366a;

da liegt das rothe gold zu hauf,
geschwinde zu und raff es auf
Göthe I 15, 279 W. (Faust II 4, 2);

[Bd. 8, Sp. 681]


mir schaffen meine gnomen rotes gold
Immermann w. 14, 40 B.;

uns rauhen riesen genügt
des Niblungen rothes gold
R. Wagner ges. schr. u. dicht. (21897) 5, 229;

da is kên gold so rôt, et mut hen vör brôd (holst.) bei Wander sprichw. 1, 1787.
jünger und weniger formelgebunden gelbes gold, vgl. liechtgelb geleich dem golde klar H. Sachs bei gelb teil 4, 1, 2, sp. 2880f. und unten goldgelb sowie flavus geel wie golt, das goltfarb hat Alberus nov. dict. (1540) xx 3b: dasz es so liebes schönes gelbes gold und geld ... gibet Reinicke fuchs (1650) 344;

deine sandelrohte wangen bringen dich (die geschminkte jungfer) noch nicht empor,
gelbes gold und bleiche silber ziehen allen farben vor
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 16;

gold ist ein metall, das dichte,
gelb, gezüge (geschmeidig), wohl vereint (ist)
Brockes irdisches vergnügen in gott (1721) 9, 8;

gel wie golt rhein. wb. 2, 1295.
bleiches gold: in dero sconi des pleichen goldes Notker schr. 2, 256 P. (in pallore auri), vgl. pleichcruoni goldis ebda (virorem auri) meint wohl den glanz wie: geliche dem golde von Arabia, daz da luter und schon ist und blaich St. Georg. pred. 94, 1 Rieder; auf die farbqualität bezogen oder technisch differenzierend: bleich gold, geduldig silber, nateurlich mit silber vermengt Joh. Kentmann nomencl. rer. foss. (1565) 58b; bleich goldt Stieler (1691) 679; schlecht goldt, bleich goldt Kramer 1 (1700) 546a; entsprechend weiszes gold von quecksilberhaltigem oder silberhaltigem gold: das pleichmal des weissen goldts mistura auri argentosi Ph. Bech Agricolas bergwerkbuch (1557) 386; weisz goldt, daran das quecksilber noch nicht gar verraucht ist Joh. Kentmann a. a. o.; vgl. noch: das amerikanische gold ist bleich ... man will zwar auch in Böhmen ... weiszes gold gefunden haben ... vermuthlich dürfte diesze bleiche und weisze von etwas anderm eingemischten herrühren Krünitz 19 (1780) 275; weiszes gold in anderm sinne unten II E sp. 709.
b) leuchtend helles, glänzendes aussehen des goldes, oft in vergleichen (s. auch unten II D), vgl. splendor auri perahti coldes ahd. gl. 1, 51 St.-S., ags. beorht gold Bosworth-Toller 484b sowie ags. goldbeorht, anord. gullbiartr 'goldglänzend'; fulvus glantzit alzo golt (15. jh., md.) Diefenbach gl. 251b u. bleiches gold 1 a:

darzuo daz liehte golt Nibelungenlied 254, 2, vgl. 385, 3 L.;

... liehtes golt in fres lot liedersaal 1, 376 Laszberg;

ir gereite was von golde glanz
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 227, 24 Pf.;

alsam daz golt den ziegel
iemer überglestet
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 246 Schr.;

kein bessern aber ich nit weisz,
als die von goldt, welchs fürher gleiszt
under all andern metallen
Fischart 2, 125 Hauffen;

... das gold
das reinlich gläntzet trotz den köstlichsten metallen
Simon Dach 717 Öst.;

alles was innen (im hause) und auszen ist, glänzt wie gold Gerstenberg br. über merkw. d. litt. 242 lit.-denkm.;

er schau ihn an aus jenes goldes flimmer
Grillparzer s. w. 5, 151 Sauer;

glaub mir, mehr als Freia
frommt das gleiszende gold
R. Wagner ges. schr. u. dicht. (21897) 5, 229;

hierher auch:

denn der thron
der könige, der von golde schimmert, ist
das obdach der verlassenen
Schiller 13, 186 G. (jungfrau v. Orleans, prol. 3. auftr.),

vgl. auch blankes gold (unten D 2 b) blinkende goldmünzen.

[Bd. 8, Sp. 682]



c) oft mehr in technischem sinne mit adjektiven, die den reinen oder vollwichtigen zustand des von wertmindernden beimischungen freien edelmetalls kennzeichnen, vgl. anord. hreint gull Cleasby-Vigfusson 220a; obryzum clar golt (15. jh., md.) Diefenbach gl. 389a; vin golt (15. jh., obd.) ebda; lutter golt (15. jh., nd.) ebda, vgl. auch DWB lauter teil 6, sp. 380:

von lûterm golde manic marc
vür in wart getragen ûf niuwen schilden starc Lohengrin 3574 R.;

und allez (im tempel Salomos) sament von lûterm golde innen Berthold v. Regensburg 1, 69 Pf.; ist alles gulden gewest, von lauterm golt Joh. Turmair chron. 1, 227 L.;

der swan wær von harm ûf rôt scharlach gesniten,
vuoz unde snabel geworht von klârem golde Lohengrin 5353 R.;

morser und rchvasz ch von clarem gold historienbibeln d. mittelalters 412 Merzdorf;

geschmück von silber, klarem gold
Hans Sachs 1, 434 K.;

das mundstück oder gebisz samt der kinketten (des pferdes) war von klarem gold Grimmelshausen Simpl. 477 Kögel; mit ästhetischem gefühlsgehalt:

im schnabel hats ein klares gold
Mörike ges. schr. (1905) 1, 200;

von golde lûter unde fîn
Konrad v. Würzburg troj. krieg 25517;

ein bilde (bildwerk) von vinem luterem golde Tauler pred. 248 V.;

ain kron der schonen haupt trug,
an der lag reichait mer dann genüg,
geworcht ausz feinem golde
Heinrich v. Neustadt Apollonius 1617 S.;

und feines goldes lieb und hold
Hans Sachs 18, 91 K.-G.

in metallurgischer terminologie (vgl. auch feingold teil 3, sp. 1463): aurum coctum et ab aliis metallis segregatum ... fein goldt Joh. Kentmann nomencl. rer. foss. (1565) 58b; das goldt (ist) sehr hoch und fast gar fein am halt L. Ercker beschreib. (1580) 87b; es sollen nach § 3 dieses gesetzes aus einem kilogramm feinen goldes 139 stücke 20 oder 279 stücke 10 reichsmark mit einem feingehalt von 900/1000 (900 teilen gold, 100 teilen kupfer) hergestellt werden Jul. Greifzu hdb. d. dtsch. kaufmanns (1938) 83; i lot lodeges goldes (nach 1424) Lüb. urkb. 6, 755, vgl. unten D 2a;

bit dem allerpurstem golde rhein. Marienlob 2356 Bach;

lasz mir den besten becher weins
in purem golde reichen
Göthe I 1, 163 W.;

bildlich: dat mädchen wellt eich net hon (haben), on wenn et von purem golt wär rhein. wb. 2, 1297. gutes gold allgemein 'kostbares gold', dann spezifischer 'echtes, gediegenes gold':

von guotem golde was sîn schîn
Hartmann v. Aue Erec 2023;

kain gt gold kan man meer finden Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 10 ndr.; nimb gut hoch (hochkarätiges) goldt L. Ercker beschreib. (1580) 90b; jetzt wollen wir einmal sehen, wie die geschenke beschaffen sind, vor allem die probe, ob es gut gold ist Cl. Brentano ges. schr. 5 (1852) 103;

mit dem golde raine
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Oesterreich 22 R.;

von rainem gold Schaidenreiszer Odyssea (1537) vorr. 6;

ich habe von reinem golde
bestellt mir einen ring
Chamisso w. (1836) 3, 44;

lauter tigen golt Joh. Turmair chron. 1, 480 L.; wunderbarlich gediegen gold Paracelsus opera (1616) 1, 251 Huser; was gediegen schön golt ist, pflegt furnemlich in einem weiszen quartz zu stehen L. Ercker beschreib.

[Bd. 8, Sp. 683]


(1580) 41b; sie (die kleinen brücken) waren von gediegenem golde maler Müller w. (1811) 1, 51; die gewinnung des goldes kann durch aufbereitung allein geschehen, aber nur dann, wenn die erze gediegenes gold führen B. Neumann die metalle (1904) 206; ächtes gold aurum purum Steinbach dt. wb. (1734) 1, 5; falsches gold für echtes Gutzkow ritter v. geiste 5 (1851) 436; echt gold 'unverfälscht' rhein. wb. 2, 5; Fischer schwäb. 2, 533 und unten B 2a u. II B 1 u. 2.
2) wendungen und formelhafte ausdrücke von herkunft und gewinnung des goldes.
a) fremde herkunft gilt oft als zeichen besonderer kostbarkeit: imo chumet cold fone Arabia Notker 2, 285 P. (nach ps. 71, 15 et dabitur ei de auro Arabiae);

arâbesch golt gap drûffe schîn
Wolfram Parzival 778, 21, vgl. 17, 22;

ûz golde von Arâbiâ
Konrad v. Würzburg troj. krieg 19911;

golt von Arabie ist guot, daz darf ouch nieman strafen minnesinger 3, 37b v. d. Hagen;

golt von Arabi md. voc. rer. (15. jh.) Diefenbach gl. 62c;

daz næme ich für der Kriechen golt
Stricker Karl 2065 B.;

von kriechischem golt fastnachtspiele 763, 3 Keller;

der samît geblüemet was
mit dem golde von Kaukasas
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 272, 32 Pf.;

hierzu hilf mir du, du höchstgeehrte göttin, alsdenn wil (ich) dir einen altar vom besten indianischen golde setzen Schottel friedenssieg 22 ndr.; zugleich sortenbezeichnung, vgl. unten 4:

ein keten von ungrischen goldt
G. Thym Thedel von Wallmoden 1006 Zimm.


von heimischem gold wird das des Rheines besonders hervorgehoben (zur sache vgl. B. Neumann d. goldwäscherei am Rhein in: zs. f. d. berg-, hütten- u. salinenwesen 51 [1903] 377), vgl. bei Otfrid I 1, 72 (s. unten b):

fürs Croesi golt es (das kind) im geliebt,
für alles golt, das leugt im Rhein
Steier Jephthes (1571) d 6b;

viler lands art gold, reinisch, so mit silber noch vermischt, spanisch, ungarisch, arabisch, welchs das best ist Toxites onomast. (1574) 404; reinisch gold, köstlich gold M. Ruland lex. alch. (1612) 201; darin ist Brisach die hauptstadt, bei welcher viel gold im Rhein geseiffet und gewaschen wird, welches man hernach rheinisch gold nennt Frz. Ernst Bruckmann magnalia dei in subterraneis (1727) 28;

wo die Aar des goldes wellen
liebend in den Rhein ergieszt
M. v. Schenkendorf ged. (1815) 157;

der Rhein führt gold von der Aar an B. Neumann d. metalle (1904) 246; auf die sage vom Rheingold bezogen, sprichwörtlich: er weisz, wo das gold im Rheine liegt Wander sprichw. 1, 1796; vgl. dazu anord.:

Rin skal ráðarógmálmi skatna,
á svinn, áskunnaarfi Niflunga ...
heldr en á hǫndom gullskíni Húna bǫrnom Atlakviða 27, 11;

... ê wir immer sîn
gemüet mit dem golde, wir soldenz in den Rîn
allez heizen senken, deiz wurde nieman Nibelungenlied 1074, 2 L., vgl. 1077;

(Wotan:) von des Rheines gold
hört ich raunen
R. Wagner ges. schr. u. dicht. (31897) 5, 227.

rheinisch gold in anderm sinne s. u. II E.
b) die verschiedenen arten der goldgewinnung prägen sich in z. t. festen verbalverbindungen aus:

joh (die Franken) lesent thar (am Rhein) in lante gold in iro sante
Otfrid I 1, 72;

in neuerer sprache gold suchen, sammeln, vgl. unten goldsucher: dann viel suchen jetzt, die da finden, einer

[Bd. 8, Sp. 684]


gold, der ander silber Jacob Böhme v. d. drey principien (1682) 435; golder, gölder nennet man die auri legulos, goldfischer, welche mit dem gold suchen und wäschen umgehen Scheuchzer (1707) bei Staub-Tobler 2, 226; die orte, wo das gold gesammelt wird Krünitz 19, 326; das mehrste gold wird hier als feiner goldsand ... gesammelt Ritter erdkde (1822) 1, 147. gold waschen, seifen, vgl. auch unten goldwäscher, goldseife sowie waschgold teil 13, 2255, seifengold gegenüber berggold Berg-Friedensburg d. gold (1940) 40, 41, 42 u. ö., seifengold oder waschgold Bernh. Neumann d. goldwäscherei am Rhein (1903) 377: aurum haizt gold ..., ez muoz auch vil arbait haben ze waschen, und wie klain man ez vint, doch vindet man es mêr lauter denn ander gesmeid Konrad v. Megenberg buch d. natur 474, 22 Pf.; wann er hat an unser willn und urlaub do selbs golt gewaschen und von uns nit bestanden (v. j. 1528) österr. weist. 8, 744 anm.; in früheren jahren haben seltsame menschen ... das gold in unsern bächen gewaschen und sind reich von dannen gezogen A. Stifter s. w. 5, 1, 278 Sauer; auch das gold will gewaschen sein Wander sprichw. 1, 1787; das ausgewaschene gold war ... verunreinigt Berg-Friedensburg d. gold (1940) 47; gewaschen goldt, ... geseifft gold Joh. Kentmann nomencl. rer. foss. (1565) 58a; geseift gold Toxites onomast. alterum Theophr. Paracelsi (1574) 404; das gold ... wird ausz dem sand etlicher wasser ... geseuffnet Henisch (1616) 1674; viel gold im Rhein geseiffet und gewaschen wird Frz. E. Bruckmann magnalia dei in subterr. (1727) 28; das recht, gold zu seifen B. Neumann d. goldwäscherei am Rhein (1903) 394. gold graben, vgl. unten goldgräber; wer silber oder golt graben wil, der sal das thun mit des hoffehern wille (v. j. 1380) bei Wasserschleben rechtsqu. 1, 64; die bergwerck, ... da man gold ... grebet 1. Macc. 8, 3; die jenigen, welche bergwerck suchen, gold oder silber oder ein anders metall zur anreitzung desz bösen graben wollen J. Prätorius glückstopf (1669) 14; wo man gold graben kann, gräbt man nicht nach silber Wander sprichw. 1, 1795. für die reinigung auf chemischem wege gilt gold scheiden, s. auch goldscheider und scheidegold: (zinn) schaidet golt und silber von kupfer und von plei Konrad v. Megenberg buch d. natur 480 Pf.; alda hat er ... ein goltärzt gefunden ..., ein tail hat den achten tail zuesatz gehabt, das hat man durch das feuer davon schaiden müessen Joh. Turmair chron. 1, 480 L.; vgl. DWB dasz kein scheider so kunstreich auff dem goldscheiden sein mag Paracelsus op. (1616) 1, 102 H.
für die in der alchemie versuchte künstliche herstellung von gold dient der ausdruck gold machen, vgl. aurum factum gemacht gold Chyträus nomencl. (1594) 75 und unten goldmacher: (die) da wöllen goldt und silber machen Paracelsus opera (1616) 2, 377 Huser; Joh. Clajus alchymistica oder die wahre kunst aus kühmist gold zu machen (1606) titel, spöttisches wortspiel s. unten goldblaser altkümisten genanndt sp. 719; gold aus sand machen Chr. Lehmann hist. schaupl. (1699) reg. m 4b; von der allgemeinen neigung gold machen zu wollen, war er (Cosimo Medici) nicht frei Ranke s. w. 40/41, 435; übertragen: nach dem heutigen plan der welt bleibt die kunst gold zu machen (geld zu gewinnen) ... das höchste projekt ... unserer staatsklugen Hamann schr. 2, 7 R. alchemistisches oder philosophisches gold künstlich durch alchemie hergestelltes gold, vgl. auch DWB goldbaum 2: güldene wörter, denen das allerbest alchemistisch gold ... nit wirdt gleichen Guarinonius grewel (1610) 45; so genanntes philosophisches oder alchemistisches gold Krünitz 19, 282. im bilde: lasz dir sagen ..., dasz mein volk ... keinen glauben an deinen goldmacher hat. dasz es seinem filosophischen golde nicht traut Wieland s. w. 31 (1799) 24 (Göschen); anders, von der sogen. güldischen Mercurialischen substantz (s. J. Becher psychosophia [31707] 15): aurum goldt ist der corper und ferment in das philosophische goldt, wilches in die höhe kan steigen, den der Mercurius solis ist der sahm M. Ruland lex. alchem. (1612) 91; das gemein goldt ist todt, aber das philosophisch

[Bd. 8, Sp. 685]


hat ein leben und wirdt gantz und gar zu einem nutriment ebda 92, vgl. Mercurius ist lebendig gold ebda 331.
3) natürliche und künstlich hergestellte erscheinungsformen des unbearbeiteten edelmetalls; als goldsand, vgl. ahd. bei Notker aureis harenis goltcrieze 1, 196, 8 P.:

wurze des waldes
und grieze des goldes
Spervogel in: minnesangs frühl. 30, 28;

gemahlenes gold in älterer sprache stehende verbindung für goldsand, goldstaub, das unverarbeitete waschgold überhaupt, aber auch für künstlich pulverisiertes:

kuste ich ir zarten, suezen, roten munt,
tak unde naht, enwolde ich ümbe tusent pfunt
gemalens goldes von ir sin ze einer stunt minnesinger 3, 452b v. d. Hagen;

einen stab macht er hol
und schutte den enbinnen vol
gemalnes goldes passional 19, 80 K.;

diamargariton ..., dâ man zerstôzen veinperln ein tuot und gemalen golt Konrad v. Megenberg buch d. natur 430, 1 Pf.; disem hab ich geben eines pfennings schwer rein gefeilet oder gemalen gold Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 27; es gehört vil glaubens darzu, wo man einem gemalen gold vertrawen sol Henisch (1616) 1676; als formelhafte angabe bei der zahlung von sühnegeld u. s. w.: und ob er dan den halsz wolt lesen (lösen), so sol er niderlegen ain schilt auf das erdrich, den sol er auszfullen mit gemallen golt (v. j. 1459). österr. weist. 8, 1045; derselbsol meinem herrn einen schilt gemallens gold verfallen sein zu geben (v. j. 1520) ebda 7, 97; so ist er verfallen ein schilt voll vermahltes gold (18. jh.) ebda 7, 312; als goldblech, goldblättchen, goldkörner: der wein, dâ goldes plechel inn erlescht sint, ist den milzsühtigen guot Konrad v. Megenberg buch d. natur 475, 3 Pf.; eine stange eisen (ist) mehr werth als ein blätlein gold Chr. v. Ryssel v. d. seelenfriede (1685) 140; das auftreten des goldes in isolirten blättchen und körnern Karl Hintze mineral. 1, 1 (1904) 243;

gold in blättchen, gold in flittern
durch die ritzen seh ich zittern
Göthe I 15, 1, 136 W. (Faust II, II 3);

dise insel hat vil flüsz, die gold füren, deren korn uns etlich umb schellen gaben Seb. Franck weltb. (1534) 222b;

er schafft den leichnam des erschlagnen weg,
wobey sein wahnsinn, wie ein körnchen gold
in einem erz von schlechteren metallen,
sich rein beweist: er weint um das geschehne Shakespeare (1797) 3, 282;

auri ramenta gravia ... körnicht goldt M. Ruland lex. alchem. (1612) 94;

... körniges gold des hintersten Phasis im hohlen
schiffe führend ...
Göthe I 50, 288 W. (Achilleis 479).

bildlich:

wie rückten da die mädchen knapp zusammen,
um ja kein korn des goldes zu verlieren (d. i. von Sapphos liedern)
Grillparzer 4, 146 Sauer.

gemüntzt goldt L. Ercker beschreib. (1580) 52b;

es ist noch lang nicht alles gold gemünzt
Schiller 12, 70 G.;

in bergesadern, mauergründen
ist gold gemünzt und ungemünzt zu finden
Göthe I 15, 1, 14 W. (Faust II, I, 1);

(die gallische) sitte, den göttern kostbare geschenke, vorzüglich ungemünztes gold zu weihen W. v. Humboldt ges. schr. 4, 196 akad.
4) vereinzelt für eine in herkunft, zusammensetzung oder farbe von anderen unterschiedene sorte gold, dann auch im plural: von etlichen, die auff die strich die golder kauffen L. Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 52b; und seind doch dieselbigen gölder ... (nicht) so gar rein ebda 41b; die ungemüntzten golder M. Fachs probierbüchl. (21622) 125; item so du ein gold hast, es sey des halts von sechtzehen bisz auff siebenzehen ... karat Ercker a. a. o. 87b; zum durchgieszen auff geringe goldt ebda 88a.

[Bd. 8, Sp. 686]



B. gold als werkstoff im verarbeiteten zustand.
1) in stoffbezeichnungen:

jâ truoc si ob den sîdenmanegen goldes zein Nibelungenlied 413, 3 L., vgl. 69, 1 u. 1750, 3;

(haarlocken) reht alse goldes dræte
Konrad v. Würzburg troj. krieg 19915;

von purpur sei, mit zarten fäden goldes
durchwirkt, der gürtel
Schiller 14, 46 G.


präpositional mhd. ûz golde, von golde, nhd. meist aus gold, seltener von gold:

daz werc (war) seltsæne
uzzer golde unde uzzer gimme
pfaffe Konrad Rolandslied 57, 23 Gr.;

ûz wunsches golde ein crône
zieret wol daz houbet dîn
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 226 Schr.;

ein bild aus golde in einen tempel aus thone setzen Lohenstein Arminius (1689) 1, 15b;

er gap ir ze minnen
zwen oringe
unde zwen armpge
von rotem golde tgen Milst. genesis 42, 24 Diemer;

ez hanget von eim aste
von golde ein becke her abe
Hartmann v. Aue Iwein 587;

ein schapel, daz er ûfe truoc,
von gimmen und von golde fîn
Konrad v. Würzburg troj. krieg 18649;

ein trog ..., darinn ... seer kostlich geschmuck von gold, brlin und edelem gesteyn was H. v. Eppendorff Plinius (1543) 22;

wäre die welt von golde geschaffen
Göthe I 50, 178 W.

nach:

were alle de werlt von golde roet Reinke de vos 6469 Prien;

nicht dasz ihm die uhr von gold an sich wert gewesen wäre Jos. Ponten die uhr von gold (1923) 18. vgl. mundartlich von jold 'aus gold gefertigt' Brendicke Berliner wortsch. 128b; von gold 'golden' Frederking Hahlen 45; dialektisch z. t. als ersatz für die stoffbezeichnende bedeutung des adj. golden (s. dort) im sinne 'echt, massiv golden'.
mit verben, die zur bezeichnung bestimmter kunstgewerblicher tätigkeiten dienen:

(eine krone) gezieret mit gesteine,
gewirket uzer golde Elisabeth 1895 Rieger;

alle beide (Venus und Minerva) aus gold und elfenbein gearbeitet vom Phidias H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 250; eine aus gold gegossne kuppel A. Stifter s. w. 1, 307 Sauer;

den kopf (becher) zu sime dienste er nam ...
deme gelich einen andern
liez er von golde wirken do passional 23, 34 K.

mit gold:

sîn stûl was gût helphinbein
woli gidrêit und irgrabin
mit dim goldi was er bislagin d. lob Salomos 160 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (1916) 32;

daz was von silber durchslagen,
mit golde übertragen
Hartmann v. Aue Erec 2026;

mit gold ... uberzogen Habakuk 3, 19;

... das schwert
mit golde bebuckelt
Bürger s. w. 150 Bohtz.


in gold als materialangabe bei handwerklichen arbeiten:

so lassen sie dein lob in gold und silber binden
B. Neukirch ged. (1744) 187;

viele gesellen arbeiteten bei mir, ich hatte viel in gold und silber zu thun Göthe I 43, 298 W. (Benvenuto Cellini I 2, 9); die tragbahre war mit einer tiefrothen sammtdecke, worauf das Hennegausche wappen in gold gestickt, bedeckt Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 215; hierzu: die

[Bd. 8, Sp. 687]


namen der ... mahler werden genannt, und der wichtigen arbeiten in gold, emaille und juwelen ... gedacht Göthe I 49, 1, 12 W.; andere präpositionen bleiben hier vereinzelt: der weisz zu erbeiten an gold, silber 2. chron. 2, 14; einen weisen man, zu erbeiten mit gold, silber 2. chron. 2, 7.
2) verbale fügungen, die sich auf bearbeitung und verwertung des materials gold beziehen; gesottenes gold u. dgl. s. unten a, geschlagenes gold unten b, gesponnenes gold unten II C 2.
a) formeln für den prozesz der reinigung (läuterung) im feuer und der prüfung durch schmelzen, am probierstein oder durch andere methoden, vgl. ags. âsodenes goldes Bosworth-Toller suppl. 482a, smætes goldes 'von geläutertem gold' Widsið 91, anord. gull brennt Cleasby-Vigfusson 220a; ahd. in glossierungen von mlat. obryzum (vgl. du Cange-Favre 6, 18 und O. Schrader sprachvergl. u. urgesch.3 2, 73): obrizum arsotan gold (8. jh.) ahd. gl. 1, 51, 26 St.-S., auri obryzi des gewiereten goldes ebda 3, 415, 62 sowie irsotanemo golde (obrizo), gesmalzet golt bei Graff 4, 194; gesoten golt (12. jh.) sumerlat. 28, 14 Hoffm.:

dî strâze dâr inne (im himmlischen Jerusalem)
die sint durchsoten golt himml. Jerusalem 126 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (1916) 59;

iuch hât geminnet sêre
unser herre der heilige Krist
wan diu werlt mit iu gezieret ist
rehte als daz durchsoten golt
Stricker Karl 1595 Bartsch.

in fester formel gold läutern, vielfach in vergleichen belegt:

diu guote (anfechtung) irliutteret daz muot
sam daz golt der eiteoven tuot d. vaterunser 186 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (1916) 50;

sam durchsoten golt
wurden si (die christlichen kämpfer) hie geluiteret unt gerainet
pfaffe Konrad Rolandslied 265, 6 Gr.;

swa golt geliutert wirt also
daz ez niht mere gunters (unreinheit) hat
da minret sich sin tugende niht
von keiner brünste schaden minnesinger 2, 396b v. d. Hagen;

aurum purum geleutert old Chyträus (1594) 75; bildlich: aus ihren (der Griechen) schmelzöfen (könnten wir) schon das geläuterte gold erhalten Göthe I 49, 1, 257 W.; vereinzeltere wendungen:

zehen pfund von golde
wol geprant und gewegen
Heinrich v. Neustadt Apollonius 15558 Singer;

und wil dasselbige dritte teil durchs fewr füren und leutern, wie man silber leutert, und fegen, wie man gold feget Sacharja 13, 9.
gold prüfen, probieren, bewähren durch die probe im feuer oder am probierstein die echtheit nachweisen; meist in vergleichen bezeugt (s. auch unten II B 1), vgl. ene proue van gholde to makende alze gud, dat juw neen man straffen kan (v. j. 1448) Lüb. urkb. 8, 613:

sô wirde ich golde gelîch
daz man dâ brüevet in der gluot
burggraf v. Rietenburg in: minnes. frühl. 19, 19;

das feuer (oder der stein) prüfet das gold, das gold die weiber (oder die leute) K. Rother schles. sprichw. 279;

das gold probirt man an eim stein,
des menschen hertz am golde rein sprichw., schöne weise klugreden (1548) 181a;

denn er (gott) will euch probieren,
ob ihr auch wolt, wie reines gold,
im feur bestendig bleiben
B. Ringwaldt handbüchlein (1586) b 7a;

(gott) bewert mich als das golt, das do get durch daz fewer erste dt. bibel 7, 196 Kurr.; wie (man) das gold im schmeltzofen beweret, also hat gott die frommen beweret erzhzg. Ferdinand II. v. Tirol specul. vitae hum. 90 ndr.; also werden die menschen recht bewehret wie gold im fewer Joh. Arnd nachfolge Christi (1631) 20; lasset

[Bd. 8, Sp. 688]


die scherben und zahlpfennige fahren, hie ist rothes und bewährtes gold Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 281a; einem frommen christlichen ehemann mögen seine hörner einen bloszen stirnschmuck und eine krone der geduld von bewährtem golde bedeuten Herder 3, 64 S.; das beste gold wird am öfftersten in den probierofen gesetzt Joh. Qvirsfeld geistl. myrrhengarten (1717) 910;

voraus, wer seinen stein musz stets am golde streichen,
und einen printzen zieht, der seinen fleisz vermehrt
J. v. Besser schr. (1732) 1, 64 König;

du hast dich auf dem schwarzen probirsteine des todes als ein echtes geläutertes gold aufgestrichen Göthe IV 23, 185 W.
b) handwerkstechnische ausdrücke der goldschmiedekunst, bildnerei und goldbrokatweberei; gold treiben gold durch hämmern u. dgl. bearbeiten, vgl. treiben II C 1 a teil 11, 1, 2, sp. 42f.:

nu ist der edilstir planete
di sunne mit erme golde
daz ich nu an deszim gerete
ouch vordir lobin solde.
ez leszit sich also dunne tribin
daz man ez umme fadin spinnet
Joh. Rothe ritterspiegel 1600 Neum.;

zu dem funfften: ess (das gold) lesst sich triben
und wil doch by ein ander bliben,
wie dnne adder lang man ess wil han ders., lob d. keuschheit 3500 Neum.;

gold lat sich treiben und schlahen Geiler v. Keisersberg brösamlin (1517) 1, 8a; noch vergleichbar (s. unten C3):

ihm schmecken schlechte speisen
aus thon so gut als aus getriebenem gold
Wieland s. w. 9 (1795) 24.


gold schlagen durch hämmern zu dünnen goldblättchen verarbeiten, vgl. unten goldschläger und mnl. gheslaghen goudt bei Verwijs-Verdam 2, 2082, geschlagen gold or battu Widerhold dict. (1669) 148b: fedelgold, taz chit filo dunne gold, wanda so man iz tunnesta geslahen mag, taz heizet brattea Notker 1, 754 P.; wenn man daz golt hamersleht, sô klært ez sich und entweicht dem hamer und praitt sich überal Konrad v. Megenberg buch d. natur 475, 16 Pf.; und er (Moses) schlug das gold und schneits zu faden, das mans künstlich wircken kundte 2. Mos. 39, 3; item wie man gold schlecht, zeuhet, spinnet, wircket, preget, und was mehr zum gold reinigen und verarbeiten gehöret Mathesius Sarepta (1562) 58a; verblasz das goldt auff einem schirben ..., dann schlags dünn L. Ercker beschreib. (1580) 90b;

er hiesz ainen schwartzen dracken
an seinen schilt machen,
das veld was geslagens gold (blattgold)
Heinrich v. Neustadt Apoll. 18845 Singer;

horeflehten ..., die gemachet sein mit geslagem golde (goldflittern) Nürnberger polizeiordn. 67 B.; mit klaidern geschlagens goldes (goldbrokat) N. v. Wyle translat. 24 K.; ein vornehmer bürger des orts hätte eine henne gemästet und sie mit geschlagenem golde ... gespeiset Scriver goldpred. (1690) 61; so noch heute geschlagenes gold als technischer terminus, vgl. Krebs techn. wb. 65; anders gold auf etwas schlagen vergoldung auf kaltem wege durch blattgold:

wo man vorgulte spangin macht,
daz golt man uf daz silbir sled
Joh. Rothe ritterspiegel 1696 Neum.;

golt ... ist auch mêr werhaft und mêr handelpær dann ander gesmeid und læzt sich paz zämen und ziehen Konrad v. Megenberg buch d. natur 474, 27 Pf.; aurum netum gezogen gold Golius onom. (1579) 63.
von kunstgewerblichen arbeiten des tauschierens, einlegens und einfassens; in älterer sprache gold schmelzen, in (aus, von, mit) gold schmelzen u. ähnl., 'schmelzarbeit herstellen', vgl. DWB schmelzen III 1 e (teil 9, 1024) und

sie (die seelen) ne zierent ouh vingerlîn ringe noh bouge:
nuskelin vone goldes gesmelce noh die halssnuore daz himilriche 287 in: ztschr. f. dt. altert. 8, 153;

[Bd. 8, Sp. 689]


mit golde vile wahe
gesmelzet dar under
diu tier al besunder
pfaffe Konrad Rolandslied 57, 14 Gr.;

die (quadersteine) gâben alle reinen
und ûzerwelter varwe schîn.
gesmelzet und gemâlet drîn
was beidiu lâzûr unde golt
Konrad v. Würzburg troj. krieg 17466;

ähnlich: alle gesellschafter (sollen) zu gebührender dankbezeugung der erwiesenen ehre sich belieben lassen ein in gold geschmeltztes gemähle ... zu tragen Neumark neuspr. t. palmbaum (1668) 27.
in gold legen, einfassen, fassen:

als edelez gesteine, swâ man daz leit in daz golt
kaiser Heinrich in: minnes. frühl. 5, 14;

das (den unbezahlbaren wert) schüff manig stain so
der in daz rotte gold gelaitt wunnesan
waz uff den portten, so man saitt Göttweiger Trojanerkrieg 8961 Koppitz;

cludere auro in gold eynfassen Frisius dict. (1556) 236b; ein armer elender gott, der sich in gold fassen ... lest Luther 19, 422 W.; die wurzel dörre am lufft, fasse sie in gold und trags am blossen hals Gäbelkover artzneybuch (1596) 1, 45;

(ein horn) scharf wie geschliffner stahl ...,
unten in gold gefaszt
Tieck schr. (1828) 1, 240.

auf personen bezogen redensartlich als ausdruck besonderer wertschätzung: komme, mädchen, du bist viel geld werth, ich lasse dich dafür in gold einfassen Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 120; den Liebetraut mag der bischof in gold einfassen, er hat ein meisterstück gemacht Göthe I 8, 59 W. (Götz 2, 3); einen braven man sollte man in gold (ein)fassen Fischer schwäb. 3, 737; ich lasz dich in gold fassen will dich reich belohnen Müller-Fraureuth obersächs. 1, 429; vereinzelter mit gold fassen, einfassen:

... helme wol getân
hiez man mit in vüeren unde zwelf schilte
gevazzet (überzogen) mit golde Kudrun 303, 4 M.;

... wie sehr ein demant prahlet,
wan er mit gold ist eingefasset
Ph. Zesen verm. Helikon (1656) 1, 64;

vgl. frühmhd. mit golde bewürken in gleichem sinne:

den selben stain er (der teufel) scûhet,
swâ er lît oder stât
od in der mennischi hât
in sîner gewelte,
beworht mit golde an der hente himml. Jerusalem 143 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (1916) 59.


in gold schlagen, prägen: er (trug) seines verstorbenen herrn vaters bildnisz in gold gepräget stetig am halse Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 331b; (die) in gold geschlagenen münzen Mommsen röm. gesch. (1874) 1, 135; zu gold spinnen 'goldfäden herstellen' vgl. unten C 2 gesponnenes gold, oben Joh. Rothe ritterspiegel 1600, Mathesius Sarepta (1562) 58a und bildliches gold spinnen unter D 3 a sowie goldspinnerin. — mhd. mit golde beslahen, durhslahen 'mit goldfäden durchwirken': dhainerlay gewant, daz beslagen sei mit golde oder mit silber Nürnb. polizeiordn. 66 Baader;

einen gurtel hâte er umbe geleit,
der was mit golde wol durchslagen herzog Ernst B 3081 B.


C. für einzelne gegenstände aus gold, besonders in älterer sprache, die hier auf urtümlichem gebrauch fuszt.
1) seit alters für goldenen schmuck aller art, ringe, armreifen, spangen, stirnbänder, halsketten u. dgl.; vgl. ags. wunden gold 'goldring' Beowulf 1193, wudnan golde Widsið 129 und giwundan gold Heliand 554 Heyne für die ringspirale, die als älteste kunstform des im germ. siedlungsgebiet entdeckten goldes auftritt (vgl. Kauffmann dtsche altertumskde 1, 222); im stilbereich des germ. heldenliedes daher als collectivum von germ. *baugaz 'reif' oder *hringaz 'ring' gebraucht, vgl. ags. goldgyfa 'goldgeber,

[Bd. 8, Sp. 690]


fürst' Beowulf 2652 (neben bēaggyfa ebda 1102 und bôggeo Heliand 2739 Heyne); anord. gullmiðlandi (Atlakviða 37, 7), wo gold die goldenen ringe meint, die der fürst seinen kriegern und gastfreunden spendet, vgl. auch:

gulli soøriin gaglbiarta
hringom rauðomreifði hon húskarla Atlakviða 39, 1,

aber auch für ein einzelnes schmuckstück (ein brustgeschmeide):

ek bœti svábrest á gulli Volundarkviða 27, 2.


a) für einzelstücke, vgl. in bestimmenden zusammensetzungen got. figgragulþ (für gr. δακτύλιον) Luk. 15, 22, ahd. halsgolt monile, corolla Graff 4, 195, orgolt inauris ebda, halsgolt, houbetgolt mhd. wb. 1, 553; im mhd. gilt gold zumeist für den goldenen fingerring (anord. gullhringr), vgl. auch unten goldfinger:

an dem vierden (finger) du schen solt
daz vil wndirn schone golt,
da die man triwen
mit gemæchelent die vrwen Milstätter genesis 5, 35 Diemer;

ich erziugez mit dem goldedaz ich enhende hân Nibelungenlied 790, 2 L.;

unde lât ditz vingerlîn
ein geziuc der rede sîn.
ichn wart nie manne sô holt
dem ich ditz selbe golt
wolde lîhen ode gebn
Hartmann v. Aue Iwein 2948;

dô umbeslôz ouch Hartmuotdie meit ûz Irlant.
ir ietwederz dem anderndaz golt stiez an die hant Kudrun 1650, 2;

daz golt er an den vinger stiez
Ulrich v. Türheim Tristan 1012 v. d. Hagen.

zierat aus gold:

knebelbärt und kruszlecht har
spitze latzen, golde clar
uff dyn hembder negen lan, ...
das sindt als fantasten werck
Th. Murner narrenbeschwör. 48 ndr.;

für die krone: es ist auch unmüglich, das einem fromen menschen auch das allergeringste werck das er thuet alhie kund belonet werden, wenn man in gleich mit gold krönet Luther 32, 412 W.; denn es fünckelte ja wohl das königliche gold umb seinen weltbekannten scheitel Chr. Weise erznarren 133 ndr.;

von hier aus wird der bau des alten doms erblicket,
wo erst geweihtes gold die königshäupter schmücket bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 311.


b) kollektivisch 'goldenes schmuckwerk', wobei golddurchwirkte borten und kleidungsstücke oft mit einbegriffen sind; vgl. ags. cume manna gehwilc tô circan bûton golde and glæncgum bei Bosworth-Toller suppl. 482a und anord. búin gulli u. gullvarið 'goldgeschmückt':

ingiang er (der hohepriester Zacharias) tho skiorogoldo garo ziero
mit zinseru in hentithaz hus rouhenti
Otfrid I 4, 19;

ir golt in vor den brüsten wart von trähen sal Nibelungenlied 362, 3 L.;

die vrauwen wâren als sie soldin
mit golde wol behangin
Eilhard v. Oberg 6443 Lichtenst.;

bilche tregit der ritter an eme golt
und spangin an sime gewande
Joh. Rothe ritterspiegel 1583 Neum.;

ob sie (die finger) wol werden offt beleckt,
und mit viel rothem gold besteckt
Ringwaldt d. lauter warheit (1588) 144;

die glieder sterben mir, die augen sind gebrochen,
war dieses, dasz ich mich mit golde so behieng?
Simon Dach in: Königsberger dichterkreis 113 ndr.;

kurtz wird darauff ein groszes pferd erblicket,
mit golde schön belegt und reichlich auszgeschmücket
Dietr. v. d. Werder rasender Roland (1636) 1. ges. 72. str.;

(die frau) gieng prächtig gekleidet, war mit vielem golde behangen Wieland Lucian (1789) 4, 233;

[Bd. 8, Sp. 691]


urahnfrau liebte schmuck und gold
Göthe I 3, 368 W.

beliebt in verbindungen wie in gold und seide (sammet, purpur) gehen, gold und seide tragen u. ähnl.: schlechte diebe ligen ynn thormen und stocken, aber offentliche diebe gehen ynn gold und seyden Luther 15, 313 W.; darz (sollen sie) auch kein gold, seidenwath noch einiche andere kleider mit seiden belegt antragen keinswegs d. fürstenthumbs Wirtemberg newe landsordnung (1536) b 2a;

trägt wo einer gold und sammet ...
der musz vor im tantze gehn Königsberger dichterkreis 27 ndr.;

wo hirten wie ein fürst in gold und purpur gehn
B. Neukirch gedichte (1744) 151;

sie gieng in gold und seide
Uhland gedichte (1898) 1, 187;

vgl. die schtarrte (starrte) iber un iber von jold Brendicke Berliner wortsch. 128b.
2) speziell in der weberei und stickerei für die goldfäden, die besonders mit seide zu brokatstoff verwebt werden, vgl. anord. gullbóka 'in gold, mit goldfaden sticken', ags. godweb mit golde gefâgod bei Bosworth-Toller suppl. 482a:

(sie lernte) daz golt umbe de sîden dræn
bruder Philipp Marienleben 587 Rückert;

im bilde:

bis gegrüsset, rosen anger (Maria)
do du Christus wurde swanger,
do wandt siden zu dem golde
gotes wisheit als sie wolde (13. jh.) bei
Docen miscell. 2, 244;

von golde und von sîden
wurken wir die besten wât
Hartmann v. Aue Iwein 6386, vgl. 6198;

mit golde würken und mit sîden
bruder Philipp Marienleben 584 R.;

ouch macht man do di bestin unde di schonstin tepte (teppiche) von der werlde unde sidin gewant unde von golde richelichin gewurcht schone und gar geneme Marco Polo 3, 28 v. Tscharner; (ein) sommerkleid von zahrtem seidenen zeuge, mit golde durchwürkt Ph. Zesen Assenat (1679) 417;

mit golde er (der wâpenroc) gebildet was
Wolfram Parzival 71, 17;

... ein himel
von sammat rot, mit gold gesticket
Hans Sachs 2, 387 K.;

auf dessen gürtel sich gestickt mit golde zeigen ...
v. König ged. (1745) 45.


terminologisch im mhd. gespunnen golt (= goltvadem) 'gesponnenes gold', d. h. zu fäden verarbeitetes gold, auch der mit einem textilfaden zusammengedrehte golddraht (zur sache s. Heyne hausaltertümer 3, 328):

durchliuhtic edele steine ...
an gespunnem golde hiengen
Wolfram Willehalm 409, 25;

er quam nû grüener dan ein gras,
mit gespunnem golde ez (das wâpenkleit) al verworren was,
doch daz der luft wider einander wæte Lohengrin 2462 R.


gold als 'gewebe aus goldfäden, goldstoff', als goldborte, goldstickerei wie als goldbrokat für kleidungsstücke:

allez ir gewant
was von rôteme golde Nibelungenlied 72, 3 L.;

ein tiwer pfell von golde
gesteppet, als er wolde,
von palmât ûf ein matraz
Wolfram Willehalm 353, 19;

diz edel guot geræte (d. i. triuwe und stæte)
vil baz ein herren kleidet,
dan semit, pfellel, purpur, golt minnesinger 2, 389b v. d. Hagen;

Beramus der keiser ... bevilhet ..., (dasz) auff den sonntag jederman in den siebenden palast zuziehen sich gerüst mache, und in gantz gold ... sich bekleide H. Wetzel reise d. söhne Giaffers 163 lit. ver.; die hochwürdigen herrn ... waren dabey in grünen kleidern mit gold besetzt

[Bd. 8, Sp. 692]


gekleidet Nicolai reise d. Deutschland (1781) 2, 493; aber wo ist das rothe kleid mit gold, das du bei ihm bestellt hast? Lenz ges. schr. 1, 26 Tieck; ein lakai zu pferde, in prächtiger livree und von golde schimmernd Eichendorff s. w. (1864) 3, 377.
3) für goldenes trink- oder tafelgeschirr weniger häufig als die entsprechende bezeichnung des silbernen geschirrs durch silber (s. teil 10, 1, sp. 981): darumb erhebt die notturft die hölzine und gewachssene trinckgeschirr, daraus eben so wol der durst zuleschen als aus dem gold Fischart 3, 241 Hauffen; desto besser verstund ich auf gold und silber zu speisen Schiller 3, 401 G.; der könig liebt es, von gold zu speisen Tieck schr. (1828) 3, 285; sie sollen aus gold essen und aus gold trinken Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 7; poetisch:

er (gott) schencket ein
so voll, dasz das gold krönet
den wein
G. R. Weckherlin ged. 1, 79 Fischer

(dasz der rand des goldpokals wie eine krone den wein umschlieszt);

o du, der traube sohn, der im golde blinkt,
den freund, sonst niemand, lad' in die kühlung ein
Klopstock oden 1, 117 M.-P.;

doch darf ich bitten, bitt' ich eins:
lasz mir den besten becher weins
in purem golde reichen
Göthe I 1, 163 W.


4) gold als farbstoff, sowohl dort, wo es sich um die technik des auflegens von blattgold handelt, als auch da, wo ein flüssig aufgemalter, aus goldstaub (oder unechter goldbronze) hergestellter farbstoff gemeint ist, vgl. ags. bôca mid golde âwritenra Bosworth-Toller suppl. 482a, aurigraphus de mit golde scrived (voc. v. 1417, nd.) Diefenbach nov. gl. 43:

(das haus war) hôch, vest unde wît,
gemâlet gar von golde
Hartmann v. Aue Iwein 1141;

an dem (palas) die louben wâren vor
und der wende mûre
mit golde und mit lâsûre
geverwet und gezieret
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 17438;

das (hölzerne bildwerk) sicht man och etwenne mit grosser lust, so es wol geformiert und gebilt ist und úbergúlt ist. aber als man das golt ab geschabet, so were es kume zwelf phenning wert Tauler pred. 248 V.; item 2 m. Peter moler vor 6 fenchin (fähnchen) mit des meisters wopen mit golde zu molen, yo das stucke vor 10 scot. Marienburger treszlerbuch 313, 5 Joachim; ich mir den in gold getauchten pinsel eines trefflichen mahlers wünschen möchte Harsdörffer t. secretarius (1656) 1, 22; der name Leander soll (beim akrostichon) oben im stern mit gold geschrieben seyn v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 231; bei in gold schreiben tritt dagegen mehr der farbbegriff in den vordergrund, vgl. perarare carmina auro in gold schreyben oder mit guldinen bchstaben Frisius dict. (1556) 972b; noch 1213 liesz abt Peter von Hautvilliers die evangelien in gold schreiben Wattenbach d. schriftwesen im mittelalter (1896) 255. für den goldgrund:

und malt auf gold schön roth und blau
das bildnisz unserer lieben frau
Wilh. Busch d. heil. Antonius (1870) 18.


5) als heilmittel, besonders in goldhaltigen medikamenten, namentlich heiltränken, vgl. aurum potabile trinckgolt Henisch 1676 und trinkgold teil 11, 1, 2, 607 sowie tranck- und salbgold Grob dicht. versuchgabe (1678) 12, weiterhin trinkbar gold teil 11, 1, 2, 547; aurum haizt golt. daz ist warmer nâtûr, sam Platearius spricht. wenn man ez pulvert, sô hailt ez den auzsetzel und daz kratzen, wenn man es mischt mit edeln salben Konrad v. Megenberg buch d. natur 474, 11 Pf.;

das sesste ist des guldes krafft
der ess wol ubit mit meysterschafft,
ess machet di ussetzigen reine
wo man ess ntzet zupulvert kleine
Joh. Rothe lob d. keuschheit 3506 Neum.;

[Bd. 8, Sp. 693]


daz gold gebürt fridlich gesund frlich krafft manuale curatorum (1516) 86a; wan sie (die pferde) der schwindel ankompt, soll man sie hinden hinein reinigen mit wasser, darin man golt gesotten ..., mit fünff untz spat und vierdthalb untz öl M. Herr feldbau (1551) 189a; es machen die chymici aus dem gold eine arznei, welche sie aurum fulminans oder volatile, das donner- oder schlagende gold nennen Chr. Scriver goldpred. (1690) 41; im bilde:

künstler wissen aus dem gold einen edlen trank zu machen,
dieser ist in krankheit gut und verrichtet wundersachen
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 13;

der chymicorum trinkbar gold
verschmäht mein ekler mund
D. Stoppe Parnass (1735) 174;

trinkbar gold in bildlichem sinne für wein s. unter II A 1 d, sp. 704. vgl. auch die belege aus Megenberg und Gäbelkover unter I A 3 oben sp. 685.
D. seit den ältesten zeiten als das kostbarste metall geltend, war gold in besonderem masze inbegriff von wert und besitz und darum in handel und zahlungsverkehr der höchste wertmesser, vgl. wizz, DWB daz daz golt wirdiger ist wan alleu leiphaftigeu dinch, diu auz den elementen werdent, und ist edler wan die stain Konrad v. Megenberg buch d. natur 475, 21 Pf.
1) als das wertvollste der edelmetalle gern mit anderen kostbaren dingen paarig angeführt oder mit wertloseren kontrastiert; feste zwillingsformel ist seit alters gold und silber, vgl. auch die belege teil 10, 1, sp. 976:

(Matthäus) forlêt al saman
gold ende silubarendi gebâ managa Heliand 1197 Heyne (ohne biblisches vorbild!);

er leita sie uz keladene mit colde unde mit silbere (et eduxit eos cum argento et auro ps. 104, 37) Notker 2, 449 P.;

so zerget vil sciere
da diu werlt mit ist gezieret,
golt unde silber v. jüngsten gericht bei
Diemer 285, 28;

nun ist von natur ein jede flieg, schnack oder lausz edler und besser dann alles gold und silber auff einn hauffen, das hat doch ein leben und empfindung in im sprichw., schöne weise klugreden (1548) 68b;

der bettelmann zum bett raus sprang,
das hemd von gold und silber klang
Mittler dtsche volkslieder 158;

gold und silber sind das blut des staates Novalis schr. 2, 147 Minor;

gold und silber preis ich sehr,
könnt es auch wohl brauchen (1828)
Aug. Schnezler ged.3 (1852) 159.


kontrastiert mit weniger wertvollen metallen: alse man fon kuppere nicht gult gemachin inkan parad. anime intell. 129, 30 Str.; vielen hatte der krieg nichts mehr gelassen als ihre trauringe, freudig gaben sie 'gold für eisen', wie die sinnige inschrift auf den eisernen ringen lautete L. Häusser dtsche gesch. (1854) 4, 57. in zusammenstellung mit edelsteinen und sonstigen wertvollen dingen, vgl. got. gulþa aiþþau marikreitum aiþþau wastjom galaubaim (1. Tim. 2, 9) und anord. gull ok gimsteina Cleasby-Vigfusson 220a: truhtenes urteilda sint ware urteilda ..., harto lustsameren danne golt unde tiure stein (super aurum et lapidem preciosum ps. 18, 11) Notker 2, 59 P.; scaz unde schillinch unde golt unde gimme unde allen den tresen, den ich hûte hân oder vurbaz gewinne (12. jh.) in: Müllenhoff u. Scherer denkm.3 nr. 99, 14;

ja wart noch gimme noch daz golt,
daz in da mohte gelichen (den belohnten guten im himmel) v. d. jungesten tage 710 Will.;

die formelhafte paarung gimme und gold s. auch oben B 1; dise lúte (die besonders von gott begabten) werent des wúrdig daz sú berlin und golt essent Tauler pred. 31, 8 V.;

und wer die welt vielmal so weit,
von eddelstein und gold bereit,
so wer sie doch dir viel zu klein
zu sein ein enges wigelein
Luther w. 35, 461 W.;

[Bd. 8, Sp. 694]


wir beten nicht ... an die an gold und helffen bein zierreiche seulbilder S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) einl. 3b; gold und juwelen, schätze, die die zeit wie ein übermütiger Nabob in den abgrund schleudert E. T. A. Hoffmann s. w. 4, 15 Gr.;

ich kann um ihn (den nacken der geliebten) nicht perlen und nicht gold,
nichts als die schnur verliebter reime legen
A. Miegel balladen u. lieder (1922) 47.


neben wertvollen webstoffen, vgl. anord. gulli ok guðvefiom Guðrúnarhvot 16, 1 f.:

... the habda welonô (reichtümer) ginôg,
sinkas gisamnôdendi imu simlun was
garu mit golduendi mit godowebbiu Heliand 3331 Heyne;

ni losent thar in notigold noh diuro wati
Otfrid V 19, 45;

nû lât mir erfüllenzweinzec leitschrîn
von golde und ouch sîden Nibelungenlied 488, 3 L.;

er acht, dasz nit wer gstolen fast,
wann man nit stel golt und damast
Fischart 2, 51 Hauffen;

sind hofediener da, die, könig, dich begasten?
ist gold und sammet hier?
Tscherning getichte (1642) 4;

der ritter lag auf flaum,
um welchen gold und seide hing
Hölty gedichte 13 Halm.

im gegensatz zu wertlosen dingen meist bei bildlichem gebrauch, s. unten sp. 701.
2) als wertmesser und zahlungsmittel im handel, rechts- und zahlungsverkehr, bei belohnungen und geschenken; in älterer zeit zumeist nach gewicht bemessenes, zu schmuck, besonders armreifen verarbeitetes und anderes ungemünztes gold (hackgold) meinend, in neuerer meist auf goldmünzen bezogen; doch ist die beziehung häufig undeutlich, und gold gilt dann ganz allgemein als höchster wertmesser schlechthin.
a) nicht näher bestimmt, vielfach mit gewichts- oder anderen maszbezeichnungen (vgl. ags.viii healfmarcum âsodenes goldes bei Bosworth-Toller suppl. 482a, stent dâm bisceope eahta marca goldes ebda), seit dem 14. jh. sind aber meist goldmünzen gemeint:

zehen marc von golde,die heize ich dir nu tragen Nibelungenlied 241, 3 L.;

man gap dâ vil starke.
von golde drîzic marke
die gap man dâ vil manegem man
Hartmann v. Aue Erec 2176;

die des goldes da pflagen
von marke zu marke daz wagen Rennewart 12272 Hübner;

und de schiphere de dat gheld untfanged, schall geven ene marc gholdes (v. j. 1418) seerecht d. Hanse bei J. M. Pardessus coll. de lois maritimes 2, 468;

das es (das kind) ain rotten apffel näm
für tusent marck goldes liederbuch d. Hätzlerin 243 Haltaus;

so aber einer von jemanndt derohalb verclagt ... wurde, der soll ein marck gollds ... halb der oberkeitt ... und den anndern halben theil dem geschmechten verfalln sein Carolina 1, 215 Kohler-Scheel; in Schleswig hält eine hufe landes sechs marck goldes Krünitz 19, 275; 1 mark goldes = 144 'rieksdaler', als landmasz soviel, wie man dafür kaufen konnte, von verschiedener grösze, gewöhnlich 7 tonnen haferland oder 2⅚ tonnen hartkorn Mensing schlesw.-holst. 3, 592; also ein mensche wolte gon z dem babeste und wil ime bringen einen gulden, und der babest ... gap ime hundert tusent pfunt goldes wider Tauler pred. 100, 3 Vetter; ein gemeine, die wedir daz gesetze dunt, die git hundirt phunt gultis (14. jh.) gold. bulle 131 Altmann, vgl. dt. rechtswb. 4, 989; ich habe von einer tonne goldes sprechen hören Fontane ges. w. I 4, 280. in fester verbindung lötiges gold 'vollwichtiges gold', eine legierung, die das richtige quantum an gold enthält, wobei in der regel an münzmetall zu denken ist: daz derselb, der dawider tet, vervallen

[Bd. 8, Sp. 695]


wer 50 pfunt lötigs goldes (1400) städtechron. 1, 198; wann wer dowider tet, in welicher weise das were, der sol zu pene hundert mark lotigs goldes verfallen sein (v. j. 1431) chron. d. stadt Bamberg 1, 195 Chroust; dusent punt lodigen goldes (v. j. 1458) Lüb. urk. 9, 608; so gepieten wir demnach euch allen ... bey peen und straff zehen marck lötigs golts uns ... zu bezalen abschied d. reichstags zu Augsburg (1555) vorr. a 1a; mit 1480 marck lötiges goldes Micraelius Pommerland (1640) 3, 382; bey straffe ... funfzig mark löhtigen goldes oder 4800 reichsthaler in specie edict d. universität Kiel 1743 in: zs. d. ges. f. schlesw.-holst. gesch. 29 (1900) 347.
α) bei zahlung von sühne- und lösegeld spielte in altem rechtsbrauch (neben dem vieh) das gold eine besondere rolle, vor allem als wergeld, mit dem der tod eines erschlagenen gesühnt und die blutrache ver mieden werden konnte, vgl. z. b. anord.

úlfr er í ungom syni (des erschlagenen),
þótt hann sé gulli gladdr Sigrdrífomál 35, 7, sowie Guðrúnarkviða II 18, 2.


die wendung etwas mit gold aufwiegen (mhd. wegen, widerwegen), vgl. J. Grimm rechtsaltert.4 2, 246 und ztschr. f. dt. alt. 7, 134 ff. meint urpsrünglich 'einen getöteten menschen durch hergabe von gold aufwiegen' (vgl. auch anord. þá tóko vér þá hǫndom ok lǫgðom þeim fiǫrlausn at fylla otrbelginn með gulli ok hylia útan ok með rauðo gulli Reginsmál prosaeinl.), dann überhaupt für busze und allgemein für kaufpreis oder belohnung gebraucht:

unt hulfest im sîner suhte,
daz er leben mahte,
ich wæge dir in mit golde,
den selben mînen holden kaiserchron. 12491 Schr.;

vil gewis scoltu des sîn,
der dih mit golde wâge,
daz ih iz dâ fure nine nâme
pfaffe Konrad Rolandslied 154, 20 Gr.;

er sprach, daz er mit golde
si alle widerwege,
ob si gebunden legen
priester Wernher Maria 4182 Wesle;

daz ich mir selben eine maget
koufte harte tiure. ...
wan ich sî hâte widerwegen
zwênzic stunt mit golde
Konrad Fleck Flore 6569 Sommer;

ein frommes weib kan man mit gold nit überwegen sprichw., schöne weise klugr. (1548) 12a;

ich bin bereit mit gold es (das buch) aufzuwiegen
Lessing 3, 142 M.;

dem, der das haupt des Gracchus ... bringt, (werde) die regierung dasselbe buchstäblich mit gold aufwiegen Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 123; die wendung mit gold bezahlen s. unten b.
jünger belegt ist für lösegeld und buszzahlung die maszangabe ein schild (oder helm) voll gold u. ähnl.:

als schiere und im der kleine (Alberich)entweich dâ in den berc,
dô truoc er von der essedaz wunneclîche werc,
von golde liehter ringeeinen niuwen schilt vol Ortnit 176, 3 in: heldenbuch 3, 25 Amelung;

woll er sich aber lösen, so soll er geben ain raisschilt volln golt (vor 1355) österr. weist. 8, 982; der ist verfaln ain schilt golts (var. gulden) (anf. d. 16. jhs.) ebda 7, 42; wäre es aber ain edlmann, so soll er dem herrn den helm mit rottem golt überschütten (c. 1554) ebda 8, 154; so ist er dem rechten erbherren verfallen einen guldenen schilt vollen golt (c. 1605) ebda 8, 945.
β) gold als moderner währungstechnischer fachausdruck für den goldschatz (goldhort, goldkern), durch den in gesetzlich festgelegter höhe die banknoten (papiergeld) einer goldwährung (die sogen. goldkernwährung) von der beauftragten notenbank gedeckt werden: im deutschen bankgesetz vom 30. august 1924 sollen von den 40 v. h. (vom hundert). des notenumlaufs 10 v. h. durch devisen und 30 v. h. durch gold gedeckt sein Jul. Greifzu hdb. d. dtsch. kaufmanns (1938) 79; bekanntlich kann auch durch

[Bd. 8, Sp. 696]


gold gedecktes geld an wertbeständigkeit ein büszen, also geringere kaufkraft aufweisen, wenn die goldmenge im verhältnis zur gütermenge übermäszig gestiegen ist ebda 80; vgl. golddeckung.
b) eindeutiger für gemünztes gold, goldgeld, goldmünze, vgl. DWB gulden teil 4, 1, 6, sp. 1055 ff. und unten goldgulden, goldmünze, goldstück: sui (wer) mit valschin phennigin edir mit valschimi silbiri edir mit valscimi goldi bigrifphin wirt (um 1200) Mühlhäuser reichsrechtsbuch 115 Herb. Meyer; bi swem man vindet golt oder silber daz uber halp valsch ist ... den sol man umbe den valsch henchen (1276) Augsburger stadtrecht 107 Christ. Meyer; was geltz die herren ... also der stat paumeister geben, das ist alleweg muntz (silbergeld) als pfenning oder haller und kein golte E. Tucher baumeisterbuch 66, 16 L.; Ulenspiegel ... name das an und galt fünff c. alter schock (groschen) das z thun. des gaben sie im etlich gold daruff Eulenspiegel 44 ndr.; das er verbotten goldt in höchstem wert uszgeben wider alle der statt Cöln satzung und gewonhait ... des verbottnen rheinischen guldins zimm. chron.2 3, 163 B.; der artzt hat gelt (silbergeld), der jurist gold Henisch (1616) 1470; wir haltens vor gewisz, dasz ihre majestät in diesem wunderlichen gebäw (dem Escorial) vier und zwantzig million goldes spendiret und auffgewendet habe Landorp acta publ. (1668) 1, 226; (ich habe) gold und silber gegen papier (umgetauscht) Göthe III 3, 136 W.; ein röllchen gold ebda I 21, 138; (ein) beutel mit gold ebda 25, 135;

(korporal:) das lied nehm ich mir,
und das sturmlied, da nehm sie den groschen hier!
(Anne:) auf das gold kann ich ihnen nicht herausgeben
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 318;

nach dem essen wechselte ich mir gold ein, und dann gings zu schiff Hebbel s. w. 10, 41 Werner. blankes gold blanke goldmünzen: kannst du so einen beytrag wie vorsteht für den Merkur brauchen und dagegen dem guten manne mit blanckem golde helfen, so will ich gern das meine dazu thun dasz beyden theilen geholfen werde Göthe IV 8, 62 W.;

die mir das leben gaben, hatte ich
in meiner frühen kindheit schon verloren,
viel blanken goldes lieszen sie zurück
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 221.


die formelhafte wendung etwas mit gold bezahlen 'sehr teuer bezahlen' oder etwas nicht mit gold bezahlen können ist eine jüngere variante von etwas mit gold aufwiegen (s. oben a α), meist wird an goldmünzen gedacht: ich wollte auch nicht da bleiben, und wenn mir gleich jeder augenblick mit golde bezahlt würde Lessing 2, 273 M.; (wirtin:) nichts, und wenn sie es mit golde bezahlen wollten Iffland theatr. w. (1827) 2, 104; bildlich: hänge sie (die 8 seligkeiten in ps. 91, 14-16) auff deine brust als eine güldene kette von acht gleichen (gliedern), deren keines mit allem gold der welt zu bezahlen ist J. D. Frisch neukl. harpfe (1719) 819; so ist ... gewisz, dasz unsere bücher nit mit gold zu bezalen seyn Schwabe tintenfäszl (1745) 12; (Fiesco:) der brief ist nicht mit gold zu bezahlen! (mohr:) doch dank ich für silber Schiller 3, 89 G.; dat ös net met golt ze bezahle rhein. wb. 2, 1297; ähnlich: die blosz darum allen unschätzbar seyn sollte, weil sie mit keinem golde und mit keiner reue erkauft werden darf J. A. Cramer d. nord. aufseher (1758) 1, 26; fir guld nit gäb se ihrs (ihr kind) här Martin-Lienhart elsäss. 1, 213.
in gold 'in goldstücken': mag das nicht gehn, so soll die mutter Mercken schreiben, dasz der mirs (das geld) schickt. das schicklichste wär, in golde Göthe IV 3, 15 W.; da ich mein reisegeld in gold bei mir trug ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 209; (so dasz) die unternehmer gezwungen waren, ihren arbeitern in gold zu zahlen Doren Florentiner wolltuchindustrie (1901) 208. an golde, in golde und auch verkürzt nur gold als währungsangabe neben münzbezeichnungen im sinne von 'in goldmünze',

[Bd. 8, Sp. 697]


'in goldwährung', oft gegenüber geld (= silbergeld, silberwährung, vgl. teil 4, 1, 2, sp. 2898 sowie teil 4, 1, 6, sp. 1056 s. v. gulden): summa summarum das ich entphangen habe, oberal an gelde und an golde 750 fl. (1423) handelsrechn. d. dt. ordens 304 Sattler; vierzig guldin an golde und 44  13 sch. an werunge (v. j. 1380) Frankfurter urk. bei Lexer 3, 797; dat gy my sanden anderen halven gulden, 1 an golde, an gelde (v. j. 1458) Germania 10, 390; so han ich die guldin schnier beschlagen und wegent an gold 2 gulden und 3 ortt (v. j. 1467) privatbr. d. mittelalt. 1, 78 Steinhausen; da must ich 2 fl. an gold geben A. Dürer tageb. 50 Leitschuh; in berürten auszteilung dieselben anschleg, nach den quartaln an golt und müntz ..., auszteilen kammerger.-ordn. (1555) 71a; etlich hundert gulden an reinischem gold zimmer. chron.2 2, 586 B.; 60 guter rinischer guldin in gold (v. j. 1398) bei Fischer schwäb. 3, 909; ain reinischen guldin in gold zimmer. chron.2 4, 185 B.; das alles soll in mintz (silbergeld) und darnach in gold gerechnet (werden) (v. j. 1488) urk. z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 22 Kl.; 1060 fl. ungrisch in gold Ott Ruland handlungsbuch 4 lit. ver.; (ein) morgen weinwachs (trägt) 30 hllr. in gold städtechron. 2, 17; der oheim versprach (zu studienzwecken) hundert thaler in gold, die in einem adlichen gute standen J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 200; hochermeltem seligem fürsten Philippo ... lieferte zu seinen selbseignen handen ich einsmals etliche hundert gülden golt Kirchhof wendunmuth 2, 290 Öst.; so z. b. auch 100 taler gold gegenüber 100 taler silber, vgl. dazu teil 11, 1, 1, sp. 302 s. v. thaler.
c) allgemeiner geradezu wie 'geld' gebraucht, aber doch fast durchweg noch mit der vorstellung eines hohen, in goldmünzen zahlbaren betrages verknüpft:

ich wil haben meinen tail (erbteil)
und but den altag fail
umb bares gold Friedrich v. Schwaben 1649 Jell.;

man het gold da midde (dem verkauf der salbe) gelost
und arme lude da midde getrost Alsfelder passionsspiel 2813 Grein;

das eingehende gold dafür bitte ich an madame Reiske zu bezahlen Lessing 18, 315 M.; wer gold hat und zwanglos und gut und schön in Deutschland leben möchte Schubart leb. u. gesinn. 1 (1791) 183; gold wie heu Gotter ged. (1787) 1, 49; ströme von gold verschlang dieser krieg, aber man fand die mittel, sie sich zu verschaffen Ranke s. w. 1, 204; gedelt (geteilt) golt un geschneen (geschnitten) brout (brot) es boll alle rhein. wb. 2, 1296; formelhaft schweres gold neben häufigerem schweres geld: (ein heldenmut,) der seine lust und kurtzweil an kriegerischen handlungen sucht ... und die gefahr mit schwerem golde kauft, damit er seine begierde zu gewaltigen thaten ... damit stillen könne Breitinger crit. dichtk. (1740) 1, 353; wir finden Florenz daher in den händen fremder fürsten ..., die für schweres gold mit ihren truppen herbeigeholt werden H. Grimm Michelangelo (1890) 1, 21. oft in diesem sinne, wenn an bestechung, erkaufung mit einer groszen geldsumme gedacht wird, vgl. auro captus mit gold eynhin gereitzt oder gezöckt oder über gold verläckeret Frisius dict. (1556) 186a und ahd. iro zesewa ist fol mieton, sie uobent unreht umbe gold unde umbe silber Notker 2, 83 P.:

das recht ist bald mit gold umbkert
Seb. Brant narrenschiff 5 Zarncke;

der oberste richter alles fleisches ... richtet nicht nach gunst und ansehen der menschen oder andern affecten, lest ihm die hände nicht ubersilbern oder die zung mit golt beschweren D. Schaller theol. heroldt (1604) 223; eine hand voll gold ist schwerer denn ein sack voll recht und warheit Henisch (1616) 1677; wenn die gerechtigkeit für gold verblindet ..., übernimmt die schaubühne schwerd und waage Schiller 3, 514 G.; es fand selbst schon das gold der auswärtigen dynasten eingang bei den rathsherren von Rom Mommsen röm. gesch. 2 (61874) 65. in adjektivischer verbindung: im latein heiszt numen ein gott und nummus geld, welche beide des namens halber eine

[Bd. 8, Sp. 698]


rechte verwandtschaft tragen, daher dieser gelbsüchtige erdschrollen, dieser bleiche dalken soweit in seiner macht gestiegen, dasz die gewissenlose welt sowohl 'o allmächtiges gold' als 'o allmächtiger gott' zu seufzen pflegt Abr. a s. Clara schr. 2, 99 Strigl; allmächtig ist doch das gold, war da mein gedanke Schiller 3, 51 G.; ähnlich: t gold is mennigmâl föl starker as t regt (recht) Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 662; die formel gold und geld s. unter 3 b.
3) gold als inbegriff des reichtums, namentlich auch des beweglichen besitzes; der übergang zum bildlichen gebrauch (s. unten II) ist zwar vielfach flieszend, doch bleibt der begriff des reichtums zumeist mit der konkreten vorstellung des goldschatzes eng verbunden.
a) allgemein als der inbegriff des reichtums und des besitzes oder gewinnes: wunder ist, chit Augustinus, daz man geluste gerot, so si neist. wieo mahti in goldes lusten, ube gold neware? Notker 2, 505 P.; gnomisch:

waz sol golt begraben, des nieman wirt gewar? unter
Heinr. v. Morungen in: minnesangs frühling 137, 3;

was soll eingegraben rostig gold? thesaurus absconditus Henisch (1616) 1676;

wie, wenn ein sohn des goldes von schmeichlern und schuldnern
gestürzt wird
Lenz ged. 35 Weinhold;

nach golde drängt,
am golde hängt
doch alles! ach, wir armen!
Göthe I 14, 137 W. (Faust I, 2802);

die erde ist wie das gold: sie rächt sich an denen, die zuviel davon haben W. Weigand d. Löffelstelze (1919) 46. gold wird daher als sinnbild des irdischen oder materiellen besitzes in antithese zu himmlischen gütern oder idealen werten gesetzt, vgl. auch:

schaff, das dir got werd hold,
das hilfet dich für silber und gold schauspiele des mittelalters 1, 274 Mone;

sehet, wie sich das heyligthumb inn reichthumb verkeret hat, der geyst inn geitz, gott in golt, gottseligkeit inn gutseligkeit Fischart binenkorb (1588) 151b;

ach du so arme welt,
was ist dein gold und geld
hier gegen diese kronen (des himmels)
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 404b;

besser ists sonder geld und sonder gold zu seyn als sonder gott Kramer t.-ital. 2 (1702) 836b; hat man jene drei erhabenen ideen: gott, tugend und unsterblichkeit — die höchsten forderungen der vernunft genannt, so gibt es offenbar drei ihnen entsprechende forderungen der höheren sinnlichkeit: gold, gesundheit und langes leben Göthe II 3, 207 W.
α) sprichwörtlich: morgenstunde hat gold im munde, nach A. Götze ztschr. f. dtsche wortforsch. 13, 329 ff. die wohl im 16. jh. entstandene übersetzung eines neulat. spruches aurora habet aurum in ore mit dem sinne 'wer sein tagewerk früh beginnt, wird reich': die morgenstund hat gold im mund Jan Gruter floril. (1612) 3, prov. Germ. 21, vorher belegt in der form: morgenstund bringt brot und gold im munde Petri d. Teutschen weiszheit 2 (1604) Pp 5a; zahlreich sind die zeugnisse erst seit der mitte des 17. jh., s. die belege bei Götze a. a. o.: bey der welt heiszts: morgenstund hat gold im mund; bey dir, mein andächtiges hertz, soll es noch besser lauten, morgenstund hat gott im mund J. D. Frisch neukl. harpfe (1719) 987; bis heute allgemein geläufig, gelegentlich im wortlaut abweichend oder bewuszt variiert (vgl.aurora musis amica im lat. sprichwort):

denn führt Aurorens zeit das gold in ihrem munde,
so liebt ein musensohn auch ihre gldne stunde
Neukirch anfangsgründe (1724) 132;

denn die morgenstund
führt gold im mund
A. v. Arnim w. (1853) 13, 156;

doch mustu zusehen, dasz du früe niesest: denn morgenstunde hat gold im maule J. Prätorius philosophia colus (1662) 105;

[Bd. 8, Sp. 699]


ja, wenn man sie (die morgenstunde) zum küssen nimmt,
so hat sie freilich gold im munde bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 5, 88;

jetzt, o heilge morgenstunde,
gibst du mir wohl höhern lohn,
denn das gold aus deinem munde
bauet mir den goldnen thron
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 407;

hieran angeknüpft:

dies fabelchen führt gold im munde (sagt die wahrheit):
weicht aus dem recensentenhunde
Bürger s. w. 32b Bohtz.


β) redensartliches gold spinnen 'einen vorteil gewinnen, wohlhabend werden' knüpft vielleicht an ein märchenmotiv an, vgl.: ich (der müller) habe eine tochter, die kann stroh zu gold spinnen kinder- u. hausmärchen (1888) 1, 209, doch s. auch das häufigere seide spinnen teil 10, 1, sp. 175:

... wan die jugent nicht stehts gold
kan spinnen, ich sie schelt gantz miszlich
G. R. Weckherlin gedichte 2, 257 Fischer;

es war nicht wohl möglich, dasz er in den verhältnissen zu seiner schwägerin und zu seiner dritten poetischen gattin gold und seide spann Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 5, 30; golt bei jet (etwas) spennen vorteil bei einer sache haben rhein. wb. 2, 1296.
γ) im bereich von mythus, sage und märchen spielt das gold als inbegriff des reichtums eine besondere rolle, wie auch in der germ. heldensage; es gilt als habe und gabe göttlicher. dämonischer und elbischer wesen, der zwerge u. s. w., in christlicher zeit auch des teufels, vgl. dazu hwb. d. dtsch. märchens 2, 483-506 s. v. geldzauber, hwb. d. aberglaubens 3, 922; vgl. anord. einn dvergr hét Andvari ... Loki sá allt gull, þat er Andvari átti Reginsmál prosa 170 Neckel:

er (Siegfried) sach sô vil gesteines,sô wir hœren sagen,
hundert kanzwageneez heten niht getragen;
noch mê des rôten goldesvon Niblunge lant:
daz solt in (Schilbunc und Niblunc) allez teilendes küenen Sîfrides hant Nibelungenlied 93, 3 L.;

daz getwerc was sprüche frî;
'ich hân mêr goldes dan dîn drî',
alsô sprach der kleine Laurîn Laurin 282 Müllenhoff;

von fabeltieren bewacht (vgl. bereits bei Herodot iv, kap. 13 u. 27 über goldhütende greifen):

da ligint berge guldin
die nah golde liehtin schin
mit wúnnenclichim schine hant.
griffin noh tracken nieman lant
das selbe golt gewinnen da
Rudolf v. Ems weltchronik 1470 Ehr.,

vgl. Göthe I 15, 1, 136 W. (Faust 7582); ich selbst, ich will über dir wachen wie der zauberdrach über unterirdischem golde Schiller 3, 372 G.; dar umb spricht man: gê zuo dem teufel umb golt Konrad v. Megenberg buch d. natur 475, 12 Pf.
b) in zweigliedrigen, seltener dreigliedrigen, oft formelhaften verbindungen mit sinnähnlichen ausdrücken verknüpft: ih suohta got unde bediu gehorta er mih. sin selbes lusta mih nals goldes unde rihtuomes, dannan gehorta er mih Notker 2, 112 P.; das du (papst Leo) von wegen unnd in namen unszers hern Jesu Christi nit suchest yhr (der Türken) gold und reychtumb H. v. Cronberg schr. 38 ndr.;

da ne hilfet golt noh scaz v. jüngst. gericht bei
Diemer 289, 26;

was bringt man nicht aus der fremde? nicht nur gold und schätze Herder 15, 300 S.; feste formel ist gold und geld, vgl. auch geld und gold teil 4, 1, 2, sp. 2898:

(Priamus) brahte golt unde gelt
Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 15985 Fr.;

gold und gelt wend wir dir geben schausp. d. mittelalters 2, 251 Mone;

gold und geld macht yhn so keck Luther briefe 8, 578 W.;

hon wohl en gutes mädchen ich,
gäbs nit um gold und geld
maler Müller w. (1811) 1, 266;

[Bd. 8, Sp. 700]


summa summarum, das will gott, dasz wir dem gold und gut nicht dienen sollen mit geizen und sorgen Luther 14, 83 Erl.;

hat darum unser könig gold und gut
daran gesetzt, sein Böhmen aufzubringen?
Grillparzer s. w. 6, 81 Sauer;

Salomon, du weiser könig, ...
gib uns gut und gold und geld
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 90;

Christus gieng am bettelstab,
hatt weder goldt noch zytlich hab
Murner narrenbeschwörung 44 ndr.;

aus geiz und ha bsucht und um besitz und goldes willen Fontane ges. schr. I 2, 432;

joch meine ich niht die huoben noch der hêrren golt
Walther 125, 6;

ach, wär der fremde hohe herzensdieb
ein ritter doch vom adlichsten geblüte
hochherzig, reichbegabt mit gold und land
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 206.

weniger häufig in verbindung mit anderen begriffen wie macht, ansehen u. s. w.:

sprach Socrates, ich weisz noch nüt,
ob er hab ler und tugend üt,
als ob er sprech, das gwalt und golt
on ler der tugent nützet solt
Seb. Brant narrenschiff 10 Zarncke;

die reizenden gegenstände des genusses, die ansehen und gold allein verschaffen können Klinger w. (1809) 3, 5;

da gilt des menschen gold und stand viel mehr als edler sinn
R. Z. Becker mildh. liederbuch (1799) 66;

nach gold und vorrang gieren wir, mann und greis
J. H. Voss s. gedichte (1802) 3, 32;

nur tand sind pracht und gold und ruhm
Matthisson schriften (1825) 1, 15;

solch einen lohn verdient ein solches streben,
gold, ehre, ruhm, gesundes, langes leben,
und wissenschaft und tugend — auch vielleicht
Göthe I 15, 1, 109 W. (Faust II v. 6997).


c) als gängiges vergleichsobjekt, an dem der wert einer sache gemessen wird: etwas ist wertvoll wie gold, mehr wert als gold u. ähnl.; früh auch in festen formeln ausgeprägt, so namentlich goldes (gold) wert, seit mhd. zeit bezeugt, vgl. auch mnl. hope (hoffnung) es gouts wert bei Verwijs-Verdam 2, 2082:

ritter unde knehte wurden alle bi im rich.
er hete von in, swes er gert, ...
ir ellen was in manigen striten goldes wert minnesinger 3, 12b v. d. Hagen;

dein rath ist goldes werth Ramler fabellese (1783) 1, 77; es ist nicht zu viel gesagt, wenn man jedes blatt goldes werth nennt Göthe IV 19, 123 W.; was aber in dieser dürre schon gold werth wäre A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 230; solche kameraden sind goldes wert Liller kriegszeitung (1916) 3, 63; dër rëgen ist gold wërt Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; dat es golt (goldes) wert rhein. wb. 2, 1296; sprichwörtlich: eigen herd ist goldts werdt Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 20b;

das sprichwort sagt: ein eigner herd,
ein braves weib sind gold und perlen werth
Göthe I 14, 157 W.;

gekreuzt mit D 2 a α: bretonisch wort wiegt gold, sagt das sprichwort H. Laube ges. schr. 4 (1876) 110; vergleichbar auch: jedes wort, das er sagte, war so schweer wie gold Göthe IV 7, 121 W.;

... sprich, erzähle!
dein wort fällt schwer wie gold in meine brust
H. v. Kleist 3, 62 E. Schmidt;

frau Menz (zählte) die kartoffeln, die von ihr wie gold behandelt wurden, in den topf Fontane ges. w. I 6, 55; das ist guet (wertvoll) wi guld Hunziker Aargau 118.

[Bd. 8, Sp. 701]


alt auch in komparativischem vergleich:

ich bin im ouch vil holt,
daz hat er wol verscholt.
ich spriche ez bi dem eide,
er tet mir nie so leide,
ern wær mir lieber danne golt minnesinger 1, 350b v. d. Hagen;

durch got des bitet alle,
daz uns der lôn gevalle
der uns gote gehulde
— deist goldes übergulde (mehr wert als gold) —
nâch disem ellende
Hartmann v. Aue Erec 10133 Leitzm.;

to deme anderen male prijset de lerer rechte wyszheit boven golt Reinke de vos 229 Leitzmann;

für alles gold bin ich dir hold
auff diser erd kein grösser werd
ich acht vnd halt
Forster fr. t. liedlein 8 ndr.;

diese wort Pauli sind über alles gold, das uf und in dem erdrych ist Zwingli dtsche schr. 1, 80; gut freundt sind uber silber und uber gold Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 9a; die freiheyt ist über silber und gold sprichw., sch. weise klugr. (1548) 59a; arbitrium seu libertas auro potior est wille gehet für gold, sagt der papagoy, da sasz er im korbe Bas. Faber thes. (1587) 657b;

laut rieffe (ich) meinen schatz (Jesus)
der uber gold und gelde
bey mir gefunden platz
Spee trutznachtigall (1649) 47;

alle stücke, die wir von ihm besitzen, werden von allen freunden der musik höher als gold geschätzt Schubart ästh. d. tonkunst 49.
II. vielfältig in vergleichen, bildern und übertragenen anwendungen zu anderen dingen in beziehung gesetzt; vergleichbare dinge werden geradezu gold genannt, wobei sich sprachläufige metonymische prägungen entwickelt haben.
A. in vergleichen, die sich auf das aussehen des goldes beziehen (vgl. oben I A 1 a und b); farbe und glanz sind bestimmendes merkmal.
1) von dingen mit goldglänzender, goldgelber, leuchtend gelber farbe.
a) von leuchtenden körpern, besonders der sonne und ihren lichtwirkungen; 'goldfarbener schein, goldenes licht der sonne':

dû blüender plân (Maria)
lieht under sunnen golde pseudo-Gottfried. Marienpreis 23, 8 Wolff;

die sonne stralt zwar stets ...,
allein man sieht ihr gold nicht stets auf erden schimmern:
weil dicke wolken sich nur allzu oft bemühn,
den einflusz ihres lichts den menschen zu entziehn
Gottsched ged. (1751) 1, 369;

die tiefe bläue des himmels und das niederflieszende gold der sonne A. Stifter s. w. 2, 62 Sauer; absolut vom sonnenschein: hinten, über den dunklen lattenzaun, in der obstwiese und dem schnurgeraden gemüsgarten lag klares warmes gold Liller krz., sechste auslese (1914) 71; (es) erhob sich ins unendliche ein dämmerndes haus (der wald) mit tropfendem gold an grünlicher wand E. Wiechert d. kind u. d. wölfe in: Europastunde (1937) heft 7; hierzu auch:

hinweg! und leite mich, du schar von quellen,
die ihr durchspielt der matten grünes gold!
Mörike w2. 1, 35 Maync.

besonders von der rötlichen farbe der sonne am morgen und häufiger noch am abend vor sonnenuntergang:

eh noch Aurorens gold der berge höh durchstreift
A. v. Haller ged. 29 Hirzel;

erscheint in gold und gluth der angenehme morgen
J. N. Götz verm. ged. (1785) 3, 81;

in dem golde des morgens
wiegt sich wonnig die lerche
Justinus Kerner bilderbuch (1849) 317;

[Bd. 8, Sp. 702]


am ende der hohen lindenallee stand sie im golde der morgensonne wie ein wesen des elementes, welches sie umflosz ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 49;

wie lieblich blizt der abendsonne gold
durchs helle gryn der neubelaubten bysche
Wieland I 1, 411 akad.;

der welten erschuf, dort des tages sinkendes gold
und den staub hier voll gewürmegedräng, wer ist der?
Klopstock oden 1, 155 M.-P.;

da das gold des abends nicht nur um die zinnen ihres hauses, sondern auch um die aller übrigen flosz A. Stifter s. w. 3 (1911) 38; die späte sonne füllte die kleinen fensterscheiben des nahen hofes mit gold P. Dörfler d. notwender (1934) 7.
b) eine wohl urtümliche vorstellung, die anscheinend auf einer alten mythologischen beziehung zwischen sonne und gold beruht, erscheint in der verbreiteten formel die sonne geht zu golde oder in gold, für gold 'geht unter' ausgeprägt, s. dazu J. Grimm mythol.4 2, 618 und Pfeiffers Germania 18, 15, s. die belege bei Schmeller-Fr. 1, 895 (vgl. auch über die verbindung von gold und sonne in alten naturkundlichen vorstellungen oben im eingang von I A 1):

de sunne ging to golde,
do skrei he (der junge schreiber) overlud gesamtabenteuer 2, 319 v. d. Hagen;

des avendes na der tydt, dat de sunne to golde geyt (v. j. 1375) d. ält. Hamburger zunftrollen 251, 18 Rüdiger; alse de sunne to golde gingh serm. evang. 60d bei Schiller-Lübben 2, 132; dach by dage van der tyt, dat de sunne upgeit, wente an den avent, dat se to golde geit Ludolf v. Suchen reisebuch 32 Kosegarten;

dasz nun die sonne fast zu golde gehen soll
Opitz poemata (1629) 1, 100;

gleich der sonne, wann sie des abends, wie wir zu reden pflegen, zu golde gehet (v. j. 1733) bei Staub-Tobler 2, 225; die sonne gehet zu golde J. Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 48;

drum eilt! es ist bereits der tag zu golde gangen;
des lichts monarch erbleicht, und weicht der braunen nacht bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 172;

um 6 oder 7 — abendessen: dann ging der 'herr', so regelmäszig wie die sonne zu golde geht, in das ... wirthshaus Felix Dahn erinnerungen 3 (1892) 163; vgl. dialektisch:

die son gar nidrig stiht,
das sie gar bal zu goulde giht
K. Rother schles. sprichw. 2;

z gold gān (von der sonne) Staub-Tobler schweiz. 2, 224. —

diu sunne hete irn glast
geneiget und dar uf gelan
daz sie wolte in golt gan väterbuch 8246 Reiszenb.;

vor daz die sonne uf komt und nach der zid daz die sonne in golt goid (v. j. 1338) weist. 6, 399; vgl. dazu bisz daz die sonne in golt ... adder in gnaden ... adder neyddir gangen wer (z. j. 1466) Conrad Lange v. Fritzlar annal., zs. d. ver. f. hess. gesch. u. landeskde 57 (1929) 35, vgl. auch gnade teil 4, 1, 5, sp. 511;

die sonne geht in gold, so sprechen unsre bauern,
drum wird bei uns ihr licht nicht mehr gar lange tauern
Logau sinngedichte 42 Eitner;

so noch mundartlich de sunne giht ei goole K. Rother schles. sprichw. 2. — und am dritten tag, so die sonn für gold gat, so sond die pfand uszgerüft sin (schweiz. v. j. 1466) weist. 5, 150; ad solis occasum bisz die sonn für gold gadt oder nider gadt Frisius dict. (1556) 28a; occasus solis nidergang oder das vergold gon der sonnen ebda 903b; heute im schweiz. vergold gān Staub-Tobler 2, 224, auch vergold sīn untergegangen sein ebda.
c) seltener für den glanz des mondes, der gewöhnlich mit silber verglichen wird (vgl. teil 10, 1, sp. 983), häufiger aber von den sternen: in ahnungsvollem schweigen harrte der

[Bd. 8, Sp. 703]


wald, dasz die mondscheibe aufsteige und ihr schimmerndes gold über ihn ausstreue E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 175 Gr., doch vgl. der goldne mond bei golden B 1;

deine pflicht kanst du erlernen
von den sternen,
deren gold der sonne weicht
V. Canitz ged. (1727) 6;

auge, wem gleich ich dich?
bist du bläue der luft, wenn sie der abendstern
sanft mit golde beschimmert?
Klopstock oden 1, 55 M.-P.;

auf diesen glauben, glas so hold,
trink ich dich aus mit hohem mute.
klar spiegelt sich der sterne gold,
pokal, in deinem teuren blute
Justinus Kerner s. poet. w. 1, 214 (Hesse);

vom feuer:

es blinkt mit mystisch heilgem schimmer
vor ihm der flammen blasses gold
Göthe I 1, 50 W.


d) von der goldglänzenden und goldgelben farbe anderer dinge; besonders vom hellblonden haar, vgl. ahd. goltfahser auricomus Notker 1, 706 P., anord. gullhárr Cleasby-Vigfusson 220b, goldenes haar (bei golden B 2):

wan ir scheitel und ir hâr
was sô lieht und sô clâr,
daz ez gelîche golde gleiz
Konrad Fleck Flore 6885 Sommer;

sie war den jungen leuten holdt,
ir har gantz schön und glaisz wie goldt
Casp. Scheit d. frölich heimfart (1553) e 1;

ist denn meiner haare gold,
meiner wangen liecht und leben
euch zu dienen, wie ihr wolt,
mir zu hohn und spott gegeben?
S. Dach in: Königsb. dichterkreis 12 ndr.;

lasz deiner haare gold gar langsam silber werden
Hoffmannswaldau-Neukirch ged. (1727) 1, 48;

er war wieder ihr gegenüber gesessen, sein leuchtendes antlitz zu ihr emporgewendet, umwallt von dem flüssigen gold der haare A. Stifter s. w. 1, 295 Sauer; sien haar is so gel as gold Mensing schlesw.-holst. 2, 419. — poetisch mit besonderem gefühlsgehalt von goldglänzenden saiten eines instrumentes, vgl. goldene saiten bei golden sp. 740:

sohn, dein engel wird die harfe dir reichen
mit gold bespannt
Schubart s. ged. (1825) 1, 2;

süszer wohllaut schläft in der saiten gold
Schiller 11, 383 G.;

den tönen, die der saiten gold
Eugen entlockte
Gaudy s. w. (1844) 4, 8.

leuchtend goldgelbe farbe von obst und pflanzen, vor allem des reifen getreides und des laubes der bäume im herbst:

pomrantzen gülden von gestalt
seind viel in warmen landen,
da leucht mit gold wol mancher waldt
Spee trutznachtigall (1649) 124;

der äpfel reifes gold, durchstriemt mit purpurzügen,
beugt den gestützten ast und nähert sich dem mund
A. v. Haller gedichte 29 Hirzel;

dort in den nachen wirft mit kalter hand
sein letztes gold das herbstlich gelbe land
G. Herwegh ged. e. lebend. (1841) 190;

die ahornbäume leuchten in ihrem herrlichen gold E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 218;

gold der ähren, gold der reben!
E. M. Arndt s. w. 5, 276 R.-M.;

er (der hafer) neigte auch schon ins gold und hatte seine körner an den leichten fäden neben mir hängen A. Stifter s. w. 2 (1908) 334; 'musik', jauchzte er, sich reckend, übers erntefeld hin und war so stolz und glücklich, als habe er selbst all dies wogende gold von der sonne herabgezogen und über das darbende land ausgegossen E. Strausz freund Hein32 135; weissen (weizen) so gëlb wies gold im laden Staub-Tobler 2, 224;

der blumen helles gold ...
thürmt sich am stengel auf
A. v. Haller ged. 37 Hirzel;

[Bd. 8, Sp. 704]


wenn die rapsfelder in blüte standen und ihr gold ... über das bruchland ausstreuten Fontane ges. w. I 1, 155. als farbe des weines, vgl. wie ein alter abgelegner wein von farb dem gold gleich erschiene Grimmelshausen 2, 19 Keller; vermischt mit gold I C 5 (aurum potabile):

wie reich sind durch dein (des weines) trinkbar gold
die zungen singender poeten
Hagedorn poet. w. 3 (1757) 180;

er soff aus einem deckelglase
der edeln rebe trinkbar gold
Pfeffel poet. vers. (1790) 3, 83;

allgemeiner:

jetzt sollst du (trinkglas) mir gefüllet sein
mondhell mit gold der deutschen reben
Justinus Kerner ausgew. w. (1878) 1, 182;

denn in dem wein, im flüssgen gold,
da schwimmt — bei gott! dein bild so hold
Bauernfeld ges. schr. (1871) 3, 10;

(ich) trinke die schwere, düftereiche liebfrauenmilch, die wie weiches gold über meine zunge rinnt O. Gmelin sommer m. Cordelia (1933) 95.
2) als farbbezeichnung schlechthin gebraucht, vgl. ahd. goldfaro auratus, fulvus, crocus Gröger die ahd. kompositionsfuge (1911) 333 und goldfarb sp. 768; ähnlich schon:

der phellor varwe ist alse ein gras,
golt, lazûr unde wîz
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 187, 5 Singer;

daz der mezzink golt werd an der varb Konrad v. Megenberg buch d. natur 479 Pf.;

der hawt (der schlange) gar schön gespreckelt was
von grünen und prauner farb gezieret,
mit gold darunter gefloriret
Hans Sachs 9, 160 K.;

hier an diesem gräschen läuft ein würmchen empor, seine flügel sind grünlichtes gold Sal. Gesner schr. (1777) 1, 112;

auch das würmchen mit golde bedeckt, merkt auf!
ist es vielleicht nicht seelenlos? ist es unsterblich?
Klopstock oden 1, 136 M.-P.;

der andere reiter sah gespannten auges nach dem halb verdeckten, in grün und rothes gold verhüllten wasser hinab H. Laube ges. schr. (1875) 2, 7; eine zu grosze vorliebe für roth und gold verrathend in der wahl der teppiche M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 241; statt golden, in adjektivische oder adverbiale funktion übergehend, überwiegend poetisch: es ist nit alles gold, das gold gleiszt Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 84b;

seht die wasser, wie sie gleiten, ...
und die blumen roth und gold
sich bespiegeln, und so hold
thau in diese wellen weinen
Tieck schr. (1828) 1, 327;

stolz Karin zieht an ein oberkleid blau,
wovon jedes fädchen schimmerte gold
E. M. Arndt s. w. 6, 137 R.-M.;

anders dichterisch, zu II D gehörig, vgl. auch DWB golden D 2 a β:

aug, mein aug, was sinkst du nieder?
goldne träume, kommt ihr wieder?
weg du traum, so gold du bist,
hier auch lieb und leben ist
Göthe I 1, 78 W.


B. in vergleichen stehen namentlich die lauterkeit, reinheit, echtheit, beständigkeit des goldes, besonders seine unveränderlichkeit und dauerhaftigkeit im vordergrunde des bildbezuges, wobei gern an die feuerprobe (vgl. auch die belege oben I B 3 a) angeknüpft wird.
1) allgemein als sinnbild der reinheit, beständigkeit, dauerhaftigkeit, echtheit, vertrauenswürdigkeit, wahrheit: christenliche kirch, die biszher rain und unzerstört beliben ist als ain lawter gold und durchsichtig glas Berth. v. Chiemsee t. theol. 34 Reithm.; dein red seind on befleckt und probiert wie syben mal das gold im fewr Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 118 ndr.; deren standhaftigkeit ... wie das gold erprobt sei Ranke s. w. 15 (1877) 55;

letzter zweig von Pegens stamme,
lasz dich krönen die gedult,
dämpffe die verdammte flamme
durch der tugend keusches gold
v. Ziegler asiat. Banise (1689) 816;

[Bd. 8, Sp. 705]


nur am reinen golde der sittlichkeit nagt der zeitrost nicht Jean Paul s. w. (1827) 48, 174; die eigentlichen urkunden zur geschichte des Caesar gehören schon an sich zu den gediegensten schriften des alterthums, hier ist lauter reines gold Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 203; obwohl nicht aus allen (beobachtungen und berichten) lauteres gold flieszt Ritter erdkde (1822) 1, 31; und dann hätt ich mich auch gleich gegen den vorwurf vertheidigen können, ich sei ein windbeutel mit allen meinen citaten. das ist ein schreiendes unrecht, sie sind echt wie 24 karätiges gold L. Schücking in: A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 13; in mundartlichen redensarten, z. b. so gewiss als gold 'ganz sicher' Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; dat is so echt as gold Mensing schlesw.-holst. 2, 419. als symbol des glaubens: (die hl. drei könige) brahten im (dem Jesuskinde) golt und wihrch und mirrin. mit dem golde bedutten si, daz si daz glbeten specul. eccl. 38 Kelle;

gold, weyrauch, myrrhen gib ihm (dem kinde) schlecht,
das ist: gläub, beth und büsze recht bei
Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 112,

vgl. DWB des glaubens gold sp. 708.
2) vom menschlichen charakter, seine zuverlässigkeit, standhaftigkeit, treue symbolisierend:

ob ich den loben wolde
der dem geluterteme golde
so gliche begat
daz er falsches niht enhat
Herbort v. Fritzlar liet v. Troye 3128 Fr.;

der teufel verscht, daz er verderbe, gott daz er bewer das gold sprichw., schöne weise klugreden (1548) 96b;

ausz meines bruders ehegemahel,
der ehren vest wie gold und stahel,
... hastu ein wittib bald gemacht
J. Spreng Ilias (1610) 238a;

ihr seid gewisz nicht ächtes deutsches gold,
und scheut euch vor der probe
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 101;

so oft meine wünschelruthe über dem golde einer deutschen biederseele rukte Schubart leben u. gesinn. 2 (1793) 20; das lautere gold seines charakters Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 378; sein herz ist lauter wie gold Schiller 14, 206 G.; sein herz ist wie gold, und ich kenne mehrere züge des anspruchslosesten edelmuthes von ihm A. Stifter s. w. 1, 70 Sauer; der mann ist sicher wie gold Schiller 4, 192 G.; er ist ein ganzer jäger, zuverlässig wie gold Göthe I 12, 234 W.; he is so erlik as gold Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 662; des ist ein mann wie gold Fischer schwäb. 3, 737; besonders als sinnbild der treue (wie im mhd. sonst der adamas, vgl. mhd. wb. 1, 7), oft in zusammenhang mit der symbolik des goldenen fingerringes (vgl. Wilh. Grimm deutsche fingernamen in: kl. schr. 3, 441 f., H. Neumann d. lob d. keuschheit, ein lehrged. v. Joh. Rothe [1934] 98):

er (gott) hat mich in die hand geschrieben,
mit lauterm golde seiner treu
Salomo Franck geistliche poesie (1685) 53;

mein trauter war so lieb und hold,
war lauter, echt und treu wie gold,
und aller falschheit leer
Bürger s. w. 47a Bohtz;

dann (nach der besiegung Napoleons) sieht Europens freies geschlecht nicht mehr
... das edle gold der alten treue
gleich der besudelten münze wechselnd
v. Stägemann kriegsgesänge (1813) 10;

seinen grundsätzen war er treu wie gold Hippel lebensläufe (1778) 2, 174; (er) rief bei anbruch der nacht auch die übrigen knechte zusammen, sieben an der zahl, treu ihm jedweder wie gold Heinr. v. Kleist 3, 167 E. Schmidt; en mann treu wie gold von goldlauterm charakter Staub-Tobler schweiz. 2, 224; he is tru as gold Mensing schlesw.-holst. 2, 419; su treu wie golt, mar net eso echte rhein. wb. 2, 1295; vgl. unten treu II 6, teil 11, 1, 2, 269.
C. häufig richten sich vergleich, bild und metonymischer gebrauch auf den hohen wert, die besondere kostbarkeit des goldes.

[Bd. 8, Sp. 706]



1) im betonten gegensatz zu weniger wertvollen oder wertlosen dingen gilt gold als symbol eines besonderen wertes: infixus sum in limo profundi. waz chit daz? haesi in illis, tenuerunt me, occiderunt me, horo sint sie, wanda sie de terra sint, cold wurdin sie, ube sie mir uffolgen woltin ze himele Notker 2, 263 P.;

der nimt vür golt griez unde sant
Hugo v. Trimberg renner 2368 Ehr.;

und schlieszen, das der ehestand gollt und der geystlich stand dreck ist Luther 12, 108 W.; das du ... dreck fur goldt bezalest ebda 18, 148; frisz dreck und scheisz gold, so werden dir die maidlein hold M. Neander sprichw. 13 Ladendorf; doch ich will ohne vorgefaszte meinung zu seinem commentar (Klotzens über Horaz): wie schwer wirds, in diesem staube gold zu suchen! Herder 3, 330 S.; in Klopstocks republik wird mancher aldermann selbst nicht finden, was er gesucht hat, nicht gold, sondern schlacken Gleim briefwechsel 1, 170 Körte; ein philosophischer kunstrichter ... soll das un bestimmte bestimmen, das falsche ausmärzen, schlacken und gold voneinander sondern Gerstenberg recensionen 173 lit.-denkm.; was nach ausscheidung der fremden beimischungen als geschichtliches gold übrig blieb D. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, 38; sol er hinagevarner salig sin, so tuot iz des kenada, der an sih nam foenum, daz er daruz kolt machoti Notker 2, 431 P.; golt wird darumb nicht stro, obs ein dieb stelet und misbraucht Luther 26, 161 W.;

der mann, der das wenn und das aber erdacht,
hat sicher aus häckerling gold schon gemacht
Bürger s. w. 67a Bohtz,

vgl. Wander 3, 374. im kontrast zu anderen metallen geringeren wertes mit gnomischer prägnanz, besonders in älterer sprache bei verbalen fügungen mit dem sinne von 'wertloses gegen wertvolles eintauschen':

(frauen) dî nouwe tin (zinn)
nemen vore alt golt
H. v. Veldeke in: minnesangs frühl. 62, 22 v. Kraus;

(würde ich euer kebsweib,)
sô het ich vür daz golt gelesen
daz kupfer und den messinc
Heinrich v. d. Türlin krone 11358;

ir habet mir gegen golde
kupfer unde blî gewegen
Konrad v. Würzburg Engelhard 3704 Haupt;

du bist ein tœrscher wehselære ...
und gîst doch umbe kupher golt
Thomasin v. Zirclaria d. wälsche gast 8122 Rückert;

o Christe, wie ist das golt in kupffer verkert! Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 39 Kück; gelihen goldt wirt zu blei, wann mans wider fordert Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 183b; oft wechselst du wie Glaucus und Diomedes gold gegen bley Hippel über die ehe (1774) 71; umgekehrt:

wie übele si dâ (auf der reise) kunden
werben nâch der spîse,
doch wâren si sô wîse,
si wehselten umb silber golt Biterolf 2367 Jän.;

fürwar das glück wil uns mit gantzem fleisz schmeichlen, dann wir bekommen jetzt golt für eysen, gut essen und trincken für hunger buch d. liebe (1587) 218d. sprichwörtlich: reden ist silber, schweigen ist gold, vgl. Fischer schwäb. 3, 737 und Wander 3, 1559; während sie dem kinde doch nur die erfahrung voraushatte, dasz schweigen nicht silber, sondern gold ist E. Wiechert wälder u. menschen (1936) 8.
2) etwas ist gold 'hat einen besonders groszen wert wie gold'. mit negativer wendung im alten sprichwort es ist nicht alles gold was gleiszt, glänzt, blinkt mit dem sinne 'nicht alles, was schön aussieht, hat wirklichen wert':

er irvolte daz altsprochene wort: ...
iz en ist nicht allez golt daz da glizzit
pfaffe Konrad Rolandslied 71, 17 Gr.;

ez ensî ouch allez golt niht,
daz man doch glîzen siht
Stricker Karl 2503 Bartsch;

[Bd. 8, Sp. 707]


es müste nicht alles gold sein, was da gleisset Luther 26, 548 W.; wie mein mann seliger zu sagen pflag, s ist nicht alles gold, was gleist J. J. Chr. Bode Thomas Jones (1786) 3, 268; vgl. noch: es ist nicht alles gold, was gleiszt Karl Rother schles. sprichw. 234; nach dem man nun die feind also von stuck zu stuck erwegen, so wird man befinden, nach dem frantzösischen sprichwort, dasz nicht alles gold ist was gläntzet Fischart discours (1589) g 1a; wenn sich ... die sonne in den fenstern der ... häuser spiegelte, so dachte der ... wanderer selten daran, dasz nicht alles gold ist, was glänzt W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 24; es ist nicht alles gold, was blinkt Bauer-Collitz waldeck. 253a; et es net alles golt, wat blänkt rhein. wb. 2, 1296.
auch im allgemeinen gebrauch: wie war aber solches im grundt erfunden werd, will ich yetzt nicht mit den heiligen vättern bewären, deren schrifft lautter gold sein Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 2, 6b; auch beym Sokrates ist nicht alles gold! Heinse s. w. 4, 290 Schüddekopf; alles stimmt dahin, ... dasz ihre idee mit dem einmauern gold war Nestroy ges. w. (1890) 2, 13; der dünger ... der is gold für den landwirt G. Hauptmann einsame menschen (1891) 116; sie ist bei ihm s gold auf dem trühle gilt bei ihm alles Fischer schwäb. 3, 737.
in gegenüberstellung etwas ist gold 'ist schön, angenehm' im hinblick auf etwas anderes unerfreuliches zumeist mit gegen (älter erscheint golden gegen, vgl. DWB golden D 1 a): aber seyd ihr nicht reines gold gegen diese auf den kopf gestellten bilder? Fouqué gefühle (1819) 1, 80; da is det zeich (zeug) ja jold jejen den seint (seines) Brendicke Berliner wortsch. 128b; dreck is golt dergege! rhein. wb. 2, 1296. so redensartlich heute als ausruf verbreitet das ist ja gold dagegen!, vgl. z. b. dat es golt derjent 'es ist unvergleichlich mehr wert' rhein. wb. 2, 1296; dat wīf hett weer efräiet (gefreit) un de twäide keerl es gold tiägen dän iärsten Frederking Hahlen 45; von ihren groszeltern konnten sie hören, dasz die jetzige zeit gold war im vergleich zur früheren M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 116; ähnlich:

dann wars ja gold, wie mich die bank
erst einmal angstellt hat
Jos. Weinheber Wien wörtlich (1935) 60.


3) schlechthin als sinnbild des wertvollen, schätzbaren und guten.
a) als inbegriff aller kostbarkeit in der bezeichnung des liebenden für die geliebte, mit stark subjektivem gefühlsgehalt (wie schatz teil 8, sp. 2278 und hort teil 4, 2, sp. 1835), vgl. als vorstufe:

ir herze wart von grunde
Engelharte unmâzen holt.
der eine was ir als daz golt
und der ander (Dietrich) als der wint
Konrad v. Würzburg Engelh. 1238 Haupt;

hab dank, liebes zartes gold,
ich muesz dir immer werden hold fastnachtspiele 402, 5 Keller;

addio, gold! Göthe IV 3, 74 W.; ja, lieb gold, ich glaub wohl, dasz ihre liebe zu mir mit dem absein wächst ebda 172; gölde golt (goldenes gold) 'liebste' rhein. wb. 2, 1297; ähnlich gefühlsbetont für Christus als den seelenbräutigam:

ey so gieb mir doch die kräffte,
schönste perle, feinstes gold,
dasz ich, wie ich längst gewolt,
meinem hertzen dich einhäffte
A. Silesius heil. seelenlust 20 ndr.


b) auf sachliche objekte und abstracta zielend, deren besitz oder wert so kostbar wie gold ist; noch streng im bilde:

ich was den sunden also hold,
das ich die sam das gold
verparc in meins herczen schrein
H. v. Burgus d. seele rat 5154 Rosenfeld;

ob sei es nicht alles ausgericht haben, so ist doch yhr hertz und meynung gut. in magnis voluisse satis est. wer kans alles zu gold machen? Luther 26, 543 W.; vgl.

[Bd. 8, Sp. 708]


en gode menong mat (macht) all werke ze golt rhein. wb. 2, 1297;

der schönheit (so ihr gold) erquickend-reicher glantz
krönet ihr wehrtes haupt mit wahrer weiszheit krantz,
ihr leib von tugenten, als kleinoten, gantz gläntzet
Weckherlin ged. 2, 314 Fischer;

welcher ... das gold seines verstandes auff den probierstein der sterbligkeit streichet v. Ziegler asiat. Banise (1689) 132;

schwärmer prägen den stempel des geists auf lügen und unsinn,
wem der probierstein fehlt, hält sie für redliches gold
Göthe I 1, 321 W.;

die zauberruthe, die, nach dem helleren golde,
dem neuen gedanken, zuckt
Klopstock oden 1, 221 M.-P.;

man sieht, wie der ungemeine geist des Leonardo aus allen dingen ... gold zu ziehen wuszte Wackenroder herzensergiesz. (1797) 74; die minuten sind von gold, so wichtig, und fallen dahin A. v. Chamisso w. (1836) 5, 188; abstrakter in religiöser und poetischer sprache: dasz gott mit solcher ruoten oder züchtigung ... inen das gold in buosen lege (v. j. 1584) bei Staub-Tobler 2, 224;

legt hie an diese wahre (ehre und zucht),
die nicht verderben kan,
das thewre gold (den wertvollen teil) der jahre,
die zarte jugend an!
S. Dach in: Königsb. dichterkreis 10 ndr.;

hier (an der krippe des Jesuskindes) sind alle gute
und das gold, da ihr sollt gaben
euer herz mit laben
Paul Gerhardt 182 Ebeling;

wer sein gold, das ist seine klugheit, nicht in gefahr setzen ... wolle, derselbe sey genöthiget ... eine höltzerne decke darüber zu legen Chr. Weise pol. redner (1677) 54; enthält diese sammlung, sowohl in materie als form, echtes poetisches gold, so fassen es ... vermuthlich nur wenige bogen Bürger s. w. 327a Bohtz.
c) vielfach in genitivumschreibungen:

fürstin, eure himmels-gaben,
die ihr habt, wie euch sie haben,
sind verfast und spielen weit
durch das gold der frömigkeit
Logau sinnged. 229 Eitner;

dasz er (der adel) in das feine gold guter sitten und wissenschaften versetzet werde Lohenstein Arminius (1689) 1, vorber. c 1a; das kostliche gold des wahren glaubens d. wohlgeplagte priester (1695) 154; das reine gold der wahrheiten Wieland s. w. 31 (1799) 20;

der palatinus wagt die edle tochter
an seiner guten sache reines gold
Schiller 15, 2, 501 G.;

miszbrauchte man des glaubens gold zu ketten
Zach. Werner Martin Luther (1807) viii;

o du heiliges gold des gewissens, wie schnell und schön strafst du das herz, das beginnet, selbstsüchtig zu werden A. Stifter s. w. 1, 302 Sauer;

rühmt der freyheit edles gold
Gottsched ged. (1751) 1, 270;

aus schwarzer nacht durch rotes blut zu der freiheit gold P. Dörfler d. notwender (1934) 13; vgl.goldene freiheit bei golden D 1 e.
D. gold gilt seines glanzes wegen als inbegriff von schönheit und pracht, vgl. die belege bei I A 1 b ende; in dieser beurteilung in mhd. dichtung als vergleichsobjekt für die strahlende erscheinung weiblicher schönheit:

underwîlen blickenman Prünhilde sach
an vrowen Kriemhilde,diu schœne was genuoc:
ir varwe gên dem goldeden glanz vil hêrlîchen truoc Nibelungenlied 742, 4 L.;

'merzi', sprach Gandin, 'bele Isolt,
schœne und schœner danne golt
in Gandines ougen
Gottfried v. Straszburg Tristan 13136 R.

sonst erst im nhd. als symbol des schönen bezeugt, so vom wohllaut der sprache oder dichtung: wie das lautere gold ...

[Bd. 8, Sp. 709]


der hochdeutschen sprache ... entsprüszet Zesen rosenmând (1651) titelblatt;

wenn er in ihr (der dichter in der sprache) anlage zum silbenmasz
ausforscht, und gleichwohl schüchtern diesz gold nicht gräbt
Klopstock oden 2, 58 M.-P.;

doch du, um die in ewgem schwunge
die welt sich dreht, o poesie,
o lege gold auf meine zunge,
und in mein herz giesz melodie!
Arno Holz in mod. dichtercharaktere (1885) 151;

allgemeiner gefaszt:

sey nur den deutschen musen hold!
so wird der freyen künste gold
durch deiner gnade beystand glänzen
Gottsched neueste ged. (1750) 15;

wie gold glänzt es (das schöne) ins auge und leuchtet Herder 22, 55 S.;

schön, wie das ewige, ist euer (der jünglinge) bildnis,
ähnlich gott. doch ihr seid nur ein anfang,
nur von auszen: aus gold, wie die götter
Jos. Weinheber späte krone (1936) 72;

vergleichbar:

heut ist fürwahr ein sondrer tag (ein geburtstag),
er deucht mir ganz von golde!
Mörike w.2 1, 239 Maync;

en tag wie gold (so schön) Staub-Tobler schweiz. 2, 224. auch mit dem beisinn des täuschenden, äuszerlich schönen scheines, vgl. schon: als daz gold den schin von im lat, also tt dú welt, si zaiget schnes leben St. Georgener prediger 110, 2 Rieder;

ich kenn ein höllisch volck, die brüder der Erinnen,
ein art von auszen gold und lauter koth von innen
Logau sinnged. 630 E.;

(die bösen engel, die) teufel für gottheiten anbeteten, die sie mit zierlichen religionen voll bunten gepränges und goldes ausschmücketen Bodmer samml. crit. poet. schr. (1741) 1, 24. redensartlich: einem nicht trauen, und wenn er von gold wäre Bauer-Collitz waldeck. 253b; gold im munde schöne, aber nichtssagende worte, vgl. DWB gold im munde, blei im hertzen Rother schles. sprichw. 322; sinnbildlich für leere pracht: gold (d. h. goldene tressen) up de kragen, hunger in de magen Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 662.
E. als bezeichnung für andere rohstoffe, besonders mineralien, die nach ihrem aussehen oder bestimmten eigenschaften mit gold vergleichbar sind und durch ein kennzeichnendes adjektiv vom eigentlichen gold unterschieden werden, vgl. auch DWB katzengold teil 5, sp. 295; rheinisches gold für ein mineral (turmalin), das in der schmuckindustrie verwendung findet, vgl. schirl teil 9, sp. 208 und schörl ebda 1578: man findet darauff (auf dem Fichtelberg) schirell, das man rhenisch golt nennet M. v. Kemnat chron. Friedrichs I. 82 Hofmann; dan allain die Venediger das rhenisch golt konnen recht schmelzen und zu gut bringen ebda; für messing gibt Diefenbach gl. 400b die glossierung: orichalcum dunne golt (15. jh., nd.); ironisch: dat es golt van enem pifereng (pfeifenring) 'messing' rhein. wb. 2, 1296; Glattfelder gold 'katzengold' Staub-Tobler schweiz. 2, 224. euphemistisch gemeint: gold 'menschenkot als fischköder' Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; een haufen jold menschenkot Brendicke Berliner wortsch. 128b, vgl. DWB goldgrube ebda, und goldgräber 'abtritträumer' v. j. 1443 bei Lexer 1, 1048 sowie: canalitium aurum gold das ausz den söden kompt Frisius dict. (1556) 179a. alchemistisch für quecksilber: dasz weisze goldt, darinn kein metall untergeht als allein dasz goldt Mart. Ruland lex. alchem. (1612) 91. seit dem 18. jh. weiszes gold für das platin: von dem weiszen gold oder siebenten metall, in Spanien platina del Pinto, kleines silber vom Pinto genannt (v. j. 1752) Scheffer bei B. Neumann d. metalle (1904) 355; das mineralische (reich wird) mit einem neuen metalle, der platina, als einem weiszen golde, erweitert Gottsched das neueste 8 (1758) 922; man macht zwar das weisze gold, welches seit 1741 an

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dem Rio di Pinto ... gefunden wird ..., zu dem achten metall, allein ... dasselbe (scheint) nichts anders als ein mit eisensand vermischtes gold Krünitz 19 (1780) 275. dann auch auf andere weisze stoffe übertragen, die an wirtschaftlichem wert dem golde gleichkommen: die starke zurückdrängung des flachses durch das 'weisze gold', die baumwolle dtsche allg. zeit. v. 31. xii. 1936; das weisze gold, der salpeter, liegt hoch oben auf den zwei- bis dreitausend meter hohen ungeheuren plateaus, den salpeterpampas G. Plüschow segelfahrt ins wunderland (1926) 161.
 
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goldabflusz, m., zu gold I D 2 a β: als im frühjahr 1836 wegen beträchtlichen goldabflusses nach Amerika die bank von England ihren diskont erhöhte hwb. d. staatswiss.2 5, 428; gelegentliche kleine goldabflüsse ins ausland Frankf. zeitg. vom 13. 3. 1913. —