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gilfen bis gilgenblatt (Bd. 7, Sp. 7503 bis 7507)
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[Bd. 7, Sp. 7503]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gilfen, vb., schreien, seitenform zu gelfen (vgl. teil 4, 1, 2, 3014). gilfen entspricht älterniederl. ghilpen, 'pipillare'; vgl. ablautendes gülfen (teil 4, 1, 2, 3014 sowie 4, 1, 6, 1071), dazu noch dän. gylpe 'schluchzen, wie ein rabe schreien', weiteres bei Falk-Torp 363, Walde-Pokorny 1, 628. mit dem letztlich lautnachahmenden charakter der sippe hängt wohl die sonst schwer erklärbare bildung von gilfen zusammen; gilpen, gilfen im elementarablaut zu galfen, galpen teil 4, 1, 1, 1160. doch vgl. unten gillen. vereinzelt als gilpfen: das hünlein pfipffset und gilpffet Straszburger quelle von 1637 in d. zs. f. dt. wortf. 11, 172. mundartlich heute bes. schwäbisch lebendig, doch auch sonst verbreitet, s. unten. literarisch besonders im schwäbischalemannischen neben gelfen geläufig. hier ist auch mit der rundung gülfen zu rechnen, sieh Fischer schwäb. 3, 658. bis ins 18. jh. in der bedeutung 'klagend schreien' besonders in geistlichem schrifttum gängig: auch die wilden thier werdend zu dir gilfen, wie die wasserbäch ausgetrocknet seind Züricher bibel (1530) 426b; auch uberkommen die klosterleut wol so vil von den freunden durch teglich gilffen und geylen, das sy jre erbschafft auch bey bringen Eberlin v. Günzburg 133 ndr.; stehend im zusammenklang und reim mit hilf, hilfst u. s. w. sowie in synonymischer, steigernder verbindung:

umb hilff ich gilff zu dir, Christe
Hans Sachs 22, 104 lit. ver.;

mein gaist nach deiner (gottes) hilff zu gilfen (tag und nacht
gewartend deines trosts) mit schwachheit wird beschweret
G. R. Weckherlin gedichte 1, 382 lit. ver.;

wann er in angst laut schreit und gilfft,
doch niemand hilfft
Burkard Waldis psalter (1553) 27b;

da wirt ruffen zu gott seyn mit wehe, zittern, zagen, gilffen, schreyen, ... mit heulen vnd weinen volksbuch v. dr. Faust 37 Braune;

hilf, Jesu, hilf, ach, Jesu, hilf.
wer das begehrt, schrei, seuftz und gilf
Joh. Val. Andreä bei
Fischer-Tümpel 3, 250;

kannst du nicht mehr gilffen, so seuffze Otho evangel. krankentrost (1671) 248. nach dem ende des 17. jh. seltener: hör ich dich doch offt selbsten gilffen: ich liege gefangen im kercker der sünden J. D. Frisch neuklingende harpfe (Stuttgart 1719) 1232; gilffen und seuffzen ebenda 547; gilffen und lamentieren ebda 282; vgl. noch:

sattgeplagte müde seele,
ausgegilfter matter geist,
auf, verlasz die kammerhöle!
Magd Sib. Riegerin ged. neueste samml. (Carlsruhe 1754) 131.


im neueren schrifttum nur noch als lautmalendes wort für helles, hohes, klagendes schreien von tieren: mit verlust des schwanzes, der unter jämmerlichem gilfen (des vogels) dem fänger in der hand blieb G. Gerok Karl Gerok ein lebensbild (1897) 292; ganz eigentümlich ist der ton (der weiszwale) ... derselbe gleicht dem gilfen eines ferkels und ist sehr durchdringend und laut M. Th. v. Heuglin reise in Norwegen und Spitzbergen (1872) 1, 122; von auszen hörte er schon das schluchzen und gilfen des hundes, der ihn erkannt hatte E. Strausz kreuzungen (1925) 156; 108. diese neuere verwendung greift auf die mundart zurück, in der das wort lebendig geblieben ist; vgl. besonders schwäbisch gilfen, 'vom wimmern des kranken, vom schrillen schrei des getretenen hundes, von dem leisen ton junger vögel' Fischer 3, 658; gilfa 'klagen, betteln' Kuen oberschwäb. wb. 19; gilfen 'laut schreiend und schnell reden' Vilmar kurhess. 126 (Schmalkalden); 'schreien, zanken' Reinwald henneb. 2, 156; Ruckert unterfr. 61; 'schreien, singen wie die hühner (Aschaffenburg)' Schmeller-Fr. 1, 901; gilpen 'einen schwachen feinen ton von sich geben, winseln junger hunde, piepen junger hühner etc.' Crecelius oberhess. wb. 422; gilfen vom schreien junger vögel Hertel Thür. 106; Salzungen 16; gilpen 'schreien wie enten und kinder' E. Krüger Emden 54; ebenso mecklenburg. vom huhn, s. zs. f. dt. wortf. 11, 173. vgl. dazu gilfer 'schreier' Ruckert unterfränk. 61; gilferin 'zänkerin' Reinwald henneb. 2, 156. —
 
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gilfern, vb., 'jammernd oder bittend schreien und winseln', weiterbildung zu gilfen, wie

[Bd. 7, Sp. 7504]


galfern zu galfen teil 4, 1, 1, 1160, gelfern zu gelfen 4, 1, 2, 3015. literarisch heute nicht mehr gebräuchlich: dath unvorschamede gilueren unde galsperen, so uth einem gelovigen herten demödich tho em geschüht, horet unde erhoret he am allerlevesten Gryse buszpredigten (1588) 5a;

ich (das mäuslein) bath und gilffert immermehr,
bis sie (die mutter) zuletzt williget drein
G. Rollenhagen froschmeuseler (1595) g 3b.

mundartlich heute noch üblich: schwäbisch gilferen 'schluchzen', 'schimpfen und keifen' Fischer 3, 658; als 'laut schreiend und schnell reden' bei Vilmar kurhess. 126; gilpern 'schreien von jungen hühnern', 'zwitschern' Woeste westfäl. 79b.
 
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gilferz, n.: 'trivialbenennung bey bergleuten, worunter sie ... goldkies verstehen' J. Zappe miner. handlex. (1817) 1, 364.
 
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gilfing, m., ein quarz, in welchem kupferkies eingesprengt ist Nemnich wb. d. naturgesch. 195: unter die quarzwacken bringt er ... gilfing, grünling ... allgem. dtsche bibl. (1771) anh. zu bd. 25 ff., 1196.
 
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gilfitz, m., ganz vereinzelt für den kiebitz: reiger, gilfitzen, scharppen, gensz (sumpfvögel) A. Seitz lustseuche (1509) 26 Moll, etwa nur verlesung aus giefitz?
 
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gilft, f. (nach Adelung und Campe masc.), abstractbildung oder zum participium gegilwet? oberdt. bergmännische bezeichnung, vgl. DWB gilbe 2: gilft 'ein gelbes kiesiges kupfererz' bergmänn. wb. (1778) 228; gilft, f., 'so werden in den oberdeutschen und ungarischen bergwerken gewisse reichhaltige goldkiese gilfte genannt' Krünitz encyclop. 18, 532. vgl. noch lexik. gilft corps jaune, le jaune J. F. Schaffer dt.-frz. wb. (1836) 1, 732.
 
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gilfzen, vb., winselnd und jammernd weinen und schreien, weiterbildung zu gilfen (s. oben), vgl. Fischer schwäb. 6, 2041: (die mutter hab das kind, den säugling) mit schmertzen für jhren augen sehen und hören müssen, wie es geschrien und gegilffzet und welche kinder ettwa ein wenig grösser gewesen dann die säugling, die haben gegilffzet und nach brot geruffen Joh. G. Sigwart drey predigten (Tübingen 1612) 10.
 
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gilg, n., von einem teil des astrolabiumzeigers:

nun wann du wilt genesin machen
oder vilicht sonst practicirn ...
von leben, gsundheit, krankheit, todt ...
so secht das d planet werden gestelt
jeder an sein ort und refier,
erstlich s menschns figur ordinir,
also das gilg am zeiger seich (vgl. seigen 2),
mit dem tag seiner geburt vergleich
L. Thurneisser archidoxa (1575) 154.


 
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gilge, gilgen, f. , auch m. wie ilge auf ital. giglio beruhende (s. Fischer 4, 18) süd- und südwestdt. nebenform zu lilie, vorwiegend alemannisch, vom 13. bis 17. jh. literarisch, danach fast nur noch mundartlich belegt; die lautform ist in den verschiedenen landschaften nicht einheitlich. im tirolischen ist das anlautende g- durchaus fest: gilg, gilge Schöpf 190; Frommann dt. maa. 3, 461; im bair. gilgen Schmeller-Fr. 1, 902, vgl. ilgen 1469; gilge, dem. gilgel, gilgerl Unger-Khull steir. 293a; österr. gillig, giling, iling Loritza Wien. 51; Höfer 2, 91; bes. im schwäb.-alem. stehen neben der form gilge, die mehr schriftform ist, ilge (s. Fischer schwäb. 4, 18; Martin-Lienhart els. 1, 33; Staub-Tobler schweiz. 1, 179; ilga Tobler Appenzell 284a, sieh auch oben teil 6, 1021) und jilge, und zwar häufiger gebraucht als gilge, s. Paul u. Braune beiträge 22, 218f.; Fischer schwäb. 4, 18; Martin-Lienhart 1, 406b; Ch. Schmidt els. 147b; oben teil 6, 1021. vereinzelt als gille: mit gillen weisz, mit rossen rott volks- u. gesellschaftslied. d. 15. u. 16. jh. 32, 18 Kopp. im einzelnen vgl. noch engadin. ila, f., s. Meyer-Lübke roman. etym. wb. 409a, gegenüber dem masculinen it. giglio. auch gilge erscheint, neben durchgängigem fem., in einigen frühen belegen (bes. aus dem Bodenseegebiet) als mascul. (doch vgl. auch frühes, spärlich bezeugtes masc. in ahd. lilio, mhd. lilie oben teil 6, 1021; Lexer 1, 1921): nom. ein wîzer gilge d. zwölfj. mönchl. 127; der gilge (hs. gilije) U. v. Winterstetten 37 Minor; dem gilien (la. giligen)

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d. teufels netz 6775 B.; acc. den gilgen U. v. Richental 105 lit. ver.; württ. gesch.-qu. 18, 229. — nd. nilje Schambach 145.
1) lilium candidum, weisze lilie: lilia gilie ahd. gloss. 3, 51, 15 St.-S. (13./14. jh.); vom 15.-17. jh. bes. in wbb. und botanischen werken reichlich bezeugt, z. t. neben lilie, z. t. sogar als bevorzugte form, vgl. lilia, lilium gilg (obd., 15. jh.) Diefenbach nov. gloss. 235a; gilge (1440 md.) gloss. 329c; (1518 Straszburg) ebda; gilg lilium oder lilien voc. theut. (Nürnberg 1482) k 8b; lilium ein gilgen Frisius dict. (1556) 771b; gilgen, lilien, lilgen Wirsung artzneybuch (1588) register; gilgen lilium Henisch (1616) 1621; lilium album ... lilien oder gilgen Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 1027:

röslen, veyol und die giligen,
die machet val der kalte schnee,
er will sie ganz vertiligen
Hätzlerin 1, 92, 6;

vgl. meister Altswert 74, 1 lit. ver.; honigblme, rosen, violen, gilgen (rosam, violas, lilium) H. v. Eppendorff Plinius (1543) 188;

und andere mit blümelein,
mit myrten, gilg und röselein
verschränkte sträusz und kränzlein binden
Weckherlin 1, 103 lit. ver.;

auch schwertlein, gilgen, nägelein
Spee trutznachtigall (1649) 120;

mit dem ausgehenden 17. jh. tritt gilge schriftsprachlich zurück: gilgen, melius lilien, f., lis, lilium Wiederhold dict. (1669) 146; gilge pro lilge Steinbach dt. wb. (1734) 1, 595; ebenso Kinderling reinigkeit (1795) 272; von Adelung 2, 690 und Campe 2, 379 nur noch als mundartlich für das obd. verzeichnet. das gleiche gilt für die zusammensetzungen, sieh unten 4. in jüngerer zeit in altertümelnder sprache wieder aufgenommen:

sehn wir im vorübergehn
eine maid im gärtlein
zwischen gilg und rosen stehn
O. Kernstock vale universitas in: allg. dt. kommersb.90 754.


wie lilie in fester verbindung mit weisz:

(das christkindlein erscheint dem mönchlein)
in der linken hende schein
ein wîzer gilge vil gemeit d. zwölfj. mönchlein 127;

ich sich dick swarzen rouch
unglich den wiszen gilgen.
ist es im land Cecilgen (Sicilien)
darinn ein berg brint?
meister Altswert 197, 30;

da erscheine augenblicklich auf den grab ein schneeweisse gilgen Frz. A. v. Brandis d. tir. adlers ehrenkr. (1678) 1, 178. botanisch meist zur kennzeichnung der art, vgl. unten 3: also schreiben sie auch von den weissen gilgen, die sollen erstmals aus der schneeweissen milch Junonis uffkommen sein ... die Lateiner nennen sie lilium Bock kräuterb. (1539) 2, 62b; vilerley geschlecht der gilgen ... das erst, so wir weisz gilgen nennen L. Fuchs new kräuterbuch (1543) f 1b; lilia candentia weysz gilgen Frisius dict. (1556) 179b; Henisch (1616) 1621; vgl. wissi ilgen Martin-L. elsäss. 1, 33; wissilgen Staub-Tobler schweiz. id. 1, 179.
von dieser reinen, weiszen farbe der blüte her besonders beliebt in der dichtung in symbolischer verwendung; als sinnbild jungfräulicher reinheit:

du bist vil weyser dann ein gylg,
die innen ziert ist mit der gylb
J. G. Tibianus encom. b. Mariae (1595) nach Alemannia 10, 181;

die schloszweiszen gilgen der küscheit und die roten rosen der inbrünstigen liebe gottes Keisersberg sünden d. munds (1518) 29b; die zusammenstellung mit der roten rose (vgl. teil 8, 1167) dient aber vor allem als sinnbild weiblicher schönheit: (wangen wie) die wyssen gilgen vermischet mit purpurfarwen rosen N. v. Wyle translationen 22 lit. ver.;

ir mundlin rot wie ein rubin ...
ir glatte stirn so wol formiert
weisz wie ein schönes helffenbein ...
getemperiert wie milch und blut
als weisse gilgen seind gestalt,
so man darz rot rosen halt
K. Scheidt Grobianus 67 ndr.;

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die rosen, lieb, in deinem kranz,
sind roth, wie deiner lefzen glanz;
die frische gilgen sich vergleichen
hie deiner zart und glatten hand
Weckherlin 1, 154 lit. ver.;

deiner glider gilg und rosen ders. gedichte (1648) 795.


weiterhin öfter im anschlusz an bekannte bibelstellen; so nach Matth. 6, 28 ff.: mit aller deiner kostlichen klaidung kanst schöner nit sein dan die gilgen ufm feldt J. Lorichius weltl. eitelkait verachtung (1586) 61; gibt ers der gilgen im acker, wieviel mehr dem menschen, der sein bildtnusz ist Paracelsus op. (1616) 1, 273. mit bezug auf hohelied 2, 1-2 (lilium convallium ... lilium inter spinas): Maria, du uss allen schnen sam die gilyen der telre Seuse dt. schr. 544 Bihlm.; ich beswer úch bi den geblmten rosen und den gylien der telre, ich mein alle geblmten heiligen mit tugenden ebda 551.
2) ein besonderer belegkreis ist durch die verwendung der lilie als heraldische figur sowie als gegenstand der bildenden kunst insbes. als ornament gegeben:

das gesmide wider glaste ...
ein gilje, diu was guldîn
Konrad Fleck Flore 2006;

(wir sehen) die knöpff und gilgen und phialen an dem liechtstock kurtze u. christ. inleitung (Zürich 1523) l 2b; ainen leuchter von rainem gold, mit sechs roren ... alle mit iren köpffen, ringlen und gilgen M. Eisengrein unser l. frawen liechtmesztag (1577) 44b. das bourbonische wappen: fürhin frt er (Chlodwig) und seine nachkommen dry guldene gilgen in eim himmelfarben feld S. Münster cosmogr. (1550) 94; als zu der lincken hand ... alle haufen und fahnen oder panier, was der fürnembsten mit keyserlichem adler und darzu mit burgundischen creutzen verzeichnet, und solcher gegentheil als zu der rechten seyten sind dero fahnen vnder der gilgen sampt dem schweitzerischen creutz einverleibt worden L. Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 51a; dasz sy die gilgen wellind an die thar (tore) malen lassen bei Staub-Tobler 1, 180; einen helm und daruf ein hirzhorn darin sind drei französisch gilgen a. d. j. 1606 ebda 2, 232; s. auch Martin-Lienhart elsäss. 1, 406. vgl. auch gilgen, vb., gilgecht und gilgisch.
3) gilge ebenso wie lilie 4 (s. d. sp. 1023) auch für andere mehr oder weniger lilienähnliche blumenarten, meist durch zusätze, insbesondere farbadjectiva, von 1 unterschieden, vgl. insbes. Henisch (1616) 1621; z. b. für die arten der iris, so iris germanica: iris blowe gilge o. trbel (anfang d. 15. jh. obd.) bei Diefenbach nov. gloss. 222a; die blaw gilg oder blaw schwertel würdt auch violwurtz genent und auff griechisch ... iris L. Fuchs new kräuterbuch (1543) b 3a; gladiolus, iris blaw gilgen Bock kreuterbuch (1580) register e 3b; veyelwurtz heist auch himmelschwertel, blau gilgen und lilgen Tabernämontanus kräuterbuch (1687) 1037; Val. Kräutermann blumen- u. kräuterbuch (1751) 547; s. v. radix illyrica (iris) Junius bei Diefenbach 483a; vgl. auch Staub-Tobler schweizer. idiot. 1, 179; blaui ilga (st. Gallen) Pritzel-Jessen 192; blöji iljen, blauilje Martin-Lienhart elsäss. 1, 33; vgl. gilgenschwertel. iris pseudacorus, vgl. Staub-Tobler schweiz. 1, 179; ilge Fischer schwäb. 4, 18; acorus ... die wurtzel der gelben gilgen gesotten mit wasser und das getruncken, ist gt ... für das geschwer der brust Tollat v. Vachenberg margarita med. (1516) 4b; ähnlich Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 291; Seutter hippiatria (1599) 91; gäl wassergilgen Bock kreuterbuch (1580) e 3b register; wasserilgen (Augsburg) bei Pritzel-Jessen 193; Holl 337b. für lilium bulbiferum: rot gilgen lilium rufum Bock contrafactur aller kreutter (1553) 236; rot goldgilgen ... seind aber gantz fewrrot ders. kreuterbuch (1580) 281; underwegen am see ersahe ich der purpurfarben gilgen L. Rauwolf aigentl. beschr. (1582) 5; schweiz. roti ilge, rotilge 'feuerlilie' Staub-Tobler 1, 180; bergilga, füürilga (st. Gallen) Pritzel-Jessen 215; österr. die rothe iling Höfer 1, 91. für narcissus poeticus: ilge K. Reiser Allgäu 2, 710; Staub-

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Tobler schweiz. 1, 180; narcissus pseudonarcissus ilga (Appenzell) Pritzel-Jessen; Staub-Tobler a. a. o.; s. v. narcissus ein gilgengeschlächt, die man unser frawen gilgen nennt Frisius dict. (1556) 854, vgl. DWB unser frauen ilgen für anemone nemorosa Mich. R. Buck medic. volksgl. aus Schwaben (1865) 31. für convallaria majalis L.: lilium convallium ein gilg von dem thal (15. jh.) Diefenbach gloss. 329c. lonicera periclymenum L., caprifolium pericl., lilium inter spinas speckgilgen Bock kreuterbuch (1580) register c 3b; waldgilgen ebda, vgl. teil 10, 1, 2047 und 13, 1138; Holl 352: under den kreuttern (entwickelt sich) das (eine) in melissam, das (andere) in gilgen inter spinas Paracelsus op. (1616) 2, 39; vgl. gilgenconfort. anthericum liliago L.: erdspinnenkraut, phalangium ... in Teutschland graszgilglein oder graszlilglein Tabernämontanus (1687) 558. die christrose, helleborus niger, meint offenbar ein Augsburger volkslied:

ain blm tet er abbrechen,
die auf der haiden stnd.
es sind die weiszen gilgen,
die zweihennächten aufgond bei
Uhland volksl. 1, 307.

einzelnes und weiteres vgl. auch bei Fischer schwäb. 4, 17 ff.; Martin-Lienhart elsäss. 1, 406; Staub-Tobler schweiz. 2, 187 ff.; Pritzel-Jessen 215; 107; 192 ff.
4) in zusammensetzungen, besonders in der botanisch-medizinischen literatur des 16. jh., der verbreitung des simplex entsprechend, häufig, im 17. jh. schriftsprachlich schon merklich seltener geworden, im 18. jh. und später nur lexikalisch weitergeführte bildungen. im bezirk der dichtung ist nur gilgenblatt gern gebraucht; vgl. dagegen die zahlreichen jüngeren poetischen composita unter lilie. die einzelbildung sieh an alphabetischer stelle.
 
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gilgen, vb., von gilge 'lilie' abgeleitet, 'mit einer lilie als leinwandzeichen (der stadt Isny) versehen': (die stücke leinwand) die den gilgen haben ... und ... (die), die man da gilget (15. jh.) württemb. gesch.-quellen 18, 229 (vgl.welhes stuk das gilgenzaichen nit behebt ebda). anders im spätmhd., nur als spontan gebildetes particip, 'wie eine lilie geartet':

Maria muoter, al der werlt ein güete ...
gegilget von gemeine,
du clare ros von wandel wol behüete meisterlieder d. Kolm. hs. 202 Bartsch

(vgl. durchliljet Frauenlob 313, 7);

des maisters orden von Caletra
ist mechtig in Hispania,
der orden tret unvertilget
uf swarz gewand rot crüz gegilget
(der orden trug seit 1396 ein lilienförmiges rotes kreuz) (1414)
Liliencron histor. volkslieder 1, 234.


 
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gilgenblatt, n.: nim ein weisz gilgenblat ausz seinem öl und lege es uber das zerschrunden wärtzlin, das bekommt fast wol Wirsung artzneybuch (1588) 226;

sein (des jünglings) schneweis haut erausser schein ...
... gantz gleich eynem gilgenblatt
Wickram 7, 182 Bolte;

mit verblassendem motivcharakter im volkslied:

so stand ich auf einem gilgenblat,
gott geb euch allen ein gte nacht (1544)
Uhland hoch- u. nd. volksl. (1881) 13;

es fr gt schiffman über Rein
auf einem gilgenbletlein (um 1570) ebda 681.

als kosewort:

du rôsenbluot, du giligenblat
v. d. Hagen minnesinger 2, 266b (hs. C von Gottfrieds lobgesang);

den todt,
der mir mit gwalt genummen hat
mein fiol, rosz und gilgenblatt (= die liebste)
Wickram 4, 131 lit. ver.;

 

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