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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerkenschmiede bis gewerk- (Bd. 6, Sp. 5655 bis 5657)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerkenschmiede, f.: gewercken-schmiede, wann die gewercken ihre eigene schmiede haben. Minerophilus 257.
 
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gewerkenschuld, f.: gewercken - schulden, wenn selbige auf denen zechen schulden gemachet, so sind sie ausser sonderbarer verschreibung personaliter nicht zu belangen. Minerophilus 257.
 
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gewerkensilber, n., vgl. gewerkeneisen: haben wir den betrag ... von jeder in Freibergischen erzen in denen schmelzhütten liefernden feinen mark gewerkensilber ... bis auf einen thaler erhöhet. sächs. verordnung von 1765, codex August. 1. forts. 1, 1474.
 
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gewerkentag, m. , im wesentlichen an den bergmännischen gebrauch von gewerke angelehnt.
1) in dieser einschränkung kommt das compositum schon im 16. jahrh. vor: 1549 ein grosser gewerckentag allhie (Joachimsthal) gehalten. Mathesius chron. von Joachimsthal (1562) im anhang zur Sarepta; gleichfalls ist auch bericht fürkommen, und sich die gewerken und factor

[Bd. 6, Sp. 5656]


mit dem einfaren in den pergk nachlässig erzeigen, ire diener ... an ihre stadt einfahren lassen ... so wöllen wir, dasz die gewerken und factoren allwegen, in vierzehn tagen, an einem mittwoch, zusammen kommen, und sich von den angeschnittenen pergkkosten, und darinnen fürgelauffenen mengeln ... underreden und berathschlagen ... wofern sich aber gewerken, darwider ungehorsamlich bezeigen, und zum gewerkentag ... nicht kommen würden wöllen, derselben ein jeder umb ... geldbusz fürgenommen ... werde. reformation f. Schlackenwald (1584), Schmidt österr. berggesetze i, 3 s. 388, vgl. auch Span bergrechtsspiegel s. 84 u. a.; gewerckentag ... wie noch zum Altenberge auf dem zinn-stolln und stockwercke gewöhnlich, da sie alle 2. jahr eine zusammenkunfft halten, ihre gevollmächtigte dahin schicken, von dem factor die rechnung abnehmen und justificiren, auch, wo was zu ändern, und zu verbessern, darzu ins künfftige anstalt gemachet wird. Minerophilus 258, vgl. Adelung 2, 660 u. a.; gewerkentag, a meeting of the proprietors of a mine. Hilpert 1, 464a; ein ausgeschriebener gewerkentag (in Ilmenau) ward nicht ohne sorge von mir, und selbst von meinem collegen, dem geschäftsgewandteren geh. rath Voigt, mit einiger bedenklichkeit bezogen. Göthe (annal. 1794) 31, 37, vgl. auch (an Voigt) briefe 18, 15; im juni ist gewercken tag, vielleicht wohnst du ihm bei (an Knebel 1791) briefe 9, 255; ich wollte dasz dir der gewerckentag anlas geben könnte in unsre gebirge zu kommen (an Jacobi) 252; dies alles scheint dich nicht mehr hieher verlocken zu können, da ich sogar höre, dasz ir euren gewerketag in Weimar halten wollt. Knebel an Göthe 1800 (briefwechsel 1, 245); ein gewerke kann ... den berahtschlagungen, welche über die veranstaltung des grubenbaues gepflogen und gewerkentage genannt werden, beiwohnen. C. H. G. Hake commentar über d. bergrecht s. 127; die gesetzliche zusammenkunft der gewerken heiszt gewerkentag, auf dem sie, als gewerkschaft, ihre beschlüsse durch abstimmung fassen. österr. berggesetz v. 1854, § 149, vgl. auch Scheuchenstuel 102; die neuere preuszische verwaltungssprache hat das wort gewerkenversammlung an die stelle treten lassen. s. d.
2) mit der allgemeinennicht bergmännischenbedeutung von gewerke ist das compositum in einzelnen wörterbüchern zu belegen: der gewerkentag, les assemblées des corps de métiers. Schwan (1783) 1, 745; gewerkentag, meeting day of a tradesmens' or mechanic's company. Hilpert 1, 464a.
 
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gewerkenverein, m., vgl. die weitabstehende bedeutung von gewerkverein (s. d.): weiter reichen die ziele der sogen. gewerkenvereine (bergwerksvereine, unionen, revierversammlungen) mit ihren organen, gewerkentagen, gewerken-ausschüssen, die häufig mit dem kommunalwesen der bergorte in näherem zusammenhange standen, hie und da ... die rechte einer gröszeren anzahl von gewerkschaften vertraten und dabei eine gewisse verfassungsmässige konkurrenz bei der leitung des gewerkschaftlichen berg- und hüttenwesens hatten. Schomburc zeitschr. f. bergrecht 2, 214.
 
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gewerkenverleger, m.: gewercken-verleger, s.factor. Chomel 4, 1048.
 
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gewerkenversammlung, f., neuere bezeichnung für gewerkentag (s. d.): die gewerken fassen ihre beschlüsse in gewerkenversammlungen. preusz, berggesetz v. 1865, § 111; die beschlüsse werden in der beschluszfähigen gewerkenversammlung mit einfacher stimmenmehrheit gefaszt ... über jede gewerkenversammlung ist ein protokoll aufzunehmen. § 113; die beziehungen sind in der letzten gewerkenversammlung hergestellt worden. bericht der gewerkschaft Oberroda. handelsblatt der Vossischen zeitung 14. 8. 1906.
 
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gewerkenzeche, f.: fügte sich's, dasz einem schichtmeister zwischen der rechnung auff seiner gewercken zechen geld mangeln würde. A. v. Schönberg ausführl. berginform. 235; der fall wegen zu entrichtender schacht- und streckensteuer tritt auch oft ... bei gewerkenzechen ein, die mit einander durchschlägig sind, wenn eine der andern strecken und schächte zur fördernis gebraucht. A. W. Köhler z. d. rechten u. d. verfassung bei dem bergbaue s. 182, ebenso 177 u. a.

[Bd. 6, Sp. 5657]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerkenzettel, m.:

sie brachten gülden, thaler, kuchen,
fragten, ob ich den auch wolt fluchen?
ob das nicht weren gottesgaben?
ich solt mein antheil daran haben,
wenn ich etlich kuchs lösen wolt,
und zubusz geben wie ich solt.
und das ichs nicht acht für ein bettel,
zeigten sie mir den gewerckenzettel,
darin waren fürstlich personen,
hertzogen, graffen, und baronen,
cantzler, doctores, räth, und kramer,
kürszner, schneidr, schuster, schmid und hammer
viel tausend güldn standen daneben,
die sie hatten zur auszbeut geben.
Rollenhagen froschmeuseler 1, 2, 14.


 
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gewerker, m., jüngere bildung nach analogie von handwerker, ist naturgemäsz auf die allgemeine bedeutung von gewerke (vgl. sp. 5642 ff.) beschränkt. der älteste beleg, der das wort neben dem als collectiv gebrauchten neutrum gewerk einführt, läszt deutlich das bedürfnis erkennen, die function des nomen agentis kräftiger zum ausdruck zu bringen: gleichwie wir nun nicht zweifeln, es werde dadurch der intendirte zweck völlig erreichet, und weil die connexion der gewerken untereinander numehro getrennet, auch die miszbräuche scharf verboten worden, friede und ruhe unter denselben conserviret, mithin das aufkommen und nahrung der gewerker selbst nicht wenig dadurch befördert werden. general-privil. und gülde-brief des gewerks in Brandenburg 1733 bei Ortloff 52; bei allen todfallsverhandlungen eines innerbergischen gewerkers sollen seine hinterlassenen einlagskapitalien sowohl, als seine bei dem hauptgewerkschaftlichen körper noch zu suchen habenden erträgnisse ... frei gelassen werden. Wiener verordnung von 1771 in sammlung aller k. k. verordnungen v. 1740 ff. 6, 382; gewerker v. gewerksmann. Hilpert 1, 464a; gewerker ... der an oder in einem gewerke arbeitet (fabrikant, manufacturist); auch groszgewerker ... dann überhaupt der handwerker. Campe 2, 362b; denn wenn an der einen seite diejenigen stehen, die sich mit den einfachen und rohen erzeugnissen beschäftigen, an der andern solche, die schon etwas verarbeitetes genieszen wollen, so vermittelt der gewerker durch sinn und hand, dasz jene beiden etwas von einander empfangen und jeder nach seiner art seiner wünsche theilhaft werden kann. Göthe (dichtung u. wahrheit 1, 4) 24, 239;

wie? nein wir sind nicht gewerker,
nicht zur handarbeit gewöhnet,
lüstet's euch, als tagelöhner
euch zu müh'n, will ich's nicht hindern.
L. Tieck glocke von Arogon (novellen 9, 403).


 
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gewerk-, gewerkshaus, n.: das gewerkhaus oder gewerkshaus ... ein haus, in welchem ein gewerk oder mehrere gewerke befindlich sind (manufactur, fabrique). Campe 2, 362b; gewerkhaus, manufactory. Hilpert 1, 464a; gewerkhaus, manufacture, fabrique, manufactory, workhouse. Beil, technol. wb. 243; der stadtsäckel (von Alt-Berlin u. Alt-Cöln) war immer gar ansehnlich gefüllt durch die einnahme aus den zinsen der kämmereidörfer ... und dem ertrag des stadtforstes, des zolls, der niederlage, der stätte- und platzgelder, der gewerkhäuser, buden- und marktzinses und der schankgerechtigkeit. Hesekiel Nürnberger tand 72; die zusammenkünfte fanden in eigenen gewerkshäusern, wo solche vorhanden waren, oder in handwerksherbergen, bezw. in der wohnung des altmeisters statt. Rohrscheidt vom zunftzwange 6.