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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewerken bis gewerkenfreiheit (Bd. 6, Sp. 5653 bis 5655)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewerken, verb. , verstärktes werken (s. d.), in die neuere sprache nur mit spärlichen resten reichend.
1) schon in der älteren sprache ist die verstärkte form von werken im gegensatz zu dem mannigfaltigen gebrauch des gern verwendeten gawirkian, gawurkian (Graff 1, 970, vgl.gawaurkjan bei Ulfilas) selten belegt und fast ganz auf abstractere verwendungen beschränkt; vgl. gawerkôn Graff 1, 973, gewerken mhd. wb. 3, 591. vgl. auch gewerken Verwijs-Verdam 2, 1900.
a) der transitive gebrauch, der an der concurrenzform gewirken, gewürken reich entwickelt erscheint, ist an unserm verbum fast ganz zurückgedrängt.
α) bei Otfrid und im Heliand treten nur pronominalformen, die einen satzinhalt zusammenfassen, zum verbum; eine einzelne verbindung mit einem subst. im Heliand ist so lose, dasz das subst. im genetiv angegliedert wird:

ofto irhugg ih muatesthes managfalten guates,
thaʒ ir mih lertut hartoiues selbes worto.
ni thaʒ mino dohtigiwerkon thaʒ io mohti.
Otfrid an Salomon 13. ähnl. Heliand 3671;

joh mit thiu giwerkon.thaʒ thu uns es muaʒis thankon.
Ortfrid 2, 24, 38;

mid hwiu the man habdimordes giskuldit,
wîties giwerkôt Heliand 5184.


β) nur im niederrheinischen des Veldeke ist der transitive gebrauch in einer der grundbedeutung noch sehr nahestehenden verwendung auch an gewerken belegt:

einen slotel gaf hi hem in die hant
van silver, die seltsem was ...
dat nie man sulken en sach
noch niemant ghewercken en mach.
H. v. Veldeke Servatius 1, 1742 Bormans.


b) sonst ist der ältere gebrauch durchweg absolut und auf die abstracte bedeutung von handeln eingeschränkt:

[Bd. 6, Sp. 5654]


thaʒ wir tharana werkonmit wakaren githankon,
joh wir thaʒ io ahtonmit luteren gidrahton!
Otfrid 2. 24. 35, ähnl. 3, 13. 38;

sô liof sô lêdsô he mid thesun liudiun her
giwerkôd an thesoro weroldi. Heliand 1333;

unt sînt die bêbeste ûʒ gesundert eine,
swie si gewerkent, daʒ si sint doch reine, ...
Reinmar v. Zweter 126. 8 Röthe s. 475;

nû wurden doch mit zal sie alle begriffen.
den der tôt ir leben dô brâht heim in sîn gemiure;
sô muost diu sêle lîht in ein hol
daʒ noch nie wart noch nimmer wirt sündiger vol.
wê im der dâ gewerket zuo der suire. Lohengrin 59, 80 Rückert;

Theodorus nam sin kint
nach der munche willekur.
do stieʒ man in ouch uʒer tur
und lieʒ in alda vor besnaben,
als er gewerket solde haben. passional (39) 322, 54 Köpke.


2) die spätesten belege sind der prosa des meister Eckhart zu entnehmen, wobei zu beachten ist, dasz schon die handschriftenvarianten und diejenigen, die Eckhart nachschreiben, andere formen einsetzen. er selbst gebraucht das verbum absolut und auch transitiv: daz fuir enmac nicht gewerkin danne in deme holz (Oxforder handschr.; bei Pfeiffer myst. 2, 268: würken; bei Nicolaus v. Landau: enmag nit gewirken); u. a.; daʒ niunde, daʒ ich gote nie enbleip, waʒ got ie durch mich gewerken wolde. (tractat 6), s. myst. 2, 468.
3) unmittelbar vom substantiv (gewerk, gewerke) abgeleitet scheint vergewerken: denen vorstehern die theile aus dem retardat vergeben, verkauffen oder vergewercken wollen. A. Schönberg ausführl. bergrevision 36, vgl.: eine fundgrube vergewerken, mit 128 kuxen, fodinae sufficientem cultorum numerum colligere. Frisch 2, 442c.
 
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gewerkenantheil, m., neuere bildung (für gewerkenkux), in der zeitschr. f. bergrecht 2, 334 eingeführt (s. unter gewerkenbuch).
 
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gewerkenbau, m., vgl. DWB gesellenbau bei Adelung 2, 617.
 
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gewerkenbeschwerde, f.: gewercken - beschwerden, wenn selbige bei ihren gebäuden oder zechen etwas zu erinnern, so können sie solches bescheidentlich bei der aufrechnung vorbringen, und ihre meinung darbei eröffnen. Minerophilus s. 256.
 
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gewerkenbuch, n., neuere bezeichnung an stelle des älteren wortes gegenbuch (vgl. oben sp. 2227): über die inhaber der kuxe jeder gewerkschaft wird nur bei der bergbehörde eine vormerkung (das gewerkenbuch) geführt. österr. berggesetz v. 1854, § 141, vgl. Scheuchenstuel idiot. d. österr. berg- u. hüttensprache 102; über sämtliche mitglieder der gewerkschaft und deren kuxe wird von der gewerkschaft ein verzeichnisz — das gewerkenbuch — geführt. preusz. berggesetz v. 1865, § 103; der repräsentant oder grubenvorstand führt das gewerkenbuch und fertigt die kuxscheine aus. § 121, u. a. vgl. Veith, s. 73; die konstituirung der genossenschaft kann mit dem eintrag derselben und der gewerkenantheile in das gewerken- und gegenbuch als bewirkt angesehen werden. Schomburg zeitschr. f. bergrecht 2, 334.
 
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gewerkendiener, m.: gewercken-diener, sind die schichtmeister, welche der gewerken nutz in allen sachen und denen gebäuden wohl verstehen sollen. Minerophilus s. 257, ähnlich Campe 2, 362; gewerkendiener (in mining) servant or clerk to a mining company. Hilpert 1, 464a; gewerkdiener. Thiel 4, 428.
 
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gewerkendienst, m.: da nun ... nicht leicht andere, als arme bergleute sich mit erschürfung neuer gänge abgeben, und ihre eigenlöhnerzechen nach verfahrung ihrer schichten auf den gebäuden, wo sie im gewerkendienste als bergarbeiter stehen ... betreiben; so sind ihnen zu ihrer ermunterung, ausser den allgemein bestimmten schurfprämien, vor den ordentlichen gewerkschaften noch gewisze vorrechte ertheilt worden. A. W. Köhler z. d. rechten u. d. verfassung bei dem bergbaue, s. 143.
 
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gewerkeneisen, n. eisen, das von den gewerken geliefert wird, vgl.: berg-schmied-arbeit ... 12 bisz in 15 groschen von einem kübel, mit neuen eisen zubeschlagen ... 6 gr. von einem kübel, mit alten und gewercken eisen zubeschlagen ... 1 gr. von 1  groben gezähe von der knapschafft eisen zumachen. churfürstl.

[Bd. 6, Sp. 5655]


sächs. lohn-taxa von 1625 bei Span, bergrechtsspiegel s. 14, vgl.: die geschrotenen eisen und all ander gezähe, was sie von ihrer gewercken eisen machen lassen, von schmieden gewogen nehmen. A. v. Schönberg ausführl. berginform. 188, s. gewerkensilber.
 
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gewerkenerbe, m.: gewercken-erben, wenn sie in communione bleiben, haben sie keiner neuen gewehr nöthig: so bald sie aber sich respectu der berg-theile getheilet haben, so soll binnen drei monathen ieder erbe, will er sich anders davon nicht verschweigen, ihm seine ratam sonderlich zuschreiben lassen. Minerophilos 257.
 
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gewerkenforderung, f.: zubusze wird, wenn es das gebäude vermag, den gewerken wieder erstattet, und daher die sämmtliche gewerkenforderung, welche der recesz heisst, im register besonders fortgeführt. A. W. Köhler s. 206.
 
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gewerkenfreiheit, f.: gewercken - freiheit, gleich wie die bergleute sich der berg-freiheit zu rühmen und zu erfreuen haben: also soll auch denen gewercken, als ihren verlegern, selbige billig gegönnet werden. Minerophilos s. 257.