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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
geweibt bis geweidlich (Bd. 6, Sp. 5425 bis 5432)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweibt , participiales adjectiv zu weiben (s. d.), vgl. wîben mhd. wb. 3, 721a. Lexer 3, 418. während die verbalformen von gewîben, geweiben (Lexer 1, 989) sonst nicht über die mittelhochdeutsche zeit hinausreichen (als spätester beleg gilt: wie die marggraven von Myssen sich geweibeten. Rothe Thür. chron. 691) läszt sich das particip noch in der älteren zeit der neuhochdeutschen periode nachweisen.
1) innerhalb der verbalflexion verallgemeinert und erweitert sich die bedeutung.
a) engere bedeutung:

der kater blîdeclîch dar gie,
er sprach: 'got êre iuch fröuwelîn,
ich wil mit iu gewîbet sîn,
ir sît mit mir gemannet wol.
Herad v. Wildonie (die katze 162) Kummer s. 172;

so hât diu minne ir tôren ouch:
jâ dunkt er mich der sinneunt ouch der minne ein rehter gouch,
swer heime ist wol gewîbetunt ûf ein ander wendet sînen muot!
Reinmar v. Zweter 121, 6 Röthe, ebenso
H. v. Wildonie die katze 172.


b) erweiterung der bedeutung: doch meindent etliche: hettent die herzogen von Peigern des küniges (v. Frankreich) volkes begert, er hette in volkes geng gegeben wider die stette, wann er under sü gewibet was. Jac. Twinger v. Königshofen c. 5 (deutsche städtechron. 9, 844 anm.).
2) auszerhalb der verbalflexion ist es anscheinend nur die engere bedeutung, die sich isoliert: alle tage new anmutung oder keufen, alle wochen fremde aufsetzung oder muffeln, alle monat newen unlustigen unflat oder grawen, alle jare newes cleiden oder teglichs strafen musz ein ge weibter (var. beweipter) man haben, er gewin es, wo er

[Bd. 6, Sp. 5426]


wolle. ackermann aus Böhmen 45 Knieschek; geweibt, der der ein weib hat, coniugatus, vulgo uxoratus. Henisch 1596. ghe-wyft coniugatus, vulgo uxoratus. Kilian 146b.
 
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geweibets, n., mundartliche collectivbildung zum substantiv weib (s. d.): geweibets .. geweibeten sammelausdruck für: weiber, weibervolk (vgl.gemannets) ober und oststeir. Unger-Khull 290b.
 
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geweiche, n., vereinzelte substantivbildung zu weichen (s. d.): mokánca, das genässe, geweiche. Pfuhl laus. wend. wb. 577b.
 
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geweichen, verb., verstärkte form zu zwei verschiedenartigen verbis, die aber auf eine gemeinsame wurzel zurückführen, vgl. DWB weichen, cedere (ahd. wîchan, s. Graff 1, 709) und weichen, weich machen (ahd. weichjan, 1, 712, vgl. auch weichên, weich werden, 1, 714). der ausgangspunkt für weichen, cedere, liegt in der bedeutung 'den halt verlieren, nachgeben', eine bedeutung, die auch unserem weich zu grunde liegt. die neuhochdeutsche sprache führt das zweite weichen nur noch als transitivum und meist nur in zusammensetzungen (er-, auf-, einweichen) weiter, dagegen hat sie das erstere noch in vollem lebendigen gebrauch. von ihm sind auch formen mit ge aus frühneuhochdeutschen quellen noch belegt. die darstellung wird sich daher in erster linie auf geweichen I richten.
 
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geweichen I . das verbum ist in der althochdeutschen periode fast nur aus glossen belegt (s. gawîchan Graff 1, 709), entfaltet jedoch schon in diesen eine mannigfaltigkeit des gebrauchs, namentlich nach der übertragenen seite, wo es sich geradezu mit geweichen II berührt. den höhepunkt erreicht die verwendung in der mittelhochdeutschen periode (vgl. gewîchen mhd. wb. 3, 616b. Lexer 1, 990), die jedoch das verbum nicht in der eigentlichen blütezeit, sondern nur in den ältesten und den spätesten denkmälern aufkommen läszt. in die neuhochdeutsche periode treten nur die einfachsten formen der sinnlichsten bedeutung über.
1) im bedeutungsgehalt ist das moment der bewegung ausgeprägt, doch nicht in rein sinnlicher anschauung, sondern auf abstracte vorgänge übertragen. erst in den spätesten belegen wird die sinnliche bedeutung rein entwickelt, vgl. b) β).
a) wo die bewegung scheinbar durch ortsbestimmungen veranschaulicht wird, sind diese gerade die träger der abstraction: discesseris, descisseres, kewichis St. Galler glossen des 10. jahrh. zu Boethius de consolat. philos. (vgl.daʒ ouh tû etewaʒ kerucchet sîst aba dînero ebenmuoti). Steinmeyer-Sievers 2, 57b; ebenso Einsiedelner glossen zum gleichen, ebenda 2, 63a. Tegernseer glossen 11. jahrh. ebenda 2, 72b:

to unrechte en konde sin herte nicht gewiken,
an rechten werken bewisede he wol rechten loven.
Eberhards reimchron. v. Gandersheim 1522 (Weiland).


b) sinnlichere bedeutung erwächst den belegen, in denen der factor gekennzeichnet ist, unter dessen druck die bewegung anhebt: personen, lebewesen, concreta, denen der schwächere nachgiebt, weicht.
α) cessimus gewichun Werdener glossen (11. jahrh.) zu Galat. 2, 5 (vgl. DWB da etliche falsche brüder sich mit eingedrungen, wichen wir denselbigen nicht eine stunde. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 768b;

dem tier ich nit geweichen mag.
Oswald v. Wolkenstein 92, 9 Schatz.


β) in verbindung mit concreten objecten wird das metaphorische moment ganz abgestreift (vgl. auch unter 3): es was zu aller zeit kottig überall in der stat und wasen umb und umb hültzin stapfen über die gassen und grosz fürschlacht vor den heusern und tief kottig weg in der strauss, dass kam ain wagen dem andern geweichen mocht in ainer weiten gassen. chronik des Burkard Zink deutsche städtechron. 5, 147; auch öffnen wür, das ain gäszl geet zwischen der miter egarten und des milangers aus in die au. das soll als weit sein, das ain wagen dem andern wol darin geweichen mag. dorföffnung v. Kematen (österr. weisth. 2, 259).
2) wo die vorstellung einer fortbewegung nicht herausgearbeitet erscheint, mag sie durch den übertragenen gebrauch verdunkelt worden sein, hieher gehören gerade die ältesten beispiele, die für das zusammengesetzte verbum beigebracht werden.

[Bd. 6, Sp. 5427]



a) aus solcher entwicklung erklärt sich der absolute gebrauch:
α) in der althochdeutschen zeit berührt sich dieser eng mit verwendungen von geweichen II: ut nemo moveatur (in tribulationibus istis) ni kiwihe Weiszenburger glossen des 9. jahrh. zu Thessal. 1, 3, 3 (daʒ kainer wirt bewegt. cod. Tepl., das nicht jemand weich würde. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 744; infirmati sunt, do gewichen sie nôte, wanda der ne was der in hulfe. Notker psalm 106, 12 (das sie da lagen. Luther psalm 107, 12). ähnlich:

daʒ ist daʒ himilrîche.
de ist uns allen gemeinlîche.
ûf gestechet ze eineme zile.
dar loufet swer dir wile.
ist dîn grunt veste in gote erhaben,
so wil ich u werlîche sagen,
daʒ ber zimber en mach nicht gewîchin,
uns nâhet daʒ gotes rîche. Rolandslied 33, 21 Grimm.


β) einzelne formen des späteren mittelhochdeutschen gebrauches lassen noch die näheren bestimmungen erkennen, die abgestreift wurden:

dô wart zi stunt mit dem êristin man
suslîch gidingi gitân,
daʒ er ein einwîg rungi
mid demo giboti vur mankunni,
obi er den sigi irwurbi,
daʒ der mennischi nimmir irsturbi, ...
wanti der unsir chempho dô giweich,
leidir er unsich alli bisuêch. summa theologiae 11, 9
Müllenhoff u.
Scherer denkm.3 1, 117.


b) wo diese verwendung einen persönlichen dativ aufnimmt, handelt es sich nicht mehr um den factor, dem raum gegeben wird, sondern allgemein um die person, die an dem vorgang interessiert ist: einem entweichen.
α) deficias, giwihhes Monseer glossen des 10. jahrh., Tegernseer glossen des 11. jahrh. u. a. zu den sprüchen Salomos 3, 11 (verwirff die zucht des herrn nicht. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 529;

gnedic herre heilige crist,
allir dîner holden,
di dir dienen wolden,
der bistu zouersiht.
den gewîches du nicht. vom glauben 3125 Maszmann;

daʒ dir got gewîche. Tristan als mönch 674 Paul,

ebenso 1130. 1576. Bech zeitschr. d. phil. 29, 340;

ir nimmermer geweich
in meines herzen teich
als ich ir das loblichen hoch versprach.
Oswald v. Wolkenstein 19, 12 Schatz.


β)

als uns ir lêre hât geseit,
den nie geweich diu wârheit,
den got mit werken zaller stunt
ervulte, swaʒ gesprach ir munt.
Rudolf v. Ems Barlaam u. Josaph. 85, 8 Pfeiffer.


3) wie hier die betheiligte person, so ist in anderen ähnlichen verwendungen ein ziel gekennzeichnet:

ir ougen sâhen swenken
dâ rückeshalp den wilden sê,
vor dem enkunden si niht mê
gewîchen hinder sich noch komen.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 25401 Keller.

diese und andere belege berühren sich anscheinend eng mit den unter 1) a) besprochenen beispielen; vor allem arbeiten sie das moment der bewegung kräftig heraus; aber die art der bewegung ist eine andere, sie ist von der bedeutung beeinfluszt, die sich in der unter 2) zusammengefaszten gruppe entwickelt hat:

Petrus von verren nach gesleich
und in den furhof hin geweich. evangelienwerk von St. Paul 68b Schönbach (Marcus 14, 54);

und sollent niht da hin gewichen. (non intrent in eum Lucas 21, 21) 104b;

auch ist gemelt worden, ob zu ungewondlicher zeit ain snee oder grosz ungewiter chöm, also das die, so dann daselbs enhalben auf der höch des gepirgs albm habent und zu den güttern in Mittersiler gericht gehörn, nicht her haimbertz geweichen möchten über die gepirg mit irm vich. öffnungen und rügungen ... zu Mittersill (österr. weisth. 1, 284).

[Bd. 6, Sp. 5428]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) geweichen II , vgl. ahd. gaweichjan, geweichen Graff 1, 712; mhd. geweichen mhd. wb. 3, 617b. Lexer 1, 981. vgl. nhd. erweichen.
1) unter den mit dem präfix ge zusammengesetzten verbalableitungen zu weich, mollis, reicht nur das factitivum noch in die neuere sprache hineinund auch dieses nur mit einem spärlichen rest; das intransitivum (geweichên, geweichen Graff 1, 714. mhd. wb. 3, 618a. Lexer 1, 981) bleibt auf die ältere sprache beschränkt. beide verba haben in den verwandten sprachen parallelen, was bei geweichen I nicht der fall ist, vgl. ags. gewâcian, languescere, gewæcean, affligere; für das mnd. vgl. Verwijs u. Verdam 2, 1876.
der höhepunkt der verwendung liegt in der althochdeutschen periode, und zwar sind es nicht nur die glossen, sondern auch einzelne denkmäler der geistlichen litteratur, denen das compositum bequem liegt. in verbindung mit einem object der person dient es der wiedergabe vom lat. frangere, confringere, curvare, emollire, enervare in übertragenem sinne. neben sächlichen objecten ist auch der sinnlichen bedeutung spielraum geboten, die anhaltspunkte dafür liegen meist in der bildersprache der vorlage. erst in der mittelhochdeutschen zeit tauchen dann geläufigere verbindungen auf, wie brot geweichen, stein geweichen. bemerkenswert sind die mittelhochdeutschen belege durch die varianten, die das vordringen der konkurrenzform erweichen erkennen lassen. der einzige beleg, der über die mittelhochdeutsche periode hinausgreift (verbindung des verbums mit persönlichem object) zeigt eine eigenartige annäherung an sinnliche bedeutung. vgl. 2) a) β); nebenbei weist er eine zielbestimmung auf, wie sie sich auch am übertragenen gebrauch in späterer zeit ausbildete. vgl. 2) b) β).
2) überblick über die verwendungen.
a) verbindung mit einem object der person.
α) übertragener gebrauch: curva, giweihhi. Tegernseer glossen des 10./11. jahrh. u. a. zu Syrach 7, 25 (curva illos a pueritia, hastu kinder, so zeuch sie, und beuge jren hals von jugent auff. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 567; ähnlich 1, 579 u. a.; confregit viros suis sermonibus, giweihta Tegernseer u. a. glossen des 10./11. jahrh. zu 1 Samuel 24, 8 (David weiset seine menner von sich, Luther; var.: zertrennet seine menner). Steinmeyer-Sievers 1, 403 u. a. in ira populos confringes. in dînemo zorne gewêichest dû diê liûte. Notker ps. 55, 8 (Luther: gott stosse solche leute on alle gnade hinunter, Trebnitzer ps. mit dem czorne saltu czubrechin diu lute); et confirmasti me in æternum. unde gestarchtost mih in êwa. doh dû mih kewêihtist ze êinero friste. Notker ps. 40, 13, vgl. auch ps. 41, 10:

ther liut mit thisu imo analag,unz selban mittan then dag,
ni moht er (Pilatus) sie îo giweichenthes willen armalîchen.
Otfrid 4, 24, 24;

iedoch swie der kunic saehe diu grôʒen zaichen,
sie nemahten in elliu niht gewaichen. kaiserchron. 5608 Schröder (var. irwechin, beweichen).

mit dem gleichen reim Servatius 781 Haupt. Herbort v. Fritzlar troj. krieg 6137 Frommann;

zoleste geweichde eme sinen moit
die got, die alle dinc vermaich.
Gotfrid Hagen Kölner chron. 6124. deutsche städtechron. 12, 195;

vgl. auch die Straszburger handschr. von Lamprechts Alexander (streichen ... geweichen; Vorauer handschr.: erweichen) 369 Kinzel.
β) eigenartig bahnt sich in diesem übertragenen gebrauch sinnliche bedeutung an: alles was den man geweichen mag unreht zu tunde. Straszburger statuten, vgl. Scherz s. 547;

wan wie vil hesliner gerten
ir rucken zerberten
bchin und aichin,
kunden si nie gewaichen,
das si wölte gut sin. vom zornbraten 58 (
Laszberg liedersaal 2, 504);

mit puechenstecken und mit aichen
kund er mich nie gewaichen,
das ich im undertan wolte sein. fastnachtspiele (von dreien pösen weiben) 489, 27.


b) verbindung mit einem object der sache.
α) die sinnliche bedeutung.
1)) dura relaxet, kiweiche Berner glossen des 11. jahrh. zum Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 529; (ante faciem

[Bd. 6, Sp. 5429]


frigoris eius quis sustenebit? mittit uerbum suum et liquefacit ea, flat spiritus eius et fluent aquae. ir sendit siin uuort endi chiuueihhit dhea, adhmuot siin gheist endi rinnant uuassar. Isidor 15, 15 Hench (Luther: zerschmelzet es. ps. 147, 18): lapis precisus de monte sine manibus. confregit omnia regna terrae et excrevit in montem magnum. ein steni irhowener aba berge âna hende der geuueîchta al erderîche unde irwuôhs ze êinimo michilin berge. Notker ps. 98, 9 (vgl. Daniel 2, 34).
2))

als vil man einen herten stein
geweichen noch gebiegen kan,
als vil mag der valsche kloster man
ze triwen sich gebiegen:
sin triegen und sin liegen
ist noch herter denne ein eisen. aus den lehrgedichten der Melker hdschr. Leitzmann s. 36b;

sol iu daʒ niht riwe geben,
sô welt ir in steines wîse leben,
den niemen mac geweichen
gebrouchen noch geleichen. die warnung 3307 Haupt (z. f. d. a. 1, 528);

deme ich dit brôt reiche
als ich eʒ nu geweiche. passional 59, 5 Hahn;

als er daʒ brôt geweichete (intinxisset Joh. 13, 26),
Judas er eʒ gereichete. evangelienwerk v. St. Paul 130d
Schönbach.


β) der übertragene gebrauch:
1)) dissolvit (carnes), giweihta Monseer, Tegernseer u. a. glossen d. 10./11. jahrh. zu Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 297; libidinem condomare, giweichan ebenda 420; bella frangere, giweihun 443.
2)) animos resolvit, kiweichit glossen zu Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 525;

gizellet in ouch filu fram,theih selbo hera in uuorolt quam,
thaʒ thiu mîn geginuuertigiuueihti thia iro herti.
Otfrid 5, 16, 26;

die (die kinder der welt) mügent ir hert vernunft niht erhœhen noch gewaichen zuo gaistleichen dingen, Konrad v. Megenberg buch der natur 114, 23 Pfeiffer.
 
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geweicht , participiales adjectiv zu weichen (s. d.: vgl. geweichen II). noch ausschlieszlicher als bei dem verbum oben belegt wurde, ist die sinnliche bedeutung hier auf die jüngeren beispiele beschränkt, während die ahd. verwendungen nur deren übertragenem gebrauche dienen.
1) longa aegrotatione fractus, giweihter gloss. z. d. sprüchen Salomos (prolog) Steinmeyer-Sievers 1, 527 u. a.; enervatur, giweihit Freisinger glossen des 9. jahrh. zu Gregors cura pastor. 2, 175 u. a., vgl. Graff 1, 712.
2)

sîn swert daʒ ist .. wol gehertet unde geweichet.
Neidhart 92, 10 Haupt.

geweicht maceratus Maaler 179a; gheweyckt maceratus, imbutus Kilian 146a; geweicht maceratus imbutus Henisch 1596; geweicht, eingeweicht, geweekt, von wässern, gewässert. Kramer 2, 97a; darnach soltu jhm (dem federspiel) unter sein asz das weisz vom ei einen tag in wein, den andern in honig geweichet geben. and. theil der adelichen weidwerk (1582) 59a.
3) die kurze form, die in der späteren sprache durch zusammensetzungen verdrängt wurde, scheint von einer richtung des neueren stils, die abgegriffene wortformen umprägt, auf dem wege der zertrümmerung wieder eingeführt zu werden (vgl. auch geweitet): die vom regen geweichte papierlaterne. zukunft 13, 434.
zu geweicht als nebenform von geweiht s. d.
 
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geweide, n. , collectivbildung zu weide (s. d.), vgl. ahd. weida (Graff 1, 774). in diesem neutrum, das erst aus mittelhochdeutscher zeit bezeugt ist (vgl. geweide mhd. wb. 3, 554a. Lexer 1, 981), werden der neueren sprache zwei verschiedenartige verwendungen übermittelt, bei denen es schwer wird, sie von einer bedeutung abzuleiten: geweide, weide, pascua und geweide, eingeweide, viscera (die bildung gewaid, glastum s. Diefenbach 264c gehört zu anderem stamm, vgl. weit Lexer 3, 747). unter eingeweide (s. th. 3, 189) hat J. Grimm eine erklärung gegeben, der die meisten lexicographen sich anschlieszen, ohne die schwierigkeiten wegzuräumen, die ihr im wege stehen.
aus dem ältesten belege läszt sich für geweide die bedeutung 'futter, speise' herauslesen:

[Bd. 6, Sp. 5430]


under der rippe scerme
hanget daʒ gedarme
ein weichiu wamba
diu douwet daʒ geweide. genesis (Diut. 3, 46). vgl.
Diemer 6, 34.

J. Grimm stellt dieses geweide in parallele mit geäsz (s. d.) und deutet es als das, was das vieh zusammengeweidet hat und was nun als speise den magen füllt. von hier aus sei die bezeichnung auf den magen selbst und auf die anderen entsprechenden, an der verdauung theilnehmenden organe übergegangen, vgl. z. b.:

si (diu verchelîn) lâgen elliu von mir tôt,
von rehter herzeleide
beslôʒ ichs in mîn geweide. Reinhard fuchs 393 Grimm (die gleiche stelle im renner wiederholt 3550).

dieser auffassung steht manches entgegen. fraglich ist, ob gerade dem speiseinhalt des magens so viel beachtung geschenkt wurde, dasz von ihm aus die namengebung vorschritt. für geäsz jedenfalls ist nichts ähnliches bezeugt. die belege, die uns zu gebote stehen, schlieszen sich meist an fremde vorlagen an, aber auch die aus geschichte und sprache vorliegenden zeugnisse geben hiefür keinen anhaltspunkt. näher zum ziel führt die frage nach dem sprachkreis, dem der gebrauch entstammt. schon Grimm wies auf hirten und jäger hin; von den jägern geht der gebrauch in der that aus. wir knüpfen hierbei an folgendes beispiel an.

(es war gemalt) wie ein jäger die sew entweidt
und das gweid für die jagdhundt leidt.
Wickram (irreit. bilger 873) 4, 159 Bolte;

wenn das gekröse des erlegten wildes den hunden als jagdbeute und belohnung vorgeworfen wurde, so lag es nahe, den antheil der hunde ihr geweide zu nennen, vgl. die bedeutungsentwicklung von weide, pascua, und die stellung der curîe in jagdschilderungen: milz unde lungen .. den panzen unde den pas und swaz der hunde spîse was. Tristan 3006 u. a. diese auffassung, die sich in manchem mit der von Heyne in seinem wörterbuch vorgetragenen erklärung berührt, geht also auch für geweide, eingeweide von der grundbedeutung geweide = weide aus, nur knüpft sie nicht an den hirtenausdruck an, der den begriff weide in der schriftsprache beherrscht, sondern an den jägerausdruck, bei dem sich weide mehr nach dem begriffe beute zuspitzt (der gleiche begriff auch in der fischersprache, vgl. 1), b).
1) geweide = weide. bildungen mit ge sind hier spärlich, und auch deren bedeutung ist nicht immer sicher, kann aber wohl aus der entwicklung erschlossen werden, die an dem einfachen weide bezeugt ist.
a) geweid, weid deʒ vichs, pascua, ... locus in quo pecudes pastum capiunt. Henisch 1596; se schollen holtis, woeldis, waters und geweide frig gebrucken gelik uns selffs. Schiller-Lübben 2, 100a; vgl. Verwijs u. Verdam 2, 1876. Schuermans 154b.
b) wir Ruprecht der elter, pfaltzgrave bi Rine ... bekennent ... daz wir verluhen habent ... die hienach schriben salmengrunde uf dem Rine ... grunde und geweide, daz daz horet oben und niden. urkunde von 1357 zsch. gesch. Oberrh. 4, 76; und waz fische sie gevahent uffe den vorgenanten salmen grunden und geweiden. ebenda; und Claus Schulle und sin brder Engelmar vorgenannt ouch ein dritail haben sollent an dem vorgenanten salmen und geweiden. durch diese überführung des uns aus der hirtensprache geläufigen wortes in die fischersprache fällt auch licht auf das compositum: eisgeweid, vgl. DWB es ist aber disz die eigenschafft der eiszbrüch, ... wann eisz vorhanden ist, bricht man das eisz, unnd das thut die oberkeit durch die underthanen, oder aber verleihets die oberkeit umb zinsz hinweg, unnd das heiszt man also, und ist ein eiszbruch ... etliche solcher sachen erfahrne machen einen unterschied, unter einem eiszbruch und eiszgeweid, dann sie das ein eiszgeweid nennen und halten, wann sich ein eiszschemel ungeferd angehengt, und die lachen eisig werden. Meurer jagd- und forstrecht 104b. natürlich handelt es sich hier um den fischfang und nicht um die gewinnung von eis. nach dem zusammenhang musz man schlieszen, dasz bei eisbruch an eine von der behörde monopolisierte ausbeute, bei eisgeweid an eine den privaten überlassene gedacht ist. die erklärung bei Meurer heftet sich jedoch an die entstehung der äuszeren situation. zu der bedeutung vgl. auch DWB fischweide, DWB vogelweide,

[Bd. 6, Sp. 5431]


die ebenfalls den begriff venatio ausprägen, während fischgeweide (s. unter 2) die bedeutung viscera darbietet.
2) geweide, eingeweide. in dieser bedeutung ist das neutrum viel belegt und reichtin concurrenz mit dem zusammengesetzten eingeweide — bis in die neuere zeit herein. schon in der mhd. epik wird nicht blosz die beziehung auf thiere, sondern fast noch häufiger die auf menschen angebaut. für die erstere sind es namentlich die antiken opfergebräuche, die besonders in der übersetzungslitteratur anlasz zum gebrauche geben; in der neueren sprache (vgl. Göthe) überwiegt die übertragene bedeutung.
a) die sinnliche bedeutung von eingeweide, intestina, gewaide Heinrici summarium. Steinmeyer-Sievers 3, 439; exantera gewid, gewaid Diefenbach 216a; gewaid Schottel 634b, weid .. usitatius dicitur geweid und ingeweid viscera, interanea, praecordia, lactus Stieler 2453; gewaide, eingeweide Woeste 78b.
α) beziehung auf thiere: geweide, inngeweid ... exta, interanea, intestina, praecordia, viscera animalium Henisch 1596; gheweyde viscera animalium Kilian 146a; antra fische-, visch-, fisz-geweyde Diefenbach 39a; fischgeweide piscium praecordia Stieler 2453. schaffs-, lamms-, kalbsgeweide, scheep's lamb's, or calve's chaldron or pluck. teutsch-engl. wb. 2, 771.
1))

von dem rosse zuht ern (den bären) under sich
und zebrach in aller teile gelîch,
daʒ geweide er ûʒ im warf. Servatius 2933 Haupt (z. f. d. a. 5);

iz geweide ûʒ nimit, exintestinat. Conr. v. Heinrichau voc. rerum (1430) fundgruben 1, 373b; ein thier ausweiden, ihm das geweide herausnehmen, to garbage or unbowel a beast, to draw the guts. teutsch-engl. wb. (1716) 2, 771, 't gewei ûtnämen. ten Doornkaat Koolman 1, 624;

da horch! halali! das treiben ist aus,
des hirsches einzige thräne vergossen,
ein hörnerstosz durch das waldige haus
vereint zum geweide die zott'gen genossen.
Annette v. Droste (Kurt v. spiegel) ged. 265.


2))

beslôʒ ichs in mîn geweide. Reinhard fuchs s. o.

antwurt der fuchs: mîn her, du sichst, wie ich so bald geloffen bin, daʒ ich überal bestrebt (bestäubt?), unsauber und stinkend bin, und besorge, daʒ dine gewaid von dem stank entricht werdent, so ich näher zuo dir gang. Äsop übers. v. Steinhöwel 211 Österley; sie (die meerigel) haben fünff hole zän, fünff mägen oder geweid, und fünff eier. Gesner fischbuch übers. v. Forer 151a; ein feiste fischbrü, so ausz dem faulen geweid der eingesaltzen fisch distilliert und zu bereitung der speisz gebraucht wird, garum liquamen. Henisch 531.
3))

ein gitik mensch tut als di spinne,
die nach iemerclichen gewinne
ir gewide spinnet ûʒ irem leibe,
daʒ in dem webe ein mucke beleibe.
Hugo v. Trimberg renner 4849 (hdschr. v. 1430 gewaide.
Schmeller 22, 856; Frankfurter druck 27a geweppe).


4)) da hielten sie dʒ opffer der gter, und die gewaid d' tier, in den si wonten, künftig sachen unt tat zu erkennen. Valerius Maximus übers. v. Muglein (1489) 3d; Cicero, an vil orthen von der warsagung, zvorausz im ersten bch ... schreibt ... ich geschweig der unsern, wölche gar nichts, in dem kriege, on geweid handlen, nicht anheiment haben, on besichtigung der vöglen. Polydorus Vergilius (1, 24) deutsch von Tatius Alpinus 28b; er (der priester) stundt aber von den knien darauff er das geweide zu besichtigen lag gantz bestürtzet auff, gieng gerichts auff die königin zu. Barclay Argenis übers. v. Opitz 2, 310;

drauf den gewaltigen stier ...
schlachtet' ich ...
... und ich befahl den heroen, umher in die runde sich stellend,
einzuheften die speer' und die faustanfüllenden schwerter
rings in haut und geweide mit angestrengeten händen.
Voss Hesiod (Orfeus der Argonaut) 265;

sie nun, da sie vertrieben die feindliche wolke des krieges,
nahmen den frieden sie froh und weiheten ein ihn mit opfern;
drauf, da verbrannt sie die schenkel und auch die geweide gekostet,
spendeten sie zur erden.
Aristophanes (der frieden 1075) 1, 97
Droysen, ebenso 'der frieden' 1085;

wohlan, denn ihr zuschauer, kommt und weidet euch
mit uns des geweids. 'der frieden' 1098.

[Bd. 6, Sp. 5432]



β) beziehung auf menschen.
1))

sô daʒ imʒ geweide
ûʒ der tjost übern satel hienc.
der helt die banier dô gevienc
und gurtʒ geweide wider în,
als ob in ninder âder sîn
von deheinem strîte swære.
Wolfram Willehalm 25, 24;

un durch sin seitn in do stach,
daʒ er zehant vor im ligen sach
ûf der erden sîn geweide.
Hugo v. Trimberg renner 6311;

der kaiser hiʒ im gewinnen
sine haim gesinden
hirzine hute
da man in sute
die heren lichenam
ir gewaide si uʒ in nam
si bestattenʒ in di grbe. Rolandslied 260, 15 Grimm;

so viel aber hertz. Fr(iedrich von Braunschweig) anlangt, der so schendlich ... ermordet worden, ist derselbe von den seinen von der walstadt abgeholet und ins closter Wibbrechthausen geführt, da der leib nach fürstlichem gebrauch eröffnet, und das geweid in selbigen closter ... in die erde gesetzt .,. worden. Heinr. Bünting braunschweig. chron. herausg. v. Meybaum (1620) 268 (fehlt 1584).
2))

tôt saʒ er in ainer geswâshait,
das gewaide was von im gevallen. kaiserchron. 13477 Schröder;

sin (des Judas) lib daʒ ungetrue vas
wol gelich entzwei spielt
so daʒ er nicht in im behielt
wande druʒ viel daʒ geweide (
Luther apost. gesch. 1, 18: eingeweide). das alte passional 318, 28 Hahn;

wem das gewait ausget, dem zeucht der (schröpf) choph das gewait wider an sein stat. hdschr. v. 1477 (Schmeller 2, 856); ob er wunt wirt an dem pauch, daʒ im daʒ gewaid (var. gedarm) durch auʒ get. Freis. rechtb. (Schmeller 2, 856); etliche hefften gar kein wunden. wem aber das gewaid auszgehet, den musz man hefften, und je bälder man das gewaid hineinbringt, je besser, ehe dann es kalt unnd schwartz wird. Gäbelkhover (1665) 416b.
3))

'diu sorg ist unstrîtec',
sprâchen die knehte beide,
'füllt uns wol das geweide'.
Seifrid Helbling 1, 424 Seemüller 35;

das geweid für eingeweide ist selbst in Oberdeutschland fast veraltet. indessen finde ich es noch in Mochels urne von Schmohl 1, 211: sein arzt fühlte endlich eine verhärtung der leber, die unstreitig schon lange durch die zusammendrückung des leibes und damit verknüpften (verknüpfte) hemmung der verrichtungen dieses geweids (theils der eingeweide) beschädigt worden war. Heynatz 2, 54.
b) der übertragene gebrauch; vgl. die gleiche entwicklung bei lat. viscera: dieselben nation wir und unsere vorfaren allwege in geweide der liebe getragen haben, in visceribus semper gesserimus caritatis. Luther (übersetzung der bulle 'exurge domine') 1, 380a Jena;

du stehst unerforscht die geweide
geheimniszvoll offenbar
über der erstaunten welt.
Göthe auf dem Harz (nach abschriften, vgl. Weim. ausg. 2, 308; im druck: du stehst mit unerforschtem busen. Harzreise; werke 2, 67);

wenn wird ein greiflich gespenst von schönen händen entgeistert,
und der leinene sack seine geweide verleiht. (triumph d. empfind.) 14, 8

(an anderer stelle: ein greiflicher sack und eingeweide).
 
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geweidesucht, f. hirna, geweidesucht mitteld. und oberd. vocabularien d. 15. jahrh. Diefenbach-Wülcker 619, vgl. auch Diefenbach 278b.
 
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geweidicht, n. zu weide, salix. geweidicht ... im gemeinen leben, ein mit weiden besetzter platz, der auch das weidicht genannt wird. Adelung 2, 654. geweidicht s. weidicht Hilpert 1, 463c, ebenso Nemnich wb. d. naturgeschichte 192.
 
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geweidlich, gewaidlich, adj., verstärkte form zu weidelich, weidlich (s. d.). zu rechter gewaidlicher zeit und weil jagen, und nit wan das wiltpret noch untauglich und weder nutz noch guet ist. pfandbrief von 1649. Majers forstzeitschrift 2, 4, 32. vgl. Schmeller 22, 854.

 

geweibt
1)  innerhalb der verbalflexion verallgemeinert und erweitert sich die bedeutung.
a)  engere bedeutung: der kater blîdeclîch dar gie, er sprach: 'got êre iuch fröuwelîn, ich wil mit iu gewîbet sîn, ir sît mit mir gemannet wol. Herad v. Wildonie (die katze 162) Kummer s.
b)  erweiterung der bedeutung: doch meindent etliche: hettent die herzogen von Peigern des küniges (v. Frankreich) volkes begert, er hette in volkes geng gegeben wider die stette, wann er under gewibet was. Jac. Twinger v. Königshofen
2)  auszerhalb der verbalflexion ist es anscheinend nur die engere bedeutung, die sich isoliert: alle tage new anmutung oder keufen, alle wochen fremde aufsetzung oder muffeln, alle monat newen unlustigen unflat oder grawen, alle jare newes cleiden oder teglichs strafen musz ein ge weibter (var. beweipter) man haben,
 
geweichen
1)  im bedeutungsgehalt ist das moment der bewegung ausgeprägt, doch nicht in rein sinnlicher anschauung, sondern auf abstracte vorgänge übertragen. erst in den spätesten belegen wird die sinnliche bedeutung rein entwickelt, vgl. b) β).
a)  wo die bewegung scheinbar durch ortsbestimmungen veranschaulicht wird, sind diese gerade die träger der abstraction: discesseris, descisseres, kewichis St. Galler glossen des 10. jahrh. zu Boethius de consolat. philos. (vgl.daʒ ouh etewaʒ kerucchet sîst aba dînero ebenmuoti). Steinmeyer-Sievers
b)  sinnlichere bedeutung erwächst den belegen, in denen der factor gekennzeichnet ist, unter dessen druck die bewegung anhebt: personen, lebewesen, concreta, denen der schwächere nachgiebt, weicht.
α)  cessimus gewichun Werdener glossen (11. jahrh.) zu
β)  in verbindung mit concreten objecten wird das metaphorische moment ganz abgestreift (vgl. auch unter 3): es was zu aller zeit kottig überall in der stat und wasen umb und umb hültzin stapfen über die gassen und grosz fürschlacht vor den heusern und tief kottig weg in der
2)  wo die vorstellung einer fortbewegung nicht herausgearbeitet erscheint, mag sie durch den übertragenen gebrauch verdunkelt worden sein, hieher gehören gerade die ältesten beispiele, die für das zusammengesetzte verbum beigebracht werden.
a)  aus solcher entwicklung erklärt sich der absolute gebrauch:
α)  in der althochdeutschen zeit berührt sich dieser eng mit verwendungen von geweichen II: ut nemo moveatur (in tribulationibus istis) ni kiwihe Weiszenburger glossen des 9. jahrh. zu Thessal. 1, 3, 3 (daʒ kainer wirt bewegt. cod. Tepl., das nicht jemand weich würde.
β)  einzelne formen des späteren mittelhochdeutschen gebrauches lassen noch die näheren bestimmungen erkennen, die abgestreift wurden: wart zi stunt mit dem êristin man suslîch gidingi gitân, daʒ er ein einwîg rungi mid demo giboti vur mankunni,
b)  wo diese verwendung einen persönlichen dativ aufnimmt, handelt es sich nicht mehr um den factor, dem raum gegeben wird, sondern allgemein um die person, die an dem vorgang interessiert ist: einem entweichen.
α)  deficias, giwihhes Monseer glossen des 10. jahrh., Tegernseer glossen des 11. jahrh. u. a. zu den sprüchen Salomos 3, 11 (verwirff die zucht des herrn nicht. Luther). Steinmeyer-Sievers 1, 529; gnedic herre heilige crist,
β)  als uns ir lêre hât geseit, den nie geweich diu wârheit, den got mit werken zaller stunt ervulte, swaʒ gesprach ir munt. Rudolf v. Ems
3)  wie hier die betheiligte person, so ist in anderen ähnlichen verwendungen ein ziel gekennzeichnet: ir ougen sâhen swenken rückeshalp den wilden sê, vor dem enkunden si niht gewîchen hinder sich noch komen. Konr. v.
 
geweichen
1)  unter den mit dem präfix ge zusammengesetzten verbalableitungen zu weich, mollis, reicht nur das factitivum noch in die neuere sprache hinein und auch dieses nur mit einem spärlichen rest; das intransitivum (geweichên, geweichen Graff 1, 714. mhd. wb. 3, 618
2)  überblick über die verwendungen.
a)  verbindung mit einem object der person.
α)  übertragener gebrauch: curva, giweihhi. Tegernseer glossen des 10./11. jahrh. u. a. zu
β)  eigenartig bahnt sich in diesem übertragenen gebrauch sinnliche bedeutung an: alles was den man geweichen mag unreht zu tunde. Straszburger statuten, vgl. Scherz
b)  verbindung mit einem object der sache.
α)  die sinnliche bedeutung.
1))  dura relaxet, kiweiche Berner glossen des 11. jahrh. zum Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 529; (ante faciem frigoris eius quis sustenebit? mittit uerbum suum et liquefacit ea, flat spiritus eius et fluent aquae. ir sendit siin uuort endi
2))  als vil man einen herten stein geweichen noch gebiegen kan, als vil mag der valsche kloster man ze triwen sich gebiegen: sin triegen und sin liegen ist noch herter denne ein eisen.
β)  der übertragene gebrauch:
1))  dissolvit (carnes), giweihta Monseer, Tegernseer u. a. glossen d. 10./11. jahrh. zu Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 297; libidinem condomare, giweichan ebenda 420; bella frangere, giweihun 443.
2))  animos resolvit, kiweichit glossen zu Prudentius. Steinmeyer-Sievers 2, 525; gizellet in ouch filu fram,theih selbo hera in uuorolt quam, thaʒ thiu mîn geginuuertigiuueihti thia iro herti. Otfrid 5, 16, 26; die
 
geweicht
1)  longa aegrotatione fractus, giweihter gloss. z. d. sprüchen Salomos (prolog) Steinmeyer-Sievers 1, 527 u. a.; enervatur, giweihit Freisinger glossen des 9. jahrh. zu Gregors cura pastor. 2, 175 u. a., vgl. Graff 1, 712.
2)  sîn swert daʒ ist .. wol gehertet unde geweichet. Neidhart 92, 10 Haupt. geweicht maceratus Maaler 179a; gheweyckt maceratus, imbutus Kilian 146a; geweicht maceratus imbutus Henisch 1596
3)  die kurze form, die in der späteren sprache durch zusammensetzungen verdrängt wurde, scheint von einer richtung des neueren stils, die abgegriffene wortformen umprägt, auf dem wege der zertrümmerung wieder eingeführt zu werden (vgl. auch geweitet): die vom regen geweichte papierlaterne. zukunft 13, 434. zu
 
geweide
1)  geweide = weide. bildungen mit ge sind hier spärlich, und auch deren bedeutung ist nicht immer sicher, kann aber wohl aus der entwicklung erschlossen werden, die an dem einfachen weide bezeugt ist.
a)  geweid, weid deʒ vichs, pascua, ... locus in quo pecudes pastum capiunt. Henisch 1596; se schollen holtis, woeldis, waters und geweide frig gebrucken gelik uns selffs. Schiller-Lübben 2, 100a; vgl. Verwijs u. Verdam 2,
b)  wir Ruprecht der elter, pfaltzgrave bi Rine ... bekennent ... daz wir verluhen habent ... die hienach schriben salmengrunde uf dem Rine ... grunde und geweide, daz daz horet oben und niden. urkunde von 1357 zsch. gesch. Oberrh. 4, 76; und waz fische sie gevahent uffe den
2)  geweide, eingeweide. in dieser bedeutung ist das neutrum viel belegt und reicht in concurrenz mit dem zusammengesetzten eingeweide bis in die neuere zeit herein. schon in der mhd. epik wird nicht blosz die beziehung auf thiere, sondern fast noch häufiger die auf menschen angebaut.
a)  die sinnliche bedeutung von eingeweide, intestina, gewaide Heinrici summarium. Steinmeyer-Sievers 3, 439; exantera gewid, gewaid Diefenbach 216a; gewaid Schottel 634b, weid .. usitatius dicitur geweid und ingeweid viscera,
α)  beziehung auf thiere: geweide, inngeweid ... exta, interanea, intestina, praecordia, viscera animalium Henisch 1596; gheweyde viscera animalium Kilian 146a; antra fische-, visch-, fisz-geweyde Diefenbach 39a; fischgeweide piscium
1))  von dem rosse zuht ern (den bären) under sich und zebrach in aller teile gelîch, daʒ geweide er ûʒ im warf.
2))  beslôʒ ichs in mîn geweide.
3))  ein gitik mensch tut als di spinne, die nach iemerclichen gewinne ir gewide spinnet ûʒ irem leibe, daʒ in dem webe ein mucke beleibe. Hugo v. Trimberg
4))  da hielten sie opffer der gter, und die gewaid d' tier, in den si wonten, künftig sachen unt tat zu erkennen. Valerius Maximus übers. v. Muglein (1489) 3d; Cicero, an vil orthen von der warsagung, zvorausz im ersten bch ... schreibt ...
β)  beziehung auf menschen.
1))  daʒ imʒ geweide ûʒ der tjost übern satel hienc. der helt die banier gevienc und gurtʒ geweide wider în, als ob in ninder âder sîn von deheinem strîte swære. Wolfram
2))  tôt saʒ er in ainer geswâshait, das gewaide was von im gevallen.
3))  'diu sorg ist unstrîtec', sprâchen die knehte beide, 'füllt uns wol das geweide'. Seifrid Helbling 1, 424 Seemüller 35; das geweid für eingeweide ist selbst in Oberdeutschland fast veraltet. indessen finde ich
b)  der übertragene gebrauch; vgl. die gleiche entwicklung bei lat. viscera: dieselben nation wir und unsere vorfaren allwege in geweide der liebe getragen haben, in visceribus semper gesserimus caritatis. Luther (übersetzung der bulle 'exurge domine') 1, 380a Jena;