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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gewandeln bis gewandert (Bd. 6, Sp. 5286 bis 5290)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gewandeln, verb. , verstärktes wandeln, das mit seinen hauptverwendungen, dem transitiven gebrauch im sinne von mutare und dem intransitiven im sinne von ambulare, an dieser bildung theil nimmt.
1) der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare ist natürlich früher bezeugt (s. DWB wandeln), die belege reichen hier schon in die althochdeutsche periode zurück, entstammen jedoch nur den glossen, s. Graff 1, 764. nur bedingt hierher zu rechnen ist das partic. praeteriti kiwantalot, das in attributiver verbindung die bedeutung weit verschiebt (kiwantaloteru stunto, versa vice. Steinmeyer-Sievers 1, 493b). andererseits ist für mutare, giwantalon in den glossen zum liber comitis (Steinmeyer-Sievers 1, 818a) die auffassung nicht unzweifelhaft. die stelle bezieht sich auf Matth. 5, 42 und hier hat die vulgata mutuari: volenti mutuari a te, ne avertaris; sicherer führt die stelle einer Tegernseer handschr. des 11. jahrh.: vertere, giwantalon Steinmeyer-Sievers 2, 671a (zu Aeneis 12, 825: aut vocem mutare viros aut vertere vestem, oder die sprach' umtauschen, und vorige kleidungen wandeln. Voss).
a) in dem eben angezogenen beleg zielt das verbum auf ein sächliches, reales object. diesem zusammenhang erwächst die bedeutung 'wegnehmen, zurücknehmen':

er chouffe wol oder ubele,
er wil ettewaʒ darubere.
niemer er gewandelôt,
des er verchouffet. genesis 1726 Piper;

di wîle her lebit sô mag her di gebe nicht gewandiln noch entvremden. Kulm. recht 4, 15.
b) bei einem persönlichen object leitet diese bedeutung zu der von 'entfernen' über.
1))

vater, als ich han gesehen
wie ir minem enen getadet,
und in zu tische geladet,
uʒ der stiege gewandelt,
nach eren schon gehandelt,
daʒ gibet mir die lere,
daʒ ich din alter ere. vom kotzen 250 Koloczaer cod.


2)) auch sullen wir in einen richter geben ... swenne si wellen, so mügen si den gewandeln, ob er eʒ umb si verschuldt. monum. Zoller. 3, 187 (zu 1347); hedden se beseten, so weren se vol gesogen ... nu komet andere de hungerich sin ... hirbi nam de keiser ene merke, dat he nimmer sine richtere gewandelde. sächs. weltchronik 92.
c) in der übertragenen verwendung spaltet sich die bedeutung je nachdem die änderung auf etwas zielt, das auszerhalb des subjectes liegt oder innerhalb desselben zu suchen ist.
α) objecte auszerhalb der sphäre des subjects.
1)) unpersönliches object:

den (Widolt) triven ses riesin vrêsam
unde heiʒen ene ungebêre hân,
daʒ die burgêre
immer sageten mêre ...
unze her vor Constantîne quam.
dô sprach ein grâve oberlût
'hîr veret des tûvelis brût,
— mochtich die schande
immer mêr gewandelen, —
(sô mir daʒ heiliche liecht!)
ichne gebeite sîn vor deme kuninge nicht.' könig Rother 1057 v. Bahder;

das er mit uwer und ander, die zu dem heilgen riche gehorent, hulffe soliche grosze irrunge und gebrechen, die leider lange zit in der heiligen kirchen ... deste basz furgesin und wiedersten und mit der gots hulffe gewandeln und zu gutem wesen bringen möge. Frankfurts reichscorrespondenz (aus 1401) 1, 564. ähnl. 1, 576; ick en mach nicht gewandelen (immutare) dat wort des heren. Halberstädt. bibel (1522) 4 Mos. 22, 18 bei Schiller-Lübben 2, 97;

sal daʒ wesen uwer got
und uwer irlosere,
den ir so offenbere
vor u sus laʒet handelen,
so wol so irʒ gewandelen
im an den wihten mohtet,
ob ir so vil im tohtet,
daʒ ir in torstet gesturen.
Hesler evangel. Nicodemi 4978 Helm, ebenso 4354;

wultit uns darumme umme sodaner velen bodischafft nicht vordengkin. denne wir desz andirs nicht wol gewandelin

[Bd. 6, Sp. 5287]


konnen. Margarete v. Braunschweig an ihren bruder bei Steinhausen privatbriefe 1, 30.
β) objecte innerhalb der sphäre des subjects.
1))

wan der kunic rîche
was dô sô tugentveste
daʒ er sîne geste
schône und wol hieʒ handeln.
ern wolte nie gewandeln
an den êren sîne site.
K. v. Würzburg Engelhart 650 Haupt;

vgl. auch:

hienach an dem sibenden tage
wart im sin mut gewandelt. passional 275, 5 Köpke;

sant Augustînus schrîbet also: mensche, kanst du dîn leben gewandeln, sô kan ouch unser herre sîn urteil gewandeln. sprüche deutscher mystiker, s. Pfeiffer Germania 3, 230a.
2)) sich gewandilon, sich verändern, glossen zu homilien, vgl. anzeiger für kunde der deutschen vorzeit 8, 503. vgl.:

mit vreuden si do heim schiet
und was uf ein ander leben
gewandelt, daʒ ir wart gegeben
von unsers herren gute. passional 404, 38 Köpke.


2) der intransitive gebrauch mit der bedeutung ambulare.
a) für das grundwort wandeln nimmt die allgemeine auffassung bei diesem gebrauch mitteldeutschen ursprung an und stellt dessen einbürgerung in unsere schriftsprache unter den einflusz Luthers. da nun aber aus unseren beispielen hervorgeht, dasz die verstärkte form gewandeln hier gerade in oberdeutschen denkmälern verhältnismäszig früh belegt ist, so läszt sich diese anschauung nicht halten. Luthers einflusz ist die verdrängung der volleren form gewandeln durch das einfache wandeln mit zuzuschreiben, nicht aber die einbürgerung des verbums überhaupt.
α) der ander wec daʒ ist der wec der gotheit. waʒ wege hât diu gotheit oder war mac sie gewandeln, wan si doch an allen steten ist, oder wâ mit wandelt si, wan si doch niht vüeʒe hât? predigt des 14. jahrh., s. zeitschr. f. d. alt. 8, 245; also sont si des richs strasse offen und in êren halten, das mängclich uf und nider gewandlen mug ze ross und ze fss. St. gallische rathssatzungen 272 (mitth. d. hist. vereins zu St. Gallen 4, 124); dan er (der schnee) was so tieff, des nit z schribend ist, und mocht imen gewandlen. Hug Villinger chronik 18; es geturste ouch niemant gewandeln in dem lande one ir geleite und wortzeichen. Königshofen d. städtechron. 8, 487 (Straszburg).
β) in einigen der oben angeführten beispiele ist das verbum für das umherziehen und die reisen der kaufleute angezogen. dieser engere gebrauch wird durch die schon aus lautlichen gründen beliebte verbindung von handeln, wandeln begünstigt und beeinfluszt wieder die bedeutungsentwicklung. an eine nachwirkung des sociativen präfixes ist dagegen nicht wol zu denken: und die strossen verwustet werent, das kouflüte und andere nüt gewandeln möhtent. Königshofen d. städtechron: 8, 448; und do sü den turn Babilon gebuwetent wol fünf welscher milen hoch, do wolte got ir hochfart nüt me vertragen und verwandelte ire sprochen ... und kundent nüt me mittenander gereden noch gewandeln. 245.
b) wie andere intransitive verba der bewegung läszt auch dieses gewandeln gelegentlich einen accusativ des inneren objectes zu sich treten: und darumb do besatzte derselb Wernher mit der vesti Valkenstein, daran er doch gar einen kleinen teil hat, das niemant die strasze noch das tal für dieselb vesti Valkenstein uf noch abe gewandelen mocht. urkundenbuch der stadt Freiburg i. B. 2, 59 Schreiber.
 
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gewandelt , participiales adjectiv mit beiden oben belegten bedeutungen.
1)

Augustinus genande
und wolde irn willen gerne tun.
er was nu ein gewandelt sun.
wand als er vor die muter vloch.
durch daʒ si in zu Cristo zoch,
sus war er ir nu gerne mite. passional 425, 8 Köpke.


2)

da ging ich
meinen gewandelten weg zurück.
Klopstock Messias 18, 323.


 
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gewanden I, verb., nebenform zu gewanen, gewahnen, gewähnen, vgl. sp. 4758: obe du von gotte ... iht gewandost oder gespreche durch irre tuom. Silbermann libellus de confessione 43, vgl. Scherz 544b.
 
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gewanden II, verb. , ableitung zu gewand, für die sich zweierlei ausgangspunkte nachweisen lassen: die anknüpfung an den umfassenden begriff (kleidung) der bair.-österr. mundart und

[Bd. 6, Sp. 5288]


die anknüpfung an den engeren begriff (kleidungsstück) der schriftsprache. neben den formen gewanden (gwanden), gewanten (Schöpf Tiroler idiotikon s. 800 g'wantig'n) stehen auch umgelautete: gewänden, gewenden, gewenten.
1) gewanden, die kleidung liefern, vielfach als stehende verpflichtung: der pflegvater soll das kind gewändten. Amberger acten (1334), vgl. Schmeller 22, 942; klaiden, gewäntten, vestire. vocab. v. 1419, ebenda; do sprach Wilhalm: ich wil dich in eren haben und wil dich gewenden und kleiden nach dinen eren. deutsche volksbücher 149 Bachmann - Singer; das ich han den nakhoten nie gewant. offene beichte zu Aldersbach (1450), s. Schmeller a. a. o.; da soll sich jeder priester selbst bekhosten und gewenten. (1404), vgl. Schöpf Tiroler idiot. 800. mit der gleichen bedeutung reihen sich die zeugnisse aus der lebenden mundart an. vgl. Schmeller a. a. o. Lexer kärnt. wb. 249. Schöpf a. a. o. Unger-Khull s. 290. Loritza neues idiot. viennense 51: warum g'wandt denn gott die lilien auf dem feld, als weil sie sich von anderer seit' kein g'wand schaffen können. Anzengruber (zu fromm) 5, 86. beliebt sind namentlich reflexivverbindungen: wie kunt mə~si' denn gwántún, wenn də marktgrósch ún nét wár? als ausrede der Münchener köchinnen bei Schmeller angeführt; dafür hab ich mich zu gewanden. Rank von haus zu haus 28; dernthalb hast di 'heunt so schön gwandt. s. Sanders ergänz.-wb.
2) gewanden, für die gewährung oder inanspruchnahme einzelner kleidungsstücke.
a) der marschalch gieng und gewndt desz chningez tochter mit der aller pesten wt. gesta Romanorum 165 Keller; und schf zehant daʒ man die iunchfrawen pracht und si ... mit reichen claidern gewænden scholt. 20; und si gewnten in mit dem aller pesten gewand, daʒ si gehaben mochten. 171; der was nit gewent mit einem hochzeitlichen claid. bei Schmeller 22, 942.
b) dies wort ist noch in den schönen künsten brauchbar, für: mit gewändern bekleiden (drapiren), das gewanden, gewanten. Campe 2, 359; der mittelalterige künstler gewandete seine heiligen am liebsten nach eben gangbarer landessitte. Riehl wanderbuch 362; gewanden, gewanten (drapieren) (unusual) v. tr. eine figur gewanten, to make the drapery of a figure, to cloth it. Hilpert 1, 463a.
c)

halb griechische, halb auch französche donne
ist Regula, die wackerste ma bonne;
nimmt sorgsam überall, nimmt tag und nacht
die lieben kinderchen ganz wohl in acht;
weisz wohlgewandet zu gängeln, weisz spazieren
den kleinen trupp vorsichtiglich zu führen.
Bürger (mamsell la Regle) 1, 152;

ihre gestalt war in einen ... morgenanzug gewandet. Schücking dunkle th. 6; in weisz und schwarz gewandet. Stahr ein jahr in Italien 2, 400;

mit feiner hand hältst du in schönen banden,
das er dir gab (der herr), dein anmutreiches haar.
gleich einer palme aus den morgenlanden
liess er dich wachsen, der im anfang war;
du aber weisst dich köstlich zu gewanden,
dass sich verdunkelt deiner schwestern schar.
G. Keller (ghas.) 10, 12;

und anders ward mein träumen nun gewandet,
zu einer mumie ward ich versandet,
mein linnen staub, fahlgrau mein angesicht.
A. v. Droste-Hülshoff (die mergelgrube) 1, 100.


3) die mannigfaltigkeit dieser bedeutungen spiegelt sich auch in zusammensetzungen des verbums, vgl. z. b. vergewanden: 1) sich vergewanden = sich verkleiden Schmeller a. a. o.; 2) das geld vergewanden (an der kleidung verschwenden) ebenda; 3) verg' wanten, stücke aus der haushaltung heimlich verkaufen. Schmidt schwäb. wb. 517.
 
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gewandener, gewandner, gewanter, m., österr.-bair. substantivbildung, nomen agentis zum vorhergehenden verbum: gwantner, vestiarius (im kloster Osterhofen). Schmeller 22, 942; auf ableitung von gewand = pannus deutet geschlachtgewandner, feintuchweber. ebenda 500.
 
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gewander, gewänder, gewender, m., nomen agentis zu gewand I., das mit seinen nebenformen gewandler, gewendler und gewandser sich ganz auf die bedeutung pannus beschränkt: gewander ist der tuchhändler, aber im detailverkauf, vgl. DWB gewandschneider. zwei punkte bedürfen hierbei der erklärung. formell überrascht der wechsel zwischen umgelautetem und nicht umgelautetem stammvocal, aus dem sich für die gleichstellung von gewand und gewendet eine handhabe gewinnen liesze, vgl. indogerm. forschungen 14, 417. sobald man jedoch den umlaut beim verbum gewanden (s. oben) in betracht zieht, für das jede unmittelbare

[Bd. 6, Sp. 5289]


erklärung aus wenden versagt, wird man diesen formellen stützpunkt ausscheiden müssen. dagegen bleibt noch der bedeutungszusammenhang von gewander mit gewandreisser und gewandschneider, der aber nur ein wahrscheinlichkeitsmoment, jedoch keinen zwingenden grund für diese erklärung darbietet.
1) so ist auh der gewander reht, daʒ kain lodwæber noh niemen der gewant erziuget bi der ellen niht verkaufen sol wan bi ganzen loden. Augsburger stadtbuch (art. 14, § 11) s. 42 Meyer; man sol auch wiʒʒen hinwider daʒ die gwander keiner slaht kramgwant verkaufen suln noh daʒ die kouflute angehœret, ez si siden gwant, siden golter etc. (anm. zu art. 14, § 10) s. 41; verkauffet ein gewander gewant unde enphilhet daʒ eime snider, daʒ er von im iht laʒʒe, e daʒ er gewært wærde der phenninge, die umbe daʒ gewant horent, git er daʒ daruber ieme der eʒ da kauft hat ane des gewanders wort, so ist er dem gewander siner phenninge schuldic ob er si hat. (art. 133) s. 217 Meyer; wir die driczehen gezunfte zu Spire, die ducher, gewender und snider ... die kremere und die linweter, altgewender ... sagtregere. (1327) zeitschr. z. gesch. des Oberrheins 17, 42; die tuechler, gewandtler, so das tuech nach der elen ausschneiden. policeiordn. von 1573 bei Schöpf 800;

und swindet das gelt reht als der wint.
do dem kremer, do dem gewender,
dort dem rebman, hie dem bender.
Dangkrotzheim das heilige namenbuch 459, etsässische litteraturdenkm.


2) mannigfaltig belegt sind diese substantivbildungen in der composition.
a) altgewender: darum begert daʒ hantwerk, daʒ die altgewender hinfürter nit me süllent nuwe sergen feil haben, sunder nit me dan die sergen, die sü in husret koufen oder sust alt sergen, die inen fürkomen. Straszburger stadtordnung vom ende 15. jahrh. bei Schmoller s. 105. hier scheint nachträglich anlehnung an wenden und zwar im neueren technischen sinne (ein kleid wenden) gesucht worden zu sein: altgewender, interpolator, ein altgewender, der alte kleider wieder neu macht. Dasypodius, alt gewänder, der alte kleider wieder bessert auf den kauff, als baretlinwäscher und dergleichen. Emmel sylva Basel N 2b; fripier, altgewandser Duez franz. gramm. (1645) 216.
b) die pleonastische verbindung mit tuch: (vgl. von verkouften des tuchgewands. Straszb. stadtordn. von 1496 bei Schmoller s. 98; bi Heintzelin dem düchgewender zu Wümpffen. C. v. Weinsberg einnahmen und ausgabenregister 24 u. a. vgl. indogerm. forschungen 14, 417; vestiarius, tuchgewender Erasmus Alberus nov. dict. Jb; thuchgwendter bei Hans Sachs (Henno) 7, 134 Keller u. a.; das dann die tuchgewendere den wüllin webern das abkaufen wöllen. (Villingen 1536), zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 9, 148; wann frembde tuchgwender oder ander krämer in sollicher stadt [Wiesloch] uf den jahrmarckten oder sonsten fail haben, müssen dieselbigen zuvor ihr ehl den burgermeistern anzeigen, oberrheinische stadtrechte 1, 718 (1557).
 
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gewandere, n., nomen actionis zu wandern, vgl. Campe 2, 359. Heinsius 2, 431. eine mundartliche abzweigung der bedeutungsentwicklung wird aus dem oberhess. sprachgebrauch bezeugt: wandern ... spuken ... davon das gewander (gewânner). Crecelius oberhess. wb. 892.
 
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gewändermaler, m., -malerin,f.: ein kronprinz kann kein system ausstehen ausser das der attrakzion; keinen anderen wahrheitmaler als den gewändermaler. J. Paul palingenesien 2, 70; der lektor hatte ... die hoftrauer schon an- und approbiert ... die weiber waren als hochselige aus den betten gestiegen, weil für diese fleissigen gewändermalerinnen eine lange wesenkette von rökken und von deren trägern wol so schwer wiegt als für ihre männer eine gekoppelte sippschaft von pferden. Titan 2, 76.
 
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gewandern , verstärktes wandern (s. d.), berührt sich eng mit gewandeln (s. o.).
1) der intransitive gebrauch.
a) ambulare.
α) und ward der schnee so dick und so grosz, dasz niemant gewandern möcht. B. Zink d. städtechron. 5, 179 (Augsburg); so balde es in besserung mit im kom, und ehr ... gewandern konde, in eigener person zu erscheinen. H. v. d. Planitz berichte (1521 ff.) s. 112 Virck.
β) gewander hin, war wollest du (et ambula). mitteldeutsches evangelium Joh. 5, 12, s. Schönbach Wiener sitzungsber. 137, 10 (nim dein bette und gehe hin. Luther); und ob er lihte wil gewandern hin in der dritten wahte al dar, et si in tertia vigilia venerit. ebenda (Luc. 12, 37: und so er kompt. Luther);

[Bd. 6, Sp. 5290]


do dacht si mit klucheit,
wie si von mir gewanderte
und dahin sich veranderte,
da ir beschert was ir tot. passional 654, 31 Köpke.


b) congredi, commercium habere:

si sanden bischolf Brûnen heim
daʒ er den kuning von Bêheim
her ze Brunne brachte:
dester schiere man möhte
zwischen in gewandern
von einem hinz den andern.
Ottokar steir. reimchr. 14511 Seemüller;

mit uns gewandernt her und dar, hic nobis cum sunt. mitteld. evangel. Marc. 6, 3, s. Schönbach a. a. o. (sind nicht auch seine schwestern alhie bei uns. Luther); und ob ein wip nach ir begir verlat ir man und einen andern gelat ... hin zu ir gewandern. ebenda Marc. 10, 12 (und freiet einen andern. Luther).
2) vereinzelt scheint auch der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare von gewandeln übernommen zu sein, im vorliegenden fall allerdings unter dem einflusz des reimzwanges:

dise herren alle
bitt ich des mîn geziuge sîn,
daʒ ich umb den schaden mîn
gen iu dhein rede ander
nimmer gewander. österr. reimchronik 22637.


 
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gewänderpracht, f., vgl.: in rücksicht des farbenreichthums und der gewänderpracht. Fr. Schlegel 6, 110.
 
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gewandert , participiales adjectiv, mit dem gleichen bedeutungsübergang, der uns an bewandert vertraut ist.
1) das particip in der grundbedeutung: gewandert ... peregrinatus Hulsius (1631) 166a; gewandert, qui multas peoragravit terras. Spieser 151a, ähnl. Gürtler, Kirsch, Bayer; gewandert, qui a voyagé, qui exteras perlustravit terras. nouveau dict. du voyageur 145, ebenso Pomai, Veneroni; gewanderter handwercksgesell, un compagnon de mestiere qui a couru pays. Hulsius (1614) 163b, ebenso (ausgabe von 1631) s. 166a, ebenso nouveau dict.; garçon de metier, qui a bien hantu et couru les pays. Rädlein 381b; ein gewanderter handwerksbursche, garçon de metier, qui est allé voyageur. Schwan (1782) 1, 743; gewandert, bewandert, gereist hebbende. Kramer (Nürnberg 1719) 2, 96c.
2) übergang zur übertragenen verwendung: dann es so ein grob, unverstóndig, auch ungewandert volckh (die Moscowitter). S. Kiechel reisen 115 Haszler; man hüet sich fur gewanderten jungkfrawen, und ungewanderten jungen gesellen. Henisch 1594; er ist ein gewanderter gesell, einmal zu marckt, zweimal zur mühle, und dreimal zu bad gewesen (zur verhöhnung von stubenhockern). ebenda; so soll doch ein jeglicher wundarzt von ihm selber erfaren, gewandert und geschickt sein, ihr (der wunden) wesen und eigenschaft zu erkennen. Paracelsus opus chirurg. 7; ich will meine untugenden so wenig verhelen, als meine tugenden, damit ... der ungewanderte leser auch erfahre, was vor seltzame kautzen es in der welt gibet. Simpl. 319 neudr.; niemand, der auf dem felde der synonymik einigermassen gewandert ist. Weigand syn. 2, 5.

 

gewandeln
1)  der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare ist natürlich früher bezeugt (s.wandeln), die belege reichen hier schon in die althochdeutsche periode zurück, entstammen jedoch nur den glossen, s. Graff 1, 764. nur bedingt hierher zu rechnen ist das
a)  in dem eben angezogenen beleg zielt das verbum auf ein sächliches, reales object. diesem zusammenhang erwächst die bedeutung 'wegnehmen, zurücknehmen': er chouffe wol oder ubele, er wil ettewaʒ darubere. niemer er gewandelôt, des er verchouffet.
b)  bei einem persönlichen object leitet diese bedeutung zu der von 'entfernen' über.
1))  vater, als ich han gesehen wie ir minem enen getadet, und in zu tische geladet, der stiege gewandelt, nach eren schon gehandelt, daʒ gibet mir die lere, daʒ ich din alter ere.
2))  auch sullen wir in einen richter geben ... swenne si wellen, so mügen si den gewandeln, ob er umb si verschuldt. monum. Zoller. 3, 187 (zu 1347); hedden se beseten, so weren se vol gesogen ... nu komet andere de hungerich sin ... hirbi nam de
c)  in der übertragenen verwendung spaltet sich die bedeutung je nachdem die änderung auf etwas zielt, das auszerhalb des subjectes liegt oder innerhalb desselben zu suchen ist.
α)  objecte auszerhalb der sphäre des subjects.
1))  unpersönliches object: den (Widolt) triven ses riesin vrêsam unde heiʒen ene ungebêre hân, daʒ die burgêre immer sageten mêre ... unze her vor Constantîne quam. sprach ein grâve oberlût
β)  objecte innerhalb der sphäre des subjects.
1))  wan der kunic rîche was tugentveste daʒ er sîne geste schône und wol hieʒ handeln. ern wolte nie gewandeln an den êren sîne site. K. v. Würzburg
2))  sich gewandilon, sich verändern, glossen zu homilien, vgl. anzeiger für kunde der deutschen vorzeit 8, 503. vgl.: mit vreuden si do heim schiet und was uf ein ander leben gewandelt, daʒ ir wart gegeben von unsers herren
2)  der intransitive gebrauch mit der bedeutung ambulare.
a)  für das grundwort wandeln nimmt die allgemeine auffassung bei diesem gebrauch mitteldeutschen ursprung an und stellt dessen einbürgerung in unsere schriftsprache unter den einflusz Luthers. da nun aber aus unseren beispielen hervorgeht, dasz die verstärkte form gewandeln hier gerade in oberdeutschen denkmälern verhältnismäszig früh
α)  der ander wec daʒ ist der wec der gotheit. waʒ wege hât diu gotheit oder war mac sie gewandeln, wan si doch an allen steten ist, oder mit wandelt si, wan si doch niht vüeʒe hât? predigt des 14. jahrh., s. zeitschr. f. d. alt. 8,
β)  in einigen der oben angeführten beispiele ist das verbum für das umherziehen und die reisen der kaufleute angezogen. dieser engere gebrauch wird durch die schon aus lautlichen gründen beliebte verbindung von handeln, wandeln begünstigt und beeinfluszt wieder die bedeutungsentwicklung. an eine nachwirkung des sociativen präfixes ist dagegen
b)  wie andere intransitive verba der bewegung läszt auch dieses gewandeln gelegentlich einen accusativ des inneren objectes zu sich treten: und darumb do besatzte derselb Wernher mit der vesti Valkenstein, daran er doch gar einen kleinen teil hat, das niemant die strasze noch das tal für dieselb vesti
 
gewandelt
1)  Augustinus genande und wolde irn willen gerne tun. er was nu ein gewandelt sun. wand als er vor die muter vloch. durch daʒ si in zu Cristo zoch, sus war er ir nu gerne mite.
2)  da ging ich meinen gewandelten weg zurück. Klopstock
 
gewanden
1)  gewanden, die kleidung liefern, vielfach als stehende verpflichtung: der pflegvater soll das kind gewändten. Amberger acten (1334), vgl. Schmeller 22, 942; klaiden, gewäntten, vestire. vocab. v. 1419, ebenda; do sprach Wilhalm: ich wil dich in eren haben und wil
2)  gewanden, für die gewährung oder inanspruchnahme einzelner kleidungsstücke.
a)  der marschalch gieng und gewndt desz chningez tochter mit der aller pesten wt. gesta Romanorum 165 Keller; und schf zehant daʒ man die iunchfrawen pracht und si ... mit reichen claidern gewænden scholt. 20; und si gewnten in mit dem aller pesten gewand, daʒ si gehaben mochten.
b)  dies wort ist noch in den schönen künsten brauchbar, für: mit gewändern bekleiden (drapiren), das gewanden, gewanten. Campe 2, 359; der mittelalterige künstler gewandete seine heiligen am liebsten nach eben gangbarer landessitte. Riehl
c)  halb griechische, halb auch französche donne ist Regula, die wackerste ma bonne; nimmt sorgsam überall, nimmt tag und nacht die lieben kinderchen ganz wohl in acht; weisz wohlgewandet zu gängeln, weisz spazieren den kleinen trupp
3)  die mannigfaltigkeit dieser bedeutungen spiegelt sich auch in zusammensetzungen des verbums, vgl. z. b. vergewanden: 1) sich vergewanden = sich verkleiden Schmeller
 
gewander
1)  so ist auh der gewander reht, daʒ kain lodwæber noh niemen der gewant erziuget bi der ellen niht verkaufen sol wan bi ganzen loden. Augsburger stadtbuch (art. 14, § 11) s. 42 Meyer; man sol auch wiʒʒen hinwider daʒ die gwander keiner slaht kramgwant verkaufen
2)  mannigfaltig belegt sind diese substantivbildungen in der composition.
a)  altgewender: darum begert daʒ hantwerk, daʒ die altgewender hinfürter nit me süllent nuwe sergen feil haben, sunder nit me dan die sergen, die in husret koufen oder sust alt sergen, die inen fürkomen. Straszburger stadtordnung vom ende 15. jahrh. bei Schmoller
b)  die pleonastische verbindung mit tuch: (vgl. von verkouften des tuchgewands. Straszb. stadtordn. von 1496 bei Schmoller
 
gewandern
1)  der intransitive gebrauch.
a)  ambulare.
α)  und ward der schnee so dick und so grosz, dasz niemant gewandern möcht. B. Zink
β)  gewander hin, war wollest du (et ambula). mitteldeutsches evangelium
b)  congredi, commercium habere: si sanden bischolf Brûnen heim daʒ er den kuning von Bêheim her ze Brunne brachte: dester schiere man möhte zwischen in gewandern von einem hinz den andern. Ottokar
2)  vereinzelt scheint auch der transitive gebrauch mit der bedeutung mutare von gewandeln übernommen zu sein, im vorliegenden fall allerdings unter dem einflusz des reimzwanges: dise herren alle bitt ich des mîn geziuge sîn, daʒ ich umb den schaden mîn
 
gewandert
1)  das particip in der grundbedeutung: gewandert ... peregrinatus Hulsius (1631) 166a; gewandert, qui multas peoragravit terras. Spieser 151a, ähnl. Gürtler, Kirsch, Bayer; gewandert, qui a voyagé, qui exteras perlustravit terras. nouveau
2)  übergang zur übertragenen verwendung: dann es so ein grob, unverstóndig, auch ungewandert volckh (die Moscowitter). S. Kiechel