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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gässelgehn bis gassenbetteln (Bd. 4, Sp. 1447 bis 1448)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gässelgehn, bair. östr. gleich ins gässel gehn (s. DWB gässeln) Schm. 2, 72, tirol. gasselgehn Schöpf 177, kärnt. Lexer 109; (verboten) das gäszlgehen, weil nichts als sünd und laster, leichtfertigkeiten und andere ungelegenheiten darausz entstehen. östr. weisth. 1, 327, aus dem 18. jahrh.
 
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gasseln, nordd., beim bäcker, den brotteig so in den backofen schieben dasz er rasch eine braune rinde bekommt, s. Dähnert 143a, Stürenb. 66a; andere (bäcker) sagen, zum gasseln des brotes sei der ofen (mit steinkohlenfeuerung) nicht zu gebrauchen. industriebl. von Hager u. Jacobson 1865 nr. 22. vgl. das gleichbedeutende garsten 3 (nl. garstelen, gorselen), gasseln mag eigentlich garseln sein; dän. heiszt es gjestne, gestne, vgl.gassa bei Rietz 188a. s. auch das zweite garben.
 
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gasseln, gässeln, oberdeutsch, zu gasse.
1) bair. östr. gasseln, gässeln, auf nächtlichen besuch zum liebchen gehn Schm. 2, 72, Schöpf 177, Fromm. 5, 343, s. gässelgehn

[Bd. 4, Sp. 1448]


und gasse II, 3, d, mehr unter fenstern 2, wo nachzutragen fenstern gehn Simpl. 1, 331 Kurz (3, 21 überschr.), fenstratum gehn Garg. 171b. s. gassatim, auch gassieren.
2) dasselbe scheint altschwäb. gaszlen:

secht, do wurdens gaszlent her
und rumplen unter enander
sam wildeu swein von Flandern.
Wittenweiler ring 8d, 23,

von einem haufen der daherbraust, beim nachturnier; vgl. gaslen in den straszen das. 56d, 23 und gassatim gehn von tollem umherschwärmen, bair. gasselbub nachtschwärmer.
 
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gasselreim, m., auch gassellied, bair. östr., 'lieb- lob- oder spott-lied, das vor dem kammerfenster eines mädchens gesungen wird' Schm. 2, 72; genauer aber sind lied und reim unterschieden, wie im 16. jh., vergl. Frz. Sartori, neueste reise durch Österreich Leipz. 1812 2, 94 aus dem Salzburgischen: »die sog. gaszlreime, welche keine eigentlichen lieder sind, sondern blosz mit veränderter stimme vor dem fenster eines mädchens herabgemurmelt werden und eigentlich die stelle eines ständchens vertreten; sie sind meistens in einer mysteriösen hyperbolischen sprache verfaszt, und so lang, dasz um einen solchen gaszlreim gehörig zu deklamiren kaum stunde hinreicht«, also in dem tone der schon im 15. 16. jh. in dem sog. klopfan (s. d.) angeschlagen wird.
 
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gassen, sich auf der gasse herumtreiben, herum gassen, rheinisch, z. b. in Aachen; s. DWB gassatim.
 
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gassenandacht, f. bei J. Paul biogr. bel. 1, 150 von dem singen der bettler vor den häusern.
 
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gassenbank, f. bank vor der thür, exedra. Stieler 93.
 
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gassenbesetze, f. stratura Denzler 2, 121b, straszenpflaster, bei Henisch 1363, 59 besetze der gassen, strata viarum, aus Maaler 157c. 62a, unbesetzte gasse platea terrena Kirsch 2, 129b, nd. enen steinwech setten Braunschw. chr. 1, 172, daher noch steinsetzer. danach kann die beschränkung, die Mone zeitschrift 19, 131 dafür angibt, nicht richtig sein: »zu Wolsach nannte man nach der stadtrechnung 1548 die pflästerer besetzer oder bsetzer, weil nur die fuszwege an den häusern (s. unter gasse 2, c, α) gepflastert wurden, welches man ein hus besetzen und den gepflasterten fuszweg einen bsetz nannte«; vgl. folg. entsprechend ist schwed. gatlägga, eine strasze pflastern.
 
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gassenbesetzer, m. viarum strator Denzler, pflasterer, gassenpsetzer Thurneisser archid. 54, es ist noch schweizerisch.
 
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gassenbettel, m. mendicatio per vias publicas (wo denn die straszen eingeschlossen scheinen). Denzler 2, 121b, Campe.
 
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gassenbetteln, n. vicatim facta mendicatio Frisch 1, 322c.