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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gäschen bis gasdirector (Bd. 4, Sp. 1431 bis 1432)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gäschen , schäumen, gären.
1) gäschen, spumare, bullire, bullare Frisch 1, 320c, bei Stieler 610 nur geschung (sonst gischen); bei Adelung z. b. »das bier gäscht, wenn es gähret, noch mehr aber wenn es eingeschenket wird und einen brausenden schaum aufstöszet«. Stalder braucht es sogar für das gären selber, indem er schweiz. jäsen (sp. 1349) mit gäschen erklärt, 'verjäsen aufhören zu gäschen' 2, 74, vgl. mhd. unter 3, b. auch Rädlein 317b setzt gäschung gleich gährung an.
2) nicht verschieden eigentlich ist jeschen bei Steinbach 1, 814, aber stark, part. gejoschen, der wein jischt spumat; er unterscheidet es übrigens von jehren fermentescere (gären). dem jischt gleich stehn kann folg. schles. gischt schäumt, von einem rosse: da gischt er, schäumt und schnaubt. Opitz 1, 9.
3) schon mhd. ist geschen bezeugt.
a) beim met sieden: giuʒ eʒ (wirze und heven) under einander, daʒ eʒ gesschende (so) werde. sô decke zuo, daʒ der brâdem iht ûʒ müge, einen tac und eine naht. Haupt 5, 13, buch von guter speise § 14, fränk. 14. jahrh., neben dem geschen wird erst später genannt jern, gären, das drei tage dauern soll, während das eintägige geschen, zumal da es zugedeckt geschehen soll, nicht das eigentliche gären sein kann, nur das schaum aufwerfen (kurz aufwerfen öcon. lex. s. v. meet), jesch aufwerfen bei Steinbach vorhin.
b) zeugnis gibt auch ein subst. geschikeit 'aufschäumen' wb. 1, 536a, von gottes menschwerden in Marien schosze, aber vom gären selber wie es scheint:

dô geist in geistes geschikeit
zôch an sich menschen knochen
in einer megede lîbe.
Frauenlob 236, 14 (MSH. 2, 351a),

gottesgeist in menschengeiste, es könnte aber zugleich ein wortspiel sein zwischen geist spiritus und geist faex, fermentum (sp. 1352), denn die gebärende seele ist wol als in gärung befindlich, das werden als ein ergären gedacht, wie bergmännisch das wachsen der erze in dem besamten mutterschosze der erde sp. 1354, vgl. DWB erzmutter 1229 und das bergmännische gatten; die geschikeit

[Bd. 4, Sp. 1432]


scheint der zustand des gärenden geistes, theils als seele gedacht theils als gärmittel oder gärmasse, denn solcher doppelsinn war beliebt und viel geübt in rätselrede (vgl. Zachers zeitschrift 2, 475 fg.), wie sie Frauenlob eben in jenem spruche auch anschlägt.
c) so scheint aber geschen echt mit seinem auslaut, nicht mit -sch aus -s geworden (s. DWB gäsen), wie J. Grimm gramm. 1, 434 für gischen annimmt, das schon fürs 15. jh. bezeugt ist Dief. 459a. für mhd. gischen, geschen in der bedeutung schluchzen u. ä. (neben gissen, jessen, jeschen u. ä.) ist altes -sc gesichert durch ahd. gescizan, ags. giscian, engl. yesk, und beide gischen haben nahe, vielleicht ursprüngliche berührung. danach mag aber auch das subst. gäsch echt sein, nicht anders das sch in gäscht (s. d.).
4) ein siebenb. gäschen vom klange des plätschernden regens Fromm. 4, 410 kann nach der mundart eigentlich gischen sein (vgl. unter kischen); aber Adelung führt auch ein gäschen an, das mehrfach einen dem schäumen ähnlichen andren schall bezeichne, vgl. gischen zischen sp. 1352 m.
 
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gäschicht, schaumicht: geschicht feculentus, spumosus Stieler 610.
 
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gascht, m. gleich garst, s. sp. 1380.
 
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gäscht, m. gleich gäst, gest, schaum. Adelung, schaum auf den gärenden dingen Frisch 1, 320e.
1) es findet sich in md. mundarten:

das öl mehr zunder nährt, als schäumend seife gäscht (nährt).
Lohenstein in Neukirchs samml. 6, 13.

natürlich auch gescht (Reinw. henn. id. 1, 46): spuma, gescht, jäst. Kirsch 1, 1023a, Ludwig 694 (neben gäst), z. b. biergescht, weingescht, wassergescht Stieler 610 (wo auch gerscht, sieh sp. 1350);

zum achten soll man auch (als bräutigam) den kuss fein reinlich
geben
und lasse nicht den saft auf ihren lippen kleben:
zum minsten nehmt vorlieb, wenn sie ein schnupftuch nimmt,
den gescht herunter wischt, der auf den lippen schwimmt.
Picander 2, 192.


2) ebenso jäscht, jescht, wie jäschen neben gäschen (s. d. 2):

die silberreine fluth, von rohtem jäscht beschäumt.
Brockes bei
Weichmann 1, 22;

hier sprützten jäscht und schleim dem Momus in die hände.
Günther 496.

jescht Rädlein 508b, Steinb. 1, 814, bei Reinwald 1, 72 'noch gewöhnlicher als gescht, bierschaum'.
3) es steht neben gischt, wie gäschen neben gischen, d. h. mit gebrochnem e. unmittelbarer zu gäschen gehört gäsch (s. d.), während gäscht, gëscht zugleich nahe zu gëst (gist), der älteren, schon mhd. form hin tritt; dasz es aber neben diesem selbständig ist, verbürgt der umstand, dasz es in mundarten gilt, wo -st an dieser stelle nie zu -scht wird, denn in Sachsen, Schlesien z. b. steht neben gäscht, gischt durchaus unterschieden gäste, frist, mist. s. auch östr. gascht schaum sp. 1380 (3, a), und gäst.
 
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gäschten, gäscht machen Rädlein 321b. 317b, von gäscht, wie gischten von gischt.
 
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gäschtig, schaumig, bei Steinb. 1, 814 jeschtig spumosus; s. DWB gäscht 2. vgl. gästig.
 
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gäschtkohl, m. heracleum sphondylium (vergl. DWB bartsch, kuhpastinak); das kraut wird als gemüse benutzt, woraus kohl sich erklärt, aber auch zum brauen eines bierartigen getränkes (Nemnich 3, 135), woher gäscht begreiflich scheint.
 
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gäschtwurm, m. die schaumcicade. Nemnich 2, 1035.
 
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gasdampf, m. gasdunst.
 
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gasdichte, f., in der chemie, die dichte, dichtigkeit der gase, ihr specifisches gewicht.
 
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gasdirector, m. director der gasanstalt, des gaswesens.