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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gähwittern bis gakeln (Bd. 4, Sp. 1152 bis 1153)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gähwittern, dasselbe, ebenda.
 
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gähzorn, m. jähzorn: gächzorn, gallen überlauf, effervescentia bilis, excandescentia Henisch 1330, 67; wann sie einen menschen erzürnet sahe, sprach sie geschwind zu ihm, er solte nur ein vatter unser beten, so würde er in diesem gähzorn gewiss nichts böses begehn. Zinkgref (1653) 2, 49. schon im 15. jh. gechzorn, auch gochzorn (o aus â) vehementia Dief. 608c. Sonst noch im 16. jahrh. gäher zorn, z. b.: wie Hiltebrandt Dieterich von Bern strafet seines gähen zorns halben. Agricola spr. nr. 306 am ende, vgl. unter gähe II, 4, c. zu diesem gäher zorn entstand frühe als adj. gähzornig, und daraus wird rückwärts gähzorn erst entnommen sein (s. z. b. kleinmut); noch Schönsleder S 1b hat neben gächzornig doch kein gächzorn.
 
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gähzornig, adj. zu gäher zorn (s. voriges).
1) so seit dem 14. jh.: iedoch vint man etleich frawen die part habent oben an dem mund, und daʒ ist ain zaichen, daʒ si gar haiʒer natûr sint (s. 5, 79) und gæchzornig. Megenberg 12, 21; colericus, gezornig, geemtig. Dief. 131b; vehemens, gechzornig. 608c; allein das im die laus bald über die leber lauft und das er etwas gähzornig ist. Fischart ehz. 633 Sch., gächzornig Maaler 154b; ein gächzorniger mann ist kein verrhäter. Henisch 1331, 2.
2) im 15. jh. auch ohne umlaut goch zornig vehemens Dief. 608c, worin denn mit goch, d. i. gâch das adv. gemeint sein kann, wie auch bei Henisch noch, wenn er getrennt schreibt: gähe zornig leut sind trew leut. 1333, 8 (vgl. das 'honesti animi' unter gähstützig 2), geh zornig das. z. 4, vergl. gähe-zornig Ludwig 683. auch in der stelle Megenbergs unter 1 hat der Frankf. druck von 1536 3a gech zornig. doch s. auch gochzorn unter dem vorigen. mit doppeltem umlaut gähe-zörnig Aler 831b.
3) es hiesz übrigens auch umgedreht zornig gäh

die mutter lauft zu zornig gäh.
Fischart flöhh. 822 Sch. (2, 46 Kz.).

auch einfacher zorngähe: colericus, zorngeher. Dief. n. gl. 99b. und kurz gähe, s. d. II, 4, c.
 
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gähzornigkeit, f. jähzorniges wesen. M. Kramer 1787: vehementia, gochzornikeit. Dief. 608c; gähe-zörnigkeit, irae impotentia Aler 831b.
 
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gail, gaimen und alles andere mit -ai s. unten mit -ei.
 
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gak, m. pranger, s. DWB kak. in einem nrh. gefärbten voc. des 15. jh. ist equuleus erklärt als 'dypstock vel gake snal' Dief. 194b (vgl.snellegalgen das.), s. dazu kak 2. Auch gack meint nichts als gâk, z. b.: weil sie sich so gewis ires dinges rhümen, so sollen sie es auch gewis machen (gerichtlich gleichsam), oder sollen gack stehen. Luther 3, 475a, mit starker kürzung, 'pranger stehen', die auf sehr häufigen gebrauch deutet. Von nebenformen ist noch bemerkenswert keche numella Dief. 385a (s. unter kak 3) und kakolph Lisch mekl. urk. 2, 350 (13. jh.). Entlehnt auch poln. kak, niederwend. kok, ehstn. kaak, lettisch kâkis, littauisch koka.

[Bd. 4, Sp. 1153]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gake, gäke, f. ein md. wort mehrfacher bedeutung.
1) gäke, graculus, monedula, auch schneegäke Stieler 594, schles. gake krähe Weinhold 25a, nordböhm. gake dohle Petters and. 54; bei Nemnich 2, 1245 schneegäcke, auch jacke, nd. gaike (s. kaike unter kau) corvus monedula, dohle. Auch gake rabe Wucke sagen der mittl. Werra, Salzungen 1864 1, 140, hess. gâke f., schmalkald. gâk m. Vilmar 114. s. dazu gacke u. gagen 2.
2) schles. gâke ist übrigens auch gans, ebenso mrh. gak (für gake) Kehrein 149, wie deren schreien auch gaken heiszt, und gäken.
3) gäke femina loquacula Stieler, schles. wieder gake, schwatzhaftes dummes frauenzimmer, mrh. gak, wie u. 2; sächs., oberlaus. aber gake f., maulaffe, nicht von weibern nur: ihr alte gaake, geht! Weise überfl. ged. 2, 211. thür. ebenso gäke. vgl. tirol. gagge, einfältig drolliges weib Schöpf 167, schwäb. gakel f., altes aberwitziges weib Schmid 216.
4) sächs. gake, auch gäke f., derbes volkswort für maul, besonders offnes maul, zu gaken, gaffen, wie gaffe maul zu gaffen (s. d. II, 1, a). aber auch von dem gelben am schnabel junger vögel (s. DWB kake). schles. gake kehle (zips. gagur Schröer 52b).
5) es erscheinen darin zwei stämme in berührung. Stieler sieht die bed. 1 als von 3 übertragen an und bezieht beide auf gäken schwatzen u. ä., vgl. DWB gaken gleich gagen gleicher bed. Aber die bed. 4 gehört deutlich zu gaken offen stehn, und gake maulaffe (auch gakaffe sächs.) ebenso. auswärtige anklänge s. u. gaken gaffen. Zu gake, gäke maul u. ä. tritt anderseits nahe nd. keke f. maul Lauremberg, käkel brem. wb. 2, 717, auch kinnlade, gaogl, demin. gägelken Danneil 61b (mnd. gagel s. u. DWB gagern gurgeln), nl. kaak f. kinnbacken, wange, engl. cheek, ags. cêce, ceáce. vgl. schwed. dial. kep m. mundwinkel (mungipa) Rietz 316b.
 
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gakelei, f. wie gackelei, z. b.: wie viele gakeleien unserer mutter gans sind uns nachher noch in dieser und ähnlicher art von witzelei nacherzählt worden. Gervinus lit. (1844) 5, 659.
 
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gäkelhaftig, schwatzhaftig. Stieler 594.
 
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gakelig, s. gackelicht 2, a.
 
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gakeln, gackern, plaudern, s. DWB gackeln, DWB kakeln.