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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fuchszagel bis fuchtelig (Bd. 4, Sp. 358 bis 359)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fuchszagel, m., der fuchsschwanz, liesze sich im nhd. nach mhd. fuhszagel erwarten, ist aber nicht nachzuweisen, während sich z. b. noch hundszagel, katzenzagel als kräuternamen, wetterauisch rothzählchen für rothschwänzchen, säuzagel als schimpfwort und für wirbelwind, schlangenzahl d. i. schlangenzagel als flurname finden. s. DWB zagel.
 
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fuchszange, f. eine zange, mit welcher beim ausgraben der füchse das thier im baue gepackt und herausgezogen wird.
 
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fuchsziemer, m. das zeugungsglied oder die ruthe des fuchses.
 
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fuchszunderroth, adj. überaus fuchsroth. ein fuchszunderrother bart ist ein feuerbart, wie er in der jungfernanatomie 127 heiszt. davon das gleichlautende adv.
 
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fuchszunge, f. die zunge des fuchses: die gedörrete fuchszunge in warmem wein geweichet zeucht ausz dorn, pfeil unnd stacheln ausz dem fleisch. Lonicerus 326a.
 
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fuchszwinger, m. ein umzäunter oder sonst wolverwahrter fleck zur aufbehaltung lebendiger füchse, besonders um sie zum prellen zu gebrauchen.
 
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fucht, f.
1) streit, hastige bewegung. bernisch, s. Stalder 1, 402. entsprossen aus mhd. vuhten (vgl. DWB fuchtel), dem pl. praet. von vëhten nhd. fechten; der streitende nemlich ficht mit den händen d. h. bewegt arme und hände lebhaft und heftig in der luft. s. DWB fechten 2), aber auch fuchten, fuchtig.
2) der fächer, franz. éventail. Rädlein 308b. in der Wetterau focht mit einem wielautenden kurzen schwebelaut zwischen o und a, in sonnefocht, sonnenfächer. schwäbisch windfucht, f., = fächer. Schmid 532. s. DWB fuchtel 4).
 
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füchte, f. für fichte (s. d.), scheint nur schweizerisch. die füchten. Frisius, Maaler und Dentzler 116b. erst nach jenen beiden auch bei Henisch neben ficht, feuchte.
 
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fuchtel, f.
1) ein degen mit breiter klinge zu flachem schlagen, wie Rädlein 308b erklärt ein schlagdegen, raufdegen. von dem plural des praet. von fechten (s. d.), welcher mhd. neben vâhten noch vuhten lautet, so dasz sich hier ein vuhtel erwarten liesze, das aber nicht nachzuweisen ist. im 16. und 17. jh. gern

[Bd. 4, Sp. 359]


fochtel gesprochen und geschrieben, wie unter dieser wortform nachzusehen, die sich selbst noch im 18. jh. bei Steinbach 1, 474 neben fuchtel verzeichnet findet, aber dann von dieser ganz verdrängt wird. hier nur belege für die noch heute gültige form:

wenn du (der geforderte) bald
wolst folgen mit der fuchtel kalt.
B. Ringwald lautere warheit 122;

sondern alsbald die fuchtel nam
und im mit beiden feusten kam. tr. Eckart J 2a;

fein rund zu verstehen geben, dasz er nicht mit der feder, sondern mit der fuchtel diene. landgraf Wilhelm vom 22. merz 1632 bei Rommel 8, 161; nimm du deine fuchtel zur hand. Harnisch 150; den wil ich alsbald in die fresse schmeissen und hernach mit der fuchtel herausser und hinter ihm her wischen. Schoch studentenleben F;

(der bruder studio) fährt geschwind über ein wort mit der fuchtel hervor.
Hoffmanns gesellschaftslieder (1860) 2, 82;

er soll an mir ein herz und einen kerl verspüren,
so lang ich eine faust und fuchtel noch kann führen.
Rachel sat. 7, 162;

einem mit der fuchtel üm den kopf herüm tanzen, machaera caput alicujus ferire. Stieler 455; einen mit der fuchtel durchbohren, aliquem gladio transfigere. Steinbach 1, 474; kaum konte mich enthalten, ihm die fuchtel zwischen die ohren zu legen. Felsenb. 1, 83; zögen die fuchteln. 4, 90; der mensch ist ein wunderliches thier, sein körper steht unter unsrer fuchtel, aber seine seele nicht. Möser patriot. phant. 2, 394; unter der fuchtel wird ihm der kitzel schon vergehn, wenn man es recht mit ihm angreift, so kann noch etwas aus ihm heraus gefuchtelt werden. Sturz 2, 198. es ist in dieser stelle die rede von einem wildfange, der unter die soldaten gehn könnte und so in strenge militärische zucht kommen würde. dies erinnert an die sehr geläufigen redensarten: die fuchtel bekommen, durch schläge mit der fuchtel gezüchtigt werden; einem die fuchtel geben = ihn durch schläge mit der fuchtel züchtigen; unter die fuchtel kommen, in strenge zucht kommen, dasz für vergehen schläge gegeben werden; einen unter die fuchtel nehmen, in strenge zucht und aufsicht nehmen; einen unter der fuchtel halten, unter strenger zucht und aufsicht halten. und führt denn mein sohn eine so gute fuchtel. Engel d. dankb. sohn 30; heraus mit der fuchtel, zieh von leder! Fr. Müller 2, 175;

in der ersten gährung
schrieb er (Turnus) ein blutiges kartel
statt einer kriegserklärung,
und forderte den helden (Äneas) drin
den könig (Latinus) und die königin
heraus vor seine fuchtel.
Blumauer Äneis 3, 44;

aber das hätt mir wenig geholfen, sondern nur durch demütiges schweigen entgieng ich der zumal des schlüssels wegen schon über mir gezogenen fuchtel. der arme mann in Tockenb. 103; nun aber bekam er hülfe, es eilten mehrere herbei, die mit ihren fuchteln auf mich eindrangen. Falk irrfahrten des J. v. d. O. 144. dann schwäb. auch so viel als rute, gerte, mit der man in der luft herumhaut. Birlinger wörterbüchlein 31.
2) ein schlag mit der fuchtel. im pl. fuchteln: fuchteln austheilen, fuchteln bekommen. sag an, was wars? bei hundert fuchteln gib bescheid! Musäus kinderkl. (1823) s. 18. ungewöhnlich dagegen ist der pl. fuchtel, welchen Heynatz orth. wb. 270a ohne grund hier als den richtigen bezeichnet: ich verdiente hundert fuchtel. lassen Sie mir sie auch schon geben. Lessing 1, 601.
im weiteren sinne heiszen dann auch schläge mit ruten, haselstöcken u. dgl. fuchteln.
3) eine fackel. kärntisch. Lexer 104.
4) ein fächer. schwäbisch bei Schmid 198 und 532 windfuchtel = fächer. s. DWB fucht 2).
5) eine flüchtige, viel umherfahrende leichtsinnige weibsperson. Schmeller 1, 509. Birlinger wörterbüchlein 31. olte fuchtel, schelte für ein altes weib. Zaupser bair. und oberpfälz. idioticon 27.
 
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fuchteler, fuchtelerei, s. DWB fuchtler, DWB fuchtlerei.
 
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fuchtelig, adj. flatterhaft. Schmid 198. s. DWB fuchteln 2) c).