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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
freieigen bis freierschaffen (Bd. 4, Sp. 104 bis 108)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) freieigen, proprius: ein freieignes gut; ein gut freieigen besitzen.
 
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freien, liberare, kommt goth. nicht vor, das persönliche ἐλευθεροῦν ist Joh. 8, 32. 36. Röm. 8, 2 ausgedrückt frijana briggan, frijans briggan, wie auch Luther in diesen stellen frei machen setzt. vielleicht bestand doch ein frijan, frijaida? unterschieden von frijôn, frijôda amare. ags. freogan, es scheint für beide bedeutungen, engl. free liberare; fries. friaia, frîa liberare (Richthofen 764); altn. frîa liberare, schw. fria, fridde, dän. frie, friede; mnl. vrîen, nnl. vrijden (wie vlieden für vlien). ahd. mangelt das verbum, lautet aber mhd. vrîen und ist häufig genug (mhd. wb. 3, 403b). die sache wird bald im gen., bald mit der praep. vor oder von ausgedrückt, ganz wie beide fügungen bei dem adj. frî eintraten (sp. 98), z. b.

wâfen über die schande sî geschrîet,
diu wil êren vrîet
alter unde jugent. MS. 2, 204a;

swêm ër ëʒ gap, dër wart armuot gevrîet. Lohengr. 2490;

daʒ ich everunge wërde gevriet. 7668;

si was gefrîet und geschelt
vor wandelbærem meine. tr. kr. 19982;

ouwê Dêidamîe,
wie gar ich vröuden vrîe
dîn hërze und dînen reinen muot. 29346;

sus wurdens vor gewalte schôn gevrîet. Lohengr. 2100;

si wënt sich vor allen vögten vrîen. MS. 2, 57a;

gefrîet was daʒ hundelîn
von dër justiere. Wigal. 63, 9.

nhd. davor ist nieman gefreit. Keisersberg post. 4, 3; Luther an vielen stellen (doch nicht in der bibel): ich wil mein gewissen für gott gefreiet haben und unschüldig sein an dem blut und seelen, die durch den bapst und papisten verfürt werden. 1, 549b. br. 2, 56; durch denselbigen (Christus) werden alle gleubigen mit dem glauben und andern geistlichen gaben gezieret, vom tod auferwecket, von sünden gefreihet. 3, 511b; du machest dich solches alles mit schüldig und hilfest den bapst sterken und freien, das er solchs ewiglich und sicher thun möge. 5, 284a; er hat uns durch seine menschwerdung, geburt, leiden und auferstehung gefreiet und erlöset von dem ewigen tod. 6, 333a; der ist wol gefreiet von der anfechtung. tischr. 224a; von allen gesetzen gefreiet. 303b; durch das evangelium sind wir gefreihet von allen Moysis ceremonien. Melanchthon im corp. doctr. chr. 198; mit geding, das frawen und man, doch irs lebens gefreit, allein ewig verkauft und gefangen dienen möchten. Frank chron. 109b; vom tod und gesatz erlöst und gefreiet. kriegsb. d. fr. 28; die weise man zum zeugnis, das sie brief auflegen, das sie davor gefreiet sein. Agricola spr. 48; denn gott hat die ehe zugelassen allen, die er selbs nicht von der noth gefreiet hat. spr. 234; so sind wir des ubernatürlichen ellends gefreiet und gesichert. Paracelsus 1, 364c; wer wolt mich denn vor solcher gewalt gefreiet haben? Galmy 21; der quartiermeister aber freiet zuvor etliche häuser, pfarrhäuser, edelleuthäuser. Kirchhof mil. disc. 122; ritter, was bewegt euch, diese fraw also schendlich zu hochmuten? 'wie, antwort der ander, verhoft ir diese zu freien, so mich mein leib und seel zu verlieren bewegt?' Amadis 35; ich komme zu e. k. m. einer zusagung mich zu freien, in kraft deren ich verbunden bin heutigs tags vor e. m. zu erscheinen. 224; denn obwol ich sie von einem hurer gefreiet, so hab ich sie in eines ärgern gewalt geraten lassen. 282; es sind allein zwei ding, so ihn vor dem tod freien mögen. 291; wo ich euch wolt für mein bulen kiesen und der gefengnus freien. 339; und ist nichts auf erden, das euch darvor freien möcht. 336; so ist unmüglich, dasz ich mein haupt freien und erhalten möge. 343; mit dem geding, dasz er das kampfs mit dem schwert uberhebet und gefreiet sei. 395; dann Christi blut freiet uns fortan vor der strafe. bienenk. 106b;

sie aus des todes nöten freien.
Waldis Es. 2, 50;

wenn ich dich von dem thier wurd freien. 4, 99, 35;

sein haus in Israel wil ich freien.
Schmelzl David 17a;

[Bd. 4, Sp. 105]



so wöll wir euch zwen bischof bstellen,
darzu mit gnad und ablasz freien.
Ayrer 350c;

durchleuchtiger fürst, ich bin ein bot,
gefreit vor aller gfahr und not. 433d;

wan wir uns, sprechen diese thoren,
nicht freihen von der heuchlerei
last und gesatz.
Weckherlin 3;

darumb mich auch jetzund zu freihen
von aller forcht, gefahr und schand. 10;

und mich von disem löwen frei! 20;

die städte freien sich, die felder sind genesen,
es lebet jederman für sich in stiller ruh.
Opitz 1, 8;

der wird des Hannas spiel,
der uns vom ewigen gespötte freien wil.
Fleming 8;

ich musz doch einmal fort. Machaon kan uns fristen,
nicht freien vor dem tod. 127;

wer hätt euch wollen bürge sein,
dasz ihr, des weinens euch zu frein,
auf éinen blick hin würdet sterben? 318;

drum, wann gott die blaue burg öfnet und ihm beut die hand,
freit ihn von der trotzer trotz.
Logau 1, 180, 61;

wissen wir ob mensch und vieh sich wird sicher künnen freien
für der seuchen schneller gift! 2, 47,

tag, der von dem erdeklumpfen und der laster last uns löst,
ist der beste tag der tage, der uns freit, erfreut und tröst. 2, 199, 24;

gewonheit wird gebot, durch brauch und lange zeit.
krieg hat durch dreiszig jahr gewalt in recht gefreit. 3, 11, 38;

die süsze liebeskrämerei, was führet die für waaren?
sie machen ihren kaufman glat und freien ihn von haaren. 3, 30, 42.

im 18 jh. wird freien sparsamer verwandt und durch befreien ersetzt, vielleicht wollte man der verwechslung mit dem folgenden freien, nubere ausweichen, von welchem doch auch befreien gebildet wird:

denn, dasz er starb und aufersteht, das freit uns vom tode. Messias 11, 492;

das vaterland
ist spreu dem feigen! sclave, dich freite nicht
die Römerschlacht.
Stolberg 1, 21;

sie zu erretten
zu freien aus der laster ketten.
Herder 4, 152;

mein machtwort freit die mörderischen schwerter
und mir zu dienen stürzt die wilde wut
der kämpfer auf den feind, den ich ihr zeige.
Robe Ludwig der fromme 1862 s. 73.

s. befreien, entfreien, erfreien, gefreiter.
 
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freien , matrimonium inire. es ist nicht leicht, dies verbum von dem vorhergehenden, mit welchem es höher aufwärts verwandt sein musz, gehörig abzusondern. das goth. frijôn ist φιλεῖν, ἀγαπᾶν, wozu ags. freogan Beov. 1889. 6346. freon Cœdm. 136, 15, alts. friehan Hel. 43, 17 nicht genau stimmt. das part. praes. frijônds bedeutet amicus, ags. freond, alts. friund, ahd. friunt, welches letztere ein volleres frîônti, also den inf. frîôn = frigôn voraussetzt. frijôn, freogan, frigôn, mahnend an frei und frech, berühren sich zugleich mit fraihnan, frëgnan (sp. 49), wie lat. precari mit rogare und procus, der freier procans ist ein precans, nuptiarum petitor, ahd. pital, altn. biðill, folglich kann frijôn als appetere, begehren gefaszt werden. frijôn frijôda, amare, nubere würde, wie schon vorhin angedeutet ist, abstehen von frijan frijaida liberare, aber freis frijis grenzt unmittelbar an frijôn, wie līber an lĭbet, lŭbet und unser lieben. skr. prî amare.
freien, in bezug auf heirat und brautwerbung, scheint gleichwol unhochdeutsch und klingt noch heute der oberdeutschen volksprache unheimisch (Schm. 1, 610), die Zürcher bibel setzt an die stelle des lutherschen freien: zu der ee nemen, zu der ee greifen, gerade wie die ahd. version bei Tatian quënûn halôn, leitan, nëman. kein mhd. vrîen in diesem sinn ist aus der reinen sprache aufzuweisen, es stöszt zuerst im passional 27, 36 K. auf:

wiʒʒe, daʒ Lucîen
ein ander nu wil vrîen,
ein brûtegoum dër ist rîch
und dir an êren ungelîch,
den wil sie zu vriedele haben.

im Kartmeinet hätte der häufige reim auf Galîen ein solches vrîen herbeiführen sollen, es ist uns offenbar aus dem nd. oder nl. zugebracht worden. Herbort 12796 hat Diomedis frîe (oder frîge : amîge) für die liebe zu Diomedes. nnl. wird vrijen heiraten von vrijden liberare gesondert. nhd. ist im 16 jh. schon vor und seit Luther freien in gebrauch, sowol von der frau für nubere, als von dem mann für uxorem ducere: lasz sie (die töchter Zelaphehad) freien, wie es inen gefelt, allein das sie

[Bd. 4, Sp. 106]


freien unter dem geschlecht des stams irs vaters. 4 Mos. 36, 6; und alle töchter die erbteil besitzen unter den stemmen der kinder Israel sollen freien einen von dem geschlecht des stams irs vaters. 36, 8; Mahela, Thirza, Hagla, Milca und Noa freieten den kindern irer vettern. 36, 11; auch liesz er ausrufen, das die heubtleute und weibel, so heuser baweten oder freieten oder weinberge pflanzeten, wider heim ziehen möchten. 1 Macc. 3, 56; da Antiochus dahin kam zur göttin Diana, als wolt er sie freien. 2 Macc. 1, 14; wer ein abgescheidete freiet, der bricht die ehe (saei afsatida liugaiþ, horinôþ). Matth. 5, 32 (ahd. thie thar thie furlâʒanûn halôt). Luc. 16, 18; wer sich von seinem weibe scheidet und freiet eine andere. Matth. 19, 19 (ahd. inti andera leitit); so einer stirbt und hat nicht kinder, so sol sein bruder sein weib freien und seinem bruder samen erwecken. nu sind bei uns gewesen sieben brüder, der erste freiet und starb, und dieweil er nicht samen hatte, liesz er sein weib seinem bruder (ahd. thaʒ nëmê sîn bruoder sîna quënûn). Matth. 22, 24. 25; umb Herodias willen, seines bruders Philippus weib, denn er hatte sie gefreiet (untê þô galiugaida). Marc. 6, 17; so sie aber sich nicht enthalten, so lasz sie freien, es ist besser freien, denn brunst leiden (iþ jabai ni gahabaina sik, liugandau, batizô ist auk liugan þau intundnan). 1 Cor. 7, 9; der jungen widwen aber entschlahe dich, denn wenn sie geil worden sind wider Christum, so wollen sie freien. 1 Tim. 5, 11; so wil ich nu, das die jungen widwen freien, kinder zeugen (viljau nu juggôs liugan, barna bairan). 5, 14; es ist besser freien denn brennen. Luther 3, 523b; früe aufstehen und jung freien, sol niemand gereuen. tischr. 307a; D. Martinus redet von seinem freien. 309a; mich verloben und selbs freien, stehet bei meinen eltern, sagt die jungfraw. 316b; es ist ein gemein sprichwort, freien gehet für mieten, und herrn und frawen müssen zufrieden sein, wenn ir gesinde freiet und zu ehren greifet. Glaser gesindteufel D 2b; eine vornehme tochter, deren wolte Bobowitz mit gewalt leid gethan haben, wurde aber von uns mit harten worten abgehalten, oder er solte sie freien. 'der ist des teufels, der eine freit, wer wolte sich die lust so enge spannen?' Philander 2, 681;

es ist ein liebes paar gewesen vor der zeit,
das eine freite selbst, das ander ward gefreit.
Opitz poeterei 40;

freie, was vor nicht gefreit,
was vor hat gefreiet, freie!
Fleming 355;

freien und gefreiet sein,
lieb und gegenliebes schein
haben euch also verbunden. 387;

wann jungfern wollen frein und ändern ihren titel,
ist ihre meiste sorg um ihres buhlers mittel.
Logau 2, 71, 62;

wann die warheit sonst nur wolte, künte Pseudo sie wol freien,
weil sie ihm ist zugesippet gar mit keinen stammesreien. 3, 111, 59;

Nisus buhlte stark um Nisam, dieses gab ihr viel beschwerden,
wolt ihn nicht, sie freit ihn aber, seiner also los zu werden. 3, 229, 59;

junge töchter sollen freien, sonsten kümt das jungfernfieber,
oder gehn beim jungfernschlosse auf das freie feld für über. 3, 246, 155;

seht, wie bei höchster noth der himmel trost ertheilt,
die fromme witwe traurt, freit wieder, wird geheilt.
Hagedorn 2, 108;

sie freit und wagt beim schmaus vom mann sich weg zu stehlen,
sucht jüngre buhler auf, mit denen sie entschleicht. 3, 26;

(mox juniores quaerit adulteros
inter mariti vina);
und unsre jungfern freiten später,
sie reizten nicht der mütter neid. 3, 72;

ich werde mit vergnügen sterben,
versprich mir nur nicht noch einmal zu frein.
Gellert 1, 92;

was henker, was soll dieses sein?
für eine todte frau ein brautkleid auszusuchen!
gesetzt ich wollte wieder frein,
so müst ich ja ein neues machen lassen. ebenda;

Elmire war zur witwe worden
und nahm sich vor nicht mehr zu frein. 1, 183;

der liebe mann! die frau schwört stein und bein,
ihr lebelang nicht mehr zu frein. 1, 184;

mein kind kann wirklich noch nicht frein,
sie ist zu jung, sie ist erst vierzehn jahre. 1, 202;

der vater schämte sich und liesz die tochter frein. das.;

zum hängen und zum frein
musz niemand rath verleihn.
Lessing 1, 19;

die Türken haben schöne töchter,
wer will, kann mehr als eine frein. 1, 46;

[Bd. 4, Sp. 107]



ein feiges herz freit keine schöne frau.
Wieland 10, 185;

o wie manche der bräute
hat gefreiet der tod, der greis.
Rückert 318.

man sagt: in ein reiches geschlecht freien; das mädchen hat ins ausland gefreit, über den Rhein gefreit. ein so geläufiges wort erklärt Adelung für gemein und unedel gegenüber dem unbeholfnen heiraten, welche zusammensetzung das ältere einfache heien, mhd. hîwen vertrat.
In den angezognen stellen geht freien auf die schon heiratenden. es ist aber nicht zu übersehen, dasz es oft das vorläufige werben um die braut ausdrückt und sowol von dem für sich werbenden gilt, als von dem freier oder freiwerber für einen andern.
1) freien vom liebhaber selbst, deutlich die ursprüngliche bedeutung von frijôn, amare: do nun die prüder der frawen gute meinung vernamen und Friderichen einen redlichen man erkanten, wol er arm was, und als der frawen wille was, den iren auch darz gaben und si Friderich mit allem irem reichtum z der götlichen ee gaben, und er, der die frawen also lange zeit gefreit und liebe gehabt hette (e cui egli cotanto amata avea), iezund sein eliche frawe sahe, fröer und pasz ze mte dann man auf erden nie ward. Steinhöwel dec. 369, 4;

er freiet des königs tochter,
er freiet sie lenger denn siben jar.
Uhland 231;

die ich eins pflag zu freien,
die hat begeben mich. Ambr. lb. 204;

die letzte kirms gestund ich ihr,
ich wollte sie mir frein,
'gib mir die hand!'sie gab sie mir,
'willst du?' sie sprach nicht nein.
Weisze kom. opern 3, 196.

statt des acc. stehen auch praepositionen: er hat lange jahre um sie gefreit; um ein reiches mädchen freien; da war ein andrer fuchs vor der thür, der wollte die frau füchsin frein. kinderm. no 38;

kan ich nit wol verbergen
das heimlich freien zu dir. 205;

wer nach einem engel freit, trift oft einen teufel an.
Logau 2, 62, 47;

der aber bleibet dein, der itzund nach dir freihet.
Canitz 204;

er freit um sie, die ihm nicht versagt wird. Göthe 24, 217.
2) freien, werben für andere: dieser Dieterich, von dem die Deutschen lieder singen ... hat allen seinen fürsten auch weiber gefreiet des deutschen bluts. Agricola spr. 667; er leszt sie freien, läszt um sie werben. Kirchhof wendunm. 192;

frein wir doch nicht für uns.für andere frein ist bedenklich.
Göthe 40, 297;

ich flehe dich um drei tage zeit,
bis ich die schwester dem gatten gefreit (angetraut).
Schiller 62a.

s. befreien, erfreien, verfreien.
 
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freienszeit, f. nubendi tempus:

o der süszen freienszeit,
voller lust und frölichkeit.
Rist parn. 383.


 
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freier, m. procus, petitor, μνηστήρ, minner, nnl. vrijer, dän. frier, böhm. frejir, bei Diefenbach unter procus viele belege aus 15 jh., der werbende, bulende, nicht schon der bräutigam und heiratende, sowol mit dem gen. als praepositionen:

weil französisch, wie man saget, ist, latein, dein hurenkind,
wie dann, dasz um sie bei Deutschen so viel tolle freier sind?
Logau 3, 83, 43,

um sie, um die französische sprache, tochter der lateinischen; es wird ihr an stattlichen freiern nicht mangeln. 'ja wol, sie müssen sich sehr umb mich reiszen, wie um das saure bier'. Weise erzn. 135;

im anfang scheint es schön, wanns mädchen aufgeputzt,
wie eine puppe vor des freiers augen stutzt. eine frau ein nothwendig übel s. 143;

ein freier kam, man wies ihm Philippinen.
Gellert 1, 135;

ein freier bat einst einen freund,
ihm doch ein mädchen vorzuschlagen. 1, 206;

verlangt dein kind ein freier.
Lessing 1, 18;

nu, einen freier hat er ihnen doch wol nicht gebracht? obgleich jetziger zeit die freier auch zu einer art von geldborgern geworden sind. 2, 391; ein so alter soldat und ein so hitziger freier! 7, 203; als ehemaliger verehrer der mutter, als jetziger freier der tochter. Göthe 31, 213;

hast du nicht schon mutige freier?
ich komme zur hochzeit, nicht wahr?
doch Dorchen, ist dieses nicht heuer,
so ists aufs künftige jahr.
Weisze kom. op. 1, 189;

[Bd. 4, Sp. 108]



des königs töchterlein war schön
und auch schon flück geworden,
drum lieszen itzt sich freier sehn
von ost, süd, west und norden.
Blumauer Aen. 3, 21;

frau füchsin sind sie da?
'ach ja, mein kätzchen ja'.
es ist ein freier draus.
'mein kind, wie sieht er aus?' Km. no 38;

jetzo fand sie die freier, die üppigen, die an des hauses
doppelter pfort ihr herz mit steineschieben erfreuten,
hin auf häute der rinder gestreckt, die sie selber geschlachtet. Od. 1, 106.

sprichwort: wo viel freier sind, da sind wenig nehmer. Simrock 2680; sie hat freier aber keinen nehmer. in der Wetterau nennt man die von der zimmerdecke niederhangenden spinnefäden, an welche sich staub ansetzt, freier. bedeuten sie spinnenden mädchen freier vor?
 
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freierchen, n. nnl. vrijertje.
 
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freierdings, sponte, von freien stücken, wie allerdings, für freier dinge, aller dinge:

ob dich nicht sonst ein argwohn treibt, mir dieses
erbieten freierdings zu thun.
Lessing 2, 282;

so wären sie es werth, dasz man ihnen nachsagte, dasz sie, bei eigener einschauung der handschrift, sich freierdings der nemlichen oscitanz schuldig gemacht, die ich an Gottscheden bewundere. 10, 332.
 
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freierei, f. procatio:

der freierei wir gar gnug han,
ein anders mals bleib wir zu haus.
Ayrer 348a;

aber seine freierei ist nichts als politik. Lessing 7, 203; siehst du, das hast du von deinem plaudern. hätten wir nu nicht von unserer freierei (unserm liebeshandel) sprechen können? Weisze kom. op. 3, 25; mich so auf die freierei zu führen! Fr. Müller 2, 174.
 
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freierin, f. proca: pulerin, kupplerin, sponsirerin. voc. 1482 i 3a, also die selbst bulende und geworbene, wie die für andre werbende. nnl. vrijster.
 
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freierisch, amatorius, bulerisch:

wo die freierischen westen (westwinde)
buhlen mit den schwanken ästen,
und wehn einen hall darein,
als es solten küsse sein.
Fleming 442.


 
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freierschaffen, libere creatus:

dies that auch die natur, die hier mit starker hand
den abscheu und die lust mit eurem thun verband.
dadurch bewog sie euch, ihr feierschafnen seelen,
das böse selbst zu fliehn, das gute selbst zu wählen.
Lichtwer 169.