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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fragweise bis frankenberg (Bd. 4, Sp. 56 bis 58)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fragweise, adv. percontando, etwas fragweise aussprechen.
 
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fragwürdig, dubius, zweifelhaft, verdächtig, unsicher?

du kommst in so fragwürdiger gestalt,
ich rede doch mit dir.
thou comst in such a questionable shape,
that I will speak to thee. Hamlet 1, 4.

Hagberg: din skapnad twingar mig att spörja dig.


 
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fragzeichen, n. signum interrogationis. in der unter fragrede ausgehobnen stelle heiszt es nach den worten 'wa fragrede seind' weiter: und ist auch nach der stimm art und gleichnus geformiert also? dasz ein lini oder virgula über sich schnipt, wie sich die stimm in einer frag am ende erhebt und über sich schwingt. Ickelsamer D 8a.
 
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fragzettel, m. index quaestionum.
 
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frais, fraisch, s. freis, freisch.
 
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fram, diese uralte, ehrwürdige partikel ist uns längst ausgestorben, nicht nur als praeposition, sondern auch in der zusammensetzung (gramm. 2, 732. 733. mhd. wb. 3, 392b), blosz in dem abgeleiteten fremd wuchert sie noch reichlich, s. auch DWB franstreck.
 
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frank, liber, erscheint in unsrer alten sprache nirgend und weder die vocabulare des 15 jh., noch im 16 Dasypodius, Frisius, Maaler kennen es, die volksprache weisz nichts davon. allerdings hat es deutschen ursprung, ist uns aber erst im 17 jh. aus dem fr. franc oder it. franco zugeführt worden, franc et libres de toutes tailles liest man weisth. 4, 454. am frühsten steht bei Henisch 1190, 17 frank, frei, mit hinzugegebener seltsamer deutung aus friank, liber juvenis, von ank, enke famulus. wer darauf achten will, wird das klangvolle wort wol schon bei Fischart (s. frankfrei), Ringwald u. a. antreffen, aus den dichtern des 17 jh. lassen sich zahlreichere belege beibringen, als hier folgen:

wer von der lieb ist frank und frei,
der mag wol billich frölich leben.
Opitz 1, 74;

dann erstlich ist der mensch geschaffen frank und frei. ...

der segen wird ein fluch, auf dasz wir segen hätten
vom fluche frank und quit. die freiheit geht in ketten,
auf dasz wir würden frei.
Fleming 10;

sie sich hoch in wolken heben,
spreiten ihre flügel frank.
Spee 297;

diese nacht
gibt uns macht
frank und frei zu leben.
Günther 931;

Stieler 561. Aler 778a geben frank als adj., Frisch 1, 288a frank und frei nur als adv.; Möser 6, 139 schreibt: bei dem gröszten fortgange ihrer waffen schickten die niederrheinischen völker eine botschaft nach Cöln, um dieser stadt glück zu wünschen, dasz sie nunmehr frank unter franken völkern sein könnte, nach Tac. hist. 4, 64 redisse vos in corpus nomenque Germaniae vobis gratulamur, quod tandem liberi inter liberos eritis. Lessing 10, 52: wenn nun Livius und Dionysius und Polybius und Tacitus so frank und edel von uns behandelt werden, dasz wir sie nicht um jede silbe auf die folter spannen, warum denn nicht auch Matthaeus und Marcus und Lucas und Johannes? in manchen frank mit frei, froh, frech verknüpfenden stellen lassen sich adj. oder adv. nicht genau unterscheiden:

frank und frei
von arglist und von schadenfreude.
Wieland 9, 285;

ihr gang, ihr zopf, ihr frischer wuchs,
frank alles, nichts geduckt!
K. Schmidt im alm. der mus. 1779 s. 251,

dinstag schleicht denn auch herbei,
doch er bringt zu stiller sühne
ein rapuschchen frank und frei.
Göthe 1, 166;

wir kehren frank und froh
den strumpf auf die linke seite
und tragen ihn so. 3, 278;

sie haben böses, frank und frei,
auch gutes mitgenommen. 3, 289;

da kann man frank und fröhlich leben,
niemanden wird recht gegeben. 4, 321;

so sag doch frank und frei dem pack,
wie dus mit ihnen meinest. 4, 364;

dasz man beide heerführer so ganz frank und frei in ein land hinein reiten sah. 30, 21; 'geh du nur hin'. frank und

[Bd. 4, Sp. 57]


frech. 33, 200; dasz er frank und frei, als muthiger wanderer, den thyrsus der lockenden wollust verschmähe. 56, 164;

doch, seh er, dasz ein mensch ich bin,
ich lasz ihn wieder frank und frei.
Bürger 20b;

damit ich das wort gerad und frank euch verkünde,
ἵν' ὑμῖν μῦθον ἀπηλεγέως ἀποείπω. Od. 1, 373,

dasz ich meinen entscheid euch unverholen eröfne.
Uschner;

strebt der franke geist nach wahrheit.
Voss ...;

ach dasz auch der menschen zwei
also könnten wohnen,
wie die vögel, frank und frei
in den laubeskronen.
Rückert 223;

ihr vögel in den zweigen schwank
wie seid ihr froh und frisch und frank.
Platen 19;

nur jenen ist das leben schön und theuer,
die frank und ungefesselt mit ihm scherzen. 95.

das fr. franc, fem. franche war schon in der alten sprache unbezweifelt adj., wie die oft vorkommenden ausdrücke franc home, franc chevalier, franc quartier, franc aleu (alodis propria), franche dame bezeugen, man sagt aber auch adverbialisch il lui parla franc, il me l'a dit tout franc, il le nia franc et net, neben parler franchement, l'avouer franchement. nach Schöpf 150 ist in Tirol frangka, frankla so viel als ganz und gar, wirklich.
 
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frank, m. bubo. Maaler 140c (bei Frisius fehlend) und daneben die andern namen herzog, berghuw, hüru. herzog entspricht der franz. benennung le duc, le grand duc, der it. duco, dugo, in Monti vocab. di Como 71a duch, gufo. der grosze uhu mag treffend ein fürst oder führer der eulen heiszen, hüru heiszt er von seinem dumpfen schreien und heulen, wie sonst hûwo, eule (3, 1163). aber frank ist damit noch unaufgeklärt, scheint auf schweizerische gegenden einzuschränken, fehlt bei Stalder und Tobler. in Östreich war Frank ein hundename. Helbl. 4, 458. unser eigenname Frank ist beständig auf Franke zurückzuleiten.
 
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franke, m. Franco, ahd. Francho, Franko, mhd. Franke, ags. Franca, engl. Frank, pl. French, altn. Fracki, pl. Frackar, die weitverbreitete benennung eines ursprünglich deutschen volkstamms.

die Swâbe und die Franken.
Neidh. 16, 3.

das natürlichste scheint doch sie sowol mit frech als mit frei in verbindung zu setzen, welche beiden wörter man vergleiche. Franken wären die selbständigen, unabhängigen, wie Schwabe, Suevi die sui, proprii, wozu sich jene propria alodis, franc aleu halten läszt. die formen frech, fricg, frigg mahnen an das vorhin erörterte fraihnan, frëgna, frignan, fringan und gerade wie aus þicgan, þiggja, þagkja, þâga (personenw. s. 59), entfaltete sich aus friks, frech Francho, goth. Fragka? þacka danken wie fracka franke, framea. man könnte sogar in friks dieselbe vorstellung des strebens, begehrens, forschens finden, die dem fragen zu grunde liegt. den namen einer eigenthümlich fränkischen waffe, framea und ags. france, altn. fracka glaube ich mit recht auf den des volks zurückzuleiten (GDS. 513—17), dem was Leo Meyer bei Kuhn 6, 424 ff. über framea vorträgt stimme ich nicht bei. mit der zeit haftete die einfache benennung blosz an den in Deutschland um den Rhein und Main verbliebnen Franken (Rheinfranken, Rînfranken) und entgieng den in Gallien vorgedrungnen, die man Franzosen heiszt. doch bewahrte sich auch für sie unter den dichtern der edle, einfache ausdruck:

aber ich konnte nicht denken, dasz bald sein (des Rheinstroms) liebliches ufer
sollte werden ein wall, um abzuwehren den Franken,
und sein verbreitetes bett ein allverhindernder graben.
seht so schützt die natur, so schützen die wackeren Deutschen.
Göthe 40, 243;

und wir waren zuerst, als nachbarn, lebhaft entzündet,
drauf begann der krieg und die züge bewafneter Franken
rückten näher, allein sie schienen nur freundschaft zu bringen. 40, 290;

so sucht der Franke, seines alten ruhms
vergessend, nur die sicherheit der burgen.
Schiller 451a;

die liebe zu dem angestammten könig,
die tief gepflanzt ist in des Franken brust. 456a;

der Franke weisz es nicht und wills nicht anders. 456b;

was zagt ihr, tapfre Franken? auf den feind! 457b.

seit 1789 ward der name wieder mode; man hat auch Neufranken versucht, doch sind die Franzosen so alte Franken als die auf der rechten seite des Rheins. für die französische münze galt Franke schon im 17 jh.: mit schillingen und dickpfenningen, mit franken und realen. Philander 1, 227.
 
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franken, Franconia, dat. pl. des vorigen, aber nur für das deutsche Frankenland, nicht für Frankreich gebraucht,

[Bd. 4, Sp. 58]


mhd.

und lëbte mîn hër Salatîn und al sîn her,
dien bræhten mich von Vranken niemer einen fuoʒ.
Hartm. lieder 22, 19. MSF. 218, 20;

mir hât ein lieht von Franken
dër stolze Mîssenære brâht.
Walth. 18, 15,

er war auf dem reichstag zu Frankfurt gewesen, das damals für die hauptstadt des deutschen reichs galt. erst neuerdings setzen einige den namen auch für Frankreich, z. b. Göckingk 2, 132, doch er haftet nicht, und Schiller in der jungfrau braucht immer Frankreich.
 
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frankenberg, mons Francorum, alte stadt in Hessen.