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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fallrieme bis fallsucht (Bd. 3, Sp. 1289 bis 1290)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fallrieme, m. am pferd. weisth. 2, 247.
 
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falls, si forte, dummodo, im fall, zuerst bei Stieler 419 und Frisch 1, 242b, von Adelung getadelt, und neben unserm wenn oder ob klingt auch die partikel steif. Gellert setzt sie, glaube ich, nicht, wol aber Hagedorn:

ein jeder, der in diesen jahren
mir ohne lachen widerspricht,
ist glücklich, falls er nicht erfahren,
wie oft man treu und glauben bricht. 2, 33;

falls, ruft Philemon aus, ein flehen dir gefällt,
das itzt die liebe wagt, die uns zuerst gesellt. 2, 103;

erwache, schöne schläferin,
falls dieser kus nicht zu bestrafen. 3, 37;

und falls mich kein gedicht berückt,
so ist der winzer gleich erstickt,
der seiner beeren kost zum erstenmal genossen. 3, 46;

herr Jost ist todt, der reiche mann;
wär er nicht reich gewesen,
wir würden, falls ich rathen kann,
auf ihn kein carmen lesen. 3, 112;

und andere mehr: falls ihr allein euch sonst nichts wichtigeres zu sagen habt. Lessing 2, 538; aber wenn dem verfasser die fremden verkürzungen nicht anstehen, so mache er selbst welche, falls es ihm der mühe werth dünket. 7, 62; desto quälender das mitleid, welches er voraus sahe, falls Merope an der vollziehung nicht zu rechter zeit verhindert würde. 7, 215; falls man einen versuch damit machen wollte. 8, 127; weil, wie er meinte, alle diese bücher zu nichts besserm taugten, falls nichts darin enthalten wäre, als was man im koran kürzer und besser gegeben fände. Wieland 6, 190; falls aber der hof fortführe, die beschwerden der stände mit gleichgültigkeit anzusehen. 7, 195; falls jemahls über den verstand eines gesetzes oder die anwendung desselben in einem besondern falle ein billiger zweifel entstehen sollte. 7, 222; ein getaufter mensch müsse durchaus hienieden sein ganzes allodialvermögen weiter niemanden vermachen können, als blosz sätzen und wahrheiten, falls nur die leiblichen erben die quarta bekämen. J. P. papierdr. 1, 4;

und wisse, dasz falls du mich reizest, gewalt ich brauchen kann.
Chamisso ged. 318.

auszerdem gelten die absolut gesetzten günstigen falls, nöthigen falls, möglichen falls, erforderlichen falls, entgegen stehenden falls, widrigen falls, deren adj. und subst. aneinander rücken. mehr anstosz gaben allenfalls, andernfalls, jedenfalls, da all, ander und jeder ursprünglich schwacher form unfähig erscheinen, die ihnen doch allmälich zu theil wurde. allenfalls und andernfalls stehen schon bei Stieler (1691) 419, in Hahns, Bünaus und Mascous geschichten sollten wol belege anzutreffen sein; jedenfalls will man zuerst in erlässen von 1741 (Herz über Lachm. beil. xxxix) und 1747 (hess. zeitschr. 5, 939) aufgespürt haben. ich versuchte wb. 1, 206. 219 ihnen einen acc. allen, andern, jeden fall unterzulegen, dem ein genitivisches s, das adv. hervorzuheben, beigetreten sei, ungefähr wie aus diesseit jenseit vollend

[Bd. 3, Sp. 1290]


ein diesseits jenseits vollends wurde, aus groszen, andern theil groszentheils, anderntheils. seit jedoch ein bereits mhd. allen gâhens (Diemers beitr. 1, 125. 126, für alles gâhes. Trist. 310) vorliegt, begreift man auch allenfalls, jedenfalls, solchenfalls, diesenfalls als schon vor Stieler mögliche formen und es scheint ungeboten, den heutigen sprachgebrauch, nach dem maszstab von jederzeit, durch ein steifes allesfalls, jedesfalls zu stören. an den anomalien allerdings, schlechterdings nimmt längst niemand anstosz. ohne flexion stehn die ersten theile in ebenfalls, gleichfalls; in desfalls, diesfalls, die schon das 16 jh. hat, waltet der richtige gen.; besser als falls, desfalls, allenfalls u. s. w. lauten in dem fall, in allem fall, am steifsten die adjectivbildungen allenfallsig, desfallsig, die man den kanzleien lasse, obschon Lessing allenfalls, Göthe allenfallsig gebraucht.
 
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fallsack, m. den fischern ein groszes netz mit langen wänden.
 
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fallschirm, m. adjumentum cadentes sublevans, schirm, der niedergelassen werden kann; fallschirme der luftschiffer.
 
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fallschlosz, n. das zuschnappt ohne schlüssel.
 
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fällsilber, n. gefälltes, niedergeschlagnes silber.
 
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fällstätte, f. ort, wo wild gefällt, erlegt wird: aber die namhaftigen fellstet, der ir wölf euch lang gebraucht, der müssent ir und wir uns nu ganz entschlagen ... denn daselbst wurd man streng auf uns dausen, und für solche fellstet müssen wir seltsame ort, dar vor nit gefellt worden, einnemen und ein ieklichen busch unsern hag lassen sein. Schade sat. und pasq. 2, 71.
 
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fallstein, m. scandalum, stein des anstoszes, anstöszige sache: und so setz ichs denn, diesen zum fall-, jenen zum prüf- und ecksteine hin. Herder.
 
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fallstrick, m. n. laqueus: noch fehet man in mit seinen eigen augen und durch fallstrick durchboret man im seine nasen. Hiob 40, 19; denn wie ein fallstrick wird er komen uber alle die auf erden wonen (ags. sva sva grin he becymð on ealle þa þe sittað ofer eorðan). Luc. 21, 35; in Simonis haus bei seinem wirt macht ers höflich, leget im auch ein höflichen falstrick, darin Simon bestricket und gefangen wird. Mathesius 133a; gott behüte mich vor allen fallstricken, die mir gelegt werden. Schweinichen 1, 268;

hat der feind gleich für und für gesponnen
mir fallstrick, netz und garn.
Gryphius 2, 406;

ein so gefahrliches fallstrick gelegt. Liscov 616; unsre liebenden verliefen sich also mit der sorglosesten unvorsichtigkeit, welche Hippias nur wünschen konnte, in die fallstricke, die er ihnen legte. Wieland 2, 162; sogar die vergnügungen der einbildungskraft hieszen ihm gefährliche fallstricke. 6, 126;

der verrätherische fallstrick!
Schiller ...;

gleichgeschickt im cabinet wie im felde zerrisz er die fallstricke einer hinterlistigen staatskunst. ...; mit einem solchen herzen voll streiche und fallstricke. J. P. flegelj. 1, 3.
 
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fallstrickseele, f. der lord zerfaserte diese fallstrickseele nicht, da sie, wie er sagte, zu unbedeutend zur genugthuung, zu schwarz gebeizet zur strafe sei. J. P. Hesp. 4, 178.
 
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fallsucht, f. epilepsia, vgl. DWB fallend.