Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dotterweide bis drachenbauch (Bd. 2, Sp. 1315 bis 1321)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dotterweide, f. goldweide, gelbe weide, salix vitellina Nemnich 2, 1204.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
dotz, m. ein roher mensch; vergl. dotsch 3.

also auch auf den kirbin (kirchweihen) gschicht,
da tht man anders hören nicht
dann grolzen, reibsen, farzen, kotzen
von den viehischen wüsten dotzen
Wickram Bilger 2, 54.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drab, adv. zusammengezogen aus darab; s. oben 751.

erschrick ich desto minder drab
Murner.

fellt der wagen, so fleugt jederman drab Agricola Sprichw. 41a. in der Schweiz sagt man ich mos drap musz von der arbeit weg, sie im stich lassen Tobler 448b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drabant, m. s. DWB trabant.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
draben, s. DWB traben.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drache, m. draco, ahd. tracho Graff 5, 504, mhd. trache trake Ben. 3, 67, im 16 ten und 17 ten jahrhundert häufig drach mit abgefallenem e Voc. theut. 1482 gg 7b, einigemal bei Luther, Dasypod. 316c. Schönsleder gg 5, Henisch 739, Stieler 327, Frisch 1, 203c, auch in Baiern drack Schmeller 1, 413, niederd. drake, ags. draca, engl. dragon, schwed. drake, dän. drage, böhm. drack, russ. drakon, roman. drac dracon drage drak, franz. dragon, ital. dragone, span. dragon drago, port. dragão drago. man sieht wie weit das aus dem griech. δράκων, lat. draco genommene wort vorgedrungen ist; es stammt von δέρκειν sehen, blicken, und könnte sich auf die scharfblickenden augen des thieres beziehen.
1. in der naturgeschichte werden drei verschiedene thiere drachen genannt. a. die fliegende eidechse mit häutigen, von den vorderfüszen unterschiedenen flügeln oder flossen, draco, lacerta volans, draculus Nemnich 1, 1445. b. der hautwurm filaria medinensis, der guineische drache 1, 1626. c. der schwertfisch oder stacheldrache trachinus draco 1, 1467. s.horndrache, DWB seedrache, DWB wasserdrache.
2. gewöhnlich ist ein nicht in der wirklichkeit vorhandenes, fabelhaftes thier gemeint. man stellt ihn dar als eine grosze, geschuppte und geflügelte schlange mit groszen feurigen augen, einem langen, sich ringelnden schweif, eidechsenartigen krallenfüszen und einem weiten bezahnten rachen, aus dem er eine pfeilspitzige zunge streckt und feuer speit, wie Fafnir schon in der alten Edda. der drache kann drei und mehr köpfe haben. sein heulen schallt weithin. er haust in hölen, wo er auf gold und schätzen liegt und sie hütet. den menschen

[Bd. 2, Sp. 1316]


ist er feindlich und tödtet sie mit seinem feuerathem. nach der bibel hält er sich in wüsten auf, in verödeten häusern und palästen. überhaupt erscheint er im alten und neuen testament als ein gewaltiges, übernatürliches wesen, unter welchem nicht, wie Michaelis meint, die hornschlange (cerastes) kann verstanden werden. schon in der ältesten zeit war er bekannt und sagen von ihm sind über die halbe welt verbreitet; vergl. Deutsche mythologie 654. lindrache lintdrache in den Nibelungen und bei Heinr. v. d. Türlein, lintwurm im Siegfriedsliede und anderwärts scheint den leuchtenden drachen zu bedeuten, wie noch jetzt das volk von dem glühenden drachen (niederd. de gleunige drak) zu erzählen weisz. wrum, die allgemeine benennung der reptilien, mag in der frühsten zeit die benennung des drachen gewesen sein; sie war bis ins 15 te jahrhundert im gang und ist noch jetzt nicht ganz verschwunden: Simrock gebraucht sie in dem hörnernen Siegfried öfter. dreki kommt erst im spätern Sôlarliod, nicht in der ältern Edda vor, wol aber ormr in ormgardr, in der Genesis nater, slange und wurm 18, 17. 33, 39, bei Eilhart das romanische serpant neben trache und wurm, bei Gottfried im Tristan serpant und trache, im ags. Beowulf draca und vyrm, bei Konrad von Würzburg trache, wurm, slange und serpant. in Tirol stellen sich manche den drachen als ein groszes abscheuliches thier vor, das man habergeis nennt; s. Zingerle Tiroler sitten. im alten norden hieszen die hochbordigen kriegsschiffe, an deren steven ein drachenkopf geschnitzt war, drekar. die folgenden stellen sind ausgewählt um das wesen des drachen näher zu bezeichnen.

der man im dô schiere sagete
daz ez der trache tæte
der der liute [in dem lande] vil verderbit hæte.
Eilhart Tristrant 1336.

ein ûf gerichtit trache (auf einer fahne),
als er iezu vliegin solde Athis A*, 158.

einen lintrachen sluoc des heldes hant.
er badet sich in dem bluote: sîn hût wart hurnîn.
des snîdet in kein wâfen: daz ist dicke worden schîn. Nibel. 101.

do er (Siegfried) den lintdrachen an dem berge sluoc,
jâ badet sîch in dem bluote der recke vil gemeint,
dâ von in sît in stürmen dehein wâfen nie versneit 842.

ich bestüende in doch durch âventiur,
ob sîn âtem gæbe fiur
als eines wilden trachen Parzival 138, 19.

der starke (Rennewart), niht der swache,
truoc ougen als ein trache
vorm houbte, grôz, lûter, lieht
Wolfr. Wilh. 270, 26.

nu kom vlokzende (fliegend, flatternd) als ein trache
Cliboris von Tananarke 409, 18.

und (Tristan) reit unlange, unz er gesach
sîner ougen ungemach,
den egeslîchen trachen,
der warf ûz sînem rachen
rouch und flammen unde wint,
rehte als des tiuvels kint
Gottfried Tristan 226, 13—18.

zwên grôze lintracken
die ûz ir kinnebacken
bliesen wildez fiure
Heinrich vom Türlein Krone 12788.

im schein von sîner brüste (auf der brünne)
ein tracke der was von golde,
dem bran reht als er solde
daz fiur ûz sîme munde.
Strickers Karl 44b. vergl. Roland 116, 27.

dô kam ein trache des âtem brante.
Ulrich von Türlein Wilh. 73b.

ein ungefüeger trache
der mit leider sache
daz vûr von im spûte Passional 222, 45 Hahn.

der übele stanc
der von des trachen âteme dranc 280, 6.

nu was bî Rôme der stat
in einem berc ein michel gat (höle),
dar inne ein grôz trache lac
der in den selben zîten pflac
daz er die luft ergifte
und dâ mite ouch stifte
an dem volke grôzen mort 90, 32—38 Köpke.

ich sunge ouch der dracken fiurîn kel
Marner MS. 2, 176b.

er ist noch heizer danne ein sinder (metallschlacke) von der gluot,
er eitet (glüht) als ein dracken kel.
Reinmar v. Brennenberg MS. 1, 184b.

ir (der frau Helche) troumte wie ein wilder trache wære
geflogen alsô balde
durch ir kemnâten dach,
und nam ir mit gewalde,
daz siz mit ougen sach,
owê, ir liebe süne beide:
er fuortes hin ûf eine breite heide Rabenschlacht 123. 124.

[Bd. 2, Sp. 1317]



sô kunde er doch entreinen
den luft mit sîme gesmacke (geruch).
der angestlîche tracke
lie von sînem munde
sô rehte mortlichen dampf
daz maneger sich dar umbe rampf,
der in der stat ze Rôme saz Silvester 700—706.

er (der drache) warf ûz sîme rachen
daz wilde fiur und eiter:
diu vinster naht wart heiter
von sîner flammen glaste
Konr. v. Würzb. Troj. krieg 9763—66.

er (Peleus) fuorte halsberc unde hosen
lieht und wünnenclîch getân,
diu worhte ein smit, hiez Vulkân;
der was ein meister aller smide.
in eines tracken unslide,
gemischet mit der gallen
und ob der glüete erwallen,
gehertet daz gesmîde was 3797—3804.

sie giengen dâ ze bîle
der ungehiure tracke und er (Jason):
der eine hin, der ander her
wart getriben und gejaget 9871—74.

sîn pfaffe stuont alsam ein lewe der an den trachen billet. Wartb. krieg MSHag. 3, 173.

wildeclîcher als ein tracke
viht ez (mein herz) von mir zuo zir gar MS. 2, 106b.

ob der trachen tûsent gein mir (feuer) bliesen. Jüng. Titurel 5813.

von einem teuflischen riesenweib wird im Apollonius gesagt

lanc dürre sind ir die schinken,
sie hât dracken füeze 4377.

trach ein groszer giftiger wurm Voc. theut. 1482 gg 7b. trach draco est maximus serpens Voc. incip. teut. y. fliegende tracken aligeri dracones Maaler 404d. gehaarächtiger track der auf dem bald dahinden ein burst oder mane hat, jubatus draco das. du (gott) zutrennest das meer durch deine kraft und zubrichst die köpfe der drachen im wasser Psalm 74, 13. denn aus der wurzel der schlangen wird ein basiliske komen und ire frucht wird ein fewriger fliegender drache sein Jesaia 14, 29. 30, 6. zu der zeit wird der herr heimsuchen mit seim harten groszen und starken schwert beide den leviathan der eine schlechte schlange ist und den leviathan der eine krumme schlange ist, und wird die drachen im meer erwürgen 27, 1. das wild stehet auf den hügeln und schnappet wie die drachen Jerem. 14, 6. er hat mich verschlungen wie ein drache 51, 34. die drachen reichen die brüste iren jungen und seugen sie Klagel. Jerem. 4, 3. ich wil an dich, Pharao, du könig in Egypten, du groszer drache, der du in deinem wasser ligst und sprichst 'der strom ist mein und ich habe in mir gemacht' Hesek. 29, 3. ich mus klagen (heulen) wie die trachen und trawren wie die strauszen Micha 1, 8. und hab sein (Esaus) gebirge öde gemacht und sein erbe den drachen zur wüsten Maleachi 1, 3. aber deinen kindern kunten auch der giftigen drachen zeene nicht schaden Weisheit 16, 10. da waren zween grosze drachen die giengen gegen einander zu streiten Esther 7, 3. da nam Daniel pech, fettes und har und kochet es unter einander und macht küchlin daraus und warfs dem drachen ins maul, und der drache barst davon mitten entzwei Bel 26. und es erschein ein ander zeichen im himel, und sihe ein groszer roter drach der hatte sieben heubter und zehen hörner und auf seinen heubten sieben kronen, und sein schwanz zoch den dritten teil der sternen und warf sie auf die erden Offenb. Joh. 12, 3. 4. und die schlange schosz nach dem weibe aus irem munde ein wasser wie ein strom, das er sie erseufet. aber die erde half dem weibe und thet iren mund auf und verschlang den strom den der drach aus seinem munde schosz 12, 15. 16. es ist auch offenbar wie der dracke einen groszen elephanten geringsweise umgibt (sich um ihn ringelt), verwirrt und verwickelt dasz er nit mehr fort kan Petr. 107b fewr zu ihn ein speien wie ein drach Alberus wider Witzeln K 3b. drach, eine sonderbare art einer groszen schlangen in India und Mohrenland, die 30 oder 40 schuch lang werden, und mit den elephanten streitet Henisch 739.

ir grosze wunderthier, ihr schröcklich böse drachen.
Weckherlin 305.

so qualmen gelber drachen hölen.
A. Gryphius Poet. Wälder 15.

der drach drache draco, serpens immanis alatus Stieler 327. schupichter drache squamiger squamosus 328. zischender sibilans das. blauer drache coeruleus das. es wäre doch kein wunder, wenn einmal ein feuriger drache, wenn das viertel des monds eben untergegangen ist, sich durch den schornstein

[Bd. 2, Sp. 1318]


eines solchen hauses hinunter schlengerte und alles essen vergiftete Stilling Jugend 2, 10.

ein feuerdrach
umfliegt das dach
und bringt uns butter und eier
Hölty 198.

warf mein blinkendes geschosz
drachen durch den bauch:
ja ich war ein mann!
Göthe 1, 13.

in höhlen wohnt der drachen alte brut 1, 177. 18, 233.

neulich kam mirs in sinn den engel Michael wieder,
der mir die officin bezeichnet, vergolden zu lassen,
und den gräulichen drachen der ihm zu füszen sich windet. 40, 263.

dem drachen, um den arm geringelt, lernt ich ab
wie starr metall im schlangenkreis sich dehnt und schlieszt. 40, 404.

da spielen farbig goldbeschuppte drachen 41, 63.

ihr (der priesterin) ist der Hesperiden haus vertraut,
sie hütete die heilgen zweige,
besänftigte mit süszem honigteige
des drachen wut und mit dem schlummerkraut
Schiller 43b.

drauf kam die arbeit, der kampf begann
mit ungeheuern und drachen 51a.

das auge mit schaudern hinunter (in den strudel) sah,
wies von salamandern und molchen und drachen
sich regt in dem furchtbaren höllenrachen 64a.

und hinter ihm, welch abenteuer!
bringt man geschleppt ein ungeheuer,
ein drache scheint es von gestalt
mit weitem krokodilesrachen,
und alles blickt verwundert bald
den ritter an und bald den drachen.
Und tausend stimmen werden laut
'das ist der lindwurm, kommt und schaut,
der hirt und herden uns verschlungen!
das ist der held der ihn bezwungen' 65a

der drache der das land verödet,
er liegt von meiner hand getödtet das.

und einen schlimmern wurm gebar
dein herz als dieser drache war 67a.

der (vormund) bewachte sie wie ein drache Kotzebue Dramat. sp. 2, 207.

gleich einem drachen speit er flamm und rauch 8, 154.

das haus ist ja kein zauberschlosz und unser kettenhund kein drache 9, 4.

bin bei lanz und schwert ergraut,
panzer liegt mir noch am leibe
wie dem drachen seine haut
Uhland Ged. 294.

nun schlag ich (Siegfried) wie ein andrer held
die riesen und drachen in wald und feld 387.

da sah am grund er einen drachen
aufgähnen mit entsperrtem rachen
Rückert.

der wilde drach so teuflisch mit seinem schwanze focht
dasz er Siegfried den helden gar oft darin verflocht,
und meint ihn abzuwerfen wohl von dem stein so hoch;
Siegfried sprang aus der schlinge, eh er zusammenzog.
Simrock Kleines heldenbuch 199.


3. was die sage geschaffen hat, ist nicht der ausdruck willkürlicher phantasie, es liegt ein tiefer grund darin. der drache ist zugleich ein mythisches, dämonisches wesen. schon der wechsel der gestalt zwischen riesen und drachen weist darauf hin, Fafnir nimmt wurmsgestalt an (var î orms lîki Edda Säm. 2, 160) wie der riese im Siegfriedslied 126. dasz aus der saat der drachenzähne gewaffnete menschen erwachsen, vergiszt Konrad v. Würzburg (Troj. krieg 8205—13. 9960—62) nicht zu erzählen. an dem portal der Jakobskirche zu Regensburg sieht man unter andern bildwerken auch zwei drachen die im schnellsten laufe sonne und mond verfolgen und schon halb im rachen haben (Panzer Bair. sagen 2, 309), womit die verfinsterung der leuchtenden gestirne angedeutet wird, wie nach dem indischen glauben, der auch bei den Chinesen vorkommt, eine schlange oder ein dämon sie dann auffriszt (Bopps Glossar 148a. Nalas 153. 272). das heidenthum schied gute und böse eigenschaften und das geschlecht solcher wesen noch nicht, wie auch die schlange sich verderblich sowol als wolthätig erweist. in Babylon ward ein groszer drache angebetet Bel 22. als unke ist er in den deutschen märchen den menschen geneigt und hinterläszt ihnen kleine, gedeihen und reichthum bringende kronen von gold. im alpdrücken, an der Eifel (Schmitz 223) der draach genannt, zeigt sich dagegen die böse natur. im romanischen bedeutet dra drac eine fee und hexe, aber auch einen kobold (Roquefort 1, 410b), und die draci an der Rhone in der Provence bei Gervasius (Otia imper. 3, 85 s. 987) sind wassergeister die menschliche gestalt annehmen können, frauen und männer rauben und hinab ins wasser ziehen. bei den Finnen ist mammelainen

[Bd. 2, Sp. 1319]


drache, entschieden ein boshaftes weib, matrix serpentis, das unterirdische schätze bewacht (Deutsche myth. 655). von der übernatürlichen kraft des drachenbluts wird hernach die rede sein.
4. häufig wird der teufel damit bezeichnet, der grosze drache, höllendrache, franz. le dragon infernal, der höllenwurm, lintwurm, salamander, die alte schlange, vipper, nater; vergl. Goldne schmiede liii. daher die pflicht christlicher helden mit drachen zu kämpfen, deren vorbild der heil. Michael ist.

ein volcwîc wart gevohten
mit michelen tuhten.
daz tete sente Michâêl,
Crist selbe vil hêr,
wider einen trachen,
der begunde ubile machen.
den selben trachen er verwan,
den sige er ubir ime nam:
der wart ûz geworfen
von den himelen verstôzen;
er viel nider zuo der erden
Hartmanns Credo 515—525.

daz diu christenlîchiu schare
ensamet muose îlen dare
ze geistlîchem sturme
gegen dem lintwurme
Wernhers Maria 148, 28.

der (teufel) begunde trachten,
zeinem trachen er sich machte:
vil eislich was er getân Heil. Margareta 424.

sît hab wir uns gebunden sêr
mit vil sünden. nû wil er (Christus)
uns mit dem kriuze aver entbinden:
den tracken der uns wil verslinden,
den wil er dâ mit aver tœten Welsch. gast 11615—19.

der salamander, dem sîn leben
in dem fiure ist gegeben,
der glîchet sich im fiure
dem tiuvel ungehiure,
der in der helle hât sîn wesen
und niemen gerne lât genesen
Stricker Ged. 13, 29—34.

sô füert si (die fliege) durch ir fliegen sin
der êwege salamander hin
inz êwege fiur des er pfliget 13, 65.

merke ouch in den sinnen dîn
daz der trache fiurîn
der gên den man ûf tet den munt,
bezeichent der helle grunt
und des tiuvels angesiht
diu vorhtlîcher swære giht Barlaam 119, 31—36.

in dirre selben sache
wart der helledrache,
der alde Lucifer geschant Passional 101, 46—48 Hahn.

wand er dem hellewurme
frôlich an gewan den sic 106, 27.

verfluochet sî der leide wurm der uns die wirde nam!
Frauenlob s. 227 Ettm.

dem hellewurm der tac niht kunde versmâhen,
dô sô manic rîcher man (heide) mit tôde im wart zu teile. Lohengr. s. 141.

dô der alte slange mit sînen genôzen
von himel wart her abe gestôzen Renner 3100.

und es erhub sich ein streit im himel, Michael und seine engel stritten mit dem drachen, und der drach streit und seine engel und siegeten nicht; auch wart ire stete nicht mehr funden im himel. und es ward ausgeworfen der grosz drach, die alte schlange die da heiszet der teufel und satanas, der die ganze welt verfüret, und ward geworfen auf die erden, und seine engel wurden auch da hin geworfen Offenb. Joh. 12, 7—9. und (der engel) ergreif den drachen, die alte schlange, welche ist der teufel und der satanas und band in tausent jar 20, 2.

herr Christ, den rothen drachen wehr
Alberus Kirchenlied.

die leute meinen es liege ein drach oder teufel auf dem getraid in den scheunen und verzehre es Joh. Colerus Hausbuch (1614) 8, 16. der alte drache diabolus sathanas Stieler 328. ich habe den drachen sehen in ihr haus fliegen das. der fliegende drach, ein feuerzeichen in der luft, so in einem langen strich schnell fliegt. die aberglaubischen leute halten es für den teufel, der zu einer zauberin ins haus durch den camin fliege, draco volans Frisch 1, 203c. er hatte selbsten vor kurzen tagen des abends, als er nach haus gieng, einen groszen drachen durch die luft fliegen sehen, und er glaubte vor die zeit noch dasz es einer von den obersten teufeln selbst gewesen Stilling Jugend 2, 10. wenn man von den ersten früchten der ernte in die vier winkel übers kreuz legt, so kann (glaubt man) der drache oder die drute nichts davon holen Panzer Bair. sagen 1, 261. 550.
Es war ein alter glaube. von dem schon der Physiologus

[Bd. 2, Sp. 1320]


(Fundgr. 1, 18. Diutiska 3, 23) berichtet, dasz dem panther, seines süszen athems wegen, alle wilden thiere nachziehen (Goldene schmiede xlv. liii), nur der drache nicht, der davor flieht, weil er davon getödtet wird. das wird dann auf Christus und den teufel gedeutet.

daz pantier ist dir gelîch,
daz mit sînem smacke,
maneger süezekeite rîch,
füeget daz der tracke
sunder widerstrît
tôt von ime gelît
Konrad v. Würzb. MS. 2, 200a.

tugende spürt er sam daz wilt
ein nasewiser bracke (der feinen geruch hat):
des fliuhet er des milten lop
als ein pantier der tracke
der vor sînem smacke
sîn leben niht gefristen kan 2, 206b.

wan süeziu lêre ûz ir (der priester) munde
sol uns gebezzern zaller stunde,
als ez des pantiers âtem tuot,
der allen tiern für siuche ist guot
denn alleine den trachen,
der kraft beginnet swachen:
sô si hœrnt des pantiers stimme,
sô fliehent sie mit grimme;
waz daz bediute, weiz man wol. Renner 6098—6105. vergl. 19270—90.


Noch einige redensarten sind hier zu bemerken. von einem weib das man für eine hexe hält, heiszt es der drache fliegt bei ihr aus und ein sie steht mit dem teufel im bündnis, oder das weib hat einen drachen pactum cum daemone habet haec anus Stieler 328. Steinbach 1, 286. ich habe den drachen sehen in ihr haus fliegen Stieler 328. das ist baare hexerei! ich bin doch schon oft, blosz darum, weil ich eine tüchtige gute hausmutter bin, in den verdacht gekommen, als flöge der drache bei mir ein und aus Göthe 11, 293. man sagt in Languedoc fa le drac für faire le diable unerhörtes thun, wüten und toben Roquefort 1, 410b.
5. bildlich wird ein boshafter, tückischer, unheil stiftender mensch ein drache genannt. Dido sagt bei Heinrich v. Veldeke

ir sît geborn von trachen,
irn wurdet von lûten niht geborn:
ir habet die barmekeit verlorn:
ûr herze is âne minne 72, 32 Ettm.

haben dich des babsts geiger gemacht,
darnach für ein drachen geacht
Murner Luth. narr 410.

wir hon ein drachen usz im gemacht 3343.

mit Mercken habe ich einen sehr guten tag und ein paar nächte verlebt. doch macht mir der drache immer bös blut; es geht mir wie Psychen, da sie ihre schwestern wieder sah Göthe an frau v. Stein 1, 363. vorher (361) hat er ihn Mephistopheles genannt. im scherz bezieht es sich auf ein sprödes, mutwilliges mädchen, wenn der brautwerber sagt ich will doch sehen was das für ein drache ist und ob sie kein vernünftig wort mit sich reden läszt 11, 16. in Baiern hat man die schimpfnamen bauerndrack, schlaudrack gefräszige person Schmeller 1, 413.
Gewöhnlich wird eine böse, zänkische, widerspenstige frau, die dem mann das leben verbittert, damit gemeint. ich wolt lieber bei lewen und trachen wonen denn bei einem bösen weibe Sirach 25, 23.

denn ich hab gar ein bösen drachen,
ja ein bös westphalier wif
Eyering 3, 271.

in einem volkslied,

ein drache und ein böses weib,
hat man das erst im haus,
so wird man es nicht wieder los,
man wirft es dann hinaus.

so auch im französischen cette femme est un vrai dragon.
In folgender stelle geht es auf den reichthum, wobei wol an den auf dem gold liegenden drachen gedacht ist

ist gleich die braut von guten sitten,
doch nicht dabei, wie mancher spricht,
am leibe niedlich zugeschnitten,
so heiszt es ein alltagsgesicht.
sind mittel (geld) da, so heiszts 'der drache
hat blosz den alp an mann gebracht',
und liegt der mammon nicht im fache,
so wird der nackte specht verlacht
Günther 217.


Im dänischen ist den röde drage, wie bei uns, der rothe hahn, ein dichterischer ausdruck für feuer.
6. uneigentlich in verschiedenen beziehungen.
a. wenn in den mittlern luftschichten angesammelte dünste sich entzünden und einen langen feurigen schweif nach sich ziehen, so wird dieses meteor ein feuriger, ein fliegender drache,

[Bd. 2, Sp. 1321]


franz. un dragon volant genannt, norweg. drakje s. Aasen Norweg. wörterbuch, wo es als ein haufe schwebender sterne geschildert wird. es wird dann auch vom volk der teufel darunter verstanden.

auch must er allzeit dulden des teufels gegenwart
in gestalt eines feurigen drachen.
Simrock Kleines heldenbuch 195.

s. drachenteufel.
b. ein über dünne hölzer gespanntes papier mit einem langen papierschweif, das die gestalt des drachen nachahmt, und das die knaben an einer langen schnur im wind aufsteigen lassen Brem. wörterb. 1, 238.

was treiben die eilenden knaben dort?
seht ihr nicht wie geschickt sies machen?
seht doch wie steigen ihre drachen!
Göthe 13, 53.

die au wo ich am bache
mir zweigpaläste wob,
wo der papierne drache
sich in die lüfte hob
Matthisson Ged. 18.

mit dem kunstwerke sei es wie mit einem papiernen drachen, welcher nur höher steige, wenn ihn der knabe an der schnur ziehe und zügele J. Paul Siebenk. 1, xi.
c. ein sternbild nah am nordpol, das aus 32 sternen besteht.
d. ein anker mit vier schaufeln und einer einzigen stange, woran das tau gebunden wird Beil 149. niederd. dragge dregge Brem. wörterb. 1, 238, niederl. dreg, franz. grappin, engl. drag, grapnel. s. DWB drachenanker. dreganker.

geht, eilt, und bleibt allda. man leichtet schon den draggen,
greift frisch den remen an, bringt alle segel bei.
P. Fleming 586.


e. nach Frisch 1, 203 ein vordem gebräuchliches grobes geschütz, das vierzig pfund eisen schosz und sechzehn und einen halben schuh lang war; schosz es 32 pfund eisen und war zwei und zwanzig schuh lang, so hiesz es der fliegende drach. dagegen bei Fronsperger, trackona, die man nennt zu unserem teutsch tracken, nothschlangen, die schieszen gewnlich 15 pfundt eisen Kriegsb. 2, 38a.
f. der nagel oder das fell auf den augen, besonders bei pferden.
g. im niederdeutschen ist drake, wie im englischen, der enterich anas mas Brem. wörterb. 1, 238.
7. in der mathematik ein ebenes viereck, dessen eine diagonale dasselbe in zwei ungleiche gleichschenkelige dreiecke theilt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drachenampfer, m. rumex sanguineus wie drachenblut, blutampfer, blutkraut Nemnich 2, 1186.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drachenanker, m. s. DWB drache 5d. dreganker.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drachenauge, n. man glaubt das auge des drachen sei glänzend und scharf blickend. bildlich daher ein böses, widerliches auge; s. Thümmel Reise 3, 551. s. drachenblick.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drachenbars, m. scorpaena porcus, kleiner drachenbars, s. DWB drachenkopf und DWB dornschwein Nemnich 2, 1261.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
drachenbauch, m. die grenze bis zu welcher der mond von der ekliptik abweicht.

 

drache
1.  in der naturgeschichte werden drei verschiedene thiere drachen genannt. a. die fliegende eidechse mit häutigen, von den vorderfüszen unterschiedenen flügeln oder flossen, draco, lacerta volans, draculus Nemnich 1, 1445. b. der hautwurm filaria medinensis, der guineische drache 1, 1626. c. der schwertfisch
2.  gewöhnlich ist ein nicht in der wirklichkeit vorhandenes, fabelhaftes thier gemeint. man stellt ihn dar als eine grosze, geschuppte und geflügelte schlange mit groszen feurigen augen, einem langen, sich ringelnden schweif, eidechsenartigen krallenfüszen und einem weiten bezahnten rachen, aus dem er eine pfeilspitzige zunge streckt und feuer speit,
3.  was die sage geschaffen hat, ist nicht der ausdruck willkürlicher phantasie, es liegt ein tiefer grund darin. der drache ist zugleich ein mythisches, dämonisches wesen. schon der wechsel der gestalt zwischen riesen und drachen weist darauf hin, Fafnir nimmt wurmsgestalt an (var î orms lîki Edda
4.  häufig wird der teufel damit bezeichnet, der grosze drache, höllendrache, franz. le dragon infernal, der höllenwurm, lintwurm, salamander, die alte schlange, vipper, nater; vergl. Goldne schmiede liii. daher die pflicht christlicher helden mit drachen zu kämpfen, deren vorbild der heil. Michael ist.
5.  bildlich wird ein boshafter, tückischer, unheil stiftender mensch ein drache genannt. Dido sagt bei Heinrich v. Veldeke ir sît geborn von trachen, irn wurdet von lûten niht geborn: ir habet die barmekeit verlorn: ûr herze is
6.  uneigentlich in verschiedenen beziehungen.
a.  wenn in den mittlern luftschichten angesammelte dünste sich entzünden und einen langen feurigen schweif nach sich ziehen, so wird dieses meteor ein feuriger, ein fliegender drache, franz. un dragon volant genannt, norweg. drakje s. Aasen Norweg. wörterbuch, wo es
b.  ein über dünne hölzer gespanntes papier mit einem langen papierschweif, das die gestalt des drachen nachahmt, und das die knaben an einer langen schnur im wind aufsteigen lassen Brem. wörterb. 1, 238. was treiben die eilenden knaben dort? seht ihr nicht wie
c.  ein sternbild nah am nordpol, das aus 32 sternen besteht.
d.  ein anker mit vier schaufeln und einer einzigen stange, woran das tau gebunden wird Beil 149. niederd. dragge dregge Brem. wörterb. 1, 238, niederl. dreg, franz. grappin, engl. drag, grapnel. s.drachenanker. dreganker.
e.  nach Frisch 1, 203 ein vordem gebräuchliches grobes geschütz, das vierzig pfund eisen schosz und sechzehn und einen halben schuh lang war; schosz es 32 pfund eisen und war zwei und zwanzig schuh lang, so hiesz es der fliegende drach. dagegen bei
f.  der nagel oder das fell auf den augen, besonders bei pferden.
g.  im niederdeutschen ist drake, wie im englischen, der enterich anas mas Brem. wörterb. 1, 238.
7.  in der mathematik ein ebenes viereck, dessen eine diagonale dasselbe in zwei ungleiche gleichschenkelige dreiecke theilt.