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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bretten bis briefadel (Bd. 2, Sp. 378 bis 380)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bretten, stringere, rapere, terrere, ein altes, seltnes verbum, ahd. prëttan prat giprottan (Graff 3, 287. 288), mhd. brëtten brat gebrotten (Ben. 1, 259b). ihm entspricht das altn. bregda brâ brugdinn, vertere, stringere, brugdinn ist strictus, mutatus. ahd. irprottan, raptus, in ekstase, entzückt; inbrodin lac. Lachm. nrhein. ged. s. 9. nhd. nur entbretten: fand man leut, die da entpretten waren, das ist entzuckt im geist. Agricola spr. no 381, was heute in hinbrüten verderbt wurde, vgl. deutsche myth. 1037 und die eben unter brett aus Riemer gezogne stelle. da dem altn. bregda ausdrücklich die bedeutung von nectere zusteht, so wird sich auch das schweiz. garn brätten, netze stricken, plagas texere. Maaler 75d hierher nehmen

[Bd. 2, Sp. 379]


lassen und das ags. max bredan, retia plectere, engl. braid = bregdan stehn. von brîten breit gebriten ist bretten brat gebrotten genau verschieden, wenn sich auch einzelne bedeutungen anrühren sollten.
 
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bretze, f. spira pistoria panis figuram brachiorum plicatorum habens, ahd. brezita, prezitella (Graff 3, 317); pretze, crustula, ranftlein oder plechlein. voc. 1482 z 7a;

aierpretze.
H. Sachs I, 543c;

die pretzen, semel, noch die flecken. I, 511d;

bretze.
Hohberg 1, 203a;

die Schwäblein, die so gar gern schwätzen,
fräszen ein rad für eine bretzen.
Weckherlin 528,

s. die unter bretstel aus Garg. 123a angeführte stelle und das folgende wort.
 
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bretzel, f. dasselbe, nach dem it. bracciatello, vgl.placenta cum brachiolo. Pertz 12, 314, 40;

butterkringel im dorfe genannt, von dem Thüringer bretzel.
Voss Luise 3, 729.


 
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breuhahn, m. eine art weiszbier, die doch viel wahrscheinlicher von brauen, breuen (und dem hahn des fasses) benannt ist, als nach einem angeblichen namen des brauers und erfinders, von welchem Dan. Eberh. Barings beschr. der Saala im amt Lauenstein. Lemgo 1744 s. 16 ff. handelt.

Leipzger breuhahn schmeckt mir nie,
und das rastrum ist noch schlimmer.
Weise überfl. ged. 2, 74;

ich geh gern alle zeit mit dir
zum frischen wein oder gutem bier,
es sei marzmumme oder breihanend.
ists doch itzund der fastelabend.
Dedekind miles 5, 4;

viele weisze bier und sonderlich der breihahn, die gose. Hohberg 3, 2, 56b.
 
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breume, f. was brame sp. 293: der herr bischof neben den andern fürsten und herren lege zu Leubis und wäre sindter nächten 5 uhren mit zwei breumen ubergeführet. Schweinichens Heinrich XI bei Stenzel scr. rer. sil. 4, 97.
 
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breve, n. literae papae.
 
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brevier, n. breviarium: viaticus breuier. vocab. 1429, 4d.
 
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brick, m. later, franz. brique, ziegel, backstein, engl. brick:

ein haus,
von auszen schlechter brick und marmorstein von innen.
Wernike 275.


 
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bricke, f. muraena, ein kleiner fisch, besser pricke, nnl. prik.
 
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brief, m. eigentlich litera brevis, dann überhaupt scriptum. ahd. brief, briaf (Graff 3, 301), mhd. brief, brieves (Ben. 1, 247), nnl. brief, schw. bref, dän. brev, weder ags. noch engl.
1) förmliche urkunde: welcher einen versigelten brief von dem schultheiszen haben wil, es sei ein urtheil oder kundschaftsbrief. Reutter kriegsordn. 38; es sind darüber alte briefe vorhanden; wer wil dir einen brief darfür geben? Petr. 1b; und da sie einander brief hetten gemacht. sch. und ernst cap. 363; der notarius geht ein, tregt ein brief oder libell mit roten schnüren durchzogen. Ayrer 354;

also wart der brief versigelt
und festiglich verrigelt
und uf den tisch im rate geleit.
Eberh. Windeck spottg. auf die alten adelsgeschlechter zu Mainz von 1429;

secht brief und sigel, das nit felt. fastn. 540, 19;

den vorsatz glauben sie dir gern, sei sicher,
dasz sies mit brief und siegel dir belegen.
Schiller 365a;

doch über ihre treue
verlangt nicht brief und siegel.
Göthe 1, 44;

wahrscheinlich weil sie sich brief und siegel wünschten, um ihren gegnern recht diplomatisch und juristisch zu leibe zu gehen. 19, 310; die ältesten briefe gehen vor; briefe sind besser denn zeugen.
2) schriftlicher befehl: brief oder gebot. Luther 3, 32b; gefellet es dem könige, so gebe er mir brieve an die landpfleger jenseit des wassers, das sie mich hinuber geleiten. Neh. 2, 7;

drei allein Rom in wirde bhalt,
brief, ablasz und des babstes gewalt.
Wickram bilg. 82;

dasz allen stätten solche brief auf einen tag geantwort solten werden. Fronsp. 3, 229b.
3) bemahltes pergament oder papier, wie im mittelalter grosze buchstaben und verzierungen zu der schrift gemahlt wurden, und die wörter mahlen und schreiben sich berühren: da kniet sie nider fur ein brief, da was ein crucifix an gemalet. sch. und ernst ed. 1550. cap. 382. vgl. DWB malen in Adelungs nachr. von altd. ged. 1, 162—168 und briefmahler. hierher auch vielleicht die gemahlten kartenblätter, s. 6.

[Bd. 2, Sp. 380]



4) epistola: des morgens schreib David einen brief zu Joab und sandte in durch Uria. 2 Sam. 11, 14; und da der könig Israel den brief las, zureisz er seine kleider. 2 kön. 5, 7; ich hab euch geschrieben in dem briefe (goth. gamêlida izvis ana þizai aipistaulein). 1 Cor. 5, 9; ich habe dir einen langen brief geschrieben und lasse ihn mit der post abgehen; wer hat euch die briefe vorgelesen? Felsenb. 1, 309; dieser brief wird aufgehoben; ich bitte dich den brief gleich zu verbrennen; den brief schlieszen, falten, brechen, siegeln, frei machen, aufbrechen, öfnen, unterschlagen; wir wechseln briefe miteinander; wer trägt die briefe? ein brief von, aus, nach Paris.
5) andere schriften: welche thier oder ding die stimm der bchstaben ganz gleich und deutlich geben, solche bilder müste man auf ein tafel oder brief malen. Ickelsamer B 7a; und er sprach zu mir, was sihestu? ich aber sprach, ich sehe einen fliegenden brief, der ist zwenzig ellen lang und zehen ellen breit. Zach. 5, 2; wie viel bistu meinem herren schuldig? er sprach, hundert tonnen öles. und er sprach zu im, nimm deinen brief, setze dich und schreib flugs funfzig (goth. nim þus bôkôs jah gasitands sprautô gamêlei fimtiguns). Luc. 16, 6.
6) zusammengelegtes papier, maculatur, kleines paket, düte: ein brief nadeln; ein brief taback; kartenblätter, weil charta auch papier bedeutet: gib karten aus, mir auch noch zwei brief! mir geht noch ein brief ab. Schm. 1, 255; spielen sie nur einen brief aus, welcher es auch ist!; etliche trischäckten mit vier oder drei briefen. Abele 4, 268; aus einer solchen düte (in welcher baumwolle) nun wird mit der spindel von der hand gesponnen, daher heiszt es aus dem briefe spinnen, und das gewonnene garn briefgarn. Göthe 23, 53.
7) brief heiszt in der börsensprache angebotnes papier, im gegensatz zu geld, dem verkauften papier.
8) redensarten. diesen brief wirst du nicht vor den spiegel stecken (offen sehn lassen); darbei es dann bis zu seiner zeit sein verbleibens haben wird und mag er ermelten brief interim an das fenster stecken. Reinhard werth. gegenschrift 1, 254; ich werde ihn nicht in die briefe sehen lassen; solches war eine ursache, dasz er mir in der ersten woche hinter die briefe kam. Simpl. 1, 180; weil ich mich anfänglich nicht darein richten oder den brief recht finden konte. 2, 88; bapst Julius liesz auch das sacrament in drei teil teilen und mit dem keiser Maximilian und dem könige zu Frankreich ein ewige verbündnis machen, gleichwie gott der vater, son, heiliger geist éin got ist, so fest solt solche einigkeit auch sein, aber es hiesz gar bald hernach den brief mit dreck versiegelt. Luther 6, 164a, vgl. DWB bratwurst; ich habe gleichwol die briefe nicht davon, dasz ich deine berenheuterei ertragen sol. Weise überfl. ged. 2, 414.
9) vgl. ablaszbrief, absagebrief, adelsbrief, bettelbrief, drohbrief, frachtbrief, freibrief, geleitsbrief, kaufbrief, lehrbrief, liebesbrief, mahnbrief, scheidebrief, schuldbrief, sendbrief, wechselbrief.
 
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briefadel, m. nobilitas codicillaris: schüttelte über die schlechte erneuerung des briefadels, d. h. des wappens leise den kopf. J. P. Tit. 1, 173.