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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
borbühne bis bordgelände (Bd. 2, Sp. 238 bis 240)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) borbühne, f. projectio in aede, was schon in bühne allein liegt, dem noch verstärkendes bor vortritt, emporbühne.
 
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bord, m. und zuweilen n. margo, hochdeutscher schreiben bort Dasyp. 307c. Maaler 75a, bord und bort Henisch 453, bord Stieler 214; ahd. port labium, limbus (Graff 3, 213), mhd. bort (Ben. 1, 223); goth. baurd n. in fôtubaurd, fuszbank; ags. bord, margo, tabula, engl. board, nnl. bord und boord; altn. bord n. ora, asser, schw. dän. bord. nahverwandt scheint aber ein gleichbedeutiges ahd. prort, prart (Graff 3, 313), ags. brord, breord, brerd, altn. broddr, telum, culmen, margo, schw. brodd, dän. bred, bredde, brodde, für welches man, der regel nach, wie für hort huzd gilt, goth. bruzd zu gewarten hätte. in port schiene das erste R ausgefallen, wovon alle sprachen beispiele liefern: gr. ποτί für προτί, skr. prati; lat. ursus, it. orso, sp. oso; Frederigo, Federigo; ahd. waso cespes, franz. gazon, nd. wrase, nhd. rase; ags. spreot, nnl. spriet, ahd. spioʒ, nhd. spiesz; brust, nd. bost; der name Otnit entspringt aus Ortnit, wie ahd. ort, gleichfalls ora, margo, cuspis dem altn. oddr begegnet, und goth. uzd voraussetzt.
War also prort die ältere form von port, so musz mit tilgung des zweiten R auch ahd. prët tabula, asser (Graff 3, 289), mhd. brët (Ben. 1, 238b), nhd. bret zurückgehen auf prert, ags. bred tabula auf brerd, und beide wörter, unser bord und bret entstammen derselben quelle, wie durch die neben einander bestehenden nnl. bord und berd bestätigt wird. rücksicht fordern selbst bart, sl. brada (1, 1141), insofern sie das hervorstechende, spitze haar ausdrücken.

[Bd. 2, Sp. 239]



Von uns entlehnten die romanischen sprachen mlat. bordus, borda, bordum (Ducange 1, 728—732), it. sp. bordo, franz. bord und neben border, rändern, broder, engl. broider, wallonisch brosder, altsp. broslar für brosdar, an jenes goth. bruzd gemahnend.
Das nhd. bord bedeutet
1) rand überhaupt, Maaler 75a sagt: bort, das end und zil eines ieden dings; bort eines buchs, margo libri; das bort einer wand; die schal innerhalb purpurfarb, an den borten weisz. Forer fischb. 146b; die bort an einer wunden, die grad sind wie die läfzen, orae vulneris. bord, der obere rand eines gefäszes, bechers: der bord an den salzpfannen, schüsseln; bort des dellers, disches bort. Brant bei Zarncke 148b. 153a;

got unser herre im do bôt
disses amtes vollen bort. pass. K. 557, 43,

gleichsam den rand voll, bis an den rand; bord, rand einer münze. bord, der saum am kleide; kleid mit einem sammeten bord. Henisch 453, 56, vgl. borte.
2) rand des brunnens, baches, flusses: 'bort, rand oder rang, oder gestat umb ein wasser'. voc. 1482 e 1b; mhd.

ir seht wol ûf des waʒʒers bort,
dâ stêt ein linde wol gestalt.
Heinr. Trist. 4682;

nhd. bort eines sodbrunnens. Maaler 75a; wann der Rein über bort get. Mones archiv 4, 88;

des brunnens kühler bord.
Wieland 22, 278;

am blumenvollen bord des flieszenden krystalls. derselbe;

neuere dichter setzen gern den pl. borde, ränder, dat. borden (: norden, geworden):

die binse pflück ich von des baches borden.
Rückert 60;

du blut dir schöpfst aus deiner Pleisze borden. 138;

wie eine blum an nectarflusses borden. 142;

Saar und Mosel, meine kinder
von den linken borden. 179;

nicht an mittelmeeres borden
hat der lenz allein sein fest. 298;

liebe schläft an jedes baches borden.
Platen 289a;


3) rand des schiffes und dann das schif selbst, wie rand und ags. bord auch den schild selbst bezeichnet. mhd.

die unden sich erhuben
und trâden zu in uber bort. pass. H. 204, 64;

und dich zu sêre neiges
ûf einen bort des prâmes. pass. K. 445, 37;

die segel man nu neigete
und wolden in zur andern bort. 470, 13;

diu heidenschaft in über bort
an allen orten ündet în. Wh. 32, 2;

daʒ ir (der schiffe) manchiʒ karte
den bodin ûf, di bort zu tal.
Jeroschin 54d.

nhd. ein schif von hohem, von niedrigem bord; an bord gehen, sich einschiffen; an bord sein, zu schiffe sein; leute an bord nehmen; über bord gehen, fallen, springen, stürzen, treten, werfen: über bord tretten. Kirchhof wendunm. 104a; was man über bord wirft, macht keine jungen mehr. Simrock 1202; über bord schmeiszen, wegwerfen;

der mast gieng über boort.
Fleming;

sie stürzt sich in die flut und schwimmt ans andre boort.
Wieland 17, 79;

sie haben einen guten steuermann
am bord.
Schiller 540a;

alles ist an bord gebracht; sich an bord legen, nahe an eines andern schiffes seite. bord an bord, close along side. s. DWB bakbord.
4) wie das schif aus bretern zusammengefügt wird, so heiszt auch bord, nnl. berd oder bord eine tafel, ein bret, asser, und auch Alberus hat: asser, ein bort.

brieten sodann vorsichtig und zogen es alles herunter,
und man legt auf borde zusammen es.
Voss Od. 14, 431;

käs, holländischem gleich, auf strotzenden borden geschichtet. idyll. 4, 22.

nnl. dambord, nhd. dambret; tafelbord, nhd. tischbret, tischblatt; nd. bökerbord, nhd. bücherbret.
 
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bordblech, n. seitenblech an der salzpfanne, im gegensatz zum bodenblech.
 
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börde, f. plaga, tractus fertilis, ein fruchtbarer, ebner landstrich, z. b. die Magdeburger, Soester, Warburger börde; auf der bremischen geest führen dreizehn vogteien den namen börde; güter, welche sein vater auszerhalb der börde Corzieres besessen hatte. Möser verm. schr. 1, 352. Gerhard von Minden in seinen 1370 gedichteten fabeln braucht den ausdruck borde öfter:

de was dar richter in der borde. s. 43;

[Bd. 2, Sp. 240]



mein lif is vaster den iuwe worde,
klen ofte grot ei in der borde. s. 47;

wo vele is richtere in der borde,
der islek gerne ein havek worde. s. 48.

borde ist sonst bürde, was getragen wird, hier das was trägt.
 
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bordel, n. aedicula, tuguriolum, lupanar, mlat. bordellum (Ducange 1, 729), it. bordello, sp. franz. bordel, eigentlich ein schlechtes breterhaus, von bord, bret zu leiten (Diez etym. wb. 61), dann wie fornix, cella, in qua prostant meretrices, schlupfwinkel, oder wie Voss Horaz epist. 1, 14, 21 übersetzt, schlupfbude. Dasypodius und Maaler haben das wort noch nicht, wol aber der teutonista bordeel, dann auch Henisch 453, 60. engl. ist es in brothel verdreht worden. nicht anders als bordel scheint sich ahd. chupisi tugurium zu chepisâ, ags. cifese, concubina, pellex zu verhalten (gesch. der d. spr. 18). Fischart 62a stellt zusammen zatzenstift, wolfshülen, bordäl, mummenheuser, halbe dächer, metziger awen, fischerfeld, kniehölzlin. seine mutter war eine hure, er ein bastert, im bordel gezeugt, das warf ihm einer im trunk vor. H. L. Wagners kindermörderin s. 98. im Simpl. 2, 150 heiszt es: ich bekam bald buhler, etliche suchten mich wie das frauenzimmer im bordelt; das scheint druckf. für bordell.
 
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bordelhure, f. prostibulum.
 
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bordelwirt, m. leno, hurenwirt.
 
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borden, tabulare, coassare, transtris instruere:

an den schöngebordeten schiffen, νηυσὶν ἐυσσέλμοισιν.
Voss Od. 4, 409;

doch in folgender stelle circumdare margine, redimire:

bläuliches glas nun dehnte den see, von der binse gebordet. werke 2, 219.


 
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bordhaken, m. am rande der salzpfanne.
 
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bordgefecht, n. es kam endlich dieser beiden leute misverstand (mishelligkeit) mit vergünstigung des schiffers zu einem portgefechte, das ist sie traten beide auf den port des schiffes und stieszen ohne weichen auf einander zu, bis jener über den arm in holen leib gestoszen wurde, dasz er über bord hinunter in die see taumelte. pol. stockf. 234.
 
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bordgelände, n. littus: beraubtend und durchstreiftend die bortgelend Asiae und Libyae. Stumpf 1, 150b.