Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bewustlosigkeit bis bezahler (Bd. 1, Sp. 1791 bis 1793)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bewustlosigkeit, f. stupor, animi deliquium.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bewustsein, n. conscientia, animus sui compos, selbstgefühl, erst im 18 jh. gebildet und häufig gebraucht: alles dieses nimmt ein jeder in dem unmittelbaren bewustsein der begierde beständig wahr. Kant 1, 75; nur dadurch, dasz ich ein manigfaltiges gegebener vorstellungen in einem bewustsein verbinden kann, ist es möglich, dasz ich mir die identität des bewustseins in diesen vorstellungen selbst vorstelle. 2, 130; eine sinnlichkeit, in welcher viel empirisches bewustsein anzutreffen wäre, aber getrennt und ohne dasz es zu einem bewustsein meiner selbst gehörte. 2, 655; zwischen einem bewustsein und einem völligen unbewustsein können grade statt finden. 3, 225; wie es (das ich) auf dem gesichtspuncte des gemeinen bewustseins von aller philosophischen abstraction unabhängig sich erscheint. Fichte sittenl. 112; auf dem gesichtspuncte des gemeinen

[Bd. 1, Sp. 1792]


bewustseins oder der wissenschaft; (dagegen) auf dem transcendentalen gesichtspuncte oder dem der wissenschaftslehre. 151; da das bewustsein der völker in beiden continenten ungleichzeitig erwacht ist. Humboldt ans. der nat. 2, 330; von kindheit an empfinden wir die gröszte freude über gegenstände insofern wir sie lebhaft gewahr werden, daher die neugierigen fragen der kleinen geschöpfe, sobald sie nur irgend zum bewustsein kommen. Göthe 50, 114; ein tiefes bewustsein ihrer seligkeit. Klopstock Mess. 12, 697; es traten endlich verhältnisse ein, welche auch in der deutschen nation ein bewustsein ihrer natürlichen stellung hervorriefen. Ranke reform. 1, 44; sie kannten ihren freund (den jungen Luther), mit schonungsvoller einsicht schlugen sie das saitenspiel an, das sie mitgebracht: unter der wolbekannten weise stellte die mit sich selber hadernde seele die harmonie ihrer innern triebe wieder her und erwachte zu gesundem bewustsein. 1, 293; sie liegt ohne bewustsein; lasz dir dein eigenes bewustsein (dein gewissen) sagen, ob ich die wahrheit rede; das bewustsein meiner unschuld macht mich stark. die Dänen sagen bevidsthed oder samvittighed, die Schweden einfacher samvete.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bewustseinlos: ein solcher beziehungsgrund nun ist eine völlig bestimmte, aber bewustseinlose anschauung des dinges. Fichte grundl. der ges. wissenschaftsl. 399.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bewustvoll: mit dem christenthum ist der rechte, bewustvolle protestantismus zur welt gekommen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bewüten, furore implere, wütend machen:

den sein stolzseliger
dämon bewütet.
Herder 6, 205.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bexen, pulsare, caedere: was ligt daran, wenn man die kleinen band uf schneidet mit dem messer an einem fasz mit wein, die kleinen band heben die reif, die reif heben das fasz. wann man nun die band uftht, so fallen die reif davon und gon die taugen (dauben) voneinander und stoszet der wein dem fasz den oben usz. darumb so schlechstu ein kind uf die hand, wann es an eim fasz also ligt zebexen. Keisersberg omeis 49d. Stalder 1, 159 hat bexgen hüsteln und pfäxen, pfixen niesen, 1, 125 aber bäcken, bäggen nicht blosz trocken husten, sondern auch mit stumpfem beil oder messer hacken; einstimmig hiermit ertheilt Schmid 38 dem schwäb. bäcken und bäcksen beide bedeutungen, die des hüstelns, trocken hustens und des hackens, klopfens mit stumpfem werkzeug. in Keisersb. stelle wird offenbar das letzte gemeint, wenn die kinder auf die faszreife mutwillig klopfen oder hacken. bemerkenswerth aber ist die analogie zwischen hacken, hüsteln und niesen, wir sagen hacken hüsteln, es hackt dem kind auf der brust, es hustet schwer, engl. ist hack stammeln, schwer reden, anstoszen, schw. hacka, dän. hakke. becken, bicken stimmt genau zu βήσσω husten, βήξ, βηχός tussis und βήχιον tussilago, hustenstillendes kraut.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bezackeln, armare navem. Garg. 79a, die richtige, hochdeutsche form des sp. 1694 angegebnen heutigen betakeln.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bezacken, incidere, dentare, auszacken.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bezahlbar, parabilis, häufiger kommt vor unbezahlbar.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bezahlen , solvere numerata pecunia, mit aufgezähltem geld, mhd. bezaln, nnl. betalen, schw. betala, dän. betale, goth. sagte man usgiban, ahd. argepan und geltan, wie auch noch mhd. gelten öfter als bezaln vorkommt, nhd. aber vergelten pendere, rependere ausdrückt.
1) den werth oder preis der gekauften, beschädigten, veruntreuten sache bezahlen: baar bezahlen, bei heller und pfenning, auf dem bret, aus seinem beutel bezahlen; theuer bezahlen; ich kanns bezahlen, es ist mir nicht zu theuer; die sache ist nicht mit gelde, golde zu bezahlen; einen theil des preises auf abschlag, das übrige in bestimmten fristen bezahlen; ich habe das erkaufte pferd, haus, feld, korn sogleich bezahlt; so wir deins wassers trinken, wir und unser vieh, so wollen wirs bezahlen. 4 Mos. 20, 29; was die thier zurissen, bracht ich dir nicht, ich must es bezalen. 1 Mos. 31, 39; stilets (das vieh) im aber ein dieb, so sol ers seinem herrn bezalen. 2 Mos. 22, 12; wer aber ein vieh erschlegt, der sols bezalen leib umb leib. 3 Mos. 24, 18; dazu sol er das schaf vierfeltig bezalen. 2 Sam. 12, 6; unser eigen wasser müssen wir umb gelt trinken, unser holz musz man bezalet bringen lassen. klagel. Jer. 5, 4; du wirst nicht von dannen heraus komen bis du auch den letzten heller bezalest. Matth. 5, 26; und so du was mer wirst darthun, wil ich dirs bezalen, wenn ich wider kome. Luc. 10, 35; der her wolt ein nagel mit dem andern uszschlagen

[Bd. 1, Sp. 1793]


und in mit der münz bezalen, die er von im entpfangen het. Keisersb. s. d. m. 41b.
2) vorzugsweise musz das geliehene geld, die schuld bezahlt werden: der mann konnte nicht bezahlen und muste ins gefängnis wandern; die schuld musz bis auf den letzten heller bezahlt werden; als wan man dir ist schuldig ein gülden und du bist einem andern auch ein gülden schuldig, den hast du verheiszen zu geben uf die zeit, da man dich zu bezalen auch hat verheiszen. nun dein schuldner falt dir hinder sich, leugt dir, so kanstu dan auch nit bezalen und wirst z einem lügner gegen dem, der dir gelihen hat. Keisersb. s. d. m. 66a; seine schuld pünctlich und auf den tag bezahlen. es heiszt biblisch in den busen, εἰς τὸν κόλπον, bezahlen, dem gläubiger das geld in den schosz schütten: ja ich wil sie in iren bosam bezalen. Es. 65, 6; und vergilt unsern nachbarn sibenfeltig in irem bosem. ps. 79, 12; der du vergiltest die missetat der veter in den bosem irer kinder nach inen. Jer. 32, 18.
3) geleisteten dienst bezahlen: den barbier, den kutscher bezahlen; das er nit mocht selig werden, er hett dan dem schifman den frlon bezalt. Keisersb. s. d. m. 65b; dem knecht seinen lohn, dem diener seinen sold bezahlen; sehet euch mit heiraten wol für und laszt euch feder und dinten wol bezahlen. Schuppius 115;

wir aber stehn in des kaisers pflicht,
und wer uns bezahlt, das ist der kaiser.
Schiller 328b.


4) wer bezahlung in güte nicht erlangen kann, sucht sie sich auf anderm wege zu verschaffen, das nennt man sich selbst bezahlt machen; es ist mir nicht bang, ich weisz mich schon bezahlt zu machen; sie geruhen mir entweder zu dem meinen widerum fürderlich zu verhelfen oder mich nit zu verdenken, dasz ich uf alle vorständige wege mich selbsten bezalt mache. Reinhard werth. schrift gegen Würzburg 2, 183.
5) häufig wird bezahlen, wie vergelten und pendere, rependere auf andern ersatz, als der in geld geleistet werden kann, angewandt: er hat die schuld der natur mit dem leben, dem vaterlande seine schuld mit dem blute bezahlt; da der edelmann mit seiner figur, mit seiner person, es sei bei hofe oder bei der armee, bezahlen musz, so hat er ursache etwas auf sie zu halten. Göthe 19, 151;

und keinen schönern tag erlebst du, mir
die schule zu bezahlen.
Schiller 385a;

herr Boreas, stört nicht den klang
von unsern warmen pokalen,
und nicht den lautern lobgesang,
den wir dem herbst, aus altem hang
zu reichen weinlesen, bezahlen.
Gökingk 3, 132.

mhd. mit Terramêres kinde
wart lîhte ein schimphen dâ bezalt. Wh. 100, 15.

zumal aber in übelm sinn: er muste mit seiner haut, mit seinem rücken bezahlen, schläge davon tragen;

dasz dus nicht müssest auf ein zeit
bezalen mit der groben heut.
Scheit grob. M 2a;

ich main wir haben sie bar bezalt
z Pavia im tiergarten.
Soltau 293;

also kamen die rüter und hoflüt z Ulenspiegel und legten mit im an solich anschleg, ... das der doctor bezalt würd seiner weisheit. Eulensp. cap. 15; also wer do ein lestert oder schmecht, der musz warten sin, das er mit der münz wider bezalt werde, mit der er verkauft hat. Keisersb. s. d. m. 38a; also bezalten sie einander beidenthalb mit worten und gestifter liebe (mit heuchelei). Steinhöwel Esop 46b; warlich, man hat uns bezalt, wann man uns disen tag solt braten, würden wir bei dem fewr nicht bald brennen. Garg. 134b; aber die frau mutter hat sie bezahlet (abgeführt), sie wird nicht wieder kommen. Weise comöd. 242; betrug mit betrug bezahlen. pol. stockf. 346; er sollte mir theuer für alles dies bezahlen. Wieland 4, 218; das gedicht auf den baron, welches der arme pedant so theuer hatte bezahlen müssen. Göthe 18, 314;

was soll das sein! wart, ihr bezahlt es theuer! 12, 116;

er ist schön dafür bezahlt worden; du wirst die zeche bezahlen! es ausbaden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bezahler, m. ein guter oder schlechter bezahler.