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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zemper bis zendeltaffet (Bd. 31, Sp. 631 bis 632)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zemper, m., die ungeduld, das trippeln Hintner tirol. 246; von dem verb. z-n vor ungeduld trippeln, verz-n vor ungeduld vergehn ebda; zämpern (hinterher)trippeln, ohne recht vorwärts zu kommen (laus.-schles.) W. Jungandreas schles. zeitwortbildg 41; zur gruppe zampeln (sp. 215) und zappeln (sp. 275); wol auch hierher das (zur zeit nicht mehr nachweisbare) schles. zempern dienen, roboten, z. gehn auf robot gehn Weinhold schles. wb. 108b, wenn nicht, wie zemmeln (s. ob.) mit semmeln, so mit schweiz. sempern zögernd arbeiten schweiz. id. 7, 989 zu verbinden; (die alten weiber) ..., wenn sie abends zum lichten gehn, ihr robotgarn für die herrschaft spinnen, (antworten auf die frage,) was sie machen ...: wir gehn z. Holtei erz. schr. 15, 87. —
 
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zempern, verb., s. DWB zemper.
 
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zemse, f., kleie; ahd. zemisa, cemsa, zemise, zemisse furfures gloss. 4, 6648—51; ein nur noch am äuszersten südrande des deutschen sprachgebietes (plur. z-n tirol., Gottschee Schmeller-Fr. 2, 1126; Tschinkel Gottscheer mda. 218; steir. Unger-Kh. 648a) nachweisbares wort unsicherer abstammung, von welchem ungewisz ist, ob es mit dem engl.-nld.-nd. temes(e) sieb, haarsieb (me. temse, mnld., nnld. teems, mnd. temis, n., temese, f) zusammengehört. da auch der beleg aus der Zips für das letzte wort (zims, f., Schmeller-Fr. 2, 1126) nicht mit bestimmtheit als ein zeugnis für das vorkommen von zemse sieb auf hd. gebiet gelten kann und das tirol. verb. zamsen 'gegenstände, wie kleien, mehl, heu, stroh, auf dem boden herumsäen' Hintner 246 nicht notwendig mit dem ags. tem(e)sian sieben, sichten, mnd. temesen durchsichten verbunden werden musz, sondern auch aus zemse kleie hergeleitet werden kann, so erscheint trennung beider wörter geraten. wegen franz. tamis, ital. tamigio haarsieb istwol kaum begründetkeltischer ursprung des zweiten wortes vermutet worden.
 
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zemsen, m., s. 2ziemer. —
 
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zemte, zemmete, zemt, f., s. DWB zämet (sp. 214). —
 
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zen, m., s. 2ziemer.
 
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zend, n., älterer name der altbaktrischen oder ostiranischen sprache, in welcher das avesta, die sammlung der lehren des Zoroaster, geschrieben ist; in zss. wie -avesta, -buch (allg. d. bibl. anh. 25/36, 1003; Ritter erdkde 8, 42), -grammatik (Ritter erdkde 8, 33), -religion (D. Fr. Strausz schr. 6, 13), -sprache (Herder 7, 343 S.), -wort (A. v. Humboldt kosmos 2, 440).
 
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zendel, m., leichter seidenstoff, eine art taffet; mhd. seit 12. jahrh. zindâl (c- graf Rudolf ab 12), -e-, sindâl, zindel, -e-, sendel, m., auch zindât (rheinfränk. 12. jahrh. cyndât Straszb. Alexander 6530 K.), -e-, f., mhd. wb. 3, 895b; Lexer 3, 1122; aus mlat. cendalum, -i-, sendatum < griech. σίνδων; nhd. meist zendel, seltener zindel und sendel (s. d. th. 10, 1, 573); reichliche belege bei Schmeller-Fr. 2, 1133 und H. Fischer 6, 1214; ferner bezeugt bei Stieler 2654; Götze gloss. 2 234b; Schmidt els. 436a; Birlinger augsb. wb. 438b; Schmeller cimbr. 244a; Lexer kärnt. 264; Unger-Kh. 648a; Kehrein 1, 453; pseudotaphetum zendel Zehner nom. 377;

das panier war von lauter flecken,
als parchant, arlas und satin,
wursat, zendel und ormasin
H. Sachs 21, 181 G.;

indem erblickt er haymelich
ein zendel rot zwischen ihrn brüsten 2, 255 K.;

eyn haub gemacht von zendel rich
Wickram 8, 95 B.;

ein grünen zendel zu einer schauben und unterrock (als futter) privatbr. d. ma.s 1, 108 Steinhausen; etliche unterlegen die durchlcherten ermel mit gldenem zendel theatr. diab. 451b; ein mit zendel (vgl. zendelbinde) geschmücktes barett Böhme gesch. d. tanz. 86;

schlecht ht seind uberzogen
mit zendel (d. i. zendelbinde) hbsch und fein bergreihen 84 ndr.;

ire pferdt, die mit z. verdeckt waren Aymont i 4a; in ein zarten z. oder thchlein gebunden Wirsung arzneib. (1588) 43b; mache ausz einem reinen zarten tchlin oder z. ein gestrtzte hauben Gäbelkover arzneib. 1, 12; wann ein weibsbild hefftig fleuszt ..., bind ir beide goldfinger mit einem roten z. gantz hart 2, 14; nim ein klein stcklen weisz leinentuchs, wir nennens weiszen z. Braunschweig chir. (1498) 49b; zindel ist die schlechteste art des taffets, man nennt ihn auch schettertaffet Frisch 2, 471c; ebenso Adelung 2 4, 55 (se-); komödianten

[Bd. 31, Sp. 632]


in zendel und glanzleinewand Göthe 37, 226 W.; -i- 16, 136; 21, 86 W.;

ein schwarzes weib, den schwarzen zendel tragend
graf Strachwitz ged. 176 Recl. —

zendelbinde, f., auch s-, im 13. jahrh. seidene binde aus zendel um den helm und im 15. jahrh. um irgendeine kopfbedeckung getragen; abb. Meyers lex. 7 11, 109; beleg: von den zentelbinden und helmdecken Harsdörfer lust. u. lehrr. gesch. 2, 83. —
 
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-dort, m.: bombycina textu simplici tela subserica torta voc. v. 1618 Schmeller-Fr. 2, 1133; ebda turtzendel (Tegernsee 1500/10); ungewsserter zindel pannus Cous de serico excocto, alii appellant zindeltort Stieler 2654; Unger-Kh. 648a; sindeldort (Rostock 1587) Frisch 2, 471c; 1 eln zendeldort A. Dürer tageb. 77; die mnner hatten ... zu gessen und wammast zendeltort, toppeltaffat Fischart Garg. 451 ndr.; adj. -en: vestis Coa ein z. kleid nomencl. lat.-germ. (1634) 425; Zehner 378; zwo zendldortte, rott und swartz joppen Zingerle invent. 188; Unger-Kh. 648a. —
 
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zendelen, adj., aus zendel: 2 zendlin grosz fanen (schwäb. 16. jahrh.) H. Fischer 6, 1214; zendalin ... gewant Altprager stadtrecht 39; ein zindelin oder roht taffeten scklein Tabernämontanus 564. —
 
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zendeltaffet, m., leichtes, leinwandartiges gewebe aus gekochter seide: Bucher kunstgew. 455b; Unger-Kh. 648a. —