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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zementen bis zemper (Bd. 31, Sp. 629 bis 630)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zementen, zi-, verb., 1 a) beizen, scheiden, läutern (Lexer 3, 1120; Schmeller-Fr. 2, 1125; H. Fischer 6, 1205; se- Lübben-W. 344b):

wer ein golt zimentet hât
ûf vier und zweinzec karât
Suchenwirt 41, 573;

als golt von vierundzwentzig karat
sich lauter zyment in feures grat
Rosenplüt priam. in Germ. 18, 265;

den armen selen,
die in dem fegfeuer müssen quelen,
bis das sie sich zimenten und vercleren ders. in fastnachtsp. 3, 1190 K.;

b) -i- eichen (1568) österr. weisth. 10, 4; Unger-Kh. 652a; 2) mit mörtel versehen:

mit hertem adamante
was sie gefundamentet,
van iaspide mit sante
was sie fast gesementet
Eberhard Cersne minnereg. 64. —

zementer, m.: -i- eichamtsbeamter Unger-Kh. 652a.
 
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zementieren, verb., setzt das vorige fort; 1 a) in den beiden anwendungen der zementation: si (die goldschmiede) cementiren vlligklich untz auff die glntzi des feuers blick Steinhöwel spieg. menschl. leb. (1479) 76b; Mathesius Sar. (1571) 155a; das cimentirn ist eine sonderliche, schne kunst, durch welche man silber, kupfer, messing und andere metalln durch ein angefeuchts pulffer von goldt beitzen und fretzen kan Ercker min. erzt (1580) 81a; der todt ... und die tdtung der metallen ist ein hinnemmung seines gedignen crpers und swefelicher feiszigkeit; das ihm dann in viel weg mag genommen werden, als durch calciniren ..., cementieren und sublimieren Paracelsus op. (1616) 1, 891c H.; J. Agricola chirurg. (1643) 242; aurum e pallido ad meliorem colorem purgare Frisch 1, 167a; ausführlich Adelung 2 1, 1317; cementiren heiszet bey schmelzhütten die einhüllung des erzes in kohlenstaub Zappe min. hdlex. 1, 212; u. a.; b) genau abwägen, eichen (s. DWB zement 2 c): caementirtes gewicht Kepler op. 5, 590; marck, das lautet ein gemerck oder ein gezeichneter und caementirter gewichtstein 594; Götze gl. 2 234b; 2) durch mörtel, nam. zementmörtel verbinden: Adelung2 1, 1317; corallen, muscheln, seesand, ... seegras, die durch die salzige meereswoge ... zusammengewürfelt und cementirt ... werden Ritter erdkde 14, 477; ebenso von natürlich gebildeten zementierten sandmassen Wimmer deutsche bod. 151; geläufig von künstlicher zementierung, z. b. zementierter fuszboden. — hierzu zementierer, m. (für älteres zimenter: es sol niemand silber prennen denn der zymenter mon. habsburg. 3, 343), metallscheider, -läuterer:

[Bd. 31, Sp. 630]


goldschmid und cementirer halten ihr aqua fort in glesern Mathesius Sar. (1571) 196b; arbeiter, der beim treiben und schmelzen den ofenlehm zurichtet: Frisch 1, 167a; Adelung 2 1, 1317; sowie zementierung, f.: Paracelsus op. (1616) 1, 937b Hus.; Frisch 1, 167a; und dïe zss.: zementierbüchse, f., gleich zement-: Adelung 2 1, 1317; -eisen, n.: instrumentum, quo grana auri in vas purgatorium ponuntur Frisch 1, 167a; -feuer, n., gleich zement-: Adelung 2 1, 1317; ignis e prunis in circulum positis Frisch 1, 167a; -ofen, m., gleich zement-: Adelung 2 1, 1317; Prechtl technol. enc. 15, 426; -pulver, n., gleich zement-: Prechtl 22, 643; -tiegel, m., oder -topf, m.: vas, in quo aurum purgatur caemento Frisch 1, 167b.
 
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zemer, m., drossel, s. 1ziemer. —
 
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zemer, m., rückenstück beim wild; ruthe des ochsen, s. 2ziemer.
 
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zemmel, m., ruthe des hirschs; stockausschlag, junge weinrebe, s. 2ziemer; ebda zemmer, zemmet. —
 
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zemmeln, verb., zaudern, säumen, zögern; das th. 10, 1, 565 behandelte semmeln, dessen anlaut sich zu lautmalender wirkung auszer, wie dort angegeben, im heutigen bremischen noch in Westpreuszen (Elbinger niederung Frischbier 2, 490b; -i- Danzig ebda 493b) und in Westfalen (Woeste 330a, auch zemmelig säumig) in z- verwandelt hat; auch nachz. Kirchhof wendunm. 1, 407 Ö. (citat s. th. 7, 235) stellt sich hierher.
 
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zempe, f.: dicker brei, steifes mus (anhaltisch) Schrader franz. wb. 2, 1673; gleich thür. zampe; s. DWB zämet (sp. 214). —
 
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zempel, f., gleich zampel (sp. 215): der knabe, der bei einem damastweberstuhle die z. ziehet Nicolai reise d. Deutschld 6, 429; Karmarsch-H. 3 11, 161; -junge, m.: Nicolai ebda.
 
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zempeln, verb., zum vorigen: ein theil (der gelehrten) nimmt bcher anstatt geld, weil er glaubt, so zemple er den bogen hher aus J. T. Hermes Sophiens reise 2, 293. —
 
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zempeln, verb., 1) im pommerschen offensichtlich nichts anderes als das lautmalend gesteigerte semmeln mit hervorhebung des leeren und aufdringlichen geschwätzes (s. th. 10, 1, 566 und ob. zemmeln): z. vorkäuferei treiben Dähnert 561a; ebda zempler, m., auf-, vorkäufer und zemplersche, f., auf-, vorkäuferin; bereits älter: die bollwercksherren ... auf zempler und vorkeufer ... ein fleisziges auge haben sollen Micrälius alt. Pommerland 4, 105; vgl. DWB sempeln (th. 10, 1, 568 und schweiz. id. 7, 989); 2) zeppeln (s. d.) und sempeln erscheinen zusammengeflossen in schwäb. z. a) scherzend zanken, einen neckischen wortstreit führen, b) nachlässig an etwas arbeiten: H. Fischer 6, 1120.
 
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zemper, m., 1) gleich semper (th. 10, 1, 568) des Obermains und Bayer. waldes, ist in der form zember als name des knechts Ruprecht in Eger von Popowitsch versuch 523 überliefert und lebt heute im nordwestlichen Böhmen im verbum zempern (nur in der vb. z. gehn) und dem daraus hergeleiteten zemperer (in der vb. als z. gehn; beide wendungen bedeuten 'als Nikolaus verkleidet gehn') fort: R. Wenisch wortsch. d. nordwestböhm. mda. 110a; Jos. Blumer nordwestböhm. mda. 96a; Al. John volksglaube in Westböhm. 6; Fr. Vogt schles. weihnachtssp. 88; 2) in der Niederlausitz eine feier der mädchen und burschen, die vier wochen vor fastnacht als eine veranstaltung der spinnstube stattfand: Rob. Mielke in landeskde d. prov. Brandenburg (1912) 3, 140; 1676 als umzug zur fastnacht für den angrenzenden theil Schlesiens bezeugt: a drre schpseviertel vu eenem brackschofe oder auszgedorrter heecke (geringe kuh), die ma beem zamper oder in da spinnestuben ... broochen konde Eph. Herrmann höchst. gutt 73 (s. mitt. d. schles. ges. f. volkskde 22, 80). häufiger ist für die Lausitz und den ehemals wendischen bezirk der mark Brandenburg der ausdruck zempern (gehn) 'zur fastnacht unter hersagen von sprüchen (zemperspruch; solche sprüche von kindern bei M. Wald heimatb. d. stadt Dahme [1913] 37) und thierverkleidungen als bär, schimmelreiter u. a. gaben einsammeln' berichtet: A. Kuhn u. W. Schwartz norddeutsche sagen 369; zs. Brandenburgia 2, 19; nd. jb. 39, 95a; K. Bruns volksw. d. prov. Sachs. 76b; Bernd Posen 248 (zampern, zamperlied); K. G. Anton Oberlaus. 4, 3; u. a. als ursprünglich städtischer handwerksbrauch (s. M. Wald 37) sehr wahrscheinlich auf schembart laufen (th. 9, 1488) zurückzuführen, wobei sich der lautwandel sch- > z- aus dem vielfach belegbaren umgekehrten von z- > sch- dieser gegenden

[Bd. 31, Sp. 631]


erklären läszt.