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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zelter bis zeltenpflaster (Bd. 31, Sp. 623 bis 627)
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[Bd. 31, Sp. 623]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zelter, m., s. 1zeltner, m., sp. 619.
 
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zelter, zeltner, m. , ein pferd, das den zelt (2zelt) geht, paszgänger; zur sprachgeschichte vgl. 2zelt; ahd. gloss.: ambulator celtari 3, 44827, celtare 20119, zeltir 44254, celtere 7843, celdere, celtar, celter44, equus trutinans celter 4, 57 33 f.; öft.; telderi 2, 71623; mhd. gloss.: ambulator Diefenbach gl. 29b, asturco 57a, cespitator 116a, dextrarius 178c, gradarius 268a, palefredus 406b, tolutarius 587a; auch n. gl. 39b, 133a, 366b mit den formen zelter, -der, telder, zeltner, teldener; mhd. wb. 3, 870a, Lexer 3, 1056, Schiller-L. 4, 521b; nhd. wbb.: tolutarius, asturco ein z., ein pferd, daz sanffte und schnell gehet Alberus 67b; sonipes Frisius 1225b; B. Faber 872b; Calepinus XI ling. 1470a, manni zltner 865a; Hulsius (1618) 282a, -n- 281b; Orsäus 199; glippidiglap gehen ut sonipes ein z. Schottel haubtspr. 779; Stieler 2622 usw. bis Adelung 2 4, 1682 und Campe 5, 838b. die form zeltner scheint auszer vom schwach bezeugten verbum zeltnen noch durch ner-muster wie zeichner, rechner bestimmt zu sein; häufig im mnld. und westmnd. bereich, begegnet sie auch im alem.-bair. gebiet, s. die glossenbelege ob., ferner: zeltner kl. mhd. erz. 150 Euling; tellener Kilian 667 Hasselt; teldener v. d. Schueren Teuth. 394b Verdam; telner Diefenbach gl. 587a, n. gl. 366b, tellener 133a; gemma gemm. C 3b; l 5b; Herold-Forer Geszners thierb. 133; zltner Frisius 608b; 1314b; Nicolai Nicolai schiffart in d. Turckhei (1572) 3b; Keisersberg narrensch. 23a; H. Sachs 12, 261 K.; Kirchhof wendunm. 2, 316 Ö.; B. Faber 363a; Uhland hoch- u. niederd. volksl. 102; -ll- reichlich nld.-nd., wofür die gebrachten belege sprechen, vereinzelt md. in der form zeller (Diefenbach gl. 268a, Alberus Y y 3b), durchgedrungen auch hier in dem volksläufig gewordenen verbum zeltern (s. d.);
1) den gang beschreiben:

ein zelter schœne und genge
hiez der künic ziehen dar.
er hâte alsô senften ganc,
daz ein man dem sô wol gelanc,
daz er dar ûffe gesaz,
nie gerouwet ê baz
von der senfte die er hâte.
er gienc ebene unde drâte
Konrad Fleck Flore 2734;

ein zeltner oder der im stapf gat Frisius 131b;

damit (mit hohen pantoffeln) gehn sie (die jungen maidlein)
wie ein zelter seinen trap klip und klap, newe zeitungen 1600 bei
Adrian mitteilungen 371;

die abrichtung: man soll das fllen ... niderlegen und einer soll die vordern, der andere die hintern fsze beede zusammennehmen und also eine viertel stund morgens und abends halten ... soll ein trefflicher ... z. daraus werden v. Hohberg georg. 2, 151; den platz, weil die frau auf dem z. rechts neben dem manne ritt und deren pferd wol auch von diesem mit der rechten hand am zügel geführt wurde: dextrarius est equus in dextra parte ein czelder Diefenbach-W. 96; den gebrauch in vornehmen kreisen lehrt die beschränkung auf die höfische dichtung des mhd., vgl. die belegstellen im mhd. wb. 3, 870a und bei Lexer 3, 1056; einzige ausnahme:

mœre, zelter unde marc Gudrun 65, 1;

sonstige belege:

die zeldere inde die ros Rother 4579;

ritterpherde oder ors und zeldere und runczîte, den ist chein weregelt gesaczt Sachsensp. 3, 51, 2 W.; z. heiszt auch das maulthier:

ir zelter was ein mûl blanc
Heinrich v. d. Türlin krone 12657;

die nhd. zeit läszt das gleiche bild erkennen, die verwendung für die vornehme dame, den schmuck, die vorliebe für eigenartige färbung: unsern roten czelder handelsrechn. d. deutsch. ord. 192 Sattler; etliche weisze zltner ..., mit vergldten sttlen bedeckt H. Halverius warh. beschreib. (1570) 114; wolten sie jagen, so saszen die frawen auff ihre z. Fischart Garg. 453 ndr.; ein kstlich gezierten, schnen, weiszen z. binenkorb 145a; privatbr. d. ma.s 1, 91 Steinh.; dise königin ryt auff einem schönen neapolitanischen z. V. Schumann nachtb. 316 B.; gelegentlich für einen kranken mann: Niclas v. Wyle transl.

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68 K.; sehr geläufig als reitpferd für geistliche und im bes. als abgabe an klosterherren und den papst: der Reichenauer abt sasz auf seinem zelter V. v. Scheffel ges. w. 1, 254; weisth. 4, 127; (er) wisse ..., dasz der knig in Spanien dem pabst wegen des knigreichs Neapolis jhrlich einen weiszen z. berreichen mszte Chr. Weise klügst. leute 34; Ranke s. w. 40/41, 66; der kaiser führte ihm (dem papste) noch immer den z. 37, 25

und blutig ist die andre thräne, ...
dasz Deutschlands kaiser biegel des zelters hielt!
Klopstock od. 2, 30 M.-P.;

diese stets lebendige vorstellung von der symbolischen dienstleistung des kaisers und die anfangs noch an bildern aus dem leben des adels genährte verwendung des z-s in romandarstellungen des 17. jahrh. (vgl. Bucholtz Herkulisk. 92; Lohenstein Arm. 1, 1163a; 2, 95a), welche im 18. jahrh. zu einem romantischen requisit erstarrt, erklärt das fortleben des wortes bis in die gegenwart: Gottsched schaub. 5, 500; v. Schönaich ästhet. 323 K.; Wieland s. w. (1794) 4, 43; Herder 25, 626; 26, 200 S.; Schiller 6, 122; 14, 47; 15, 2, 470 G.;

und seine gold- und purpurtroddeln regend,
zerstampft ihr zelter unter ihr den grund
H. v. Kleist 2, 23 E. Schm.;

Cl. Brentano ges. schr. 6, 308; Platen dram. nachl. 151 P.; H. Laube ges. schr. 2, 11; Stifter s. w. 5, 1, 274; D. Fr. Strausz ges. w. 11, 62; Th. Mommsen röm. gesch. 3, 334; bes. der weisze z. literarisch beliebt:

sein rosz, ein zelter weisz wie schnee
Pfeffel poet. vers. 4, 50;

auf diesem weiszen, königlichen zelter
Tieck schr. 1, 18; 1, 408;

O. Ludwig ges. schr. 2, 474; C. F. Meyer Ang. Borgia 1; Fontane I 1, 199; Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 57; mondscheinzauber der nordischen märchennacht, wo die fee ... dahinreitet auf milchweiszem z. mit korallenroten hufen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 132; sprw.: der ein sau satlet, so wurt dannocht kein zeltner darausz Keisersberg narrensch. 23a; wer nicht taug zum z., der mag traben Petri weiszh. Hhh 7v; in den modernen mdaa. nicht mehr erhalten, nur im Elsasz wegen der eingeengten bedeutung noch am leben: z. wallach Martin-L. 2, 903b (s. 2zelten 2); s. DWB zelte, f.dim. -lein: J. Nas antipap. 4, 214b; zelderlin Warbeck Magelone 38 B.; Bastel v. d. Sohle junk. Harnisch 104;
2) seit der mitte des 16. jahrh. auffälligerweise für 2zelt: den z. einhertretten (als hochtrabender gang eines menschen) S. Franck sprw. (1541) 2, 33b; die pfrdt habend mancherley manier und gwonheit hereynzetrtten ..., als der stapff, der trab, der zlt, der dreyschlag, hacken und dergleychen: auf welchen der zltner in seiner schnlle der sanfftist gang geachtet wirt, der trab aber der reüchist und hartist Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 123; auch Fischart Garg. 203 ndr. (citiert th. 2, 1930); vielleicht entstanden aus folgender wendung: ergo auff und darvon, laszt den z. gohn ebda 53 ndr., in der z. wol noch das pferd meint; Äg. Albertinus Lucifer 263; Hulsius (1618) 2, 125a; Schwan n. dict. 2, 1097a; mit dem dreischlag (vgl. unter 2zelt) vermischt: ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fsz, als gienge er den dreyschlag oder z. Lindener Katzipori 174. — adj.
 
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-zelterig in fünfz. Fischart Garg. 53 ndr. (cit. th. 4, 1, 586). — zss.:
 
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-gang, m., gang eines zelters, paszgang: gradus tolutilis der z. Zehner nomencl. 242; v. Hohberg georg. 2, 151; Kramer teutschit. 2, 1443a; Dentzler 361b; Ludwig 2579; Schwan 2, 1097a; Campe 5, 838b. —
 
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-pferd, n., zelter: J. Raw cosmographia (1597) 147; Peisker index de vernac. (1685) 209; Lohenstein Arm. 1, 422b; J. Prätorius reform. astrol. 128; Kramer teutsch it. 2, 199c; Rädlein 1087a; Campe 5, 838a; Dähnert 484a; Fouqué alts. bilders. 4, 563; Gries Bojardos Roland 4, 373; -n- B. Faber thes. 776b. —
 
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-rosz, n., dasselbe: Reyher thes. p 2 vb; graf. Stolberg 13, 225; G. Schwetschke ausgew. schr. (1866) 1, 154; -n- Calepinus XI ling. 47b.
 
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zeltern, verbalbildung von 2zelter, m., volksthümlich zellern, im zelt oder paszgang reiten, traben, gehn: ein mnch auff einem ... bock ... in der lufft daher zellerte

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und trabte W. Bütner epit. histor. (1596) 25b; auff dem narrenpferdlein zu zeltern und zu klppern 458a;

ein ros, das kan zeltern und traben Ambraser liederb. 61, 26 B.;

glomero ... den zelt gehen oder zeltern Corvinus 392; gressus glomerare superbos Stieler 2622; Rädlein 1087a; Steinbach 2, 1084; trans. im zelt reiten:

wat is quader to teldern
alse eyn osse, de bolket unde lecket? koker 699;

zum zelter machen, d. i. verschneiden, s. 2zelten 2; auf menschen bezogen: zellern celeriter et frequenter se movere Stieler 2622; Corvinus 175; Steinbach 2, 1084; insbes. vom schwerfälligen laufen einer dicken person: Rüdiger zuwachs der sprachkunde 2, 131; in die mdaa. übergegangen: nordfränk. nach-, hinterdrein traben Schmeller-Fr. 2, 1118; henneberg. zellern hüpfend gehn Frommann d. mdaa. 2, 48, Spiesz 288; zeldern langsam, trippelnd gehn, nachz. nachlaufen Lexer kärnt. 264; z. ohne bestimmtes ziel umherschweifen Follmann 555b; zellern langsam gehn oder reiten Albrecht Leipz. mda. 240; theils mit langsamen schritten, theils wankend und schwebend gehn, von bedächtig und stolz ausschreitenden wie von kindern, die noch nicht im gehn geübt sind Müller-Fr. 2, 699a. — hierzu zellerer, m., tolutim incedens, quasi gressu volans, auch zelterer Stieler 2622; dieses zelterer bei Kramer teutsch-it. 2, 1443a irrig gleich zelter.
 
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zelten , älter zelte, selten zelt, m., flacher, dünner kuchen; in der Schweiz, dem bair.-österr. sprachgebiet und dem südosten Württembergs (grenzangabe bei H. Fischer 6. 1118) zu hause und in einen nördlicher gelegenen randstreifen Württembergs sowie früher sogar bis in die Wetterau (Weigand im oberhess. intell.-bl. 1845, 179) übertragen; wie fladen durch die flache, dünne form gekennzeichnet und nach dieser benannt, da aus der germ. wurzel * teld- 'breit ausspannen', derselben, aus der 1zelt, n., stammt, abgeleitet; grammatisch ein substantiviertes adjectiv: ahd. zelto (tortella leip vel zelto gloss. 2, 941; liba celten 2, 47845), mhd zelte, woraus, namentlich an der tonschwachen stelle von zss., zelt (z. b. leckuoch al. letzelt Diefenbach gl. 326b, phanzelt al. chclinch 415c; liba opferzelt, libetum lebzelt, placenta pfanzelt clm. 5685 s. 79: der ander zelt gesta Rom. 95 K.; cilinda ... dünn protzelt Diefenbach n. gl. 89b; zelt Hulsius [1618] 282a, Kramer teutsch-it. 2, 1443a) und weiter der fehlerhafte plur. zelte, den Adelung 2 4, 1682 aufnimmt und Rückert bei Meurer 11 gebraucht; unsicherheit verrät auch Wieland: zelter oder brodte Lucian 1, 385; fem.: eine zelten Widmann Faust 408; zelte, f., Hunziker 308.
1) ein gebäck zur menschlichen nahrung, a) als brot oder kuchen:

so bringt ain win und zelten d. teufels netz 5473 B.;

die wend denn zelten bachen 9391;

man sol in zelten koufen,
so schwigend s wie die kind bibl. ält. schriftw. d. Schweiz I 4, 26;

aus brotteig, und zunächst ein kleines laibchen, das aus dem teigrest im ofen gebacken wird, so zeltel Lexer kärnt. 264; ferner: pastillus parvi panis forma prötle oder zeltlin Pinicianus D 3b; Diefenbach n. gl. 89b; als dick (er) brot becht, so sol er dem hirten ain zelten brots geben (schwäb. 1435) H. Fischer 6, 1118; modern ebda; s. auch Schmeller-Fr. 2, 1119; a boizain zautle (weizenbrot) Hauffen sprachins. Gottschee 252; geringe familien boten 'vorbrot' oder 'zelten' (weiszes hefenbrot) M. Meyr erz. a. d. Ries 3, 5; aus gerstenmehl: Niclas v. Wyle transl. 267 K.; in besserer ausführung: zelto, dat. zelten, art kuchen Schmeller cimbr. wb. 244a; zelta flacher kuchen, brotfladen Tobler appenz. 454a; zelte, f., ein kleineres, luftiges backwerk mit und ohne füllung Hunziker 308; solche füllung besteht aus gedörrtem obst, nüssen, feigen u. dgl. und ist sehr beliebt:

ziwêben, mándl, feign tean s in die zelten drein volksschausp. in Bayern u. Österr. 301 Hartm.;

von dieser art ist der in den Alpen herkömmlich gebackene weihnachtzelten, s. Schmeller-Fr. 2, 1119, Schöpf tirol. 827, Lexer kärnt. 264; nach der zuthat werden unterschieden:

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apfel-, birn-, hutzel-, zwetschgenzelten u. a.: Schmeller-Fr., H. Fischer; vexierfüllungen: gesta Roman. 95 K.; den brauch des anschneidens des weihnachtzeltens schildert Schmeller-Fr. 2, 1119, auch von Pichler gesch. aus Tirol 2, 40 erwähnt; heischegänge der kinder am tage der unschuldigen kindlein (28. dez.): H. Fischer 6, 1118; andere gebräuche: Schmeller-Fr. 2, 1119. diese deuten auf magische grundlage, u. a. auf die opfergabe an dämonen: allgäuisch birnzelten, augsburgisch klausenzelten, s. Höfler zs. ver. f. volkskde 12, 84 und M. Heyne hausalt. 3, 195; vgl. die einsetzung für antike opferbrote: als ... die zelten (οὐλόχυται 3, 445) geopffert waren Schaidenreiszer Od. 13a; ein wenig kuchlein oder zelten opfern Frölich Stob. 234. magischem zweck diente auch der honig als ihre würze: lebzelten d. i. z. mit leb dickem honig (Westenrieder 686, vgl. lebhonig der grobe, gezeidelte oder jungfernhonig Adelung 2 2, 1961; angelehnt an lat. libum, vgl. libum libenzelten vel lepkuoch voc. opt. 10, 127). andere würze bereits ahd.: liba, libamina pfeforceltun gloss. 2, 6356; mit kümmel bestreut:

an dem abend lattwerren, kimizelten essen
das er des hungers wol tuot vergessen d. teufels netz 1026;

b) als confect, wie solches zuerst in den nonnenklöstern hergestellt und vom volk gern übernommen wurde: airzältlin (Augsburg) chron. d. st. 25, 18; man pecht ein zeltlin mit ain ayertotter und ainer halben muscatnusz auf einer herten hertstatt Birlinger augsb. wb. 438a; tortellus ein zeltlin gemma gemm. C 4a; trochiscus, pastillus, rotula zltelein Frischlin (1586) 122b; morsellen, kchlein, zltlein teutsch. sprachverderb. 35; vgl.: trochisci saccharati zuckerzelten, morsellen Stieler 917; eclegma linctus dicitur, fit linguendi gratia (zum lecken), non edendi neque devorandi zeltlin Pinicianus (1516) G 1c; confect ... uberzogen samen oder gewrtz. zeltel, tfel Roth dict. (1572) D 4b; mache darausz zeltlin oder gleich einem martzapan J. Behm artzneib. 64; der zuckerbacher ... bedienet sich der blech, die scheifelein oder zeltlein darauf zu gieszen A. a s. Clara etw. f. alle 2, 786; zeltlein ... kchlein, schuflein Kramer teutsch.-it. 2, 1443b; nimm ... 4 zeltel chokolade B. Hikmann wien. kochbuch (1808) 50; zelteln als bonbons: Karmarsch-H. techn. wb. 3 2, 240; zeltchen, auch zuckerln genannt ebda; unflätiges angebot: auf dem roszmist, da hast du schon rauchzeltle genug, so dich nichts kosten M. Abele v. Lilienberg künstl. unordnung 4; zeltchen runde plätzchen von zucker und einem ätherischen öle, am bekanntesten die pfefferminzküchelchen Krünitz 241, 161; zeltl viereckige, längliche oder rundliche pastillen, z. b. chokolad-, prominzen (pfeffermünz-)zeltln Hügel Wien. dial. 194a; c) als heilmittel, insofern die z. als cultgebäck zu heilzwecken tauglich erscheinen muszten: so man gleich schlaffen will gehen, so leg den rosenzelten ... auff den kopff Gäbelkover arzneib. 1, 64; Seuter hippiatria 35; zum liebeszauber: Widmann Faust 408 K; gewöhnlich ist diese bedeutung der arznei der diminutivform vorbehalten: mach daraus ein electuarium (latwerge) und gib sein alletag dem menschen ein zeltellein zu essen nüchtern Ortolf v. Bayrland arzneib. 30b; dasz dabei eine gröszenminderung bis zur gestalt der pastillen und pillen erreicht wurde, lehrt: nim haselwurtzpletter ... lauter geluterten honig ... mach darnach kleine zltelin eyner haselnusz grosz draus Sebiz feldb. 158; vermisch darzu (zur seife) ... sandel, gestoszene rosen ..., seeblumen ..., campher ..., formiere kglein oder zeltlin Wirsung arzneib. (1588) 34c; Gäbelkover arzneib. 1, 17; Seuter hippiatria 35; 165; Paracelsus op. (1616) 1, 690c H.; zeltlein fr den bsen lufft v. Hohberg georg. 1, 247; 1, 235; so vielfach obd. als mittel in haus- und officiellen apotheken; s. auch Noel Chomel 1, 718; Adelung 2 4, 1682; besondere bezeichnung von hausmitteln als anis-, brust-, husten-, purgier-, wurmzelteln Schmeller-Fr. 2, 1119, ferner H. Fischer 6, 1119, Hügel 194a, sodann kirchlich geweihter Agatha-, Erhard-, Tolentin-, Blasius-, Sebastianzeltlein Höfler zs. ver. volksk. 12, 85, Schmeller-Fr.; man hat ... in der apothecken gewisse zeltel, die da manus Christi ... genennet werden A. a s. Clara mercks Wien 46; mahn-Christzeltlein französ. Simpliciss. (1683)

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1, 48; zeltchen: J. Liebig hdb. d. chemie 138; auch von der hostie: du trin, glaubst du, das disz zeldtlin protes gott ist? offenb. d. Birgitte (1502) 4, 61; vgl. H. Fischer 6, 1119;
2) ein breiter, flacher, fladenartiger gegenstand, a) eine miszrathene mehlspeise: Unger-Kh. 647b; ebenso Schmeller-Fr. 2, 1118; ebda 1119 impzelten stück der honigwabe; b) futterkuchen: ölzelten (aus leinsamen) Loritza id. vienn. 146b; linsatzelte Lexer kärnt. 264; Martiny wb. d. milchwirtsch. 140; c) mit verzicht auf den begriff der bestimmung fürs essen, α) zusammengeklebte und -gepresste weiche massen: dasz ... ausz meinem hemmet, zerhawnen fleisch und underloffnem blut ein zelten worden Guarinonius grewel d. verwüst. 246 ; die volksthümliche bair. rda. etwas, jem. zu einem zelten derdrucken, schlagen Schmeller-Fr. 2, 1118 tritt schon bei Oswald v. Wolkenstein entgegen:

wie hastu nu erzaust
die kind zu ainem zelten? 107, 57 Sch.;

dasz ... sie (die bauernbuben) mich unfehlbar zu einem zelten zerquetschet und zertretten htten französ. Simpliciss. (1683) 6, 247; zusammengeklebtes kleines stück heu, stroh, laub: H. Fischer; welchen (eselskot) sie mit erden im wasser zerrhren, zu zelten formiren und drren und anstatt des holtzes zum feuren brauchen trckischer vagant (1683) 134; lohzelten aus benutzter gerberlohe in kuchenform: Schmeller-Fr. 2, 1119; β) gepresste erde und gegossene erze:

grôze zelten von silber wîz Haupts zs. 5, 288;

zog herfr einen groszen zelten golds (grandem auri massam) geschwenck Bebelii r 2; Roth dict. K 4b; s. DWB zeltenschlag und vgl.: gypszeltlein, durch den trichter gemacht, die den schein von dragéen haben Göthe 32, 247 W.; entsprechend beim dim.: gewöhnlich kommt er (carminlack) in gestalt spitziger zeltchen ... zum handel Schedel warenlex. 1, 230; Oken allg. natg. 1, 214. —
 
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zeltenbrot, n., laibchen aus dem teigrest beim brotbacken: Lexer 3, 1056; H. Fischer 6, 1119. —
 
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-mehl, n.: zelten- oder dnckelmehl J. Walther pferde- u. viehzucht (1658) 84; volksschausp. in Bayern u. Österr. 302 Hartm.
 
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-pflaster, n., aus galmei, weinessig und baumöl gemacht: Marperger kfmmag. 245; schon Wirsung (1568) bei H. Fischer 6, 1120 (zeltlen-). —