- zeltwirtschaft, f.
- zelten, verb.
- zeltner, m.
- zelten, verb.
- zelt, m.
- zelte, f.
- zelte
- zelten, verb.
- zeltenpferd, n.
- zelter, m.
- zelter, m.
- zeltner, m.
- zelterig
- zeltergang, m.
- zelterpferd, n.
- zelterrosz, n.
- zeltern
- zelten
- zeltenbrot, n.
- zeltenmehl, n.
- zeltenpflaster, n.
- zeltenschlag, m.
- zem
- zember
- zembern
- zement, m.
- zement-
- zementanstrich, m.
- zementamt, n.
- zementeisen, n.
- zementkupfer, n.
- zementofen, m.
- zementpulver, n.
- zementschlamm, m.
- zementwasser, n.
- zementation, f.
- zementen
- zementieren, verb.
- zemer, m.
- zemer, m.
- zemmel, m.
- zemmeln, verb.
- zempe, f.
- zempel, f.
- zempeln, verb.
- zempeln, verb.
- zemper, m.
- zemper, m.
- zempern, verb.
- zemse, f.
- zemsen, m.
- zemte
- zen, m.
- zend, n.
- zendel, m.
- zendeldort, m.
- zendelen, adj.
- zendeltaffet, m.
- zendeltuch, n.
- zendelweber, m.
- zendel, m.
- zenden, verb.
- zender, m.
- zendling, m.
- zenge, f.
- zenge, adj.
- zengeln, verb.
- zengeln, verb.
- zenger, m.
- zenger, adj.
- zengerig
- zenicht, adv.
- zenith, m., n.
- zenithapfel, m.
- zenkel
- zenkelstange, f.
- zenne, f.
- zennen, verb.
- zenner, m.
- zennern, verb.
- zense, f.
- zenserei, f.
- zensieren, verb.
- zensit, m.
- zensor, m.
- zensur, f.
- zensurieren, verb.
- zensus, m.
- zent, n.
- zent, f.
- zentallmende, f.
- zentbar, adj.
- zentbatzen, m.
- zentbaum, m.
- zentbericht, m.
- zentbezirk, m.
- zentbrief, m.
- zentbuch, n.
- zentbusze, f.
- zentbüttel, m.
| -wirtschaft, f., das wohnen in zelten: Göthe 31, 205 W.; auch fliegende gastwirtschaft auf kirmessen und schützenfesten in zelten.
zelten, verb., 1) intrans., im zelt lagern, ein zeltlager aufschlagen: der kranckheit eygenschafft ist also, mit diesen zufllen, an den orten, da sie dann legert und zeltet Paracelsus opera (1616) 1, 522c Hus.; o sage mir, ... wo zeltest du (ruhest Luther) am mittag? (hohelied 1, 7) Herder 8, 492 S.; die felle, unter denen die Macedonier zelteten Droysen Alex. d. gr. 71; 2) trans., wie ein zelt ausspannen: bietet sie (Klytaimnestra) ein bad ihm an, sie zeltet drüber einen mantel, fängt ihn ein im künstlich unendlichen gewirk (Eumeniden 460) Droysen Aischylos 3 146. — hierzu als nomen agentis 1zeltner, m., ein mit dem aufschlagen der zelte beauftragter: die z. sollen, sobald als der zeug in sein quartier kommen, die vornembste zelten auffrichten J. Th. de Bry archelei (1614) 63; das hat getan der zeltner und sein knecht z Dannenburg in der stat Uhland hoch- u. niederd. volksl. 103; auch zelter zeltmacher (schwäb. 1404) H. Fischer 6, 1119. —
zeltner, m., den zelt gehendes pferd, s. 2zelter. —
zelten, verb., s. sp. 621.
zelt, m., paszgang des pferdes, wobei gleichzeitig beide rechte und danach beide linke füsze gehoben werden; mit 2zelter, m., und dem verbum 2zelten, die beide früher bezeugt sind, eine deutsche wortfamilie: mhd. zelt, mnd. telt, nld. tel (mnld. ten telle gaen tolutim incedere, glomerare incessus Kilian 668a Hass.); ahd. zeltâri ambulator, equus trutinans, as. telderi, mhd. zelter, md. zelder, mnd. telder, teller, niederrhein. teldener mannus, palefredus ( v. d. Schueren Teuth. 394b Verd.); ahd., mhd. zelten tolutim incedere, mnd. telden, mnld. tellen, telden. das vereinzelte altn. tjaldari, m. (corpus boreale 2, 436560), ist gewiss spätes lehnwort aus dem nd., und das einheimische tjaldr, m., haematopus ostralegus, austernfischer (norw. tjeld und kjeld, dän. dial. tjall, schwed. dial. tjäll) steht fern und schlieszt sich vielmehr an die gruppe nord. tult- trippeln (s. Falk-Torp norw.-dän. et. wb. 515), nld. talt- (mnld. touteren zittern, wackeln, schaukeln) und ags. talt-, tult- (ags. tealt schwankend, wackelnd, tealtrian, me. tilten, tulten wackeln, ne. tilt vornüberfallen) an. scheidet so eine germ. grundlage für die etymologie aus, gewinnt der alte hinweis auf die stelle in Plinius nat. hist. 8, 42 (67), in welcher Plinius berichtet, in Asturien finde sich eine pferdeart, deren schritt eine weiche gangart mit gleichzeitigem heben und niedersetzen beider füsze einer seite sei, und diese mit dem einheimischen namen thieldones (var. tieldones, celdones) bezeichnet, an gewicht. dieses span.-lat. wort, vor der hd. lautverschiebung durch vermittlung Galliens ins süddeutsche übernommen, aber erst nach dem abzuge der angelsächsischen scharen nach Norddeutschland und [Bd. 31, Sp. 620] den Niederlanden vorgedrungen, vervollständigt das durch die ausdrücke pferd und säumer (th. 8, 1915) geschaffene bild romanischen einflusses auf das deutsche verkehrs- und reisewesen, indem das zeltende pferd sich wegen seines sanften, wiegenden ganges als reisepferd besonders empfahl. übrigens entstammt auch das z. ablösende pasz, m. (th. 7, 1494), roman.-franz. quelle. als *teldo entlehnt, nahm das fremde wort die im deutschen um diese zeit überhand nehmende endung -âri als ausdruck für das nomen agentis an (s. DWB zelte, f.); aus zeltâri entsprang dann ahd. zelten, dem schlieszlich das mhd. z. nachfolgte. die höfisch gerichtete mhd. literatur bietet reichliche belege, während das wort wie auch die beiden zugehörigen formen (mit einer ausnahme bei zelter, s. 2zelter) der volksthümlichen dichtung fremd bleibt. auf den z. eingerittene pferde dienten vornehmen reisenden, im bes. frauen und kranken, auch priestern zur beförderung, und die zeugnisse lassen erkennen, dasz sie gern als willkommene geschenke gegeben wurden (s. unter 2zelter). im übrigen rühmen sie die angenehme gangart: ez gienc vil drâte über velt, schône, sam ein schef, enzelt Hartmann v. Aue Erec 1438 H.; Isôten pfert gienc schône in zelt Gottfried v. Straszburg Tristan 8950; senfteclîche und doch in vollen zelt kom si rîtende über velt Wolfram v. Eschenbach Parzival 779, 1; apfelgrîsiu pfert, diu wol enzeltes giengen Konrad v. Würzburg Troj. krieg 26 371; Göttweiger Trojanerkrieg 7226; ir senftir z. Hugo v. Langenstein Martina 58, 70 K.; wêr ot draf heft edder telt sogen. Gerhard v. Minden 37, 29 Seelm.; die geringe geschwindigkeit läszt sich aus der bezeichnung eines schnellen laufes durch die wendung 'viel schneller als im zelt' abnehmen: nu sach er verre dort hin dan vier gewâpende man über ungeverte und über velt ein lützel balder danne enzelt fliehende gâlopieren Gottfried v. Straszburg Tristan 8947; sîn (des löwen) louf was gegen im uberz velt verre baz danne enzelt pass. 511, 95 K.; Göttweiger Trojanerkrieg 596; oder durch 'ohne zelt': id (das thier) was tornich unde lep ane telt (rasch) hartebok 244b; auf das wiegende des ganges zielen folgende stellen: dâ die œden törper giengen enzelt als ein gans ûf dem îse minnes. 3, 189a v. d. Hagen; dem gêt wol sîn schîbe enzelt slehtes unde krumbes Neidhart v. Reuental 91, 13 H.; freier: schön Els und Äll gant den zelt hin gumpen über twerches veld Oswald v. Wolkenstein 59, 26 Sch.; ofte brach er sînen zelt (floh) Neidhart v. Reuental 200, 3 H.; vgl. noch übertragen: daz mannes herze in vröuden gein ir (der frauen) lachen vert in zelt Reinmar v. Zweter 427 R.; von einem altersschwachen pferde: als ein pfert, daz ûz zelt komen ist von alters kraft und och nit mê zcht noch traft liedersaal 1, 459 Laszberg. in der nhd. zeit beschränken sich die zeugnisse in der hauptsache auf knappe angaben der fachschriftsteller, die zugleich die ausdehnung des zeltes auf andere thiere und die vermengung mit anderen gangarten lehren: die jungen elephanten gehen im z. einen zeltenden gang, gleich den maulthieren S. Franck weltb. (1567) 201b; die pfrdt habend mancherley manier ze trtten ... als der ... trab, der zlt Herold-Forer Geszners thierb. 133; die spiszhirtz ... treten ... mit den hindersten fsen nicht anderst für dann die maulthier, wann sie sollen eynen z. gehn Sebiz feldbau (1579) 582; ein zames ... rosz, das gemsz dem z. gang Paracelsus chir. büch. (1618) 141a Hus.; dann gleichwie [Bd. 31, Sp. 621] solche wunderliche gng (pasz und halbpasz beim pferde) entweder mit dem z. oder schritt, welches der falsche schritt genennet wird, oder mit dem z. und galop vermischet sind, so man den falschen z. nennet, also knnen sie offt nicht lang andaueren Hohberg georg. 3, 164b; die Pliniusstelle übersetzt: in ... Portugall seind rosz ... die draben nit, sonder geen ein zellt Eppendorf Plinius (1543) 8, 77; literar. citate: (ein hengst,) der springen und im zelt kan draben Burkard Waldis Esop 2, 204 K.; (ich dank euch, musen,) dasz ihr den pegasischen brunnen meins Eulenspiegels esel gunnen, dasz er darausz hat mgen sauffen und kan ein zelt auff reimen lauffen Fischart Eulenspiegel 363 H.; hier galt kein trab noch auch den zelt nur lassen gehen Dietrich v. d. Werder Ariost. ges 25 str. 80, 6; neuerdings nur von Rückert gebraucht: reiten im z. ges. poet. w. 11, 428; im übrigen blosz in wörterbüchern und grammatiken erhalten, da der ausdruck von pasz und paszgang verdrängt wurde: im zlt gon Pictorius bei Frisch 2, 471c; Hulsius (1618) 2, 27a; ein zelter (gehet) den z. tollutarius tollutim A. Comenius ianua (1644) 134; sonst nur den z. gehen: Orsäus 199; Corvinus 392; ein z. gehen Duez (1652) 178; den z. gehen tolutim ingredi, glomeratim incedere Stieler 2622; Kramer teutsch-it. 2, 1443a (ein pferd im z. reiten ebda), u. s. w.; der ... z., so ein pferd oder maultiehr luft Schottel haubtspr. 282; seit dem 16. jahrh. fälschlich dem dreischlag, einem unreinen trab, bei welchem das pferd ein vorderbein stärker vorschleudert als das andere (s. beleg th. 2, 1390, ferner Wiederhold 433a; Rädlein 1087a; Steinbach 2, 1084), und dem antritt, einem gezwungenen, zwischen schritt und trab liegenden gang (Adelung 2 4, 1682), gleichgesetzt. das wort ist von Schmeller-Fr. 2, 1118; v. Schmid 546; H. Fischer 6, 1118; Doornkaat-K. 3, 402a (in n tel gan, nld.) behandelt. — dazu schematische grammatikerableitungen: zeltgang, m. (nach paszgang): Kramer teutsch-it. 2, 1443a; Campe 5, 838b; -gänger, m., pferd mit paszgang: Kramer 2, 1443a; Ludwig teutsch-engl. 2574; -pferd, n., gleich zelten-, zelterpferd (s. d.): H. Fischer 6, 1120; Mozin 3, 219c; Campe; -rosz, n.: Diefenbach gl. 578a; Hulsius-Rav. (1616) 428a; Murmelius (1550) 37; Rädlein 1087a; Campe; besser -schlag, m., paszgang: wir sind darin denen pferden gleich, die man gern von einem starcken pasz zu einem sanfften z. gewehnen will J. Dyke nosce te ipsum (1638) 417.
zelte, f., in kammerzelde pedissequa (d. i. kammerjungfer, zofe) Diefenbach n. gl. 284b, nomen agentis zu 2zelten und also mit dem vorigen wort zusammengehörig; telle, telde (m.?) equus tolutarius Kilian 667b Hasselt (ebda weitere nld. belege des 17. jahrh.s); ist es zu kühn, in beiden wörtern die altbewahrte form des ursprünglichen, dem span.-lat. thieldo entsprechenden nomen agentis zu sehen? —
zelte, zelten, m., flacher kuchen, s. sp. 625.
zelten, verb., 1) im z., d. i. pasz gehen, reiten (s. 2zelt); a) intrans.: zeldendaz, zeltend rosz equus trutinans ahd. gloss. 4, 57 32 f.; mhd. in höfischen gedichten sehr geläufig (s. mhd. wb. 3, 870a, Lexer 3, 1055), sowol von den pferden wie von den reitern gesagt: stapfen, zelten unde draben ûf den hof begunde vil der diet Wolfram v. Eschenbach Willehalm 138, 24; dî phert dî dâ zeldint, dî ros dî dâ snel sint Hartmann rede vom glauben 2440 v. d. L.; sine mohte zeltens niht gehaben, sie begunde schiuften unde draben Hartmann v. Aue Iwein 5965; zeldens sît ir wol gewert Sibote vrouwenzucht 271; gezelt quam er so hin uf daz velt Daniel 8103 H.; dú pferit si liesen do zelten der sælden hort 3205; swer trabens gewont, den müet zelten Hugo v. Trimberg renner 21144 E.; d. teufels netz 8325; (ein sagenhaftes thier) wegt sich in zeltens weise (bei der begattung) Konrad v. Megenberg buch d. natur 139; übertragen und bildlich: [Bd. 31, Sp. 622] die (teufel u. welt) úber in tünd traben und zelten Christus u. d. minnende seele 1923; vereinzelt mit -n-: tolutim ire zeltnen Diefenbach gl. 587a; auch: ez (das pferd) enzeltent noch endrabte Heinrich v. d. Türlin krone 19880; von der langsamen und ungeraden bewegung der würfel: sô lânt wir die würfel zelten uber daz brett hin liedersaal 2, 677 Laszberg; die nhd. periode zeigt das verklingen des wortes: de nicht telden kan, mod wol draven quelle bei Schiller-L. 4, 521a; will er sweren, sy will schelten! will er traben, sy will zelten! will er faren, sy will reitten! Hätzlerin liederb. 219; du peutest mir süeszen lebzelten, lasse ain andre darumb zelten fastnachtsp. 396 K.; vgl. 402; recht sam ein abgerittner gaul, der nimmer zelten mecht noch traben 311 K.; so es (das pferd) von armt hinckt und zelt, msz es doch gellten yetzt sin gelt Brant narrenschiff 102, 27 Z.; Seuse deutsche schr. 139 B.; dahr man die anderen (pferde) mit geschicklichkeit auch zellten leeret Eppendorf Plin. 8, 77; pferd gebäret diese insel (Irland) eins so sänfften trits, das sie herein traben, z. und spacieren, gleich königlich prangende S. Franck weltbuch (1567) 69a; der veerundetwyntich vorsprake scholde blasen als ein drake vr, vorghyfft, lopen und telden Reyner Groningen in chron. d. st. (Braunschweig 1491) 16, 198; reichlich auch im mnld., s. Verwijs-Verdam 8, 199; von anderen thieren, z. b. vom elephanten (s. beleg unter 2zelt), ferner: sie zogen heriber iber das feld, da kamen viher zigen ausz dem walde gezelt hist. volkslied. 2, 340b Liliencron; die agelster ist grne alsam der kle unde ist wis alsam der sne unde ist swerzer den der kol und zeltet recht also der vol Uhland hoch- u. niederd. volksl. 6; vgl.: du gest hie z. als ein gans mhd. minnered. I 7, 414 M.; auch: mein lieber waidmann, sag mir fein, welches meinem fürsten oder herrn das unnützste hofgesind ein bespengter jäger verdrossen, möchte sein? ein trabender (hitziger) leithund ungenossen (der noch kein blut geschmeckt hat) und ein zeltender (langsamer) wind (windhund), das ist das unnütze hofgesind Grässe jägerbrevier 13; seit den ahd. belegen für z-des pferd (s. ob.) erscheint diese verbindung vielfach in der literatur und in wbb., wird wegen des d-ausfalls syntaktisch unkenntlich und wächst zu dem subst. zeltenpferd (s. unt.) zusammen: ein zeldende phert Herbort v. Fritzlar 5624; 8489; ein z-t pfert Suchenwirt 41, 310; ambulator z-de phert Diefenbach n. gl. 20a; zelten pfert gradarius ebda 196b; ein zeldend pfert privatbr. d. ma.s 1, 201 Steinhausen; zelten pfard Heinrich v. Neustadt Apoll. 17946 S.; z-d pfært Joh. v. Würzburg Wilh. v. Österr. 13660, ebda 10114 zeltenphært; s. Schmeller-Fr. 2, 1118; eyn zeldin swedisch pferdichin Marienburg. treszlerb. 251 Joachim; bes. geläufig im nd.: en teldene pert, eyn telden pert Schiller-L. 4, 521a; indem pferd unterdrückt wird, nur zelten: s. Lexer 3, 1056, Schmeller-Fr. 2, 1118; b) selten trans.: sô man zelt unde drove (trabe) diu pfert Seifried Helbling 2, 344; wer ... indewendig des graben ist gesessen, zeltet er ein pferde, dasz sol er schlahen an ein ende, do man nit gemeyen möge (els. 1338) weisth. 1, 727; 2) els. einen hengst z., d. i. castrieren, verschneiden: es ist zu jettende gut und vihe zu zemen und zu z-de (1511) Scherz-Ob. 2093; vgl. verzelteren (einen hengst) verschneiden, modern zelter, m., wallach Martin-L. 2, 903b. —
zeltenpferd, n., s. ob. 1 a: ein zeldenpfärdes treten Ulrich v. d. Türlin Willehalm 258 S.; eyn zeldenpherd Marienburg. treszlerb. 70 Joachim; ebenda 86; 1 swarcz czeldenpferdechin handelsrechn. d. deutsch. ord. 239 Sattler; zeltenpfert Windecke denkw. 197; ostmnld., s. Verwijs-Verdam 8, 200. [Bd. 31, Sp. 623] zelter, m., s. 1zeltner, m., sp. 619.
zelter, zeltner, m. , ein pferd, das den zelt (2zelt) geht, paszgänger; zur sprachgeschichte vgl. 2zelt; ahd. gloss.: ambulator celtari 3, 44827, celtare 20119, zeltir 44254, celtere 7843, celdere, celtar, celter44, equus trutinans celter 4, 57 33 f.; öft.; telderi 2, 71623; mhd. gloss.: ambulator Diefenbach gl. 29b, asturco 57a, cespitator 116a, dextrarius 178c, gradarius 268a, palefredus 406b, tolutarius 587a; auch n. gl. 39b, 133a, 366b mit den formen zelter, -der, telder, zeltner, teldener; mhd. wb. 3, 870a, Lexer 3, 1056, Schiller-L. 4, 521b; nhd. wbb.: tolutarius, asturco ein z., ein pferd, daz sanffte und schnell gehet Alberus 67b; sonipes Frisius 1225b; B. Faber 872b; Calepinus XI ling. 1470a, manni zltner 865a; Hulsius (1618) 282a, -n- 281b; Orsäus 199; glippidiglap gehen ut sonipes ein z. Schottel haubtspr. 779; Stieler 2622 usw. bis Adelung 2 4, 1682 und Campe 5, 838b. die form zeltner scheint auszer vom schwach bezeugten verbum zeltnen noch durch ner-muster wie zeichner, rechner bestimmt zu sein; häufig im mnld. und westmnd. bereich, begegnet sie auch im alem.-bair. gebiet, s. die glossenbelege ob., ferner: zeltner kl. mhd. erz. 150 Euling; tellener Kilian 667 Hasselt; teldener v. d. Schueren Teuth. 394b Verdam; telner Diefenbach gl. 587a, n. gl. 366b, tellener 133a; gemma gemm. C 3b; l 5b; Herold-Forer Geszners thierb. 133; zltner Frisius 608b; 1314b; Nicolai Nicolai schiffart in d. Turckhei (1572) 3b; Keisersberg narrensch. 23a; H. Sachs 12, 261 K.; Kirchhof wendunm. 2, 316 Ö.; B. Faber 363a; Uhland hoch- u. niederd. volksl. 102; -ll- reichlich nld.-nd., wofür die gebrachten belege sprechen, vereinzelt md. in der form zeller (Diefenbach gl. 268a, Alberus Y y 3b), durchgedrungen auch hier in dem volksläufig gewordenen verbum zeltern (s. d.); 1) den gang beschreiben: ein zelter schœne und genge hiez der künic ziehen dar. er hâte alsô senften ganc, daz ein man dem sô wol gelanc, daz er dar ûffe gesaz, nie gerouwet ê baz von der senfte die er hâte. er gienc ebene unde drâte Konrad Fleck Flore 2734; ein zeltner oder der im stapf gat Frisius 131b; damit (mit hohen pantoffeln) gehn sie (die jungen maidlein) wie ein zelter seinen trap klip und klap, newe zeitungen 1600 bei Adrian mitteilungen 371; die abrichtung: man soll das fllen ... niderlegen und einer soll die vordern, der andere die hintern fsze beede zusammennehmen und also eine viertel stund morgens und abends halten ... soll ein trefflicher ... z. daraus werden v. Hohberg georg. 2, 151; den platz, weil die frau auf dem z. rechts neben dem manne ritt und deren pferd wol auch von diesem mit der rechten hand am zügel geführt wurde: dextrarius est equus in dextra parte ein czelder Diefenbach-W. 96; den gebrauch in vornehmen kreisen lehrt die beschränkung auf die höfische dichtung des mhd., vgl. die belegstellen im mhd. wb. 3, 870a und bei Lexer 3, 1056; einzige ausnahme: mœre, zelter unde marc Gudrun 65, 1; sonstige belege: die zeldere inde die ros Rother 4579; ritterpherde oder ors und zeldere und runczîte, den ist chein weregelt gesaczt Sachsensp. 3, 51, 2 W.; z. heiszt auch das maulthier: ir zelter was ein mûl blanc Heinrich v. d. Türlin krone 12657; die nhd. zeit läszt das gleiche bild erkennen, die verwendung für die vornehme dame, den schmuck, die vorliebe für eigenartige färbung: unsern roten czelder handelsrechn. d. deutsch. ord. 192 Sattler; etliche weisze zltner ..., mit vergldten sttlen bedeckt H. Halverius warh. beschreib. (1570) 114; wolten sie jagen, so saszen die frawen auff ihre z. Fischart Garg. 453 ndr.; ein kstlich gezierten, schnen, weiszen z. binenkorb 145a; privatbr. d. ma.s 1, 91 Steinh.; dise königin ryt auff einem schönen neapolitanischen z. V. Schumann nachtb. 316 B.; gelegentlich für einen kranken mann: Niclas v. Wyle transl. [Bd. 31, Sp. 624] 68 K.; sehr geläufig als reitpferd für geistliche und im bes. als abgabe an klosterherren und den papst: der Reichenauer abt sasz auf seinem zelter V. v. Scheffel ges. w. 1, 254; weisth. 4, 127; (er) wisse ..., dasz der knig in Spanien dem pabst wegen des knigreichs Neapolis jhrlich einen weiszen z. berreichen mszte Chr. Weise klügst. leute 34; Ranke s. w. 40/41, 66; der kaiser führte ihm (dem papste) noch immer den z. 37, 25 und blutig ist die andre thräne, ... dasz Deutschlands kaiser biegel des zelters hielt! Klopstock od. 2, 30 M.-P.; diese stets lebendige vorstellung von der symbolischen dienstleistung des kaisers und die anfangs noch an bildern aus dem leben des adels genährte verwendung des z-s in romandarstellungen des 17. jahrh. (vgl. Bucholtz Herkulisk. 92; Lohenstein Arm. 1, 1163a; 2, 95a), welche im 18. jahrh. zu einem romantischen requisit erstarrt, erklärt das fortleben des wortes bis in die gegenwart: Gottsched schaub. 5, 500; v. Schönaich ästhet. 323 K.; Wieland s. w. (1794) 4, 43; Herder 25, 626; 26, 200 S.; Schiller 6, 122; 14, 47; 15, 2, 470 G.; und seine gold- und purpurtroddeln regend, zerstampft ihr zelter unter ihr den grund H. v. Kleist 2, 23 E. Schm.; Cl. Brentano ges. schr. 6, 308; Platen dram. nachl. 151 P.; H. Laube ges. schr. 2, 11; Stifter s. w. 5, 1, 274; D. Fr. Strausz ges. w. 11, 62; Th. Mommsen röm. gesch. 3, 334; bes. der weisze z. literarisch beliebt: sein rosz, ein zelter weisz wie schnee Pfeffel poet. vers. 4, 50; auf diesem weiszen, königlichen zelter Tieck schr. 1, 18; 1, 408; O. Ludwig ges. schr. 2, 474; C. F. Meyer Ang. Borgia 1; Fontane I 1, 199; Treitschke hist. u. pol. aufs. 1, 57; mondscheinzauber der nordischen märchennacht, wo die fee ... dahinreitet auf milchweiszem z. mit korallenroten hufen H. v. Kahlenberg Eva Sehring 132; sprw.: der ein sau satlet, so wurt dannocht kein zeltner darausz Keisersberg narrensch. 23a; wer nicht taug zum z., der mag traben Petri weiszh. Hhh 7v; in den modernen mdaa. nicht mehr erhalten, nur im Elsasz wegen der eingeengten bedeutung noch am leben: z. wallach Martin-L. 2, 903b (s. 2zelten 2); s. DWB zelte, f. — dim. -lein: J. Nas antipap. 4, 214b; zelderlin Warbeck Magelone 38 B.; Bastel v. d. Sohle junk. Harnisch 104; 2) seit der mitte des 16. jahrh. auffälligerweise für 2zelt: den z. einhertretten (als hochtrabender gang eines menschen) S. Franck sprw. (1541) 2, 33b; die pfrdt habend mancherley manier und gwonheit hereynzetrtten ..., als der stapff, der trab, der zlt, der dreyschlag, hacken und dergleychen: auf welchen der zltner in seiner schnlle der sanfftist gang geachtet wirt, der trab aber der reüchist und hartist Herold-Forer Geszners thierb. (1563) 123; auch Fischart Garg. 203 ndr. (citiert th. 2, 1930); vielleicht entstanden aus folgender wendung: ergo auff und darvon, laszt den z. gohn ebda 53 ndr., in der z. wol noch das pferd meint; Äg. Albertinus Lucifer 263; Hulsius (1618) 2, 125a; Schwan n. dict. 2, 1097a; mit dem dreischlag (vgl. unter 2zelt) vermischt: ein ... schneyder ..., der ... zucket mit dem einen fsz, als gienge er den dreyschlag oder z. Lindener Katzipori 174. — adj. | |