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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zelttuch bis zelte (Bd. 31, Sp. 619 bis 621)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -tuch, n., tuch zum bedecken des zeltes oder zum verschlieszen des zelteinganges: eingang (des zeltes) ... mit zelttchern ... versetzet A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 363; Göthe 33, 46 W.; der capitain liesz ber das ganze schiff zelttcher und decken ausspannen J. G. Forster s. schr. 1, 59; Sven Hedin Bagdad, Babylon, Ninive 28; -en- Marperger beschr. d. flachs 131. —
 
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-volk, n.: -en- Herder 12, 71 S.
 
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-vorhang, m.: D. Cranz hist. v. Grönland (1770) 1, 191; W. Alexis falsche Woldemar 2, 351; u. a.
 
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-wagen, m., 1) wagen, auf welchem die zelte den truppen ins feld nachgefahren wurden: rst-, zeldt- und andere wagen Kirchhof mil. disc. (1602) 108; W. Dilich kriegsbuch (1607) 20; Kramer teutsch-it. 2, 1443b; Frisch 2, 471c; Adelung; auch von nomaden gebraucht: Ratzel völkerkde 3, 363; 2) mit zeltleinwand überspannter wagen: Adelung; Campe; mittel- und norddeutsch dafür planwagen üblicher (s. th. 7, 1895). —
 
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-wand, f., seiten-, auszenwand des zeltes: graf Strachwitz ged. 298; O. Ludwig ges. schr. 3, 414. —
 
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-wirtschaft, f., das wohnen in zelten: Göthe 31, 205 W.; auch fliegende gastwirtschaft auf kirmessen und schützenfesten in zelten.
 
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zelten, verb., 1) intrans., im zelt lagern, ein zeltlager aufschlagen: der kranckheit eygenschafft ist also, mit diesen zufllen, an den orten, da sie dann legert und zeltet Paracelsus opera (1616) 1, 522c Hus.;

o sage mir, ...
wo zeltest du (ruhest Luther)
am mittag? (hohelied 1, 7)
Herder 8, 492 S.;

die felle, unter denen die Macedonier zelteten Droysen Alex. d. gr. 71; 2) trans., wie ein zelt ausspannen:

bietet sie (Klytaimnestra) ein bad ihm an,
sie zeltet drüber einen mantel, fängt ihn ein
im künstlich unendlichen gewirk (Eumeniden 460)
Droysen Aischylos 3 146. —

hierzu als nomen agentis 1zeltner, m., ein mit dem aufschlagen der zelte beauftragter: die z. sollen, sobald als der zeug in sein quartier kommen, die vornembste zelten auffrichten J. Th. de Bry archelei (1614) 63;

das hat getan der zeltner und sein knecht
z Dannenburg in der stat
Uhland hoch- u. niederd. volksl. 103;

auch zelter zeltmacher (schwäb. 1404) H. Fischer 6, 1119. —
 
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zeltner, m., den zelt gehendes pferd, s. 2zelter. —
 
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zelten, verb., s. sp. 621.
 
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zelt, m., paszgang des pferdes, wobei gleichzeitig beide rechte und danach beide linke füsze gehoben werden; mit 2zelter, m., und dem verbum 2zelten, die beide früher bezeugt sind, eine deutsche wortfamilie: mhd. zelt, mnd. telt, nld. tel (mnld. ten telle gaen tolutim incedere, glomerare incessus Kilian 668a Hass.); ahd. zeltâri ambulator, equus trutinans, as. telderi, mhd. zelter, md. zelder, mnd. telder, teller, niederrhein. teldener mannus, palefredus ( v. d. Schueren Teuth. 394b Verd.); ahd., mhd. zelten tolutim incedere, mnd. telden, mnld. tellen, telden. das vereinzelte altn. tjaldari, m. (corpus boreale 2, 436560), ist gewiss spätes lehnwort aus dem nd., und das einheimische tjaldr, m., haematopus ostralegus, austernfischer (norw. tjeld und kjeld, dän. dial. tjall, schwed. dial. tjäll) steht fern und schlieszt sich vielmehr an die gruppe nord. tult- trippeln (s. Falk-Torp norw.-dän. et. wb. 515), nld. talt- (mnld. touteren zittern, wackeln, schaukeln) und ags. talt-, tult- (ags. tealt schwankend, wackelnd, tealtrian, me. tilten, tulten wackeln, ne. tilt vornüberfallen) an. scheidet so eine germ. grundlage für die etymologie aus, gewinnt der alte hinweis auf die stelle in Plinius nat. hist. 8, 42 (67), in welcher Plinius berichtet, in Asturien finde sich eine pferdeart, deren schritt eine weiche gangart mit gleichzeitigem heben und niedersetzen beider füsze einer seite sei, und diese mit dem einheimischen namen thieldones (var. tieldones, celdones) bezeichnet, an gewicht. dieses span.-lat. wort, vor der hd. lautverschiebung durch vermittlung Galliens ins süddeutsche übernommen, aber erst nach dem abzuge der angelsächsischen scharen nach Norddeutschland und

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den Niederlanden vorgedrungen, vervollständigt das durch die ausdrücke pferd und säumer (th. 8, 1915) geschaffene bild romanischen einflusses auf das deutsche verkehrs- und reisewesen, indem das zeltende pferd sich wegen seines sanften, wiegenden ganges als reisepferd besonders empfahl. übrigens entstammt auch das z. ablösende pasz, m. (th. 7, 1494), roman.-franz. quelle. als *teldo entlehnt, nahm das fremde wort die im deutschen um diese zeit überhand nehmende endung -âri als ausdruck für das nomen agentis an (s. DWB zelte, f.); aus zeltâri entsprang dann ahd. zelten, dem schlieszlich das mhd. z. nachfolgte.
die höfisch gerichtete mhd. literatur bietet reichliche belege, während das wort wie auch die beiden zugehörigen formen (mit einer ausnahme bei zelter, s. 2zelter) der volksthümlichen dichtung fremd bleibt. auf den z. eingerittene pferde dienten vornehmen reisenden, im bes. frauen und kranken, auch priestern zur beförderung, und die zeugnisse lassen erkennen, dasz sie gern als willkommene geschenke gegeben wurden (s. unter 2zelter). im übrigen rühmen sie die angenehme gangart:

ez gienc vil drâte über velt,
schône, sam ein schef, enzelt
Hartmann v. Aue Erec 1438 H.;

Isôten pfert gienc schône in zelt
Gottfried v. Straszburg Tristan 8950;

senfteclîche und doch in vollen zelt
kom si rîtende über velt
Wolfram v. Eschenbach Parzival 779, 1;

apfelgrîsiu pfert,
diu wol enzeltes giengen
Konrad v. Würzburg Troj. krieg 26 371;

Göttweiger Trojanerkrieg 7226; ir senftir z. Hugo v. Langenstein Martina 58, 70 K.;

wêr ot draf heft edder telt sogen.
Gerhard v. Minden 37, 29 Seelm.;

die geringe geschwindigkeit läszt sich aus der bezeichnung eines schnellen laufes durch die wendung 'viel schneller als im zelt' abnehmen:

nu sach er verre dort hin dan
vier gewâpende man
über ungeverte und über velt
ein lützel balder danne enzelt
fliehende gâlopieren
Gottfried v. Straszburg Tristan 8947;

sîn (des löwen) louf was gegen im uberz velt
verre baz danne enzelt pass. 511, 95 K.;

Göttweiger Trojanerkrieg 596; oder durch 'ohne zelt':

id (das thier) was tornich unde lep ane telt (rasch) hartebok 244b;

auf das wiegende des ganges zielen folgende stellen:

dâ die œden törper giengen enzelt
als ein gans ûf dem îse minnes. 3, 189a v. d. Hagen;

dem gêt wol sîn schîbe enzelt
slehtes unde krumbes
Neidhart v. Reuental 91, 13 H.;

freier:

schön Els und Äll gant den zelt
hin gumpen über twerches veld
Oswald v. Wolkenstein 59, 26 Sch.;

ofte brach er sînen zelt (floh)
Neidhart v. Reuental 200, 3 H.;

vgl. noch übertragen:

daz mannes herze in vröuden
gein ir (der frauen) lachen vert in zelt
Reinmar v. Zweter 427 R.;

von einem altersschwachen pferde:

als ein pfert, daz ûz zelt
komen ist von alters kraft
und och nit mê zcht noch traft liedersaal 1, 459 Laszberg.


in der nhd. zeit beschränken sich die zeugnisse in der hauptsache auf knappe angaben der fachschriftsteller, die zugleich die ausdehnung des zeltes auf andere thiere und die vermengung mit anderen gangarten lehren: die jungen elephanten gehen im z. einen zeltenden gang, gleich den maulthieren S. Franck weltb. (1567) 201b; die pfrdt habend mancherley manier ze trtten ... als der ... trab, der zlt Herold-Forer Geszners thierb. 133; die spiszhirtz ... treten ... mit den hindersten fsen nicht anderst für dann die maulthier, wann sie sollen eynen z. gehn Sebiz feldbau (1579) 582; ein zames ... rosz, das gemsz dem z. gang Paracelsus chir. büch. (1618) 141a Hus.; dann gleichwie

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solche wunderliche gng (pasz und halbpasz beim pferde) entweder mit dem z. oder schritt, welches der falsche schritt genennet wird, oder mit dem z. und galop vermischet sind, so man den falschen z. nennet, also knnen sie offt nicht lang andaueren Hohberg georg. 3, 164b; die Pliniusstelle übersetzt: in ... Portugall seind rosz ... die draben nit, sonder geen ein zellt Eppendorf Plinius (1543) 8, 77; literar. citate:

(ein hengst,) der springen und im zelt kan draben
Burkard Waldis Esop 2, 204 K.;

(ich dank euch, musen,) dasz ihr den pegasischen brunnen
meins Eulenspiegels esel gunnen,
dasz er darausz hat mgen sauffen
und kan ein zelt auff reimen lauffen
Fischart Eulenspiegel 363 H.;

hier galt kein trab noch auch den zelt nur lassen gehen
Dietrich v. d. Werder Ariost. ges 25 str. 80, 6;

neuerdings nur von Rückert gebraucht: reiten im z. ges. poet. w. 11, 428; im übrigen blosz in wörterbüchern und grammatiken erhalten, da der ausdruck von pasz und paszgang verdrängt wurde: im zlt gon Pictorius bei Frisch 2, 471c; Hulsius (1618) 2, 27a; ein zelter (gehet) den z. tollutarius tollutim A. Comenius ianua (1644) 134; sonst nur den z. gehen: Orsäus 199; Corvinus 392; ein z. gehen Duez (1652) 178; den z. gehen tolutim ingredi, glomeratim incedere Stieler 2622; Kramer teutsch-it. 2, 1443a (ein pferd im z. reiten ebda), u. s. w.; der ... z., so ein pferd oder maultiehr luft Schottel haubtspr. 282; seit dem 16. jahrh. fälschlich dem dreischlag, einem unreinen trab, bei welchem das pferd ein vorderbein stärker vorschleudert als das andere (s. beleg th. 2, 1390, ferner Wiederhold 433a; Rädlein 1087a; Steinbach 2, 1084), und dem antritt, einem gezwungenen, zwischen schritt und trab liegenden gang (Adelung 2 4, 1682), gleichgesetzt. das wort ist von Schmeller-Fr. 2, 1118; v. Schmid 546; H. Fischer 6, 1118; Doornkaat-K. 3, 402a (in n tel gan, nld.) behandelt.dazu schematische grammatikerableitungen: zeltgang, m. (nach paszgang): Kramer teutsch-it. 2, 1443a; Campe 5, 838b; -gänger, m., pferd mit paszgang: Kramer 2, 1443a; Ludwig teutsch-engl. 2574; -pferd, n., gleich zelten-, zelterpferd (s. d.): H. Fischer 6, 1120; Mozin 3, 219c; Campe; -rosz, n.: Diefenbach gl. 578a; Hulsius-Rav. (1616) 428a; Murmelius (1550) 37; Rädlein 1087a; Campe; besser -schlag, m., paszgang: wir sind darin denen pferden gleich, die man gern von einem starcken pasz zu einem sanfften z. gewehnen will J. Dyke nosce te ipsum (1638) 417.
 
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zelte, f., in kammerzelde pedissequa (d. i. kammerjungfer, zofe) Diefenbach n. gl. 284b, nomen agentis zu 2zelten und also mit dem vorigen wort zusammengehörig; telle, telde (m.?) equus tolutarius Kilian 667b Hasselt (ebda weitere nld. belege des 17. jahrh.s); ist es zu kühn, in beiden wörtern die altbewahrte form des ursprünglichen, dem span.-lat. thieldo entsprechenden nomen agentis zu sehen?