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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zelot bis zeltausrüstung (Bd. 31, Sp. 610 bis 616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zelot, m., unduldsamer eiferer in religiösen und confessionellen dingen; nach dem griech.-lat. zelotes der vulgata (2. Mose 20, 5; 34, 14) und stellen des neuen testaments (ap. 21, 20 ζηλωταὶ τοῦ νόμου, eiverer uber dem gesetz Luther; auch Gal. 1, 14) seit den theologischen streitigkeiten nach der reformation gebräuchlich. in der regel schwacher flexion (ein starker acc. sing. bei H. Paul d. gramm. 2, 136), der nom. sing. einigemale mit -e: Hippel lebensl. 2, 499, Seume spazierg. 19. ältester beleg: die newen z-en, so umb unntige und frembde sachen fern und iren unzeitigen eyfer wider unschuldige und wolverdiente leut mit unverstandt entbrinnen lassen Mathesius Sar. (1562) 155b; E. Menius chron. Carionis (1564) 3, c 1b;

die Flatianer (anhänger des Flaccius) und zeloten
seint des teufels vorboten (1570)
H. Ziegler geschützinschriften 52;

P. Widmann hortulus (1627) 1, 50; Dusch verm. w. 35; Haller ged. 95 H.; danach recht häufig: ein ebenso eifriger z., doch mit etwas mehr verstand ausgestattet Bahrdt gesch. mein. leb. 2, 28; Herder 23, 470 S.; Pfeffel poet. vers. 9, 9; protestantische z-en Görres ges. schr. 4, 127; dem religiösen z-en Platen 3, 244 R.; ein moralischer z. H. Laube ges. schr. 1, 84; Rosegger schr. 14, 3. — zss.: zeloteneifer, m.: Herder 9, 176 S.; H. Marggraf büch. u. mensch. (1837) 168. — -geist, m.: Herder 9, 151 S. — -geschrei, n.: H. Heine 7, 102 E. — -partei, f.: Ritter erdkde 15, 131. — -thum, n.: ebda 13, 483; Döllinger akad. vortr. 1, 212.
 
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zelotisch, adj., religiös unduldsam: willkhr einer blinden z-en justiz Joh. Wetzel belzheger (1776) 2, 94; z. schimpfen portraits (1779) 160; z-e pfaffen Schubart leb. 1, 237; zwischen ... z en Muhamedanern Ritter erdkde 1, 169; je z-er protestantisch Görres ges. br. 3, 249; Ranke s. w. 37, 60; u. a.
 
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zelotismus, m., religiöse unduldsamkeit: gegen den streng religiösen und moralischen z. Platen 3, 245 R.; Bismarck br. an s. braut 261.
 
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zelt, n. , selten f., ein gemeingerm. wort, das nur im got. unbezeugt ist; ahd., mhd. zëlt, mnd. telt (gen. teldes), ags. teld, altn. tjald; zu einem germ. verbum *tëldan mit der bedeutung ausbreiten, decken. dieses wird

[Bd. 31, Sp. 611]


durch das ags. beteldan überdecken, umgeben und das aus dem fränk. entlehnte afranz. taudir unterschlupf suchen, sich schützen, woraus wieder franz. taudis schutzdach, hütte (< *taldaticium) hervorgegangen ist, erwiesen. *tëldan setzt eine idg. wurzel *delā- ausbreiten, zu der lit. délna, aslav. dlan flache hand, griech. δόλων kleines segel gehören, voraus; aus dieser ist auch zelten, m., flacher, dünner kuchen entsprossen. ableitung aus afranz. tente (< mlat. *tendita, sc. pellis, gespanntes fell), welches sich im nld. (mnld., auch mnd. tente) und engl. (ne. tent) durchgesetzt hat, kommt aus lautlichen und sachlichen gründen nicht in frage. die ahd. und mhd. periode beherscht die als verbalsubstantiv zu *tëldan (s. th. 4, 1, 6955) aufzufassende form gi-, gezelt, die als geteld im anfränk. allein bezeugt ist und auch im ags. überwiegt. im ahd. tritt das einfache z. auszer als erstes glied von zss., wo gi- leicht abgestoszen werden konnte, nur einmal zu tage, und in der mhd. blütezeit ist z. auch noch selten; erst spätere dichtungen und jüngere handschriftliche lesarten älterer texte bieten diese form; s. die belege th. 4, 1, 6955 ff., wo auch die geschichte der verdrängung von gez. dargestellt ist; ebda sp. 6962 angaben über das nebeneinander von gez. und z. in den wörterbüchern. den hauptantheil an dem ge-abfall hat gewis der im satzsandhi, nam. des obd. gebietes, beliebte schwund des e in der vorsilbe ge- gehabt. z. hat danach einfach als kurzform von gez. zu gelten, wofür auch die bei beiden formen gleiche bedeutung spricht. der zeitweise erkennbare collective sinn von gez. (s. th. 4, 1, 6957 ff.) hat sich offensichtlich erst nachträglich unter der einwirkung der ja-bildungen nach art von gebirge eingestellt; in dieser periode bevorzugt die kurzform die stellung im plural, die sie vordem, ebenso wie gez., gemieden hat. ein beispiel hierfür gibt der einmalige plur. von z. in Luthers bibelübersetzung (in z-en 2. Sam. 11, 11) gegenüber dem sonst allein verwendeten gez. ab. überhaupt wird der plur. erst seit ausgang der mhd. zeit, als das präfix ge- mehr und mehr schwindet, häufiger. lautliche eigenheiten sind th. 4, 1, 6960 ff. behandelt. entgegen dem festen neutralen geschlecht des ahd.-mhd. tritt später im alemannisch-schwäbischen und westmd. bereich das fem. zu tage (ebendort auch einige fälle des fem. bei gez., s. th. 4, 1, 6961), z. th. in der form z-e: zur zllt hineyn Frisius 706b; 965b; in seiner z. Xylander Polyb. 161; Spreng Il. 35a; usz syner z. Steinhöwel clar. mul. 188 Dr.; Fronsperer kriegsord. 45b; in einer z. Amadis 255; 332; 333 öft.; eine z-e Lavater pred. üb. d. buch Jonas 1, 167; ebenso H. Widerhold beschreib. d. sechs reisen (1681) 1, 49b; in einer z-e Babo Otto v. Witt. 167 (weitere fälle s. th. 4, 1, 6962 und H. Fischer 6, 1117; z-e, f., neben z., n., Hunziker 308); auch schwach: under der z-en Stumpf Schweizerchron. 270b; Fischart Stauff. 171 H.; in seiner z-en Grimmelshausen Simpl. 148 ndr.; masc.: zeigt sie im den z. Amadis 496; 708. der plural erscheint im mhd. und frühnhd. der regel gemäsz endungslos: liehtiu z. minnes. 3, 29a v. d. Hagen; vil köstlicher zeldt H. Sachs 2, 264 K.; Herold-Forer Geszners thierb. 43; Opitz teutsche poem. 148 ndr., wofür nhd. -e aufzutreten liebt. daneben setzen einige hd. schriftsteller, ansätze bei gez. (th. 4, 1, 6961) erweiternd, die bei neutren gleichfalls gewohnte endung -er: Hoffmannswaldau ged. 5, 146; G. Opitz merkw. nachricht. (1752) 2, 440; v. Fleming vollk. sold. 147; Göthe IV 19, 333. 335 W.; Wieland Luc. 4, 47; Nicolai Seb. Nothank. 2, 22; Lenz sic. vesp. 17 W.; E. v. Kleist 1, 255 S.; Laudoniade b 1b; G. Stephanie d. jüng. lustsp. 138; s. Paul-Braune beitr. 31, 357; mundartlich: Askenasy Frankf. mda. 197; Müller-Fr. 2, 699a; Adelung 2 4, 1672 ferner erscheint, zunächst als entsprechung des fem. geschlechts, die endung -en (wie schon bei gez.): U. Füetrer bayer. chron. 232; Tschudi chron. helv. 1, 36; S. Geszner schr. 2, 119; u. a.; Wickram 1, 69 B.; Grimmelshausen Simpl. 28 ndr.; H. Widerhold beschreib. d. sechs reisen (1681) 1, 65b; Babo Otto v. Witt. 158; darüber hinaus aber auch beim neutrum: Wieland w. (1794) 4, 24. 75, öft.; Göthe 2, 49; 3, 207; 13, 2, 319; 47, 356 W.; Klinger n. theat. 1, 95; Gryphius trauersp. 204 P.; Brockes ird. vergn. 4, 320. dem dat. plur. verdankt sein -en der name des Berliner platzes die z-en, da aus platz bei den z-en (vgl. DWB platz bei den z-ern

[Bd. 31, Sp. 612]


Nicolai Seb. Nothanker 2, 24) entstanden: nach de z-en (acc.!) raus G. Hirschfeld mütt. 54.
I. in eigentlicher bedeutung
1) eine bewegliche unterkunft, welche früher aus an- oder übereinander befestigten fellen oder haargeweben (filztüchern) bestand, während ackerbautreibende völker lieber leinwand, sowol in groszen, das ganze zelt bedeckenden flächen als auch in kleinen aneinander geknöpften stücken (jetzt viereckigen bahnen, s. -bahn) verwenden. diese decke wird durch stangen (s.-baum und -stange). welche von leinen oder seilen mit pfählen verbunden und aufrecht gehalten werden, getragen und mit schnüren an pflöcken (s.-pflock und -hering) auf dem erdboden ausgespannt. der sachgeschichtliche ertrag ist bei dem oben angedeuteten sprachgeschichtlichen verhältnis der kurzform z. zu ihrer vorstufe gez. für das deutsche mittelalter dürftig und bleibt bis tief ins 18. jahrh. lückenhaft.
a) herstellung und ausstattung deutscher zelte erläutern einige zeugnisse: des z-es snüere Lohengrin 6136;

liehtiu zelt rîche unde wît minnes. 3, 29a v. d. Hagen;

ein z. von weiszem barchet Grimmelshausen 3, 35 K.; in denen von leinewand gemachten z-ern v. Fleming teutsche jäg. 212; vergldete z-en Breitinger crit. dichtk. 1, 451; ein z. aus demselben blauen seidenstoff v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 99; von zelten fremder völker:

darvor er (Artus) aufgerichtet hat
an dem wasser in weytem feld
von seyden vil köstlicher zeldt
H. Sachs 2, 264 K.;

von seinem (des esels) haar machen die Araber ire zlt Herold-Forer Geszners thierb. 43; das z. aus filz ... gehört ohne zweifel einem hohen alterthume an Peschel völkerkde 185;

ihr (der 'wilden nordischen nation') zugespitztes zelt, mit pfosten fest besetzt,
mit fellen dicht bedeckt, hat noch kein sturm verletzt
Heräus ged. 247;

(sie erbeuteten) silbergeschirr, kleinadt, silbren z-en U. Füetrer bayer. chron. 232;
b) verwendung und gebrauch schildern α) angaben, die sich auf nomaden beziehen: Scythae campestres die im vld one heüser in den z-en lbend und sich enthaltend (sich darin aufhalten) Frisius 179a; die z-e der Beduinen G. Keller ges. w. 4, 69; Grönländer, die ... ihre z-e bald hier, bald dort ... aufschlugen Fontane I 1, 310; Rückert w. 1, 194; Isaac ... schlg sein zlten (gezelt Luther) auff Zürch. bib. (1531) 1. Mos. 26, 17; im z-e des hirten Herder 12, 11 S.; z. einer zigeunerin: Grimmelshausen 3, 35 K.; auch für längere unterkunft dienend: nimb (teufel) ihm (Hiob) geld und z. A. a s. Clara Judas 1, 43; die lade und Israel und Juda bleiben in z-en 2. Sam. 11, 11; auf den gebrauch als nachtlager der wandernden jugend von heute deutet wol:

mögen mich die alten schelten,
die mit mauern sich verwahrt:
meine jugend lebt in zelten,
denn sie liebt die rasche fahrt
R. Schaukal verse 16;

β) unterkunft bei festlichkeiten, festspielen, jagden und jahrmärkten: dort (auf der lichtung) standen goldgeschmückte z-e auf dem grund und hin und wieder die jagdhütten der edlen G. Freytag ges. w. 17, 344; in der z-e ... zu ritter geschlagen zimm. chron. 4, 3;

in ward ein kflad hflich zwar
zum schaussen getragen dar
in ihre htten oder zelt
uf dem schieszrein in freyem feld
Fischart glückh. schiff 37 ndr.,

Henrici ged. 2, 539; Gervinus gesch. d. deutsch. dichtg 2, 48; Göthe 22, 3 W.; (man) schlug ... um die kirche oder auf dem angrenzenden kirchhofe z-e von leinwand auf Böhme gesch. d. tanzes 18; man schlägt auf den gröszeren plätzen der stadt grosze z-e auf, worin zur nachtzeit limonade geschenkt wird Risbeck bei O. Jahn Mozart 3, 201; buden und z-e zeigen sich vor dem städtchen auf belebtem wiesenplane Holtei erz. schr. 20, 109; man ... schlug z-e auf und tanzte darunter oder spannte sie über die lauteren bäche, und die Griechinnen

[Bd. 31, Sp. 613]


badeten darunter G. Keller ges. w. 1, 16; auf das zelt abenteuernder frauen (vgl. th. 4, 1, 6968) spielt an:

durch diese list wir fangen
und manchen liebesknecht in unser zelt erlangen
Logau 233 E.;

vgl.:

sind es zelte des vesires,
die er lieben frauen baute?
Göthe 6, 18 W.;

für das weidwerk: ein schirm ist ein z., darinnen die herrschaft auf den lauf stehet Joh. Täntzer Dianen jagtgeh. 1 (1682) 15; γ) reichlich für das zelt des kriegs- oder marschlagers deutscher und fremder heere bezeugt:

beidenthalben übr daz velt
ritterschaft, hütten, zelt (var. gezelt)
gegen ein ander schînen
Rudolf v. Ems Alexander 7055;

der fürste schlüg ouch menig zellt
uff Estrolo Göttweiger trojanerkrieg 25 013;

castra legerstat, z. Diefenbach 105b; 6 z-en und anders, das man in der wagenburg bedarf (Augsb.) chron. d. st. 23, 71; liesz ... ain mesz ... under ainer z. lesen zimm. chron. 1, 272; als ain ritter in dem z. Albrecht v. Eyb spieg. d. sitt. A 5a; in Achillis zellt Spreng Il. 1, 7b; Welcker alte denkm. 2, 127;

Varus schien des feldherrn zelt in den richtstuhl zu verwandeln
v. Schönaich Hermann 38;

mssten ... uff der legerstatt verlassen pfrt, harnasch, z-en Riederer spieg. d. rhet. c 5b; der musquetirer im feld ihre z-en Grimmelshausen Simplic. 28 ndr.; steckt er sein fanen bey seiner z. auff Fronsperg kriegsord. 38; vor des obersten ... z. Reuter v. Speir kriegsord. 143; des groszveziers z. S. v. Birken verm. Donaustrand 219; er (der korporal) ... musz ... die compagnie ... in ihren quartiren, baraquen oder z-ern visitiren v. Fleming teutsche sold. 147;

überbleicht erscheint mir schon
von grauer zelten woge weit das thal dahin
Göthe Faust 7010; 7033;

z-en 3, 207; 47, 356 W.; die z-er von den gemeinen IV 19, 335; wie lustig sahen die z-e aus! 22, 3; ein geräumiges z. in der fronte des regiments 33, 273; IV 10, 6 W.; Schiller 12, 13. 310 G.; sprichw.:

was sol ein lger, drin kein zelt?
Eyering prov. 2, 531;

δ) unter dem einflusz von Luthers bibelübersetzung, in welcher der begriff zelt in weitem umfange durch andere ausdrücke (s. th. 4, 1, 6952 f. und 6964) widergegeben wird, bleibt die verwendung von z. für vorgänge der biblischen geschichte gering: das christentumb ist ein durchzg und keyn niderlag, stilsitzen oder niderlasz oder zeltauffschlagen in der wste S. Franck sprw. (1545) 1, 93b; insbes. sind die benennungen der stiftshütte mit z. theils unabhängig von Luther wie: das ich in gottes z. will opffern geringe gab erste d. bib. 3, 38, theils jungen ursprungs: jedes opfer muszte, auch in der wüste, vor dem heiligen z. gebracht werden Schelling II 4, 139; und zugleich in bildlicher anwendung:

mit frecher hand reiszt man den goldnen vorhang
vom zelte gottes
H. Heine 1, 136 E.;

vor meines gottes zelt
Stefan George büch. d. sag. u. sänge 47;


2) zunftstube, wol als fortsetzung eines älteren einfachen gemeinschaftsraumes: wollicher maister wurdt, der soll geben ... den maistern 1 ort an das z. (1453 gez.; s. th. 4, 1, 6978) zu bessern (Heilbronn 1521) H. Fischer 6, 1118; das wyngewerb hatt ouch sin eigne zunfft, gsellen- oder trinckstuben und gsellschafft, und dieselbig ouch ir eigne fendlin und zellt gehept Cysat § 85 B.;
3) um-, vorhang, decke bei vorhandenen stellgerüsten: 1 wiszline z. ob dem bett (1512) H. Fischer 6, 1118; z. ber ein lager sive bettz. Stieler 916; zudem wurde noch ein z. über den tisch ausgespannt zur abwehrung jedes sonnenstrahles S. Brunner erz. 1, 223; s. auch zeltwagen; im übrigen findet sich z. nur in vergleichenden hinweisen: die mehlwagen dort, über die tücher wie z-e aufgespannt sind E. Th. A. Hoffmann 14, 166 Gr.; sein mantel, wie von einem vollen windstosze aufgebauscht, bildet ein fliegendes z. um sie alle her Herm. Grimm Michelangelo 1, 293.

[Bd. 31, Sp. 614]



II. der übertragene gebrauch gründet sich
1) auf die sinnliche und bildliche verwendung des begriffes z. in der bibel: der stiftshütte (tabernakel) als symbolischer wohnung gottes, eines schutzzeltes als wohnung der gläubigen, des himmels als zelt, des leibes der jungfrau Maria als einer wohnung Jesu; s. die th. 4, 1, 6964 ff. ausgehobenen bibelstellen und die belege mit gez.:

jedoch weil ich gehöre
gen Zion in sein zelt
P. Gerhard bei
Fischer-T. kirchenl. 3, 352b;

was gott gedenckt in seinem zelt 3, 417b;

so sey du meine starke mauren,
mein schild, mein schutz, mein festes zelt
Neumark fortgepfl. lustw. 13;

wan du erlst die armen welt
und frst die in der gnaden zelt schausp. d. ma.s 2, 201 Mone;

o herr, wer würt sein wonung han
in deinen zelten klge?
W. Dachstein bei
Wackernagel kirchenl. 3, 98;

gottes sn und Jhesus Crist,
komen von gottes schosz und zelt schausp. d. ma.s 2, 235 Mone,

denn du seyst da von himmels zelt
zu helffen mir und aller welt
Joh. Mylius bei
Fischer-T. kirchenl. 1, 122;

9 menet drugt an all verdrisz
den schepfer fran
in deynes leibes zellte
Hans Folz meisterlieder 56, 84 M.;

in ähnlichem sinne bezeichnet P. Gerhard das irdische leben als ein weilen im fremden z.:

alle, die geschaffen seynd,
sind nur gäst im frembden zellt bei
Fischer-T. kirchenl. 3, 317. 425a;

oder N. Lenau:

nicht mehr zum lustschlosz umgelogen
scheint mir die erde; was sie ist:
ein schwankes zelt, das wir bezogen —
tod habe dank! — auf kurze frist s. w. 18 Recl.;

aus bloszem reimzwang erscheint z.:

ach, Lucifer, lasz uns in die welt,
damit erfült wer unser zelt! altd. passionssp. a. Tirol 426 Wackernell;


2) auf die freie dichterische auswerthung der in der gestalt und dem gebrauche des zeltes gegebenen möglichkeiten, indem a) naturbilder geprägt werden, die sich mit einem z. vergleichen lassen; so wird der himmel als ein auf der erde ruhendes gewölbe ein z. genannt; dabei knüpft die dichtersprache auch wieder an die bibel an, vgl. wenn er furnimpt die wolcken auszubreiten wie sein hoch gez. Hiob 36, 29 und:

sein (gottes) zelt war finster und herwebet
und schwartze, dicke wolcken gar
H. Sachs 18, 84 G.;

in welcher gott kam von der wolken zelt
Gryphius trauersp. 108 P.;

birgt ihn (den schöpfer) etwa der gewölke zelt?
Schiller 6, 24 G.;

ferner: der wolcken z. S. Dach 607 Ö.; der wolcken blawes z. Opitz poet. 40 ndr.; W. Müller ged. 266 H.; vgl.: da war der himmel ihnen bald ein groszes weitausgebreitetes z., bald ein blaues vestes gewölbe Herder 6, 13 S.; sodann: z. des tages Göthe (Faust 6434) 15, 1, 81 W.; bes. geläufig blaues z.:

wenn sich lebendig silber neigt,
so giebt es schnee und regen,
und wie es wieder aufwärts steigt,
ist blaues zelt zugegen
Göthe 4, 31 W.;

himmel, spann dein blaues zelt
G. Keller ges. w. 5, 301;

Schenkendorf s. ged. (1837) 126; O. Ludwig ges. schr. 1, 11; Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. 2, 67; des himmels z. Schiller 11, 31 G.; auch die vorstellung des architektonischen baues des himmels spielt eine rolle: der orione goldnes z. Stägemann kriegsgesänge 79; die kronen und z-e der nordlichter A. v. Humboldt kosmos 4, 265; der sternen z. S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey 9; Gryphius trauersp. 705 P.; Cl. Brentano ges. schr. 2, 194; in verbindung mit der erde: das schöne wetter wird hoffentlich ... sein z. über einen groszen weltstrich ausspannen Göthe IV 5, 345 W.;

[Bd. 31, Sp. 615]


es leben die soldaten
so recht in gottes gnaden,
der himmel ist ihr zelt,
ihr tisch das grüne feld
Cl. Brentano ges. schr. 2, 52;

die welt ist unser zelt
P. A. Wolf Preciosa bei
Erlach volksl. d. Deutsch. 5, 576;

da musz manch braver held
auf seinem grünen zelt
zum feinde rücken in das feld des knaben wunderhorn 4, 335;

das grosze liecht der welt
von unsrer erden zelt
die finstre nacht abdecket
Stephan Sasz bei
Fischer-T. kirchenl. 3, 41;

b) nicht nur zeltartige hütten aus laub und zweigen errichtet werden; der ... zitronbaum, aus welchem knige ... lebendige z-en ... zusammengeflochten htten Lohenstein Arm. 2, 342a;

die rohe schaar
baut schilfne zelte in des ufers sande
Fr. Kind ged. 1, 69;

Peschel völkerkde 349; sondern auch die laubkronen der bäume und das laubdach des waldes selbst als zelt angesehen werden können: des ulmbaums breites z. Ramler fabellese 3, 243; sein (des waldes) belaubtes z. Richey bei Weichmann poesie d. Niedersachs. 1, 175;

o schöner, grüner wald, ...
schlag noch einmal die bogen
um mich, du grünes zelt!
Eichendorf s. w. 1, 383;

alsbald die sonn entsteht, schmückt sie der gärte zelt
Gryphius trauersp. 160 P.;

Brockes ird. vergnüg. 8, 11; c) schlieszlich in weiterer ausgestaltung mythologische und allegorisch-abstracte bewohner gedacht werden: der muszen z. Stieler geh. Venus 11 ndr.; z. der gtter Kretschmann s. w. 1, 41;

die ihr wohnt in schwarzen zelten,
o ihr schatten
S. Dach 725 Ö.;

mich (die gerechtigkeit) hält des himmels zelt,
davon ich her bin kommen
Knittel poet. sinnenspr. 122;

o gldner friede, hchstes gut!
wohl, wer in deinen mauren ruht!
und unter deinem zelt und decken
sich mit den seinen kann verstecken!
J. W. Brodtkorb teutsche warheit (1700) 349;

soll die lieb auf sonngen matten
nicht mehr baun ihr prächtig zelt?
Eichendorf s. w. 1, 312; vgl. 1, 316; 2, 34;

auch der platz für das zelt bildlich gemeint ist, so dasz z. aufschlagen lediglich sich niederlassen bedeutet: vergasz ..., dasz die vollkommenheit in unseren hertzen, das lob auf frembden lippen seine z. aufschlagen solte Lohenstein Arm. 1, 303b; v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 3, 222;

er (gott Kama) wohnt in deines busens weiszen zelten
H. Heine w. 1, 255 E.;

d) gebilde der pflanzen- und thierwelt mit einem z. verglichen werden: in den z-en (cocons) der seidenwrmer Lohenstein Arm. 1, 680a; in den blauen zarten z-en (den blütenkelchen der glockenblume) Cl. Brentano ges. schr. 5, 33; vgl.: (die) ... firnzelte (eines Alpenberges) H. v. Barth Kalkalpen 69; e) anatomisch: die sichel und das z. der harten hirnhaut (eines menschen) Sömmerring menschl. körp. 2, lxxxii.
III. stilistisches und grammatisches:
1) verbale verbindungen: die ... z-en ... auffgeschlagen waren Wickram 1, 69 B.; S. Franck sprw. (1541) 1, 150a; H. Sachs fastnachtsp. 3, 31 ndr.; A. v. Arnim w. 21, 339; stets in übung; weniger häufig z. aufrichten: H. Sachs 2, 264 K.; M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 458; dafür z. errichten Göthe 24, 302 W.; ebenso z. ausspannen: A. v. Chamisso w. 1, 56; seine z. spannt er auf den plan A. v. Arnim w. 13, 63; vereinzelt: das z. wurde ... aufgepflanzt Ritter erdkde 1, 286; allgemein verbreitet sein z. abbrechen: v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 4, 136. — 2) synonyme gruppen: da gebott der keiser, daz man hütt und z. uffschlg d. heil. leb. winterteil 244 bb; Fischart lob d. lauten 369 H.; theatr. amoris 91; ein regiment husaren, ihre hütten und z-e fanden wir leer Göthe IV 23, 317 W.;

[Bd. 31, Sp. 616]


nu solang ich in der welt
haben werde haus und zelt
P. Gerhard bei
Fischer-T. kirchenl. 3, 356b, 346;

Treuer Däd. 1, 23; auffällig: in eines z-es luftgem haus Freiligrath ges. dicht. 1, 25. — 3) collectiv:

wie ein gantz heere leyt zu feldt
mit wagenpurg, geschütz und zellt
H. Sachs 7, 474 K.; 22, 376 G.;

der Don und Nieper sind erschreckt,
das land mit zelt und rosz bedeckt
Gottsched n. ged. 27. —

4) diminutive: a) -chen: Grabbe w. 2, 186 Bl.; b) -lein: elende z. Fleix Fabri eigentlich beschreibung (1557) 35a; eines jeden knechts zeltlin Fronsperger kriegsb. 1, 179v; maszen solche leute (zigeuner) ihre z. wie die schnekken ihre kleine huser mit sich tragen Harsdörfer gesprächsp. 8, 343; Amadis 332; Cl. Brentano ges. schr. 2, 154. — 5) zusammensetzungen: bett- (Stieler 916), blätter- (th. 2, 79), freuden- (4, 1, 157), garten- (1416), himmels- (4, 2, 1367), hirten- (1578), kriegs- (5, 2302), lager- (Kramer teutsch-it. 2, 1443b), laub- (Stieler 916), marketender- (th. 6, 1638), pracht- (7, 2051), prunk-, ruhe- (8, 1436), schatten- (2270), sonnen- (10, 1, 1706), sternen-, tanz-, wagenzelt (13, 479).
 
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zelt, m., paszgang, s. sp. 619.
 
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zelt-, wofür in älterer und jüngerer landschaftlich gefärbter sprache auch zelten- auftritt, in zss.:
 
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-acker, m.: -en- H. Fischer 6, 1118. —
 
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-älteste, m., vorgesetzter einer militärischen mannschaft, die ein zelt innehat: Krünitz 193, 183; decanus im spätrömischen heere der z. v. Alten hdb. f. heer u. flotte 3, 35. —
 
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-arrest, m., arrest, der in einem zelt verbüszt wird: Jung-Stilling s. schr. 4, 720. —
 
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-artig, adj., nach art eines zeltes: z-er schmuck Göthe 15, 206 W.; z-e hütten Ritter erdkde 1, 534; 2, 144; die z-e seitenwand M. Beer s. w. 235; (die) z-en laubkronen Roszmäszler wald 41; der ... marktplatz war z. mit tüchern bedeckt Kerner bilderbuch 5. —
 
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-ausrüstung, f., die zu einem zelt erforderlichen stücke: die mannschaften tragen z-en v. Alten 2, 607; fachsprachlich.