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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
zeller bis zelotisch (Bd. 31, Sp. 609 bis 610)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) zeller s. zellerie.
 
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zeller- 'bewohner eines ortes Zell oder -zell' (selbständig als personenname z. b. bei H. Fischer 6, 1117) begegnet in zahlreichen zss. (eine liste derartiger schwäbischer flurnamen bietet H. Fischer ebda), von welchen sich die in Österreich gebräuchlichen in der mehrzahl auf den wallfahrtsort Mariazell in der Obersteiermark beziehen, vgl. u. a. -breferl '-briefchen', heiligenbildchen Rosegger schr. 4, 22, -fahrt, -kerze Unger-Kh. 649b; 650a; -münzlein Rosegger schr. III 2, 184; sonst sind bekannt -bad für das württemb. bad Liebenzell, der ortsname -feld im Harz, ferner -see als ältere benennung des Untersees vom Bodensee (benannt nach Radolfszell), u. a.am geläufigsten ist
 
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-nusz, f., für eine abart mit bes. groszen früchten und weiszhäutigem kern von corylus tubulosa (maxima), der sogen. lambertsnusz (th. 6, 83), welche um 1700 in Ostfranken bei Bamberg und dem kloster Zell bei Würzburg gezüchtet und nach diesem ort benannt wurde, s. Meyers lex. 7 5, 1166, Pritzel-J. 115; belege: avellana francha di Germania Kramer teutsch-it. 2 (1702) 147c; Amaranthes frauenz.-lex. 1346; compend. haush.-lex. (1728) 1067; Noel Chomel 5, 195; Adelung 2 4, 1681; Campe 5, 838a; Oken allg. naturg. 3, 1546. —
 
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-waren sind steingutwaren aus Zell am Harmersbach (bez. Offenburg). — eine birnensorte heiszt bei Campe 5, 838a -birn.
 
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zellerie, f., sellerie, eppich, apium graveolens; bereits bei dem ersten auftreten in Deutschland 1670 (s. th. 10, 1, 539) neben selleri mit dem anlaut z-, welcher auf franz. céleri zurückgeht, erscheinend und heute mundartlich nach ausweis der dialektwörterbücher im md. und obd. westen, aber auch im mittleren und östlichen Deutschland in dieser form geläufig, z. th. mit abgewandelter endung und mit dem älteren männlichen geschlecht: -eri (m.) lux., lothr., pfälz. (-ei), els., schweiz. (neben häufigerem s-), schwäb. (-erich neben zeller), bair. (zellerer, m.), österr. (zeller, m., Unger-Kh. 647b; Loritza 146b); -erie (f.) ripuar. (-erei Hönig 207a), hess., nass., thür. (s. th. 10, 1, 539), obersächs., preuszisch. zellerich, m., auch bei Oken allg. naturg. 7, 880.
 
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zellig, älter zellicht, adj., 1) zellen im organischen gewebe bildend; so steht zellichtes (zelliges) gewebe zunächst für das spätere zellgewebe: allg. d. bibl. 7, 2, 270;

[Bd. 31, Sp. 610]


eine blos thierische substanz, ein weiches zellichtes gewebe J. Fr. Titius betracht. üb. d. natur 1 (1783) 306; man hat sie (die sympathie) in dem zusammenhange des geäders, der nerven, der hute und des zelligen gewebes ... gesucht allg. d. bibl. 4, 1, 212; zelliges gewebe auszerdem von Göthe II 6, 37; II 8, 188 W. und Zschokke s. schr. 11, 23 gebraucht; ferner: die zellige substanz der knochen des schädels Göthe II 13, 263; IV 41, 173 W.; eine einfache z-e lunge v. Bär red. 2, 378; Sömmerring menschl. körp. 8, 1, 247; Roszmäszler wald 37; u. a.; z. bereits von Adelung 2 4, 1681 angeführt; 2) kleine hohlräume bildend, a) in bienenwaben u. ä.: z-e wachsscheiben Ritter erdkde 1, 147; (die) z-en wohnungen (der nereiden) A. v. Humboldt ans. d. nat. 1, 164; (die z-e) structur (des brotes) Karmarsch-H. techn. wb. 3 2, 42; dicht.: aus z-em geweb die segel Fr. Rückert w. 3, 348; b) von gesteinen und erden, stärker als porös und schwammig; früh und dauernd reichlich bezeugt: auszerdem ... trift man ihn (den kalkspat) auch zellig A. G. Werner oryktognosie (1792) 156; ein z-er quarz Göthe II 9, 75; IV 37, 171 W.; Ritter erdkde 2, 390; (ein krater) voll schlacken und z-er lava A. v. Humboldt kosmos 4, 375; füllt ein dichtes mineral den raum nicht stetig aus, so zeigt es hohle zwischenräume, und man nennt es durchlöchert, porös, z., blasig, schwammig Oken allg. naturg. 1, 84; J. R. Zappe miner. hdlex. 3, 243; Lueger lex. d. techn. 3, 496; 3) rotwelsch: z. schattig v. Train chochem. losch. 136b.
 
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zellner, m., zellenbewohner, mönch:

hörst du es, zellner, nicht?
Klopstock s. w. 1, 176;

auch als familienname.
 
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zelluloid, n., gleich zellhorn 2; 1869 von John Wesley Hyatt erfundene, aus schieszbaumwolle und kampfer hergestellte, sehr elastische masse; dient zu kämmen, kapseln, schachteln u. ä.
 
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zellulose, f., gleich zellstoff 2.
 
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zelot, m., unduldsamer eiferer in religiösen und confessionellen dingen; nach dem griech.-lat. zelotes der vulgata (2. Mose 20, 5; 34, 14) und stellen des neuen testaments (ap. 21, 20 ζηλωταὶ τοῦ νόμου, eiverer uber dem gesetz Luther; auch Gal. 1, 14) seit den theologischen streitigkeiten nach der reformation gebräuchlich. in der regel schwacher flexion (ein starker acc. sing. bei H. Paul d. gramm. 2, 136), der nom. sing. einigemale mit -e: Hippel lebensl. 2, 499, Seume spazierg. 19. ältester beleg: die newen z-en, so umb unntige und frembde sachen fern und iren unzeitigen eyfer wider unschuldige und wolverdiente leut mit unverstandt entbrinnen lassen Mathesius Sar. (1562) 155b; E. Menius chron. Carionis (1564) 3, c 1b;

die Flatianer (anhänger des Flaccius) und zeloten
seint des teufels vorboten (1570)
H. Ziegler geschützinschriften 52;

P. Widmann hortulus (1627) 1, 50; Dusch verm. w. 35; Haller ged. 95 H.; danach recht häufig: ein ebenso eifriger z., doch mit etwas mehr verstand ausgestattet Bahrdt gesch. mein. leb. 2, 28; Herder 23, 470 S.; Pfeffel poet. vers. 9, 9; protestantische z-en Görres ges. schr. 4, 127; dem religiösen z-en Platen 3, 244 R.; ein moralischer z. H. Laube ges. schr. 1, 84; Rosegger schr. 14, 3. — zss.: zeloteneifer, m.: Herder 9, 176 S.; H. Marggraf büch. u. mensch. (1837) 168. — -geist, m.: Herder 9, 151 S. — -geschrei, n.: H. Heine 7, 102 E. — -partei, f.: Ritter erdkde 15, 131. — -thum, n.: ebda 13, 483; Döllinger akad. vortr. 1, 212.
 
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zelotisch, adj., religiös unduldsam: willkhr einer blinden z-en justiz Joh. Wetzel belzheger (1776) 2, 94; z. schimpfen portraits (1779) 160; z-e pfaffen Schubart leb. 1, 237; zwischen ... z en Muhamedanern Ritter erdkde 1, 169; je z-er protestantisch Görres ges. br. 3, 249; Ranke s. w. 37, 60; u. a.