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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
wurm bis wurmbeiszig (Bd. 30, Sp. 2226 bis 2259)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wurm, m., n. , kriechtier; schlange, drache; wurm (vermis), made, raupe; käfer, insekt. herkunft und form.
das wort ist gemeingerm.: got. waurms 'schlange' (s. W. Schulze kl. schr. 571); an. ormr 'schlange, drache', nisl. ormur 'wurm, schlange', norw. schwed. orm 'schlange', dän. orm 'wurm, made'; ae. wyrm 'reptil, schlange, drache, wurm', ne. worm 'wurm, made, raupe'; afries. wirm 'wurm' (nur bei Holthausen afries. wb. 130), fries. wjerm 'wurm'; mnl. worm, wurm 'wurm, insekt, schlange, drache', nnl. worm 'wurm'; as. wurm 'wurm, insekt, schlange', mnd. worm 'wurm, wurmartiges geschöpf, schlange'; ahd. mhd. wurm 'kriechtier; schlange, drachewurm; insekt'. dazu ahd. wormo und pl. worma 'vermi; culus (= color purpureus)', fries. worma, ae. wurma, wyrma, 'purpur' s. Kluge nom. stammbildungslehre § 64 anm. 1; Schatz ahd. gramm. § 13. wurm ist mit mi-formans zur schwundstufe der idg. wz. er- 'drehen, biegen, sich winden' gebildet. auszerhalb des germ. ist identisch: lat. vermis (< *ormis; gemeinsame grundform * mis), vgl. ferner böot. eigenn. Ϝάρμι-χος, aruss. vermie 'gewürm' (< *vrmje Trautmann bsl. wb. 343), klruss. vermjanyj 'wurmfarben, rot' und ablautendes gr. ῥόμος (σκωληξ Hesych), lit. varmas 'insekt, mücke', apreusz. wormyan, warmun, urminan 'rot', s. Walde-Pokorny 1, 271. — zur synonymik in den idg. sprachen vgl. die aufstellung bei Buck dict. of selected synonyms (1949) 193 f. (3. 84. worm) und 194f. (3. 85. snake).
senkung des stammvokals (u > o) ist für das nd. sowie für teile des angrenzenden md. gebietes seit frühmhd. /mnd. zeit nachweisbar: wormen (dat. pl.,: worden) Lamprecht Alexander (Straszburger hs., rheinfränk.) 4072 K. (aber: wurmes 1301 im versinnern); worm (:storm) Brun v. Schonebeck d. hohelied 2778 F.; (:storm) Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 2317 S.; des Matthias von Beheim evangelienbuch 94 B.; (1381) Magdeb. weichbildrecht 51 (§ 139) W.; (15. jh. anfg., rhein.-md.) mhd. minnereden II 26, 20 Th.; (1433) cod. dipl. Lusatiae sup. 2, 420; hs. d. erlösung (15. jh. md.) 940 B.; Diefenbach gl. 12c; 493c; 551b; nov. gl. 241a; 317a aus md. vokabularen des 15. jhs.; mlat.-hd.-böhm. wb. 282; Alsfelder passionsspiel 144 Gr.; Pfolspeundt bündthertznei 9 H.-M.; (1517, Anhalt-Leipzig) Trochus voc. rer. prompt. H 6b; Agricola sprichw. (1530) nr. 208; Luther w. (1521) 7, 567; (1528) 28, 80; pl. wrme (1543) 53, 616; tischr. (1530—1535) 1, 413; 6, 81 W. (neben vorherrschendem wurm). während die o-form nach Luther in der schriftsprache gänzlich zurücktritt, ist sie in den neueren maa.zumal im nd. und md.weithin bewahrt. sie gilt (landschaftlich zu woarm, waorm diphthongiert) in Oldenburg,

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Westfalen, Göttingen, dem Nordharz und Schleswig-Holstein, weiter östlich in der Altmark, Mecklenburg, Vorpommern und dem nd. teil Ostpreuszens. daran schlieszt sich im süden ein breiter md. worm-streifen: Düsseldorf, Barmen-Elberfeld, Siegerland, Aachen, Trier, die Pfalz, Handschuhsheim/Heidelberg, Darmstadt, Ober- und Niederhessen, Kassel, Sachsen, Nordböhmen, Schlesien, das Samland. doch reichen die formen noch in das nördliche (ostfränk. und badische) grenzgebiet des obd. hinein (Stadtsteinach /Bamberg, Henneberg, Taubergrund, Rappenau, Nordwestschwaben). auch in teilen der Schweiz (Bündner herrschaft, St. Galler Rheintal, Appenzell, Kesswil/Thurgau) sowie in der Baar (südwestschwäb.) ist die senkung u > o (vor r + konsonant) eingetreten, vgl. Jutz alem. maa. 89. demgegenüber besitzt die schriftsprachlich durchgedrungene u-form ihr mundartliches kerngebiet im obd. (Steiermark, Kärnten, Tirol, Österreich, Bayern, Nürnberg, Taubergrund, das hauptgebiet des alem. [Schwaben, Schweiz, Elsasz]). sie erscheint darüber hinaus in teilen des md., insbes. im westmd. (Lothringen, Luxemburg, Eifel, Siebenbürgen, Hessen, Siegerland), vereinzelt auch im ostmd. (Nordwestböhmen, Ostpreuszen). auf nd. boden haben das westfäl. (Soest, Hahlen) und Waldeck, ferner im äuszersten nordwesten das ostfries. (z. t. diphthongische) u-formen.
zwischen den auslautenden konsonanten -rm kann sich im ahd. (zeugnisse seit dem 8. jh.) ein sproszvokal entfalten (vgl. Reutercrona svarabhakti im altdt. 123—128 mit reichem material), jedoch nur auf obd. gebiet, da allein hier svarabhaktibildung zwischen r + guttural oder labial stattfindet (Braune ahd. gramm. § 69; Schatz ahd. gramm. § 117). im mhd. und frühnhd. nur ganz vereinzelt nachweisbar (pauch burem, moltwurem Diefenbach nov. gl. 241a; 347b aus einem obd. vokabular des 15. jhs.), aber in der gesprochenen sprache sicher weiterhin durchaus lebendig, worauf auch das zeugnis der neueren maa. weist: verbreitungsgebiete sind das nordfries. (Sylt, Helgoland mit würəm, wirəm, wurəm), das mittelfränk. (wurəm, wūrəm, worəm im luxembg., pfälz., lothring., nordsiebenbürg.), das schwäb. (wurəm, wūrəm), bad. (worəm Rappenau), ostfränk. (wūrəm, worəm im Taubergrund) sowie das alem. (z. b. wurəm Grindelwald, Mutten; worəm St. Galler Rheintal). im ostschwäb. und im süden der Schweiz kann der auslautende nasal in schwachtoniger stellung fallen (wūrə neben wūrəm), s. Jutz alem. maa. 240 (mit genauerer abgrenzung der gebiete); Fischer schwäb. 6, 989 f.
der wandel des auslautenden m > n, der im ahd. nur flexionselemente ergriffen hatte (Schatz ahd. gramm. § 273), erfaszt im mhd. und frühnhd., zumal auf alem. gebiet, auch das stammhafte m in haupttoniger silbe (Paul mhd. gramm. § 84, 6; Moser frühnhd. gramm. 1, 3, § 133, 2, anm. 5): wurn Rudolf v. Ems Barlaam und Josaphat 72, 31 K.; Walther v. Rheinau Marienleben 208, 23 K.; var. d. Heidelberger liederhs. (Zürich 14. jh.) zu Konrad v. Würzburg kl. dicht. III 25, 1 Schr. sowie zum Marner 14, 288; 15, 161 Str.; Hugo v. Langenstein Martina (Basler hs., 14. jh.) 117, 49 K.; wrn, wurn voc. optimus (14. jh., alem.) 42, 45, 46 W.; im reim mit verlurn noch um die mitte des 15. jhs. bei dem Württemberger Hermann v. Sachsenheim (meister Altswert) 232, 28 K.-H. durch ausgleich ist -n wieder beseitigt worden. die schreibung wurmb (Moser frühnhd. gramm. 1, § 29, 3) begegnet mehrfach während des 16. und 17. jhs.: (1567) österr. weist. 5, 774; volksb. v. dr. Faust 51 ndr.; Weckherlin ged. 2, 67 F.; Lehmann floril. polit. (1662) 1, 382; Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 152. genus und flexion.
genus (s. Grimm dt. gramm. 3, 362): neben die ursprüngliche und auch in jüngster zeit durchaus vorherrschende verwendung als m. stellen sich seit dem beginn des 19. jhs. einzelne fälle n. gebrauchs. sie bleiben auf wurm in der übertragenen, mitleidig-affektischen verwendung 'armseliges, hilfloses geschöpf (kind)' beschränkt (wofür

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im übrigen vielfach auch das m. eintritt) und dürften unter der einwirkung n. synonyme wie etwa kind, wesen, geschöpf stehen (A. Lasch berlinisch 293 verweist auf die parallele balg, m. und n.); vgl. ferner die n. diminutivformen würmchen, würmlein, würmel(e) in entsprechender verwendung. das n. behauptet sich in der literatursprache des 19. jhs. (Kleist, Tieck, Holtei, Gutzkow, Freytag, Spielhagen, Fontane, Hauptmann, s. die belege unter V 5 b γ und δ sowie Sanders wb. d. dt. sprache 2, 1681) und erscheint etwa gleichzeitig in der mundartl. gefärbten umgangssprache einzelner landschaften (Hessen, Berlin [Glaszbrenner], Obersachsen, Preuszen, Wien). eine auch die pluralbildung ergreifende unterscheidung zwischen wurm, n. 'armer wicht', pl. würmer, und wurm, m. 'vermis', pl. würme, wie sie Pfister 1. erg.-heft 8 für das hess. bezeugt, hatwenn überhauptnur sehr eingeschränkte geltung.der im 16./17. jh. mehrfach belegte akk. ein wurm deutet nicht auf n. gebrauch, sondern ist als lautlich-graphische schwundform (< ein'n) aufzufassen.
pluralbildung: der m. i-stamm wurm (pl.: as. ahd. uurmi, spätahd. uuurme, mhd. würme, mnd. worme) tritt seit der ersten hälfte des 15. jhs. in die reihe der wörter mit -er-plural über, der von haus aus nur den n. -iz-/az-stämmen zukommt, aber schon im ahd. n. a-stämme erfaszt und im frühnhd. auf masculina übertragen werden kann. die ursachen des flexionswechsels, der für wurm am ausgang des 18. jhs. im wesentlichen abgeschlossen ist, sind nicht befriedigend geklärt. jedenfalls erfolgt er unabhängig von der doppelgeschlechtigkeit des wortes (vgl. über die bedeutung n. nebenformen PBB 27, 221f.; 243); denn das n. wurm begegnet nicht vor dem 19. jh. (s. Paul dt. gramm. 2, 31; weiteres zur erklärung PBB 27, 253; 38, 223f.). — er-formen erscheinen zufrühest in bair.-ostfränk. quellen (Vintler pluemen d. tugent 9849 Z.; Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten [Augsburg 1511] 56a), sind aber schon in der ersten hälfte des 16. jhs. auch im alem. (N. Manuel todtentanz str. 60 Bächtold) und im md. nachweisbar (Agricola 750 sprichw. [1534] nr. 208; mehrfach, jedoch die zahl der würme-belege durchaus nicht erreichend, bei Luther, z. b. w. 15, 50; 33, 327; 41, 528; 47, 248; tischr. 2, 48 W.). bis um die wende vom 17. zum 18. jh. behaupten die r-losen formen würme, würm ein (ständig schwächer werdendes) übergewicht. in der ersten hälfte des 18. jhs. wird der neue plural vorherrschend. die form würme zieht sich zuletzt ganz auf den dichterischen sprachgebrauch zurück (Uhland, Tieck); bereits für Adelung 5 (1786) 309 gehört sie der 'höhern schreibart' an. zu einzelheiten vgl. Molz die substantivflexion seit mhd. zeit in PBB: 27, 253; 31, 359; Gürtler zur gesch. d. dt. -er-plurale in: PBB 37, 527f.; 38, 81; 91; 223f.; Kehrein gramm. d. dt. sprache d. 15.—17. jhs. 1, 164 (§ 280); Paul dt. gramm. 2, 32 f. in den heutigen mundarten (s. Friedrich in: zs. f. dt. philol. 33, 71) stehen die beiden pluralformen weithin nebeneinander: -er gilt im nordfries. (Sylt, Föhr, Amrum, Helgoland), nd. (Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Altmark, Nordharz, Göttingen), md. (Lothringen, Hessen; Obersachsen, Preuszen), ostfränk.-nürnberg., schwäb. u. österr. (Wien, Kärnten); -e im nd. (Elberfeld-Barmen, Westfalen, Göttingen, Altmark, Schleswig-Holstein), md. (Preuszen, Samland; Aachen, Siegerland, Luxemburg, Trier, Pfalz, Lothringen, Darmstadt, Hessen, Siebenbürgen) und in weiten teilen des obd. (Schweiz, Elsasz, Schwaben-Ostfranken, Bayern, Wien, Tirol, Kärnten, Lusern). — das ostfries. und einzelne nd. maa. (Schleswig-Holstein) kennen daneben den -s-plural.
flexivische besonderheiten: im späteren mhd. und frühnhd. tritt an den akk. und nom. sg. vereinzelt ein unorganisches -e: akk. einen bosen wurme väterbuch 10 571 Reissenberger; ainen wurme Konrad v. Helmsdorf spiegel d. menschl. heils 2462 Lindqvist (beide male im vers); nom.: ir wúrme erste dt. bibel 1, 157 K.; wurme (var. wurm) voc. incip. theut. Diefenbach gl. 520b; Schede-Melissus

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psalmen 82 ndr. die erscheinung ist auch mnd.: nom. sg. worme (1417 nd.) Diefenbach nov. gl. 148b; Veghe wyngaerden 207 R.die form des (r-losen) dat. pl. greift im frühnhd. gelegentlich auf den gen. pl. über (s. PBB 27, 246 anm.): der wrmen (1472) Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 80; der würmen Paracelsus opera 1, 98c Huser; Irenäus Adam u. Eva (1570) G 3a; Albertinus Gusman v. Alfarche (1615) 275; (1639) Mylius in: ev. kirchenl. 3, 22 F.-T.; Abr. a s. Clara mercks Wienn (1680) 57 und noch bei Haller (nach PBB 38, 223); s. auch wirmen als nom. pl. Follmann Lothringen 550. bedeutung und gebrauch (vgl. auch gewürm teil 4, 1, 4, sp. 6814 ff.).
I. 'kriechend sich fortbewegendes tier; kriechtier, reptil'; ein nur den älteren sprachstufen eigener gebrauch (s. Grimm dt. gramm. 3, 362), der an häufigkeit und verbreitung hinter den spezialisierenden anwendungen des wortes (wurm als bezeichnung einzelner arten kriechender tiere wie anguis, draco, vermis) weit zurücksteht. ob in ihm ursprüngliches nachlebt (wurm 'sich windendes'), musz zweifelhaft bleiben, umso mehr, als die belege ein dem germ. fremdes, von auszen herangetragenes begriffsschema sprachlich ausfüllen helfen. die anschauung einer natürlichen vierteilung des tierreiches (nach den vier arten der fortbewegung: laufendkriechendfliegendschwimmend) ist im alten testament vorgeprägt (gen. 1, 20—25 [mit zusätzlicher unterscheidung iumenta/bestiae, doch vgl. 1, 26]; deut. 4, 17—18: similitudinem omnium iumentorum, quae sunt super terram, vel avium sub caelo volantium, atque reptilium, quae moventur in terra, sive piscium qui sub terra morantur in aquis) und lebt als topos im latein. mittelalter fort (leo rex est omnium bestiarum, aquila cunctarum avium regina esse videtur; cetus universorum est piscium imperator, basiliscus princeps est quorumlibet reptilium et serpentium, Buoncompagno, rhetorica novissima, zitiert nach Schönbach in: WSB 145, 9, 2). sprachlich entspricht der lat. vierergruppe bestiae (iumenta) — aves (volucres) — reptilia (serpentes) — pisces im dt. tier (vieh) — vogel — wurm — fisch. auch verbale umschreibungen begegnen, bekannt vor allem:

(ich) sach die vische fliezen,
...
swaz kriuchet unde fliuget
und bein zer erde biuget,
daz sach ich
Walther v. d. Vogelweide 8, 32 Kr.

(s. Wilmanns zur stelle). mit der bibl. überlieferung hält sich die formelhafte verbindung (wurm zuletzt wohl verstanden als 'vermis') bis in die neuzeit hinein lebendig, doch sind nicht immer sämtliche vier glieder im sprachlichen ausdruck verwirklicht, auch schlieszen sich zweierpaare enger zusammen (tiere und vögel teil 11, 1, 1, 374; stabend fisch und vogel teil 12, 2, 391): (ae.: ne wyrce ge eow ... nane anlicnyssa ... ne fugeles, ne wyrmes, ne fisces Aelfric deut. 4, 18 Crawford); vuanda in dirro uuerltsconi mit uns puent tier unde uuurme Notker 2, 594, 91; 199, 23 (24); 629, 13 P.; bestie et uniuersa pecora. serpentes et uolucres pennate. vualdtier unde lliu feho. uuurme unde fogele ders. 2, 603, 13;

allez daz lebentich was, ez uluge gienge oder chras,
wrm oder tiere die chomen uil schiere Milstäter genesis 11, 5 Diemer; vgl. 4, 13; 8, 10; 29, 3;

diu tier in dem waldeir weide liezen stân.
die würme, die dâ soltenin dem grase gân,
die vische die dâ soltenin dem wâge vliezen,
die liezen ir geverte Kudrun 389, 2 Martin-Schröder;

in elementen vieren
vier geschepfde hânt ir leben:
in dem lufte ein vogel und in dem wâge ein visch,
in dem viur ein wurm und in der erde ein klein tierlîn.
vogeln, vischen, tieren,
würmn hât got selch natûre gegeben,
daz ein ieglîchz ist in sîner arte frisch
der Marner 14, 228 Strauch;

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gotes gebot niht übergât
wan der mensche, den er geschaffen hât;
vische, vogele, würme und tier
hânt ir reht baz danne wir
Freidank bescheidenheit 5, 13 Bezzenberger;

tiere vnd wurme in wustung ..., schuppentragender vnd slipferiger fische in dem wage zuwachsung vnd merung ackermann a. Böhmen 8, 10 Hübner;

perg und auch tal, des voglin schal,der visch im wag,
all würm und tier, gelaubet mir,was ich euch sag,
...
erkent und lobt got
Oswald v. Wolkenstein 94, 10 Schatz;

meynsschen, beesten, vogele, dieren,
vysschen, wormen, was god visieren
cnde und was her ye geschef,
daz waz al tzo des meinsschen behef mhd. minnereden 26, 20 Thiele;

pildnuss in gestalt aines mans oder weibs oder viechs auf erden oder der vogel im lufft oder wurme in der erden oder der visch im wasser Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 591; 177 R.;

was auff erd lebet inn gemein,
vögel, thier, würme, sampt den vischen (1530)
Hans Sachs 1, 436 lit. ver.;

die würme, die nur schleichen,
die schnellen fisch im meer,
das wild in den gesträuchen,
der vögel leichtes heer
Simon Dach ged. 429 Öst.

die viergliedrige formel noch bei Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 4 (zitiert teil 12, 2, 391). — vgl. zum vorausgehenden die reptile-glossierungen in vokabularen des 14.—16. jhs. Diefenbach gl. 493c; nov. gl. 317a sowie im altengl.
II. schlange; drache; schlangen-, drachenartiges untier.
der gemeingerm. verbreitete, im ahd. und mhd. kräftig entfaltete gebrauch bewahrt in ausläufern bis zum ende der frühnhd. zeit (zuletzt namentlich bei obd. schriftstellern) lebenskraft und wirkt in den neueren obd. maa. (sowie in zuss. und in namen) noch fort. die nhd. vertretungen der seit alters im wettbewerb stehenden sinnverwandten ahd. slango, tracho drängen wurm, das sich nunmehr auf den sinn 'vermis' und 'made, käfer, insekt' eingrenzt, in frühnhd. zeit ebenso zurück, wie sie ahd. mhd. unc 'schlange, natter' (> nhd. unke 'kröte') und mhd. serpent 'schlange, drache' zum weichen bringen. die vokabulare des 14./15. jhs. setzen für lat. draco bereits fast ausnahmslos drache, trache, für serpens nur noch slange (Diefenbach gl. 191a; 530a), wennschon spuren der alten bezeichnung hier wie noch in den obd. wörterbüchern des 16. jhs. nicht gänzlich erlöschen (glossierungen wie die des lat. amphisbaena Diefenbach gl. 32a; nov. gl. 21b stehen allerdings auch stark unter traditionszwang). kennzeichnend für die endzeit des wortgebrauchs sind die erläuternden paarformeln schlange und wurm, wurm und drache, für die sich die belege im 16. jh. mehren. die dichter der klassischromantischen zeit haben wurm als bezeichnung des drachen und der schlange neubelebt, doch hat das wort auszerhalb der gehobenen literatursprache nicht wieder wurzel gefaszt. zwischen den anwendungen 'schlange' (1) und 'drache' (flügelschlange als fabelwesen) (2) ist nicht in allen fällen sicher zu scheiden; hier und da bezeichnet das wort wie das mnl. worm (Verwijs-Verdam 9, 2812) auch nur unbestimmt ein schlangen- oder drachenartiges untier (3). in eigener tradition steht wurm als bezeichnung der paradiesesschlange und danach des teufels (4). in allen diesen anwendungen verbindet sich wurm mit charakteristischen beiwörtern, wie stark, wild; giftig; vreislich, ungehiure; arg, böse. ihr fehlen in ahd. zeit bestätigt, dasz sie dem (vielleicht älteren) formelbestand der mhd. dichtersprache entstammen, der erstarrt in frühnhd. zeit fortlebt. nach der wiederaufnahme im späten 18. jh. bleibt wurm kennzeichnenderweise wieder beiwortlos, abgesehen von der festen verbindung höllischer wurm (4), für die besondere voraussetzungen gelten.

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1) 'schlange, schlangenähnliches tier (eidechse, molch)'; auch 'frosch, kröte, schildkröte'; zur synonymik in der älteren sprache vgl. Grimm dt. gramm. 3, 362: (got.: sai, atgaf izwis waldufni trudan ufaro waurme jah skaurpjono ἰδοὺ δέδωκα ὑμῖν τὴν ἐξουσίαν τοῦ πατεῖν ἐπάνω ὄφεων καὶ σκορπίων Luk. 10, 19. as.:

so samo so the glauuo uurm,
nadra thiu feha [sicut serpentes Mt. 10, 16] Heliand 1877 Sievers).

batis nomen serpentis (vgl. corp. gloss. lat. 4, 210, 6 Sangallensis 912) uuurm (uurm gl. K.; Ra.) namo natrun Pa. (8./9. jh.) ahd. gl. 1, 56 (57), 27—29 (batis uermis nomen serpentis R. 1, 57, 27); batus (= batis) uuurm Pa. ahd. gl. 1, 56, 30 (uurmchunni gl. K.; Ra. 1, 57, 30); hedri uurmi Pa.; Ra. (uuarmi gl. K.) ahd. gl. 1, 168 (169), 27; (attoniti squamis adstantibus) hydri vurmi (11. jh.) ahd. gl. 2, 641, 70 (Vergilglossen, Georg. 3, 545); (quinquaginta atris immanis hiatibus) hydra uvrm (11. jh.) ahd. gl. 2, 657, 43 (Aeneis 6, 576); coluber uurm (10. jh.) ahd. gl. 3, 17, 61 (gruppenglossar); (niveis tradit deus ipse columbis pinnatum ...) colubrum wrm (11. jh.) ahd. gl. 2, 594, 3 (gl. z. psychomachie des Prudentius v. 789); anguis uurm (11./12. jh.) ahd. gl. 3, 454, 18 (einzelglossar de vermibus); der hirz slindet den uuurm unde ilet danne ze demo uuazzere Notker 2, 153, 20 P.; acuerunt linguas suas sicut serpentes. sie habent iro zunga geuuezzet also uuurme ders., 2, 581, 8 P.; also Herkuli geskah to er den vuurm slahen solta der grece heizet ydra latine excedra ders., 1, 272, 15 P.;

der wâpenroc gap planken schîn.
ime berge zAgremuntîn
die würme salamander
in worchten zein ander
in dem heizen fiure
Wolfram v. Eschenbach Parzival 735, 25 L.;

merket alle drierlei worme,
die mit vorgift vechten storme:
aspis, tyr und basiliscus
Brun v. Schonebeck das hohelied 2778 Fischer;

vil wilder wúrme htent sin (des pfeffers)
biz das ez zitic wirt irchant:
so das geschiht, so koment zehant
die lant lúte, als si sint gewon,
und tribent mit fúre davon
die slangin groz die man da siht
Rudolf v. Ems weltchron. 1517 Ehrismann;

Idra heizet ein freislich wurm,
gegen dem tet er (Herkules) ouch strîtes sturm:
daz houbt er von dem wurme sluoc
Ulrich v. Eschenbach Alexander 9941 Toischer;

du scholt auch wizzen, daz die maister etswenn die slangen auch würm haizent Konrad v. Megenberg buch d. natur 286, 32 Pf.;

die sechste keich (gefängnis) ist wunder reich
von würmen, atern, slangen, sleich
Oswald v. Wolkenstein 98, 50 Schatz;

amphisibea zweihptiger wrm vel slange (15. jh. anf. obd.) Diefenbach nov. gl. 21b; stellio ('sterneidechse') sprinkelecht worm (15. jh. obd.) gl. 551b; nov. gl. 347b; lacerta eghedisse, eyn worm (15. jh. nd.) nov. gl. 225b; syne finger ..., mit denen er (Herkules) die zwen würm zerknistet Steinhöwel de claris mul. 84 lit. ver.; der salmander ist ein schlang oder ein wurm, der vszwendig des feuers nit leben mag Keisersberg brösamlin (1517) 2, 45a;

die schlang wert sich nach ihrer art
mit stechen, beyssen und dem gifft.
dem hund sie grosses leyden stifft.
also der hund mit grossem sturm
hin und her rucket mit dem wurm (1531)
Hans Sachs 2, 275 lit. ver.;

die vberwunderbarliche molla, schlange oder wurm, die man salamandra nennet Thurneysser magna alchymia (1583) 4; sie waren auch in solchen vnsinnigen aberglauben gerathen, dasz sie vberdisz die schlangen vnd gifftigen würme, gleich als der götter boten ... ehreten Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, A 3b;

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halb todt wir all von dannen flohen,
die beede würm daher starck zohen,
vnd auff Laocoontem trangen
Spreng Äneis (1610) 27b;

als ich auf die buche gestiegen, wurde ich zweyer würm gewahr, die ich vor zwo erschreckliche schlangen ansahe Grimmelshausen 2, 492 Keller; giftige würmer vermes venenosi, serpentes, angves, et aspides Stieler stammb. (1691) 2584 (s. a. Kramer t.-ital. 2 [1702] 1407c); die bösen geister ... unter abentheuerlicher gestalt der schlangen und grossen würme Chr. Lehmann Oberertzgebirge (1699) 17. in den neueren obd. maa. zumal des randgebietes halten sich reste dieses gebrauchs; so im schweiz. (z. b. Friedli Bärndütsch [Grindelwald] 2, 201; 217; Clauss Uri 47; Hunziker Aargau 304 'veraltet, aber noch verstanden'), im tirol. (Schatz 715), kärntn. (Schlegel reise durch d. mittägl. Deutschland [1807] 402), zimbr. (Schmeller-Bergmann 113) und lusern. (Bacher 236). zeugnisse aus dem md. und nd. bereich (Crecelius Oberhessen 926; Mensing Schleswig-Holstein 5, 689 ['kreuzotter']) bleiben dagegen gänzlich vereinzelt.
in der gehobenen literatursprache seit dem ausgang des 18. jhs. neubelebt: dort läge denn also die ausgewachsene schlange. der wurm, der entschlüpft ist, wird zwar mit der zeit auch gift brüten, hat aber doch für jetzt noch keine zähne Bürger s. w. 300 Bohtz;

dann hat er uns bescheidentlich verschwiegen,
wie er als kind die otter überwand,
die er um seiner schwester arm sich schmiegen,
um die entschlafne fest gewunden fand.
die amme floh und liesz den säugling liegen;
er drosselte den wurm mit sichrer hand
Göthe I 16, 177 W.;

nachdem sich der wurm ... vor dem fürsten geneigt, führte er ihn an das ufer eines wassers, wo auf seinem nest ... eine übergrosze kröte sasz br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 76; die schlange Empusa in Afrika, die oben ein schön weib und unten ein garstiger wurm ist (1854/55) W. Raabe s. w. I 2, 317;

die bulle schmeiszt er flink hinein (ins feuer),
wie Paulus schlenkert in den brand
den wurm, der ihm den arm umwand (1883)
C. F. Meyer br. 159 Langm.


mhd. und frühnhd. schlieszt wurm als sammelbezeichnung auch 'frosch, kröte, schildkröte' ein: diu krot ist ain vergiftiger wurm und hat ain schelmig gesiht Konrad v. Megenberg buch d. natur 295, 26 Pf.; schiltkrot ein wurm ... cortus, voc. theut. (Nürnberg 1482) cc 5a; alle kleine frösch vnd der glichen würm vff der erden oder in wassern vnd fischlin verschlucken sye (die enten) Petrus de Crescentiis v. d. nutz d. ding (1518) 142b; das weyne ich, das mich got so ein feyne creatur geschaffen, nit szo ungestalt wie den worm (er zeigt auf eine kröte), und ich das nie erkennet Luther 7, 567; 45, 99 W.; diese beyde abscheuliche würme (kröte u. schlange) Grimmelshausen 2, 483 Keller.
2) 'drache'; im ahd. nicht bezeugt (vgl.: dar ist inne diser zaligo draco [übergeschr.: traccho], serpens antiquus [übergeschr.: der alto uuurim] Notker 2, 440, 11 P.).
mit dem heldenepos und der höfischen und geistlichen fabulierdichtung der mhd. zeit setzt sich der wortgebrauch durch, vgl. die zahlreichen belege in den mhd. wbb.:

ein wurm wûchs dar inni,
der irdranc alli brunni ...
der vreissami drachi (12. jh. anf.) lob Salomons 5b, 9 (MSD 1, 126).

er bleibt bis in das 17. jh. lebendig: also erlöst der chönig Derthat die Römer von dem wurm Schiltberger reisebuch 103 lit. ver.; (in Beirut) zeigt man die statt da st. Geörg den wurm getödt hat (1483) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 119; ein gyftiger wurm oder trach ebda 392; (im wilden gebirge,) da vil ungehürer tyeren und menger grosser wurm inne wonttent Etterlin kronica (1507) 7b; (ein tischgast erzählt,) wie

[Bd. 30, Sp. 2233]


Wolff Dietrich würm erschlg Scheit Grobianus v. 2260 ndr.; dero zit was ein grosser trackh oder wurm im land Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 146; (der mann) saget herr(n) Tristranten, dasz ein grosser vnnd grausamer drach in dem knigreich were ... herr Tristrant fraget, an welchem ende der wurm were ... als er nun den serpenten erschlagen hatt, schnitt er jhm die zungen ausz dem rachen buch d. liebe (1587) 82c; es hatt vor zytten jn den wildinen vnd bergen vmb die statt Lucern ... treffenliche grosse würm vnd tracken ghept ... vnd aber allwegen, so man einen solchen tracken oder wurm hinwegfüere, sölle ein schädlicher wasserguss ... ervolgen Cysat in: Brandstetter R. Cysat, begründer d. schweiz. volkskde (1909) 50;

ir lieben getreuen, euch ist bekandt,
dasz wir haben in vnserm landt
ein grossen vngeheuren wurm
mit einem sehr erschrecklichen furm,
der vns beschedigt vieh vnd leut
Ayrer dramen 1039 lit. ver.;

(es) ward ein vnreiner wurm vnd grausamer track darinn (in dem lande) gefunden Stumpf Schweizerchron. (1606) 534a; es (Worms) hab den namen behalten von dem grossen wurm oder trachen Quadt v. Kinckelbach teut. nation herligkeit (1609) 145; es hat der allmechtige gott diese insel vor 200 jahren mit einem grawsamen wurm oder gifftigen drachen zu straffen heimgesucht Heberer Aegyptiaca servitus (1610) 198. am ausgang des 18. jhs. vor allem durch Schiller und die romantiker wieder in die literatursprache eingeführt:

und wo des bauches weiches vliesz
den scharfen bissen blösze liesz
da reiz ich sie den wurm zu packen
Schiller 11, 277 G. (kampf mit dem drachen);

dich Sigurd ...,
des Faffners tödter, des gewalt'gen wurms
Fouqué held d. nordens (1810) 1, 66;

hättst du sie dort gesehn im drachenhorst,
wie sie sich mit dem wurm zur wette bäumte
Grillparzer s. w. 5, 167 Sauer;

Fafner, der wilde wurm
lagert im finst'ren wald
R. Wagner ges. schr. u. dicht. 6 (1898) 86 (Siegfried).


3) '(drachen-, schlangenartiges) untier; ungeheuer':

nu was da bi gelegen ein lant,
daz hete einen viant,
einen bosen wurme, der da quam,
von dem das volc schaden nam
(bestia quaedam, quae hippopotamus appellatur) väterbuch 10 571 Reissenberger;

wier richten hie ein gejade zu mit wilden wurmen, genant dy sbarzen beeren (1490) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalters 1, 287; das wasser war vol boeser wurme und mehrwunder Luther 29, 499 W.;

o crocodil, du wilder wurm! bei
Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 143.


4) die schlange im paradies; übertragen (wie mhd. slange, trache, serpant, unc) der teufel; vgl. auch mhd. hellewurm, lintwurm in entsprechender verwendung (dazu W. Grimm in der einleitung zu seiner ausgabe der gold. schmiede Konrads v. Würzburg LIII): swaswe waurms Aiwwan uslutoda filudeisein seinai (ὡς ὁ ὄφις Εὔαν ἐξηπάτησεν ἐν τῇ πανουργία αὐτοῦ) 2. Kor. 11, 3;

der wrm ungehivre sr uil tivre
daz si niht ersturben swie sat si uon dem obiz wrden Milstäter genesis 13, 27 Diemer; vgl. 16, 21;

do er (gott) sich an dem wurm gerach,
z dem wibe er do sprach anegenge 18, 72 Hahn;

wie der mensche wart erlôst
von der helle sturme,
von dem tûfelischen wurme,
der uns verleitet hêt alsô erlösung 940 Bartsch; vgl. passional 4, 3 Köpke;

das ich nicht wil verschrenken
den giftikleichen wurm,
der mir die sel maint krenken
schärffleich mit hertem sturm
Oswald von Wolkenstein 91, 46 Schatz;

[Bd. 30, Sp. 2234]


jha, sagt der teuffel, gott hats gebotten? (vom baum der erkenntnis zu essen) flucht unserm herrgott und lernet Adam auch fluchen, und folget dem gifftigen wurm (1538—40) Luther 47, 66 W.; vgl. tischr. 5, 631 W.; der böse wurm pflegt seinen trewen dienern zu letzt also zu lohnen (1539) ders., 50, 409 W.; der teuffelische wurmb (Beelzebub) schwang in solche klufft hineyn mit d. Fausto (1587) volksbuch v. dr. Faust 51 Petsch; als nun der wurm der finsternisz sah das gebot gottes (1619) J. Böhme s. w. 3, 103 Schiebler; der höllische wurm il verme (serpente) infernale Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407c; wer beredete sie (die engel) zu dem schändlichen aufstand (wider gott)? der höllische wurm Bodmer slg. crit. poet. schr. (1741) 1, 3; dasz ich dich hasse — hasse wie den wurm des paradieses (1783) Schiller 3, 158 G.;

sie sagen, es sei der höllische wurm,
der singe aus mir, zu der menschen verderben moderne dichtercharaktere 250 Arent-C.-H.


5) zu anfang des 16. jhs., namentlich während der reformationszeit und vor allem in den schriften Luthers erfährt wurm als verächtlich-herabsetzende bezeichnung für menschen nochmals eine stärkere belebung, vorwiegend in den fügungen giftiger, böser wurm. vgl. dazu verwendungen wie: (die Juden) hielten jhn (Christus) für den schedlichsten worm, so ihe auff erden komen were Luther 28, 80 W.; also helt die welt uns aposteln und prediger des euangelij ... für die gifftigsten würme und grosste plagen auff erden uber krieg, pestilentz ebda 46, 15; ouch sagt man, eyn katz syg der nün bösen würm einer (1521) Karsthans 77 Burckhardt; ein böses weib ist vber alle böse würme Agricola bei Schulze bibl. sprichw. (1860) 117; wer da wissen wil, was ein weib oder frewlein sei ..., der sol sie keines weges halten oder ansehen für ... der sieben bösen würmen einer, sonder sol sie ansehen und halten für gottes geschöpff M. Chr. Irenäus Adam u. Eva (1570) G 3a.
a) allgemein für den gottes gebot zuwider lebenden, moralischer verderbnis verfallenen menschen der 'welt', auch mit der nebenvorstellung des falschen und heimtückischen: 'der gerecht fürcht sich nicht für solchem geschrey' (lästerung, nachrede); er weys, das es gut und gerecht ist, aber die bösen würme müssens besüdeln und beschmeysen (1526) Luther 19, 331 W.; wie jtzt solcher gifftigen bosen wurme viel sind, die sich widder uns auffs aller bitterst erzeigen (1532) ebda 32, 364; (die kornwucherer sind) gifftige wurm, quod freude haben, quod aliis ubel gehet (hi sunt pestilentissimi serpentes) (1531) ebda 34, 1, 334; (die hl. schrift) hat zu schaffen mit geistlichen würmen und scorpionen, die vor der welt ein schein haben der heiligkeit (1530/35) ders., tischr. 1, 572 W. vereinzelt der mensch schlechthin in seiner kreatürlichen sündigkeit: der thürhütter hie (im evangelium) ist der prediger, der das gesatz rechtt leeret, nemlich, das es nur da ist und zayge uns was wir für kreütle sein und wie gifftige würme wir sind (1526) w. 10, 1, 2, 289 W.
b) im theologischen streitschrifttum der reformationszeit, namentlich bei Luther als schimpfwort für den konfessionellen gegner: mer secten im orden seynd dann tag im jar, conuentales, marttiniani, obseruantini ... wer kan die würm vnd das geschwürm alles ertzelen Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 48 ndr. (vgl. DWB gewürm teil 4, 1, 4, sp. 6827); drey ding hatt Rhom am meysten, alte türm, vorgifftig würm, schendliche kirchen Hutten opera 4, 266 Böcking; das er (Alveld) mich schillit eynen ketzer, unsinnigen, blinden, narren, besessenen, schlangen, vorgifften wurm (1520) Luther 6, 290 W.; ich habe manche böse that von cardinalen gehöret vnd gesehen, aber einen solchen vnuerschempten bösen wurm hette ich e. cardinalische heiligkeit nicht gehalten (1536) ders., bücher u. schr. 6 (1568) 361a; wie hertzlich gon ich das dem verzweivelten bosen wurm (erzbischof Albrecht) zu Meintz, der des unglücks alles bisher meister gewest ders., br. 10, 125 (monstro illi Moguntino 10, 118) W.; gott hette ihn (Luther) wunderlich wider den greulichen

[Bd. 30, Sp. 2235]


wurm, den babst, gefuret (1539) bei Luther tischr. 4, 432 W.; (Witzel) sich zu dem gifftigen wurm vnd vffrhürischen menschen Jacob Straus gehalten hat Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken (1539) F 7a. auch für Juden und Sarazenen: ich hoffe, die Jüden, wie gifftig, böse wörme sie sind, werden sie ja nicht sagen können, das wir diesen spruch (5. Mose 18, 15) ertichtet haben (1543) Luther 53, 616 W.;

drumb wollestu, o herr, doch dieses volck beschirmen,
so dein grab hat errett' von den vergifften würmen
Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) 2, 82.


c) wie drache als bezeichnung eines zänkischen, unleidlichen weibes: der teufel würde in (den landsknecht) sunst mit dem bösen weib und kifechten wurm ewiglich beschissen haben (1556) J. Frey gartenges. 62 Bolte; der böse wurm sitzt vielmal in der kirche und hat das buch umgekehrt Weise Catharine 106 Fulda. vom schlangenhaft falschen wesen: komm in deiner ungeheuren fruchtbarkeit, schlange, spring an mir auf, wurm (Louise) (1784) Schiller 3, 499 G.
III. insekt, käfer, käferlarve. in dieser verwendung seit den anfängen der bezeugung auf hoch- und niederdeutschem gebiet nachweisbar (in gleichem sinne mnl. worm Verwijs-Verdam 9, 2811); vgl. dazu vogel teil 12, 2, 394 (benennung vogelähnlicher lebewesen wie fliegen, bienen, schmetterlinge, heuschrecken, fledermäuse); ferner die zusammensetzungen mit -wurm 'käfer' im zweiten glied; häufig erscheinen die diminutivformen würmlein und würmchen:

huuand it rotat hir an roste, endi regintheobos farstelad,
uurmi auuardiad, uuirdit that giuuati farslitan,
tigangid the glotuuelo Heliand 1645 Sievers

(Mt. 6, 19: nolite thesaurizare vobis thesauros in terra, ubi aerugo et tinea demolitur; dazu Hrabanus: aliae [res] ... a vermibus vel putredine solvuntur, ut sunt vestes et vasa lignea); glis ... gljmo der uurm (9. jh.) ahd. gl. 4, 230, 35 ('glühwürmchen', s. gleim teil 4, 1, 4, sp. 8285); de keiser Arnolt ward siek unde starf von den wormen, de den luden sin an den clederen Eike v. Repgow sächs. weltchron. 156 Weiland; wenn dy ben (biene) ein wilde worm ist (1381) sächs. weichbildrecht 51 (§ 139) Walther; was in den wipffeln von den würmelyn (ameisen) vermackelet ... ist, das soll man mit den henden zerriben Petrus de Crescentiis vom ackerbau (1518) 55a; in diesser insel (Zypern) wachssen in den aeckern viel würm, heissendt die heuschrecken (1521) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 384; alle böse würm, so da schaden thun im felde, raupen, fliegen, zwifalter, emmeisse, kefer, brenner und der gleichen geschmeis Luther gl. zu 2. Mos. 8, 21 (bibel 3, 241 W.); ist diser (irdische) schatz oder got an kleydern, so msz man seiner warnemen und bschützen vor den allergeringsten würmlin, vor den schaben, das jhn die nicht verderben (1526) Luther 10, 1, 2, 374 W.; tipula ... ein kleins würmle oder wasserspinn mit sechs füssen, also leycht dasz sy nit im wasser vndergadt Frisius dict. (1556) 1312a; also auch umb Elbing schädliche wrme in gestalt der krebse gefunden (16. jh.) Himmelreich Elbinger chron. 11; tineae corrodunt vestem die motten gnagen das kleid, die wrm sein in dem kleide nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 169; zweyfalter oder zwiefalter ... ist ein würmlein, so da fleuget Gueintz dt. rechtschreibung (1666) 173;

die kleinste creatur erhebt des schöpfers preis,
ein fliegend würmgen zeigt witz, vorsicht, kunst und fleisz.
es hat kein sterblicher bishero noch entdecket,
was für ein wunderwerk in einer biene stecket
Brockes ird. vergnügen (1721) 2, 35;

wurm (vom goldkäfer) ebda 1 (1744) 100; wann eine ameise einen hohen baum hinan klimmet, ... so ist und bleibet sie doch ein wurm, wie sie war, als sie an der erden kroch Scriver seelenschatz (1737) 1, 839a;

ich lerne dann,
ob eine seele das goldene würmchen (frühlingskäfer) hatte (1759)
Klopstock oden 1, 135 M.-P.;

[Bd. 30, Sp. 2236]



der leuchtende wurm (johanniskäfer) ist nicht allein (1772)
Herder 29, 366 S.;

die bunten schmetterlinge und die beflügelten würmchen fliegen wieder froher im sonnenschein S. Gessner schr. (1777) 1, 42;

o geb' ein guter gott uns auch dereinst
das schicksal des beneidenswerthen wurms,
im neuen sonnenthal die flügel rasch
und freudig zu entfalten
Göthe I 10, 230 W.;

die würmchen summen lustig durch die blätter,
die blümchen schließen ihre augen auf
Grillparzer s. w. 11, 124 Sauer;

marienvogel kleine ...
ist er (der finger) nicht ein hoher turm
für so kleinen roten wurm?
W. Raabe s. w. I 1, 82.


aufschluszreich sind die lexikalischen zeugnisse des spätmittelalters: cicindela ('glühwürmchen') schinentter worm (15. jh. obd.) Diefenbach nov. gl. 88b; rimea (= tinea?) mutte, ein worm (1425 nd.) gl. 498c; myocia teke, eyn worm (16. jh. nd.) nov. gl. 254a; crabrona ('hornisse') ein bse fliegender wurm (1440 md.) gl. 154c; tarantula eyn vorgiftich worm (15. jh. nd.) nov. gl. 358b; scorpio werre, ist ein vergifftiger wurme (voc. incip. theut. ante lat.) gl. 520b. — zu würmchen: lucipeta ('glühwürmchen') en vleghende wormekin (1425 nd.) Diefenbach gl. 337c; lens ('nisse, lausei') nete, eyn clene wormeken in den haren (15. jh. nd.) nov. gl. 231b; s. Schiller-Lübben mnd. wb. 3, 179; zu würmlein: nachtscheinent wurmelein noctilia, noctiluca vocab. theut. (Nürnberg 1482) x 1b; s. auch Diefenbach gl. 381c; Alberus nov. dict. genus (1540) Xx 2a; Frisius dict. (1556) 870b; fischbüchlein (Nürnberg o. j.) 45. in den neueren maa., zumal des nd. gebiets, tritt wurm an die stelle von käfer (Mecklenburg-Pommern, verstreut märkisch und ostmd.) und motte (Emsland [vgl. auch ter Laan Groningen 1216 ] und verstreut im nd.), s. Mitzka dt. wortatlas 1 (1951) karte 24; 33; ferner Schütze Holstein 4 (1806) 375 ('käfer'); Frederking Hahlen 178 ('insekt'); Müller-Fraureuth sächs. volkswörter 51 ('kerbtiere, maikäfer'); Kisch Nösner wörter 175 ('käfer'). in der diminutivform: das wermla käfer Knothe Nordböhmen 547; wiemla, wormla 'kleiner wurm', 'kerbtier, biene' Stauf v. d. March nordmährisch 96.
namentlich bezeichnet wurm schädlinge (käfer und käferlarven), die organische substanzen zernagen.
1) holzwurm (bohrkäfer, borkenkäfer und deren larven), in lebendem oder totem holz; s. auch Unger-Khull steir. 640 (fliegender wurm 'borkenkäfer'); Krauss nordsiebenbürg. handwerkssprachen 1081:

dû bist sam der cêderboum,
den dâ fliuhet der wurm,
Sancta Maria Melker Marienlied in:
Müllenhoff-Scherer denkm. 31, 153;

daz (gleichnis vom wurmzerfressenen baum) bezeichnet den
der uzen wole redet man
unde ualsches in deme herzen phleget.
er dunchet uzen uol,
sin mt ist innen hol:
den hat der wurm gehechet Rolandslied 1974 Wesle;

do gelanget an ein rat, wie solichs (holz) der wurm angriffen het (um 1470) Tucher baumeisterb. d. st. Nürnberg. 79 lit. ver.; andere die betten in irem husz, vnd msz gantz stil vmb sie sein, sie yrret wann nur ein wurm in ein holtz naget oder nur das gieszfasz tropfft Keisersberg brösamlin (1517) 1, 28b; solches (dasz ein baum wurmstichig wird) ist nicht unsers herren gottes schuld ... sonder der würm und des unzifers (1544) bei Luther 52, 451 W.; nullum puta sine teste locum die meusz vnd würm im balcken hren auch S. Franck sprüchw. (1545) 1, 72a; die bäum haben grosse anstösz vnnd mancherley vngemach von wind vnd regen ..., von würmen, vogeln vnd andern thieren M. Walther erläuterung d. proph. Daniel (1645) 1, 521; hole bäume, welche inwendig von den würmern oder sonsten woher

[Bd. 30, Sp. 2237]


zerfressen oder ausgehölet seyn Prätorius winterfl. d. sommervögel (1678) 92; die kunst der zeichnung unter den Ägyptern ist einem wohlgezogenen baume zu vergleichen, dessen wachsthum durch den wurm ... unterbrochen worden (1763) Winckelmann w. 3 (1809) 4; stille ..., die den nie ruhenden wurm in den alten meubeln hörbar machte Arnim s. w. (1853) 15, 67; nach 2—3 wochen kommt der schwarzbraune käfer (bostrychus typographus) zum vorschein, welcher auch unter dem namen des schwarzen wurms bekannt ist Oken allg. naturgesch. 5 (1836) 1679; die vergoldeten stühle ... sind doch von holz und der wurm verschont es nicht W. Grimm in: briefw. zw. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 347; um ... den wurm zu vermeiden, musz der baum vor ... ende januar gehauen ... werden Rossmässler d. wald (1863) 526; immer wieder werden welche (ikonen) notwendig; (nämlich:) wenn eines zerbricht vor alter und wurm Rilke ges. w. (1927) 4, 108; auch einen 'groszen wurm' kennt der holzhändler, es ist die larve des groszen braunen eichenbockkäfers Sellheim tiere d. waldes (o. j.) 35.
2) bücherwurm (bohrkäfer): wie wyr erfaren und gesehen haben, das mit so viel mhe und erbeit man die sprachen und kunst dennocht gar unvolkomen aus ettlichen brocken und stucken allter bcher aus dem staub und wrmern widder erfr bracht hatt (1524) Luther 15, 50 W.; es klagen auch über die würmlin die studenten der bücher halben, dasz sie jnen die selbigen zernagen und verderben Petrarcha, von hülff u. rath (1551) 108b; bis zur ausfrtigung meiner schon lngst in Holland den wrmern zur speise gelegenen hoch- und niederdeutschen reim- und dichtkunst Zesen verm. Helikon (1656) 1, 5; (das) original, so von würmen und buchschaben gar verfressen Agyrta grillenvertreiber (1670) 68;

es lebt dein ruhm in mancher schrift,
was darf ihn dieses blatt beschreiben?
das leichtlich wurm und motte trifft
Gottsched ged. 1 (1751) 170;

es musz ein edler geist den leser an sich ziehn,
soll anders eine schrift staub, wurm und trödel fliehn
Hagedorn vers. einiger ged. 58 ndr.;

beschränkt von diesem bücherhauf,
den würme nagen, staub bedeckt
Göthe I 14, 28 W.


3) korn-, getreidewurm (käfer u. larve); s. DWB kornwurm teil 5, sp. 1832: wurm der kleider, korn oder kraut tarlo Hulsius t.-ital. (1618) 279b; getreide, wenn würme hinein kommen und solches lebendig wird Prätorius Katzenveit (1665) K 4b. als krankheitsbezeichnung (s. unten V 3 f): das getraid hat den wurm il grano è corcogliato Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407b; wurm 'krankheit des getreides' (auch des holzes und papiers) Crecelius Oberhessen 926.
IV. insekten- (fliegen-, schmetterlings-) larve, made, raupe; s. Jensen nordfries. 718; Schütze Holstein 4 (1806) 375; Block Eilsdorf 102; Leithäuser Barmen 173; Heinzerling-Reuter Siegerland 331; Frischbier pr. 2, 483; Schatz Tirol 715; Fischer schwäb. 6, 992; Friedli bärndütsch (Guggisberg) 3, 178.
1) wurm als schädling pflanzlichen wachstums, insbesondere als zerstörer der knospen- und blütenteile sowie der früchte; vielfach bildlich: nu kemen dise unreinen wúrme und slúffen us den wurmessigen phelen und essent das edel gt krut und machent es locherechtig Tauler pred. 184 Vetter;

ich hett mir ein apfel, war hubsch und rott,
hatt mich verwundt bisz in den todt,
noch war ein wurm darinne lieder d. Heidelberger hs. Pal. 343 83, 28 Kopp;

einen apfel, der schön ist von gestalt und äuszerlicher farbe, ... inwendig aber ist er faul und voller würme bei Luther tischr. 6, 55 W.; wann die bonen von den würmen zerstochen vnd gehülcht werden M. Herr feldbau (1551) 50b; wo etwas guts blühet do setzt der

[Bd. 30, Sp. 2238]


teuffel einen wormb darein, der es nagt Lehmann floril. polit. (1630) 350; (im august soll man) die würme vom kraut fleissig abklauben lassen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 129;

die früchte, so der baum der keuschen liebe bringet,
sind nicht der würmer kost
Neukirch anfangsgründe (1724) 174;

unglücklicherweise hatte der kaiser (Karl V.), da er seinem sohn die herrliche blume (Oranien) pflanzte, auch schon den wurm mit erzogen, der ihre blüthe zernagte Schiller 7, 84 G.; früchte, die am zweige hängend uns noch lange die schönste hoffnung geben, indesz ein heimlicher wurm ihre frühere reife und ihre zerstörung vorbereitet Göthe I 23, 201 W.; die antwort auf diese frage ... ist der wermuth in dem becher seiner freuden, der wurm, der an der wurzel seiner grösze nagt Droysen gesch. Alexanders d. gr. (1833) 236; an des jünglings gesundheit begann aber, wie am rothwangigen apfel, innerst ein wurm zu nagen (1860) J. Grimm kl. schr. (1864) 1, 165; bald wird sie verpuppt sein (ein kokon), und es soll mich doch wundern, ob wir's erleben, dasz sich die wandlung vollzieht und die psyche daraus hervorschlüpft, ihr kurzes, leichtes flatterleben zu führen, wofür sie als wurm so viel gefressen Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 342.
2) seidenraupe (s. seidenwurm teil 10, 1, sp. 187 und unten wurmseide; ferner vgl.: de bombicibus id est vermibvs sericas vestes texentibus i. dia uurmi dia daz gotuuueppi machont [10. jh., Aldhelmi Aenigmata] ahd. gl. 2, 8, 16 St.-S.): alls die seyd würt gespunnen ausz den würmlin Keisersberg granatapfel (1510) d 6d; was seindt die seiden vnd sammet anderst als ein koth der verächtlichen würmen? Albertinus Gusman von Alfarche (1615) 275; Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, F 4b;

was ist der seiden pracht?
wer hat den pracht gemacht?
es habens würm gemacht,
den gantzen seiden pracht
Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 108;

der würme werck, der saft der erden,
musz mir zur deck und kleidung werden
Brockes ird. vergnügen 1 (1744) 330;

(der erste mensch) konte von dem bieber lernen holtz fällen, spalten, bauen; von dem maulwurfe graben, von dem wurme spinnen Bodmer abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 187;

wo hast du armer wurm dein spinnen wohl gelernt?
Kästner verm. schr. (1755) 1, 162;

nimmt August nicht dem elefanten
das elfenbein, das öl der bisamkatze,
dem panthertier das fell, dem wurm die seide?
H. v. Kleist w. 2, 373 E. Schmidt.


3) fliegenlarve, made (an fäulnisstellen, in verfaulenden substanzen); häufig in paarformel (würmer und maden), vgl. auch die zuss. speckwurm, fleischwurm, käsewurm (bereits 1443 als personenname Jacobus Chaeswurm de Radstat bei Menhardt handschriftenverz. d. Kärntner bibl. [1927] 121; keszewurmlin Luther 8, 712 W.): tarmus haizt ain speckmad, wan daz ist ain wurm, der in speck wehset Konrad v. Megenberg buch d. natur 309, 20 Pf. (s. Diefenbach gl. 574a; nov. gl. 359a s. v. tarmus); etlich von in die lieszens (das manna) vntz an den morgen: das es begund zekrichen mit wurmen vnd faulte (scatere coepit vermibus exodus 16, 20) erste dt. bibel 3, 275 Kurr. (da wuchsen wurme drynnen Luther); ain wasser das altzeyt still stat ..., das fahet gewonlich an zstincken vnd wachszent würm darinn Keisersberg predigen teütsch (1508) 36d; eynem new geschlagnen fleysch saltz von nöten ist, auff dasz es nicht würme oder maden vberkomme Agricola 750 teutscher sprichw. (1534) C 4a;

darumb man fleisch, fisch, vogel gut
für die würmer einsaltzen thut
Eyering proverb. copia (1601) 1, 258;

[Bd. 30, Sp. 2239]


da sey das brod schimlich, das fleisch voller würm (1669) Grimmelshausen Simpl. 285 Scholte; nach dem alten sprichwort, wo fäulnisz ist, hecken insekten und würmer Herder 24, 70 S.; eine nahrung, die nicht stank und von würmern wimmelte Ina Seidel d. labyrinth (1922) 134.
4) leichenwurm, made im menschlichen leichnam (vgl. Notker 1, 787, 23 P.); mnl. worm Verwijs-Verdam 9, 2809:

sô muoz der lîp in dem grabe
von maden und von würmen,
die umbe in strîtent nâch ir labe,
verdulden al die wîle ir stürmen,
unz sie daz fleisch gefrezzent abe
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2385 Weinhold;

sô kan mir der kerenter (das beinhaus)
mit dem gebeine künden,
daz mich die würme nagende werdent mit unreinen münden
Konrad v. Würzburg kl. dicht. 32, 267 E. Schröder;

(denen, die das leben wagen,) kein ander lon enwirt denne das fleisch den wúrmen und die sele dem túfel Tauler pred. 327 Vetter; nichts ist schnöders dann der mensch, ausz dem menschen werden würme und ausz würmen schen Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) A 6b;

(der tod:)
herr vogt, ich mss üch ouch recht wisen,
üwer lib wirt die würmer bald spisen! (1514—22)
N. Manuel todtentanz str. 60 Bächtold;

gedenck der vile der verstorben, yr vngestalt in den grbern, wie sie voller wrm vnd schlangen kriechen S. Franck cron. u. entwerffg. d. Türckey (1530) J 4a; mein gut befehle ich der welt, mein leib den würmern bei Luther tischr. 2, 48 W.; wolt du es deiner dienerinnen rathen, dasz sie Christum verwerffen und sich zu einem zergencklichen menschen, den die würme bald fressen werden, vermählen solt? Fabricius auszzug bewerter hist. (1599) 187;

wer wird hernach, mein lieb, wer wirdt hernach dich preisen,
wann disz mein jrrden fasz dann wirdt die würme speisen? (1618)
Opitz teutsche poemata 126 ndr.;

aber Jehovah wird seine seele nicht in der hölle,
seinen leib der verwesung, dem wurm zur beute nicht lassen (1766)
Lenz ged. 10 Weinhold;

bei uns ... will man auch noch im sarge coquettiren und die würmer in einem frisirten todtenhemde empfangen (1768) Möser s. w. 1, 213 Abeken; würmer fühlte man (an der leiche) von auszen keine (1778) Schiller 1, 53 G. (sektionsbericht); (er) studierte dennoch tag und nacht, als wenn er besorgte, die würmer möchten einige ideen zu wenig in seinem kopfe finden (1826) H. Heine s. w. 3, 143 Elster; sacht, sacht! laszt ihn nicht fallen! — lieber himmel, die würmer sind schon daran (an der leiche)! (1842) A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 314.
feste wendungen (wurm in bildhaften umschreibungen für den vergänglichen menschlichen leib und sein schicksal der verwesung).
a) der würmer speise (spiel, spott) sein, den würmern zur speise werden; anklingend an biblische wendungen, s. teil 10, 1, sp. 2096; seit mhd. zeit fest; daher auch früh die zuss.: wurmspeise ackermann a. Böhmen 24, 14 Hübner; würmerspeise Shakespeare 1 (1797) 89; 4 (1799) 223; würmerspott bei Lessing 11, 185 L.-M.; wurmesspott Cornelius liter. w. (1904) 4, 131. vgl. auch Hugo v. Langenstein Martina 117, 44 K.:

so wirt sin (des toten menschen) vleisch der wurme spil kl. mhd. erz., fabeln u. lehrged. 98, 66 Rosenhagen;

du mst vor war ein spise sin
den maden und den wormen,
die dir den lip zerstormen
Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 105 Singer;

(die seele sagt zum leib:)
der worme spyse du unreyne saek v. d. jungesten tage (text 2) 106 Willoughby;

[Bd. 30, Sp. 2240]



der iez als einiu rose rot
schon blüjet, der ist morne tot
unt wirt der würme spise schausp. d. mittelalters 1, 218 Mone;

(der mensch) musz werden ein speys des fers, ein essen der wrmen (1472) Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 80 Herrmann;

mein leib zoch ich mit lustes fleysz,
nun ist er hj der wrme speysz
Johann v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 114b;

vmb das fromm mensch ists jmmer schad,
das er soll sein der würme speis (1553)
C. Scheit frölich heimfahrt (o. j.) E 4a (v. 1059 Strauch);

da vnten in der finstern erdn,
müszt jhr der würme speise werdn (1605)
Hollonius somnium vitae hum. 27 ndr.;

dieser leib vnd diesz gebein,
ob ich noch so ängstlich zage,
musz der würmen frasz doch seyn,
vber wenig tage (1639)
Mylius bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 22;

sol denn mein fleisch, der würmer spott,
ohn lebenstrost verstäuben? (1645)
Simon Dach 182 lit. ver.;

mein leib bleibt hier der würme spott,
die seele lebt bey ihrem gott
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 114 (= 116);

jetzt (im grabe) ist alles ... ein haufen wust, ein versammlung kots, ein köder der würme (1679) Abr a s. Clara w. 2, 95 Strigl;

doch wisst (eitle herrscher), dasz, einst der würmer speise,
man unterm stein vom höchsten preise (den pyramiden)
nicht besser als im rasen ruht (1728)
Haller ged. (1882) 12;

dieser leib ... ist schon ein moderndes ekelhaftes scheusal, eine speise der würmer Wieland I 2, 458 akad.; der naturkundige gewöhnt sich endlich daran, ... zu glauben dass wir den zweck unsers daseyn erfüllt haben, wenn wir den würmern zur speise gedient ... haben Schubert verm. schr. (1823) 1, 6.
b) würmer des menschen bett:

die würme suln uns bette sin,
da ist unriuwe, eiterwin (13. jh.) v. d. jungesten tage 67 Willoughby;

wan die motten deine dekke und die würme dein bette seyn werden Schottel teutsche haubtspr. (1663) 119; dein unterbett sind würmer und motten deine decke Görres ges. schr. (1854) 1, 241.
c) den würmern zuteil werden:

wa is min vleisch des ich so wale plach,
deme ich indede ingein ungemach!
owi wi is it den wrmen ein deil gedain! die lilie 18, 7 Wüst;

von schulden msz ich clagen das
das es den wúrmen wirt z teil,
dar an der manheit hchstes heil
von angeng was und úmer ist mhd. minnereden 21, 120 Thiele;

ich habe lange gnug gelebt, gott beschere mir ein selig stundlin, darin der faule, vnnütze madensack vnter die erden kome zu seinem volck vnd den würmen zu teile werde (1544) Luther br. 10, 548 W.; welches mehrentheils denen würmern zu theil wurde d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 54.
V. wurm im zoologischen sinne (vermis); wirbelloses, langgestrecktes weichtier, das sich durch zusammenziehen der hautmuskulatur kriechend fortbewegt.
1) in allgemeinem gebrauch; ahd. uuurm, uurum vermis Benediktinerregel 216, 5 St. (s. unten 5 b α); Tatian 95, 5 S.; vgl. auch ahd. gl. 2, 8, 16 St.-S. (IV 2) sowie unten 2 a (wurmsegen); Diefenbach gl. 613b: vermis haizt gemainleich ain iegleich wurm Konrad v. Megenberg buch d. natur 310 Pfeiffer; die Egypter ... gleubten, das ein ochse, hund, fisch, schlange, wurm ... götter weren (1542) Luther 53, 410 W.;

[Bd. 30, Sp. 2241]


so sehr von einer pflantz' ein wurm sich unterscheidet,
von einem wurm ein thier, ja wie das thierreich sehr
in sich verschiedlich ist
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 483;

an nackten molusken, würmern und zoophyten ist die fauna vorzüglich reich Chamisso w. (1836) 2, 221. wurm am haken der angel (als köder); gerne bildlich: der wurm an der angel ist Christus gewesen (1522) Luther 10, 3, 100 W.; wer kein wurm vnnd speisz am angel hat, der fehet kein fisch Lehmann floril. polit. (1630) 90; suchte man die mäurerei durch geheimnishunger so weit ins garn zu locken, dasz sie, ohne rücksicht, sich ergeben, die autorität der unbekannten obern ... anerkennen, mit einem wort nach dem wurm schnappen sollte Wekhrlin paragrafen 1 (1791) 69.
a) der wurm gilt als winziges, der gewalt wehrlos preisgegebenes geschöpf, das sich in schmerz und todesangst windet; daher redensartliche fügungen des typus sich winden, sich krümmen wie ein wurm (s. auch winden sp. 290f. und krümmen teil 5, sp. 2460):

du leydest ee (bevor du reichtum erlangst) manigen sturm,
das du dich pewgest als ain wurm
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4219 Singer;

(er) wande sich von nten umb und umb, als ein wurm tt, so man in mit spizigen nadlen stichet Seuse dt. schr. 39 Bihlm.;

sie teten einen scharpfen sturm,
ir maneger rimpft sich wie ein wurm
von werfen unde schieszen (1400) bei
Liliencron hist. volkslieder 1, 182; 2, 66;

das büblein mochts (den schmerz) erleiden nit,
sonder krümbt sich gleich einem wurm
vnd schrey als ob man lauttet sturm (1573)
Fischart flöhhatz 17 ndr.;

in dem ich mich (vor schmerz) ... wie ein wurm krümte Grimmelshausen 2, 555 Keller; er ... wrunge sich wie ein wurm A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1059; sich winden und krümmen wie ein armer wurm Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407b;

dein hertze musz sich ja als wie ein würmgen krümmen
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 498;

ich rang, wimmerte, krümmte mich wie ein wurm Bräker s. schr. (1789) 1, 56; es (das mädchen Mignon) wand sich wie ein wurm an der erde Göthe I 23, 173 W.; windet sich der ärmste nicht in seinen qualen wie ein gemarterter wurm? Holtei erz. schr. (1861) 5, 147; 24, 227; da hast dich ja wie a wurm gekrimmt Gerhart Hauptmann Rose Bernd (1904) 130. mundartl. zeugnisse (zum teil übertragener gebrauch): sich wie ein wurm krümmen sich nur schwer zu einer ausgabe entschlieszen Spiess Henneberg 285; luxemb. wb. (1906) 493; Kern-Willms Ostfriesland 80; Jensen nordfries. (Wiedingharde) 718; Damköhler Nordharz 229; he wund sikk as een worm er wollte nicht daran Dähnert Pommern-Rügen (1781) 557; Mensing schlesw.-holst. 2, 688.
b) mit dem nebensinn 'sich sträuben', den bereits einige belege der vorangehenden gruppe erkennen lassen; deutlicher faszbar in dem sprichwort auch der wurm krümmt sich, wenn man ihn tritt, gegenwert des lat. et formicae sua bilis. älter sind abweichende fassungen:

nun spricht man, wer ain wirmlin trit,
so krümm es seinen schwanz darvon (1511) bei
Liliencron hist. volkslieder 3, 57;

man trit vff einen wurm so lang,
bisz das sich krümpt ein solcher schlang (1522)
Murner dt. schr. 9, 95 Merker;

wann man ein wurm lang trit, so krümpt er sich S. Franck sprüchw. (1545) 1, 52a; man tritt ain wurm so lang, bisz er sich z letst krimbt G. Mayr sprüchw. (1567) E 6a; Schottel haubtspr. (1663) 1114. — sie (die kathol. geistlichen) sind auch menschen; und ein wurm sogar windet sich, wenn er getreten wird anmuth. gelehrsamk. 6 (1756) 312 Gottsched; du kennst mich noch nicht, wenn ich in wuth gerathe! der wurm krümmt sich, wenn er todtgetreten ist Eichendorff s. w. (1864) 4, 411. freier:

[Bd. 30, Sp. 2242]


es ist kein würmlein nicht so klein,
es krümpt sich, würft man drauf ein stein (1573)
Fischart flöhhatz 30 ndr.;

kein würmlein ist so schwach
es giebet der gewalt nicht, als gezwungen, nach (1633)
Opitz opera geist- u. weltl. ged. (1690) 3, 298.

vgl. noch: auch der wurm muckst auf, wenn ihn jemand drückt Rother schles. sprichw. 220a.
c) in der literatursprache treten seit der zweiten hälfte des 18. jhs. von a und b ausgehende fälle freieren gebrauchs hervor (zumeist bildhaft, s. unten 5 b): ich bin nun nicht mehr Marwood; ich bin ... ein getretner wurm, der sich krümmet und dem, der ihn getreten hat, wenigstens die ferse gern verwunden möchte Lessing 2, 325 L.-M.;

bist du es, der, von meinem hauch umwittert,
in allen lebenstiefen zittert,
ein furchtsam weggekrümmter wurm?
Göthe I 14, 32 W.;

doch einen stachel gab natur dem wurm,
den willkühr übermüthig spielend tritt
Schiller 12, 258 G.;

so krümmt und windet sich der wurm unter des vogels krallen, wie ich mich ... unter meines schmerzes, unter meiner reue geständnisse wand Holtei erz. schr. (1861) 12, 104.
d) der wurm als winzigstes, unbedeutendstes glied der schöpfungswelt; gern erscheint wurm in dieser verwendung in der diminutivform; s. auch gewürmlein teil 4, 1, 4, sp. 6228 u. die belege für würmlein in den mhd. wbb.: daz ih got uuolta uuerden. ioh eîn uuurmeli irsterbin mag Notker 2, 76, 23 P. (a minutissima bestiola mortem timens 3, 1, 124 S.-St.); es ist niergent enkein so klein wúrmelin: hette es vernunft, es solte billichen sin hǒbet uf heben im (gott) ze eren Tauler pred. 292 Vetter;

heiliger odem!
küssest ja dort auch
liebend das würmlein,
dasz es sich wonnig
wälzt in dem staube
Kerner bilderbuch (1849) 316;

o mensch, des herren aug sieht weit,
es sieht des würmleins pfad
in blattes flaum
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 3, 50.

durch entsprechendes epitheton gekennzeichnet: das kleineste moosz ... sey die grösse gottes fürzubilden grosz genug. der geringste wurm diene zum beweiszthume seiner lebhafften gegenwart Lohenstein Arminius (1689) 1, 10a; ich bin überzeugt, dasz die natur nicht einmal den verachtetsten wurm umsonst schafft Rabener schr. 4 (1755) 313. in der literatursprache namentlich der zweiten hälfte des 18. jhs. in diesem sinne vielfach als glied antithetischer, die spanne zwischen dem höchsten und niedrigsten im schöpfungsganzen umschreibender fügungen (vgl. dazu wesen teil 14, 1, 2, sp. 560 und 562): er (der mensch) erkennet wohl, dasz die natur ... aus ihm nicht mehr werks mache, als aus dem geringsten wurm Liscow slg. sat. u. ernsth. schr. (1739) 607;

kein zweifel! die natur folgt ewigen gesetzen.
die weisheit schrieb sie vor, und sollte sie verletzen,
sobald wurm oder mensch die ausnahm kühn begehrt? (1760)
Uz w. 261 ndr.;

ihr (menschen) habt den weg vom wurme zum menschen gemacht, und vieles ist in euch noch wurm (1883) Nietzsche also sprach Zarathustra (1930) 8. —

der mensch, zu irdisch noch dem glük das engel krönet,
zu edel vor die lust, wornach ein wurm sich sehnet (1752)
Wieland I 1, 228 akad.;

(das schicksal) aller, des engels am stuhl, und des wurms im niedrigsten staube
Giseke poet. w. (1767) 32;

wollust ward dem wurm gegeben,
und der cherub steht vor gott (1786)
Schiller 4, 2 G.;

den göttern gleich' ich nicht! zu tief ist es gefühlt;
dem wurme gleich ich, der den staub durchwühlt
Göthe I 14, 38 W.;

[Bd. 30, Sp. 2243]


was? vom wurme soll der gott abhängen? der gott in uns, dem die unendlichkeit zur bahn sich öffnet, soll stehn und harren, bis der wurm ihm aus dem wege geht? Hölderlin s. w. 2, 118 Hell.; dasz das würmchen, das in der sonne fliegt, und der seher, der über alle sonne hinausfliegen mögte, einem gesetz gehorchen (1814) E. M. Arndt schr. (1845) 2, 138; eine weltseele, die alle materie der elemente durchdringt, und über sie gewalt hat, in dem in der erde steckendsten wurm und himmelhöchsten adler Heinse s. w. 4, 277 Sch. — für das kleineste würmichen, so auff erden kreucht, sorget er (gott) ja so wol, als für die grösten und sterckesten elephanten F. Rhot Jesus Sirach (1587) 1, 224a; der wurm und der elephant (titel einer fabel) (1748) Werlhof ged. (21756) 80; vom wurm zum elephanten, von einzelnen männern zu ganzen nationen Herder 18, 347; 22, 237; 12, 229 S.
e) wurm als vergleichsgrösze für etwas sehr winziges, unbedeutendes; vgl. die zuss. wurmwinzig bei Fischer schwäb. 6, 996:

du (gott) kommst mit donner, blitz und sturm,
wer ist der grosze feind? ein wurm!
Günther ged. (1735) 66;

und in der kette deiner (gottes) wunder
ist eine sonne nur ein zunder
und eine erde nur ein wurm
Seume ged. (1804) 53.

redensartlicher festigkeit sich nähernd:

sie (die tochter) hat doch kein würmchen betrübet!
maler Müller w. (1811) 2, 320;

du, deinen sohn schlecht behandeln? du ..., der kein würmchen beschädiget? Holtei erz. schr. (1861) 19, 95. vgl. auch: ein weib, die solchen zörnigen man leyden musz, welcher wegen desz geringsten würml erzürnet Abr. a s. Clara Judas (1687) 1, 35. mundartlich: dat is nich'n worm wert gar nichts (Fehmarn) Mensing schlesw.-holst. 5, 688.
2) der wurm als krankheitserreger im menschlichen oder tierischen körper (doch handelt es sich im folgenden nur zum teil um wirkliche würmer, weithin vielmehr um krankheitsdämonen in wurmgestalt, die nach volksheilkundlicher auffassung im menschlichen leibe, in dem betroffenen gliede nagen; die übertragung ist veranlaszt 'durch die ähnlichkeit der empfindung, welche die schmerzen des erkrankten körperteils hervorrufen' Lessiak in: zs. f. dt. altertum 53, 120; 129; s. auch Höfler dt. krankheitsnamenb. 820—835).
a) der beschwörung des wurms als krankheitsdämons dienen die seit ahd. zeit bezeugten wurmsegen (MSD 32, 276—281; 303—305 mit zahlreichen nachweisen; Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 370—375; s. auch ahd. nesso [dazu Steinmeyer a. a. o. 375 ]):

ih besuere dih, sunno, bi sancto Germano,
daz tu hiuto nescin, e demo — dic colorem — fiehe die wurme uzsin (contra uermes pecus edentes) kl. ahd. sprachdenkm. 373 St.;

Jôb lag in dem miste.
er rief ze Criste,
er chot 'du gnâdige Crist,
du der in demo himile bist,
du buoze demo mennisken des wrmis. N.' (Hiobsegen)
Müllenhoff-Scherer denkm. 31, 181 (47, 2);

der heilige Crist bǒce disime rosse. N. ouervaggenes. gerâys. thes vvâmbiziges. thes vvûrmes. unte alles thes. the ime scathene si (vatikan. pferdesegen) kl. ahd. sprachdenkm. 370 St.; libera seruum istum ... vone demo wurme cancro et talpone et omnibus uermibus. wrm ich gebivte dir bi gots worten ..., daz tusen (du diesen) man ... mer enbizzest Innsbrucker arzneib. in: denkm. dt. prosa d. 11. u. 12. jhs. 11, 88 F. Wilhelm. die überlieferung der wurmsegen schwillt im späten mittelalter erheblich an und reicht mit zahlreichen zeugnissen bis in die gegenwart. zur fortdauer der auffassungsweise in jüngerer zeit vgl. etwa: ob nun euch als vnserm membro ein wurm ist in das glid kommen bei Luther tischr. 3, 506 W.; (der bauer) zeigte darauff dem artz sein linckes ohr, vnd hinder demselben einen grossen beulen, mit bericht,

[Bd. 30, Sp. 2244]


dasz jhm an diesem orth der wurm sesse vnd tieff eingefressen hätte Moscherosch gesichte (1646) 3, 316; so bald man empfindet, dasz ein glied wehe thut, ... dasz man besorgt, es möcht ein wurm wachsen Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 201b; gar manchem nagt ewig ein wurm am leben, aus dessen gesichte man es nicht schlieszen sollte Bremser mediz. paroemien (1806) 200; er galt ihnen als sehr gelehrter mann, den man nebenbei auch über eine wassersucht und die heilung des verdammten wurmes befragen konnte Dörfler Peter Farde (1929) 248. redensartl. noch jem. den wurm segnen ihn von einer unart, einem tadelnswerten verhalten abbringen (s. unten e den wurm schneiden): der Papenschneider werde ich den wurm segnen ('durch segnen vertreiben') qu. a. d. j. 1937.
b) über die art der jeweils vorliegenden erkrankung geben die alten wurmsegen nur selten deutlich aufschlusz; erst jüngere arzneibücher vermitteln einige anhaltspunkte: swem wurme die zende holnt unde die bilare (das zahnfleisch) ezent, nime bilsenole dt. arzneib. d. 13. jhs. 32, 33 Pfeiffer; sô die wurme wahsent in den ôren ..., sô nim phersichpleter ebda 39, 3; dye xxx. (krankheit) ist so würm in der mter wachssen als die kürbis keren (vor 1500) Ortolff v. Bayerland frauenbüchlein 11 Klein (vgl. Ruoff hebammenbuch [1580] 95); (wermut) vertreibt die würm in den oren Tollat v. Vachenberg Margarita medicine (1516) 2b; würm in zenen Wirsung artzneybuch (1584) 192; neige das ohr, darinn die würm seynd, auff heisser milch dampff, so kreucht das gewürm der süssin nach ebda 120; würmlin mögen so wol in ohren als ingeweid wachsen, wiewol das erste nicht so gemein ist ebda (1588) 120; mitesser oder zehrwürme ..., crinones oder dracunculi genannt, sind kleine würmlein, so in der haut der jungen kinder ... stecken Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 1273; dasz etliche kinder mit solchen würmern in der haut geplagt werden, die man insgemein die mitesser, auch an vielen orten die zehrenden elben zu nennen pflegt J. G. Schmidt gestrieg. rockenphilos. (1706) 1, 66.
c) 'eingeweidewurm, spulwurm' im menschlichen oder tierischen körper; mnl. worm Verwijs-Verdam 9, 2809: (der mirr) zeuht die gepurt auz dem leib und die würm, die in dem leib wahsent Konrad v. Megenberg buch d. natur 371, 2 Pf.; vgl. 381, 1; wär es, das der valck würm in im hat vnd die von im mit dem geschmaisz giengen Mynsinger v. d. falken 25 lit. ver.; wie sy dem iungen kinde die würm in dem pauche beschweren Arigo decameron 418 lit. ver.; gleich wie man den kindern, so würm im leib haben, das bitter würmmeel mit honig eingibt Alberus fabeln 2 ndr.; dieselbig (blume) gedörrt ist guett wann ein gaull würm im bauch hat Seuter roszartzney (1588) 182; vgl. 177; bey den weibern schreiben sie (die quacksalber) alle krankheiten der mutter zu, bey den kindern müssen alles die würm gethan haben Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 972; unsre zwey knaben sind diese lezte zeit über auch unpasz gewesen, besonders Karl, der von würmern viel leidet (1802) Schiller br. 6, 421 Jonas; reichliche schleimabsonderung im darmkanal begünstigt die entwicklung von würmern Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 8, 1, 389; da versichertest du ..., dasz die dame nur an den würmern leide Storm s. w. (1900) 3, 136. mundartl. zeugnisse: Frischbier pr. 2, 483; wîrem hun luxemb. wb. (1906) 493; Haltrich Siebenbürg. 116; Meisinger Rappenau 234; diss kint het wirm Schmidt Straszburg 118; Friedli Bärndütsch (Grindelwald) 2, 201; (Lützelflüh) 1, 447. dazu redensartliche wendungen wie êr dat geschüt, gêt em en grainen worm af Woeste westf. 328; et geht em en worm af er musz bezahlen Elberfeld 177; er kann sich schlecht von etwas trennen Müller-Schlösser Düsseldorf 269; dem werden sie die würmer abtreten (drohung) Rother schles. sprichw. 313a; Müller-Fraureuth 2, 683. vgl. auch: jemand ein würmchen aus dem kreuze leiern einen drillen Mauszer soldatensprache 43.

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d) würmer, die den menschen lebendigen leibes annagen, zerfressen (biblisch als von gott verhängte plage; vgl. Notker 2, 623, 21 P.): Judith 16, 21 dabit enim ignem, et vermes in carnes eorum wann er gibt fewer vnd wúrm in ire fleysch erste dt. bibel 7, 82 Kurr.;

sandt jmm (Antiochus) got durch sein grossen grimm
das läbendig würm wchszsen vsz jmm
Gengenbach 86 Goedeke;

gott sahe zu (dem treiben des Herodes) bisz auff sein zeyt, da straffet er jn mit einer schweren, greulichen kranckeyt, das jm würm im leibe wchssen (1544) bei Luther 52, 704 W. (vgl. Murner badenfahrt 125 Michels); es wuchsen maden und würm in seinem (des Antiochus) leib vnd verfaulet mit grossem schmertzen Reiszner Jerusalem 2 (1565) 55a. so noch:

... (er) ist ein verfluchter haid.
winsch, dasz ihm die wirm frösen
vnd voll leisz würd in der pfaid! volksschausp. i. Bayern u. Österr. 369 Hartmann-Abele.


e) der wurm (eig.: die wurmförmige sehne) unter der zunge der hunde, der nach Plinius nat. hist. 29, 100 namentlich tollwut verursacht und daher den jungen tieren entfernt werden soll: est vermiculus in lingua canum, qui vocatur a Graecis lytta, quo exempto infantibus catulis nec rabidi fiunt nec fastidium sentiunt. das dt. wort in diesem sinne ist erst seit den anfängen der humanistischen lexikographie zu beginn des 16. jhs. nachweisbar (ebenso engl. worm lex. seit 1530), als gegenwert des von Plinius angeführten grch.-lat. lytta (voc. rer. ex prompt. Jo. Piniciani [Augsburg 1521]: litta wirmlin das in der hundszungen wechszt, nach Diefenbach gl. 334a): lytta ein taubwurm (tollwurm), der wurm so die jungen hünd vnder der zungen habend Cholinus-Frisius dict. lat.-germ. (1541) 528; lytta ... ein kleins würmle, welches die jungen hünd vnder der zungen habend, welchen man jnen in der jugend nimpt, damit sy nit taub werdind, taubwurm Frisius dict. lat.-germ. (1556) 790; in späteren wbb. für lytta überwiegend zuss. (taub-, toll-, hundswurm); offtermals verdorren die hunde, ob sie gleich viel zu fressen haben ... so werden sie würmer unter der zungen haben, die musz man jnen mit einer nadel heraus graben viehbüchlein (1667) 93 (die von Plinius an zweiter stelle erwähnte freszunlust); einem hunde den wurm schneiden ihn von einem wurm, der ihm unter der zunge gewachsen, befreyen Ludwig t.-engl. (1716) 2548; vor der wuth ... ist das sicherste mittel die hunde zu praecaviren, wenn man ihnen den wurm nimmt. selbigen haben sie unter der zunge Döbel neueröffn. jägerpractica (1754) 2, 110; ein fahrender arzt, der ... den hunden den wurm schneidet und die ohren stutzt W. Hauff s. w. (1890) 1, 144.
f) den wurm schneiden, nehmen (in übertragenem sinne). die frühesten belege für die seit der mitte des 17. jhs. bezeugte wendung stehen unter dem einflusz der abwertenden auffassung, der sich das mit vielfältigen betrügerischen praktiken verbundene jahrmarktsgewerbe des wurmschneiders (s. d.) nicht zu entziehen vermag. 'betrügen, übervorteilen, prellen': o ho sagte der wurmschneider ... sag an mein liebes bwerlein, hastu niemals zuvor deiner eigenen obrigkeit den wurmb geschnitten, hastu nicht deinen juncker im zehenden betrogen ...? Moscherosch gesichte (1646) 3, 316; dreyfach nehmen sie (die bauern) ihren lohn, ... schnitten den wurm ohn alle scham alamode politicus (zuerst 1647) bei Wander sprichwörterlex. 5, 464. offenbar die gleiche ausgangsvorstellung liegt zugrunde, wenn Chr. Weise die wendung in dem sinne '(einen törichten, einfältigen menschen) narren, nasführen, hinters licht führen, ihm einen bären aufbinden' gebraucht: Eurylas, dem nichts mehr zu wieder war, als wenn sich jemand mb frembde hndel bekmmerte, machte alsobald den schlusz, er wolte dem vorwitzigen kerln einen artigen wurm schneiden (er erzählt eine erfundene geschichte, die den vorlauten, der sie für wahr hält, in höchste unruhe versetzt) (1673) erznarren 30 ndr.; was will Melane, das rabenaasz, halt,

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ich (der verkleidete) wil ihr auch einen wurm schneiden überfl. ged. 199 ndr. dagegen ist der im 18. jh. sich festigende gebrauch im sinne 'jem. von einer torheit heilen' von der ausgangsvorstellung bestimmt, dasz jungen hunden der angeblich tollwut verursachende wurm unter der zunge entfernt werden musz; gleichzeitig wirkt wurm V 4 'marotte, schrulle' ein: man musz ihm den wurm schneiden ad sanitatem revocandus est, poenam stultitiae suae ferat Stieler stammb. (1691) 2584; einem den wurm schneiden ò nehmen Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407b; Frisch (1741) 2, 461a; es ist der sache gottes daran gelegen, ... denen aufgeklärten geistern richtige begriffe beizubringen, denen blöden aber und öffters nicht weit über die vorstellungen der kinder erhabenen gemüthern, nur den wurm zu nehmen, d. i. dasjenige bei ihrer religion abzuschneiden, was sie an der seelen seeligkeit hindern kan Zinzendorf kl. schr. (1740) 474;

(der narr) bespöttet eines jeden fürm,
treibt sie ins bad, schneid't ihnen die würm'
und führt gar bitter viel beschwerden,
dasz ihrer doch nicht wollen wen'ger werden
Göthe I 16, 127 W. (H. Sachsens poet. sendung).

vgl. dazu oben V 2 a den wurm segnen; ferner: an in (den) wurm nehma den übermut dämpfen Jakob Wien 222.
3) wurm als krankheitsname; vgl. mnl. worm Verwijs-Verdam 9, 2810.
a) eiternde sehnenentzündung des finger- (seltener zehen-)endgliedes; wurm am, im finger, sonst umlauf, beinfrasz, ungenannt (s. zs. f. dt. wortf. 10, 134 und teil 11, 3, 781); lat. panaritium, paronychia: ist dz ein mensche den wurm oder den vngenante het an dem vinger oder an der zehen, der neme liligen confenigen elsäss. arzneib. d. 14. jhs. in: Alemannia 10, 227; item vor den worm in den fynger ader handt (rezept) Pfolspeundt bündthertznei 9 H.-M.; wurm am finger ... disz geschwer ... ist mehr ein scharpffe vnd hitzige apostem, dann wie der gemein mann beredt ist, ein lebendiger gewachszner wurm in den fingern Wirsung artzneyb. (1588) 565a; von einem nagelgeschwer so vom gmeinen böffel der schlaffende wurm ... geheissen wirdt Würtz practica d. wundartzn. (1612) 265; (mittel) für den wurm am finger Hohberg georg. cur. (1682) 1, 293; Blancard, arzneiw. wb. (1788) 2, 512a. in verwünschungsformeln:

das rad, der galgen si din grab!
den grind, den stich, die ruden hab,
den wurm an allen fingren und glidern! (1530)
N. Manuel Elsli v. 119 Bächtold;

den wurm an alle finger welche drucken! (1789)
Schiller 6, 30 G.

mundartl. weit verbreitet: Frischbier pr. 2, 483; Dähnert Vorpommern-Rügen 557; Mensing schlesw.-holst. 5, 688 f. (mit belegen für segensformeln; in gleicher bedeutung adel 1, 52 und fiek 1, 82); Woeste westfäl. 328 (syn. middel, wormteken); Schambach Göttingen 304; Bauer-Collitz Waldeck 115; Müller-Schlösser Düsseldorf 269; Schmitz Eifel 232; Christa Trier 219; Follmann Lothr. 550; Kisch Nösner wörter 175; Crecelius Oberhessen 926; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683 (mit belegen); Blumer Nordwestböhmen 94; Hügel Wien 191; Schatz Tirol 715; Unger-Khull steir. 640; den wurm töten den beinfrasz am finger heilen Schmeller-Frommann bayer. 2, 1001; Fischer schwäb. 6, 990 f. (syn. ungenamt, umlauf; mit zahlreichen zeugnissen für segenssprüche gegen den wurm); Seiler Basel 320; Hunziker Aargau 304; Bühler Davos 2, 27; Martin-Lienhart elsäss. 2, 854.
b) krebsartiges geschwür; fressender, beiszender, schlafender wurm, wolf (s. sp. 1249f.), lat. phagedaena, herpes, lupus vulgaris (hierher vielleicht schon: oxia 'morbus acutus' eyn scharph worm [15. jh.] Diefenbach gl. 404a): phagedena, latine vermis der worm Trochus voc. rer. prompt. (1517) O 1a; ein geschwer, das bisz auff das beyn frisset der wurm Dasypodius dict. lat.-germ. (1536)

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175c; der schlaaffend wurm Frisius dict. (1556) 1001b; herpes ... der wurm, wolff ... eine gattung geschwär, das under der haut fortkriechet und immerdar die nächstgelegenen theile mit hefftigem jucken angreifft Blancard, mediz. wb. (1710) 302; arzneiwiss. wb. (1788) 2, 431: hat ... einer den wurm, so nime des le ein wenig Gersdorff wundtartzney (1517) 26b; also auch im menschen der wurm, der wolff, der krebs wechst, das nit anderst als allein eim lebendigen thier zuvergleichen ist Paracelsus chirurg. bücher u. schr. (1618) 403A; krebs vnd würm der brüst (überschrift) ... zum gebrechen, den die wundärtzt den wurm nennen, ist folgends jhr gemein pflaster Wirsung artzneyb. (1584) 225; ist gut den bösen und unheilsamen gesweren, dem krebs, dem wurm genant phagedena, den fisteln M. Quad teutscher nation herligkeit (1609) 445; kräbs, schlaffend wurm, fistlen, auszsatz und frantzosen Guler v. Weineck Raetia (1616) 169b;

ihr ärzte wisset wol, wie schwer darnider liegen
die den fressenden wurm in ihre glieder kriegen, ...
er bleibt nicht an dem ort, da er erst ist gesessen,
sondern man siehet ihn weit und breit um sich fressen bei
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 282;

die so genannte königskranckheit oder den schlaffenden wurm durch blosses anrühren zu heilen Ziegler tägl. schauplatz d. zeit 31 (1728) 7a; beiszender wurm 'krebskrankheit' Unger-Khull steir. 640.
c) krebsartige pferdekrankheit; sonst bürzel (s. teil 2, sp. 554), ungenannt (teil 11, 3, sp. 780f.), rotz (teil 8, sp. 1327); häufig mit bestimmendem zusatz: auswerfender, aufwerfender, ausfressender, ausbeiszender, flieszender, fliehender, fliegender, reitender wurm (s. zum folgenden auch die belege bei Schmeller-Frommann bayer. 2, 1001; Fischer schwäb. 6, 992 sowie die ahd. vieh- und pferdesegen unter V 2 a; ferner Meyer-Lübke rom. etym. wb. 799 [nr. 9570] und Heinrich der Teichner 83, 11 Niewöhner); der wurm der pferde ... ist eine schärfe der säfte, welche sich durch kleine braunrothe bäulen an verschiedenen theilen äuszert und ein vorbothe des rotzes ist Adelung 5 (1786) 309: item dem smede, der den pherden am pirczel (bürzel) und worm gehulffen hat, 20 gr. (1433) cod. dipl. Lusatiae sup. 2, 420; das pferd gewynt auch dick den vszwerffenden wurm zwischen hawt vnd flaisch ... vnd friszt die hawt an vil enden vff, als ob sy ain wurm zernagen hab Mynsinger v. d. falken 77 Hassler; wider den wurm der heizet der wirzel sprich dise wort wurmsegen (bei krankheit der pferde) Londoner hs. d. 15. jhs. (aus dem Nürnberger Augustinerkloster) zs. f. dt. altert. 38 (1894) 15; der wurm bekompt den pferden in der brust, bei dem herzen und in den diechen ... lauffen aus den naszlöchern wasser und stinckende feuchtigkeiten, dann würt es genannt der fliehende wurm (nasenrotz) vieharzneib. (oberrhein. 1535) in: Alemannia 3, 73; wider den fliesenden wurm: du solt dem pferde an schläfen blut lasen Sebiz feldbau (1579) 158; (man nennt die krankheit ungenannt, weil) vil den aberglauben haben, wann einer sag, das pferdt hat den wurm, so werde das pferdt dardurch gleichsam beschryen vnd nemme die kranckhait noch mehr zue Seuter roszartzney (1588) 187; vgl. 177; Uffenbach neues roszbuch (1603) 2, 29; brauche die nachfolgende artzney für den reitenden wurm Walther pferde- u. viehzucht (1658) 129; der ausbeissende wurm ... ist auch unterschiedlicher arten, als der pürtzel, der reitende, der ausbeissende, der fliessende Hohberg georg. cur. (1682) 2, 226a; Pinter pferdschatz (1688) 410; ihre sonst so glatten pferde magerten ab und verreckten am rotz und wurm (1818) Arndt mährchen (21842) 1, 346.
d) krebsartige krankheiten anderer tiere; so der rinder am schwanz: Vilmar Kurhessen 461; Hofmann Niederhessen 266; 'kröte' (Glarus) Stalder schweiz. 2, 460; Bauer-Collitz Waldeck 115; 'rückenblut' Mensing schlesw.-holst. 5, 688; der hunde an den ohrrändern: Vilmar und Bauer-Collitz a. a. o.

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e) die durch den sog. drehwurm (coenurus cerebralis) hervorgerufene drehsucht der schafe: die kühe geben blut statt milch, die schafe kriegen den wurm, die pferde werden kollrig (1896) Gerhart Hauptmann versunkene glocke 227.
f) pflanzenkrankheiten (s. auch oben III 3): wurm ... eine krankheit der bäume im gartenbau, wenn einer durch schlagen oder stossen beschädigt worden, dasz die rinde vom holtz abstehet, so wachsen würmlein darunter, so die rinde durchfressen, dasz der baumsafft dadurch verrinnet, compend. u. nutzb. haussh.-lex. (1728) 1057 (s. lat. vermiculatio, ferner unten wurmtrocknis). — unter wurm des tabaks versteht man eine sehr gefährliche krankheit, welche meist durch anhaltendes regenwetter entsteht und sich durch fäulniss ... kennzeichnet Schwerz prakt. ackerbau (1882) 601.
4) 'schrulle, grille'. ein gebrauch, der sich seit der ersten hälfte des 17. jhs. unter dem einflusz der auch wurm V 2 zugrunde liegenden auffassung (wurm als krankheitserreger, hier übertragen auf die geistes- und gemütsverfassung des menschen) entwickelt (wurm im kopf, im verstand; dazu Lessiak in: zs. f. dt. altertum 53, 133; vgl. ferner im engl.: he has worms, maggots in his brains [17. jh.] bei Murray s. v.), zugleich aber in der übertragenen verwendung anderer tiernamen seine parallele findet, s. DWB raupe teil 8, sp. 299; grille 4, 1, 6, sp. 318 ff.; mucke, mücke 6, sp. 2605 f.; 2609; schnake 9, sp. 1153 f.; vogel 12, 2, sp. 402; taube 11, 1, 1, sp. 168; egel 3, sp. 33. zur synonymik vgl. auch Eberhard allg. dt. syn. 6 (1802) 338; Jahn w. (1884) 1, 41; Weigand syn. 3 (1852) 1141; Sanders wb. dt. syn. (1871) 736. die fügung einen wurm haben ist (mit leicht verändertem sinn) in die neunord. sprachen gedrungen: ha en orm (vurm) for noget 'eine an kränklichkeit grenzende neigung zu etwas haben', s. Falk-Torp norw.-dän. etym. wb. 1 (1910) 801; schwed. vurm 'liebhaberei, manie, schrulle'.
a) während der frühzeit der bezeugung stehen ebenso wie in den anfängen des gebrauchs von wurmen und der fügung den wurm schneiden (oben 2 f) mehrere abweichende verwendungsweisen nebeneinander. so scheint das wort zunächst einen fehler, schaden der intellektuellen anlage zu bezeichnen (vgl. dazu unten die mundartl. nachweise im sinne 'verrückt' unter e): der borgt ohn pfand, der hat ein wurm im verstand Lehmann floril. polit. (1630) 103; wer antwort, ehe er hört, der hat ein wurm im kopff ebda 36. in anderen fällen bezieht sich wurm eher auf eine grillenhafte (aber nicht harmlos-närrische, sondern zumeist unmutbestimmte) einbildung, die den betroffenen (z. b. im rausch, in übler laune) vorübergehend anwandelt und ihn zu zänkischem, unverträglichem verhalten verleitet (vgl. DWB wurmen 3):

wann die flöh die weiber necken,
wil die lufft bald näsz erwecken;
wann sie sticht der böse wurm (üble laune?),
folgt gewisz ein hagelsturm (1638/39)
Logau sinnged. 76 lit. ver. (nr. 286); vgl. 173 (nr. 752);

die Abigail, wann sie sahe, dasz Nabal einen wurm hatt da schwieg sie still, bis der wein von ihm kam. da stund sie auff, und thät ihm eine solche predigt, dasz ihm die augen davon wässerten (1. Sam. 25, 36: erat ei [Nabal] convivium in domo eius, ... et cor Nabal iucundum: erat enim ebrius nimis) Creidius nuptialia 2 (1657) 72; so bald er solches (zaubermittel) hatte, bekam er würm über würm im kopff; wann er nur einen kerl ansahe, der ihme sein tage niemahl nichts leids gethan, so hätte er ihn gleich an hals schlagen mögen (1670) Grimmelshausen Courasche 133 Scholte; herr Esau ist toll und thöricht ... aber weisz denn niemand, wer ihm so einen wurm in den kopff gesetzet hat? Chr. Weise comöd. (1696) 155; gegen mich bezeigte er sich, wenn er keinen wurm im kopfe hatte, ganz ungemein wohl ehe eines weibes (1735) 196; vgl.: er hat den wurm stomachatur (ist ärgerlich, unmutig) Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1053.

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b) seiner hauptverwendung nach bezeichnet wurm jedoch eine harmlose, wenn auch eigensinnig festgehaltene grillenhafte dauereinbildung (schrulle, marotte, lieblingstorheit, fixe idee): also dasz der patient allbereit den namen trüge eines ... narren, der den kopf so voller würm, mucken, grillen, dauben und anderer tausendfältiger phantasey und thorheit stecken hätte (1671) Grimmelshausen Simpliciana 46 Scholte; also musz man offt die bittere warheit mit zucker überziehen, sonderlich bey den leuten, denen der kopff und das gantze gemüth voll würme steckt Schupp schr. (1663) 273; wurm eines wunderlichen menschen oder ein schieffer im kopff, ein wunderlicher vnd fantastischer sinn ... vne estrange folie, mira dementia, mirabiles animi motus et impetus, vel infirmitas et imbecillitas intellectus Duez t.-frz.-lat. (1664) 697:

ein schulfuchs, der den kopf voll griechscher würmchen trägt,
brodt, käse, buch und kiel in eine schachtel legt
J. Chr. Günther s. w. 4, 300 Krämer;

der kerl ist ein phantast — ein sonderling — hat einen wurm ... der neue Diogenes (1777) 8; (Falk:) er ist von denen, die in Europa für die Americaner fechten ... und hat die grille, dasz der congresz eine loge ist; dasz da endlich die freymäurer ihr reich mit gewafneter hand gründen. ... (Ernst:) und woraus nimst du diesen wurm ihm ab? (Falk:) aus einem zuge, der dir auch schon einmal kenntlicher werden wird Lessing 13, 400 L.-M.; er hat ... eine fixe idee, die aber unschädlich ist, so dasz man eigentlich nicht behaupten kann, er sei übergeschnappt, sondern man kann es wohl nur einen wurm nenne, einen sporn Tieck schr. (1828) 5, 518; seine spartanischen vorstellungen (hatten) sich zu einer sogenannten unschädlichen schrolle oder zu dem, was man den wurm bei einem menschen nennt, gemildert Immermann w. 1, 78 Hempel; wo da die gewissenhaftigkeit stecken soll, ist mir völlig schleierhaft. für so was habe ich nur eine benennung: spahn — auch wurm — spleen — so was (1889) Gerhart Hauptmann vor sonnenaufgang 6 13.
c) sprichwörtlich: ein jeder (mensch) hat seinen wurm (s. die parallelen bei Wander dt. sprichwörterlex. 5, 463 nr. 24): ein ieder ist seines wurms vergewiszt: Bisselius (der erfinder des giftpräservativs 'auff 30 jahr') des seinen J. J. Becher närr. weisheit (31707) 181 (erstausg. 1686); weil ... ein jeder mensch seinen absonderlichen wurm hat Thomasius kl. teutsche schr. (21707) 209; ein jeder hat seinen wurm ... admixtum habet aliquid stultitiae, in quo sibi sapientiae titulô placet Pistorius thes. paroem. (1715) 701; ein jeder mensch hat seinen wurm. des Gert Westphalens wurm nun besteht darinnen, dass er die leute mit unnöthiger plauderey aufhält Holberg, dän. schaubühne (1743) 2, 357;

noch spukt der Babylon'sche thurm,
sie sind nicht zu vereinen!
ein jeder mann hat seinen wurm,
Copernicus den seinen
Göthe I 2, 231 W.;

wir wollen ... (es ihm) nicht vorrücken, ein jeder mensch hat seinen wurm A. Ruge s. w. (1847) 6, 112.
d) vereinzelt treten nebenvorstellungen bestimmter hervor, so die der hochmütigen, anmaszenden einbildung:

ein spötter küzle sich, ich gönn ihm seinen wurm
und nehme die gedult, den harnisch aller wafen (1718)
J. Chr. Günther s. w. 4, 96 Krämer;

dass ein gelehrter narr, der voller mängel steckt,
doch fremde mängel stets durch seinen wurm entdeckt
B. Neukirch ged. (1744) 116;

was man aber einen wurm nennt (nicht gemüthskrankheit; denn darunter versteht man gewöhnlich schwermüthige verschrobenheit des inneren sinnes) ist mehrentheils ein an wahnsinn gränzender hochmuth des menschen (1798) Kant s. w. 10, 215 Hart. oder die nebenvorstellung der liebhaberei, manie, leidenschaftlichen neigung:

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wer hat denn dem baron diesen wurm (die antiquitätensucht) zuerst in den kopf gesezt? Kretschmann s. w. (1784) 4, 2, 128. vgl. dazu etwa dän. orm, schwed. vurm in diesem sinne sowie: der bauherr war der fürstbischof Phil. Franz von Schönborn ... er ist vom 'bauwurm' ganz besessen Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 362.
e) mundartl. und umgangssprachlich: du hast wohl'n wurm? bist nicht recht gescheit (Leipzig) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; er hat wirm er ist verdreht Schön Saarbrücken 232; dän hoad wörm schwätzt dummes zeug Christa Trier 219; dien wurm im kopə verrückt Martin Waldeck 285; he hett'n worm (in'n kopp) ist eingebildet, verrückt Mensing schlesw.-holst. 5, 688; hî hji wyrme ôn 't hr er ist verrückt Jensen nordfries. (Wiedingharde) 718. mit anderer sinnwendung: e wîremchen am kapp (kopf) hun 'eigensinnig sein' luxemb. wb. 487.
5) bildlicher gebrauch (s. auch V 1 c, 2 f und 4).
a) übertragungen auf seelische vorgänge.
α) das bild, das der verbindung (nagender) wurm des gewissens (s. auch gewissenswurm teil 4, 1, 3, sp. 6337) zugrundeliegt, geht zurück auf Mark. 9, 48 bzw. Jes. 66, 34: vermis eorum (der verdammten) non moritur et ignis non extinguitur, bei Tatian: iro uuurm ni stirbit inti fiur ni arlisgit. 95, 5 S. in religiöser sprache häufig bezeugt, vgl. auch gewissen teil 4, 1, 3, sp. 6235, 6261, 6274, 6277 und für das mhd. Hugo v. Langenstein Martina 117, 46 K.: das inwendig fewr des menschen das nit zeleschen ist. und ist der bisz des wurms der gewissend, der vernüsset nit (conscientiae remorsus assiduus) Steinhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 131a; vermis infernalis ... der worm der da nagt conscientiam et cor inferno eternaliter Melber voc. pred. (1482) Ee 5a; sy (die menschen) haben ausznen ainen hübschen schein der tugent ..., aber ynnwendig sind sy vol würmme der straffenden conscients Keisersberg predigen teütsch (1508) 78d; wer ... einen wurm im gewissen hat, derselbige halte sich erstlich an den trost des göttlichen worts (1531) Luther tischr. 1, 122 W.; vgl. ebda 4, 700;

da wirt er erst in seym gewissen
von den nageten würmlein bissen (1531)
Hans Sachs 3, 80 lit. ver.;

ihm ganz geläufig vgl. 1, 452; 18, 99; 22, 450; dann sein onreyns gewissen war den menschen vnd gott gehässig, vnd kunnt nit, weder tag noch nacht mer r haben, also bisse jn das würmlin (ita conscientia mentem excitam vastabat) Sallust (1534) a 4b Cammerlander; hüte dich, lieber geselle, fur einem bösen gewissen! du weiszt noch nicht, was es fur ein bös wörmlein ist (1539) bei Luther tischr. 4, 346 W.; als der könig diese ... hört nennen ..., presentierten sich gleich vor jhm die nagende würmlin desz gewissens (1569) Amadis 414 Keller; mit dem kostbaren blut desz herrn Jesu Christi ... den nagenden wurm vnter der lincken brust dämpffen vnd vmbbringen M. Walther erläuterung d. proph. Daniel (1645) 1, 740; was ... böses vorgangen zu recordiren ist im alter ein nagender wurm Lehmann floril. polit. (1662) 1, 299;

den könig, meinen gatten, liesz ich morden,
und dem verführer schenkt' ich herz und hand!
streng büszt' ichs ab mit allen kirchenstrafen,
doch in der seele will der wurm nicht schlafen (1801)
Schiller 12, 564 G.;

hier (in den 'räubern') wird man ... unterrichtet werden, wie alle vergoldungen des glüks den innern wurm nicht tödten (var. den innern gewissenswurm 2, 337 G.) (1781) ders., br. 1, 51 Jonas; wie Faust den wurm, der an seinem herzen zu nagen anfing, durch die wildesten genüsse zu betäuben suchte Klinger w. 3 (1815) 234. daran angelehnt mit näherer bestimmung: (der sünde) wurm (1646) Simon Dach ged. 3, 134 Z.; bereuter laster wurm (1730) Haller ged. 75 H.

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β) das 16. jh. zeigt bereits eine weitergreifende übertragung, die auf quälende empfindungen aller art ausgedehnt wird: darumb so lond uns den schantlichen und gifftigen wurm (den neid) weit von uns treiben, damit er in unsere hertzen nit ynnisten th (1556) Wickram w. 3, 239 lit. ver.; es ist keyner den nit heymlich ein schh trck, der nit einn nagenden wurm vnd heimlich leiden hab S. Franck sprüchw. (1541) 2, 141b; ach, wie vil sein ir noch auff erden, die müssen von den nechsten freünden verklagung, verfolgung und verletzung leyden ..., dardurch sie stäts creütz und leyden spüren und einen nagenden wurm an dem hertzen haben Schumann nachtbüchlein (1559) 70 Bolte; ebda 195; (ihr) war dieser scharffe einhalt ein täglich-nagender wurm im hertzen Lohenstein Arminius (1689) 1, 157b; sorge? — dieser wurm nagt mir zu langsam (1781) Schiller 2, 58 G.; schon damals ... nagte mir der wurm am herzen, ich sah die folgen voraus dessen, was in meinem vaterlande vorging Göthe I 33, 66 W.; ruhig, als ob nicht in ihrer seele ein wurm nagte, sprach sie mit Markus von geschäften Zahn frau Sixta (1926) 259. ganz üblich ist die zufügung eines näher bestimmenden genitivs: der wurm der sorgen (1734) Haller ged. 139 Hirzel, des kummers (1792) Schiller 6, 386 G., des inneren grams Fr. A. Müller Adelbert (1793) 1, 17, des zweifels Lichtenberg verm. schr. (1800) 3, 95, des unmuths Görres ges. br. (1858) 2, 562, des nagenden heimwehes Schubert selbstbiogr. 3 (1856) 156, des zornes Raabe s. w. I 4, 99, der rache Mommsen röm. gesch. 2 (1889) 248. redensartlich: ihr (tut) besser, wenn ihr durch eine anderweite profitable heyrath ihm einen wurm (ärger) in das hertz setzet Schnabel Felsenburg (1731) 3, 177; über Krischans gesicht kroch finsternis ... 'du hast einen wurm (argwohn, zweifel) in meine seele gesetzt' Ehm Welk heiden v. Kummerow (1958) 262. auch die maa. kennen eine anwendung in verschiedenem sinne: dat is mi een nagend worm die sorgen verzehren mich Dähnert Vorpommern-Rügen (1781) 557; der ht an wurm einen heimlichen ärger Jakob Wien 222.
b) als bild einer (den dingen innewohnenden) um sich greifenden verderbnis, ausgehend von der vorstellung des wurms als schädlings (s. ob. III 1; IV 1; IV 3) oder krankheitserregers (s. ob. V 2); vgl. dazu: alle ding haben iren wurm der in inen wachszt ... also ausz reichtumb vnd gesuntheit wachszet hochfart, das ist ir wurm Keisersberg Emeis (1516) 60b; wann man etwas wil verbösern vnd verderben, so musz man ein wurm in handel setzen Lehmann floril. polit. (1662) 2, 795; lieber gar keine (justiz) als dergleichen ..., die ... gleichsam der nagende wurm werden musz, der ... das marck selbsten von des landes vermögen heimlich verzehret Thomasius ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 3;

entstellt' ihn (den knaben) gram,
der schönheit wurm, nicht, nenntest du mit recht
ihn wohlgebildet Shakespeare 3 (1798) 35;

sobald ich ... von privilegien höre, mag ich mich weiter nicht um das staatsrecht eines solchen staates bekümmern. der wurm sitzt im marke Seume s. w. (1835) 356 Wagner; wir kannten den wurm, der darin (in den palästen) bohrte; aber wir wuszten nicht, wie tief er diese welt unterwühlt hatte Ruge briefw. u. tageb. 2, 362 Nerrlich; das leben, welches die beiden führten, liesz nichts zu wünschen übrig; dennoch sasz sowohl in dem hause wie in dem leben der wurm (1861/2) W. Raabe s. w. I 5, 181; (die schüler) hatten einen guten zusammenhalt, ... der wurm kam in die klasse damals, als es anfing, mit dem einladen und mit dem tanzen G. Gaiser schluszball (21958) 104; in beiden beispielsätzen könnte die präposition 'durch' die beziehungen richtigstellen. der wurm bliebe dennoch drin sprachpflege 1 (1957) 4. so heute umgangssprachlich allgemein da ist doch der wurm drin! es ist etwas faul an der sache. hierher auch die fügung

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wurm der zwietracht: qu. v. j. 1929; F. Lenz der ekle wurm der deutschen zwietracht (1953) titel.auch auf das physische befinden des menschen beziehbar: (ein rezept,) das jedem hülfe, sofern er seinen wurm (todeskeim) noch nicht im leibe hätte W. Schäfer erz. schr. (1918) 1, 195. — wurm des todes:

des todes wurm im eingeweide,
melancholey in geist und sinn (1745)
Götz ged. 10 ndr.;

(ein gegensatz,) der durch seine spannung die einheit der griechischen grösze begründete, aber auch den wurm ihres todes in sich trug Vischer ästhetik 2 (1847) 240.
c) übertragen auf menschen; vgl. mnl. worm Verwijs-Verdam 9, 2810.
α) Christus geschändet am kreuze, im zustand der ohnmacht und hilflosigkeit gegenüber seinen verfolgern (ps. 22, 7 ego autem sum vermis, et non homo: opprobrium hominum, et abiectio plebis): ih keuuisso pim uurum ... nalles man, ituuiz manno Benediktinerregel 216, 5 St.; ich aber bin ein wrem u nieht ein mennisk frühmhd. interlinearversion d. psalmen (cod. pal. Vind. 2682) 21, 7 Törnqvist;

er erfulte, daz Davit dort sprach:
ich bin ein wurn, ein mensche niht
Rudolf von Ems Barlaam und Josaphat 72, 31 Köpke;

dann da Christus im tod war, da lebet er, do er ein wurm war und für den aller geringsten und verachtesten geacht, ward er der ehrlichste und höchste für got gehalten (1526) Luther 10, 1, 2, 303 W.; 19, 250; 47, 606; 54, 92; tischr. 6, 81 W.;

warumb werd ich, ich armer wurmb,
mit füssen nu zutretten?
ach? kein mensch bin ich mehr, sondern der menschen schmach
Weckherlin ged. 2, 67 Fischer;

er ... war eine hieroglyphe des leidens, ein wurm und kein mensch El. Langgässer märk. Argonautenfahrt (1950) 123.
β) der mensch als schwaches, hilfloses geschöpf vor gott, vor überpersönlichen mächten; im religiösen schrifttum immer wiederkehrend: noli timere vermis Iacob vorchte dich nicht, du wurmelin Jakob, di ir tot sijt uz Israhel Claus Cranc prophetenübers. Jes. 41, 14 Ziesemer; aber wie tnt wir armen wurmelin, die hie noch kriechent in der erden, in der eschen? Tauler pred. 409 Vetter; (gott,) versmahe nit von mir ungenemen wurme min girde dines lobes Seuse dt. schr. 305 Bihlm.; we byn ik, dat ik dar to dy (gott) spreken? ik byn dyn alder armeste knecht unde eyn vor worpen wormeken imitatio Christi 24 Hagen; das der schöpffer des himels vnd der erden vnnd aller creaturen vnns arme würmlein hatt wöllen sein brüder nennen Keisersberg predigen teütsch (1508) 93b; ist in Christo nach der menscheit ein sulcher wille gewesen, was wollen wir armen wormlein dan brangen, das unser wille guth sey? (1518) Luther 9, 137 W.; 2, 737; 6, 235; 9, 390; 16, 137; sie (Maria) hat wol mögen sagen 'wer bynn ich armes würmlin, das ich ein künig solt geberen?' (1523) ebda 12, 459; bei ihm auch: gegen ihnen (den heiligen vätern) gehalten, bin ich (Luther) ein wörmlein und nichts anzusehen (1539) Luther tischr. 4, 287 W.; 3, 259;

ach wirf dein aug auf mich, der ich schier gar nichts mehr!
ach mein got schaw doch an mich würmlein gantz zertretten!
Weckherlin ged. 2, 139 Fischer;

wie gar tieff läszt sich doch der majestätische gott herunter, uns armen würmen zu lieb J. D. Frisch neukling. harpfe Davids (1719) 790; ich stehe hier in den angelegenheiten eines grösseren herrn, und rede mit einem, der wurm ist wie ich, dem ich nicht gefallen will (1781) Schiller 2, 182 G.; sind wir nicht gegen das wesen der wesen alle gleich? könig und bettler, philosoph

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und bäuerlein, arme blinde würmer? Heinse s. w. 4, 31 Sch.;

so wirf dich in den staub, da nichts wie du (des menschen seele) so klein!
du würmchen in dir selbst, doch reich durch gottes hort,
so schlummre, schlummre nur, mein seelchen, schlummre fort!
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1844) 124;

o herr, du bist, und ich blinder wurm (ein gottesleugner) habe dein dasein verneint M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 161; auch der untertan aus der sicht des despotischen herrschers: (sultan Mahomet:) wagten es auch einige verwegene, auf unsre verbindung zu schmähen — das schmähen dieser würmer durchdringt nicht den staub (1781) Ayrenhoff s. w. (1814) 2, 340; gott im himmel erfährt nichts von euch würmern, geschweige der regent (1788) Göthe I 8, 248 W.
γ) armer (armes) wurm als bedauernd-mitleidige bezeichnung eines schwachen, kümmerlichen menschen, anschlieszend an vergleiche wie: andere sind gegen dir wie gense oder wie arme wurmer Luther 47, 248 W.; ich liege hier, als ein armer wurm Ziegler asiat. Banise (1689) 92; ich schäme mich, wie ein armer wurm vor ihnen zu liegen Göthe 1, 22, 88 W. vgl. ferner unglückswurm, m., n., teil 11, 3, sp. 1010; da wuszte ich armer wurm noch nicht, dasz du mich nicht mehr lieben willst ... und mich nur aus barmhertzigkeit, genannt 'galanterie', heiraten willst (1843) L. v. Gall in: s. br. 302 Muschler; wissen sie was, Bernhard, lassen sie 'das arme wurm' — (Peter fing bereits an, einzelne Berliner ausdrücke zu gebrauchen ...) — lassen sie das arme wurm (die geliebte) nicht blau anlaufen im gesichte Holtei erz. schr. (1861) 22, 110; 'was ist's? ist die Anne wieder kränker?' fragte Rose ... 'kränker! ach, du lieber gott! todt ist sie — das arme wurm!' Spielhagen s. w. (1877) 3, 281; eine frische, freudige, gesunde nonne ist etwas herzerquickendes, solch armes wurm aber (ein lebensabgewandtes frommes fräulein) ... ist zum weinen (1889) Fontane ges. w. (1920) II 5, 259; an uns armen würmern (den steuerzahlern) hat das finanzamt doch schon immer gut verdient neue Berliner illustr. 4 (1954) 11.
δ) 'kleines kind, neugeborenes' im zustand der hilflosigkeit, des leidens. oft in diesem sinne auch als neutrum gebraucht; in gleicher verwendung würmchen und würmlein (belege unten); selten ohne epitheton, meist als armer (armes) wurm: wer hat die mutter alda gelernet, wie sie dem armen wurmleyn (in der krippe) hat kunnen helffen? (1530) Luther 32, 254 W. seit der mitte des 17. jhs. zusammenhängend bezeugt:

(auf den tod eines kindes:)
du armes würmlein hast genug
nach deinem alter auszgestanden,
eh als dein seelchen seinen flug
genommen ausz des leibes banden (1638)
Simon Dach 848 Öst.;

wenn man ein kleines unmündiges kind nennet ein würmichen, igel, ding, thier etc., so beschreyet man es Prätorius philos. colus (1662) 101 (vgl. Bach dt. namenkde 1, 565); das kleine würmgen kan ja noch nicht reden Riemer glückl. bastard (1678) 5 in: zs. f. dt. wortf. 11, 210; einen nagenden wurm (nagwurm) an der brust haben haver' ... un bambino insatiabile Kramer t.-ital. 2 (1702) 100b (vgl. oben a); vier unmündge würmer (1712) bei Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 211; (milch u. gemüse, womit) ich das kleine würmlein ungemein kräfftig stärcken und ernehren konte Schnabel Felsenburg 175 ndr.; ich armer 6 jähriger wurm ebda 261; ich habe ... ein einziges kind, und das arme würmchen ist immer kränklich (1752) Rabener s. schr. 3 (1777) 35;

da konnte sie (die mutter) nun nicht dran dencken
das arme würmgen selbst zu träncken
Göthe I 39, 281 W. (Urfaust);

(Gretchen zu Faust:) siehst du's zappeln? rette den armen wurm, er zappelt noch! ebda 317;

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da schleifte uns
das wasser ein ertrunken kind ans ufer.
wir zogen's drauf heraus, bemühten viel
uns um das arme wurm (1803)
H. v. Kleist w. 1, 128 E. Schmidt;

ein kleines mägdlein von höchstens sechs wochen streckte ihm aus den lümpchen, womit der arme wurm kümmerlich bekleidet war, wie hilfeflehend die ärmchen entgegen (1838) Immermann w. 1, 65 Hempel;

nun isz, nun trink, mein würmchen arm!
A. v. Droste-Hülshoff ged. (1844) 413;

ich ... erblicke einen schmutzigen arbeiter, der ein kläglich zusammengekauertes kleines wurm mit halberfrorner nase in die noch kühle nachtluft trägt Gutzkow ges. w. (1872) 7, 206; der stipendiarius (gestand), dasz das arme würmlein noch nicht getauft (sei) G. Keller ges. w. (1889) 6, 256; 'wozu ist das wurm nun geboren?' murmelte er düster, dann kniete er neben der wiege nieder (1887) H. Sudermann frau Sorge (1001907) 4; ich hab selbst so'n paar würmer zu haus, will sagen, meine sind würmer (1909) Th. Mann kgl. hoheit (1953) 68; was half es denn auch, wenn sie nächtelang vor diesem blassen würmchen kauerte und sich den schlaf versagte! Waggerl mütter (1935) 44; die bahre ..., auf der die Felberin mit ihrem wurm so zufrieden lag, als gäbe es keine schönere wochenstube Ina Seidel Lennacker (1938) 236.
mundartl. namentlich in der verbindung armer, armes wurm über weite teile des sprachgebietes verbreitet, z. t. auch in der mundartl. diminutivform für würmlein und würmchen (Westfalen, Nordharz, Brandenburg, Preuszen; Luxemburg, Mainfranken, Sachsen, Böhmen; Elsasz, Schwaben, Schweiz, Wien).
ε) als spöttische oder verächtliche bezeichnung für einen nichtswürdigen: du wurm, schlecht vnnd geringer schelm, warumb hastu nicht ein erschrockenes hertz engl. comödien u. trag. (1624) D 5a;

eure (des fürsten) brust voll himmelssinnen
lachte, wann ein kotig wurm (nichtswürdiger schmäher)
eures geistes hohen zinnen
bote spöttisch einen sturm (1651)
Logau s. sinnged. 439 lit. ver.;

alleine sagt uns an:
ob ein unfruchtbar weib vernünfftig urtheiln kan
von müttern? meint der wurm (die hure): dasz ein recht mutterhertze
wie ein unkeuscher balg mit ihren buhlern schertze? (1665)
Lohenstein röm. trauersp. 30 Just;

ich will diesem thörichten menschen beweisen, dasz er gegen mich ein wurm sey Petrasch sämtl. lustsp. (1765) 1, 368;

(Faust:) hund! abscheuliches unthier! — wandle ihn,
du unendlicher geist! wandle den wurm (Mephisto)
wieder in seine hundsgestalt
Göthe I 14, 225 W.;

ein kleines würmchen von einem kunstrichter Bode Thomas Jones (1786) 4, 7; 'die hand weg!' knirschte der welsche ... 'hätt ich mein sdégena —' 'wurm!' rief der jüngling. 'bring nur deinen degen mit, das nächste mal' Heyse Meraner nov. (1923) 304. so auch mundartl.: dat is'n worm ein elender mensch Dähnert Vorpommern-Rügen (1781) 557; so e elender worm! (verächtlicher mensch) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; Grassow Kassel 88.
ζ) frühnhd. (namentlich im 16. jh.) als abfällige bezeichnung für finanzielle nutznieszer, raffer, aussauger: haben wir under andern mängeln befunden, das die nagenden unnd schädlichen würm, die Juden, in unserm abwesen mercklich eingerissen d. fürstenth. Wirtemberg newe landsordn. (1536) K 3a;

(geld,) dauon man solt zu gottes ehrn
die arme iugend lassen lern,
das müssen solche wurm (die konkubinen) verzern,
die welt will jhr nicht lassen wern (wehren) (1550)
Alberus fabeln 167 ndr.;

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wenn nu vber das sie (die landleute) eim jeglichen pracher, vnd den beissenden würmen, den gartenbrüdern, auch geben sollen, wo nemen sie es denn? theatrum diab. (1587) 2, 181b. so auch in zuss.: (der graf war) ain rechter erdenwurm und dem nit erden und lands gnug werden konnte Zimmer. chron. 21, 272 Bar.; ob erwehnten kornwürmen (kornwucherern) die angewohnete unchristliche monopolia weiter nicht gestatten ... werden möge (Braunschweig 1597) bei Adrian Beier de collegiis opificum (1727) 500 (zu kornwurm 2, teil 5, sp. 1832).
η) anknüpfend an wurm V 4 während des 17./18. jhs. vorübergehend als bezeichnung für einen närrischen, kauzigen, geckenhaften menschen geläufig, vielfach mit verächtlichem beiklang (s. auch Dannhawer unter wurmen 3); ein wunderlicher wurm vnd ein wunderlicher kautz, der einen wurm oder ein schieffer hat vn estrange homme, ... d'une humeure bijarre, un fantasque et un capricieux Duez t.-frz.-lat. (1664) 697: die haar werden mit ... poudre dermassen besprengt, dasz dieser wurm (à-lamode-geck) eines müllers sohn nicht ohngleich herausz sihet Hüppert schädl. wurm (1648) in: zs. f. dt. wortf. beiheft z. 15. bd., 19; verdrusz ... über den verliebten wurm Narcissus vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 119 Gottsched; die erfahrung hat es ... gezeiget, dasz die allerexcellenteste mathematici ordinairement die allertummeste leute in andern vorwürffen sind und meist recht ridicule würmer Dippel abgewiesene fatale abfertigung (1753) 128;

die reisen schleifen uns die rauhen sitten ab,
die uns ein alter wurm noch in der schule gab
Neukirch ged. (1744) 111.

vgl. dazu nd. worm 'geck, phantast' brem.-nds. wb. 5 (1771) 290 und wendungen wie er heist Hans Wurm Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407b (Hans Wurm etiam pro stulto, fatuo, capitone, obstinato et contumace sumitur Stieler stammb. [1691] 2584); ferner: wie erstgedachter Wurmius (ein argwöhnischer, unleidlicher kavalier) in die kammer eingetretten (in der die mildtätige frau einen bettler sich ausruhen läszt) Abr. a s. Clara Judas 2 (1690) 20.
d) übertragen auf dingliches, namentlich in mundart und fachsprache (s. auch Fischer schwäb. 6, 992).
α) wirmer fein getrocknete suppennudeln (kindersprache) Follmann Lothr. 550. vgl. dazu: in wormleins wis (den teig schneiden) Heidelberger kochen meysterey (15. jh.) in: Alemannia 18, 264; würmlisuppe suppe mit fadennudeln, schweiz. id. 7, 1252; wirmknödel eiernudeln Follmann a. a. o.; würmergen (nudeln aus stärkemehl) Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; s. auch unten wurmnudel.
β) in der anatomie der mittlere, stark gefaltete teil des kleinhirns, wegen der ähnlichkeit mit einem ringelwurm, lat. vermis cerebelli (auffwachsung mit wurms bildnusz Bauman kurzer auszug [1551] bei Hyrtl kunstw. d. anatomie [1884] 12): eine dem übrigen bau des kleinen gehirns ähnliche substanz, die die gestalt eines rings hat und die wurmförmige erhabenheit oder der wurm (protuberantia vermiformis) genennet wird Blancard, arzneiw. wb. (1788) 1, 516a; mehrere venen von der oberen fläche des kleinen gehirnes, besonders vom oberen wurme Sömmerring v. baue d. menschl. körpers (1839) 3, 269.
γ) in der buchdruckersprache so viel wie norm 'der in kleiner schrift am fusze jeder ersten seite eines druckbogens erscheinende abgekürzte titel eines buches' Martin fremdwb. d. buch- u. schriftwesens (1959) 107. wohl wegen des wurmartigen aussehens der titelzeile, unter gleichzeitiger lautlicher anlehnung an norm:

wenn hier der setzer nicht aufs neue was verwirret, ...
wird die revision dem setzer überreichet,
der spiesse niederdrückt, wurm, signatur erhält (um 1740)
Wildenhayn erneuerte ehrenged. (o. o. u. j.) 83;

wurm wird genennet, wenn man in den wercken, so aus mehr als einem theile oder bande bestehen, auf jede erste

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seite des bogens unten: erster, zweyter, etc. theil, oder dergleichen setzet Noël Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 2, 675; Täubel wb. d. buchdruckerkunst 2 (1805) 76; Bucher kunstgewerbe (1884) 443b; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 859.
δ) übertragungen auf technische geräte oder teile von ihnen: die vornehmste stücke einer garnitur seynd die kappe, der bügel, das seitenblech oder der wurm Stahl d. gewehrgerechte jäger (1762) 111; schraube ohne ende Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 859; gang in der mutterschraube, luxemb. ma. (1906) 493; spindel an der handbohrmaschine (im Saarbergbau) Schön Saarbrücken 232.
ε) langgezogene reihe: (wir sahen) einer scharfen linie entlang einen braunen wurm (einen eisenbahnzug) kriechen und darüber ein rauchwölklein schweben Rosegger waldbauernbub (1959) 70; der breite, lange wurm der marschierenden O. M. Graf unruhe (1948) 121 (vgl. DWB heerwurm 1 teil 4, 2, sp. 762).
e) redensartliche fügungen.
α) das würmlein kommt ihm, beiszt ihn in die nase 'er wird ärgerlich, ungehalten, zornig': wenn der bösz gaist gegen dir schlecht, das dir das würmlin geradt in die nasen komen, so man etwan dein gelacht oder gespott oder dich sunst saur angesehen hatt und du bist zornig Keisersberg granatapfel (1510) aa 6b; bald gheswylt ynen der bauch, vnd das wurmlyn beisset sy bald yn ire nasen, wan eyner etwas redt, tht, oder lasset, das wyder iren wolgefallen yst Karlstadt v. manigfeltigk. d. eynfeltigen eynigen willen gottes (1523) B 3b; da war es auss, da hatt S. Velten mehr gedult gehabt, da kam mir das wörmel auch in die nase, dasz ich ... ihm ein ... ungehewre maulschell geben hab Moscherosch gesichte (1650) 2, 510; illi bilis sedet in naribus das würmlein kriecht ihm bald in die nasen Dentzler clavis ling. lat. (1686) 1, 90. in anderer wendung: exagito ... vexieren, fatzen, eim das würmle in die nasen bringen Frisius dict. (1556) 491b; Maaler d. teütsch spraach (1561) 467a; solche red jagt dem mönch den wurm vber die nasen vnd antwortet keck vnd vnerschrocken Kirchhof wendunmuth 1, 495 Öst.
β) jemandem die würmer aus der nase ziehen ihm ein geheimnis entlocken, ihn aushorchen (durch unverfänglich wirkende fragen), frz. tirer les vers du nez; ähnlich im engl. to worm out 'to extract (a secret) by insidious questioning' (s. a. Wander dt. sprichw.-lex. 5, 464); einem die würmer aus der nase ziehen scorgere i secreti dalla bocca d'un goffo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1407c:

lasst mich nur gehn! bei einem vollen glase,
zieh ich, wie einen kinderzahn,
den burschen leicht die würmer aus der nase
Göthe I 14, 103 W.;

wenn es sich dir schickt, vetter, so lose Uli ab, was er denkt, ziehe ihm die würm aus der nase, es wäre mir lieb, wenn ich wüszte, woran ich mit ihm wäre Gotthelf Uli der knecht (1841) 294; dieser fuchs will uns die würmer aus der nase ziehen Mügge täuschungen u. wahrheit (1859) 61; der kerl lockt ihm alle würmer aus der nase und ist dabei preuszischer spion! (1867) Fr. Engels an Karl Marx in: briefw. 3, 426; nun suchten sie sich gegenseitig die würmer aus der nase zu ziehen, mit der gröszten vorsicht und friedfertigkeit, in halben worten und auf anmutigen umwegen G. Keller ges. w. (1894) 4, 225; dem des alkohols ungewohnten die würmer aus der nase zu ziehen Weigand die gärten gottes (1930) 315. mundartl. und umgangssprachlich weit verbreitet: Friedli Bärndütsch (Grindelwald) 2, 596; (Lützelflüh) 1, 447; Hunziker Aargau 304; Martin-Lienhart elsäss. 2, 854; Follmann Lothr. 550; Christa Trier 219; luxemb. wb. (1906) 493; 487; Dang Darmstadt 206; Müller-Fraureuth obersächs. 2, 683; Mensing schlesw.-holst. 5, 688. auch: dî skell ik nôch e wyrme yt e naz teîe (beim abholen der trümpfe im kartenspiel) Jensen

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nordfries. (Wiedingharde) 718; vgl. Mensing schlesw.-holst. 5, 904.
 
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wurm-zusammensetzungen. sie folgen hier in einer alphabetischen reihe ohne berücksichtigung der wechselnden gestalt der fuge: wurmes-, wurms-, würme-, würmen-, würmer-.
 
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wurmaas, n., speise, frasz, aas für die würmer. caries uurmeiz (d. i. uurmaz) ahd. gl. 4, 246, 18 (11./12. jh.). nicht zu wurmäszig (s. d.), sondern unmittelbar zu aas gebildet; s. auch DWB aas, DWB aasz, teil 1, 6; asz 1, 590; als derb verächtliche bezeichnung für den vergänglichen menschlichen leib im religiösen schrifttum des 16. u. 17. jhs. nachweisbar: desz Luthers madensack vnd stinckets wurmasz J. Nas antipap. eins u. hundert 5 (1570) 390b; es ist doch alle jhr (der menschen) herrligkeit nur staub und aschen, und sie ein würmasz Gugger christl. heerpred. (1590) 2, 43; der mensch ... (ist) im todt ein schlangen- und würmenasz Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 364; wurmaasz und madensack ebda 6, 699. vgl. dazu das jüngere wurmfrasz und wurm IV 4. —
 
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wurmähnlich, adj., als mediz. fachwort das lat. (motus) peristalticus bzw. vermicularis wiedergebend: die wurmähnliche bewegung der gedärme medizin. lex. (1756) 1040; wurmähnlicher puls Blancard, arzneiwb. (1788) 3, 296b. allgemein: wurmähnliches kriechen Wieland s. w. 7 (1794) 66 Göschen.
 
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wurmartig, adj., wie wurmähnlich als übersetzung von vermicularis: der wurmartige anhang, der kleine blinde darm medizin. lex. (1756) 67. anders: wurmartiges land, sehr mit sand und moorartiger erde vermengtes marschland Benzler deichbau (1792) 2, 292. allgemein: sich wurmartig winden Göthe I 38, 270 W.; der geheimreferendar betheuerte unter wurmartigen krümmungen seines körpers F. Carion ein getheiltes herz (1858) 3, 228. bildlich: ihr staat musz ein bienenstaat werden, d. h. ein staat des wurmartigen gehorsams in despotien E. M. Arndt schr. (1845) 1, 455. —
 
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wurmarznei, f., medicina, rimedio che scaccia i vermi dal corpo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408a; Campe 5 (1811) 795b: sie nennen es (das kräutergetränk) ... würmeartzney aus Kerman Olearius verm. reisebeschr. (1696) 288; allg. dt. bibl. (1765) 113, 11. —
 
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wurmarzt, m., medico, it. ciarlatano che guarisce da'vermi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1408a; 'ein herum reisender arzt oder marktschreyer, welcher mittel wider die würmer im menschlichen leibe verkauft' Adelung 5 (1786) 310: mancher mensch ... hat aufgeschnitten wie ein wurmartzt Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 606; er folgte also seiner natur und ward ein wurmarzt wurmsaamen 28 Witkowski; s. u. wurmfrau.
 
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wurmäszig, adj. , wurmstichig, von würmern angefressen, zerfressen. ahd. wurmazig, mhd. wurmæzic (wurmæze nur Hugo v. Langenstein Martina 53, 11 im reim mit ungemæze), frühnhd. wurmässig, umgedeutet wurmessig, mnd. wormetich Schiller-Lübben 5, 769. das wort, dessen zweiter bestandteil (s. äsig, äszig teil 1, sp. 587; 590; ferner unäszig teil 11, 3, sp. 199 und wolfäszig teil 14, 2, sp. 1258) im 16./17. jh. aus der schriftsprache zurückweicht, wird durch wurmstichig (s. d.) ersetzt. es lebt jedochim zweiten gliede unter dem einflusz lautlich oder semantisch nahestehender bildungen teilweise umgestaltetin den neueren mundarten fort: wuarmätrig Köppen Dortmund 67; wormætig, wuamaite rich, wuarmätterich Woeste-Nörrenberg westf. 328; Schmoeckel-Blesken Soester Börde 338; wormēszich, wormēsich Crecelius oberhess. 927; wormäsig, wormēzig Autenrieth Pfalz 153; wurmetsich Follmann Lothringen 550; urmatsiç Scholl Ottweiler 157; wurmatzig Schön Saarbrücken 232; wurmässig, wurmätzig Martin-Lienhart elsäss. 1, 71 (die teilweise umlautlosen affrikataformen im elsäss. und lothr. zu elsäss. atzen 'essen' Martin-Lienhart 1, 86); wurmässig, wurmmässig, wurmbäsig schweiz. id. 1, 502 (anlehnung an -mässig, -wasle); wurmässig Fischer schwäb. 6, 993 (mit nebenformen unter

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dem einflusz von masig und eissig); wurmäszig Schmeller-Frommann bayer. 1, 157; 2, 1001; wurmássik Lexer Kärnten 10; 260. umgestaltungen des zweiten gliedes begegnen vereinzelt auch in älterer sprache (16. jh.): wurmmessig Westerberg gottesdienst der statt Cöllen (1545) E 2a (s. auch ahd. gl. 2, 559, 34 [unter 4]); wurmeyszig Melanchthon (belegstelle fehlt). der gleichen zeit gehören an bildungen zur pluralform von wurm: würmeszig Petrus de Crescentiis de agricultura 87a (beleg unter 2; weiteres bei Schmidt elsäss. 433 und im schweiz. id. 1, 502).
1) vom holz; in den lebenden mundarten hinter wurmäszig 2 an gebräuchlichkeit zurücktretend: alibi cariantem tripodem ... repererunt ... in sumelichen dien steten funden sie ... sînen uuormazigen disg Notker 1, 703, 9 P.; für das mhd. vgl. Stricker Karl d. Gr. 2509 B.; pilgerf. d. träum. mönchs 8479 Bömer; aus frühnhd. zeit: disz schifflin (Maria) ist nit gemacht von dem wurmäszigen holtz der sünd, dauon wir alle gemacht sind Keisersberg schiff d. penitentz (1514) 17d; wo an eim baum nichts ist oder alles wurmässig ... ist, da spricht yedermann: der baum ist nichts wert bei Luther 52, 425 W.; wann ein baum brandig oder wurmeszig ist, schmiere den schaden damit (1569/70) haushaltung in vorwerken 128 Ermisch-W.; wenn an einem grossen baum etliche äst wurmessig vnnd vnnütz seind, so hawt sie der gärtner nicht all ab Lehmann floril. polit. (1630) 743.
2) von früchten; s. auch schweiz. id. 1, 502; Fischer schwäb. 6, 993; Schmidt elsäss. 433; für das mhd. vgl. auch Rudolf v. Ems Alexander 3125 Junk: nu ist súmlichú fruht wurm ssig, dú vallet abe e zit und verdirbet gar St. Georgener prediger 326 Rieder; die phel vielen alle ab, e si zitig wúrdin, und wúrden alle wurmessig Tauler pred. 184 Vetter; dieselben byren söllent ouch nit wurmessig sin (15. jh. elsäss.) weist. 4, 136 G.; da von werden seine früchte wörmigk oder würmeszig und fallen abe unzeitig Petrus de Crescentiis de agricultura 87a; bey ainer haselnusz, die ain klains engs löchlin hat, merckt man wol vnd ist ain zaichen das sy innwendig wurmässig ist Keisersberg granatapfel (1510) bb 4d; das sind nun die, so in der verfolgung nit bleyben, sonder wie das wurmessig obs am baum bleybt hangen, weyl (solange) es still ist; bald aber ein wind kombt, fallet es hauffen weysz ab (1544) bei Luther 52, 144; vgl. 52, 420 W.; wir haben selten gesehen, dasz die frücht von solchen geärtzten bäumen wurmessig weren gewesen Henisch Antonii Mizaldi artztbüchlin (1574) 10; wann der erdboden der bäum allzufeucht ist, so werden die frücht wurmässig Lonicerus kreuterb. (1593) 24a; pomum vermiculosum wurmessig obst oder wurmstichig obst Zehner nomencl. (1645) 197; ein wurmäsiger apfel B. Auerbach schr. (1892) 11, 147.
3) mit würmern durchsetzt; von faulenden, sich zersetzenden substanzen; für das mhd. vgl. auch passional 16, 93 Köpke; ferner Heinrich v. Hesler evang. Nicodemi 4883 H.: aber wolfässig flaisch und wurmässigs und anderlai gebresthaftigs flaisch sont si niendert vail haben (14. jh.) oberschwäb. stadtrechte 1, 37; solches erhalt sie (die käse) auch für den käsmaden, das sie nicht wurmessig werden Sebiz feldbau (1579) 100. ähnlich: die flamme purificirt wurmäszigen luft fürtrefflich Muralt beschreibung d. pest (1721) 46.
4) übertragener gebrauch stellt sich bereits im ahd. ein anläszlich der wiedergabe einer Prudentiusstelle (hymnus ad exequias defuncti, Cathemer. 10, 141): (si) cariosa vetustas (dissolverit ossa favillis) uurmazih altir (hs.: xxrmbzkhbltkr) (11. jh.) ahd. gl. 2, 504, 1 St.-S.; dazu ahd. gl. 2, 387, 67 (vurmazig, 11. jh.); 2, 392, 36 (wrmaziga, 11. jh.); 2, 554, 3 (uurmazig, 11. jh.); 2, 559, 34 (uuur mazzig, uur mazzic, 11. jh.); 2, 591, 9 (uurmazig, 11./12. jh.); 2, 490, 66 (uurmazig, 12. jh.), s. auch 4, 237, 28. — in mhd. und frühnhd. zeit festigt sich bildlichallegorischer gebrauch (s. die belege unter 1—2 sowie Tauler pred. 188 Vetter), der zu der übertragenen verwendung

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hinüberführt, wie sie sich namentlich in der geistlichen prosa des spätmittelalters und der reformationszeit entfaltet.
a) hinfällig, brüchig, ausgehöhlt (von gütern, werten); für das mhd. vgl. (13./14. jh.) altdt. pred. 91, 160 Wackernagel: alles da syn (gottes) ere nit yn geliebet wúrdt, das ist alles wurmessig und verloren d. ew. wiszh. betbüchl. (1518) 184b; do er den rechten kernen christlicher heyligkeyt wurmessig gemacht hatt (1521) Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 21 Kück; s. noch Schmidt elsäss. 433; Fischer schwäb. 6, 993. hierher auch: dise mainung, der fördern zwider, ist gleichwol auch wurmbeszig (nicht stichhaltig, falsch) vnnd ärgerlich J. Nas antipap. eins vnd hundert (1567) 3, 206a.
b) verdorben, sündig, untugendhaft, sittlich nicht einwandfrei (von menschen): nu griffen wir wider an unser materie, der wir ze verre nicht engangen sin mit disen wurmessigen (nicht gottergebenen) lúten Tauler pred. 189 Vetter; die übel werdent nit gestrafft, die da straffen söllen, seind selb wurmässig Keisersberg granatapfel (1510) bb 5b; narrenschiff (1520) 27b; ... vyl byschoff wurmessig sind von wegen ires gydtz Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 11 ndr.; der adel verdirbt und wirt wormessig in den kindern (wenn sie nicht tugendhaft sind) R. Hadamar wie iunge fursten unterwisen ... mögen werden (1537) 81 in: archiv f. hess. gesch. 15 (1884) 396; item dasz ein ieder sein geschlecht, wie wurmäsig es were, ansehe S. Franck Germ. chron. (1539) vorr. b 3a. weitere belege Fischer schwäb. 6, 993; schweiz. id. 1, 502 (noch in lebender mundart).
c) in mundarten scherzhaft von kränklichen, mit gebrechen behafteten menschen, namentlich von militärdienstfreien jungen männern: schweiz. id. 1, 502; Martin-Lienhart elsäss. 1, 72 (auch von kränklichen, schwächlichen kindern); Fischer schwäb. 6, 993; Autenrieth Pfalz 153. —
 
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wurmäszigen, vb., wurmstichig werden; gelegenheitsbildung Fischarts, der umschreibende wendungen zur seite stehen wie vermescere wormmessig werden Melber voc. predic. (1482) Ee 5a (Diefenbach gl. 613a); Alberus dict. (1540) Ee 3b: das holz an den zweien lezten tagen des christmonats, vnd dem ersten tag des jänners so es neu ist gefällt, faulet noch wurmäsiget nicht Fischart in: Gengenbach 429 Goedeke; vgl. Fischart practick (1607) G 4b. —
 
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würmat, an wurm angelehnte spielform von wermut, s. d. sowie Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 422.
 
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wurmbeiszig, adj. , von würmern angefressen, zerfressen, wurmstichig; ahd. wurmpeizig: (non patiar, ... ut) cariosorum (venereris monstra deorum) vvrimpeizigero (11. jh.) ahd. gl. 2, 468, 7 St.-S. (Prudentius, contra Symmachum 1, 434); cariosa vurmpeizigiu (über -iz- steht iz übergeschrieben), vvrmpeizigiv (11. jh.; eizigiv auf rasur) 2, 424, 53 (Prudentius, hymnus ad exequ. def. 141); vgl. auch: cariosa uuurm-betid (11. jh.) 2, 576, 59 (Düsseldorfer Prudentiusglossen); mhd. wurmbeizic (belege s. u.). das schwach bezeugte, in nhd. zeit nur mundartlich (im bair.-österr.) fortlebende wort (schriftsprachlich dafür vereinzelt wurmbissig, s. d.) ist wie wurmäszig zu beurteilen und keine ableitung von mhd. wurmbeiz 'schlangenbisz, schlangenstich', das wie wurmbeiszig in ostobd. mundart noch begegnet (wurmbaiss Hintner tirol. dialektforschg. 241; wurmpoass 'wurmstich im holze' Schatz Tirol 715). im mhd. ist es nur einmal belegt: (der stein jaspis) ist och gǒt fur aller slahte wurmbaize (aus clm 536; 12. jh.) Germania 8, 302; Schmeller-Frommann 2, 1001. ein mhd. *wurmbîzic (mit länge), das seit J. Grimm dt. gramm. 2, 542 in den wbb. erscheint (Schmeller-Frommann 2, 1001; mhd. wb. 1, 193; Lexer 3, 1009), findet keine sichere stütze, denn die ahd. glossenvariante vurimpizigero 2, 468, 7 (s. ob.; hierher auch die verbesserung von vurmpeizigiu 2, 424, 53 [mit übergesetztem iz]?) kann den kurzvokal der tiefstufe bezeichnen, also zu biz, m., gehören. auch darf aus den hsl. überlieferten mhd. -ai-/-ei-formen trotz mhd. bîzic, nhd. beiszig ein *wurmbîzic nicht erschlossen werden.

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1) vom holz:

so man in (den baum) nieder meizzet,
so ist er wrmbeizech,
er ist innen ul unde ble getan Rolandslied 1967 Wesle;

(hs. P [12. jh. ende]: wrmbeizeich; A: wormbezzech. s. auch wurmbessick als la. zu Strickers Karl 2509 Bartsch bei Schilter thes. 2, 28bformen, die von wurmaezic, wurmessig beeinfluszt sein können). dazu mundartliche zeugnisse: wurmbeiszig Schmeller-Frommann bayer. 2, 1001; wurmbaissick Hintner tirol. dialektforschung 241; wurmpoassik (Defreggen) Schatz Tirol 715; wurmpassig Unger-Khull steir. 640a.
2) von der wurmkrankheit befallen (zu wurm V 3):

da hilft man den phrten mit:
wann sie wurm paizzig sein,
so tt man disw wort schein
Heinrich d. Teichner 83, 9 Niewöhner (
Karajan anm. 94: wurmbizzec).