| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||
wo bis wochelohn (Bd. 30, Sp. 903 bis 933) | |||
| ahd. hwâr, wâr, mhd. wâ, nhd. wo entsprechen in den andern germ. sprachen mit langem stammvokal: mnd. nd. wār (wōr), mnl. waer, nl. waar, afries. hwēr (länge gesichert, da in der gruppe war ă nicht erhöht wird, s. v. altostfries. gr. 1), nfries. hur, huar, wer (auf Sylt, Amrum, Föhr, den Halligen, Wangeroog und an der küste, s. [Bd. 30, Sp. 904] anz. f. dtsch. altert. 21, 158), nordfries. wir (s. Moringer ma. 336; Wiedingharde 701), ags. hwǽr, spätwestsächs. hwár, me. hwār, hwēr (u. ä.), engl. where; mit kurzem stammvokal: got. ar, an. hvar, mnorweg. hvar(r)a 'wo in aller welt' (u. ä.), schwed. (h)var, dän. hvor, norw. kvar. unbestimmbar ist die quantität von as. hwar 'wo, wohin (wie)'. die kurzvokalische form des gleichen stammes in der bedeutung 'wo' ist innerhalb des westgerm. sicher erhalten in ahd. (h)wergin, as. hwergin (huuargin nur Hel. 1089 in M), ags. hwerʒen (vgl. an. hvergi) 'irgendwo' aus germ. *har-gin (das zweite element = ai. caná, s. 1, 399 und 22, § 428, 3); ungewisz ist die quantität der emphatischen nebenform des angelsächsischen hwára (oder hwara?), s. ags. gramm. § 321 anm. 2. ahd. mhd. wăr vor adverbien wird aus der schwachtonigkeit erklärt und braucht nicht auf den kurzvokalischen stamm zurückgeführt werden, s. ahd. gramm. § 264. die formen gehen auf ablautende idg. *qēr und *qor zurück, adverbialbildungen durch das in dieser funktion mehrfach bezeugte formans -r zum stamm des fragepronomens idg. *qo-; zur kurzvokalischen form gehören auszer den oben genannten ost- und westgerm. bezeichnungen für 'wo' noch die lokaladverbia der richtung: ahd. (h)wara, mhd. und frühnhd. war(e), as. hwar, mnd. (nd.) war und das ostgerm. fragepronomen got. arjis, an. hverr 'welcher?' (vgl. das gleichgebildete lit. kurìs 'welcher' aus ku jìs, also wörtlich 'wo er'); ferner ai. kár-hi 'wann?'. die westgerm. langvokalische wortform steht im ablaut mit altlat. quōr, lat. cūr 'warum'; dagegen gehört lit. kũr 'wo, wohin' nicht zum stamme idg. qo-, sondern zu danebenstehendem qu-, s. lit. maa. 2, 1922, 211; 1, 521 und lat. etym. wb. 313. die gleichen quantitätsunterschiede wie bei dem aus dem stamm des pronomen interrogativum entwickelten adverb finden sich bei der gleichartigen ableitung aus dem stamm des pronomen demonstrativum, idg. *to-, vgl. got. an. þar und ahd. dâr, mhd. dâ, nhd. da, as. thr, afries. thēr (thĕr), ags. ðǽr, spätwestsächs. ðár (dazu ðára oder ðara). neben wâr führt als zweisilbige ahd. form ahd. gramm. § 264 wâre an (vuare 2, 132, 20 Piper); vgl. dazu mnd. ware (swore) bei nd. forsch. 2, 140; mnl. ware 9, 1536; ags. hwára, s. oben; mengl. (h)ware, hwere, where 358a; mnorweg. hvar(r)e, hvar(r)a u. ä. nynorsk et. ordb. 341. altes im ahd. allgemein zu ende des 8. jhs. geschwundenes anlautendes h ist noch nachweisbar, z. b. in so huuar so ubicumque Benedictinerregel bei sprachdenkm. 274, 5. das auslautende r fällt wie bei andern einsilbigen partikeln mit langem vokal seit dem 11. jh., vgl. uua 13, 1; 107, 13 u. ö.; doch konnte es in dem schwachtonigen war vor adverbien, zumal vokalisch anlautenden, erhalten bleiben, vgl. die zusammenfassung über die gestalt des ersten bestandteils der wo-composita hinter wozwischen. im simplex begegnet die alte form innerhalb des deutschen noch mundartlich im mfränk. und nd. (auszer Westfalen und z. t. der gegend von Göttingen), s. anz. f. dtsch. altert. 21, 158 und nd. forsch. 1, 213 anm.; gelegentlich in schriftsprachlichen denkmälern, z. b. neuer teutscher Parnasz (1625) 78; Venusgärtlein 38 ndr. die verdumpfung von ā > ō unter dem verstärkenden einflusz des vorangehenden w läszt sich im hd. seit der zweiten hälfte des 13. jhs. nachweisen, zuerst bei bair.-österr. und md. verfassern wie reimchr. 92366 Seemüller; Apollonius 1837 S. (neben wa); passional 167, 95 Hahn; märterbuch 109 Gierach, ferner im elsäss., z. b. in einer Straszburger hs. von pred. 395, 27 Vetter; städtechron. 9, 933, 29 (Straszburg 15. jh.). doch herrscht wa zunächst noch vor, schreibt es bis 1521, s. dt. gramm. 1, 212. es hält sich am stärksten im alem. und ist dort noch im späteren 16. jh. häufig bezeugt, z. b. bei griech. dramen 2, 243 Dähnhardt; Gargantua 26 ndr.; (1595) s. u.; vereinzelt auch im 17. jh., z. b. ged. 1, 3 Fischer; 1. gebüsch (1647) 213; [Bd. 30, Sp. 905] heute noch mundartlich im hochalem., s. Davos 1, 305. auszerhalb des alem. im hd. seit der 2. hälfte des 16. jhs. nur selten: (1565 Salzburg) österr. weist. 1, 209; (1744 Tirol) ebda 2, 208. im nd. findet sich die gleiche entwicklung seit der mnd. zeit; doch hat sich hier wie im ndrhn. a oder ein a-haltiger laut öfter erhalten, s. anz. 21, 157 f. auch in der zusammensetzung mit adverbien vollzog sich der übergang von wa(r)- zu wo(r)-, wiewohl es sich hier um kurzen vokal handelt; wa(r)- hält sich häufig bis ins 17. jh. und ist heute noch in warum erhalten, vgl. teil 13, 2188 und die hinter wozwischen folgende übersicht. sonst begegnet altes wa noch in etwa, neben dem etwo 'alicubi' nur bis ins 16. jh. hinein belegt ist, s. teil 3, 1187 f.; das zurückgehen der ursprünglichen lokalen bedeutung im 16. jh. (s. teil 3, 1181. 1187 f.) und das in gewissen anderen verwendungsweisen synonym danebenstehende etwan (< mhd. eteswanne) mögen zur erhaltung des a beigetragen haben. über die verteilung von mundartlichem wu, wue, wau u. ä. s. anz. 21, 157; wu findet sich hauptsächlich in teilen des nd., westl. md. und obd. westlich vom Schwarzwald, ferner im obersächs. (s. 2, 676a), im unterfrk. (s. 197); wü im elsäss.; wue im nd. und im Voigtland; wau, wou im westl. md., schles., bair. und schwäb. (vgl. 6, 911); dazu passen einzelne in älterer zeit bezeugte literarische belege wie mnd. wur, wu bei 5, 598, 756; wu (nd. 15. jh.) bei gl. 481a; wu, wue bei 8, 514 W.; 34, 2, 40 W.; wu ungedr. pred. 143 Buchwald (aus Zwickau); ebenso w. 8, 671 K.; weisth. 6, 21 (aus Wertheim 1384); wue (1456) im archiv d. histor. ver. zu Würzburg 22, 122; ebenso (1525) in: chron. d. stadt Bamberg 2, 229 Chroust; wu und wau in schwäb. denkmälern, vgl. 6, 911 und wǎ liederb. der Hätzlerin 78 H.; wau (Augsb. 16. jh.) städtechron. 25, 173. das relativische und konjunktionale wo geht zurück auf ahd. sô (h)wâr sô. die entwicklungslinie wird bezeichnet durch folgende formen: so huuar so Benedictinerregel bei sprachdenkm. 274, 5; so war so 3, 3, 12 E.; so war ders. 4, 6, 24; souuar 2, 37 Piper; sua Wiener genesis 2040 Dollmayr; swo passional 86, 80 K.; 375, 50; wa Elisabeth (hs. 1. hälfte 14. jh.) 850 Rieger; wo märterbuch (hss. 14. und 15. jh.) 6 Gierach; Marienburger treszlerbuch 1399-1409 275 J. das zweite sô beginnt seit dem 9. jh. fortzubleiben, findet sich aber gelegentlich auch noch später, z. b. swâ sô Nibelungen 1739, 2 Lachmann; Tristan 16352 B. auch das erste sô erhält sich zuweilen länger, z. b. so wo pred. 395, 27 Vetter; soe waer gemma gemm. (Köln 1512) z 3a. zur erklärung des schwundes des mhd. proklitischen s s. I3 § 101 anm. 3 und Behaghel gesch. d. dt. spr.5 § 381. über parallelen im übrigen westgerm., auf das die bildungsweise des verallgemeinernden relativums durch so — so (afries. sâ — sâ, ags. swâ — swâ, swa — swa) beschränkt blieb, s. gramm. 3, 44 f. bedeutung und gebrauch. I. wo als adverb. A. in interrogativem gebrauch. 1) als lokaladverb der ruhe. a) in direkter rede. α) in der einfachen frage: uuar ist ther, thie giboran ist, Judeno cuning? Tatian 8, 1 Sievers; wâ bistu, Adam, mîn trût? Wiener genesis 757 Dollmayr; (Lunete zu Laudine:) sag, wo ist der gemahel dein? [Bd. 30, Sp. 906] wo aber ist sie denn?wo bleibt sie? wo teufel auch, wo lieszt ihr die perücken? nach einer stelle in einer schrift, einer erzählung fragend: wirffst du mir mein sündgen für, β) in der rhetorischen frage: uuar ist denne diu marhadar man dar eo mit sinen magon piehc? wâ sint si nû, die dich dâ minnent, Êre? wâr gewan ie sicheinis kuningis gnôz wâ funde ich denne ein alsô wol getâne, wâ wart ie magt sô tiure?(wie die jungfrau Maria) denn wo ist heute doch ein land, [Bd. 30, Sp. 907] 46, 80 W.; in besonderen fällen: wo ist hie die schneyde des bockischen (d. h. Emserischen) geystis? gegen Emser in: flugschr. 2, 96 ndr.; wo ist ihre klugheit? ihr gutes betragen? (anrede) 22, 196 W.; wo fehlts nicht irgendwo auf dieser welt? γ) im mhd., das gern die frageform im adhortativen sinne verwendet, leitet wâ, gewöhnlich in verbindung mit nû (nu) derlei oft halb fragende und halb ausrufende sätze ein (s. Zarncke bei 2, 1, 421a, 1 und gramm. 3, 302. 778): wanu frunt unt man, wa nu mine lute, wâ nû, ir frouwen, sprechent dar! b) in indirekter rede: (die jünger zu Christus:)meistar, zellen wir thir war, wâ ich den künic vinde,daz sol man mir sagen Nibelunge nôt 78, 2 L.; sy gingen z einem münche, fragten, wo sie gehaben möchten einen heyligen gten man, peicht ze hören decamer. 22 Keller; aber ehe er sich wieder recht besinnen konte, wo er war, ging mein pferd durch 2, 338 Keller; wo ich bin, verschweig ich noch eine kleine zeit IV 8, 25 W.; (er) baute ein schlosz, von dem niemand weisz, wo es gestanden hat ges. w. 1, 11; mit doch (s. unter 1 a): neben diesem hat man auch viel ... meynung gefunden, wo doch die seele im menschen ihre residentz (habe) ausgew. dicht. 6 Martin; w. 2, 73 Hauffen.ohne eigentliche ortsvorstellung: oc scal ik iu seggean noh, nû lob ich got, sît dîniu bant (der frau Minne) siehst du also einem geschöpf besonderen vorzug in bestimmten wendungen. nach wer weisz, gott weisz in parenthetischem gebrauch: (liebende,) die in sachen, die, wer weisz, wo und was sind, witzig sind, ein schaf, das, eingehetzt von hunden, sich [Bd. 30, Sp. 908] an Zelter IV 33, 9 W.; es ist doch eine kuriose theaterprinzessin, die Sissi von Mandelbisz; wo die überall herumkömmt, die kann auch mehr als brod essen! ges. schr. (1852) 5, 168; da war der junge pater Garzweiler lange jahre fort, in Rom und wo all d. clubbisten in Mainz (1847) 1, 10. redensartlich: nicht wissen, wo einen der schuh drückt, vgl. teil 9, 1847: eur keiner weisz, wo mich der schuch druckt dtsche schr. 1, 7 H.; (wir) wissen selbst am besten, wo uns der schuh drückt, woran das übel liegt 18, 206 Suphan; so auch mundartlich, s. z. b. elsäss. 2, 778; ähnlich: ick meine, gi hebben woll geuollet (gefühlt), wor jw de scho dvinget (16. jh.) Stralsunder chron. 1, 49 Mohnike-Zober; sprichw. 47 Hoffmann v. Fallersleben; nicht wissen, wo einem der kopf steht, s. teil 5, 1758: Gockel wuszte auf diese rede gar nicht, wo ihm der kopf stand ges. schr. (1852) 5, 159; sehen, wo der zimmermann das loch gelassen hat, vgl. teil 6, 1095: (ich) sahe, wo der zimmermann das loch gelassen hatte Schelmuffsky 7 ndr. (vollst. ausg.). heute nicht mehr gebräuchlich ist: die groszen narren ich hie mein, c) wo in verbindung mit einzelnen anderen lokaladverbien. α) wo (hin)aus 'quorsum, quo' XI ling. (1598) 1217b; clavis ling. lat. (1716) 354b; wo usz, Hans Latz, wilt du daruon? ach muttergotz, wo sol ich ausz? wo soll ich ausz, wo soll ich ein, da ich ein kind war, do wuszt ich nit, wo usz noch an sie wissen nit wo ausz, wo an, β) in der wendung wo will ... (die person oder sache) hinaus? und ähnlich auf absicht oder zweck einer handlung, eines verhaltens u. s. w. zielend: sihe, wo der teuffel hinaus wil, das heist: den nebel fein von den augen thun 26, 370 W.; o wie förcht ich mir, wo hinaus du doch lendest Terenz (1539) 5a; dar ab der zhrer verwundret und gedenckt, wo will die vorred hinausz s. schr. 1, 58 ndr.; Amadis 28 Keller; aber genug hiervon: man sieht schon, wo ich hinaus will Lessing [Bd. 30, Sp. 909] 10, 83 Muncker; auch heute noch üblich, auch mundartlich, vgl. z. b. schwäb. 6, 911 f. wo in verbindung mit anderen lokaladverbien, mit denen es composita bildete, s. an alphabetischer stelle. d) wo bei verben des nehmens anstelle von heute üblichem woher, vgl. auch unten II A 7: war nimist thu thanne ubar thaz wazzar fliazzantaz? wâ næmet ir die spîse,daz brôt und ouch den wîn? Nibelunge nôt 1627, 2 L.; Soldan z der zeit einer groszen summe geltes nottorftig was, nicht weste, wo (donde) die so palde ze nemen decamerone 33 Keller; wo wolten wir schaff nhemen, wan die leyen all selber hirten weren? in: flugschr. aus der reformationszeit 1, 144 ndr.; wo nemmens (die samenkörnlein) doch die kunst und witz, wo nehmen wir denn rechte lieder? 2) wo für wohin findet sich gelegentlich in denkmälern des nd. sprachgebiets, auf dem mundartlich altes hwr 'wo' und hwar 'wohin' nicht unterschieden sind: ach doller sinn!wo wiltu dich versteigen? nun waisz (= nu enweiz) ich armer, wa ich sol, 3) wo im sinne von 'wie'. a) im ahd. mhd. nach verben der sinnlichen wahrnehmung (vgl. engl. look where) anstelle von 'wie dort'; mhd. geradezu formelhaft seht wâ, schouwet wâ, hœret wâ u. ä., vgl. 3, 621; Paul mhd. gramm.12 § 342 anm.: sehet, quad er herasun,war geit ther druhtines sun; si sprach, daz hœret, recken,wâ er mir lougent niht seht, wâ der louc sô hôhe bran, b) sonst gelegentlich mhd. und frühnhd.: wo getar der sunder iemer me c) auf niederdt. boden ist altes hwr und hwô 'wie' auf einem mittleren gebiet (bezeichnet durch die linien Wesermündung-Osnabrück im westen, Misdroy-Netzemündung im osten) lautlich zusammengefallen, vgl. anzeiger [Bd. 30, Sp. 910] 22, 93; nd. forsch. 1, 213 anm., so dasz wo als die regelrechte entsprechung von wie erscheint, s. d. das gleiche gilt vom obersächs., z. b. wo soll ich denn das wissen? woso? 2, 676a; Leipziger ma. 237b. B. wo als indefinitum. 1) 'irgendwo'. im ahd. mhd. nur vereinzelt gebraucht, da die interrogativa als indefinita meist nur mit vorgesetztem präfix fungieren (wie ahd. eddes-, ette(s)-, mhd. ete-): ob iz war zi thiu gigatthaz man thia diufi ni firstat, (die kleider) wâren wâ unde wâ hohe, die ans licht gesetzt, sollen unter sich stets sehen sieht sie dich etwa wo schlummern ich kenne wo ein festes schlosz, ein narr, wer auch nur eine rose ich hoffe, man wird mir auch disz nicht übel deuten, ich habe wo gelesen, wo in indefiniter verwendung ist noch häufig in der verbindung wo anders: o das that Töffeln weh, und er beschlosz bei sich, nach dem eingehen der ursprünglichen bedeutung von etwa (etwo) 'alicubi' im 16. jh. (s. teil 3, 1181. 1187) herrscht im nhd. als indefinites lokaladverb irgendwo, s. teil 4, 2, 2159. 2) wie neben der ursprünglichen bedeutung von etwa 'alicubi' jünger die bedeutung 'forte' auftritt (s. teil 3, 1181), so erscheint auf nd. boden auch wo im sinne von 'etwa, vielleicht': und wär es wo dein wille, [Bd. 30, Sp. 911] kann ich denn nicht laut lesen? lebensl. (1778) 1, 185; hett er wor keen geld? 'hat er etwa kein geld?' Hamburg (1755) 345; (18. jh.) preusz. wb. 2, 478. C. wo substantiviert. fone uuenne unde uone uuâr (de quando et ubi, die aristotelischen kategorien) 1, 468 Piper; etliche heizen in (den seelenfunken) daz wo der sele, etliche heizen in daz niergen der sele Hermann v. Fritzlar bei leseb. (1839) 855; das wo locus sive spatium 2572; jeder körper, der ist, musz irgendwo seyn, dieses wo, der raum, den er einnimmt, heiszt sein ort hdb. d. chemie (1843) 1, 16; in immer engern kreisen, II. in relativem gebrauch. in relativer verwendung findet sich das wort im ahd. in sô (h)wâr (sô), aus dem sich mhd. swâ entwickelte, das seit dem 14. jh. mit wa (wo) zusammenfiel, s. sp. 905. A. 'ubicumque, ubi' und daran anschlieszende weitere relativische verwendungsarten. 1) im ursprünglichen lokalen sinne. a) entsprechend der verwendung in der verbindung mit sô ... sô, einer fügung, die im westgerm. zum ausdruck des verallgemeinernden relativpronomens anwendung fand (s. gramm. 3, 44 f.), ist die älteste bedeutung 'ubicumque': so huuar so ... imu kagannant (ubicumque ... sibi obviant) Benedictinerregel bei sprachdenkm. 274, 5; die maged si frageten, wan swâ wîp unde man gern mit einem determinativen korrelat im übergeordneten satze, gewöhnlich da, s. teil 2, 651 unter da 12: souuar so du bist, dar ist er (gott) 2, 302 Piper; Tatian 147, 5 Sievers; swâ ir der lîp blôzer schein, dann wo er thet ein kopff erlegen, ... wo es was zu fischen giebt, [Bd. 30, Sp. 912] in öfter wiederkehrenden wendungen: ouch sal her (der maurer) tabernacula ... machen zu allen gewelben, wo die synt (wo sie auch immer sind, überall) Marienburger treszlerbuch 275 Joachim; die schönheit, wo sie ist, kommt leident wol zu passe (er) vergiftet, wo er geht und steht, stadt und land ich wils vor augen setzen, du magst sein, wo du willst, ihm kannst du nicht entgehn zur hervorhebung des verallgemeinernden charakters von relativem wo dienen, namentlich in neuerer zeit, die den ausgedehnteren gebrauch von wo II A 1 b kennt, die partikeln nur, auch, immer: (die frauen,) die mich verfolgen wider recht ik was al drovych, wor ik ok ghynk Reinke de vos 2200; vgl. auch oben pred. 200, 33 Vetter; wo ich auch sey, gedenk ich eurer IV 8, 24 W. wo immer: Reineken sollt ihr überall ehren mit weib und mit kindern, veraltet ist nachdrückliches wo dasz, vgl. teil 2, 824 f., dtsche syntax 3, 150 und mnd. so war dat ebda: der silberne tau fiel und tröpffelt hier und dar, die ortsvorstellung tritt in gewissen zusammenhängen zurück, so dasz swâ bzw. wo soviel bedeuten wie 'in allen fällen, in denen': swâ ich gevolget ir bete (in allen fällen, in denen ich Lunetes denn eben wo begriffe fehlen, [Bd. 30, Sp. 913] wo das volk schlechthin von arbeit spricht, da faszt es dieselbe immer in einer engeren bedeutung d. dtsche arbeit (1861) 5. sehr häufig in sprichwörtern und sentenzen: wan swâ des menschen schatz ist, dâ ist ouch sîn herze 1, 467 Pf.; wo die tugenden eingeen, da weichen ausz die sünden spiegel d. sitten (1511) a 1a; wo kein fraw, da geschicht dem krancken wee sprüchw. (1545) 1, 10b; wo nichts guts innen, geht nichts guts aus proverb. copia (1601) 3, 582; wo kein kläger, da kein richter teutsch-ital. 2 (1702) 1373c; wo nichts ist, kommt nichts hin w. 2, 64 Behaghel; wo aber nichts ist ..., hat selbst der kaiser sein recht verloren briefw. u. tageb. 4, 21. b) wo bezieht sich auf einen bestimmten ort; es tritt anstelle des in dieser verwendung im ahd. und mhd. üblichen dâ(r) und drängt es im laufe des nhd. in der weise zurück, dasz wo heute als das gewöhnliche gilt, während da gewählt klingt, vgl. teil 2, 652 s. v. da 13 und dtsche syntax 3, 732 f. der entwicklung gemäsz vornhd. selten: da er kam an den tan, wo wir es nächten haben gelan (das schauspiel), α) wo bezieht sich auf ein lokaladverb im übergeordneten satz: ... viel flammen aber müssen hie, wo das laub und die begrünten zweige doch öfter eilet sie dorthin, β) ohne beziehung zu einer im übergeordneten satz ausgesprochenen lokalen bestimmung (vgl. die im mhd. gängige ersparung eines lokaladverbs wie bei Heinrich v. Neustadt, s. oben): es ist bösz stelen, wo der wirt ein dieb ist schöne weise klugreden (1548) 23a; salb das haupt umb die schläff und wa der meiste schmertz ist artzneibuch (1596) 1, 6; unter diesem gespräch kamen wir, wo sich ein fuszpfad bey einem wald von dem fahrweg abscheidete 2, 390 Keller; wie?oder ruhst du, wo dir des frühlings hand ihr Deutschen von dem fluthenbett des Rheines, [Bd. 30, Sp. 914] geschmacks, der dichter 3, 9 Suphan; dasz ihr alle immer nur so sehr vernünftig ... seid, wo es nicht hingehört, und niemals da, wo ihr vernunft zeigen müsztet schr. 4, 47; weizt du ..., dasz, wo die grammatik lebt, die poesie todt sein musz? im Athenäum 1, 9; ges. schr. 5, 37 E. Schm. wo steht zwar in beziehung zu einer ortsangabe im übergeordneten satz, zielt aber auf eine dort nicht näher bestimmte stelle innerhalb des genannten bereiches: (ich) hörete hinten am hause, wo (= dort, wo) es an den garten und hof stiesze, ein genüstel 2, 422 Keller; hinter dem schenktisch aber, wo drei stufen zu einem höher gelegenen alkoven führten ges. w. I 1, 8; auf der mittelsten brücke, wo sie es 'zum Fischstein' nennen 43, 32 W.; (es folgen die) gemeinden der Cherusker, beide ufer der Weser, wo diese gebürgigt werden, hinauf dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 43. γ) wo bezieht sich auf einen durch ein substantiv im übergeordneten satz ausgedrückten orts- oder raumbegriff: es ist brauch in frembden landen, heute wird schriftsprachlich in der regel eher das relativpronomen mit vorangehender lokaler präposition angewandt, nur bei beziehung auf orts- oder ländernamen gilt auch jetzt gewöhnlich wo: (sie haben) mich angetrieben, rettung ... und hülfe ... in Berlin zu suchen, wo ich beydes ... fand über d. einsamkeit (1784) 1, 4; Braunschweig ..., wo ... Göthes Faust zur ersten öffentlichen aufführung kam aus d. Göthezeit (1932) 2. zu dem ausgedehnten mundartlich begegnenden gebrauch von wo in vorliegender verwendung vgl. d. relativpron. in den dtsch. maa. in: zs. f. dtsche maa. 1917, 67. 2) in temporaler verwendung bei beziehung auf eine durch ein substantiv im übergeordneten satz ausgedrückte zeitangabe. diese relative verwendung im temporalen sinne erscheint im allgemeinen heute schriftsprachlich gebräuchlicher als im lokalen (s. unter 1 b γ). wo steht hier in gleicher funktion wie die zeitpartikeln da, als, wenn: of dem tage, wo her sy usgegeben hatte Marienburger treszlerbuch d. jahre 1399-1409 498 Joachim; in den klaren nächten aber, wo auszer itzt benanter zeit gleichmäszige zufälle sich begeben saturnalia (1663) 21; sie bricht schon an, die güldne zeit ..., [Bd. 30, Sp. 915] aber die winter!oh diese heimliche 3) allgemeiner an stelle einer präpositionalen verbindung mit wo (wobei, worin u. ä.) oder dem pronomen relativum (bei dem, in dem u. s. f.), wobei eine beziehung auf eine ausgesprochene orts- oder zeitvorstellung fehlt: in den wirklich vorhandenen sprachen, ... wo (= in denen) zwar allerdings ein vieles nach gewissen regeln übereinstimmt dtsche sprachkunst (1748) 8; bei optischen ... versuchen, wo (bei denen, wobei) man oft mit blendenden lichtern ... zu thun hat II 1, 12 W.; in einem dienst, wo (in dem, worin) ich hunger leiden musz ges. w. (1890) 1, 7; Manuel ... war bei der ehemaligen polizei angestellt, wo (bei der) nur wenige ehrliche leute sich gebrauchen lieszen bilderbuch (1849) 63; mich dünkt der traum ... eine freie erholung der gebundenen phantasie, wo sie alle bilder des lebens durcheinander wirft schr. 4, 58 Minor; der zusammenhang dieser theile (musz) ein organischer, d. h. ein solcher seyn, wo jeder theil ebenso sehr das ganze enthält, als er vom ganzen gehalten wird w. 1, 9 Grisebach; in jedem dieser fälle, wo der dichter vorhandenes benutzt ges. w. (1886) 14, 13; auch mundartlich: a schlacht, 4) dem relativischen gebrauch von II A 3 steht die verwendung von wo nahe in fällen, in denen in dem wo-satz der eintritt gewisser umstände oder handlungen ausgedrückt wird, die innerhalb des im übergeordneten satze bezeichneten zusammenhanges möglich sind (vgl. insbes. wobei 2 c): weller in disem gericht ... mit hus und mit hof gesessen ist ..., denselben mag man hie in dis gericht das sein verlegen und uf die verlegnis nach gastrecht clagen, wo (in welchem falle, unter welchen umständen) ainer ist nit verbunden noch pflichtich, ainen fürpasz in daz dritte, noch in daz fierte gericht mit recht ze vordren (1427) österr. weist. 4, 348; und zwar, weil ich August schon in vergleich gebracht, 5) wo dient zur gegenüberstellung vergleichbarer verhältnisse: wir mann in mancherley begire schwerlich sünden, wo ir lieben frawen in einer allein (der eitelkeit) gröszlichen sünt (sündigt) decamerone 105 Keller; wo nur ein füncklin und kleiner schein in den heidnischen geschiechten sich ereigt, haben wir in den christlichen eytel liecht chron. Germ. (1530) 2a; wo das rheinische bauernmädchen einen walzer schwenkte, dort zog die [Bd. 30, Sp. 916] Berlinerin den slow fox (einen modernen tanz) vor d. stelldichein d. schelme (1937) 77. an diese verwendung schlieszt sich die gegensätzliche an, s. unter III C 2. 6) wo vertritt das pronomen relativum in allen seinen formen; zur erklärung vgl. dtsche syntax 3, 737. in dieser verwendung ist wo breiter nur mundartlich entfaltet, s. a. a. o.: wir kumment widerum z got, es ist doch nicht mein fräuelein, 7) wo bei nehmen, s. I A 1 d: das er sie ... nemen mag ..., wo er das bekomen mag (1413) bei der übergang vom mhd. z. nhd. in d. spr. der Breslauer kanzlei (1898) 98. B. als lokales adverb der richtung. gelegentlich für quocumque, quo (vgl. I A 2): maister, ich nachvolg dir, wo (quocumque) du gest erste dtsche bibel 1, 30 Kurrelm.; nimmer gelt, nimmer gsell, komm, wo ich wöll schöne weise klugreden (1548) 40a; far wo du wilt, der dienst ist ausz! wo man nur schaut, fast alle welt (ich) ker nu hin, wo lang mein sin III. wo als konjunktion. die verwendung von wo als konjunktion geht vom relativischen gebrauch (II) aus. sie findet sich zuerst im lokalen sinne (II A 1 a und b α β); doch pflegt man im allgemeinen die lokalen adverbien in dieser funktion nicht zu den konjunktionen zu rechnen, zumal da sie ihrer bildungsweise nach zum relativum gehören, vgl. dtsche syntax 3, 349 ff.; dtsche gramm. 3, 224; V. Michels mhd. elementarb.3, 4 § 322, 1 (dagegen nhd. gramm. [1896] 2, 1025 ff.). A. wo als konjunktion der bedingung. konditionales wo entwickelt sich aus dem relativischen lokalen wo (II A 1), mit dem es sich vor allem in dessen verallgemeinerndem gebrauch berührt, s. a. a. o. 2, 1028. zum übergang der bedeutung vgl. im arch. f. d. studium d. neueren sprachen 44 (1890) 261; er konnte am ehesten da einsetzen, wo bei swâ 'ubicumque' die lokale bedeutung zurücktrat, s. II A 1 a gegen schlusz, sp. 912; vgl. auch dtsche syntax 3, 350. die konditionale bedeutung läszt sich häufiger erst seit dem 14. jh. nachweisen, begegnet aber gelegentlich auch früher, z. b. in der predigtsprache (s. unter 1); sie ist bis ins 17. jh. hinein gängig, tritt im laufe des 18. jhs. zurück und gilt schriftsprachlich seitdem als ungebräuchlich. nur in den elliptischen wendungen wo möglich und wo nicht, dazu in wofern hat sich die alte verwendung erhalten, vgl. antibarbarus (1796) 2, 2b; dtsche syntax 3, 351. 1) in nicht verneinten sätzen. a) allgemein, gern mit so im hauptsatz, das die bedingung hervorhebt: swâ sie (die kinder) ungerâten werdent von iuwern schulden, ... sô müezet ir an dem jungesten tage [Bd. 30, Sp. 917] antwürten für iuwer eigen kinder 1, 35 Pf.; wa si das tuond (quod si faciunt), so haust du (ihn) in dyner hand Äsop 65, 12 Österley; wo du darvon eszt so vermessen, wo keine sanftmuth sich mit tapfern fäusten paart, ... wo du ein mann bist, konditionales wo in verbindung mit adverbien, vor allem mit anders (s. teil 1, 312): das ist die, die ich z einem weyb haben wille (wo sy mich anders für iren man haben wille) decamerone 659, 32 Keller; sage im, dasz, wo er mich anderst lebendig sehen wöll, er den gefangnen ritter ... eilents hiher zubeleiten verschaff Amadis 117 lit. ver.; wo anderst krafft mein bitten hat b) in der elliptischen wendung wo möglich 'wenn es möglich ist (wäre)'; vgl. auch die zusammenrückung womöglich: nim ein häslin mistel, der im dreissigsten, im zeichen der jungfrawen, am zunemen des monds und, wa müglich, an einem freytag morgends frü ... gewonnen sey artzneybuch (1596) 1, 33; anno 1567 rüst man sich, die reformierten in Franckreych unversehener weisz zu uberfallen und wo müglich hinzurichten Schweizerchron. (1606) 273a; (man soll die fremden) auch vor desz todts gefahr daher der völker löblicher gebrauch, [Bd. 30, Sp. 918] selten beim nicht komparierten adjektiv so viel wie 'möglichst': (er) hielt ... ein wo möglich hohes spielchen mit seinem weidgenossen für die beste erholung 1, 54 Boxb.; gern nachdrücklich 'wenn es irgend möglich ist': man wandte alles an, ihn, wo möglich, auch vom parlament ... zu entfernen England und Italien (1785) 1, 1, 47; meine idee war ..., aus einer wo möglich ununterbrochenen reihe von reichstagsacten ... die entwicklung der verfassung näher zu erforschen s. w. 1, vi; vor noch mit folgendem komparativ eines adjektivs im sinne von 'wenn es überhaupt möglich ist': der druck ist wo möglich noch unverzeihlich fehlerhafter als der erste Hamburg. n. zeitung 254 lit.-denkm.; waren seine kleider schon bei jenem gastmahle schlecht gewesen, so waren sie jetzt wo möglich noch schlechter s. w. (1901) 5, 1, 72. 2) konditionales wo findet sich besonders häufig in negativen sätzen. a) allgemein, wie 1 a gern mit folgendem so im übergeordneten satz: wo sie des nicht enteten, oder wer es nicht entet, der ist uns und dem riche mit leib und mit gut vervallen (1331) Friedberger urk.-b. 1, 114 Foltz; unmenschlich tet ich, wo ich solch lobeliche gotes gabe, ... nicht beweinte ackermann aus Böhmen 7 Hübner; wa ich dem rechten nit nach kem, so torft ich weder z weib noch z kinden me heim (Augsburg ende 15. jh.) städtechron. 22, 350; wo er nit kem, müst er zu busz es würde Lisimen sich dennoch in euch (augen) dringen, b) wo nicht in elliptischer verwendung. α) zu wo nicht ist der vorhergehende satz in konditionaler form zu ergänzen; wo nicht (, so) besagt hier so viel wie 'andernfalls': ist es zu thun, so geschieht es, wo nicht, so geschieht es nicht opera (1616) 2, 459 Huser; merke ich, dasz meine Venus dir belieblich seyn wird, so sezze ich dir zu gefallen meine feder noch wol weiter an, wo nicht: kan ichs auch wol bleiben lassen geharnschte Venus vorr. 4 ndr.; so schenk uns doch, nur ihm zum besten, wenn du noch mehr zu reden hast, so sprich, ergieb dich, rufen sie, wo nicht, so stirb gleich jenen β) wo nicht steht zwischen zwei gleichgeordneten satzteilen, deren zweiter eine aussage enthält, die eine steigerung des inhalts des ersten satzteiles bedeutet; gern dient zum ausdruck der steigerung ein auf wo nicht folgendes gar: da ward manch eh mit leid zertrent, [Bd. 30, Sp. 919] uns frauen beschwerlich, wo nicht unmöglich sein schr. (1828) 4, 103; dieser umstand hat schon manches ... verzögert, wo nicht gar erstickt w. 1, 29 Griseb. γ) wo nicht ... doch (wenigstens) soviel wie 'wenn auch nicht (gerade) ... so doch (wenigstens)': sie ... faren in andere land, wa nit mit dem leib, doch mit schreiben d. antipap. eins u. hundert (1567) 1, vorr. a 5b; (den bernstein) den die Griechen ... dem golde, wo nicht vorgezogen, doch gleich ... gehalten altes Pommerland (1640) 1, 3; wessentwegen ich sie dann, wo nicht gar vor die königin, doch wenigist vor eine vornehme fürstin ... halten muste 2, 32 Keller; und jeder blick ... B. wo als konjunktion der zeit 'als'; nach dt. syntax 3, 351 aus der verwendung von A hervorgegangen. schriftsprachlich wenig gebräuchlich: wo er eines tages pot häufig mundartlich, bes. reichlich fürs oberdeutsche bezeugt: wo er des gesait hat, bin ich verschrocken schwäb. 6, 912; elsäss. 2, 778; Basel 317; Appenzell 449; Aargau 300; wo s mi gsegng hat, is s ganz rot worn bair. 2, 828; tirol. id. 819; vgl. ferner 2, 676a; ann abend, wo ek inkam Götting.-Grubenhag. id. 302; wo ek dat sooch Barmer ma. 172; wb. d. Elberfelder ma. 176. zum relativischen gebrauch des temporalen wo vgl. II A 2. C. weitere konjunktionale bedeutungen von wo. 1) umgangssprachlich auch im sinne von 'angesichts der tatsache, dasz', 'zumal da': wie ists möglich, wo du so selten briefe empfängst, dasz du nicht neugieriger bist die Günderode (1840) 1, 24; was hätt ich davon (, auf die strasze zu sehen), wo man von oben nichts erblickt als hastig daherwandelnde regenschirme erzähl. schr. (1801) 1, 3; wos nicht einmal jemand sieht (, dasz ich den gefahrloseren weg gewählt habe)! ges. schr. 2, 105 E. Schm.; ged. 2, 17 Reclam. 2) an den gegenüberstellenden gebrauch von II A 5 anschlieszend im sinne von 'wohingegen, während': (er bat ihn,) daz er den ... kristenlichen gelauben an sich nem, den er ... stäcz (sich) meren seche; wo (dove ... in contrario) er seinen iudischen gelauben widersins mit stätem abnemen vernem decamerone 9 Keller; zum ersten ists grewlich ... antzusehen, das (der papst so) prechtlich feret, das yhm darinnen kein kunig, kein [Bd. 30, Sp. 920] keyszer mag ... gleich werden. ... er tregt ein dreyfeltig kron, wo die hochsten kunig nur ein kron tragen 6, 415 W.; es stehen oder gehen ihrer wohl zehn, wo schon einer es verrichten könnte there stand or go ten of them, whereas or whenas one could do the business teutsch-engl. (1716) 2511; sie (die weberfrauen) sind aufgelöst, abgetrieben, während die männer noch eine gewisse klägliche gravität zur schau tragen, und zerlumpt, wo die männer geflickt sind weber (1892) 5. 3) wo, vor allem in verbindung mit doch (gar nicht), in concessivem gebrauch, umgangssprachlich und mundartlich üblich: wans nicht bald 10 uhr wäre, sie hätten sich noch länger gezogen, wo (wiewohl) sie doch wissen, dasz ... Wiener staatsakt. 2, 182 nach dt. synt. 3, 351; ich soll mit dem gegangen sein, wo (obgleich) ich ihn doch gar net kenne schwäb. 6, 912; (er gibt) mir de schuld, wu ich dach von gar nischt weesz obersächs.-erzgebirg. 2, 676a; er hets hus nid gchouft, woni (obgleich ich) nüt drgege hät Aargau 300; vgl. auch nhd. gramm. 2, 1182. 4) mundartlich als partikel der indirekten frage wie 'ob' häufiger im bair.-österr. bezeugt: er hat s gfragt, wo s kümt (ob sie komme) bair. 2, 828; tirol. 819; kärnt. 260; (in einem österr. weistum des 17. jhs. werden die befugnisse verschiedener instanzen in frage- und antwortform dargelegt:) erste anfrag, ob ... andere anfrag, wo nit (ob nicht) der gerichtsdiener schuldig sei in die schranken ze tretten und mit dreien gerichtsmännern zu bezeugen ... österr. weist. 1, 74; vereinzelt auch im schwäb., s. 6, 912. das im gleichen sinne verwendete nd. wo ist die mundartliche entsprechung von hd. wie (s. oben sp. 909): merken, wo de puls drade edder langsamen ... sla bei 5, 757a; ik weet ni rech, wo 'k dat doon schall schlesw.-holst. 5, 677. IV. wo im gebrauch als interjektion findet sich umgangssprachlich in den verbindungen i wo, ach wo u. ä., die die ablehnung einer für den sprechenden in einer richtung übertrieben oder unsinnig erscheinenden frage ausdrücken; vgl. beispielsweise i wo! etwa = 'wo denkst du hin!' obersächs.-erzgebirg. 2, 676a; aber wo! 'durchaus nicht!' Wien 221; a(ch) wo! ja wo! i wo! schwäb. 6, 911. diese verwendung von wo wird aus seinem vorkommen in bestimmten redensartlichen wendungen zu erklären sein, die aber nicht mehr faszbar sind; vgl. die ablehnend formelhaften ellipsen nach i wie i bewahre, i behüte, teil 4, 2, 2014. auf nd. boden liesze sich i wo auf das redensartliche i wo werd ich denn! Königsb. 66 zurückführen, wo indessen wo als die nd. form für wie anzusprechen ist. anderes interjektionales wo steht nicht in zusammenhang mit dem aus ahd. hwâr hervorgegangenen wort: wye wo heus ('he, holla') gl. 276c in einem md. glossar des 15. jhs. steht neben wach in anderen gleichzeitigen glossaren und ist auf die nebenform dieser interjektion woch, woh zurückzuführen, s. 3, 624, 963 und teil 13, 12. und wär ich woanders, die feldmaus wist nichten woaus [Bd. 30, Sp. 921] 1) als interrogativum in direkter und in indirekter frage. im lokalen sinne, entsprechend dem allgemein bei jedem verbum möglichen örtlichen bei I B 11, teil 1, 1348ff., ungebräuchlich: wobey wohnet ihr? in vece bey wem etc. appresso (da) chi state voi? a. a. o. häufiger gemäsz andersartiger verwendung von bei, vgl. dabei 2: (sie) erkannten, warbei sie pleiben solten (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 52; nun ghent wir, die ding zu beschreiben, 2) in relativischem gebrauch, vgl. DWB wo II A, insbesondere in der verwendung von 1 b, 3 und 4. entsprechend der ablösung von älterem da durch wo, s. sp. 913, an stelle von da(r)bei (3), s. teil 2, 659f. a) auf ein substantiv bezogen: Usong liesz auf den bergen ... holzstösze aufrichten, wobey eine wacht wohnte Usong (1771) 130; das gestell, wobey die obere schraube herauszunehmen (ist) IV 28, 31 W.; (er hatte) sich über die kümmerliche beleuchtung geärgert, wobei er kaum seine müszigen liebessachen handhaben gekonnt ges. w. 4, 25. gewöhnlich unter zurücktreten des lokalen begriffs (wie auch bei 1): (die geringe) gelegenheit, wobey sie (die maschine) gebraucht wird verm. w. (1754) )( 4a; dann giebt es grosze festlichkeiten, wobei sich die leute in grütze satt essen 1, 33 Boxb.; das einzige stück, wobei herr Wieland dem dichter den vorwurf macht, ... schlesw. lit.-br. 159 lit.-denkm.; jedes geschäfte, jedes buch, jede rede, wobey die seele ohne ... thätigkeit bleibt, ist langweilig üb. d. einsamkeit (1784) 1, 35. selten auf einen personalbegriff bezogen, vgl. DWB wo II A 1 b γ, sp. 914: was die dienstboten ... thun können für die herrschaft, wobei sie dienen s. w. (1842) 2, 235. b) auf das neutrum eines pronomens oder eines pronominalen adjektivs bezogen: das jenige, wobey ihrs mercken ... sollet a. a. o.; ... ein zeichen, [Bd. 30, Sp. 922] alles, wobei gewaltige kräfte der natur ... thätig sind ges. w. 14, 67. c) auf den inhalt des übergeordneten satzes allgemein bezogen, vgl. DWB wo II A 4 und welches D 2 c sowie gleichartig verwendetes was (s. unter wer). in dem durch wobei eingeleiteten satz handelt es sich gewöhnlich um die aussage über handlungen und umstände, die mit denen des im vorangehenden satz ausgedrückten in einer engeren beziehung, meist der der gleichzeitigkeit, stehen, oder um ergänzende und anmerkende hinzufügungen (vgl.welches und DWB was a. a. o.): ein solcher orden, in welchem die ... jugend durch rühmliches vorgehen der elteren zu ... erlernung vielerley nützlichen sprachen und künste angereitzet (wird), wobei ... unsere ... heldensprache in reinlichkeit geführet (und) befestiget (wird) d. friedewünschende Teutschland (1647) a 3; das eine pferd risse sich los und lief aus dem stalle, wobey es über mich wegsprung der Leipziger avanturieur (1756) 1, 30; der alte nahm den sohn und herzte ihn, wobei er gerührt seine ... augen anschaute schr. (1828) 4, 177; (er) legte inzwischen eine neue rechnung an, welches er mit vermehrtem ernste that und wobei er ein seltsames betragen annahm ges. w. 1, 146; auch Winckelmann gelang dieses glück (einer gewissen art wissenschaftlicher ausbildung), wobei ihm freilich die bildende kunst und das leben kräftig einwirkend zu hülfe kamen 46, 56 W.; (mit mühseligem) fleisze suchte ich mir Newtons gravitationslehre begreiflich zu machen, wobei ich wohl merkte, dasz einige mathematische vorkenntnisse nöthig waren was ich erlebte (1840) 1, 99 f.; öfter entsprechend wo dann sp. 915 wobei dann (denn): (der harfenspieler) suchte auf alle weise Wilhelms betrübnisz zu lindern, besann sich auf alles, was er von dem jäger erfahren hatte und brachte allerhand muthmaszungen vor, wobei denn endlich ein umstand vorkam, woraus Wilhelm einige räthselhafte worte der schönen verschwundenen deuten konnte 22, 65 W. bei erläuternden oder ergänzenden anmerkungen: darumb saget nun Sirach ... von gottes dienern und priestern, wobei dieselben aber für andern erkennet werden: hören ewer liebe ... Jesus Sirach (1587) 1, 129a; gern in fügungen mit dem infinitiv mit zu bei ellipse des verbums substantivum: ein Teutscher gedenke (hinsichtlich einsilbiger wörter) ein wenig um sich: hand, fusz, kopf ..., isz, trink etc. worbey zu wissen, dasz in teutscher sprache in den verbis der modus imperativus das stammwort sey haubtsprache (1663) 61; von diesen wegen des herrn nun saget der könig David, dasz sie eitel güte und warheit sind. wobey in acht zu nehmen, dasz ... seelenschatz (1773) 2, 2a; in späterer zeit treten die elliptischen fügungen zurück: von den dekretalen sind viele ein pseudoisidorisches fabricat, wobey es auffallend ist, dasz sie mitten unter den capitularien stehen dtsche staats- u. rechtsgesch. (1821) 1, 357; die halbe natur stimmt in das schöne ganze dieser ... feier mit ein, wobei auch die ... mitwirkung der büsche und kräuter und blumen rühmlich zu erwähnen ist ges. schr. (1852) 5, 64; er wiederholte auch heute seine anklage, wobei es dahingestellt bleiben mag, ob ... ges. w. I 1, 18; häufiger in der wendung wobei zu (be)merken (ist), vgl. teutsch-ital. (1702) 2, 1374c; teutsch-engl. (1716) 2512: (auf eine steueraufstellung folgt die bemerkung) worbey zu mercken, ob zwar eczliche besiczer der herrschafft ... einsage zu haben vormainen (1618) acta publ. 1, 48 Palm; ... worbey zu mercken, das bey uns Deutschen das kurtzeste e gleich ist dem hebräischen scheva dtsche rechtschreibung (1666) 28; da muszte nun könig Saul ... Cato und Darius spielen, wobei zu bemerken ist, dasz ... 21, 27 W. 3) indefinitiv nur vereinzelt bezeugt: custodite behutsamlich, wenn einer sein selbst worbey in acht nimbt fons lat. (1646) 251; eine list, einen bossen etc. wobey mercken in vece bey etwas ò was scorgere una trama, scoprire uno stratagema a qualche cosa a. a. o. [Bd. 30, Sp. 923] [Bd. 30, Sp. 924] zu den heutigen mundarten, besonders fest in den schweizerischen; sonst gelegentlich sekundäre o-formen. wuche tritt auch vereinzelt auszerhalb des alem. auf, z. b. (md., 15. jh.) 193a, 471a, 528b; nov. gl. 143a (Würzb., anf. 15. jh.); in der regel im schles.: lustsp. 262 S.; schles. sprichw. 13a; sonst mundartlich (zum teil neben o-formen) im lothring. ( 547), saarländ. ( 231), ostfränk. ( Taubergrund 31, 58; würzburg. 135), obersächs. ( 2, 676). — weitere veränderungen des stammsilbenvokals. a: wachen (pl.) (1439) Freiberg. urkb. 1, 159; wache (15. jh., md.) 193a, 528b (s. auch wachenlon). sekundäres i: wikə Waldeck. wb. 284; wieke 113b. uo (ue): wuochen (Würzb., 14. jh.) zs. f. dt. alt. 5, 13; wuechen (1567) 907. ei: weicken (1511) stadtr. d. grafsch. Mark 3, 95. — apokope des auslautenden e, nicht nur in vers und reim, ist häufig, z. b.: woch voc. opt. bei 505a; min. ertzt (1580) 17a; cat.-milch (1657) 1, 20; in vielen mundarten. — die schwache pluralform wochen greift bis ins 18. jh., landschaftlich bis heute, ungemein häufig in den singular über; dat.: Alsfelder passionsspiel 2688; myst. 235, 12 Pf.; 95 D. (wuchen); feldbau (1579) 64; ehrenkranz (1644) 100; samml. v. schauspielen (1764) 6, 64; akk.: Parz. 439, 5; 108 V.; rechenbuch (1581) 28b; mil. disc. (1662) 30; symb. bücher (1882) 380; genit.: 123 V. (wuchen); erste dtsche bibel 1, 417; 18, 233 W.; fortsetz. (1645) 44; nom.: (15. jh., nd.) 528b (wecken); (1556) 625b (wuchen); indiculus univ. (1720) 339; die woche, vielfach die wochen orth.-gramm. wb. (1793) 308a. im mnd. ist weken neben weke gleichberechtigt, ja die erste form zieht ein neues endungs-e nach: wekene, s. 5, 658b; (1372) meckl. urk.-buch 18, 127; gl. 528b, n. gl. 336a; demgemäsz eine pluralform wekenen (1371) meckl. urk.-buch 18, 72; städtechron. 36, 95 (1414). — schwäb. ist ein plural wuch belegt: zwu wuch (1521) 6, 913. — vereinzelt ein adverbieller genetiv des weeks 'in der woche' (1658) bei 5, 659a, wohl in analogie zu des tags, des nachts u. ähnl., s. Wilmanns gr.2 2, 628. bedeutung und gebrauch. 1) in gewöhnlicher bedeutung, septimana, (h)ebdoma(s), (bibl. sabbatum), 'periode von sieben tagen und nächten, welche in der christenheit mit dem sonntag anfängt und mit dem sonnabend schlieszt' zeitungslex. 4, 965a Rüder; der fachausdruck dieses kalendarischen abschnitts vom sonntag zum sonnabend ist volle woche, s. zeitrechnung (1891) 1, 209: in sabbato in dero uuehha, in der wochin ahd. gl. 1, 726, 40 St.-S. (12. jh.); septimanam uvechun, wochen 2, 112, 13; ich vaste die wochen algemeine ein jahr mit seinen bunten wochen 2) in freierem gebrauch bedeutet woche aber auch schlechthin sieben aufeinanderfolgende tage, von einem beliebigen wochentag an gerechnet: ich han ein kind, das ist zwelff wochen alt d. heyligen leben summerteil (1472) 11b; es ist bey sechs wochen, da starb mein mann gartengesellschaft 75 Bolte; eben denselben tag nach drey wochen weisheit 3 (1653) 43; in den [Bd. 30, Sp. 925] ersten sechs wochen eurer ehe über d. ehe (1792) 197; ohngefähr würde es künfftigen dienstag 3 wochen werden, dasz ... ged. u. erinn. (1720) 1, 6. in der woche nach sand Michelstag (1343) bei a. a. o.; in der wecken na sunte Peter und Paule meckl. urk.-buch, nr. 8633; auch diese und ähnliche zeitangaben meinen die darauffolgenden sieben tage, nicht die sogenannte volle woche danach, vgl. a. a. o. 3) der sprachgebrauch umschreibt woche vielfach nicht mit sieben, sondern mit acht tage; so geradezu: hebdomas weke, achte dage (15. jh.) gl. 193a. belege hierfür seit dem 16. jh. s. v. tag, teil 11, 1, 1, sp. 47, woselbst auch ein erklärungsversuch. auffällig ist, dasz überhaupt die erste und zweite woche mit der entsprechenden anzahl der tage umschrieben wird. man sagt auch heute lieber in acht, in vierzehn tagen statt in einer, in zwei wochen. wörterbücher des 17. und 18. jh. fordern diesen gebrauch sogar: nec dico über eine woche, sed über acht tage (1691) 2533; non diciamo über eine woche, nec über zwey wochen, nia über acht tage, über vierzehn tage 2 (1702) 1377b. (vgl. ungewöhnlich sechzehn tage für zwei wochen: von hiute übern ahten tac 4) eine zeitfolge von sieben jahren, die jahrwoche (s. d. wort teil 4, 2, 2249): dhea uuehhun auur iu heilegim quhidim arfullant sibun iaar (ebdomada namque in sacris eloquiis septem annis terminatur) d. ahd. Isidor 27 Hench; after dhem sibunzo uuehhom ist hear offono araughit ziuuare Christan iu chiboranan ioh chimartorodan (post lxx enim ebdomadas et natus et passus ostenditur Christus) ebda 28. diese jahrwoche der juden (vgl.: d. alt. test., mit einl. u. erkl. anm. hg. v. O. v. Gerlach 4, 2, 37-39) knüpft sich vornehmlich an einige Danielstellen: siebenzig wochen sind bestimpt vber dein volck, vnd vber deine heilige stad Dan. 9, 24 (ahd. Isidor: sibunzo uuehhono sindun chibreuido oba dhinem liudim 26 H.); von der zeit an, so ausgehet der befelh, das Jerusalem sol widerumb gebawet werden, bis auff Christum, den fürsten, sind sieben wochen, und zwey und sechzig wochen Dan. 9, 25. im anschlusz an die bibelstellen: von Mesia hab ich gesprochen. 5) für einen noch weiter greifenden zeitabschnitt, wie 'weltalter': nah siben tagen dero uueehun chumet der ahtodo, daz ist dies iudicii, der nah disen gesibenôten uuerltzîten chumet 2, 14 Piper; vgl. noch: und die grosze woche der menschheit von 7000 jahren wäre dann regelmäszig abgelaufen 3, 366 Grollmann. 6) häufig bezeichnet woche nur die arbeitswoche, die sechs arbeitstage im gegensatz zum sonntag, an dem man feiert, so wie auch wochentag in seinem gebräuchlichen sinn dem sonntag gegenüber steht: in alles gebät, das das christlich volck ... uff den fyrtag und die gantz nachgond wochen z got tht 1, 70 ndr.; ach Henszlin lieber Henszlin! armen hat sie nie kein geld gebrochen, [Bd. 30, Sp. 926] s. w. 1, 100; sprichwörtlich, von einer herumkränkelnden person: de ganze week krank on sonndags necks te begrawen 5, 327, ähnlich auch in mittel- und oberdeutschen mundarten. im süddeutschen verbreitet ist die wendung unter der woche 'im laufe der arbeitswoche' schwäb. wb. 6, 914 (mit belegen des 17. und 18. jh.); 'auszer den sonntagen' 2, 836. diese bedeutung ist besonders fruchtbar für zusammensetzungen geworden, vgl. DWB wochenarbeit, -erbauung, -geschäft, -kirche, -kittel, -kleid, -kluft, -predigt u. v. a. 7) woche als zeitmasz in häufigeren grammatisch-syntaktischen fügungen und festen wortverbindungen. a) neben anderen zeitangaben: tage und wochen Milst. genesis 3, 7 Diemer; mag das gesin einest des jores oder des monates oder der wuchen 123, 10 Vetter; nach etlichen wochen und tagen dec. 124 lit. ver.; (was an weizen) ein wochen, monat oder jahr auffgehen wolte mil. disc. (1602) 30; das jahr, monat, woche und der tag des todes Leipz. avanturieur (1756) 1, 14; in wochen, tagen, stunden geschahen (seit 1789) dinge ... 23, 7 S.; ganze tage und wochen phys. fragm. (1775) 2, 3; wochen und monate lang 21, 21 W.; viele tage, wochen und monate verflossen 6, 65. b) von woche zu woche, woche für woche: etwas von woche zu woche aufschieben 2 (1702) 1377b; bei meinen händelchen büszt ich von woche zu woche mehr ein s. schr. (1789) 1, 196; von woche zu woche wurden seine heere furchtbarer (1890) 1, 115. — woche für woche zieht der bettelkarren durch Deutschland c) alle woche(n): versetzen wir im und seinen erben alle wochen ein phunt Müncher phenning geltes (1321) denkm. d. Münch. stadtrechtes 1, 102 Dirr; ich ... will all wuchen wol 4 woll aufspinnen (Ausgb., 15. jh.) städtechron. 5, 129; alle wochen fasten dec. 155 lit. ver.; du alle wochen dich in etwan einer tugend uben sollest tugendb. (1649) 1; wo ich alle woche ... predigen musz 8, 52 Strausz; wie er alle woche einmal that 44, 5 W.; wo alle wochen ... messe gehalten wurde (1867) 2, 71. d) ganze woche: (spîse) die ich ganze wochen haben sol e) andere woche in vielen mundarten für nächste woche. weite verbreitung gefunden hat die auch im holl. bekannte wendung in die andere woche gucken (kieken, schielen, sehen, schauen), womit das schielen verspottet wird. belegt seit dem 16. jh.: was macht sie (die welt) bösz, ohn dasz sie also uber ihr selber sitzt zunagen und zuplagen, und wie Janus in die ander woch schilet Garg. 75 ndr.; er ist am sonnabende jung worden und sihet in die andere woche sprichw.-reg. (1577) D 1a; gesehen haben meine augen, dasz ... ewre augen seindt schilch und immerdar in die andere woch hinein schawen zeitkürtzer (1603) 38b; die schielt den liebsten an [Bd. 30, Sp. 927] einige mundartliche varianten: holst. he kiekt na de anner wek 5, 583 (auch von einem, der eine brille trägt); frankfurtisch: hot met dem aane aag in die anner woch geguckt; straszb. der schaut in d ander wuch 118; schwäb. guckt in die ander woch nei 6, 913 (auch von einem, der starr in die welt sieht). — in anderen bedeutungen: en də anər wekən auf einen punkt stieren Cronenberger wb. 132; an d aner woch kucken vor sich hinstieren lux. ma. 489; er gickt in de anner woch sieht träumerisch in eine ecke lothr. maa. 547 (auch: e kuckt an d sechst woch). f) wendungen, die eine ungefähre zahl von wochen umschreiben: nun das dauret ein wochen vier g) woche in einem akkusativ der zeit in der bedeutung 'in der woche', 'wöchentlich': zwiro des tages isz, plur. wochen 'wochenlang': z abbt Eberhartz regierung syen vil gutter und wolgeporner herren münch in der Ow gewesen, und mst ir iettlicher wuchen im cor halten Reichenauer chron. 155 lit. ver. h) in präpositionalen verbindungen (s. auch b). zu der (jeder) woche 'wöchentlich', in älterer sprache: to iewelker weken 10 den. englis (Hamb. seerecht, 13. jh.) bei collection de lois marit. 3, 339; daz die juden von einem burger ze der wochen newr 2 pfenning sullen nemen denkm. d. Münch. stadtrechts 1, 516 Dirr; nicht mer (als 100 felle kaufen) z einer wochen ebda 410; ez sol auch nieman me bruwen denne ze der wochen ain werch Nürnb. pol.-ordn. 211 B.; als unse voirvaderen ... unsen lieven getruwen burghemeister ... unser stat Unnae to itlichen weicken myt twe marcktdaigen ... befriet hebn (1511) stadtr. d. grafsch. Mark 3, 95. in in selteneren anwendungen: es hat in sehr verwundet, gehet nun in die fünff wochen (an fünf wochen) zum artzt theatr. diabol. (1569) 154a; dasz wir in etlichen wochen (etliche wochen lang) in kein bette gekommen wären Schelmuffsky 20 ndr. (vollst. ausg.). — in den wochen 1) im korbe (d. i. im stuben- oder zellenarrest). 2) wegen wunden zu hause, angeschissen burschik. wb. 513 (wohl scherzhafte übertragung von der bedeutung unter 15). — in der wekke(n) in der vorigen, in dieser, im lauf der woche Götting. 293a. in der wuche wöchentlich; an einem wochentage (nicht am sonntag) Basler ma. 318. [Bd. 30, Sp. 928] auf die woche 'kommende, nächste woche', in vielen mundarten, z. b. bair. auf d wochə 2, 836; in Wien auf d wochen 221; Leipzig of de woch, uf de wuche 2, 676; Götting. up de wêken 293a; Nordharz op de woche 229. i) in verbindung mit adjektiven zur bezeichnung bestimmter kalendarischer, kirchlicher oder gesellschaftlicher zeitabschnitte. stille woche charwoche, so wegen der stillen charfreitagstrauer genannt; 'weil in dieser woche keine orgeln noch sonsten einige kirchenmusik angestimmt, noch sonsten einiges saitenspiel und anderes gehört wird, so nannte man sie auch die stille woche, hebdomas muta' jahrzeitb. d. dt. mittelalt. (1797) 227: des mandaghes in der stillen weken (1368) lüb. urk.-buch 3, 698; in der stillen wochen brach erst das eis hist. rer. Pruss. (1592) buch VI, a 2a; in dieser stillen woche, da wir den ... sterbetag unsers ... erlösers begehen crit. musicus (1745) 293; geistliche gebräuche in der stillen woche v. ged. (1750) 22 König; die päpstliche demuth in der stillen woche ist schon stolz genug IV 8, 364 W.; wenn sie erst in der stillen woche kommen an Dahlmann, briefw. 2, 240 Ippel; auch im nd. gebräuchlich, s. preusz. wb. 2, 478; schlesw.-holst. wb. 5, 583, Berlin. 178b; vgl. ferner ma. v. Eilsdorf 95 und nieuw Groninger woordenboek 1169. heilige woche charwoche: der kam in der hailigen wuchen ... gen Kayshaim bei qu. z. gesch. d. bauernkrieges 262 lit. ver.; char- sive marterwoche, alias grosze vel heilige woche (1691) 2533; welche ist die grosze oder heilige wochen? ... es ist die wochen vor dem ostertage indiculus univ. (1720) 339; vgl. noch (1741) 2, 455; 239, 478; die feyerlichkeiten der heiligen woche IV 30, 41 W., s. auch IV 8, 210. grosze woche charwoche: bis in die grosze woche (1816) schwäb. wb. 6, 3433. s. auch die belege v. j. 1691 und 1720 unter heilige woche im vorigen abschnitt. aber im schwäb. auch die grosze woch woche vor weihnachten a. a. o. 914. gute woche, wohl wegen der vollendung des erlöserwerks: de goi weich die charwoche Aach. ma. 259. vgl. nl. de goede week die gute, i. e. die heilige oder charwoche niderhochteutsch. dict. (1749) 1, 408. lange woche: de lange week die osterwoche mit ihren vielen feiertagen. he verdeent (gewinnt) up de lange week er verdient, sammelt im voraus auf diese längste feierzeit im jahr, einen nothbedarf auf verdienstlose zeit holst. id. 4, 348. ganze woche: d gantz woch die woche nach dem 2. advent, weil dies die letzte woche im jahr ist, welche keinen feyertag hat (1787) schwäb. wb. 6, 914. gemeine woche die woche vom sonntag nach Michaelis an: an dem dornstag an sant Francisci abend in der gemeinen woche (1387) bei zeitrechnung (1891) 1, 73. näheres zur deutung dieser bezeichnung s. unter DWB gemeindewoche, DWB gemeintwoche teil 4, 1, 3247 (dort auch weitere belege), ferner bei a. a. o. unsinnige woche hebdomas quinquagesimae 1852; faschingswoche diplom. erklärung (1798) 286. fette woche die woche vor aschermittwoch: zur fetta wuche gihn schles. sprichw. 13a. fröhliche wochen die flitterwochen: die vier fröhlichen wochen, wie man pflegt zu sagen (1593) bei 5, 329. goldene woche flitterwochen: er hät iez die goldi wuche Sutermeister bei 5, 329. schwarze woche, provinziell, 'die woche nach dem 10. januar, in der sich die lutherischen geistlichen in groszer anzahl in Dorpat versammeln' neue beitr. z. dtsch. ma. in Estland 72. [Bd. 30, Sp. 929] hungrige wochen: d siwe (sieben) hungrige wuche nennen alte leute die letzten sieben wochen des jahres 2, 784. j) hier mag ein gelegentlicher adverbieller gebrauch im nd. und fries. erwähnung finden: wekel ist bey gemeinen leuten, besonders den bauern, so viel als 'in dieser woche', ik kan wekel nig kamen brem.-ns. wb. 5, 222; wägling im laufe dieser woche wb. d. nordfries. spr. 670. 8) woche in verbindung mit bestimmten zahlangaben. a) sechs wochen und drei tage. in der rechtssprache eine bestimmte, bei gewissen anlässen wiederkehrende frist, vgl. DWB sechs wochen und drey tage appellatur jure Saxon. eine sächsische frist, terminus Saxonicus (1691) 2533; spatium Saxonicum, terminus probatorius Saxonicus (1741) 2, 140b; sechs wochen und drey tag terminus temporis in leg. Germ. non infrequens (1781) 2, 2053: (der grundbesitz des A. wird von den gläubigern) von der geltschuld wegen beklegt und stuond ouch also in des gerichtes gewalt dry tag und sechs wuchen, als recht ist (1406) schweiz. id. 7, 240, ebda belege des 16. jh.; up sodane bewardinge (erhärtung der wahrheit durch eid) wunnen de buerrichtere und buer vermyts Lamberte Botmester eren gewunne verspreken sess wecken und dreen daghe (1504) westfäl. landrechte 1, 201; wer also ein neu recht auffkaufft, der soll es, nachdem ihmme solliches erlaubt, innerhalb sechs wochen drey tagen fuirtreiben bei a. a. o. (Solothurn); und mag in dem fall ... ein ander holzerbe solichen kauf abtreiben, welchs in sechs wochen und dreien tagen nach beschehener erbung erfolgen soll (1565) weist. d. kurfürstent. Köln 1, 126. vgl.: die stadt Frankfurt ... eröffnete dem Ruprecht die pforten nicht, bis er die gewöhnlichen sechs wochen und drey tage vor ihren mauren gelegen gesch. d. Deutschen (1778) 4, 41. in der Schweiz blieb dieser formelhafte gebrauch bewahrt: der, den ich meyne, hat noch aufs wenigste sechs wochen und drey tage (hg.: 'geraume zeit') arbeit, eh ers (das wirtschaftsrecht) bekommt 5, 32 Buch.-Spr.-Stettb.; jetzt spotteten sie ihn (den vogt) noch aus und sagten ihm: er ... habe einen so schlechten vogtsmagen, dasz er unmöglich sechs wochen drey tage auf seiner stelle bleiben könne ebda 271. im Schweizer volkslied: sie: kei schätzeli nie kaa (gehabt)? b) vierzig wochen währt die schwangerschaft: des selben wunderæres hûs in vierzig wochen wird sichs zeigen, c) die sechs wochen 'kindbett' s. u. 15. d) vier wochen. die vier wochen eines verstorbenen, die sich an den todestag anschlieszen und während welcher für den verstorbenen gebetet wurde (vgl. mhd. drîzigeste, m. 1, 468): auch so uns wirt vorkundigt der thodt ader vorschidung eines bruders ader schwestern, wollen wir die vier wochen des vorstorbenn funff pater noster mit den funff gepethen sancti Gregorii ... (1506) Freiburg. urk.-buch 1, 460; zcum zcehenden was von opffer zcw demselbigen begengknissen gefilen, es wher uff die vier begengknis des jares aber sunst im begrebnis der bruder ader zcw den vier wochen der verstorben unser bruderschafft, sal dem pffarrer daselbst das oppfer die helffte volgen ebda 462. vier wochen in schwäb. redensarten: jedes gschwätz dauert 4 woche. ma singt alle 4 woche e anders lied u. ä. 6, 913. [Bd. 30, Sp. 930] e) tausend wochen: en süttje dern vun 1000 weken von einem mädchen, das älter erscheinen will, als es ist (holst., 1800); en dern vun dusend weken heiratsfähiges mädchen (schlesw.) 1, 921; auch niederrhein. (Krefeld) dusend weeken (alt), etwa wie 'geschlechtlich gereift', 'mannbar', von mädchen (mündliche mitteilung). — das schwäb. hat andere redensarten: du kriegst no viele schläg, bis du 1000 woche alt bist. seis um 1000 woche, na wölle wir wieder sehe 6, 913. 9) wendungen in der bibelübersetzung. fest der wochen, auch fest der ernte, der erstlinge genannt, vgl. bibl. altertümer (1893) 246, vgl. unten wochenfest: das fest der wochen soltu halten mit den erstlingen der weitzenerndte 2. Mos. 34, 22; vgl. 5. Mos. 16, 10 u. 16; 2. chron. 8, 13. — die woche aushalten die siebentägige hochzeit halten: halte mit dieser (Lea) die wochen aus, so wil ich dir diese auch geben 1. Mos. 29, 27 (bibel Zürich 1531: halt dise wuchen ausz). 10) übertragen auf die dienstfolge, den dienst, der der reihe nach eine woche lang an einen kommt: jetzt ist meine woche hebdomadariae vices jam mihi attribuuntur (1691) 2533. in älterer sprache namentlich vom geistlichen dienst: de prestere, de de weken tor tijd waret (1462) Lüb. urk.-buch 10, 250; das die gantze cruitzwochen diejenige so die wechen haitt ... auf der ebtey den mittagh essen (1487) cod. trad. Westfalic. 1, 179; gaff he enem ysliken (priester) ene wekene syne stede. de achte wekene de hadde Abdias lüb. pass. bei 5, 658b. auch von weltlichen diensten: Gretchen! du muszt das abendessen dieszmal besorgen, ob es gleich meine woche ist dtsche schaubühne 4, 497; der piqueur, so die woche hat jägerpractica (1754) 2, 101. lexikalisch sind verschiedene hergehörige wendungen verzeichnet: septimanarius der dye wochen heldet (15. jh.) 528b; die woche haben, seine woche antreten, endigen dict. al.-fr. (1762) 1, 1101; die woche ist an mir t.-it. dict. 2 (1702) 1377b. vgl. dazu wochendiener, -herr, -halter, -kalfaktor, -mann, wöchner. 11) bei der salzgewinnung: auf die woche tragen 'heist in Halle so viel, als sole auf vorrath in die kothe tragen, welches aber auszer verordnung des saltzgräfens und der oberbornmeister nicht geschehen darff' cur. u. real. lex. (1714) 1715. 12) woche in Sachsen ein kinderspiel, das sonst auch huppe heiszt; sieben felder, die namen der wochentage führend, müssen hüpfend durchsprungen werden, ohne dasz der fusz die linien berührt, s. mitt. d. ver. f. sächs. volkskde (1913) 99. s. u. wochenspiel. 13) eine abgabe auf wein, ein weinungeld: und umb win oder anderes, daz man noch ieder zit an daz bret bringet, daz gelt sol man von dem winungelte nemen, genant die woche (Straszburg 1405) bei 1, 20. 14) scherzhafter gebrauch. a) in Schlesien wird woche geradezu als umschreibung der zahl sieben gebraucht: wenn doch sieben wehren, so hätten wir eine gantze woche voll hochzeit lustspiele 164 Palm. in bezeichnung von ortsteilen: 'die letzten sieben häuser der Frankensteiner vorstadt in Reichenbach heiszen die neue woche; ebenso heiszt eine gasse in Ernsdorf bei Reichenbach die neue woche oder blosz die woche. drei einzeln liegende häuser bei Habendorf heiszen die halbe woche' schles. wb. 106. b) woche scherzhaft als längenmasz: dös (tränklein) honi glei ... durch mei 6 wochä braidi gurgl hinein caprioln laszen (um 1759) altbair. possenspiele 1 Brenner. 15) plur. die wochen 'wochenbett, kindbett'. verkürzt aus sechs wochen (sechswochen), d. i. der zeitraum, während dem ehemals die kindbetterinnen bett und zimmer zu hüten hatten. eine andere, abwegige deutung (ursprünglich die wehen, wochenbett eigentlich wehenbett) gibt in zs. Teuthonista 9, 192. [Bd. 30, Sp. 931] a) unter sechswochen teil 9, sp. 2793 ist die unverkürzte form bereits behandelt, ebendort beispiele, in denen das wort noch nicht zusammengeschrieben ist; hierfür im folgenden weitere belege, namentlich aus älterer zeit: puerperium sesz wochen (15. jh.) 471a; unde ouch sal man alleyne yn den sechs wachen uff eyn tagk kindelbrot pflegen (1439) Freiberg. urk.-buch 1, 159; binnen oren (der frau) ses weken bei 5, 658a; (die tochter) besach ein peurin in 6 wochen städtechron. 15, 240; alsbald nun die sechs wochen der kündtbet ausz waren zimmer. chron.2 1, 168 Barack; hefstu toùerie (zauberei) gedreǔen in den sos weken? bei 5, 658b; gieng heim, legt sich in die sechs wochen b) verkürzt die wochen: da der frauwen wochin umbe waren chron. 192 Diemar; wenn eine kindbetterin in ihren wochen spinnet glückstopf (1669) 403; nach überstandenen wochen lebensläufe (1778) 2, 28; er befiehlt der wochnerin, während der wochen ja nicht zum fenster hinaus zu sehen leb. u. schicks. 2, 133; das geld, das ich ihr zu ihren wochen geschickt hatte 21, 180 W. c) häufigere verbale verbindungen. α) kommen. in die (sechs) wochen kommen niederkommen: des Turcken weib kam alhier in die wochen städtechron. 27, 113; kommen sie (jungverheiratete frauen) doch zu frühe in die wochen gewissensrecht (1661) 928; in die wochen ò sechs wochen kommen t.-it. dict. 2 (1702) 1377b; gestern träumte ich, die Herdern sey ... in die wochen gekommen IV 8, 99 W.; wortspielend: (sie) ist die woche in die wochen gekommen ges. schr. 1, 61; substantivisch: das in die wochen kommen skizzen (1778) 1, 37. — sie ist in die unrechten wochen gekommen hat abortiert preusz. wb. 2, 478. frei gebraucht: da heiszt es immer: du (der diener) kannst doch nicht reiten; es paszt für dich nicht! ... aber der junge herr ... der musz einen spanischen hengst reiten, er möchte sonst unrichtig in die wochen kommen (1828) 3, 51. seit dem 18. jh. auch ohne artikel in wochen kommen: wars nicht beliebt sind hier übertragungen. vorerst von tieren: dasz wir (schlangen) vor der zeit mit ihnen ... in die wochen kommen mögen Diogenes (1742) 1, 415; in einem wald ... da gleich das jahr ietzund ist kummen in die wochen neulich war die erde braut. wirst du mit meinem glück bald in die wochen kommen? der wille taugt zu nichts, der ohne werk und that [Bd. 30, Sp. 932] wenn mein kreisender witz in die wochen kommt 2, 35 G.; so oft Claurens muse in die wochen kam (1890) 3, 220; vgl.: dasz du glücklich in wochen gekommen bist mit einer neuen liebschaft Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 253. elliptisch, nd.: Greteke M. hefft geszegt, sze scholde in de weken (wäre schwanger), darumme is sze nicht vorhorth (1551) bei 5, 658b; schlesw.-holst. se schall in (de) weken 5, 584; in Ostfriesland se schal fan hum in de weken 3, 531. aus den wochen kommen: uscir del parto n. dict. (1678) 1247; vgl. (1711) 1, 1068b; dict. al.-fr. (1762) 1, 1101. vgl. DWB aus den wochen gehen. β) liegen: in den wochen ò sechs wochen ligen 2 (1702) 1377b; dar vmme, dat sie in den weken beleghen was (1365) bei 1, 658b; so bin ich siebenzehnmahl in den sechs wochen gelegen ollapatrida 61 Wiener ndr.; (eine kusine, die) eben in den wochen liegt Tom Jones (1786) 5, 111; die dame lag immer in den wochen nachgel. schr. (1850) 56. in einem schlafsegen: die riesin liegt in den wochen; als nun die jungfer mutter klar ... wird sie viel kinder kriegen, als die fliege jenen tag γ) sein: in den sechs wochen seyn oder im kindbett liegen (1664) 2, 688; frau Jobsen war also, wie eben gesprochen, δ) halten: da Maria im kindelbet (eine bache) die unten ihre wochen hielte ε) gehen: aus den wochen gehen uscire di parto 2 (1702) 1377b; Josepha läst sich heut im tempel sehn, vor die wochen gehen: eine kindbetterin besuchen (1711) 1068b; 'heisset nach hiesiger landesart, wenn die gevatterinnen oder andere gute freundinnen die kindbetterin in ihren sechswochen besuchen und ihr die gewöhnlichen visiten geben' Amaranthes frauenz.-lex. [Bd. 30, Sp. 933] (1715) 2130: manches weib rauppet dem manne die taschen ... rechnet dem manne zu thewer, damit sie auch für die wochen gehen könne (wohl, um ein geschenk bringen zu können) Syrach (1586) 3, 47b. ζ) in die wochen tragen der wöchnerin ein geschenk bringen: die tage waren vorüber, da die frauen zu Hedwig 'in die wochen trugen', indem sie ihr gute und nützliche dinge brachten, zumal solche zu kräftiger kost für die mutter und den säugling die brüder Tommahans (1937) 311. η) mit starkem gefühlston in den wochen sterben: sie ist in den wochen gestorben (1711) 1, 1068b; da sie ihm in wochen starb belust. (1741) 2, 424; dasz diese frau in wochen gestorben 18, 322 M.; sie starb ... in den wochen verm. schr. (1800) 2, 20.
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