| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
weshalb(en) bis wespenbiene (Bd. 29, Sp. 601 bis 610) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| [Bd. 29, Sp. 602] form des wortes ist wes halben (16./17. jh.), weshalben (s. DWB deshalben teil 2, sp. 1030 und halben 4, 2, sp. 197 f.); sie wird noch von versuch 2 (1775) 905; lehrgeb. d. dt. sprache 2 (1782) 120 zugelassen und erst von antibarb. 2 (1797) 631 als 'unnütze verlängerung' verworfen. daneben erscheinen im 17./18. jh. versprengt bildungsvarianten: weshalber (s. DWB halber teil 4, 2, sp. 199 und deshalber 2, sp. 1030): nov. org. philol. (1674) 371 (nr. 1045); zeitungslust (1697) 309; dt. wb. (1734) 1, 669 (neben weszhalben 2, 985); seelenschatz (1737) 1, 187a; dt.-lat. wb. (1741) 2, 444a. — wessenthalben (s. DWB dessenthalben teil 2, sp. 1030 sowie frühnhd. gramm. 1, § 130, 5 c α): Philomusen verdeutschter Sueton (1664) 386 (s. PBB 60, 417); t.-ital. 2 (1702) 1337b (neben weszhalben; danach häufig in wbb. des 18. jhs.); wessenthalb im vers noch bei Aristofanes 3 (1821) 300; w. 2, 410 Hempel. beide formen (weshalber, wessenthalben) wurden von 5 (1786) 189 und a. a. o. bekämpft. — die seit der wende des 18. jhs. schriftsprachliche form weshalb (s. DWB halb teil 4, 2, sp. 193 sowie deshalb 2, 1029 f. [bereits mhd. und frühnhd.]) stellt sich nach ganz vereinzeltem auftreten im 16. jh. ([1551] 14, 188 lit. ver.) erst wieder in der zweiten hälfte des 18. jhs. ein ( 2 [1775] 905) und verbreitet sich dann rasch (bereits Göthe gebraucht, wie es scheint, ausschlieszlich weshalb; weitere belege bei Bürger, Herder, Tieck, Hoffmann). weshalb(en) steht mit seiner demonstrativen entsprechung deshalb(en) in der entwicklungsreihe der kausaladverbien und kausalkonjunktionen (s. dazu Behaghel deshalb — weshalb, in: PBB 60, 414—426). es tritt jedoch erst später als deshalb und bis zum beginn des 19. jhs. verhältnismäszig selten auf (in den schriften Luthers nicht nachweisbar; nicht in Grimmelshausens Simpl.). sein platz wird bis dahin weitgehend von den kausalen pronominalformen wes und was (sp. 88 f.) sowie von warum (teil 13, sp. 2188 ff.), wieso (s. d.) und dem in frühnhd. zeit noch häufigerem weswegen eingenommen. dabei liegt es nahe, weshalb und weswegen, wie oben sp. 89 angedeutet, als verdeutlichende ersatzbildungen für das im frühnhd. untergehende selbständige wes 'warum' zu fassen (s. auch wesfalls sp. 601). — neben die kausale verwendung stellt sich eine lediglich beziehungsandeutende ('in hinblick auf welchen umstand'), die sich abgeschwächt auch in dem kausalen gebrauch wirksam zeigt. diese doppelheit hat eine genaue entsprechung in dem verhältnis warum — worum (s. teil 13, sp. 2195; 14, 2, 1656 f.), nur dasz dort eine formale unterscheidung hinzugetreten ist. I. als interrogativum; 'welchen umstandes wegen, aus welchem grunde'. 1) eine hauptsatzfrage (auch fragen rhetorischer art) einleitend: weshalben seit jr als hart bewegt? hertzog Aymont (1535) s 5b; weshalben wolt denn einer nicht wesz halben solt ich sein vnmutig, [Bd. 29, Sp. 603] Sophronia spricht: 2) an der spitze eines nebensatzes (bes. in abhängiger rede): ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte (1563) wendunmuth 1, 96 lit. ver.; Emils freunde begriffen nicht, ... weshalb man ihn so wenig in gesellschaften sehe (1811) schr. (1828) 4, 254; wenn uns dieser da 3) eine sondergruppe bilden fügungen des typus die ursache (der grund), weshalb ..., in denen sich das wort relativem gebrauch (II 2 b) nähert (vgl. die entsprechende verwendung von warum teil 13, sp. 2193 und weswegen [s. d. 1 c]): man dem Plautius ... die rechte ursache nicht sagen wolte, weshalben man ihn hinweg verlangte Octavia (1677) 2, 140; jenes ist wohl der hauptgrund, weshalb die rechtsbücher so wenig über die einzelnen verträge enthalten Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (31821) 2, 620; selbst der zeitsinn ist der art und weise nicht günstig wie ich diese gegenstände gefaszt, eben so wenig als der absicht weshalb ich sie dargestellt habe (1820) IV 32, 191 W.; erst nehmen sie (anrede) das feindliche gebiet in beschlag, dann setzen sie die gründe, weshalb, auseinander (1827) ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 91; dies ist der grund, weshalb er sich bei ausbruch des balkankrieges freiwillig zu den waffen meldet Musa Dagh (1955) 10; ich fragte mich, ob das der grund gewesen sei, weshalb er mir nach so vielen jahren geschrieben hatte neue rundschau 70 (1959) 141. II. als relativum. 1) zur bezeichnung eines kausalverhältnisses; 'aus welchem grunde'. weshalb bezieht sich auf den gesamtinhalt eines vorausgehenden satzes, der eine begründung für die durch weshalb eingeleitete aussage enthält: hierin (über dieses thema) ist von vielen weitläufftig geschrieben ..., weszhalben unnöthig ist, dasz wir uns darin auffhalten unterr. v. d. dt. sprache (1682) 1, 527; Constantinopel [Bd. 29, Sp. 604] musz sich Stampol ... nennen lassen ..., weshalber man in den landkarten gewaltig irre wird zeitungslust u. nutz (1695) 391; (sie hatten) sich mit den ihrigen gott ergeben und befohlen; weszhalber der geist unverrichteter sachen wieder kame, und sagte: der allerhöchste hätte es nicht haben wollen seelenschatz (1737) 1, 604a; ich habe mehrere lockungen nach den Rhein und Mayn, weshalb ich denn noch in einiger unentschiedenheit schwebe (1817) IV 28, 127 W. (in gleicher verwendung bei Göthe deshalb, s. teil 2, sp. 1029 f.); die generalpächter ... kannten ... diesen zweig der verwaltung, weszhalb man sie gern zur erhebung auch derjenigen steuern heranzog, welche nicht in pacht gegeben waren gesch. d. frz. revol. (1845) 35; eine zahllose menge von mohnblumen oder klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt, weshalb der kleine berg feuerrot aussah zur zeit ges. w. (1889) 4, 112; gott, mir schuddert so, sagte sie mit einem male, weshalb Botho verbindlich aufsprang ges. w. (1905) I 5, 143; (die handschrift) hat für die textherstellung keine bedeutung, weshalb an dieser stelle die fragmentarische betrachtung genügen musz in: der ackermann aus Böhmen (1917) XVIII; Oxenstierna fand den französischen gesandten ... tölpelhaft, weshalb er sein benehmen zwar höflich und entgegenkommend gestaltete, aber wendungen persönlicher vertraulichkeit einstweilen unterliesz der grosze krieg (1920) 3, 27. 2) zur bezeichnung einer allgemeinen beziehung. a) gerichtet auf den gesamtinhalt des vorausgehenden satzes; 'in welcher hinsicht, welcher angelegenheit wegen' (nur in der Göthezeit? vgl. die belege für deshalb in entsprechender bedeutung bei dt. wb. 568): vielleicht bringen sie es (das promemoria) mit einer depesche an unsern Müller fort, weshalb der brief nur an geheimerath Voigt zu geben wäre (1807) IV 19, 337 W.; er (der codex) ... kann auch ... sogleich der fahrenden post übergeben werden, weshalb mir weitere geneigte antwort erbitte (1826) ebda 41, 70. b) weshalb bezieht sich auf eine einzelgrösze in dem vorausgehenden satz, und zwar in der regel auf das neutrum eines (unter umständen zu ergänzenden) pronomens oder substantiv. adjektivs; 'in bezug worauf, dessentwegen' (s. DWB warum 3 c β teil 13, sp. 2193): gebt mir jetzt gründtlichen bescheyd (über das), (Don Juan:) (weil er) ihm die rosse vorenthielt, weszhalb (derentwegen) ahd. wafsi, wefsi, wefsa; mhd. wefse, wefz, webse, wespe; and. waspa, wespa, (h)wepsia (belege s. u.); mnd. wespe, wispe 5, 743; wopse ebda 768; mnl. wespe 9, 2352; nl. wesp f., dial. auch weps(ə), wips(ə) etym. woordenb. 789; ags. wæps, wæsp, wæfs m. 1156b; engl. wasp, dial. waps(e), wops(e) 10, 2, 135a; schwed. dial. väffs, väspe, väss m. svenskt dialekt-lex. 825b; altdän. hwæfsæ, älteres dän. vespe, [Bd. 29, Sp. 605] vispe, ndän. hveps, dial. hvevs(e) ordbog over det danske sprog 8, 822; norw. kveps, kvefs, kveks, veps (u. anders) m. nynorsk etym. ordbok 343. dazu stellen sich avest. vawžaka- m., etwa 'skorpion'; baluči gvabz 'biene, wespe, hornisse'; lat. vespa (< *vospa); abret. guohi, corn. guhien; lit. vapsà, apr. wobse, ksl. osa (< *vopsa) 'wespe', aus denen sich idg. *obh(e)so/ā (zur wurzel *ebh- 'weben' vom gespinstartigen wespennest) ergibt, s. 1, 258; wörter u. sachen 20 = n. f. 2, 34 ff. daneben ist mit schon vorgerm. assimilation zu *opso/ā zu rechnen. auf eine u-s-ableitung von *ebh- deutet möglicherweise der name Vabusoa auf den Utrechter tafeln ( d. germ. götternamen der antiken inschriften [1936] 67 u. anm. 2); über Spechts annahme einer ableitung mit t statt s siehe unten. frz. guêpe ist im anlaut vom germanischen beeinfluszt, vgl. etym. wb. d. frz. spr. 496; rom. et. wb. 39272. and. huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 210, 42 St.-S., sowie altdän. hwæfsæ, ndän. hveps, norw. kveps weisen auf eine nord.-nd. nebenform mit anlautendem h. — unumgelauteten stammsilbenvokal zeigen nur uuafsi vespas (alemannisch 9. jh.) ahd. gl. 1, 554, 25 St.-S. und and. uaspe fucos (10. jh.) 2, 716, 44, während die übrigen ahd. und and. belege e bieten, z. b.: uuefsa uuespa (voc. St. Galli, 8. jh.) 3, 6, 65; uuefsi uespa (9. jh.) 4, 176, 10. in uuefsa könnte dieses e auch altes ë sein (dazu lat. vespa?), da nach beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. 242 z. b. die bair. maa., soweit sie noch ë und e scheiden, auf altes ë weisen. dagegen deuten uuafsi, uuefsi auf einen ja-st. (weniger wahrscheinlich jō-st.), and. (h)uuepsia auf einen jō-stamm. mundartliches a ist teils aus ë entstanden: bappšə Gottschee 173; teils bleibt seine herkunft offen: wafftz oestrum (1440, md.) gl. 393c; wašpə elsäss. 2, 875; waspə Rhoden 282. rundung e > ö zeigen: wösp Samland 98; wöpse Thür. waldgeb. 48. häufig im nd., vereinzelt auch im md. geht ẹ in i über (vgl. nd. forschg. 1, 98): wispe vespe (13. jh., westfäl.) ahd. gl. 3, 721, 12 St.-S.; wispen (pl.) d. Teutschen weiszh. (1605) I i 4a (aber: wespen ebda Ppp 2a); wispe (1414, md.) gl. 393c; wipse Soester Börde 336. — auf ursprünglich offene silbe (und damit alte dreisilbigkeit s. unten) weist die im nd. begegnende dehnung des stammsilbenvokals: weespe (1420, nd.) gl. 615c; vbs Schleswig-Holstein 5, 596; wiəspe, wiəpse westfäl. 323. vereinzelt begegnet in maa. kontraktion des stammsilbenvokals mit dem folgenden labial: weussún bair. 2, 830; weus Schleswig-Holstein 5, 596; waus ebda 548 (vgl. in: dt. philologie im aufrisz 2 [1954] 2038). die konsonantengruppe labial (urgerm. und f) + s erscheint als fs im ahd.: uuefsa uuespa (vocab. St. Galli, 8. jh.) ahd. gl. 3, 6, 65 St.-S.; uuefsa uespello (9. jh.) ebda 4, 229, 21; uuefsi uespa (9. jh.) ebda 176, 10; im mhd.: wefse d. renner 19 743 lit. ver.; vefsen (pl.) buch d. natur 309 Pfeiffer; vereinzelt noch im frühnhd.: weffs, wesp vocab. theut. (Nürnberg 1482) nn 3b; sowie mundartlich: wéfs bair. 2, 830. dafür tritt seit dem spätmhd. vor allem im schwäb.-elsäss., vereinzelt auch im md. fz auf: wefz vespa (Heinrici summar. 13./14. jh.) ahd. gl. 3, 291, 24 St.-S.; weftz vespis (1440 md.) gl. 616a; wefczen (pl.) Äsop 211 lit. ver.; literarische quellen zeigen die form bis zum ende des 17. jhs.: wefftzen (pl.) frantzös. Simplicissimus (1683) 2, 1; heute ist sie (vielfach mit einem g-suffix) mundartlich noch im schwäb., elsäss., pfälz. bewahrt: wefz(g)e schwäb. 6, 530; wëfz elsäss. 2, 795; wefze (Mannheim) wörter u. sachen 20, 34. — ps-formen zeigt zufrühest das nd.: uuepsia cretobolus und huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 198, 50; 210, 42 St.-S.; mnd. wopse 5, 768; in den modernen nd. maa. ist die form (gelegentlich mit einem [Bd. 29, Sp. 606] k-suffix vgl. dt. wortbildung 143) reich belegt: wepse id. Hamburg. (1755) 338; wepse, wepske, auch wöpse brem.-nieders. wb. 5, 231; wepse, weps ostfries. 3, 536; wiəpske f., wipse westfäl. 323. seit der spätmhd. zeit ist die ps-(bs-) form auch im hd. belegt: websen (pl.) buch d. natur 291 Pfeiffer; 293; 294; webssen (pl.) w. 36, 68 Primisser; websen (pl.) 12, 59 lit. ver.; 21, 314. literarische und lexikalische quellen zeigen sie bis ins 18. jh.: eine wespe vespa, quod alia dialecto dicunt wepse stammb. (1691) 2566; wepsen (pl.) etw. f. alle 2 (1711) 286 (aber wespen ebda 413); mundartlich ist sie (ausser im nd., s. o.) vor allem im bair.-österreichischen und ostmd., weniger im westmd. und nur vereinzelt im schwäb. verbreitet: wèpssún bair. 2, 830; wẹps(e), weps(n) Tirol 699; wöps'n Österreich unter d. Enns 267; wepse obersächs. 2, 660; wëbs oberhess. 909; w(ə)ps(ə) schwäb. 6, 530. — auch die sp-form zeigt sich zufrühest im nd.: uuespa vespa (10. jh.) ahd. gl. 3, 458, 51 St.-S.; so auch im mnd.: wespen (pl.) 49, 167 Seelmann; und in den nd. maa.: wespe Nordharz 226; wepse, wespe Oldenburg 131. im hd. ist sie seit dem 12. jh. belegt: wespa uespella (12. jh., Salomon. gloss.) ahd. gl. 4, 108, 31 St.-S.; wespen (dat. pl.) Alexander 3200 Massmann; websen oder vespen buch d. natur 292 Pfeiffer; von den mucken und bespen decamerone 154 lit. ver.; vespa ein wesp nov. dict. (1540) Xx 3b. in den literarischen quellen nehmen die sp-formen ständig zu, haben sich aber erst zu beginn des 18. jhs. endgültig durchgesetzt. mundartlich ist -sp- im md., im südwesten des bairischen, im elsässischen, vereinzelt auch im schwäbischen bezeugt: wäsbe Siegerland 321; wsbə Altenburg 70; wšpm Burggrafenamt von Meran 24; wësp(e) elsäss. 2, 875; w'ẹsp schwäb. 6, 531; ferner (beim diminutivum) in den nördlicheren schweizerischen maa.: wæšpi n. Zürcher Oberland 34; dazu das wespe teutsch spraach (1561) 490b; während südlichere maa. statt des labials in der konsonantenverbindung sp guttural zeigen (dissimilation zu anlautendem w? vgl. Mutten 328): wæšgi n. Visperterminen 169; wæški n. Obersaxen 33; guttural erscheint (noch ohne metathese) auch sonst in obd. maa.: wæchsi n. Jaun 50; 187; vgl. DWB wächse teil 13, sp. 79 sowie unter 2wespel. vereinzelt tritt st für sp auf (dissimilation wie oben?): westen, vulgariter websen, vespa ... wespen vocab. incip. teut. (Speyer um 1485) nn 8b; wäspe, auch wäste obersächs. 2, 660. assimilation >ss begegnet häufiger im bair.-österr. und im ostmd.: wessen Österreich 3, 288; wessə Tirol 36; wersche, wesse steir. 630; wæs Vogtland 296. in verschiedenen bair.-österr. und ostmd. maa. finden sich — anscheinend sehr alte — dreisilbige formen: wéwəss(n) bair. 2, 830; wöwəsa (Kärnten) PBB 28, 88; webes, webese steir. 621; wewise, wẹiwes Tirol 701; wǣbəs Vogtland 130; wēwəs (veraltend) ebda 179; wēws ebda 280; wiwese Thür. 257. das verhältnis der verschiedenen formen der inlautenden konsonantengruppe zueinander ist nicht eindeutig klar. nach etym. wb. 17857 ist von germ. *wafs- (< vorgerm. *ops-), *wais- (< idg. *obhes-) neben *wait- (mit t-suffix) auszugehen. auf *wafs- gehen die dt. formen mit -fs- zurück, aus denen nach dt. gramm. 31, 130 die ps- und durch metathese die sp-formen entstanden sind (vgl. dieselbe erscheinung in den andern germ. sprachen sowie bei trespe und mhd. refsen). nach a. a. o. hat sich die sp-form im dt. unter einwirkung des lat. synonyms vespa durchgesetzt, wohingegen ältere ansicht (so dt. gramm. 3 [Bd. 29, Sp. 607] [1831] 366) noch entlehnung aus lat. vespa annahm. zu erwägen ist auch einflusz der synonyma 2wespel (s. d.) und 3wispel. beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 242 führt auszer den dreisilbigen wortformen auch die ps-(bs-)lautungen auf ein von ihm angenommenes urgerm. *wëes- zurück. zumindest für die nd. ps-formen ist diese herleitung jedoch abzulehnen; nur wews Schlesw.-Holstein 5, 596 liesze sich darauf zurückführen. — vereinzelte schreibungen mit pfs erlauben schwerlich eine besondere grundform: wepffgs vespello (vor 1476) ahd. gl. 4, 108, 32 St.-S.; wepffcz vespa (15. jh.) schwäb. 6, 531. — formen ohne s finden sich in wepf vespa (15. jh., obd.) nov. gl. 380a; und weffe crecapulus (1421, obd.) ebda 118a. ndl. wip, westfries. wup wird von van Haeringen in etym. woordenb., suppl. 193 als singularisierung des als plural aufgefaszten wips, wups gedeutet. — wegen der seit dem spätmhd. belegten formen mit (t)z und des lokal begrenzten thür. wēwetzche, f. (nördl. Jena; pl.-chen) urg. *wait- anzusetzen ( a. a. o.; ursprg. d. idg. deklination [1944] 45 f.; 229; 234), erscheint unnötig; als erweiterung zu thür. webetze wird wēwetzche wie dieses mit dem suffix -itz gebildet sein in: zs. f. dt. wortf. 1, 276. — eine kollektivbildung liegt vielleicht vor in: wefsich vespa (Heinrici summ., 12. jh.) ahd. gl. 3, 89, 27 St.-S.; 263, 3. in ahd. uuafsi, uuefsi ist wahrscheinlich masc. genus anzuerkennen, das auch im spätmhd. und frühnhd. neben dem fem. steht: von dem wefsen buch d. natur 309 Pfeiffer (variante des 15. jhs.: von der wespen ebda 534); ainen gar groszen weffczen Äsop 244 lit. ver.; so auch noch in einigen maa.: der wéss (Bair. Wald) d. maa. Bayerns 2, 447; dr weps Nordwestböhmen 157; f., auch m. schwäb. 6, 530; f. und m. Schleswig-Holstein 5, 596. vgl. auch das masc. im ags., schwed. und norwegischen. — der sg. flektiert bis ins 16. jh. hinein schwach: von einer wefftzen nachtbüchlein 172 Bolte; danach ist gelegentlich ein nom. sg. mit n gebildet: ein grosse wespen von bepstlicher heylichait (1520) B 3b. für den pl. ist ein st. akk. belegt in uaspe fucos (10. jh.) ahd. gl. 2, 716, 44 St.-S.; sonst flektiert der pl. schon seit ahd. zeit stets schwach: (et misisti antecessores exercitus tui) uespas uuefsun (bair., 10./12. jh.) ebda 1, 557, 41. bedeutung und gebrauch. im engeren sinne bezeichnet wespe die kleineren, kriegerischen arten der gattung vespa L. aus der familie der faltenwespen oder echten wespen (besonders vespa germanica F., vespa vulgaris L. vgl. tierl. 42, 584 zur Strassen), während die gröszere und gefährlichere vespa crabro L. hornisse heiszt. vgl.: ainen hurnüssel, das ist ainen gar groszen weffczen Äsop 244 lit. ver.; grote wespen, päerwespen hornisse Hahlen 34. im weiteren sinne werden aber auch andere insekten aus der ordnung der hautflügler (hymenoptera) wespe genannt. vgl. z. b. die komposita blattwespe teil 2, sp. 81; goldwespe teil 4, 1, 5, sp. 866; schlupfwespe teil 9, sp. 848. in einigen mundarten vertauschen wespe (im engeren sinne) und hornisse die bedeutung: hornessel wespe (vespa vulgaris) tiere im pfälz. volksmund (1903) 2, 15; wefze hornisse (vespa crabro) ebda (so auch bei: crabro wespe [1417, nd.] nov. gl. 117b; tabanus wespe [15. jh., obd.] gl. 570a?); oder hornisse übernimmt den bedeutungsbereich von wespe mit (so im rheinischen südl. d. Mosel), die dann kleine hornisse zum unterschied von der groszen, dicken oder langen hornisse heiszt. vgl. rhein. wb. 3, 836. da auch im mittleren Nordthüringen hornisse-ableitungen für 'wespe' gelten (mitteilung d. instituts f. mundartforschg. d. univ. Jena), scheint sich die auffällige beobachtung, dasz Luther in der bibelübersetzung nur hornisse gebraucht, aus seiner Mansfelder heimatmundart zu erklären; die erste dt. bibel dagegen scheidet zwischen wespe (vulgata: vespa weish. 12, 8) und [Bd. 29, Sp. 608] hornisse (vulgata: crabro exodus 23, 28; deuteronomium 7, 20; Josua 24, 12), wie es auch die Zürcher bibel (1531) und (Mainz 1534) tun. volkskundliches zur wespe in hdwb. d. dt. aberglaubens 9, 503 f. 1) als insekt; auch im bildlichen gebrauch sowie in vergleich und übertragung auf den menschen. meist sind wohl die kleineren staatenbildenden arten von vespa L. gemeint, die oft zu vielen tausenden in nestern zusammenleben: vespe haizent wefsen. die machent nest in hoehen auz horw und handelnt ir leben gern pei mist, der von den tiern und von den läuten kümt buch d. natur 309 Pfeiffer; die wespen machen ire nester ... von koth Plinius (1543) 191; über den mit gras bewachsenen steigen ... hatten die wespen ihre ... nester aufgehangen s. w. (1899) 1, 70. gefährlich ist das wëspen stupfen die wespen in ihren höhlen reizen elsäss. 2, 875. davor warnt die redensart: me maut niəne wiepsken tergen (reizen), dann steket se em ok nitt westf. 323. ähnlich: genug! wer wespen stört, kriegt beulen ins gesicht und (die mücke) hat ein wessen (scharfen) zagel lang, [Bd. 29, Sp. 609] und erbleichten und sahen wie die doten und kamen inen die websten in den hindern, und rütsten uff der benck hin und har (1530) Basler chron. 1, 475; sie ruckte mit dem arss hin und wieder, als wann sie wespen drinn gehabt 2, 560 Keller. ähnlich erklärt sich die redensart: wepsen in de kop hebben verdreht oder verrückt sein ostfries. 3, 536. dem unruhig hin und her fliegenden tier vergleicht man 'ein lebhaftes frauenzimmer' Wien 188. die wespe geht auf raub nach süszigkeiten aus: vnd als die wespen sein gesindt, dar umb schult ir nit wenkchen 2) in vereinzelten übertragenen bedeutungen. a) eine maulschelle, da sie gleichfalls 'sticht' (s. jedoch auch unter waffe 2 teil 13, sp. 288): und wie ich sagte, der brunn wäre unser, so gab mir einer eine wespe, dasz ich zu boden fiel opferung Isaacs (1682) 39; es ist wunder, dasz der medicus keine wespe davon getragen hat ders., erznarren 209 ndr. hierzu auch wohl wopse, f., schallender, derber schlag, backenstreich Markersdorfer ma. 125. vgl.: hornisse ohrfeige obersächs. 1, 530. b) als 'geiszel': (Notker d. stammler) kannte ... die buszwerkzeuge, die ihrem rang nach an der wand hingen, vom neunfältigen 'skorpion' herab bis zur einfachen 'wespe' ges. w. (1907) 1, 146. c) 'diese nebenschnüre (an der angelhauptschnur) 40 cm lang und aus doppelgedrehter schnur bestehend heiszen wefzen wespen' (am Neckar bei Heidelberg) zs. f. dt. wortforschung 6, 75. 3) diminutiva: die wefftzlin und klainen mügklin (unbedeutende feinde) schwankbücher 138 lit. ver.; das selbe wefftzlein nachtbüchlein 172 Bolte; sumsend nähert ietzt [Bd. 29, Sp. 610]
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