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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
weshalb(en) bis wespenbiene (Bd. 29, Sp. 601 bis 610)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) weshalb(en), adv. , 'aus welchem grunde'; verschmelzung der präposition halb(en) 'wegen' (s. teil 4, 2, sp. 193; 198) mit dem vorangestellten gen. des pronomens was (Paul dt. gramm. 4, 42 f.). in gleicher weise sind gebildet deshalb(en) teil 2, sp. 1029 f. und das in jüngerer sprache zurückweichende weswegen. belegt seit dem 16. jh. (eine vorstufe: vnde ... warumb, wesz dings halb Melber voc. predicantium [1482] Ff 4a; s. Diefenbach gl. 626c); die älteste, bis zum ausgang des 18. jhs. vorherrschende

[Bd. 29, Sp. 602]


form des wortes ist wes halben (16./17. jh.), weshalben (s. DWB deshalben teil 2, sp. 1030 und halben 4, 2, sp. 197 f.); sie wird noch von Adelung versuch 2 (1775) 905; lehrgeb. d. dt. sprache 2 (1782) 120 zugelassen und erst von Heynatz antibarb. 2 (1797) 631 als 'unnütze verlängerung' verworfen. daneben erscheinen im 17./18. jh. versprengt bildungsvarianten: weshalber (s. DWB halber teil 4, 2, sp. 199 und deshalber 2, sp. 1030): Becher nov. org. philol. (1674) 371 (nr. 1045); Stieler zeitungslust (1697) 309; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 669 (neben weszhalben 2, 985); Scriver seelenschatz (1737) 1, 187a; Frisch dt.-lat. wb. (1741) 2, 444a. — wessenthalben (s. DWB dessenthalben teil 2, sp. 1030 sowie Moser frühnhd. gramm. 1, § 130, 5 c α): Philomusen verdeutschter Sueton (1664) 386 (s. PBB 60, 417); Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337b (neben weszhalben; danach häufig in wbb. des 18. jhs.); wessenthalb im vers noch bei Voss Aristofanes 3 (1821) 300; Platen w. 2, 410 Hempel. beide formen (weshalber, wessenthalben) wurden von Adelung 5 (1786) 189 und Heynatz a. a. o. bekämpft. — die seit der wende des 18. jhs. schriftsprachliche form weshalb (s. DWB halb teil 4, 2, sp. 193 sowie deshalb 2, 1029 f. [bereits mhd. und frühnhd.]) stellt sich nach ganz vereinzeltem auftreten im 16. jh. ([1551] Hans Sachs 14, 188 lit. ver.) erst wieder in der zweiten hälfte des 18. jhs. ein (Adelung 2 [1775] 905) und verbreitet sich dann rasch (bereits Göthe gebraucht, wie es scheint, ausschlieszlich weshalb; weitere belege bei Bürger, Herder, Tieck, Hoffmann).
weshalb(en) steht mit seiner demonstrativen entsprechung deshalb(en) in der entwicklungsreihe der kausaladverbien und kausalkonjunktionen (s. dazu Behaghel deshalbweshalb, in: PBB 60, 414—426). es tritt jedoch erst später als deshalb und bis zum beginn des 19. jhs. verhältnismäszig selten auf (in den schriften Luthers nicht nachweisbar; nicht in Grimmelshausens Simpl.). sein platz wird bis dahin weitgehend von den kausalen pronominalformen wes und was (sp. 88 f.) sowie von warum (teil 13, sp. 2188 ff.), wieso (s. d.) und dem in frühnhd. zeit noch häufigerem weswegen eingenommen. dabei liegt es nahe, weshalb und weswegen, wie oben sp. 89 angedeutet, als verdeutlichende ersatzbildungen für das im frühnhd. untergehende selbständige wes 'warum' zu fassen (s. auch wesfalls sp. 601). — neben die kausale verwendung stellt sich eine lediglich beziehungsandeutende ('in hinblick auf welchen umstand'), die sich abgeschwächt auch in dem kausalen gebrauch wirksam zeigt. diese doppelheit hat eine genaue entsprechung in dem verhältnis warum — worum (s. teil 13, sp. 2195; 14, 2, 1656 f.), nur dasz dort eine formale unterscheidung hinzugetreten ist.
I. als interrogativum; 'welchen umstandes wegen, aus welchem grunde'.
1) eine hauptsatzfrage (auch fragen rhetorischer art) einleitend: weshalben seit jr als hart bewegt? hertzog Aymont (1535) s 5b;

weshalben wolt denn einer nicht
mit begird lesen die geschicht? (1558)
Thym Thedel v. Wallmoden v. 23 Zimmermann;

wesz halben solt ich sein vnmutig,
mich vor dem schwert entsetzen blutig?
Spreng Ilias (1610) 87b;

weszhalben seyd ihr so traurig? Kramer t.-ital. 2 (1702) 1337b; welche thiere ... sind uns offenbar die ähnlichsten? gerade die häszlichsten, der affe und das faulthier. weszhalb sind sie uns dies? (1800) Herder 22, 84 S.; weshalb empfangen sie mich denn so unwirsch? Holtei erz. schr. (1861) 1, 16; weshalb sitz ich hier in Molde auf einer veranda ...? A. Schnitzler dämmerseelen (1918) 35. mit ersparung der aus dem zusammenhang zu ergänzenden satzglieder: (Agricola:) welchs (weiberröcke) ... mir doch nötiger were dan dir. (Spalatinus:) weshalben? (Agricola:) fragstu? ich hab gewachsne töchter, die hastu nitt (1538) Vogelgesang-Cochläus tragedia Joh. Hussen 6 ndr.;

[Bd. 29, Sp. 603]


Sophronia spricht:
der erst (von zwei männern) mir dennoch lieber wehr.
edel fraw spricht:
weszhalb? das wil ich wissn von dir (1551)
Hans Sachs 14, 188 lit. ver.;

(soldat:) das — vermehrt meine angst. (general:) wesshalb? (soldat:) weil ich nun erst fürchte, es ist vergeblich Iffland theatr. w. (1827) 1, 89; (apotheker:) (ich war) das dümmste luder unter der sonne! (Isabella:) weshalb? (apotheker:) weil man für keine frau die beine ins wasser legen soll! Götz die tote tante (1956) 14. in jüngerer sprache gern in 'prädikatlosen' sätzen: ich habe mich ausdrücklich und endgültig von Maurice getrennt. Alice (die gattin) weisz das. weshalb dann dieser verspätete aufruhr? Luise Rinser abent. d. tugend (1957) 29; (der leitartikel) enthüllt, dasz viele Schweizer zeitungen gewisse vorgänge in Algerien verschweigen. weshalb dieses verschweigen? die tat (9. 5. 1959) 24. — substantiviert: zwischen all diesen ... weshalbs Holtei bei Sanders wb. d. dt. spr. 1, 663b.
2) an der spitze eines nebensatzes (bes. in abhängiger rede): ein wort ... bracht das ander zuwegen, dasz der münch dem edelmann sagte, wannen er wer, auch weszhalben und wohin er wolte (1563) Kirchhof wendunmuth 1, 96 lit. ver.; Emils freunde begriffen nicht, ... weshalb man ihn so wenig in gesellschaften sehe (1811) Tieck schr. (1828) 4, 254;

wenn uns dieser da
anzeigen wollte, wer er ist, und wessenthalb
und wesz bedürfend er bis hieher kam mit uns
Voss Aristofanes 3 (1821) 300;

er fragte mich, weshalb ich nicht auf meinen posten ginge (1898) Bismarck ged. u. erinn. 1, 222 volksausg.; trotz den vorbemerkungen ... bleibt mir ... manches unklar: weshalb eine menge gll. ohne händezahl auftreten, weshalb ... eine zehnte hand erscheint Steinmeyer in: anz. f. dt. altertum 22 (1896) 278; zumal ich erst kürzlich ... dargelegt habe, weshalb ich der verbreiteten auffassung nicht beitreten kann, dass der Heliand in Fulda geschrieben sei Krogmann in: nd. mitteilung en 6 (1950) 103. in überschriften, titeln u. dgl. kann der regierende hauptsatz fortfallen: warmit vnd wie, auch warzu vnd wesshalben die eltern die kinder züchtigen sollen Barth weiberspiegel (1565) e 3a; (abschnittsmarginalie:) weszhalben Prusias ... den Byzantiern ... feindt worden Xylander Polybius (1574) 230.
3) eine sondergruppe bilden fügungen des typus die ursache (der grund), weshalb ..., in denen sich das wort relativem gebrauch (II 2 b) nähert (vgl. die entsprechende verwendung von warum teil 13, sp. 2193 und weswegen [s. d. 1 c]): man dem Plautius ... die rechte ursache nicht sagen wolte, weshalben man ihn hinweg verlangte A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 140; jenes ist wohl der hauptgrund, weshalb die rechtsbücher so wenig über die einzelnen verträge enthalten Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. (31821) 2, 620; selbst der zeitsinn ist der art und weise nicht günstig wie ich diese gegenstände gefaszt, eben so wenig als der absicht weshalb ich sie dargestellt habe (1820) Göthe IV 32, 191 W.; erst nehmen sie (anrede) das feindliche gebiet in beschlag, dann setzen sie die gründe, weshalb, auseinander (1827) Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 91; dies ist der grund, weshalb er sich bei ausbruch des balkankrieges freiwillig zu den waffen meldet Werfel Musa Dagh (1955) 10; ich fragte mich, ob das der grund gewesen sei, weshalb er mir nach so vielen jahren geschrieben hatte neue rundschau 70 (1959) 141.
II. als relativum.
1) zur bezeichnung eines kausalverhältnisses; 'aus welchem grunde'. weshalb bezieht sich auf den gesamtinhalt eines vorausgehenden satzes, der eine begründung für die durch weshalb eingeleitete aussage enthält: hierin (über dieses thema) ist von vielen weitläufftig geschrieben ..., weszhalben unnöthig ist, dasz wir uns darin auffhalten Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 1, 527; Constantinopel

[Bd. 29, Sp. 604]


musz sich Stampol ... nennen lassen ..., weshalber man in den landkarten gewaltig irre wird Stieler zeitungslust u. nutz (1695) 391; (sie hatten) sich mit den ihrigen gott ergeben und befohlen; weszhalber der geist unverrichteter sachen wieder kame, und sagte: der allerhöchste hätte es nicht haben wollen Scriver seelenschatz (1737) 1, 604a; ich habe mehrere lockungen nach den Rhein und Mayn, weshalb ich denn noch in einiger unentschiedenheit schwebe (1817) Göthe IV 28, 127 W. (in gleicher verwendung bei Göthe deshalb, s. teil 2, sp. 1029 f.); die generalpächter ... kannten ... diesen zweig der verwaltung, weszhalb man sie gern zur erhebung auch derjenigen steuern heranzog, welche nicht in pacht gegeben waren Dahlmann gesch. d. frz. revol. (1845) 35; eine zahllose menge von mohnblumen oder klatschrosen hatte sich darauf angesiedelt, weshalb der kleine berg feuerrot aussah zur zeit G. Keller ges. w. (1889) 4, 112; gott, mir schuddert so, sagte sie mit einem male, weshalb Botho verbindlich aufsprang Fontane ges. w. (1905) I 5, 143; (die handschrift) hat für die textherstellung keine bedeutung, weshalb an dieser stelle die fragmentarische betrachtung genügen musz Bernt in: der ackermann aus Böhmen (1917) XVIII; Oxenstierna fand den französischen gesandten ... tölpelhaft, weshalb er sein benehmen zwar höflich und entgegenkommend gestaltete, aber wendungen persönlicher vertraulichkeit einstweilen unterliesz Ric. Huch der grosze krieg (1920) 3, 27.
2) zur bezeichnung einer allgemeinen beziehung.
a) gerichtet auf den gesamtinhalt des vorausgehenden satzes; 'in welcher hinsicht, welcher angelegenheit wegen' (nur in der Göthezeit? vgl. die belege für deshalb in entsprechender bedeutung bei Paul-Schirmer dt. wb. 568): vielleicht bringen sie es (das promemoria) mit einer depesche an unsern Müller fort, weshalb der brief nur an geheimerath Voigt zu geben wäre (1807) Göthe IV 19, 337 W.; er (der codex) ... kann auch ... sogleich der fahrenden post übergeben werden, weshalb mir weitere geneigte antwort erbitte (1826) ebda 41, 70.
b) weshalb bezieht sich auf eine einzelgrösze in dem vorausgehenden satz, und zwar in der regel auf das neutrum eines (unter umständen zu ergänzenden) pronomens oder substantiv. adjektivs; 'in bezug worauf, dessentwegen' (s. DWB warum 3 c β teil 13, sp. 2193):

gebt mir jetzt gründtlichen bescheyd (über das),
weszhalben ich euch fragen thu
Spreng Äneis (1610) 9b;

das bedeutende selbst, weszhalb ich komme (1808) Göthe I 20, 366 W.; warum fliehst du, von wuth ergriffen, das, weshalb der könig der könige knechtsgestalt annahm? Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 4, 30;

(Don Juan:)
doch nichts hab ich gethan, weshalb
ich reue spürte! (1828)
Grabbe s. w. 2 (1874) 153 Blumenthal.

beziehung auf ein substantiv nur in lockerer syntaktischer fügung:

(weil er) ihm die rosse vorenthielt, weszhalb (derentwegen)
aus fernem land er hergezogen war
Bürger s. w. 166 Bohtz.


 
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wesir, m., s. vesir teil 12, 2, sp. 4.
 
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weslich, adj., s. wesentlich.
 
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wespe, f. , vespa L., das bekannte insekt. herkunft und form.
ahd. wafsi, wefsi, wefsa; mhd. wefse, wefz, webse, wespe; and. waspa, wespa, (h)wepsia (belege s. u.); mnd. wespe, wispe Schiller-Lübben 5, 743; wopse ebda 768; mnl. wespe Verwijs-Verdam 9, 2352; nl. wesp f., dial. auch weps(ə), wips(ə) Franck-van Wijk etym. woordenb. 789; ags. wæps, wæsp, wæfs m. Bosworth-Toller 1156b; engl. wasp, dial. waps(e), wops(e) Murray 10, 2, 135a; schwed. dial. väffs, väspe, väss m. Rietz svenskt dialekt-lex. 825b; altdän. hwæfsæ, älteres dän. vespe,

[Bd. 29, Sp. 605]


vispe, ndän. hveps, dial. hvevs(e) ordbog over det danske sprog 8, 822; norw. kveps, kvefs, kveks, veps (u. anders) m. Torp nynorsk etym. ordbok 343. dazu stellen sich avest. vawžaka- m., etwa 'skorpion'; baluči gvabz 'biene, wespe, hornisse'; lat. vespa (< *vospa); abret. guohi, corn. guhien; lit. vapsà, apr. wobse, ksl. osa (< *vopsa) 'wespe', aus denen sich idg. *obh(e)so/ā (zur wurzel *ebh- 'weben' vom gespinstartigen wespennest) ergibt, s. Walde-Pokorny 1, 258; O. Paul wörter u. sachen 20 = n. f. 2, 34 ff. daneben ist mit schon vorgerm. assimilation zu *opso/ā zu rechnen. auf eine u-s-ableitung von *ebh- deutet möglicherweise der name Vabusoa auf den Utrechter tafeln (Gutenbrunner d. germ. götternamen der antiken inschriften [1936] 67 u. anm. 2); über Spechts annahme einer ableitung mit t statt s siehe unten. frz. guêpe ist im anlaut vom germanischen beeinfluszt, vgl. Gamillscheg etym. wb. d. frz. spr. 496; Meyer-Lübke rom. et. wb. 39272.
and. huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 210, 42 St.-S., sowie altdän. hwæfsæ, ndän. hveps, norw. kveps weisen auf eine nord.-nd. nebenform mit anlautendem h. — unumgelauteten stammsilbenvokal zeigen nur uuafsi vespas (alemannisch 9. jh.) ahd. gl. 1, 554, 25 St.-S. und and. uaspe fucos (10. jh.) 2, 716, 44, während die übrigen ahd. und and. belege e bieten, z. b.: uuefsa uuespa (voc. St. Galli, 8. jh.) 3, 6, 65; uuefsi uespa (9. jh.) 4, 176, 10. in uuefsa könnte dieses e auch altes ë sein (dazu lat. vespa?), da nach Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonant. 242 z. b. die bair. maa., soweit sie noch ë und e scheiden, auf altes ë weisen. dagegen deuten uuafsi, uuefsi auf einen ja-st. (weniger wahrscheinlich jō-st.), and. (h)uuepsia auf einen jō-stamm. mundartliches a ist teils aus ë entstanden: bappšə Tschinkel Gottschee 173; teils bleibt seine herkunft offen: wafftz oestrum (1440, md.) Diefenbach gl. 393c; wašpə Martin-Lienhart elsäss. 2, 875; waspə Martin Rhoden 282. rundung e > ö zeigen: wösp Fischer Samland 98; wöpse Keller Thür. waldgeb. 48. häufig im nd., vereinzelt auch im md. gehtin i über (vgl. Sarauw nd. forschg. 1, 98): wispe vespe (13. jh., westfäl.) ahd. gl. 3, 721, 12 St.-S.; wispen (pl.) Petri d. Teutschen weiszh. (1605) I i 4a (aber: wespen ebda Ppp 2a); wispe (1414, md.) Diefenbach gl. 393c; wipse Schmoeckel-Blesken Soester Börde 336. — auf ursprünglich offene silbe (und damit alte dreisilbigkeit s. unten) weist die im nd. begegnende dehnung des stammsilbenvokals: weespe (1420, nd.) Diefenbach gl. 615c; vbs Mensing Schleswig-Holstein 5, 596; wiəspe, wiəpse Woeste-Nörrenberg westfäl. 323. vereinzelt begegnet in maa. kontraktion des stammsilbenvokals mit dem folgenden labial: weussún Schmeller-Fr. bair. 2, 830; weus Mensing Schleswig-Holstein 5, 596; waus ebda 548 (vgl. Foerste in: dt. philologie im aufrisz 2 [1954] 2038).
die konsonantengruppe labial (urgerm. und f) + s erscheint als fs im ahd.: uuefsa uuespa (vocab. St. Galli, 8. jh.) ahd. gl. 3, 6, 65 St.-S.; uuefsa uespello (9. jh.) ebda 4, 229, 21; uuefsi uespa (9. jh.) ebda 176, 10; im mhd.: wefse Hugo v. Trimberg d. renner 19 743 lit. ver.; vefsen (pl.) Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer; vereinzelt noch im frühnhd.: weffs, wesp vocab. theut. (Nürnberg 1482) nn 3b; sowie mundartlich: wéfs Schmeller-Fr. bair. 2, 830. dafür tritt seit dem spätmhd. vor allem im schwäb.-elsäss., vereinzelt auch im md. fz auf: wefz vespa (Heinrici summar. 13./14. jh.) ahd. gl. 3, 291, 24 St.-S.; weftz vespis (1440 md.) Diefenbach gl. 616a; wefczen (pl.) Steinhöwel Äsop 211 lit. ver.; literarische quellen zeigen die form bis zum ende des 17. jhs.: wefftzen (pl.) frantzös. Simplicissimus (1683) 2, 1; heute ist sie (vielfach mit einem g-suffix) mundartlich noch im schwäb., elsäss., pfälz. bewahrt: wefz(g)e Fischer schwäb. 6, 530; wëfz Martin-Lienhart elsäss. 2, 795; wefze (Mannheim) wörter u. sachen 20, 34. — ps-formen zeigt zufrühest das nd.: uuepsia cretobolus und huuepsia vespa (11./12. jh.) ahd. gl. 4, 198, 50; 210, 42 St.-S.; mnd. wopse Schiller-Lübben 5, 768; in den modernen nd. maa. ist die form (gelegentlich mit einem

[Bd. 29, Sp. 606]


k-suffix vgl. Henzen dt. wortbildung 143) reich belegt: wepse Richey id. Hamburg. (1755) 338; wepse, wepske, auch wöpse brem.-nieders. wb. 5, 231; wepse, weps Doornkaat Koolman ostfries. 3, 536; wiəpske f., wipse Woeste-Nörrenberg westfäl. 323. seit der spätmhd. zeit ist die ps-(bs-) form auch im hd. belegt: websen (pl.) Konrad v. Megenberg buch d. natur 291 Pfeiffer; 293; 294; webssen (pl.) Suchenwirt w. 36, 68 Primisser; websen (pl.) Hans Sachs 12, 59 lit. ver.; 21, 314. literarische und lexikalische quellen zeigen sie bis ins 18. jh.: eine wespe vespa, quod alia dialecto dicunt wepse Stieler stammb. (1691) 2566; wepsen (pl.) Abr. a S. Clara etw. f. alle 2 (1711) 286 (aber wespen ebda 413); mundartlich ist sie (ausser im nd., s. o.) vor allem im bair.-österreichischen und ostmd., weniger im westmd. und nur vereinzelt im schwäb. verbreitet: wèpssún Schmeller-Fr. bair. 2, 830; wẹps(e), weps(n) Schatz-F. Tirol 699; wöps'n Castelli Österreich unter d. Enns 267; wepse Müller-Fraureuth obersächs. 2, 660; wëbs Crecelius oberhess. 909; w(ə)ps(ə) Fischer schwäb. 6, 530. — auch die sp-form zeigt sich zufrühest im nd.: uuespa vespa (10. jh.) ahd. gl. 3, 458, 51 St.-S.; so auch im mnd.: wespen (pl.) Gerhard v. Minden 49, 167 Seelmann; und in den nd. maa.: wespe Damköhler Nordharz 226; wepse, wespe Böning Oldenburg 131. im hd. ist sie seit dem 12. jh. belegt: wespa uespella (12. jh., Salomon. gloss.) ahd. gl. 4, 108, 31 St.-S.; wespen (dat. pl.) Lamprecht Alexander 3200 Massmann; websen oder vespen Konrad v. Megenberg buch d. natur 292 Pfeiffer; von den mucken und bespen Arigo decamerone 154 lit. ver.; vespa ein wesp Alberus nov. dict. (1540) Xx 3b. in den literarischen quellen nehmen die sp-formen ständig zu, haben sich aber erst zu beginn des 18. jhs. endgültig durchgesetzt. mundartlich ist -sp- im md., im südwesten des bairischen, im elsässischen, vereinzelt auch im schwäbischen bezeugt: wäsbe Heinzerling-Reuter Siegerland 321; wsbə Polenz Altenburg 70; wšpm Insam Burggrafenamt von Meran 24; wësp(e) Martin-Lienhart elsäss. 2, 875; w'ẹsp Fischer schwäb. 6, 531; ferner (beim diminutivum) in den nördlicheren schweizerischen maa.: wæšpi n. Weber Zürcher Oberland 34; dazu das wespe Maaler teutsch spraach (1561) 490b; während südlichere maa. statt des labials in der konsonantenverbindung sp guttural zeigen (dissimilation zu anlautendem w? vgl. Hotzenköcherle Mutten 328): wæšgi n. Wipf Visperterminen 169; wæški n. Brun Obersaxen 33; guttural erscheint (noch ohne metathese) auch sonst in obd. maa.: wæchsi n. Stucki Jaun 50; 187; vgl. DWB wächse teil 13, sp. 79 sowie unter 2wespel. vereinzelt tritt st für sp auf (dissimilation wie oben?): westen, vulgariter websen, vespa ... wespen vocab. incip. teut. (Speyer um 1485) nn 8b; wäspe, auch wäste Müller-Fraureuth obersächs. 2, 660. assimilation >ss begegnet häufiger im bair.-österr. und im ostmd.: wessen Höfer Österreich 3, 288; wessə Schatz Tirol 36; wersche, wesse Unger-Khull steir. 630; wæs Gerbet Vogtland 296. in verschiedenen bair.-österr. und ostmd. maa. finden sichanscheinend sehr altedreisilbige formen: wéwəss(n) Schmeller-Fr. bair. 2, 830; wöwəsa (Kärnten) PBB 28, 88; webes, webese Unger-Khull steir. 621; wewise, wẹiwes Schatz-F. Tirol 701; wǣbəs Gerbet Vogtland 130; wēwəs (veraltend) ebda 179; wēws ebda 280; wiwese Hertel Thür. 257.
das verhältnis der verschiedenen formen der inlautenden konsonantengruppe zueinander ist nicht eindeutig klar. nach Kluge-Mitzka etym. wb. 17857 ist von germ. *wafs- (< vorgerm. *ops-), *wais- (< idg. *obhes-) neben *wait- (mit t-suffix) auszugehen. auf *wafs- gehen die dt. formen mit -fs- zurück, aus denen nach Wilmanns dt. gramm. 31, 130 die ps- und durch metathese die sp-formen entstanden sind (vgl. dieselbe erscheinung in den andern germ. sprachen sowie bei trespe und mhd. refsen). nach Kluge-Mitzka a. a. o. hat sich die sp-form im dt. unter einwirkung des lat. synonyms vespa durchgesetzt, wohingegen ältere ansicht (so J. Grimm dt. gramm. 3

[Bd. 29, Sp. 607]


[1831] 366) noch entlehnung aus lat. vespa annahm. zu erwägen ist auch einflusz der synonyma 2wespel (s. d.) und 3wispel. Lessiak beitr. z. gesch. d. dt. konsonantismus 242 führt auszer den dreisilbigen wortformen auch die ps-(bs-)lautungen auf ein von ihm angenommenes urgerm. *wëes- zurück. zumindest für die nd. ps-formen ist diese herleitung jedoch abzulehnen; nur wews Mensing Schlesw.-Holstein 5, 596 liesze sich darauf zurückführen.vereinzelte schreibungen mit pfs erlauben schwerlich eine besondere grundform: wepffgs vespello (vor 1476) ahd. gl. 4, 108, 32 St.-S.; wepffcz vespa (15. jh.) Fischer schwäb. 6, 531. — formen ohne s finden sich in wepf vespa (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 380a; und weffe crecapulus (1421, obd.) ebda 118a. ndl. wip, westfries. wup wird von van Haeringen in Franck-van Wijk etym. woordenb., suppl. 193 als singularisierung des als plural aufgefaszten wips, wups gedeutet.wegen der seit dem spätmhd. belegten formen mit (t)z und des lokal begrenzten thür. wēwetzche, f. (nördl. Jena; pl.-chen) urg. *wait- anzusetzen (Kluge-Mitzka a. a. o.; Specht ursprg. d. idg. deklination [1944] 45 f.; 229; 234), erscheint unnötig; als erweiterung zu thür. webetze wird wēwetzche wie dieses mit dem suffix -itz gebildet sein Kluge in: zs. f. dt. wortf. 1, 276. — eine kollektivbildung liegt vielleicht vor in: wefsich vespa (Heinrici summ., 12. jh.) ahd. gl. 3, 89, 27 St.-S.; 263, 3.
in ahd. uuafsi, uuefsi ist wahrscheinlich masc. genus anzuerkennen, das auch im spätmhd. und frühnhd. neben dem fem. steht: von dem wefsen Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer (variante des 15. jhs.: von der wespen ebda 534); ainen gar groszen weffczen Steinhöwel Äsop 244 lit. ver.; so auch noch in einigen maa.: der wéss (Bair. Wald) Brenner-Hartmann d. maa. Bayerns 2, 447; dr weps Wenisch Nordwestböhmen 157; f., auch m. Fischer schwäb. 6, 530; f. und m. Mensing Schleswig-Holstein 5, 596. vgl. auch das masc. im ags., schwed. und norwegischen.der sg. flektiert bis ins 16. jh. hinein schwach: von einer wefftzen V. Schumann nachtbüchlein 172 Bolte; danach ist gelegentlich ein nom. sg. mit n gebildet: ein grosse wespen Carlstadt von bepstlicher heylichait (1520) B 3b. für den pl. ist ein st. akk. belegt in uaspe fucos (10. jh.) ahd. gl. 2, 716, 44 St.-S.; sonst flektiert der pl. schon seit ahd. zeit stets schwach: (et misisti antecessores exercitus tui) uespas uuefsun (bair., 10./12. jh.) ebda 1, 557, 41. bedeutung und gebrauch.
im engeren sinne bezeichnet wespe die kleineren, kriegerischen arten der gattung vespa L. aus der familie der faltenwespen oder echten wespen (besonders vespa germanica F., vespa vulgaris L. vgl. Brehm tierl. 42, 584 zur Strassen), während die gröszere und gefährlichere vespa crabro L. hornisse heiszt. vgl.: ainen hurnüssel, das ist ainen gar groszen weffczen Steinhöwel Äsop 244 lit. ver.; grote wespen, päerwespen hornisse Frederking Hahlen 34. im weiteren sinne werden aber auch andere insekten aus der ordnung der hautflügler (hymenoptera) wespe genannt. vgl. z. b. die komposita blattwespe teil 2, sp. 81; goldwespe teil 4, 1, 5, sp. 866; schlupfwespe teil 9, sp. 848. in einigen mundarten vertauschen wespe (im engeren sinne) und hornisse die bedeutung: hornessel wespe (vespa vulgaris) Heeger tiere im pfälz. volksmund (1903) 2, 15; wefze hornisse (vespa crabro) ebda (so auch bei: crabro wespe [1417, nd.] Diefenbach nov. gl. 117b; tabanus wespe [15. jh., obd.] gl. 570a?); oder hornisse übernimmt den bedeutungsbereich von wespe mit (so im rheinischen südl. d. Mosel), die dann kleine hornisse zum unterschied von der groszen, dicken oder langen hornisse heiszt. vgl. rhein. wb. 3, 836. da auch im mittleren Nordthüringen hornisse-ableitungen für 'wespe' gelten (mitteilung d. instituts f. mundartforschg. d. univ. Jena), scheint sich die auffällige beobachtung, dasz Luther in der bibelübersetzung nur hornisse gebraucht, aus seiner Mansfelder heimatmundart zu erklären; die erste dt. bibel dagegen scheidet zwischen wespe (vulgata: vespa weish. 12, 8) und

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hornisse (vulgata: crabro exodus 23, 28; deuteronomium 7, 20; Josua 24, 12), wie es auch die Zürcher bibel (1531) und Dietenberger (Mainz 1534) tun. volkskundliches zur wespe in hdwb. d. dt. aberglaubens 9, 503 f.
1) als insekt; auch im bildlichen gebrauch sowie in vergleich und übertragung auf den menschen. meist sind wohl die kleineren staatenbildenden arten von vespa L. gemeint, die oft zu vielen tausenden in nestern zusammenleben: vespe haizent wefsen. die machent nest in hoehen auz horw und handelnt ir leben gern pei mist, der von den tiern und von den läuten kümt Konrad v. Megenberg buch d. natur 309 Pfeiffer; die wespen machen ire nester ... von koth Eppendorff Plinius (1543) 191; über den mit gras bewachsenen steigen ... hatten die wespen ihre ... nester aufgehangen Storm s. w. (1899) 1, 70.
gefährlich ist das wëspen stupfen die wespen in ihren höhlen reizen Martin-Lienhart elsäss. 2, 875. davor warnt die redensart: me maut niəne wiepsken tergen (reizen), dann steket se em ok nitt Woeste-Nörrenberg westf. 323. ähnlich:

genug! wer wespen stört, kriegt beulen ins gesicht
Canitz ged. (1727) 92.

denn das tier ist sehr leicht reizbar: auffs letzt kam er an ... ein nest voll der grossen hornuseln und wespen, welche gantz unsinnig seyn, so sie erzürnet werden Kirchhof wendunmuth 1, 298 lit. ver. daher häufig im vergleich oder bildlich von aufgebrachten menschen: als jhnen aber derselbige (tribut) gäntzlichen abgeschlagen worden, sind sie ... wie die zornigen wepsen heuffig auszgefahren Megiser annales Carinthiae (1612) 629; wenn die wespen über mich herfallen (nach einem angriff auf das bestehende kirchenwesen), so wünschen sie mir geduld Schleiermacher s. w. (1834) I 5, 43; und da die bauern wie rasende wespen sich nicht vertreiben lieszen, so wurden sie alle erschlagen Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 155. die gereizte wespe sticht leicht:

und (die mücke) hat ein wessen (scharfen) zagel lang,
klein, spizig unde kranck,
das ez nach der wespin site
engit unde stichit mite
und tt den luten leidig vil
Rudolf v. Ems weltchron. 10 080 Ehrismann;

also ist Gabriel ... mit listen uf ain wefzennest gehaiszen worden zu sitzen, welches er gethonn und übel von den wefzen gestochen worden Zimmer. chron. 22, 296 Barack. sprichwörtlich: sieben wespen zusammen stechen ein rosz tot Scheffel ges. w. (1907) 2, 94. oft auf einen beharrlich stichelnden menschen übertragen: wo aber jemandt dise wefftzen (die mönche) erzürnet, vnnd den hundt auffweckt, dann rechen sie sich fein auff offner cancel, vnd mit schelchen stichworten, treffen sie den feindt sogar verborgen, da niemandt nicht verstehet dann der gar kain verstandt hat, und hören nit auff z bellen S. Franck morie encomion (s. l. e. a.) 56a; was für ein lärm wird nicht unter ihnen aufgeschlagen, wann einer Winkelmannen, in nebendingen auf einem irrthume ertappt! arme wespen! Ayrenhoff w. (1814) 6, 94. ähnlich: wepsche 'keifiges frauenzimmer' Leithäuser Barmen 170. auch von stichelnden sentenzen oder beunruhigenden mitteilungen: nächsten mittwoch hoffe ich einen neuen musenalmanach zu schicken, wir lassen da, zu gleicher zeit, geflügelte naturen aller art, vögel, schmetterlinge und wespen ausfliegen Göthe IV 11, 213 W.; der (herzog) könne nicht leiden, wenn einer seine ruhe hätte; der sekretär werde schon sehen, was für wespen des weiteren aus dem brief ausschlüpften Ricarda Huch d. gr. krieg (1920) 2, 251. von wespen gestochen sein heiszt 'beunruhigt sein': ob sie lustig ist, ob sie von wespen gestochen ist (1797) Caroline br. 1, 195 Waitz. daher die drastische redensart: hest du wepsken im steerde kannst du nicht still sitzen oder ruhig seyn brem.-niedersächs. wb. 5, 231; wäspi im hindere ha kein sitzleder haben, nirgends still sitzen können Seiler Basel 311. dazu: da sie dasz horten, wurden sie fast zornig

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und erbleichten und sahen wie die doten und kamen inen die websten in den hindern, und rütsten uff der benck hin und har (1530) Basler chron. 1, 475; sie ruckte mit dem arss hin und wieder, als wann sie wespen drinn gehabt Grimmelshausen 2, 560 Keller. ähnlich erklärt sich die redensart: wepsen in de kop hebben verdreht oder verrückt sein Doornkaat Koolman ostfries. 3, 536. dem unruhig hin und her fliegenden tier vergleicht man 'ein lebhaftes frauenzimmer' Hügel Wien 188.
die wespe geht auf raub nach süszigkeiten aus:

vnd als die wespen sein gesindt,
wie man dauon geschrieben findt,
die fliegen für der binen hausz
vnd fressen jhn das höng herausz,
vnd rauben jhn jhren vorrad
Alberus fabeln 145 ndr.;

wespen naschten vom zucker, womit die kirschkuchen dick bestreut waren Holtei erz. schr. (1861) 13, 171. daher gilt sie im vergleich und in der übertragung auf den menschen als gewinnsüchtiger schmarotzer: unzahlbarliche schmeichler und mitzecher, pflegen nit anderst als die wespen, umb sein hausz herumb zufliegen Schweickhart v. Helfenstein Basilius Magnus (1591) 125; der einfältige mensch ... hielt alle die wespen, die ihm seine leber auffraszen, für freunde, die sich aus wohlwollen und gutem herzen zu ihm gesellten, da sie doch nur des fraszes wegen kamen Wieland Lucian (1788) 1, 62. im vergleich zu andern insekten ist die wespe stark und nur schwer zu bezwingen:

dar umb schult ir nit wenkchen
von ewrm müet; ir schult gedenkchen,
das zechen taussent mukchen
hundert wespen nider drukchen
Seifrit Alexander 2644 Gereke.

auch jedes spinnennetz zerreiszt sie, wie der folgende beliebte vergleich zeigt: (der papst) fleucht durch christlichen beuelh, wie ein grosse wespen ein fliehen netz odder spinnen garn durchfleucht Carlstadt v. bepstl. heylichkait (1520) B 3b; zimmermeister: mit fliegen mag das angehen (sie zu fangen). die wespen (Egmont) lachen eures gespinnstes. Vansen: nachdem die spinnen sind Göthe I 8, 251 W. die in der mitte gleichsam zusammengezogene körperform der wespe veranlaszt den vergleich mit der modisch eingeschnürten taille (vgl. wespentaille): hinter ihm erschien holdlächelnd, mit der taille einer wespe, frisiert à l'impératrice, madame Angelika Schminkert W. Raabe s. w. I 5, 329; sie war wohl schlank wie eine wespe Fontane ges. w. (1905) I 2, 109.
2) in vereinzelten übertragenen bedeutungen.
a) eine maulschelle, da sie gleichfalls 'sticht' (s. jedoch auch unter waffe 2 teil 13, sp. 288): und wie ich sagte, der brunn wäre unser, so gab mir einer eine wespe, dasz ich zu boden fiel Chr. Weise opferung Isaacs (1682) 39; es ist wunder, dasz der medicus keine wespe davon getragen hat ders., erznarren 209 ndr. hierzu auch wohl wopse, f., schallender, derber schlag, backenstreich Knothe Markersdorfer ma. 125. vgl.: hornisse ohrfeige Müller-Fraureuth obersächs. 1, 530.
b) als 'geiszel': (Notker d. stammler) kannte ... die buszwerkzeuge, die ihrem rang nach an der wand hingen, vom neunfältigen 'skorpion' herab bis zur einfachen 'wespe' Scheffel ges. w. (1907) 1, 146.
c) 'diese nebenschnüre (an der angelhauptschnur) 40 cm lang und aus doppelgedrehter schnur bestehend heiszen wefzen wespen' (am Neckar bei Heidelberg) zs. f. dt. wortforschung 6, 75.
3) diminutiva: die wefftzlin und klainen mügklin (unbedeutende feinde) Montanus schwankbücher 138 lit. ver.; das selbe wefftzlein V. Schumann nachtbüchlein 172 Bolte;

sumsend nähert ietzt
ein wespchen ihr und schnappend fährt sie auf
Harries Thomsons jahreszeiten (1796) 81.


 
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wespel, m., lebhaftes, mit den händen unruhiges kind Martin-Lienhart elsäss. 2, 875. rückbildung aus wespeln wie 6wispel teil 14, 2, sp. 735 aus 3wispeln.

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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) wespel, m., f., (auch n.), wespe. vielleicht ursprünglich nicht diminutiv zu wespe, sondern gleich 1wespel rückbildung aus wespeln, wie auch wohl gleichbedeutendes 3wispel teil 14, 2, sp. 733 aus 3wispeln abzuleiten ist; dann aber zum diminutiv von wespe umgedeutet. vereinzelt schon frühnhd. belegt: wespel fucus (15. jh., md) Diefenbach gl. 250a; rettichwasser ist gut welchem die wespeln oder spinnen gestochen hetten H. Brunschwig buch d. rechten kunst zu distilieren (1500) 92a. in neuerer zeit nur mundartlich neben oder statt gleichbedeutendem wespe bezeugt (zur verbreitung im thüring.-vogtländ. vgl. G. Glück karte 10): wëspel, m., n., f. Martin-Lienhart elsäss. 2, 875; Hasenclever Wermelskirchen 98; wêspel Crecelius Oberhessen 909; wäsbel, f., pl. wäsbelen Christa Trier 216. mit suffix: wespəl(tə), wspəl(tə) Leihener Cronenberg 134; wâspəlz Kisch vgl. wb. 243b. zum inlautenden -chs- s. wespe einleitung: die wechsel Schmeller-Fr. 2, 841; wẹgsl, f. Schatz-F. Tirol 693.
 
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wespeln, vb., sich unruhig hin- und herbewegen. vgl. gleichbedeutendes waspeln teil 13, sp. 2294 und 3wispeln teil 14, 2, sp. 738. belege: cespitare straucheln vel wesplen (Augsburg 1429) Schmeller-Fr. bair. 2, 1042; wësplen mit den händen hastig hin und her fahren Martin-Lienhart elsäss. 2, 875.
 
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wespenartig, adj., den tieren der gattung vespa L. ähnlich. allgemein: bei den ordnungen der käfer, der wespenartigen insekten und der fliegen Rossmässler d. mensch im spiegel d. natur (1853) 5, 114. von einer engen taille (vgl. wespentaille): der wespenartige leib unserer mädchen Sturz schr. (1779) 1, 60. von tückisch stechenden worten: o die will ich dir überlassen, sagte jene schnippisch und der stich war desto wespenartiger Wieland s. w. (1794) 19, 325. —
 
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wespenbau, m., dass. wie wespennest. hier übertragen von einer schar gefährlicher gegner (vgl. DWB wespennest 1 b): das sind gescheite leute, ein wahrer wespenbau; gegen den kommt auch ein adler nicht auf Alexis d. falsche Woldemar (1842) 2, 367. —
 
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wespenbein, n., os sphenoides, das keilbein, ein schädelknochen: das wespenbein (nach dem ὀστέον σφηκοειδές des J. Pollux) F. Leber (1776) bei Hyrtl kunstworte d. anatomie 160. schon von Campe 5 (1811) 689 als veraltet bezeichnet.
 
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wespenbiene, f., nomada Scop.: Krünitz öcon. encycl. 238 (1856) 443; Brehm tierl. 9, 252 P.-L.