| Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm | · · ![]() | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
vetter bis vetterleswirthschaft (Bd. 26, Sp. 26 bis 33) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| die flexion des wortes ist in der heutigen sprache so geregelt, dasz der sing. stark, der plur. schwach flectiert wird; im älteren nhd. überwiegt im sing. durchaus die alte schwache flexion, die Adelung als oberdeutsch bezeichnet: seinem vettern sein volcke befalhe decamerone 116 Keller; das sye ein solichen vetteren hettent post. (1522) 2, 104a; und zwar so bin ich ... bey einem vettern gewest lebensbeschreibung 5 Bieling; ein son Ner, Sauls vettern 1 Sam. 14, 50; an seinem todtbet welet er Balduinum seinen vettern chron. Germ. 138 (1538); Cajum Caligulam seinen vettern 17; bey seinem vetteren 2, 124; gehe derwegen zu Peter Schellendorf und meinem vettern denkwürdigk. (1878) 153; seinen vettern Loth mil. disc. (1602) 6; ich will meinem lieben ein lied meines vettern singen, von seinem weinberge frauenz. gesprechspiele (1641ff.) 5, 458, vgl. Jes. 5, 1; ihr solt wissen meister Niclas .., dasz meinem herrn vettern vielfältig begegnet seye v. Harnisch aus Fleckenland (1648) 63; bey vettern [Bd. 26, Sp. 27] Fritzen hochzeit vogelnest 2, 336 Keller; deren krone .. seinem jungen vettern, ihme zuverwahren .. anvertraut worden ostländ. lorbeerhayn (1657) 143; Stephanus .. unterdruckete seinen vettern Cupa der vermehrte Donaustrand (1684) 133; seine feder hat der verschwendung seines vettern .. so wenig, als der fremden geschonet lustspiele (1765) 1, 314; heiliger genius des römischen volks, wenn du nicht auf den streitplanet deines alten vettern Mars hinaufgeflohen bist 5, 434; eine schöne pekesche eines vettern 27, 372 Weim.; die guten personen freuten sich selbst ihres vettern 33, 140; das sie den andern tag fr kam seind alle drey meins vettern gwest und dan, als ein subtiler spötter, 1) die ursprüngliche bedeutung ist 'vatersbruder' (vgl. vetterkind); sie hält sich auch, nachdem eine freiere anwendung daneben üblich wird, bis in die gegenwart in landschaftlichem gebrauch; fedirensun, patruelis vorstudien 69; vedder est frater patris mnd. wb. 5, 217a; patruus, veter, vetter, vatter bruder, ohem gloss. 417b; patruelis, vetersun; en veddernkint ebd.; sine sone (eines verstorbnen) nemet dele in ires eldervader erve, gelike irme veddern in ires vader stat sachsensp. 1, 5, 1; stirft ir (fratrum) en, sin kint trit in des vader stat, unde behalt sin gut gemene mit den vedderen als it sin vader hadde lehnrecht 32, 2; (wenn er) brudere oder swestere, omen oder veteren hat Freiberger stadtr. 23; durch daʒ het er an sich genomen ... Jesus, dîn vater und dîn veter [Bd. 26, Sp. 28] bruder, barba, zio dict. (1618) 262a; die väter, patres, der vetter, patruus hochd. rechtschr. 136; vetter, patruus, avunculus, oncle 1437; vettern ... das ist des vaters bruder, ist auch der mutter bruder bey uns, wie wol es besser zum unterscheide ohmen genennet werden die deutsche rechtschreibung (1666) 148; vetter, des vaters bruder, patruus, der mutter bruder, avunculus 2, 400a; vetter, namentlich onkel kärnt. wb. 94; patruus und avunculus 8, 1133; oheim, und zwar für vater- und mutterbruder schwäb. wb. 2, 1447; vgl. elsäss. 1, 156b; leipz. mundart 231b; vetter, vatersbruder, patruus thür. sprachschatz 251; vedder, oheim wb. d. west fäl. mundart 287b; wenn jemand bey seines vatern bruders weib schlefft, der hat seines vettern schambd geblöszet 3 Mos. 20, 20 (der do unkeuscht mit dem weib seines vettern und des öheims erste deutsche bibel, Kurrelmeyer); das einen jglichen sein vetter und sein ohme nemen ... mus Amos 6, 10; Pua, welcher was seines (Abimelechs) vettern sun (Phua patrui Abimelech) Zür. bibel 1531 (Richter 10, 1); du hast deins vatters und vetters (oheims) todt gerochen Livius 191b; nichts desto weniger, doch Amadis und Galeor ihm nicht anderst, als jhrem vettern und patruum genennet Amadis 1, 311; Otte, unsir vettir, Fridehelm von L. unser mag (Ottone patruo nostro Fr. de L. cognato nostro) quelle bei 1801; der tod ihres herren bruders, meines lieben alten vetters, ist mir recht nahe gegangen (Lessing an seinen vater) 17, 174; (er) hat einen sehr reichen alten vetter (un oncle puissamment riche) 3, 351; försterin: sieh doch, Andres, ob der vetter Wilkens noch nicht kommt? 3, 14 (1891; erbförster 1, 1; im personenverzeichnis: Wilkens, ein groszer bauer, der försterin oheim); Sysiphus der vetter sein (oheim) des vaters treu, des vetters huld 2) die erweiterung der bedeutung geht sowohl von patruus wie von avunculus aus, indem zunächst deren söhne eingeschlossen werden; dann wird der gebrauch noch freier, so dasz vetter jeden männlichen verwandten bezeichnen kann; so nennt z. b. auch der onkel, die tante den neffen vetter, wie der onkel selbst der vetter des neffen ist; auch der bruder des groszvaters wird mit vetter bezeichnet. in dem verhältnis der geschwisterkinder wird vetter infolge gezierter sprechweise durch cousin völlig verdrängt. während cousine noch heute seine herrschaft behauptet (vielleicht weil base leicht verächtlich gebraucht wird, klatschbase u. ä.), ist vetter allmählich wieder vorgedrungen. für die norddeutsche umgangssprache ist aber festzustellen, dasz vetter jetzt nicht mehr so frei wie früher angewendet wird: vettern im engern sinne sind geschwistersöhne (richtige vettern), in freierem gebrauche nennen sich vettern solche männliche verwandte, die ungefähr der gleichen generation angehören; ganz ungewöhnlich ist es, dasz der onkel oder neffe als vetter bezeichnet wird. diese anwendung wird in älterer sprache und in den mundarten neben der im heutigen nhd. gebräuchlichen festgehalten; eine berücksichtigung der generationen findet da nicht statt. a) oheim und neffe reden sich vetter an: mein bruder will ich dannoch auch ansprechen lassen ... [Bd. 26, Sp. 29] von der augsp. confession widerwertige censur (1598) 81. b) appatruus, ein vetter (groszvaters bruder) gloss. 42b; vettern, zween brüders kinder, fratelli cugini dict. (1618) 262b; vettern, ... das ist des vaters bruder, ist auch der mutter bruder bey uns, wie wol es besser zum unterscheide ohmen genennet werden, ja wird auch für bruder und schwesterkinder, und den enckeln gebrauchet d. deutsche rechtschreibung (1666) 48; sed etiam (neben patruus) fratris nostri filii nobis vetter, patrueles, vocantur 532; vetter, agnatus, cognatus clavis linguae lat. (1716) 317b; vetter vom vater her, patruelis, von der mutter her, matruelis; vettern, brüder kinder, fratres patrueles, schwester kinder, consobrini 2, 400a; vetter heiszen eigentlich des vaters brüder. doch leget man diesen namen auch gar öfters des bruders oder der schwester söhnen und auch andern nahe gesippten personen männlichen geschlechts bey allg. haushalt. lex. (1749) 3, 584; vater-, mutterbruder, geschwisterkinder; 'in weiterer und vermuthlich eigentlicher bedeutung, werden alle nahe verwandte männlichen geschlechts, für welche man keine besondere nahmen hat, auch in entferntern graden vettern genannt'. ein weitläufiger, ein naher vetter Adelung (er hält die weiteste bedeutung für ursprünglich, weil er die ableitung von vater verwirft); vetter, eigentlich des vaters bruder: gewöhnlich aber jeder männliche anverwandte von seite des vaters sowohl, als der mutter etym. wb. 3, 234. im schwäb. neben patruus und avunculus auch männlicher verwandter jeder art schwäb. 2, 1447; vetter hat hier in der sprache der gebildeten das fremde cousin fast völlig verdrängt, während cousine sich neben base behauptet; die vettern werden nach vor-, haus- oder spitznamen bezeichnet: Hansen-, Bachbauere-, Bischofvettere. (in neuerer umgangssprache geht vetter nicht blosz dem vor- oder familiennamen, sondern auch dem titel voraus: sie hatte den vetter regierungsrat zwar sehr vernachlässigt Grabenhäger 1, 158.) rechter vetter, cousin germain 1, 1133; vgl. elsäss. 1, 156b; Göttingen-Grubenhagen 258a; altmärk. 236a; veddere, rechte neven, twyer broedere of twyer sustere of broeder ind suster kyndere, consobrini; vedder, alreley maich teuthonista (1804) 286a; vgl. mnd. wb. 5, 217a; bruderssohn Ottokars reimchr. bei mhd. hdwb. 3, 331; vgl. mhd. wb. 867; in der bedeutung neffe auch bei Göthe, Holtei. s. die belege. häufig ist die verbindung vettern und basen zur bezeichnung der ganzen verwandtschaft, alterthümlich vettern und freunde (freund im alten sinn von 'verwandter'); vgl. die bildung freundvetterlich. c) er war mein vetter (cognatus mihi erat) Terenz deutsch (1539) 96b; eerlicher wär es wann du ein sew hirten z eim vetter hettest 1, 104 neudr.; und dieweil ich je ein findlingkind ... und weder vatter, mutter, noch vetter hab Amadis 1, 51; nun sein nechster vetter wer jhr vogt opera (1616) 2, 238c; da ist weder vetter noch bäsel gesichte (1650) 19; Kulkas, mein vetter (vgl. 168: war mir nahe verwandt), sagt der mann wahr Usong (1771) 165; mein würdiger vetter 290; freylich geschieht es wohl, dasz verwandte ihrem vetter nur dann achtung beweisen, wenn er reich ... ist umgang mit menschen (1796) 2, 28; (im sinne von neffe:) er ist der vetter des berühmten tonkünstlers 45, 7 Weim.; vgl.: da kamen brüder, guckten tanten, [Bd. 26, Sp. 30] die vettern waren anfangs auch bei der gesellschaft I 26, 329; nicht allein ... für sich und ihre kinder, sondern auch für ihre nächsten, für vettern und gevattern 40, 316; schickt ihr nur euern gefälligen Weislingen herum zu vettern und gevattern 8, 9; wir saszen zwischen den onkeln, tanten, vettern ... des königs (1843) 1, 270; obgleich basen und vettern dagegen schreyn 1, 39 Waitz; du hast reiche vettern jenseit des gebirges volksmärchen 1, 35 Hempel; (verdeutlicht durch neffe:) obgleich von seiten des oheims die frage sehr nahe lag, was ihm ... jetzt auf einmal in den sinn komme, in Altrode seinen einzug zu halten, gleich dem zärtlichsten neffen und vetter erz. schriften 6, 129; hierüber miszvergnügt, stellte sich der nächste vetter des königs ... an die spitze der groszen 14, 66; (als) sich die herren von Oberbayern mit den pfälzischen vettern um das Landshuter erbe mehrere jahre lang abgerauft hatten drei sommer in Tirol (1895) 1, 61; in der lage weitläufiger vettern, die im gedränge eines gastfreien hauses unbeachtet die köpfe zusammenstecken 2, 161; das dorf zählt kaum zwei tausend bewohner, von welchen je ein paar hundert den gleichen namen führen; aber höchstens zwanzig bis dreiszig von diesen pflegen sich vetter zu nennen, weil die erinnerungen selten bis zum urgroszvater hinaufsteigen 1, 19; weil vettern im siebzehnten grad nicht gerade zu den intimen und vertrauten des fürsten gehören Fontane I 5, 169; doch ein senioren vetter ob etwan der und jener vetter es ist doch sonderbar bestellt, den mann, der ihr als bruder oder ohm, ein aff und bär, zween nahe vettern ... mein vetter ist ein kluger wicht, er ist, wie du, mir ein geliebter vetter 9, 186; Elpenor zu Antiope: in einer nacht verlor Aret in trauer drum mag die verwandtschaft gehn, die schönen basen fingen an zu knixen kohl pflanz' ich nicht, mein frommer hühner gackeln um mich her, nun schwarze vettern, rasch im dienen d) dem älteren nd. eigenthümlich ist die verwendung von vetter für weibliche verwandte, und zwar bezeichnet es vaterschwester und brudertochter; das dim. vedderke wird in gleichem sinne, dann auch in allgemeinerer bedeutung gebraucht 5, 217. s. auch vetterchen. e) vetter erscheint in einer groszen menge von sprichwörtern und redensarten, immer in dem allgemeinen sinne [Bd. 26, Sp. 31] von 'verwandter'. eygenlieb vnd wolgefallen. er meynt dreck sey sein vetter sprüchw. (1545) 1, 40b; er thut als sey der pabst sein ärmster vetter sprichw. (1797) 139; lustiger: er meint, des schultheiszen hund sei sein vetter schwäb. 2, 1447; wer den pabst zum vetter hat, wird leicht cardinal 18; steck dich zwischen vettern und freunden, so klemmst du dich 136; verwandte zu haben ist von zweifelhaftem werth: viel vetter, viel hundsfutt; vetter und basen, seifenblasen a. a. o.; man nimmt deshalb auch keine rücksicht auf sie, wo es mein und dein gilt: watt veddr', watt fründ, 'ein ausruf, wodurch man eine abschlägliche, verneinende antwort auf einen antrag oder eine ansicht ertheilt' altmärk. 236a; feddr hī, feddr d, blīf mī fan mīnen kispern (kirschen) waldeck. 28b; wer mir etwas gibt, ist mein vetter; das eigene maul ist der nächste vetter; nichts vetter im spiel, keine rücksicht im spiel schwäb. 2, 1447; vetter hin, vetter her, mach mers viertel voll 1, 1133; wat vedder wat fründ, junge, treck de büxen af; verhüllend: beim vetter sein, verpfändet sein leipzig. 231b; vgl. den gebrauch von uncle im engl. 3) übertragen: a) auf verwandtschaftsverhältnisse von völkern; es wird mit vetter natürlich ein nicht zu nahes verhältnis bezeichnet (vgl. dagegen brudervolk). unser vetter jenseits des kanals, unsere nordischen vettern; der Engelländer — der sonst unser lieber vetter ist über die ehe (1774) 226; die Gallier, unsre vettern in Asien, hassten diese hämischen, fliegenden waffen Montaignes ged. u. mein. 2, 338; der Deutsche und der Slave (sind) ihnen (den Griechen und Römern) vettern Mommsen röm. gesch.2 1, 13; ehrend: wenige jahre nach Timaeus ... nennt die inschrift ... die Egestaner vettern des römischen volkes röm. gesch. 1, 134. b) im geistlichen sinne: sie syndt Christi vettern und ohmen, filios Abrahae se gloriantur 29, 35 Weim.; mein fleisch und blut sitzt ym himel ... er (Christus) ist ya mein nechster vetter, bruder 34, 1, 174; im gegensatz hierzu: mercke n, welche des endchrists vettern seyen, wyr, odder d. Carlstad 18, 113; hier ist schon die gemeinsame gesinnung das wesentliche. deutlicher gleich darauf: so sind n der bapst und d. Carlstad rechte vettern ym leren ebd. c) so wird oft gemeinsamkeit, verbindung irgendwelcher art durch vetter bezeichnet; ein mediziner spricht von mördern: dasz mirs gienge wie meinen tollkühnen kollegen und vettern, die mit stilet und sakpuffer bewaffnet in finstern hohlwegen hof halten 1, 200; doch wie unser seliger vetter, der zu Mölln begraben liegt, dachten wir im voraus ans bergabsteigen und waren um so vergnügter 3, 73; kühn: weder die tausend und eine nacht, noch ihr in Berlin verstorbner vetter, der selige preuszische kammergerichtsrat Hoffmann 2, 399; Asmus unser lieber vetter d) verwandtschaft von mensch und affe nach der entwicklungslehre: die stimmorgane, die bei seinem vettern sich bis zur sprache entwickelt haben 6, 135; dagegen scherzhaft zur bezeichnung der bildungsgemeinschaft: selbst die deutschen, einst die bessern, ... (zwerge hausen) im bauch der erde und in berges-höhlen, e) vetter wird zur ehrenden anrede, indem die vorstellung einer verwandtschaft zwischen dem sprechenden und angeredeten als etwas erfreuliches empfunden wird; hieraus entwickeln sich sehr mannigfaltige gebrauchsweisen, wobei der ursprung dieser freien anwendung ganz vergessen werden kann (vgl. bruder, schwager, gevatter). fürsten reden sich noch heute als vettern an, gleichgestellte oft zugleich als brüder; dem hochwürdigsten, [Bd. 26, Sp. 32] durchl. fürsten, unserm freundl. lieben vetter, schwager, bruder und gevattern, hr. Augusten u. s. w. palmbaum (1668) 215; belehrung, dasz in der kourtoisie 'oheim' etwas weniger ist, als vetter, das jenes den reichsfürsten vom kaiser und von den kurfürsten gegeben wurde tageb. 3, 305; vgl. freundvetterlich unter vetterlich. f) die anrede kann ehrend, aber auch traulich gemüthlich sein; der sinn kann sich dann auch verallgemeinern zu 'mensch' oder verschlimmern zu 'kerl', gebrauch in der anrede ist dann gar nicht mehr erforderlich: vetter quoque ironice et abusive dicitur de quocunque e. g. du guter vetter, mi homo! er ist ein loser vetter, ingenii ancipitis, levis et vani est 532; nach schwäb. 2, 1448 war im 18. jh. vetter und base anrede der dienstboten an die herrschaft (hier ist vetter wohl im sinne von patruus zu nehmen, es liegt hier ein zugeständnis des höher gestellten an den anredenden untergebenen vor, s. unten 1, 851 und kärnt. 94); pflege- und kostkinder reden ihre pflegeeltern so an; anders ist es, eine herablassung zum angeredeten, wenn der städter zum bauern vetter sagt; dann ganz allgemein als anrede unter unbekannten. auszerhalb der anrede spöttisch: ein schlimmer, sauberer, rarer vetter; ein nasser vetter, ein trinker; ein truckner vetter, ein schweiger; vgl. 1, 1133; der gut vetter (der dümmling) nimmt einen sack mit mehl kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 146; ich bin nicht der, den die welt in mir sehen will, auch nicht mehr der tolle vetter, für den sie mich halten briefw. u. tageb. (1873) 6, 491; ein netter vetter, ein netter kerl (ironisch) elsäss. 1, 156b; hier auch im sinne von 'groszes exemplar', z. b. das ist ein vetter, von einem groszen kaninchen; 'vetter nennt man in Österreich jeden bauern, zu welchem man nicht du sagen kann' zeitschr. 6, 252; bayer. 1, 851 bezeugt aus dem kurmainzischen vetter als begütigende anrede eines knaben an einen erzürnten erwachsenen, ferner als trauliche anrede an den kurfürsten, vgl.: herr vetter könig, noch mehr neue zeitung schauspiele engl. comöd. 178 Creizenach; von den kindern wird jede ältere männliche person vetter, sowie die weibliche muome genannt kärnt. 94; scherzende anrede an jeden befreundeten leipz. 231b; freundliche benennung einer jeden männlichen person: as ek sau en junge was, wî düse lütje vedder dâ Göttingen-Grubenhagen 258a; in der verbindung vetter Michel zur bezeichnung eines blöden tropfs (s. Michel th. 6, sp. 2168); Vischer bildet vettermichelsgemüthlichkeit, dumm-täppische zutraulichkeit (auch einer 2, 241); vettermicheln, verb., einem in verächtlicher weise sich anschmeicheln thür. 251; sich anvettermicheln; vgl. sich anvettern, sich anschmeicheln (s. vettern, verb.). derb: du kannst mich gevettermicheln, mich im hintern lecken, vgl. henneb. 271; er vettermichelte sich ... bey verschiednen ... offizieren an leben u. schicksale 4, 6; vettermichelei, f., dummheit, täppisches benehmen, äuszerung, niedrige schmeichelei: vettermicheleyen hört man so oft am ende der concerte allg. d. bibl. 112, 409. aus der allgemeinen verwendung als anrede erklärt sich, dasz vetter zum familiennamen wird (vgl. auch Vetterlein, Trautvetter, Vettermann); ebenso wie man den postillion, den kutscher schwager nennt (vgl. DWB schwager 3, th. 9, sp. 2178), braucht man auch vetter, ob nur in Tirol, wo anlehnung an vetturino möglich ist? Andresen volksetym.4 97, auch im franz. wird der postillion cousin angeredet. kollegen nennen sich untereinander vettern, z. b. die scharfrichter gaunerthum 4, 619. solche, die gleichen namen haben, sind namensvettern; die adlichen vom uradel nennen sich unter solchen umständen lehnsvettern. g) der leser wird leve vedder angeredet sachsenspiegel 3, 63 gl. ( mnd. wb. 5, 217b); vetter? sagte ich, indem ich ihr die hand reichte, glauben sie, dasz ich, des glücks werth sei, mit ihnen verwandt zu sein? — o, sagte sie mit einem leichtfertigen lächeln: [Bd. 26, Sp. 33] unsere vetterschaft ist sehr weitläufig 19, 27 Weim.; (Schufterle zu Spiegelberg:) nimm diese hand vetter 2, 233 (räuber 1, 6 trauerspiel); der Murner sprach (zu einem geist, den er beschwört) o vetter mein (einer, der) droht ... verspricht, und alles vetter nennt 4) besonderes: a) pfetter, pathe, kann in landschaftlichem gebrauch zu vetter entstellt werden (s. DWB pfetter th. 7, sp. 1694); es ist im übrigen natürlich, dasz ein vetter die pathenschaft übernimmt: vettergette, vetter oder onkel, der zugleich pathe ist elsäss. 1, 247a. b) elsässisch im sinne von fürsprecher 1, 156b. c) nach tirol. 789 für rausch und für mem brum virile. je vetterchen! dich hör ich blosz o wieviel haben vetterchen und bäschen ja liebes vetterchen Aristobul 9, 388. im älteren nd. wird vedderke weiblich gebraucht, vaterschwester, brudertochter, dann auch von anderer verwandtschaft 5, 217b; sehr selten erscheint im hochd. das n. vetterchen im sinne von mühmchen W. Stammler der hofmeister von (1908) 63. 72 (I, 6); vgl. Sanders unter vetter, anm., s. auch DWB vetterin. die kleine Fuscia vermisst den schwachen mann, hochwerthe vetterin (tante, vgl. DWB vetter 1)
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