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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
unrat bis unratselig (Bd. 24, Sp. 1230 bis 1235)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) unrat, m. , gs. v. rat (nur mundartlich auch steigerung von rat 2 a 'grosze menge' Kehrein Nassau 418; Crecelius 847). ahd., mhd., mnd. unrât. ags. unrd. afries. unrêd. mnl. onraet, nl. onraad. an. úráð, dän. uraad, schwed. ord. mit verstärkendem ge: ungrhat Fischart Eulensp. 160 (s. Hauffen z. d. st., vgl. oben sp. 799, Binder sprichwörterschatz 3787; zum nachleben des mhd. ungeræte: Schmeller 2, 163 u. Wirre fürstl. hochzeit j 3b). plur. (unräte Keisersberg 7 schwerter a a 3d, Staub-Tobler 6, 1579; die zänckische unräht Fischer 6, 208; vilen lengst vergangnen unraten städtechron. 32, 120; mit was unrhaten Hertzog chron. Als. 2, 175; bed. 2 c, d) veraltet. vgl. DWB miszrat.
1) als gegensatz zu rat 2.
a) inutilitas, damnum, periculum, perditio, abusio, superfluitas in mannigfachen übergängen zu bed. 2.
α) schaden: so byn ich ein gutter hirt, der ich ... keynen nutze suche mit unradte der herde H. Risch paraphrasis Erasmi über d. ev. Joannis b b 2b; nit zu rat, aber zu u. dienen Eberlin v. Günzburg 1, 202 ndr.; was den pfanden für unraht oder schaden zustünde Frankf. reform. 2, 17, 7; schadhafter u. Schottel 343

[Bd. 24, Sp. 1231]


(vgl. 2 b); u. üben Amadis I, 98, stiften Kramer (1702) 2, 260c, Rückert 5, 291 (vgl. 2 b/c), anrichten Göchhausen notabilia venatoris 298 u. s. w.; nosologisch: z der wunden ... schlecht groszer unradt Keisersberg 7 schwerter a a 3d; Heyden Plin. 206; die pest Knebel chron. v. Kaisheim 403. allgemeiner Luther 19, 280 W. von concreten körperlichen schäden, entstellungen (Höfler 494; Staub-Tobler 6, 1578): wartzen und dergleichen unraht Sebiz feldb. 281; Göthe 40, 329, 11 W. schriftsprachlich nicht recht mehr lebendig.
β) vorgestellter schaden, gefahr, verderben: vor allem u. behten Zwingli d. schr. 1, 280; von u. sagen. unrahts mehr denn zu viel! A. Gryphius trauersp. 105 P.; so ducken sie sich, vernehmen sie u. von menschen Aitinger jagdb. b 1b; Heppe lehrprinz 36.
γ) α und β zusammenfassend, an 2 grenzend (mnl. wb. 5, 865; Staub-Tobler 6, 1679, 1 d), in verbreiterter bed. (quae displicent Frisch, unrichtigkeit Adelung, betrug Staub-Tobler, widrige vorfälle gegen jemandes absichten, unordnungen, betriegereien Dähnert 507a, unsicherheit Spiesz Henneberg. 264, unrôt merke verdacht schöpfen Kleemann Nordthür. 24b, argwohn hegen Jecht Mansfeld 116b, merken, dasz etwas nicht stimmt u. dgl.) unrat merken (fürchten, besorgen, vernehmen, wittern, riechen). mnd. wb. 5, 70a; mnl. wb. 5, 865, 2; nl. onraad ontdekken, vernemen, merken; aus dem deutschen: dän. mærke uraad, schwed. märka ord. Wander 4, 1467, 11. 12: er forcht groszen unrot (1476) hist. volksl. 2, 121b, 254 L.; unrats besorgen Wilw. v. Schaumburg 109; keiser Conrad war der bescheidenheit, das er allen unlust und u. zeitlich zuvor mercken konte B. Faber Saxonia 89b; da vermerckte ich bald u. volksb. v. geh. Siegfried 87 ndr.; Schnabel Felsenb. 54, 7 Ullrich; war es nicht verstand, dasz ... er sobald u. merkte? Lessing 18, 254; teuflischen, mystischen u. merken E. Th. A. Hoffmann 1, 113, G. Keller 1, 64; vgl. merklichen unrath Hedio chron. 4a, Heilmann Thucyd. 811; die inquisition witterte u. Gaudy 14, 102. verblaszt: als ob er wirklich in meinem busen unrat lese Bräker 1, 66. schon im 18. jh. (Hermes manch Hermäon 2, 288) wie in der ma. (Staub-Tobler 2, 1679) auf c bezogen, wie die verbindung u. riechen (Bürger 94a; Görres briefe 1, 97; vgl. DWB lunte riechen) bezeugt.
δ) hingabe, verlust, verschwendung: dasz ich ... ein gutter hirte byn bis zum unradt meins lebens Risch paraphrasis (1514) b b 3b; u. nimmt sack und saamen Lehmann floril. 3, 443 (mnd. wb. 5, 69b; Tunnicius 843); so geht nicht das geringste zu unrathe Leopold handwb. der ökonomie 505b; vgl. DWB zu rate halten, zu unspiele kommen. von Frisch 2, 88b als euphemisch empfunden. veraltet.
ε) superfluitas: verlangen einige geld entweder zum rath oder u., da musz das holtz herhalten Döbel jägerpract. 3, 92; wozu in aller welt der u. von üppigen gerichten Wieland 12, 105; das ist u. unnützer aufwand, überflusz Adelung; Danneil 232a; das gewürtz belangend, ist es nur ein u. in dergleichen essen gewürtze zu bringen Amaranthes frauenzimmerl. 20; dasz jedes wiederholende wort u. wäre Herder 5, 243; K. Fr. Bahrdt leben 1, 84; nur noch mundartlich: das ist doch wirklich ein u., dasz du das anschaffen willst Spiesz Henneb. 264; das ist (der reine) u! ist überflüssig, nützt nichts (aber auch: das ist unsinn, dummes zeug, s. ζ) Hertel 193.
ζ) stärker miszbilligend, verkehrtheit, verwerfliches, abusio: (laster der fürsten u. herren werden für tugenden gehalten) und folgen andere solchem unrath mit eyffer Lehmann floril. 1, 370; (kühe werden zuerst durch einen kranz von gundermann gemolken) wozu dienet dieser u.? (vgl.η) rockenphilos. 962.
η) biblisch, δ, ε, ζ vereinigend: wo zu dienet dieser u.? (ἀπώλεια, perditio) Matth. 26, 8, erläutert Luther 302, 638, 8 W.; Marc. 14, 4; was u.? Schmolcke 2, 291; Riehl d. d. arbeit 192; so zerbrach ein weib ein glas mit köstlichem wasser zur unzeit und ärgerte die jünger mit ihrem u. Hamann 1, 393.

[Bd. 24, Sp. 1232]



θ) dispendium, indebitum, angaria; unkosten, kosten mnd. wb. 5, 69b: in verb. mit schulden Haltaus 1949; hauszhalten gehet ohne unrath und unkosten nicht ab Petri j i 3a; wir haben ein stück geldes nicht ohne sonderbaren u. aufnehmen müssen acta publica 1, 226 Palm; u. machet arm Comenius janua 276; mnl. wb. 5, 867, 4; 869, 6; nl. wb. 10, 1766, 4. unrdsgeld nebenkosten Woeste westf. 281b. nl. onraadspenning. veraltet.
b) quisquiliae (Frisius), wert- u. bedeutungsloses (vgl.α ε), was nichts nützt, taugt (Hulsius-Ravellus 381a; nütsrats Staub-Tobler 6, 1561, gs. rats sein taugen, etwas wert sein, ebda; juncker Unrat nichtsnutziges gesindel Luther 32, 396, 31 W.; vgl. u. als schelte u. personennamen bei Fischer schwäb. wb. 6, 208); allerhand nichtigkeiten Marienb. treszlerb. 180, 37; 530, 14; naschwerk Pfeiffers Germ. 27, 183; panis nebula K. v. Heinrichau 397b, Sachses gloss. 415b, Schröers voc. 1831, Diefenbach gl. 377a, n. gl. 262a, hd.-böhm. wb. 187, mnd. wb. 5, 70a, Haltaus 1950, Lexer 2, 1924, oblaten d. h. ziemlich grosze, äuszerst dünne, flache scheiben aus angesäuertem teige, die leicht zerbröckeln Knothe Markersdorf 120; syn. hippe th. 4, 2, 1552 (dazu unreter nebulo, nebulator Schröers voc. 1782, 1832; Lexer 2, 1924; unräterin, unratsweib, mnd. unrâtswîf Germania 27, 182); schlechte ware, bettfüllung Staub-Tobler 6, 1579; spreu unter weizen Ramler fabellese 2, 558; branntwein zur verfälschung des weines Guarinonius 618; verunreininigende bestandtheile unter hülsenfrüchten Lehmann floril. 2, 522, bei metallen Schwabe belustigungen 2, 16, bei salpeter Stahl gewehrger. jäger 28; abrasierter seifenschaum Göthe 25, 173 W.; λύματα (Ilias 1, 314) Bürger 189; der allerschlechteste auswurf unter den lumpen, woraus papier gemacht wird, franz. trasse Jacobsson 4, 486b; unschlitt Immermann 2, 43; 2, 116; kehricht Gesner-Herold-Forer 70a, Adelung (dafür rat Staub-Tobler 6, 1561 c β); plunder Moscherosch 597 (vgl. unheil 2 e ende) und vieles andere derart. übler hausrat Fischart ehzuchtb. 218, 20 H. botanisch: unkraut Staub-Tobler 6, 1580; Wander 4, 1467, 8; K. v. Megenberg buch d. natur 426, 26; Pritzel - Jessen 219; mit rade verbunden Kramer (1702) 2, 261a. übertragen von griech. und hebräischen sprachstudien Petrasch 1, 420; ich will den u. nicht gold nennen, der in Kephalas anthologie zusammengehäuft ist Herder 15, 385; heidnischer, neptunischer u. s. w. u. 16, 67; Holtei 40 jahre 2, 369. nach bed. c übergreifend: Göthe Hermann und Dor. 3, 15; Lueger 7, 252.
c) eingeengt auf die hauptbed. von unflat B 2 d; sordes, squalor, immunditia Kilian; Staub-Tobler 6, 1580; Fischer 6, 207; schund, schunk, tinef Train chochemer loschen2 91a; vgl. DWB unlust 3 a/b: hinwegthuung der fecium oder unrahts J. Franck bei Thurneysser m. alchymia 6a; die faule luft meines unraths Schiller 2, 169; deminutiv: der h. geist, der ein jedes unräthgen .. zugescharrt haben wollte Zinzendorf des ordinarii bedenken (1751) 26; verbindungen: alten u. wieder aufwärmen Gottsched schaub. 6, 293, u. aufrühren d. neueste 2, 905, umwenden Raabe Horacker 188, die nase in allen u. stecken Lichtwer fab. 81 u. dgl.; dünger Pestalozzi Lienhard u. G. 1, 139; schmutz Claudius 1, 149. bes. medicinisch: angehäufter kot, krankheitsstoff, eiter; giftiger, innerlicher u., blasen-, wurmunrat Höfler 494a; speichel, nasenschleim, fäulnis Staub-Tobler 6, 1580; mnl. wb. 5, 869; u. auf der haut Gesner-Herold-Forer 86a, im haar Gäbelkover 2, 102, auge 1, 86, in der nase Kramer (1702) 2, 261a, im ohr, an füszen ebda; doch ist sie (die krankheit) eine entzündung der gedärme gewesen, bis der ganze u. sich in ein groszes geschwür am hintern gesammelt hat J. v. Müller 5, 251. übertragen: die laster, als unraths ein ziechpflaster H. Sachs 6, 21, 5 K.; von schmutziger rede Staub - Tobler 6, 1580; dem tüfel und sinem u. (geschmeisz) schweiz. spiele 3, 284, 3689 B. (vgl. oben junker Unrat); unrat der miszgunst Lohenstein Arm. 2, 752b, ihres herzens Bräker 2, 145; europäischen u. Börne 6, 13; verunstaltende schreibweise

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J. Grimm an Gervinus 2, 110 (vernachlässigung, vom kaiser im bade H. Sachs 13, 137); von Offenbachs operetten Lagarde d. schr. 176. zusammensetzungen, theilweise übertragen: unratgefäsz, -kanal Karmarsch-Heeren 1, 29; 4, 639; unratsbeule Bettine dies buch 1, 298, -haus Stuffenhauer anmerkungen (1670) 2; unratloch Grob 56; unratsröhre Karmarsch - Heeren 1, 27, -schlamm Fischer-Tümpel 1, 392, -stätte W. Weigand Frankenthaler 39 (Brehm tierl. 5, 31), unratsumpf J. V. Widmann maikäferkom. 178 u. a.
2) als gegensatz zu rat 3.
a) hilflosigkeit, mangel, not, unglück, böses, trauriges u. ä.: wenn er selbs auch ynn solchen unradt keme .. er nicht mehr denn einen pfenning hette Agricola sprichw. f 4b; importunitas: zu ungelück oder u. offenb. d. h. Brigitte (1502) 14a; der herr wird unter dich senden unfal, unrat und unglück in allem, das du fur die hand nimpst 5. Mos. 28, 20; so hilfft eins ausz dem ewigen schaden und u., darinnen wir in ewigkeit hetten stecken und verderben müssen P. Eber postilla 1, 3a; schuld und u. Luther 32, 397, 22 W.; u. und iamer 302, 136 W.; wie hat sich der u. begeben? (tötung eines menschen) H. Sachs 13, 410 G.; nicht immer scharf gegen 1 abgegrenzt; mit einschlag des zufälligen (s. 4): u. unter den kalben viehbüchlein 35; obers. wb. 2, 599b als veraltet; kriegsunrath Göthe Faust 10 315 (u. des kriegs Nas eins und hundert 2, k 8a). sterne als unratstifter Fischart pract. groszm. 10. sprichwörtliches: Wander 4, 1467; H. Sachs 11, 161, 5 K.; der ist der best (rath), darausz am wenigsten u. herfolgt Lehmann floril. 2, 627.
b) verlegenheit, unzuträglichkeit, verdrieszliches, unangenehmes, übel- oder miszstand: es ist mir nit ein u. (incommodum) hist. von Troia (1499) 9a; wie man die sach anfacht, so fölt u. darauf Eberlin v. Günzburg 2, 149 ndr.; (aus kleinen übeln können schreckliche ungewitter entstehen) derwegen musz man eim geringen u. im anfang mit ernst begegnen und wehren Lehmann floril. 1, 289; nichts glich der unangenehmen empfindung, als er .. mit düsterm blick auf die verwüstungen des vergangenen tages, den u. (s. unten) und die bösen wirkungen hinsah, die ein geistreiches ... dichterwerk hervorgebracht hatte Göthe 21, 200, 13 W.; ist es mit dem sarge, schlosz G., nicht richtig, herr pfarrer, na, so erleben wir die nacht u. Gutzkow zauberer 2, 76. in alter rechts- u. geschäftsspr. beliebt (Haltaus 1949; Sattler phraseolog. 381, 477; vgl. 1 a): der hohen, beschwerlichen angelegenhait und unraths, den man zu erwarten hette staatspap. Karls V. 470; solchem u. in zeit versehung thun reichstagsabsch. 1530, 193; Xylander Polyb. 2b; nach der quelle des 16. jhs.: das werde groszen u. für die künftigen zeiten verhüten Ranke 4, 156. diesem unrath (wassermangel bei mühlen) fürzukommen Hohberg georg. 1, 69. im wesentlichen veraltet oder, wie in der Göthestelle nach 1 c (b) hinübergezogen.
c) miszhelligkeit, zwist, verwirrung, unordnung (vgl. mnl. wb. 5, 870, 3 a; nl. wb. 10, 1765, 1. 2; Staub-Tobler 6, 1578): solchs unraths und auffruhr Luther 18, 293 W.; damit kein unrot, zanck oder zwispalt under uns erwachs gemerkb. der Colmarer meistersänger 1549 Straszb. stud. 3, 234; demnach ich aber daheim den groszen u. wegen Christoph Schweinitz ... schuldwesen ... befand Schweinichen 212; meiterei und andern u. verhindern Peccenstein theatr. Saxon. 3, 104; Lehmann floril. 2, 873. veraltet.
d) ungebühr, unfug: Nürnb. polizeiordn. 121 Baader; ungehörigkeit österr. weist. 11, 722b; für unfuor, unbilde Frankf. renner Warlies 72a; solchen u. (der winkelprediger) zu verhüten Luther 28, 473, 3 W.; Zwingli d. schr. 1, 50; plural Staub-Tobler 6, 1579; A. hat sich nicht allein nicht gebessert, sondern vil mehr ursach genommen sein unraht mehr dann zvor z treiben Melanchthon-Lauterbeck oration v. landgraf Friedrichen (1563) 10a; wie seid ihr auff den unraht kommen, dasz ihr der frommen seele .. so grosze beschimpffung angelegt habet? Buchholtz Herkules 2, 772. veraltet.

[Bd. 24, Sp. 1234]



3) übler rat (rat 4). in n. spr. selten und fast nur im wortspiel: Staub - Tobler 6, 1581; du bist radt und lieber getrewer, so schaue nur vleissig drauff, das nicht unradt und untrew draus were Luther 32, 69, 29 W.; mit untrew und u. wird man nicht reich 32, 71, 3 W.; Campe; vergeblicher ratschlusz (nequiquam Horaz od. 1, 3, 21):

unrath musz es gleichsamb seyn, dasz des allerklügsten rath
land und äcker von dem Belt weislich abgesondert hat
Morhof unterricht 711.


4) rat 6 entsprechend, unabsichtlichkeit, unbedachtes, unvorhergesehener zufall: de casibus et infortuniis, vulgo unrath. wenn bekl. sich entschuldiget, er habe es unwissend und nicht gern gethan, e. g. wann einer mit einen wagen führe, und lieffe darunter ein schwein oder schaaff und käme zu tode unversehener weise, das wird unrath gerechnet quelle bei Haltaus 1950; mnd. wb. 5, 69a, 1; unrath kompt wol Petri y 7b, vgl. DWB unram. so verbindet sich mit bed. 2 a dann die des unfalls: aber zu Armuyd, do ich anfuhr, do geschah mir ein groszer u. Dürer tageb. 70, 12; ebenso R. Crusoe (1721) 2, 303; es musz biszweilen ein u. geschehen, dasz ein tiegel auslaufft Ercker beschreibung (1580) 23b; Eyering 1, 364; vgl. DWB durch zufelligen u. Schütz Preuszen 3, x 4a. —
 
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unraten, verb., zu unrat 1 a (2 a) 'schaden, unheil stiften' u. zu unrat 1 c 'unrat machen', 'eitern' Staub-Tobler 6, 1580. verunraten 'voll unrat werden' ebda 1581. mhd. unrâten 'schlecht raten'. —
 
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unrat(s)fähig, adj., gth. v. rat(s)fähig. Kramer (1700) 1, 516b; Frisch (1730) 629; Campe.
 
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unrätig, adj.; vgl. rätig. mhd. unrætec 'zum ratgeben nicht geschickt'; mnd. unradich inconsultus, prodigus; mnl. onradich inconsultus. vgl. DWB miszrätig. nhd. unrätig prodigus Kramer - Moerbeek 368c; unradig Doornkaat 3, 473a. nach unrat 1 b (c): vuil, morsig Kramer-Moerbeek; unrätiges holz österr. weist. 10, 37, 25; 38, 12 (1632); im hauswesen soll man .. die gerste auf den boden fleiszig sieben, damit das unräthige daraus komme haushalt.-lex. (1749) 1, 2b. veraltet.
 
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unrätlich, adj. adv. , gth. von rätlich. frühnhd. auch ohne umlaut. ahd. unrâtlich, mhd. unrâtlich, -rætlich, mnd. unradelike, mnl. onradelike, nl. onraadelik; ags. unrdlîc; an. úráðligr, schwed. ordlig.
1) rätlich 1 entsprechend, incomptus: ein langes, aber ein unrathliches (haar) wachszen lassen Wurstisen Pauli Ämilii hist. 1, 12; vgl. DWB ratlos 1. squalidus Wiederhold, Dentzler. unreinlich, unsäuberlich, unordentlich Staub - Tobler 6, 1617. Fischer 6, 208. unratlichen, verb., unsauber sein; unratlichi, f., unreinlichkeit Staub - Tobler 6, 1618. veraltet und mundartlich.
2) gth. v. rätlich 4: es wurde nit unretlich, sondern fast wol gethan sein P. Colman Cordissiano (1571) 214a; unräthlich bösem rath Hohberg Ottobert NNn 7a; in dieser zeit war unräthlich zu thun, was man für nothwendig hielt Göthe 35, 28 W.; wegen räthlichem und unräthlichem baden III 9, 75, 28 W.; IV 37, 137 W.; das unräthliche einer solchen expedition IV 12, 108 W.; compar. Gutzkow 6, 128. für impracticabel Kinderling 277. statt unrätlich in Oberhessen unrat Vilmar 425.
3) gth. zu rätlich 5. inconsultus: unräthliche wort Zinkgref apophthegmata 384. eitele tag', unfruchtbar, unräthlich Bodmer Noah 6, 89. unhaushälterisch, verschwenderisch Staub-Tobler 6, 1618: ein bawfellig haus zeigt an ein unrätlichen (vgl. unredlich 3) wirt Stöckel ich will ein weib nemen a 2a; das Magdalene mit der verschutten salben sey unrethlich umbgangen Luther 302, 638 W.; unvortheilhaft, unwirtschaftlich, nachtheilig Doornkaat 3, 473a; es ist so ganz u. nicht, wenn ... breite striche ungebauet liegen bleiben Möser 2, 288. aus luxuriosus ergibt sich auch die bed. 'übertrieben': die unrädtliche tribut und schatzungen Braun beschreibung u. contrafactur 5, b 1b. veraltet.
4) zu unrat 2 b und 1 b: so viel unrätliches (vorher kehricht von kummer und unmut in der seele) und

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misztröstliches P. Heyse an Storm 1, 171. dazu unrätlichkeit, f.: impolitia Staub-Tobler 6, 1618; unrath- und unzimligkeit Barth weiberspiegel k 6b; prodigentia Stieler 1504; Adelung; veraltet. die u. des unternehmens, verfahrens u. dgl.
 
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unratsam, adj. adv. , gth. von ratsam. mhd. unrâtsam aus unrâtsamkeit, f. Tauler 422, 16 V. zu erschlieszen. nl. onraadzaam.
1) gth. v. ratsam 1, unreinlich Staub-Tobler 6, 1618; dazu unratsami, f., 1621.
2) gth. von ratsam 2: und war diser zweier cardinäl bedencken nicht u. H. Müller türck. hist. (1563) 73a. veraltet.
3) gth. v. ratsam 4: hat mich nicht für unrahtsam gedunckt Parac. 2, 685b; wiewol es nicht u. gethan were Sebiz feldbau 12; Kirchhof mil. disciplina 12; dem ersten anblick nach schien es u. zu seyn .. zu wollen Herder 16, 425; es würde doch nicht so ganz u. seyn, wenn .... Beck chamäleon 69; eine unrathsame ehe Schopenhauer 2, 699; ein überbein machte ... das reisen u. O. Ludwig 6, 338.
4) gth. v. ratsam 5: temerarius Frischlin 101b; inconsultus Stieler 1518, prodigus 1504; wild, unachtsam und u. mit dem seinen umgehen Freder dialogus dem ehestand zu ehren (1545) d 2a; Benzler deichbau (1792) 1, 4. veraltet.
 
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unratsame, f., gth. u. mangel der ratsame: Wurstisen Pauli Ämilii hist. 1, 183.
 
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unratsamkeit, f. 1) wie unratsam 1: hüte sich auch ein jeglichs ehemensch für u. und unfletigkeit in der kleidung Sarcerius ehestand (1553) 109b. übertragen 'inordinatio' (vgl. auch unrat 2 c/d): wie dann vom haddern wunden und peulen und allerlei u. entstehet und sich andrehet Bütner dial. teutsch (1584) 76b; Mathesius ep. an die Corinth. 1, 141b. veraltet. 2) wie unratsam 3: Campe; die u. des schrittes. 3) wie unratsam 4, temeritas: Tauler pred. 422, 16 V.; die lieb der weiber macht u. und bricht hoch synn und gaist E. Gross Grisardis zs. f. d. phil. 29, 381. prodigentia Stieler, Kramer. veraltet.
 
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unratsamlich, adv., adj., gth. v. ratsamlich. veraltet. 1) inculte Staub-Tobler 6, 1621. 2) wie unratsam 3, gth. v. ratsamlich: dasz es nicht u. wäre, dasz ... franz. Simplic. 1, 485. 3) prodige Stieler 1504. —
 
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unratschlägig, adj., gth. von ratschlägig: hinderlistige, unrahtschlägige und bedriegliche leute J. B. Porta physiognomy (1601) 501. veraltet.
 
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unratselig, adj., gth. v. ratselig consiliosus Stieler 1992.