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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tröglein bis trogschwein (Bd. 22, Sp. 793 bis 796)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tröglein, n. , s. 1trögel. selten trüglein, so Gerbet Vogtland 427; trügelein (wechselnd mit trögelein) Moscherosch insomn. cura 130 ndr.; im übrigen herrscht seit dem 15. jh. die form tröglein.
1) kleiner offener trog u. ä. für verschiedene zwecke, alveolus, linter: alveolus trögli (anf. 15. jh.), trogelen Diefenbach nov. 18; linter troglin, treglin (1495) Diefenbach 332a; (er) bringt die zwey kinder in einem offenen troglein Hans Sachs 20, 151 Götze; Faustulus verfügt sich zu Numitore mit dem tröglein, darein Romulus und Remus erstmals gelegt sein worden Xylander Plutarchus

[Bd. 22, Sp. 794]


(1580) 8b; alaun, das stürzet man auf ein haufen, ..., darnach thut mans in trögle oder gruben Mathesius Sarepta (1571) 123a; man musz wasser ins tröglein thun, wenn man will schleiffen Lehman florilegium politicum (1662) 1, 313; man soll im vollmond im julio ... den allerbesten grund nehmen, ein tröglein damit halb voll anfüllen, und den (blumen-)saamen herum darauf streuen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 645; darnach lasz sie (die regenwürmer) in ein tröglein das edle fischbüchlein (Nürnberg 17. jh.) 36. im besonderen
a) ein kleiner futtertrog: salz aber sol man in (den schafen) vil geben gestrawet uff ire speise oder geben zu lecken in ire trögelein Petrus de Cresc. vom ackerbau (ca. 1495) 167a; auch musz man allzeit in einem tröglein wasser darbey setzen, dasz sie (die jungen gänslein) immer mit trincken newes viehebüchlein (1667) 105; das tröglein (d. i. krippe) des christkinds Carossa kindheit (1922) 87; besonders häufig ist tröglein der futternapf der vögel: canaliculus ein tröglin (f. d. vogelkäfig) Orsäus nomenclator method. (1623) 203; die stubenvögel, welchen man täglich ihr tröglein und hörnlein füllet, sind ein bild reicher leute Christhold andachten (1729) 19; öfter als eszgeschirr für menschen, vergleichsweise und stets deutlich als herabwürdigung:

der sohn sprach, friszt er (der vater) wie ein schwein,
so mach ich ihm ein trügelein
Moscherosch insomn. cura 130 ndr.;

'ei', antwortete das kind, 'ich mach ein tröglein, daraus sollen vater und mutter essen, wenn ich grosz bin' kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 356; gehört hierher auch: das alter hat keinn andern stütz dann das tregle und trünckle S. Franck sprichw. 1, 30 ?
b) in der mühle der behälter, in den das getreide läuft: nämlich die khaw und tröglin darunder, an den gerb- und malmülen für abrören, und dermassen über ainander gericht werden, das der getraid oder groszmelb sonst niendert hin dann enmitten durch des gangstains loch in den lauf fallen mög der neü laienspiegel (Straszburg 1518) 24b; auch den kasten mit dem körwisch saufer auskeren ..., das tröglin unter dem tremel wol auslaufen lassen, mit dem klipfel an die zargen schlagen und klopfen, damit das mel sauber herauskomme Lazarus v. Schwendi mühlordnung bei Eiermann L. v. Schw. 155.
2) ein verschlieszbares kästchen, arcula, capsula, cistula: ain trögly mit spieszysen (1484) mittelalterl. invent. aus Tirol u. Vorarlberg 1, nr. 8 Zingerle; ain trögly mit briefen (1484) ebda nr. 10; capsula tröglin, kistlin Frisius 187b; Alexander ... ein tröglin mit köstlicher wolschmeckender salben bekame Heyden Plinius 45; sie verbrennen ihre abgestorbene cörper und verschliessen die übrigen bein in tröglein H. Megiser chorographia Tartariae (1611) 232; 's trögli voll plunder! Hebel 1, 124 Behaghel; eine betschwester, die ... geld im trögli hat Gotthelf w. (1898) 1, 174 volksausg.
 
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tröglein, n., 'das einsammeln einer gabe an mel, eiern, butter von hause zu hause in der gemeinde, welche dem hirtenbuben am ende der hütezeit alljärlich gewärt wird' Birlinger wörterbüchl. z. volksthüml. aus Schwaben 26, vgl. 2trögel 2 und trögeln, vb.
 
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troglodyt, m. , gr. τρωγλοδύτης, höhlenbewohner, zufrühst noch in der korrekten form ohne l (s. W. Schulze orthographica xxiv, kl. schr. 413), die vom griech. über das lat. und franz. auch ins deutsche übergegangen war: Trogodîte (bei Rudolf von Ems s. u.), Tragodîte (bei Hugo von Trimberg renner 23148 u. ö.) s. Suolahti d. frz. einfl. a. d. dtsche spr. im 13. jh. 66; vgl. trogodite als lat. stichwort noch in gloss. des 15. und frühen 16. jh. Diefenbach 598c; gemm. gemm. (Augsburg 1512) y 6b. vom gebrauch der lat. autoren ausgehend, bezeichnet das wort im dtsch. zunächst nur den in höhlen wohnenden äthiopischen volksstamm, ja das lat. trog(l)odite wird im 15. und 16. jh. allgemein mit moren glossiert, vgl. bei Diefenbach 598c.

[Bd. 22, Sp. 795]



1) die alten Äthiopier:

Ethyopia, darnah Sabba ...
an der lande ostirn sitin
sitzent die Trogoditin
Rudolf von Ems weltchr. 2827 E.;

die Beduinen oder eingebohrne der insel wohnen in höhlen oder gruben der steinfelsen oder der erde, wie die uhralten Trogloditen am gegenüber gelegenen etiopischen strande O. Dapper Africa (1671) 657a; in höhlen zu wohnen, wie die alten moren, so man troglodyten hies Butschky Pathmos (1677) 641; viele stämme ... die Trogloditen, Schangalla, Fungi Ritter erdkde 1, 531; hierher wohl auch: solten die Trogloditen darumb kein rechte namen haben, weil sie ire kinder nach den küen, schafen und geissen, die sie saugen, nennen? Fischart Garg. 164 ndr.; in solcher qualität wurde ich einsmahls von Sabacano der Trogloditen fürsten gedingt Grimmelshausen keusch. Josef (1670) 82.
2) allg. 'höhlenbewohner': ein theil derselben (der kananitischen völker) waren troglodyten Herder 12, 127 Suphan;

scheu in des gebürges klüften
barg der troglodyte sich
Schiller 11, 292 Gödeke;

Diodor und Strabo bezeugen, dasz es in jener gegend höhlenbewohner oder troglodyten gegeben G. Forster 4, 363.
3) übertragen für einen menschen auf sehr niederer kulturstufe: kauf und verkauf, und alle handlung wird unter diesen neuen troglodyten nicht anders als baar gegen baar ... (die atheisten sind gemeint) Haller tagebuch (1787) 2, 326; ein märchen von kritischen troglodyten, nach art des Montesquieu Herder 1, 246 Suphan; (du solltest) hier 'hauszen' ... vergnügen (haben) über die patriarchalische einfalt meiner stube und über den troglodyten selbst Jean Paul briefwechsel 1 Nerrlich. auch geradezu als schimpfwort, s. (L. Pansner) schimpfwb. (1839) 71a. —
 
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troglodytisch, adj., zu 1: die troglodytische oder mohrenländische ochsen ... haben ... allesambt dermassen weite mäuler J. B. Porta physiognomy (1601) 251; das trogloditische Arabien von der stadt Sues ... bis an den berg Elefas Dapper Africa (1671) 660b; das troglodytische Aethiopien A. v. Humboldt kosmos 2, 430 anm. 3. zu 2: der mangel an lüftung macht diese troglodytischen behausungen zu einem ganz unerträglichen aufenthalt Hehn kulturpfl. u. haustiere 536. als adv.:

wenn das glänzend reiche gute
fadenweis durch klüfte streicht,
nur der klugen wünschelruthe
seine labyrinthe zeigt,
wölben wir (die gnomen) in dunklen grüften
troglodytisch unser haus
Göthe I 151, 55 W.

zu 3: durch den fast attischen vortrag seiner oftmals ziemlich troglodytischen gedanken W. Gerstenberg schlesw. lit.-br. 1, 4 lit.-denkm.
 
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trogmuschel, f., engl. trough-shell: die trogmuscheln (mactra; calliste poli.) haben ziemlich gewölbte, ungleichseitige schalen mit einem groszen, löffelförmigen zahn Oken 51, 311. —
 
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trograd, n., ein mühlenrad, dem das wasser oben durch eine rinne (trog, s. 1trog 1 a sp. 784) zugeführt wird, oberschlächtiges wasserrad, s. Mothes ill. baulex. 4, 375; oberschlächtiges wasserrad ... sie heiszen auch trog- oder bottichräder Voch baulex. 202. —
 
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trogrand, m.: (sie setzte sich) auf den trogrand und hub an zu weinen Rosegger schr. III 6, 278. anders: mehrere der alten gletschertäler 150-200 meter hoch über der flachen talsohle an den seitlichen talwänden von älteren trogrändern durchzogen tägl. rundschau (1904) unterhalt.-bl. 898a.
 
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trogscharre, f. , schabeisen zum auskratzen des backtroges; die teigreste selbst. neben der zum schwachen vb. scharren gehörigen form des zweiten compositionsgliedes steht zufrühest und noch heute in den mundarten das vom starken vb. scherren abgeleitete -scherre:

[Bd. 22, Sp. 796]



1) schabwerkzeug: vgl. trocsherre torrestrinum Konrad v. Heinrichau altschles. voc. (14. jh.) bei Diefenbach 589a; torotusta troge-, trog-, tragscherre, -scherr (15. jh.) Diefenbach 589a; pastesis trogscherr (15. jh.) nov. 282a; mundartl.: drōkschärre Hertel Salzungen 47; Fischer schwäb. 2, 396. in der form -scharre pastisis: (1470) mlat.-hd.-böhm. wb. 203 Diefenbach; Gerbet Vogtland 427; Fischer schwäb. 2, 395; radula Corvinus fons lat. (1646) 694; Steinbach dtsch. wb. 2, 494; mit verdumpfung zu o: trūgschorr (Erzgeb.) Müller-Fraureuth 1, 252; daneben auch als -schere, -schern: trogschern (nordthür.) ebda; trogscheere Unger-Khull 175; rasula pistorum eine trockscheren Bas. Faber thes. (1587) 680b; radula ein trogschere nomencl. lat. germ. (Hamb. 1634) 378:

(der arme hat) weder mlter noch den drogk,
enspin, spihdel, wa ist noch der garnrock?
wa haspel, flachs, trogscherren?
Hätzlerin liederb. 42 Haltaus;

welches (maul) auszsihet, als hette mans mit einer alten trogscharren abgeschabet B. Sartorius der schneider widerlegung 12; so soll man ... den teig auf einen darzu bereiteten tisch thun, und mit der trogscharre denselben fleiszig zusammenscharren Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 70a; bildlich: Marcus heisset in deutscher sprache ein gereinigter, ein gefegeter, welcher den alten sauerteig der sünden durch die trockscharr warer busze aus seinem gewissen gekratzet hat V. Herberger trawrbinden (1612) 2, 328; die christen fegen alle tage den alten sauerteig aus ihrem herztroge mit der kleinen trogscharre im vaterunser: vergieb uns unsere schuld stoppelpostilla (1715) 322a.
2) teigreste im troge, daraus gebackenes, vgl. 1scharre 2 teil 8, 2214, schere 8 b, c, e teil 8, 2569 und scherrkuchen teil 8, 2593: pastesis genus panis trockscheyr voc. ex quo (15. jh.) bei Diefenbach 415c; pastesis, genus paste adherens alveolo trogscher voc. inc. theut. (15. jh.) ebda; trogscharre 'reste des teiges, die aus dem backtroge gekratzt werden, die daraus gebackenen kleinen kuchen' Weinhold schles. wb. 100; trougschal, f., 'trogscherlein', der rest vom brotteig Schröer ungr. bergl. 239; mit abweichendem genus, wohl substantivierter infinitiv: von jedem trogscheren soll man wieder ein laib taig zum urheb (sauerteig) aufheben Hohberg georg. cur. 1, 201. dazu: trogscheericht und trogscheerach, n., teigreste, die im troge mit der trogschere zusammengekratzt werden; letztes kind in zahlreicher familie Unger-Khull steir. 175.
 
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trogschiff, n., vgl. DWB trogkahn: und musz alsdann das trogschiff mit stangen fortgeschoben werden J. W. Valvasor d. ehre d. hzgth. Crain 1, 157. —
 
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trogschleuse, f., schiffsschleuse mit beweglichen kammern Lueger (1894) 7, 728; Hoyer-Kreuter 1, 780. —
 
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trogschwein, n., schwein (das für gewöhnlich aus dem trog gefüttert wird) Fischer schwäb. 2, 395: von dem gehürnten vihe, auch trogschweinen, wievil jeder burger halten möge (1575) ebda 396; mit im aigen trogschweinen (1514) ebda.